Anzeiger für die Stadt und den Kreis Aulda.
Tir.1173.
Erscheint techkmat wöchentliche Wo»enbe:lagon illustrierte Bei- läge" und BuchenblStter" Rntationrdriilk und Verlag der Fuldaer Actiendruckeret In Nuldo. Tscrnlvrecher Nr 9.
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Amkliches Kreisblakk.
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Zahrg. 53.
Ile Regelung der internationalen Schulden
Ein wirtschaftlicher Mitarbeiter schreibt:
Nach dem Abkommen des Schuldenübereinkom- menz zwischen Frankreich und den Bereinig, len Staaten ist der überwiegende Teil der Kriegs- nnd Nachkricgsschnlden an die Union einer Rege, irmg zugeführt. Der gesamte Kapitalbetrag, der an die Bereinigten Staaten geschuldet wurde, beläuft sich auf 10 337 Millionen Dollar, von denen durch die bisherigen (insgesamt 13) Abkommen 10 083 Millionen Dollar fundiert sind.
Unbereinigt bleiben gegenwärtig nur noch die Schulden R u ß l a n ds, Oesterreichs, Griechenlands, Kubas, Nikaraguas und Liberias, welche insgesamt 253 Millionen Dollar ausmachen. Die Fundie- runN-übereinkommen laufen durchweg über eine Zeit von 62 Jahren. Nach der Fundierung ist einschließlich der Zinsen ein Betrag von 22 096 Millionen Dollar gegenüber einem reinen Kapitals- detrag von 10 083 Millionen Dollar zu bezahlen.
Fundiert sind die Schulden Englands, Frankreichs, Italiens, Belgiens, Polens, der Tschechoslowakei, Rumäniens, Estlands, Lettlands, Finnlands, Litauens, Ungarns und Jugoslawiens. Am schwersten belastet erscheint das Nationaleinkommen I t a- l i e n es, das durch die Schuldenzahlungen an die Berenngten Staaten mit jährlich 0.97 Prozent beschwert erscheint. Die jährlichen Zahlungen Groß- britaniens machen 0,94 Prozent, die Belgiens 0,8 ■■BRSnwnHKBBSniBBBHMaiHBBUgMHEi
Prozent und d'e Frankreichs 0,6 Prozent aus. Die verhältnismäßig starke Belastung Englands resultiert aus der viel größeren Zinsenlast. Während Italien bekanntlich in den ersten fünf Jahren über- haimt keine Zinsen zu bezahlen hat und in den rocITeren Jahren nur ein Achtel Prozent, ein Viertel Prozent und schließlich 1 bis 2 Prozent an Zinsen entrichten muß, ist England seit dem 15. Dezember 1922 mit einer Verzinsung von 3 Prozent, späterhin sogar von 3’A Prozent beschwert. Auch Frankreich und Belgien haben wesentlich günstigere Zin- senbedingimgen, so daß die Belastung nicht so groß ist wie die Englands. Einschließlich der Zinsen Hai England in 62 Jahren 11.106 (bei einem ursprünglichen Kapitalsbetrag von 4.277), Frankreich 6.848 (bei einem Kapitalsbetrag von 3.405) und Italien 2.470 (bei einem Kapitalsbetrag von 1.648) Mill. Dollar zurückzuzahlen, so daß England insgesamt mehr als das Zweieinhalbfache, Frankreich mehr als das Doppelte der entliehenen Summe und Italien 50 Prozent mehr als den Kapitalsbetrag zu bezahlen haben.
Angesichts dieser Zahlen kommt di>e Summe der noch nicht fundierten Schulden für die Vereinigten Staaten fast überhaupt nicht in Betracht, >a diese Summe wenig mehr als ein Prozent der nach der Fundierung rückzahlbaren Beträge ausmacht.
Die Zustande im besetzten Gebiet
ie, die sie i n
Sm englischen Unterhaus fragte der Abgeordnete Ponsonby, ob von der deutschen Regierung auf die neue an Deutschland ergangene Mitteilung der In- ♦eratliierten Kontrollkommission in Sachen der deutschen Abrüstung eine Antwort eingelaufen fei. Chamberlain erwiderte, daß er seiner Antwort vom 21. Juli nichts hinzuzufügen habe. Ponsonby fragte weiter, ob die englische Regierung in Uebereinftimmung mit der Zusagl.....
Locarno oder kurz danach gegeben habe und mit der Absicht, die noch ausstehenden Differenzpunkte vor dem Zusammentritt der Völkerbunds- nerfamm(ung_im September zu regeln, den anderen -Besatzungsmächten die nötigen Schritte vorzuschla- gen beabsichtige und die An z a h l der alliier- V " Tru ppen im besetzten Gebiet auf die Kopfstarke zu vermindern, die Deutschland vor dem Kriege im Rheinland rmterhalten habe. Chamberlain antwortete, man habe der deutschen Regierung keinerlei Zusage gegeben, daß die Besatzungs- truppen im Rheinland auf die Zahl der deutschen Garnisontruppen vor dem Krieg vermindert würden. Die Regierung halte sich selbstverständlich nach wie vor an die Note der Botschafter-Konferenz vom 14. November.
Deutschland und der Völkerbund.
Der Londoner Vertreter des „Manchester Guar- dian" kritisiert es abfällig, daß noch keine Vor- kehrungen znm Abschluß der vorbereitenden Ar- betten getroffen wurden, die mit dem Eintritt stehen^"^ in ben Völkerbund im Zusammenhang
In einer Rede in Oxford erklärte Viscount Grey, Deutschland miiffe nach feinem Beitritt zum Locarnovertrag, sobald es Mitglied des Völkerbundes geworden ist, auf der Grundlage völliger Gleichberechtigung behandelt werden. Er hoffe, daß die im vergangenen März anläßlich der Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund gewachten Mißgriffe sich nicht als verhängnisvoll erweisen würden. Die allgemeine Abrüstung werde durch die Politik Sowjet-Rußlands außerordentlich erschwert und es sei deshalb ungemein wünschenswert, daß, wenn Deutschland dem Völkerbund beitrete, auch Rußland sich ihm a n s ch l i e ß e.
Ein Aufruf für die europäische Verständigung.
Der Verband für die europäische Verständigung veröffentlicht einen Aufruf, in dem es heißt:
.. Das Zeichen für die Aussöhnung der europäischen Völker fft mit dem Vertrage von Locarno gegeben. Dieses Verständigungswerk hat selbst die Genfer Krisis überstanden. Der Verlauf und das Ergebnis dec Berfarnrnlung von Genf haben aber bargetan, daß auch innerhalb dieses erdumspannenden Staatsverbandes der Kreis der europäischen Bölker sich gesondert verständigen muß. Die Schöpfer des Vertrages von Locarno nennen ihr Werk selber einen Anfang. Sie erklären: Die Regieningen können nur die Wege ebnen. Der Zusammenschluß zu positiver Zusammenarbeit muß das Werk der Völker sein. Das deuffche Volk ist bereit, seine Lebens-
intereffen auf dem Wege weiterer Derständigungs- arbeit zu sichern. Andererseits haben die übrigen Völker begriffen, daß eine Weiterentwicklung Europas ohne einen vollen Ausgleich mit Deutschland unmöglich ist. Soll aber die neue Ordnung, die zur allgemeinen Abrüstung führen muß, von Dauer sein, so muß die Gewißheit geschaffen werden, daß die moralischen Garantien, die an die Stelle der militärischen treten, von keiner Seite verletzt werden. Dies kann nur durch eine Vertiefung der Gedanken des Friedens und der Solidarität sowie durch eine Verflechtung der Wirtschaften erreicht werden. Für beide Ziele will der Verband für die europäische Verständigung alle Kreise unseres Volkes sammeln, die die Verständigungsarbeit zu fördern bereit sind. Dieser Verband ist soeben im Einvernehmen mit gleichstrebenden Gruppen anderer Völker ins Leben gerufen worden. Dem vorläufigen Vorstand gehören an: Professor Schük- fing als Vorsitzender. Wilhelm Heile als gefchäfis- führender Stellvertreter des Vorsitzenden, ferner die Abgeordneten Prälat Kaas, Giesberts, D. Cremer, Rickes, Sollmaim, Wissel, Nuschk«, Frhr. v. Reibnitz.
Der Aufruf fft von sehr zahlreichen hervorragenden Persönlichkeiten aus allen Gebieten des öffentlichen Lebens aus ganz Deutschland unterzeichnet. Don den Unterzeichnern seien genannt: Reichskanzler Dr. Marx, Reichsaußenminister Dr. Strefemann, Reichswehrminister Geßler, Reichskanzler a. D. Wirth, Reichsfinanzminister Reinhold. Reichsinnenminister Dr. Külz, Reichskanzler a. D Dr. Luther, Reichstagspräsident Lobe, Staatsmini» fter n. D. Prof. Lindemann-Köln, Reichsminister a. D. Koch, Reichsminister a. D. Köth, Reichsmini- fter a. D. Köster, der deuffche Gesandte in Riga, Staatssekretär z. D. Kempkes, Reichsminister a. D. Gisbert, Gothein, Graf Bernstorff, der Vorsitzende der deutschen Liga für den Völkerbund, Professor Baumgarten-Kiel, Dr. Gertrud Bäumer, Mini- sterialrat M. d. R. Professor Albert Einstein-Berlin, Anton Erkelenz M. d. R., Dr. Carl Fritz. Erz. bischof von Fre'burg (Breisgau), Gerhart Hauptmann, Oberpräsident Hörsing, Professor Leopold Jeßner, Intendant des Preußischen Staatstheaters, Graf Harry Keßler, Gesandter z. D. Th. Leipari, Vorsitzender des Allgemeinen deutschen Gewerk- fchastsbundes, Oberpräsident Noske-Hannover, Ge- heimrat Friedrich Payer-Stuttgart, Bürgermeister Petersen-Hamburg, der preußische Innenminister Severing, Reichsgerichtspräsident Simons, Ministerialdirektor Spicker, der preußische Handelsmini, fter Dr. Schreiber usw.
Die MMarkontrolle in Oesterreich.
Wie eine politische Korrespondenz erfährt, gehen die Verhandlungen, die schon seit mehreren Tagen mit der Botschafterkonferenz in Paris wegen des Abschlusses der Mililärkonlrolle und Beendigung der Funktionen deS LchuidationcorganeS geführt werden, ihrem Ende zu. Die österreichische Gesandtschaft in Paris unterbreitete der Bundesregierung einen Bericht über den gegenwärtigen Stand der Verhandlungen. Die österreichische Gesandtschaft in Paris wurde über Ne Stellungnahme der Bundesregierung zu einzelnen noch offenen Fragen informiert.
Wie stehts in Indien?
Sn Beantwortung einer Anfrage im englischen Oberhaus erklärte Lord Birkenhead, daß die Beziehungen zu Sffghanistan nach wie vor freundschaftliche seien. Der Einfluß der englischen und indischen Regierungen in Afghanistan bestehe unvermindert feit 1885. Wenn solche Interessen wie England sie in Afghanistan habe, jemals ernstlich bedroht sein sollten, so glaube er, daß England ohne weiteres ein Mittel zum Schutze dieser Interessen finden würde. Unter Bezugnahme auf das Blutvergießen in Indie n erklärte Birkenhead, daß den Führern der Hindus und der M a - Hammedanern der gute Rat erteilt worden
fei, ihre Meinungsverschiedenheiten beizulegen. Dadurch würden die Freunde Indiens in die Sage gesetzt, eine erklärbare Grundlage zu schaffen, die es ermöglichen würde, die Machtbefugnisse der indischen Regierung unter einer Verfassung zu dem srüher-n Zeitpunkt auszudehnen.
* Der Potemkin-Film freigcgeben. Der russische Film „Panz-rkceuzer Botemkin', der vor einiger Zeit von der Filmoberprüsungsstelle verboten wurde, hat der Filmprüfungsstelle in abgeänderter Fo.rm erneut vorgelegen. Alle Beanstandungen
1 waren herausgelassen. Die Prüfstelle hat den Blättern zufolge entschieden, daß der Film freigegeben wird und auch von Jugendlichen besucht werden darf.
Nene Wege in der Kriegsschnldsrage.
Die durch die Aktenoeröffentlichunq des Auswärtigen Amtes und durch das allmähliche Zutage- treten ergänzender Schriftstücke in anderen Ländern nenätjrte und geförderte Untersuchung derKriegsschuldfrage hat in der deutschen Oessentlichkeit durch die Vorträge eine besondere Aktualität erhalten, die, wie schon gemeldet, der amerikanische Universitätsprofessor Harry (Eimer Barnes, der Verfasser des Werkes „The Genesis of the World War" in den letzten Tagen in Berlin hielt. Das Werk dieses Gelehrten, der die Kriegsschuldfrage ohne jede politische Stellungnahme zum Gegenstand wissenschaftlicher Forschung gemacht hat, wird demnächst in deutscher Sprache erscheinen. Seine Schlußfolgerungen, wonach Deutschland nur im geringsten Maße für den Ausbruch des Weltkrieges verantwortlich ist, während sich in die Hauptschuld Rußland und Frankreich, an zweiter Stelle Oesterreich-Ungorn. teilen, erheben Anspruch auf vollkommenste Objektivität. Im engeren Kreise gab Professor Barnen dann einen Uebsrblick über die Entwicklung des Problems unter dem Gesichtswinkel der historischen Forschungsarbeit. an der übrigens Frankreichs Gelehrte überragend beteiligt seien. Dabei wird auf die auffällige Abstufung hingeroiefen, mit der die einzelnen am Kriege beteiligten Mächte der moralischen Forderung nach einer Deffnung dieser Archive entsprechen. Es sei mit ziemlicher Sicherheit zu erwarten, daß eine Vervollständigung der russischen Aktenstücke und ihre Zusammenstellung mit den bisher amtlich nicht herausaegebenen serbischen Dokumenten die Barnessche These als richtig erweisen würde, wonach zaristische Behörden im Voraus von dem Attentat von Seraferoo gewußt hätten, also die bewußte Entfeffelung der Katastrophe Rußland vollständig zur Last fiele.
Jedenfalls ist die wissenschaftliche Erforschung der Kriegsschuldfrage, die an fich mit dem deutschen Kampf gegen das Stigma des Versailler Vertrags und den auf ihm oufgebauten materiellen Folgen nichts zu tun hat, seit einiger Zeit in ein au s- sichtsreicheres Stadium getreten. Nach den Vorschlägen des amerikanischen Gelehrten sollen die Forscher der verschiedensten Länder, die sich vom historischen und juristischen Standpunkte mit der Schuldfrage befassen, zunächst in neutralen Städten zu regelmäßigen Kongressen usam- mentreten, um durch Austausch und Ergänzung ihrer Forschungsergebnisse in absehbarer Zeit zu einem objektiven Resultat zu gelangen.
In einer vom akademischen Arbeitsausschuß für den deutschen Aufbau und vom Arbeitsausschuß
deutscher Verbände veranstalteten Kundgebung in München hielt Professor Barnes im Auditorium Maximum der Münchener Universität einen Vortrag über die Kriegsschukdfrage. Er wies darauf hin, daß die moralische Reinigung Deutschlands die Strafparagraphen des Versailler Vertrages beseitigen und die Repvntivnsfrage in völig neues Licht stellen würde. Barnes betonte nochmals wie vor einigen Tagen bei einer Berliner Kundgebung, daß die unmittelbare Ve.ant» mortung für den Weltkrieg auf Frankreich und Rußland falle und daß der berüchtigte Sdiutboaragravh im Versailler Vertrag ohne jede Grundlage fei. Der Dawesplan fei nur ein kleines Bemühen, die Strafe eines Man ies zu vermindern, den alle als unschuldig erkennen. Barnes trat weiter für die Rückgabe her deutschen Kolonien unter einem Mandatir-stim ein. Notwendig werde es auch fein, die in der Natur der Dinge begründete Vereinigung Deutschlands mit Oesterreich zu gestatten, wenn diese beiden Länder die Ber-iaimmg wünschten. Die Gerechtigkeit fordere es weiter, daß den deutschen Bewohnern Sübtir ols ihre kulturelle persönliche Freiheit gesichert werd». Zur Aufklärung der Kriegsschuldfrage müßte die O e f s- nung der Geheimarchive aller Länder erfolgen und eine internationale Konferenz Sommer- ständiger aller Länder in einem neutralen Lande zusammentreten. Der Kundgebung folgte der Empfang beim bayerischen Ministerpräsidenten, der auch dem Vortrage beigewohnt hatte, zu dem her- vorragende Vertreter des potitifchen ”~s ' ' ff->n Lebens Bayerns geladen waren.
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Bei den anläßlich der Auwesenhest Professur Barnes vom bayerischen Ministerpräsidenten gegebenen Empfang entbot Ministerpräsident Held dem Kriegsschuldforscher Gruß und Dank namens der bayerischen Staatsregierung, wobei er betonte, daß es um Deutschland immer gut bestellt sein werde, wenn die objektive Wahrheit festgestellt werde. Jede Schönfärberei fei ab« zulehnen, dann werde es sich von selbst ergeben, daß die Wahrheit in der Kriegsschuldfrage heute wiffenschaftlich in der Hauptsache bereits festgestellt sei. Diese wiffenschaftlich bereits gewonnene Wahr- beit müsse nun unter die Bevölkerung aller Länder gebracht werden, damit die erkannte Wahrheit in der ganzen W eltz verbreitet werde. Da- bei erwachse der Presse eine ganz besonders bedeutungsvolle Aufgabe. Am No^mittag hat Barnes dem Deuffchen Museum einen Besuch abgestattet, wo Exzellenz Miller die Führung übernahm.
Der Kulturkampf in Mexiko.
Bei den Nachrichten über den Kulturkampf in Mexiko empfiehlt sich für den denkenden Leser große Vorsicht. Die Nachrichten gehen meist auf liberale und kirchenfeindliche Korresvond"nz- büros zurück und sind nicht frei von einer Tendenz gegen die Kirche. So wird jetzt gemeldet, ein Bürgermeister, der einen Priester verhaften wollte, sei von den Anhängern des Priesters erschossen worden, lieber die Tat scheint Bestimmtes noch nicht bekannt zu fein. Vielleicht ist sie gar nicht wahr; unzutreffend ist jedenfalls, was jetzt schon im Anschluß an den Vorfall gemeldet wird, die Menge habe den Bürgermeister durch Steinwürfe getötet und auch alle Mitglieder feiner Familie umgebracht.
Reuter gibt in folgender Meldung einen Bericht von der Lage: Durch die am 1. August in Kraft tretenden neuen Kirchengesetze sind G ä - rungen hervorgerufen worden, die täglich zunehmen. Angesichts der anaekündigten Schließung der Kirchen sind diese von Gläubigen überfüllt. Die Zahl der feit dem 1. Juli in der Kathedrale vorgenommenen Firmungen wird auf mehr als 90 000 geschätzt. Man nimmt an, daß sie Ende der Woche 100 000 überschreiten wird. Als der Erzbischof von Mexiko die Firmung von 5000 Kindern vornahm, brach er vor Schwäche zusammen. Die Gläubigen werden ermahnt, die Kirchen zu unterstützen. Die Regierung hat den Priestern unterlagt, Kirchen, die für die Zeit vom 1. August ab während der Gottesdienst eingestellt werden, kath. Laien anzuvertrauen und hat angeordnet, daß die Kirchen Personen in Obhut gegeben werden, die von den Bürgermeistern ernannt werden sollen.
* Vertrauensvotum für die luxemburgische Regierung. Die Abgeordnetenkammer in Liwemburg hat der neuen Regierung mit 31 gegen 11 Stimmen das Vertrauen ausgesprochen.
Der englische vergarbeiterstreilr.
Die englischen Dergarbeitersührer sind zu der Sitzung des Vollzugsausschusses des Bergarbeiter« verbandes in London eingetroffen. Der Vollzugsausschuß wird über den am Freitag der Vollversammlung der Bergarbeiterdelegierten vorzulegen- den Bericht beraten. In dem Bericht sollen der Vermittlungsschritt der Bischöfe, die Lage in den Bergwerken und die etwa zur Einstellung der Einfuhr ausländischer Kohle einzuleitenden Schritte behandelt werden. Wie es heißt, ist es nicht wahrscheinlich, daß der Vollzugsrat der Delegiertenversammlung irgendwelche Vorschläge unterbreiten wird. Er wird vielmehr voraussichtlich den Delegierten völlig freie Hand darin lassen, zu entscheiden ,od die ablehnende Haltung gegenüber der Herabsetzung der Löhne und der Erhöhung der Arbeitszeit weiterhin aufrechterhälten werden soll.
Aanibom und Mussolini.
Die Blätter veröffentlichen eine Anklageschrift gegen den Abgeordneten Zaniboni und Genossen wegen eines am 4. Nov. 1925 versuchten Mordanschlages auf Mussolini. Zaniboni wird des vorsätzlichen Mordanschlages gegen den Ministerpräsidenten und General Copello, sowie s i e b e n weitere Personen wea-n M i 11 ä t er- s ch a f.t verschiedener Art und verschiedenen ©rohes beschuldigt. Ferner wird Zaniboni angeklaat, in unerlaubter Weise ein Steyrgewehr mit sich geführt zu haben. Wegen ungenügender Beweise wurden sechs Personen freigelassen.
* Die Mutter Wolter Rotheuaus gestorben. (Eig. Funkm.) In der Nacht zum Donnerstag ist ohne Vorangegangene Krankheit Frau Geheimrat Rathenau auf ihrem Schloß Freienwalde im Alter von 82 Jahren gestorben.
Bandenunwesen in polen.
wtl Lublin, den 29. Jnli (Eig. Funkm.) Drei mit Revolvern ausgerüstete und maskierte Banditev überfielen das Haus eines Landwirts und raubte» 300 Zloty. Der Landwirt setzte sich mit einer Axt zur Wehr, wurde aber entwaffnet und erschaffen. Zwei, die fliehenden Banditen verfolgende Ein« wohnerwurden gleichfalls niedergeschossen.
• Ernennungen im Auswärtigen Amt. Der Reichs- Präsident hat ernannt: den bisherigen Leiter bet Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes Ministerial» tat Heilbronn zum Generalkonsul in Zürich, ck Stelle deS in den Ruhestand tretenden Leiters deS Generalkonsulats in Zürich Dr. Reinboldt; den Gesandten in Bukarest Frehtag zum Leiter der Kul- turabteilung des Auswärtigen Amtes; den Gesandten in Kopenhagen v. Mutius zum Gemndlen in Bukarest; den Generalkonsul in Barzelona v. Ha feil zum Gesandten in Kopenhagen; den Gesandten in Kowno Schroetter zum Generalkonsul in Barze- Iona und den Gesandten Morath zum Gesandten in Kowno.
* Keine Beschränkung des Flaggens mehr im besetzten Gebiet. B'sher war durch die Ordonnanz 30 bestimmt, daß jedes Hissen einer Flagge dem Kreisdelegierten vorher angezeigt werden muffe. Dieser konnte unter Umständen das Flaggen 6er- bieten. Durch Artikel 308 vom 17. November 1925 bat die Interalliierte Rheinlandkommission diese Ord. 30 aufgehoben. Seitdem ist also die Anzeige- Pflicht für das Flaggen beseitigt. Irgendwelche Be- schränkungen für das Flaggen bestehen nicht mehr.
* Aus dem österreichischen Nationalrat. Der Nationalrat hat, ttr.e aus Wien gemeldet wird, sein, letzte Sitzung vor den Sommeiferien obgehalten Es wurde die zweite Zolliarisnovelle in zweiter und dritter Lesung angenommen. Tos Haus vertagte sich alsdann auf unbestimmte Zeit.