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M 169.

Sonntag, 25. Jnli 1926.

Fuldaer Leitung

2. Blatt.

Druck der Fuldaer AcNendruckerei, Fulda.

wilde Blitz« auf die dämonenhafte Gestalt, die es gewagt hatte, seinen Freund Ingo zu beleidigen.

Seltas überflog mit einem langen Blick die Bersam- melten, die Wirkung seiner Worte beobachtend. Dann erhob er wieder seine Stimme.

Wir alle haben uns vergangen an den ehernen Gesetzen unserer Stämme. Längst schon mußte er ge­stellt werden vor das Ding der Gaugrafen unseres Bot- kes, doch es wagte niemand ihn, der selbst ja von den Göttern stammte, anzuklagen. In Rom hatte er sein heiligstes Erbe, das beste Gut seines Volkes, weggewor­fen. Er war kein wahrer Deutscher gleich unserem gro. ßen Vorfahr Arminius, der in Rom mitten unter «Rö­mern seinen Haß gegen diese weiter nährte und später als Führer des Eheruskerstammes blutige Rache an jener stolzen Sippe nahm, die alle freien Völker der Erde unterwerfen wollte und noch stetig unterwerfen roiö."

Halt!" Mächtig tönte das eine Wort in die Berge und kam als Echo von dem ungeheuren Basaltkegel wle. der zurück, auf dem wie ein teuflischer Geist Selta» stand. Alle wandten sich erschreckt nach jener Seite um, wo der Ruf ertönte. Dort stand, wie ein zürnender Gott, der junge Gerimfried. Seine blonden Haare wall­ten zitternd über seine Schultern herab.

Du wagst es, den besten, den tapfersten Sohn un­seres Volkes zu schmähen?"

Beifällig murmelnd, und gegen den Oberpriester eine drohende Haltung einnehmend, umstanden ihn sein» Getreuen.

Das Gesicht des Seltas wurde aschfahl. Die Men- fchenmenge starrte mit offenem Munde Gerimfried an, der es gewagt hatte, dem Oberpriester zu widersprechen.

Es steht keinem Germanen das Recht zu, mir bet einem Götterfeste in die Rede zu fallen. Ich klage dich, Gerimfried, beim Gaugerichte wegen Ungebührlichken ten an."

Ein heiseres Lachen ward Seltas zur Antwort.

Hast du je, Priester," rief Gerimfried von neuem, indem er sich auf einen erhöhten Stand stellte,über mich zu klagen gehabt? Bist du, sowie das ganze Volk nicht fest von meiner Heimatliebe überzeugt? Für sie gebr ich zu jeder Zeit des Tages, zu jeder Stunde der.

Nacht mein Leben hin. Nicht ich alleine, sondern jeder Germane, in erster Linie meine Freunde. Du, Seltas, hast soeben unseren Führer beleidigt, ihn, zu dem rote alle in größter Ergebenheit und Ehrfurcht emporschauen. Er ist es, der uns das Kämpfen gelernt, der uns zu tüchtigen Kriegern herangebildet hat. Was sagte er jeden Tag zu uns, Freunde, habet acht auf jene Stunde, in der euch dar Vaterland ruft, um für dre goldene Freiheit unserer Stämme zu kämpfen, die stet» in der Gefahr schweben, von Westen aus angegriffen zu werden. Wo sähest du jemals einen größeren Helden, Priester, und warum versuchst du, die Liebe des Volkes zu ihm in Haß zu verwandeln, Du sagtest, die Götter hätten ihn gestern abend gestraft, weshalb verdarben sie ihn nicht in den grimmigen Schlachten, die er an der Seite des römischen Kaisers schlug, die Gelegenhelt wäre doch wahrlich viel günstiger gewesen. Ich bezichtige dich der Lüge, Seltas, du hast unwahr geredet über un- seren Führer."

Eine große Bewegung und ängstliches Murmeln ent- stand im Volke.Ich gebiete Ruhe!" Laut schallte dre Stimme des Oberpriesters in die Menge.Wo sind dte Angehörigen der Hundertschaften, die mir Alljährlich zur Verfügung gefüllt werden, um öffentliche Aerger- nisgeber zu bestrafen?"

Zirka zweihundert bewaffnete Germanen traten vor, des Befehles gewärtig.

Stolz und trotzig hob sich die Brust des Gerimfried. Seine sehnige Rechte umklammerte die Streitaxt. Setn Auge schweifte über seine Schar, die sich schützend um ihn stellte. Es waren gegen sünszig an der Zahl. All« griffen zu den Waffen.

Das Volk schaute dem noch nie dagewesenen Schau, spiel bange zu. Jeder Augenblick brachte neue Auf­regungen.

Seltas blickte mit flackernden Augen auf die trotzigen Recken. Er stand vor einer schweren Entscheidung. Jede Sekunde konnte ein mörderischer Kampf entbrennen, beim er wußte genau, daß Gerimfried mit seiner bewaff­neten Kolonne bis zum Aeußersten kämpfen würde, wenn er den Befehl gäbe, ihn zu züchtigen. Er hatte In diesem Augenblick die Lage übersehen.

------------ -Fortfetzung jotgt-j

Religion Und presse.

Dom Apostolischen Nuntius Eugen P a c e l l i, Erzbischof von Sardes.

In der Festschrift des Zeitungsverlags zur Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zeitungsoerleger findet sich folgender Beitrag des Hvchw. Herrn Nuntius:

Drei Tatsachen sind es, die bei Beantwortung 6er Frage: wie muß die Religion vom Standpunkt des Volkswohls aus in der Presse bewertet und behandelt werden, den Ausgangspunkt zu bilden haebn: di« gewaltige Macht der Presse auf die gei­stige und sittliche Gestaltung des Volkes, die Presse­freiheit und die weltanschauliche, religöse Spaltung in den Völkern und Staaten von heute.

Die Pressefreiheit darf, auch ganz abgesehen von etwaigen staatsgesetzlichen Schranken, keine unbe- grenzte und willkürliche sein. Sie muß wie die persönliche Freiheit des Einzelnen beschränkt wer­den durch die allgemeinen Normen der Sittlichkeit und des Gesamtwohls. Selbst wenn eine Presse infolge ihrer weltanschaulichen Einstellung Bindun­gen durch ein Sittengesetz nicht mehr anerkennen wollte, so müßte von ihr immer noch Berücksich­tigung des allgemeinen Wohles verlangt werden. Nun möge man doch nicht die Taffache übersehen, die nicht bloß dem Priester, sondern jedem am Volkswohl! Arbeitenden allbekannt ist: daß das re­ligiöse Bewußtsein in den Massen des Volkes, alles, was die Religion tut zur Bewahrung der Jugend vor Verführung und Verderbnis, zur Ordnung und Gestaltung des Familien- und Ehelebens, zum Schutze des Eigentums, der Shwachen und Not­leidenden, zur Weckung und Erhaltung der Be­rufstreue, besonders wo von dieser Leben und Ge­sundheit des Volkes abhängt, daß dies alles dem Volks- und Staatsganzen unentbehrlich ist. Wenn die Kirche zur Lösung der sozialen Frage nichts beitrüge als die religiösen und sittlichen Ueberzeu- gungen ihrer Gläubigen, so hätte sie damit das beste dazu beigetragen. Die katholische Presse muß es aus dem katholischen Glaubensbewußtsein her­aus als eine ihrer vornehmsten Aufgaben betrach­ten, diese Werte positiv zu schützen und zu fördern. Wir können aber auch von der Presse jeder an- deren Richtung verlangen, sie möge ja nicht ver­gessen, daß Millionen von Volksangehörigen allein noch aus ihrer religiösen Ueberzeugung die Kräfte schöpfen, das schwere Schicksal zu tragen, das ihre Zugehörigkeit zum Dolksganzen ihnen auferlegt hat; sie möge deshalb alles, was Religion und Sittlichkeit berührt, immer ernft und würdig be­handeln und nicht durch Darbietungen, die dem Inhalt oder der Form nach das religiöse Empfinden abstumpfen und die sittliche Gesundheit gerade der Jugend schwer gefährden, unersetzliche Werte leichtsinnig zerstören.

Die Dolkskörper unserer Zeit sind leider welt­anschaulich gespalten. Andererseits ist das allgemeine Wohl ganz wesentlich bedingt durch die gutwillige und steudige Zusammenarbeit aller Dolkoenossen in unserem bürgerlichen Leben. Diese Zusammenarbeit wird aber durch nichts so erschwert wie durch die Verletzung der religiösen Ueberzeugung des Mitbürgers. Wenn ich die dies- bezüglichen Wünsche der Katholiken, in deren In­teresse ich ja hier zu sprechen habe, zusammenfassen soll, so waren hauptsächlich zwei Punkte, deren Beobachtung wir von der gesamten Presse glau­ben verlangen zu können:

1. Achtung vor unfcrer religiösen Ueberzeugung und unseren kirchlichen Ein- rrchtungen. Die Presse rede von ihnen immer mit jener Objektivität und Würde, wie sie auch sonst im gesellschaftlichen Leben Sitte sind. Sie sei sich be­wußt, daß sie hier oft schon durch die Wahl der Worte, durch kurze hingeworfene Bemerkungen Recht und Liebe empfindlich verletzen kann.

2. Unbedingte Wahrhaftigkeit. Wenn ^weltanschaulichen Gvgiensätze sich nicht über- brücken lassen, dann sollte doch wenigstens in einem Uebereinstimmung erzielt werden können: im Tatsachenbericht. Was ganz allgemein gilt,

FLÜGEL PIANOS

ELEKTR. KLAVIERE

II« bitt« »lebt, Mn» Oiilitll «nd Prell euerer eoert» der ren uninretinie ? fibriUte re» Wallraf ti prtfa* PIANOFABRIK SCHEOEL, FULDA »mtellunrilokal: KurfSntinitriiii lr.38 Iigenbbir dem Behebet. Tel. 28 und 628

Der Druide und seine Opfer.

Historischer Roman von Stephan U t s ch.

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So rückte der Tag gegen Mittag an. Die ersten Tiere wurden auf die Schlachtbank geschleppt. An- dächtig stand das ganze Volk um öen Felsen herum. Während Seltas mit geübtem Schnitt das Herz des Schlachtopfers traf, hoben die Anwesenden die Hände schreiend und gestikulierend zum Himmel, den Segen Gottes für die Zukunft auf sich herabslehend. Ein Tier zerrte man nach dem anderen die Fliesen hinauf. Ein Dutzend der stärksten Sklaven waren damit be» schöftigt. Unaufhörlich floh das Blut die Rinne hinab, an der die Priesterinnen standen, die betend Odin baten, ihnen das zukünftige Geschick der Germanen anzuver­trauen. Bewaffnete Krieger traten m. Hundertschaften hintereinander an das Ende der Rinne und tauchten ihre Waffen, besonders die Keule und die Spitze der Framea, in bas noch rauchende Blut. Die Waffen wurden dadurch geheiligt und Odin verlieh unbedingt den Trägern derselben den Sieg. Germanische Jung- flauen empfingen feie Zurücktretenden und geleiteten sie ehrenhalber,bis an ihre Plätze. Dann tauchte Seltas einen Palmzweig in das heilige Opferblut und benetzte damit das Volk. Was noch übrig blieb, wurde von der Menge getrunken.

So ging der erste Akt der Feierlichkeit seinem Ende entgegen. Die geschlachteten Opfertiere wurden zerlegt unb an bie Festteilnehmer verteilt. Ieber erhielt ein Stück, um bei dem bevorstehenden Mahle von den durch Ue Opferung geheiligten Tieren zu essen.

Der Mittag verlief in fröhlicher Festesstimmung wie jedes Jahr. Ungeheure Mengen Fleisch wurden von den germanischen Riesen verzehrt.

Auf einmal ging ein Raunen durch die Menge. Alle blickten neugierig hin zum Druibenftein. Dort thronte auf feinem Stonb der Oberrpiester Seltas unb gebot -nnhe. Mit starker Stimme begann er zu sprechen:

»Freie Germanen, Helden des Odin, Beschützer der Heimat, des von den Göttern bevorzugtesten Landes d-r Erd^ durch welches sich ^der^heiligste Fürtz, die.dem

Der Teppichdled

Rund um die Woche.

Bolschewistische Progaganda. Der hörnerne Siegfried. Bischof von Keppler. Franz Sichert.

Es gibt einen humoristischen Film, in dem je­mand einen Teppich stiehlt. Der Dieb wird übei- rascht und eilt, den Teppich hinter sich herschleifend, durch die Straßen. Es läuft ihm der Hauswirt nach. Es kommt die Polizei. Es springen Soldaten hinzu. Und so geht die tolle Jagd von Straße zu Straße. Dabei geschieht nun das Komische, daß jedesmal, so­bald ein Verfolger den Teppich betritt, er natürlich umfällt, sodaß sie alle nacheinander wie lebendige Leichen, die noch zappeln und schreien, unter un­geheurem Spektakel durch den Film rasen. Ich weiß nicht, wie es endet, aber ich weiß doch, daß man auf diesen Teppich die Inschrift schreiben könnte:Die Stützung des Franken." Es wird sich doch wohl um einen großen Diebstahl handeln, um einen beinahe internationalen Diebstahl. Mehr als ein europäischer Staat hat sich von allen seinen Kriegsschulden befreit, indem er einfach die Valuta senkte und die Inflation ausnützte. Dieser Dieb­stahl ist ungeheuer profitabel, denn macht er auch die Rentner arm und betrügt er auch unzähllge solide Leute, die über Nacht an den Bettelstab kom­men, es wird der Staat schuldenfrei. Nun ist Caillaux auch noch auf den Teppich gesprungen "nd umgefallen wie alle anderen, und der Frank wird also weiter stürzen und wiederum ein spar­sames Volk an den Bettelstab kommen. Zudem wird Frankreich noch lange nicht aufhören, ein wirt­schaftlicher und politischer Unruheherd in Europa zu sen. Nur so weiter, meine Herren. Moskau wird seiine Agenten aus Europa zurückziehen können. Ihr besorgt die Geschäfte des Boschewismus viel besser als ein noch so fein geschulter Agitator. Man füllt sämtliche Geschäfte und Danken und Kassen mit Scheinen statt mit Geld, schwelgt in diesem schein­baren Reichtum, muß dann plötzlich stabilisieren, er­lebt einen Krach in. Stadt und Land, schafft Heere von Arbeitslosen, Millionen von Betrogenen, und das sind die Leute, die, einerlei, welcher Partei­richtung sie angehören, eine innere Disposition da­für haben, sämtliche europäischen Staaten, die sich zu solchen Betrügereien hergeben und sich oben­drein dabei noch Rechtsstaaten nennen, bei der ersten besten Gelegenheit in Stücke zu schlagen Nicht eindringlich genug kann man die Besitzer von heute mahnen, sich vorzusehen, und dafür zu sorgen, daß im Staate die Zahl der Besitzlosen und gänz­lich am Leben Gescheiterten nicht zu sehr die der anderen übersteige. Sonst gibt es ein einfaches Rechenexempel, wie jedermann sich dos selber klar­machen möge.

Was wir bei solchen Ereignissen schmerzlich empfinden, ist die zu geringe Beachtung des Einzel- schicksals. Die Werke des Menschen,-Systeme und Apparate sind so sehr gewachsen, daß kein noch so genialer Kopf sie noch zu meistern vermag. Man sagt immer, im Kriege nur gelte ein Menschenleben nichts. Das ist nicht richtig. Wären gll die Wun­den, Me in den Seelen der Petrogenen und Ent­erbten heute bluten, äußerlich sichtbar wie Stich- und Schußwunden, wir hätten in allen Städten mehr Spitäler als Wohnungen Gesunder. Der Kampf ums Dasein und das damit verbundene Ren­nen nach Weltrekorden hat die Nerven stumpf ge­macht. Bekanntlich hat der deutsche Automobilsieg

auf der Avusbahn Tote und Verletzte gefordert. Ge- wiß erheben sich Prefsestimmen, die das bedauern. Aber sie kommen doch nicht auf gegen jenes Schick­sal, das über all diesen Kämpfen und Jndustrieen brütet. Weiter muß man, und wenn es über Lei­chen geht. Man sieht manchmal sogar, wie solche \ Härte und Gleichgiltigkeit einem Menschenleben ge» i genüber sich bis zur Frivolität steigert. Im Kriege machten einmal ein österreichischer und ein preußi- scher Offizier eine seltsame Wette. Sie setzten sich jeder auf eine frischabgezogene Handgranate, und der sollte die Wette gewonnen haben, der am längsten sitzen bliebe. Natürlich sprang der Oester- reicher zuerst auf, aber das ganze war denn doch eine unaussprechliche Rohheit. Nebenbei bemerkt, sollten sich alle Erzieher diese Wahrheit ein wenig vor Augen halten, damit sie nicht in diese Welt von Blut und Eisen Zierpüppchen hineinbilden, die dem Kampf ums Dasein nicht gewachsen sind.

Es wird auch in der nächsten Zukunft noch bru­taler auf der Welt zugehen als selbst in jenen Jahrhunderten, die wir noch heute die eisernen nennen. Jeder junge Mensch sollte heute wie Sieg­fried in Drachenblut gebadet werden, damit er eine hörnerne Haut erhält, die sich im EllenbvWn-, Faust- und Boxerkampf des Lebens bewähre.

Wie sehr eine solche energische, man kann auch sagen heldenhafte Richtung des Lebens mit feinster Kultur vereinbar ist, zeigt das Beispiel des soeben dahingegangenen großen deutschen Mannes, des Bischofs Keppler. Warum müssen solche Men­schen sterben, wo wir sie doch gerade heute so not- wenidig haben! Bischof von Keppler war einerseits der hochgebildete Kunstkenner und der an Wissen reiche Gelehrte. Er hatte jenes zarte Gemüt, aus dem Bücher wieLeidensfchule" undMehr Freude" hervorwachsen konnten. Und doch war in ihm Stahl und Diamant. Heldenhaft hat er sich gegen alle dekadenten Neigungen des Zeitalters ge- stellt, und er, der wählerische Stilkünstler, hat m solchen Fällen sich garnicht gescheut, die Ding« beim rechten Namen zu nennen. Gerade des Wissens um die Härte unb um die Tragik des Gebens macht das Gemüt so männlich wie mitleidsvoll. Es weckt im Menschen jene Stimmung, die wir schon in Den griechischen Tragödien vorfinden.

Heute trifft es mich und morgen trifft es dich. In unserem Schicksal, dem rauhen Lebensschicksal, liegt der tiefste Sinn aller Schicksals-Gemeinschaft und aller Menschenverbrüderung. Das gibt eine Liebe, die nicht mehr Sentimentalität ist, sondern Kraft, nicht mehr der heuchlerische Trost, daß es morgen besser werde, sondern daß du stärker wer­den mußt als dein Leid. Manchmal habe lch den Eindruck, es bedürfe auch das Christenftim von heute einer solchen Schicksalstaufe. Wir sind zu weich ge­worden, zu wenig ernst und darum auch zu wenig mitleidsvoll. Und das steht gerade Christen schlecht, denen doch die Tragik des Kreuzes immerfort vor Augen gestellt wird. Will man wissen, was hier ge­mehrt ist, so lese man einmal, und' wäre es auch nur, um das Andenken eines anderen Toten zu ehren, an dessen frischem Grabe wir stehen, die Kreuzes­lieder von Franz Sichert.

Der Mann im Monde.

gm Kolonien.

Auf der Hauptversammlung der deutschen Ko­lonialgesellschaft und der Kolonialen Reichsarbe'ts- gemeinschast (Korag) wurden folgende Beschlüsse ge. faßt:

1. Die Hauptversammlung ersucht die Deutsche Reichsregierung, die deutschen kolonialen Rechtsansprüche mit allem der hohen Bedeu­tung dieser Frage gebührenden Nachdruck und bei jeder sich bietenden Gelegenheit zur Geltung zu bringen, insbesondere nach amtlicher Zurückweisung der Kolonialschuldlüge in erster Linie deAuslieferung der alten deutschen Kolonien zu verlangen. Sollte die deutsche Reichsregierung beabsichtigen, in den Völkerbund einzutreten, so ist dies von der vor­herigen Zusicherung und der Mckgabe des deut­schen Kolonialbesitzes abhängig zu machen.

2. Die Hauptversammlung erwartet, daß auf der Weltwirtschafiskonferenz von unseren Vertreter» unsere Ansprüche auf rechtliche und wirtschaftliche Gleichstellung in allen Kolonialgebieten geltend ge­macht werden.

In der Begründung wurde u. a. ausgeführt, daß die Beschaffung von Arbeitsmöglichkei­ten für die deutsche Bevölkerung immer schwieriger werde. Eine Beendigung der Weltwirtschaftskrise werde nur möglich fein, wenn dem deutschen Volke weite Arbeitsgebiete im Auslande insbesondere in eigenen Kolonien erschlossen würden. Von eilen Rednern wurde die wachsende wirtschaftliche Not im ganzen Reiche betont und zum Ausdruck ge­bracht, daß es ein Verbrechen am deutschen Volke wäre, wenn irgend eine Gelegenheit versäumt würde, unsere Ansprüche auf rechtliche und wirt­schaftliche Gleichstellung in allen Kolonien imd auf eigenen Kolonialbesitz zu vertreten.

Neues aus Frankfurt.

Ttewyorker Bäckermeister in Frankfurt. Fünfhun- bett Neroyorker Bäckermeister sind hier eingetroffen. Cie wurden am Bahnhof von dem Vorsitzenden des Verbandes der Bäcker Mitteldeutschlands, Fischer, be­grüßt. Die Anlagen des Palmengartens riefen große Bewunderung hervor. Die Begrüßungsfeier fand in der LogeCarl" statt. Am Donnerstag wurden bie Sehenswürdigkeiten ber Stadt und am Abend die der Apfelweinlokale Sachsenhausens besucht. Im September treffen bie einzelnen Teilnehmer roieber hier ein, um nach ben Vereinigten Staaten zurückzufahren.

Autofahrten bes Verkehrsvereins. Am Sonntag, ben 25. Juli, veranstaltet ber Frankfurter Verkehrsver- ein mit feinen großen Luxusautobussen zwei groß» Runbfahrten über Oberursel, Hohemark, Sanbplacken, Feldberg, Rotes Kreuz, Königstein, Kronberg, Frankfurt; unb Bad Homburg, Saalburg, Bad Nauheim unb zw-Hck durch das Usatal nach Frankfurt.

Wettbewerb für ein neues Hauptzollamt. Der Wettbewerb für das Hauptzollamtsgebäude Domstraße, Ecke Domplatz wurde am Freitag entschieden. Es rou'be von ber Verteilung eines ersten Preises Abstand genom­men, da sich eine überragende städtebauliche unb archt- tektonische Lösung mit gleichzeitiger Innehaltung der Ausschreibungsbebingungen nicht vereinigte. Je einen zweiten Preis von 2000 Mark erhielten die Architekten Keßler unb Ziegler-Frankfurt unb Hallenstein unb Hebe­brand-Frankfurt. Einen dritten Preis von 1000 Mark erhielten bie Architektken Bangert unb Cetto. Ferner mürben vier weitere Projekte angekauft. Die Ausstel­lung der Entwürfe findet ab Samstag, den 24. Juli, bis Sonntag, ben 1. August b. I. in ben Räumen bes HausesWerkbund" statt.

wie wird das Wetter?

besonders hier: nicht das Parteimteresie, sondern das gewissenhafte Bestreben, Wahrheit und Recht zur Geltung kommen zu lassen, müssen in erster Linie maßgebend sein für die Darstellung objek­tiver Tatsachen. Die Poesie spreche also über Ge­schehnisse auf kirchlichem Gebiet, über religiöse An­schauungen und Glaubenslehren nur nach.zuoer» läsiiger Information und mit genauer Sachkenntnis. Sie vergesse nicht, daß unvollständige Berichte und Verschweigen oft die schwerste Verletzung der Wahr, heft darstellen. Selbständigkeit auch der eigenen Partei und dem Gesinnungsgenossen gegenüber im Dienste der Wahrheit ist sittliche Pflicht für jeden Journalisten.

Fassen wir kurz zusammen: wenn einerseits die Religion dem Volksleben die kostbarsten Werte bie- tet, andererseits durch die Presie bfe öffentliche Meinung am stärksten beeinflußt wird, so felgt, daß die Verantwortung der Presse nirgends so groß ist wie gerade da, wo die Religion und Silt- lichkeit streift, und daß sie nirgends so wie hier

den Forderungen der Wahrheit, Liebe, Gerechtig­keit und öffentlichen Moral Rechnung tragen muß.

Nach Mexiko Guatemala?

Die Lorbeeren der mexikanischen Kulturkämpfer lassen die Regierung von Guatemala offenbar nicht ruhen. Sie fühlt sich durch die Tätigkeit der ka­tholischen Gefftlichkeitb e d r oh t" und beginnt, nach mexikanischem Vorbild, mit der Ausweisung katholischer ausländischer Priester, die aus Colum­bien und Spanien stammen. Sie wurden kurzerhand über die Grenze nach Salvador befördert. Außer­dem hat sie vor kurzem ein Dekret erlassen, das den Jesuiten und den Angehörigen anderer katholi- scher Orden das Betreten des Landes verbietet. Man sieht, Mexiko macht Schule, der edle SBettftreU der freimauerischen Brüder im Kulturkämpfen schreitet fort. Nichtsdestoweniger hoffen wir, daß sie in Guatemala auf härteren Granit beißen als, vorläufig noch, in Mexiko.

Die Wirbeltätigkeit über Nvrbeuropa ist noch nicht beendet. Durch ben Vorstoß des Azorenhochs ist ihre Bahn nordwärts verlagert worden, sodaß der Anschluß der TiefauSläufer auf unsere Witterung nachgelasien hat. Bei der anhaltenden westlichen Strömung ist noös nicht mit einer Beständigkeit der Witterung zu rechnen.

Aussichten für Sonntag: Wechselnde Bewölkung, vereinzelte Niederschläge, westliche Winde.

Radio-Programm

Sonntag, ben 25. 3uli.

Frankfurt (470 m), Kassel (273,5 m). 89: Morgen­feier. 1112: Bortragsftunbe Dr. Rolf Prasch. 34: Jugenbstunbe. 45: Ueberttogung von ber Gerber- mühle: Konzert. 56: Konzert bes Hausorchesters: Hün- bel-Opern. 67:Die Bibel verdeutscht". 88.30: Stunbe berFranks. Ztg.":Russische Dichtungen". Re. S" "m von W. Buschhoff. 8.30: Abschiedsabenb von

Hilpert:Geschüst ist Geschäft", Komödie von Octave Mirbeau.

Inserieren bringt Gewinn!

höchsten Gott Dbin geweihte Sieg in erhabener Majestät winbet, gedenket am heutigen Tage unserer Urväter, die unbeirrbar ben heiligen Gebräuchen unseres Volkes hulbigten. Noch nie gab es einen Abtrünnigen, über den Odin in Zorn entbrannt wäre, wenn er feineSchritte über die heimatlichen Gefilde gelenkt hätte. Männer vom Chatten- und Sugambrerftamme, haltet fest an den Göttern, die uns Leben, Gesundheit, Mut, Sieg unb Ruhm gespenbet haben. Berufen selb ihr, ben Gifthauch der Römer, ber überall, wo er herweht, bie Pest zurück- läßt mit Keule unb Framea zu vertreiben. Euch finb die heiligen Götter gnädig und sie freuen sich ob eurer Dankbarkeit. Doch groß ist die Trauer ob eines Gescheh­nisses. Es reißt mein Herz, wenn ich an dieses Unglück denke. Ingo, den Sohn des höchsten Fürsten Donas, brachte man gestern abend, von wilden Bären zer- fleischt, nach Hause. Wo war Ingo in der letzten Zeit? Nicht ein einziges Mal seit seiner Rückkehr betrat er bie heiligen Dpferftätten feiner Väter, er war in Rom ein enberer geworben unb als ein Fremder zurückgekehrt. Er, auf dem das Auge des gefamten Volkes erwartungs­voll ruhte, betete ben Gott eines anberen Volkes an. Gerabe Ingo war berufen, He Germanen auf bie stolze Höhe bes Ruhmes zu führen.

Nun ist bittere Enttäuschung an Stelle ber großen Hoffnungen getreten. Die Rache bes Dbin hat ihn er­reicht. Sein mächtiger Arm traf ihn in ben nördlichen Wäldern".

Wie ein Geist, gespensterhaft mager, stand Seltas herausfordernd auf dem Dpferftanb. Das Volk, welches ben ersten Ausführungen mit Interesse gelauscht hatte, zitterte bei ben letzten Erklärungen bes Gewaltigen. Das war was Neues, was Unerhörtes, etwas noch nie Dagemefenes. Es wußte jeber. baß Ingo nicht mehr opferte, jeboch hatte man sich dieses bis heute immer nur leise zugeraunt, bis nun auf einmal Seltas feiner erwähnte vor ben Augen bes gesamten Volkes. Ja, es war ja ganz sicher, die Hand der Götter hatte Ingo getroffen. Wie konnte das anders fein? Und schon stand bas ganze Volk auf ber Seite des Oberpriesters. Nur einige waren ba, bie in grimmiger Wut bie Fäuste ballten, Gerimfried unb seine Genossen. Die Sippen der Ersteren hetzten vor Wut und seine Augen schossen