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FuldaerZeüung

Anzeiger für die Sfahf und den Kreis Fulda. Amflicbes Kreisblakt.

Hr. 170.

Srkckeint sechsmal wöchentlich- Wochenbeilaaen Illustrierte Bei­lage" und Buchenblütter" Rotationsdruck und Verlag der llinldaer Bctiendruckerei in Iulda- Iernsvrecher Nr- 9.

Monatlicher Be»ugSNreiS- 150 wf.

Bienstao, 27. 3uli 1926.

'n ieinen VteHet Sleinieile 'Colonel) okal v.ld ReichSmar auSwörtS 0.2V Reichsmark. Reklameseile- lokal n.6' ReichSmar! auswärts 0.80 Reichsmark.

Bei W-ederdolnnaen Radatt. Bnl^ch-ckkonto Orrnnffur a. M. 4051.

Zahrq. 53.

ReilhNlmster Bell über die besetzten Gebiete.

Der Reichsminister für die besetzten Gebiete äußerte sich dem Vertreter des W. T. B. gegenüber über die aktuellen politischen Fragen seines Ministe. riums ungefähr wie folgt:Im besetzten Gebiet sind heute gewisse Fortschritte erzielt. Nameni- lich ist in dieser Beziehung He restlose Beseitigung des Delegiertensystems hervorzuheben. Auch die Zulassung des Rundfunks möchte ich nicht unerwähnt lassen. Schließlich ist auch das Reichs­kommissariat für die besetzten rheinischen Gebiete in Koblenz seit Dezember 1925 wieder in Tätigkeit. Hierdurch ist eine Instanz geschaffen, von der die Beschwerden der Bevölkerung bei der Rheinland­kommission unmittelbar verfolgt werden. Ich will keinen Zweifel darüber lassen, daß ich, wie jeder Politiker der Verständigung, die baldige gänzliche Beseitigung der Besetzung als eine logische Fol­gerung der neuen Politik vertrete. In förmlicher Weise hat uns die Botschafterkonferenz im Novem­ber vorigen Jahres die wesentliche Herab­setzung der Besatzungsstärke auf an­nähernd normale Ziffern zugesagt. Der Begriff der normalen Ziffern hat nur den Sinn, daß die deutsche Friedensgarnisonsstärke in dem betreffen­den Gebiet zugrunde gelegt wird, d. h. die Stärke von höchstens 50 000 Mann. Diese Auslegung hat die französische Regierung widerspruchslos hinge­nommen. Tatsächlich stehen aber im besetzten Ge­biet heute noch rund 85 000 Mann. Die Herab­setzung der Besatzungsstärke aus das zugesagte Maß hätte ohne weiteres auch zur Folge, daß schwere Mißstände, unter denen die Bevölkerung heute lei­det, gemildert würden. Auch die Besatzungs­gendarmerie ist weit über das notwendige Maß hinaus ausgestaltet. Die Masse der farbi­gen Truppen ist aus dem besetzten Gebiet ab­befördert worden. Es sind aber immerhin noch etwa 2000 Mann, darunter geschlossene Forma­tionen, verblieben, deren Entfernung sicher auch eine Forderung her Völkerverständigung von nicht zu unterschätzender Tragweite ist. Die Handhabung der M i l i t ä r j u st i z hat sich in manchen Fällen oe- bessert. Andererseits sind in einer Reihe von Fällen befremdliche Urteile von Militärgerichte testzustellen. Das Ordonanzsystem der Rheinland­kommission ist noch nicht weiter abgebaut worden Die Einschränkungen der Versammlung«- f r e i h e i t und Preßfreheit in den Ordonan­zen gehen viel zu weit und müssen wesentlich ge­mildert werden. Wiederholt habe ich den Geist der Verständigung angerufen. Dieser Geist muß aber ruf beiden Seiten Herrichen. Die liesbedauer- lichen Ausschreitungen einzelner Besatzungsangehö­riger, zuma' in allerletzter Zeit, haben diesen Geist sehr vermissen lassen. Meine Darlegungen beschrän­ken sich auf die wichtigsten politischen Aufgaben meines Ministeriums. Der Wirkungskreis des Rheinministeriums ist viel umfangreicher. Ich er­mähne nur die Organisierung von Fürsorge­maßnahmen zu Gunsten der Bevölkerung im Saargrenzgebiet, die B a u t ä t i g k e i t im besetzten Gebiet zur Milderung der Einquartierungslast und

die Regelung der Personen, und Sach­schaden, die sich aus der Besetzung ergeben.

Am Schlüsse darf ich hervorheben, daß ich selbst als Mitglied des Reichskabinetts seinerzeit die Gründung des Reichsministeriums für die besetzten Gebiete angeregt habe. In den Jahren seines Be­stehens hat dieses Ministerium im Vo l ksbe - wußtfein Wurzel gefaßt. Um die dringend notwendigen Reformen, die ich verlangt habe, durch­zuführen, bedarf es eingehender Verhandlungen mit der Gegenseite, die im Geiste der Derständgung ge- führt werden müssen. Möge meiner rheinischen Heimat bald eine bessere Zukunft erstehen und auch die Stunde der Befreiung schlagen.

Die Entwaffnung Deutschlands.

Haoas verbreitet folgende Mitteilung aus Lon­don: In gut unterrichteten englischen Kreisen ist man der Ansicht, daß die deutsche Regierugn, ob- wohl die Durchführung der E n t w a f f n u ng Deutschlands auf gutem Wege ist (andernfalls würden die Alliierten sich um den Eintritt Deutsch­lands in den Völkerbund gar nicht bemühen), die interalliierte Militärkommission in gewissen Fragen noch nicht völlig befriedigt hat und zwar: 1. hin­sichtlich des Effektivstärke der Polizei, die sich auf 150 000 Mann belaufe. Die deiikche Regierung müsse eine höhere Zahl haben; 2. hin- ichtlich des Kriegsmaterials (Ein- und Aus- uhr von Waffen und Munition). In dieser Hin- icht hat Deutschland den Standpunkt der Alliierten noch nicht angenommen; 3. hinsichtlich der R e k r u- t i e r u n g. Die Alliierten würden weitere Bürg­schaften hinsichtlich der Aufhebung der Reserveregi­menter fordern; 4. hinsichtlich der Zusammensetzung des Großen General st abes.

Das sind die wesentlichsten Fragen, in denen Deutschland die Alliierten noch nicht befriedigt hat. Sie bilden außerdem den Gegenstand von Erörte­rungen zwischen der Kontrollkommission und der deutschen Regierung. Man läßt hier durchblicken, daß diese Verfehlungen Deutschlands nicht als ernst angesehen werden, und daß aller Anlaß vorliege, auf eine befriedigende Regelung zu einem mehr ober, weniger nahen Zeitpunkt zu rechnen.

Anmerkung des W. T. B.: Die Auffassung, daß es sich in der Frage der deutschen Abrüstung jetzt lediglich noch um die Abrüstung technisch militari- scher Angelegenheiten handelt, entspricht auch der Ansicht der Berliner Stellen, lieber die wenigen noch nicht restlos erledigten Punkte der Entwaff- nungsnote der Botschafterkonferenz vom 4. Juli v. 3. wird zur Zeit sowohl in Paris, als zwischen der Interalliierten Kontrollkommission und in den in Frage kommenden deutschen Stellen verhandelt. Hierzu gehören auch die in der Havas-Meldung an- geudeteten Punkte, wobei zu bemerken ist, daß es sich auch hier nur noch um Erledigung einiger tech­nischer Detailfragen handelt. Es besteht alle Aus­sicht, daß alle diese Fragen ohne größere Schwie­rigkeiten bereinigt werden können.

Zur Tagung her WiuWGunhe in Westfalen.

Vom Geschäftsführer der Windhorstbundc Dr. H. Kröhne, M. d. R.

Ereignisse der letzten Zeit haben der katholischen Oeffentlichkeit mehrfach Anlaß gegeben, die Strö­mungen in der Jugend aufmerksam zu verfolgen. Manches scharfe Wort ist dort gefallen. Das, was der Kritik der Oeffentlichkeit zugrunde lag, war allerdings öfter durch Aufmachung in fremder Presse sachlich unrichtig, übertrieben und aufge­bauscht wiedergegeben. Wir haben auch Erschei­nungen, die stark mit aus dem Charakter des ört­lichen Milieus, aus den sozialen und besitzlichen Spannungen einer Großstadt zu verstehen sind, nicht genügend als solche erkannt. Man sollte des- halb vorsichtiger in der polemischen Verwertung von Nachrichten aus der fremden Presse fein.

Die Seele des jungen Deutschland zeigt Linien, die in Vielem von dem abweichen, was man früher dachte und erstrebte. Das Kriegsaefchlecht hat ein großes Drama erlebt, den Krieg, den Zusammen­bruch des Reiches, den Einsturz so mancher Ideale. Wirtschaftliche Not brach über uns herein, Hunger und Wohnungsnot. Zwei Millionen Erwerbslose liegen auf der Straße, viele von ihnen haben feit Monaten keine Arbeit. In diesen Menschen wächst revolutionäre Gesinnung, sie können und wollen arbeiten; aber die Arbeit ist nicht da; die Kinder müssen sehen, wie der Vater für seine Familie nicht mehr sorgen kann. Kein Wunder, wenn da Verbitterung und Haß gegen die Umwelt, gegen den Staat und die Wirtschaft wach wird.

In dieser Zeit (eben wir, wo als Folge körper­licher Not sich eine seelische und geistige er­hebt. Wir können nicht mehr an Euch glauben, die Ihr führend in der Politik und Wirtschaft steht, schallt es uns entgegen. Glaube und Vertrauen ist unter uns stark zurückgegangen! Wir erleben heute eine scharfe Wendung zum Radikalismus: in der Stadt, unter der Arbeiterschaft, auf dem Lande unter den Kleinbauern und Pächtern. Vieles von dem geht auf materielle Gründe zurück, auf das Nachlassen der religiösen Kraft in uns. Wir können den Gegensatz von Großbesitz und Klein­besitz, von arm und reich nicht mehr ertragen. Bei Vielen, und zwar bei den Besten, entspringt diese Wendung zum Radikalen aber der Verzweif­lung über die Unzulänglichkeit der heute führenden Menschen.

Jugend steht in dieser Krise voran, in ihr zittert alles Geschehen stärker nach; empfindsamer ist sie

dafür, und strenger und herber in den Konsequen­zen. Daher das starke jugendliche Mißtrauen ge­gen die Politik, das Parlament, die Wirtschaft; die Neigung, alles auf eine Karte zu setzen.

Das ist das Bild lebendiger junger Katholiken; gewiß, nur eines Teiles der katholischen Jugend Deutschlands; daneben jene andere, die mehr ober weniger unberührt von ben Jbeen her Zeit bahin- lebt, bie von ben bisherigen Organisationen be- bütenb erfaßt wirb; wenngleich wir auch hier nach unb nach eine größere Regsamkeit unb ein stärke­res Eigenstreben feststellen können. Jene anberen aber finb stark führenb, um sie schcwren sich immer mehr junge. Menschen und folgen ihnen.

Dies ist her Hintergrunb, aus bem bas Ja beim Volksentscheid kam, der Aufruf jugendlicher Kreise und das Echo, bas es mancherorts im Lanbe fanb: dies die seelische Verfassung, aus derdas neue Volk" in Würzburg spricht, die Tagung im Westen, auf der sich katholische Jugend mit Jungkommu- ntften traf. Eine gute Zusammenstellung über diese Tagungen gibt Heft 7-8 derJugendführung" Düsseldorf, unter der UederschriftRadikalisierung der katholischen Jugend?"

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An diesen Erscheinungen vorbeigehen, die Au­gen verschließen wäre falsch; zwecklos wäre es ferner, in lauten Protesten zu verkünden, daß man anders denkt und dreinzuschlagen ober alles mit jugendlichen Phrasen und Jrrläufen abtun zu wol- len. Was sich hier regt, sind nicht einmal in erster Linie Jugendliche; es ist auch keine ausschließlich politische Bewegung, sie ist letzten Endes weltan­schaulicher unb religiöser Natur, ein Teil jener großen katholischen Bewegung, bie bie ersten Schritte aus dem Exil unb her apologetisch be­wahrenden Haltung einer Kulturkampfzeit in bas Nenlanb bes positiven Schaffens aus katholischem Geist tut. Man haut nicht gleich mit ben elften Spatenstichen in allem richtig.

Wir bürfen auch nicht übersehen, baß nicht nur bei uns, sondern in allen Lagern eine ähnliche Bewegung auf dem Markte ist. Rechts unb links von uns; hort bie gleichen Spannungen.

Ich mache keinen Hehl baraus, wir müssen biese Aktivität bejahen unb begrüßen; wir müssen in biejer Front stehen; benn unserer Zeit tut ein

mehr absoluter Blick not, im Weltanschaulichen unb Politischen. Der Realismus muß überwun» ben fein. Unsere, bem liberalen Zeitalter ent­flohene Generation, nicht nur Jugenbliche, hat sich von einem Denken, bas keine überirbischen unb irdischen Werte kennt, losgesagt; sie sieht roieber Ziele, benen sie ihre ganze Kraft schenken will.

Gerabe weil wir biefes bejahen, bürfen wir aber gewisse Schwächepunkte bei uns nicht über­sehen. Den Himmel auf bie Erbe herabholen, bas Antlitz her Menschen umgestalten ist schwer; es gelingt bestimmt nicht, wenn wir alles, was ist, in Grunb unb Boden verdammen, wenn wir an un­seren eigenen Zielen keine Kritik vertragen können, wenn wir keinen Blick dafür haben, was sich über­haupt von linieren Zielen verwirklichen läßt. Uns fehlt so oft dieser Blick für das Mögliche. Lassen wir uns nicht verleiten von bem Gebanken: Alles ober Nichts.

Unb ferner. Wir haben kein Recht, an allen Menschen, bie heute führenb im öffentlichen Le­ben stehen, zu verzweifeln. Woher nehmen wir biefes R-cht? Vieles taugt gewiß oben nichts. Bei vielen sehen wir nicht, daß sie mit her Not bes Vol­kes fühlen, baß sie sich scheuen ,zuw Volk herabzu- fteigen, mit bem Einzelnen zu sprechen. Gibt uns bies nun aber bas Recht, anzunehmen, baß über Nacht alle zu sozialreaktionären, zu feigen Schwächlingen geworben finb? Sie, benen wir vor Monaten noch vertrauten, an bie wir bisher glaubten? Liegt hier bie Schulb nicht auch bei uns? Der Führer soll gewiß nicht von Stanb unb Geburt bestellt werden, sondern von dem tiefen Vertrauen feiner Gefolgschaft und feinem eigenen Können. Wenn er dann aber handelt, so wie er es für zweckentsprechend halt, unb wir ihn nicht verstehen, warum verlassen wir ihn bann? Dann geht alles aus ben Fugen. Glauben wir benn, daß wir anders, als durch Selbstdisziplin und Ge­folgschaft unser Reich erbauen, unser Wollen ver­wirklichen können. Das ist ein großer Fehler, daß wir dieses nicht erkennen.

Wenn dieser Aufsatz erscheint, hat unsere Reichstagung begonnen. Deutsche Demokratie, Deutsche Jnnensiedelung, unsere Au-landsdeutschen finb bie Aussprachgebiete her brei Tage in Soest. Danach beginnt bie große Reichstagung in Reck- linabausen.

Unser Volk hat b--m neuen beutschen Staat zu- aejubelt. H-uie erleben wir starken Pessimismus im Volke: Wankelmütige pendeln hin unb her. Warum? Weil sie für ben neuen Staat nicht reif waren, weil sie von ihm nur Rechte forberten, Gelb und Brot. Der Staat ist ober bei all-r seiner Wirtschafts- unb Sozialpolitik nicht bie Kuh, bie Milch aibt. Uns fehlt es an Deutschen, denen die Republik Dienst ist. Wir haben uns in Glatz zur Republik bekannt, Ja gesagt, ohne Deuteln unb Drehen. Wir wußten unb wissen, baß mit bem Bekenntnis unsere Arbeit für ben Staat erst be­gann. Aus ben Kräften bes Christentums und Volkstums muß er stehen, unb bas hängt von ber Selbstverantwortung ejbes Deutschen ob.

Auch von ben Pflichten ber politifchen Parteien unb ber Wirtschoftsgruppen soll in Soest bie Rebe fein. Daß hier manches im argen liegt, um keinen stärkeren Ausdruck zu gebrauchen, das weiß nun nachgerade jeder, das Versagen ber verschiebensten Parteien geaenüber ben politischen Notwenbig- feiten, bas Vorbringen wirtschaftlicher Interessen unb, baß man es sich angewöhnt hat, alles nur vom wirtschaftlichen Stanbpunkte aus zu beurteilen. Es geht stark um bie Rettung bes Politischen in un­serem Volke unb Staate.

Deutsche Jnnensiedelung, ber zweite Tag. Der Siebelungsgebanfe liegt heute in ber Lust. Keine Schwärmerei unb Spielerei, aus ber Wohnungsnot, aus bem Großstabtelenb geboren; unb auf bem Lanbe, für ben Bauer aus ber Sorge für feine nachgeborenen Söhne. Daneben steht bie große politische Bebeutung ber Siebelung, bie Be­völkerung ber beutschen Ostgebiete unb ihre herri­sche Sicherung. Zwei sprechen in Soest über biese Frage, einer aus ber Bauernschaft unb ber anbere aus ber christlichen Arbeiterbewegung. Wir freuen uns, baß wir auch einen Bauern für biese Fragen gewonnen haben.

Aus ber Sphäre ber reinen Jbee wollen wir bie beutfdje Siebelung in bas Blickfelb ber uns umgebenben Wirklichkeit stellen, bie Grenzen ber Möglichkeit unb bie Wege zum Ziel erkennen.

Unsere Auslanbsbeutschen stehen heute im Brennpunkt unseres nationalen Interes­ses. Ihren Sorgen unb ihrer Arbeit, ber Siche­rung ihres kulturellen Eigenlebens, letztlich ber Frage ber nationalen Minberheiten in Europa gilt ber letzte Tag unserer Aussprache. So wirb biese ursprünglich rein nationale Frage in bas Sc­hief ber internationalen Politik gehoben, zu einer europäischen Kulturpolitik. Der beutfdje Katholi­zismus hat biese Arbeit bisher, von wenigen abge­sehen, anderen überlassen; bas muß anbers wer­den. Wir wollen hier zu unserem bescheidenen Teil Mitarbeiten.

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Großen Fragen gilt bie Sester Aussprache; sie überragen ben Parteirahmen, finb Schicksalsfragen unseres Volkes, bie Zukunft unefres Staates, ber Schutz unb bie Stärkung unserer Dolkskraft burch Heim unb Scholle, bie Verbunbenheit mit unseren Auslanbsbeutschen unb bie Sicherung ihres Eigen- lebens. Wir haben Männer vom Fach als Spre­cher, offene Menschen als Hörer unb Mitarbeiter.

Wir stehen zu ben Männern, bie das Soester Programm schufen; barum tagen wir, wo bie West­falen uns gastlich aufnehmen, in Soest. Neue Zeiten, neue Aufgaben, an ihrer Vollenbung wol­len wir arbeiten im Sinne ber Väter.

poincar6§ gusnahme.

DerParis Soft" HM es für wahrscheinlich, baß Pomcare gezwungen sein werbe, gleichzeitig mit der Einbringung seiner Gesetzentwürfe die Er­mächtigung von neuen Vorschüssen sei­tens der Bank von Frankreich zu verlangen, aber in diesem Falle werde es sich barum handeln, den Ertrag der Steuern des Jahres 1926, deren Ein­ziehung beschleunigt werde, vorweg zu nehmen.

DerTemps" bespricht die Aufnahme, bie das Ministerium Poincarö im Auslcmb gefunden hat. Poincarö, so sagt er, habe bas große Verdienst, bestimmt ynd zuerst bie Notwendigkeit unterstrichen zu haben, daß, wenn man bas Finanzproblem lösen wolle, dieses außerhalb jeder politischen Frage geschehen müsse. Die Tatsache, daß er Briand im Außenministerium beibehielt, hat die Gewißheit einer heilsamen Fortsetzung der Außen­politik offenbart. Das scheine sogar in Ber­liner offiziellen Kreisen begriffen worden zu sein, da man dort die Lösung der französischen Krise mit der Würde einer gewissen Abgeklärtheit beurteile.

In einem Aufsatz in derSunday News" sagt Lloyd George, Frankreich habe das Vertrauen in sein Parlament verloren. Pomcare kämpfe nicht so sehr um die Stabilisierung des Frankenkurses, als um die Rettung der parlamentarischen Regierungsform in Frankreich. Die Frage fei, ob es ihm gelingen weid«, feine Landsleute dazu zu bewegen, Steuern zu bewilligen und sie auch zu bezahlen. Aber es scheine, daß ihm nicht einmal das erstere gelingen werde.

(Tooliöge über die Kriegsfall!Öen.

wtb. Newyork, 26. Juli. (Eig. ftunfm.) Prä- fibent Coolidge soll von der Wendung in den Beziehungen der europäischen Schuldnerstaaten zu ben Vereinigten Staaten ernstlich beunruhigt sein. Von Coolibge nahestehenden Kreisen sei zu verstehen gegeben worden, daß tatsächlich alle Hoff­nung auf die Bezahlüng bestimmter Schuldbeftäge in Handels-Abmachungen bestehe.

Rumänien unö Deutschland.

Zu den schwersten Rücklässen des Regimes Bra- tianu Duca gehört es zweifellos, daß es nicht ge­lang, zu den beiden im Weltkrieg unterlegenen Großmächten Rußland und dem Deutschen Reich in gute Beziehungen zu kommen. Bezüglich bes Deutschen Reiches scheint nun ein langsamer Wan- bel sich nurbereiten zu wollen; wenn bie rumänische Uebericgung im allgemeinen auch bahingeht, daß bas Deutsche Reich noch genügend Schwierigkeiten zu überwinden haben wird, um wieder als entschei­dender Faktor ber europäischen Politik zu gelten, so scheint bie gleiche Uebericgung denn doch dahin zu gehen, daß man doch nicht erst diesen Zeitpunkt ab- warten soll, um dann zwar nicht auf Ablehnung, immerhin aber auf begreiflich zurückhaltende Kühle zu stoßen.

Die deutsch-rumänischen Beziehungen waren bis­her nicht gerade gegnerisch, ober eine Annäherung wurde nicht unternommen; zuerst waren es im Jahre 1925 bie Reparationsforderungen Rumä­niens, deren gefonberte Berechnung über bie allge­meine Reparationsschulbregelung Bratianu ver­langte, bie keineswegs geeignet waren, ausgleichend zu wirken. Anläßlich der Erpeuerung der rumä­nisch-polnischen Allianz, bie Bratianu noch als letz­ten großen Regierungsakt vornahm, konnte das Deutsche Reich ganz zweifellos in gewissem Sinn eine Spitze gegen sich selbst erblicken. Nun fand sich kürzlich im Adeverul eine bemerkenswerte Er­läuterung des polnisch-rumänischen Vertrags. Das Blatt stellte fest, daß Rumäniens Verpflichtungen bez. Rußlands genau umschrieben seien; bez. des Deutschen Reiches betonte das Blatt, unb zwar mit befonberem Nachdruck, daß nunmehr nach Locarno ein Angriff des Deutschen Reiches auf Polen höchst unwahrscheinlich sei. In bemerkenswerter Weise fügtAdeverul" hieran die Bemerkung, daß dies­falls Polen durch sein Bündnis mit Frankreich ohne- hin in ausreichender Weife gesichert märe.

Bedenkt man, daß derAdeverul" engste Ver­bindungen mit dem Außenamt pflegt, bedenkt man weiter, daß diese Ausführungen unmittelbar nach den Auslassungen berPolska Zbrojna" veröffenr- licht wurden, welches Blatt ber militärischen Orga­nisation Pilsuskis gerabe zu diesem Zeitpunkt in krasser Weise polnische Ansprüche auf Ostpreußen, Stettin und Breslau erhob, so kann man unschwer seststellen, baß biese Darlegungen besAbeveml" eine Absage an jeben polnischen Imperialismus be­deuten.

Da bie beutfch-rumänifchen Beziehungen weder in politischer, noch in wirtschaftlicher Beziehung sich zu reiben brauchten, da ferner auch bez. des kultu­rellen Eigenlebens der Siebenbürger Schwaben unb Sachsen Rumänien nicht nur bem wohlverstande­nen eigenen Interesse, fonbern auch ben Gesühls- empfinbungen des beutschen Volkes Rechnung trägt, so scheint Rumänien burch biese Absage an pol­nische Expansivpläne bie Herstellung guter Bezie­hungen zum Deutschen Reich einleiten zu wollen. In biesen Beziehungen finb jebenfalls bie Ausfüh­rungen besAbeverul" ebenso bemerkenswert als zu begrüßen.

In wieweit Rumänien mit biefer vorsichtigen Neuorientierung bie Absicht verbindet, eine Erwär­mung des deutsch-rumänischen Verhältnisses viel­leicht zu einer Vermittlung des Deutschen Reiches in Moskau bez. Bessarabiens zu verdichten, bleibe dahingestellt zweifellos ist es, baß bie Hoffnun­gen, bie Avarcscu in ber besfarabischen Frage auf Italien setzte, sich nicht erfüllt hoben.