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FuldaerZertung

__Anzeiger für die Sfabf und den Kreis Fulda. Amlliches Kreisblalk.

| Sonntag, 25. Juli 1926

Erschein» sechsmal wöchentlich. Wochenbeilasen-

Illustrierte Bel-

Rr. 169

läse" und Buchenblöttsr"

Rotationsdruck und verlas der

lahrg. 53

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Student, Akademiker und Volksgemeinschaft.

Zur zuldaer Vertreter-Versammlung der ttartellverbandes der kath. Studenlenvereine veutschlandr (K. v.)

icht dieser Prozeß Volksgemeinschaft

demiker, der mit dem besten Willen zur Zusammen­arbeit sich einstellt, mit Mißtrauen betrachtet. Es wird vielfach übersehen, daß die Akademikerschaft das alte Gewand nur schwer austreifen kann, daß sie ein besonders stark ausgeprägtes Standesbe- wUßtsein gehabt hat, und daß doch auch die an­deren Stände von diesein Standesbewußtsein nicht ganz frei sind und es auch ihrerseits gegenüber den anderen Ständen oft in vielzu starkem Maße be­tonen. Aber ohne daß man sich in einen schwär­merischen Optimismus von Volksoerbrüderung oer- liert, darf doch wohl die Hoffnung augefprochen werden, daß, bei gutem Willen auf allen Seiten, der Gedanke der Volksgemeinschaft, der auch den Studenten und Akademiker umfaßt, Fort- lchritte macht Lum Wohls unteres Geliebten

wachsender Zahl hervorbringt. Freilich wäre es falsch, anzunehmen, daß über Nacht dieser Prozeß zu dem in idealer Weise mit der Volksgemeinschaft verbundenen Studenten- und Akademikertum hin­geführt werden könnte. Das Gute reift nur langsam. Immer neue Anregungen, immer neue Führer, immer neue Schulungs- und Er- ziehungsmethoden müssen kommen, um den alten Mißbrauch zu vertreiben und das gute Neue an seine Stelle zu setzen. Eine starke Förderung der Entwicklung ist sicherlich auch darin zu erblicken, daß auch andere Stände beginnen, mit dem Vorurteil gegen die Akademikerschaft allmählich auszuräumen. Auch im katholischen La­ger wird heute vielfach beim Kaufmann, beim Hand­werker, beim Angestellten und Arbeiter der Aka-

In dem gewaltigen Prozeß, den das soziale Leben unseres deutschen Volkes in den letzten Jahr­zehnten durchgemacht hat und auch weiterhin durch­macht, hat die Stellung des Studenten und des durch das Studium auf den deutschen Universitären und Hochschulen vorgebildeten Akademikers wie viele andere Faktoren unseres Volkstums eine starke Aenderung erfahren. Auch den akademischen Schich­ten sind Privilegien verloren gegangen, Vorteile und Ehren, die ihnen früher lediglich durch die for­male Bescheinigung der Zugehörigkeit zum akademi- scheu Stande zufielen, sind verschwunden. Heute ist die Notwendigkeit aufgerichtet, daß abgesehen von den modrigen „Herrenstüblein", die in ver­lorenen Winkeln des Vaterlandes erhalten geblie­ben sind, im weiten lebendigen Leben des Volkes auch der Akademiker nur dann Ansehen und Ach­tung genießt, wenn er durch immer neue Lei- stungen, die der Höhe seiner wissenschaftlichen Ausbildung entsprechen müssen, den Berechti­gungs-Nachweis für eine gehobene Stellung im Volkstum zu erbringen in der Lage und gewillt ist. Freilich wäre es ein verhängnisvoller Irrtum, anzunehmen, daß in früheren Jahrzehnten die Aka- demikerschaft Deutschlands lediglich auf Grund formaler Privilegien ihre bevorzugte Stellung eingenommen hätte. Es gab immer, auch in der Vorkriegszeit, in der deutschen Akademikerschaft und unter der Studentenschaft hochfliegende Geister und tüchtige Schaffer, die durch ihre Leistungen und ihr Verhalten auch den andern, die damals nur durch Tradition und Privileg sich als eine bevor­rechtigte Kaste ousspielen durften, den Schein der Berechtigung für ihre törichte und anmaßende Hal- tung verschassten. Es ist aber ein ungemein frohes Zeichen, daß heute immer weitere Kreise der Studentenschaft und der Akademikerschaft in vollem Ernst, in zielklarer Absicht, von sich aus darauf verzichten, die Zugehörigkeit zur Akademiker- schäft irgenroie als gegebenen Vorzug gegenüber U der Arbeit für das Volkstum M Berning zu bringen. Namentlich in den Kreisen der kath. Akademiker und der kath. Studenten herrscht entschlossener Wille, die alten traditionellen Ansprüche der Kaste beiseite zu räu­men, sie als unwürdig eines Mannes nicht mehr zu benutzen, um, anspruchslos und nur gestützt auf wirkliches Wissen und Können in Reihe und Glied mit den anderen Volksgenos­sen zu treten.

Die geistig regsamsten Schichten unserer kath. Akademiker hatten diese Bestrebungen schon lange vor Revolution und Krieg organisatorisch und mit System angestrebt unter Führung von Männern wie Dr. Karl Sonnenschein, diesem sozialen Apostel. Was Sonnenschein unter den deutschen Studenten der großen Hochschulen in den Jahren 1900 bis 1914 durch Veranstaltung von sozialen Kursen und son­stigen feindurchdachten Methoden angeregt hat, das hah soweit es nicht durch andersgerichtete mili­tärisch-gesellschaftliche Tendenzen aufgehalten wurde, in den Kriegsjahren praktischen Ausbau ge- fünften. Als der Mann aus dem Volke Seite an Seite mit dem Studenten und Akademiker im Schü­tzengraben lag, nur Mensch neben Mensch gegenüber dem alle Privilegien verachtenden Granatentod.

Die Nachkriegszeit mit ihren vielfachen, nach Verinnerlichung rufenden Bestrebungen hat, was Sonnenschein einst anregte, in die Breite getragen. Und wenn es heute auch noch an den dafür beson­ders geeigneten Orten Deutschlands und in gewissen Schichten, Typen jenes Studenten- und Akademiker- tums gibt, wie sie zur Aufreizung der Jnstinlte gegen die alte Autorität leider Gottes den revo­lutionären Führern die besten Dienste geleistet Hu­ben, so steht auch fest, daß diese Typen im Aus• sterben begriffen sind und die neue Zeit eine andere Art von Studenten und Akademikern in

Kirche und katholische Akademiker.

Rede des Hochwiird. Herrn vischofs von Fulda Dr. Joseph Damian Schmitt.

Die bemerkenswerte Rede, mit der am Donners­tag abend der Hochwürdigste Herr Bischof die in Fulda berfammelten Vertreter der katholischen Stu­dentenvereine Deutschlands begrüßte, hatte folgenden Wortlaut:

Meine sehr verehrten Mitglieder deS Kartell­verbandes der kathok. Studentenvereine Deutschlands!

Hochansehnliche Fesiversammlung!

Obaleich von einer Firmungsreise erst heute abend heimgekehrt —, obgleich durch den Heimgang unseres hochverehrten und lieben Seminarregens Prof. Dr. Koch, dem die Diözese Fulda, ihr Bischof und ihr Seminar, so viel verdanken, in schmerzliche Trauer versenkt, glaubte ich doch mir den Trost nicht ver­sagen zu sollen, der 53. Vertreterversammlung Ihres Kartellverbandes meinen herzlichen Willkommengruß und meine besten Wünsche zu entbieten.

Sie haben, meine Herren, als Ort Ihrer Tagung die Stadt Fulda gewählt, das Herz des kothol. Deutschland, wo sein Apostel feiner glorreichen Auf­erstehung entgegenschlummert —, Fulda, berühmt durch die Schule Rabans, zu dessen Füßen einst die großen Kulturträger des Mittelalters saßen —, Fulda, wo jährlich die Oberhirten Deutschlands sich versammeln, um im Geiste des hl. Bonifatius, in vertrauensvollem Anschluß an die höchste kirchliche Autorität, über die wichtigsten Zeitfragen zu beraten. Diese Ihre Wahl ist mir ein Beweis Ihrer treu katholischen Gesinnung, Ihrer Absicht, in den wich­tigen, überaus zeitgemäßen Verhandlungen, welche den Gegenstand Ihrer diesjährigen Generalversamm­lung bilden sollen, in demselben Geiste vertrauens­voller Uebereinstimmung mit der von Christus dem Herrn eingesetzten, von seinem Geiste geleiteten Lehr­autorität der Kirche, zum wahren Heile unseres Volkes arbeiten zu wollen.

Meine Herren! Unser hl. Vater Pms XI. hat am Schluß de? hl. Jahres 1925 das F e st des Königtums Christi für die ganze Kirche ein­gesetzt. Die ganze Welt — auch die akademische, aus der die Führer und Stützen des Volkes zu einem großen Teile hervorgehen — muß dieses gottverliebene Königtum anerkennen, auch auf allen Gebieten menschlichen Forschens, Aufbauens. Helfens und Dul- dens. Es ist das Königtum der Wahrheit, dessen hohe Rechte auch die vorurteilsfreie Wisienschäft an­erkennt —, der Wahrheit, in der die Wissenschaft ihren Sitz findet gegen den Irrtum und die mäch­tige Hilfe zu eigenem Fortschritt. — Es ist das Königtum der Liebe, das alle, die sich ihm hin- geben, zu uneigennützigen Opfern begeistert, zum Wohle der Gemeinschaft. — Es ist das Königtum der Gerechtigkeit, die jedem das ©einige gibt und das Fundament der Staaten ist. Fürwahr ein Königtum, das alle, die ihm huldigen, welcher Fa- kultät sie auch angehören, der theologischen, der philo- sophischen, der medizinischen, juristischen oder Volks- wirtschaftlichen, innerlich heben und schützen und in gegenseitigem Frieden zu den höchsten Erfolgen fuh­ren wird. — , ....

Wie schön wäre eS, meine lieben katholischen Akademiker, wenn am heutigen Tage außer dem Bischo Sie auch begrüßen könnte der Rektor einet katholischen Universität, rote sie dis

zum Jahre 1803 hier bestanden hat. Wohl war für deren Wiedererrichtung in der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts unter Führung des deutschen Episkopates, durch die Opferwilligkeit des katholischen Balkes vieles geschehen, es war ein Universitätsfond gesammelt. Doch der edle Gedanke mußte leider gegenüber anderen Aufgaben, besonders feit dem Kulturkampf, zurücktreten.

Wie n abwendig aber eine katholische Univer- sität in der heutigen Zeit mit ihren niederstürzenden Irrtümern gerade auf den fundamentalen Gebieten von Religion, Sittlichkeit und sozialem Leben ist, haben die Katholiken Italiens, Frankreichs, Belgiens, Hollands und Amerikas erkannt. Sie haben, zum Teil nach harten Kämpfen und mit schweren Opfern, katholische Universitäten gegründet. Darum muß der Gedanke und Plan einer katholischen Universität auch in Deutschland wieder aufleben, besonders in den akademischen Kreisen! Die Freiheit, die man den wechselnden Weltanschauungen und dem Irrtum gewährt, darf der Wahrheit nicht vorenthalten werden.

Katholische Weltanschauungsprofessoren, so sehr wir ihre Tätigkeit dankbar begrüßen, können nicht allen katholischen Forderungen gerecht werden.

Vor allem muß durch eine Faku ltät scho­lastischer Philosophie, die sich systematisch aufbaut in Logik, Metaphysik und Erkenntnistheorie, empirischer und rationaler Psychologie, Naturphilo­sophie und Theodizee, Ethik und GesellschastSlehre dem jungen katholischen Akademiker, welcher Fakultät er auch angehört, das solide Fundament seines wissenschaftlichen Arbeitens und der sichere Schutz gegen den Irrtum geboten werden. —

Diese Gedanken an dieser Stelle, vor den Ver­tretern eines großen Teiles katholischer deutscher Akademiker auszusprechen, war mir nach den Er­fahrungen, die ich gemacht, bewnders aber auch nach dem Vorbilde der Katholiken anderer Länder, vor allem nach der beständigen Forderung des Apo­stolischen Stuhles, ein Herzensbedürfnis.

Ebenso ist eS mir, meine Herren, ein Herzens­bedürfnis, in dem ich mich eins weiß mit dem Deut- scheu Gesamtepiskopat, Ihrem Verbände herzlich zu danken für den Schuh und die Förderung, die er Tausenden von jungen Männern geboten hat. Sind doch aus den Reihen des K. V. viele große und mutige katholische Männer hervorgegangen, die in Parlament und Presse, ja in den höchsten Stellen kirchlicher und staatlicher Regierung, die Rechte der Kirche wirksam vertreten und zum Wohle und Wiederaufbau des Vaterlandes Hervorragendes ge­leistet haben.

Mögen auch Sie, die jüngeren rote die älteren Akademiker, im bewährten Geiste Ihres Verbandes wahre Laienapostel sein, deren die Kirche so dringend bedarf, besonders in den Diaspora­diözesen, wo ja die meisten Universitäten sich be­finden — in der Diözese Fulda allein drei. Ich stimme hierin den Ausführungen und den Bitten des Hochwürdigsten Herrn Bischofs von Meißen in dem letzten Hefte der Akademischen Monatsblätter bei.

Von dem edlen apostolischen Geiste werden sicher daher auch ihre Arbeiten auf der jetzigen Fuldaer Versammlung von Gottes Segen getragen sein.

Dies mein herrlicher Wunsch.

deutschen Vaterlandes und des deutfchen Volkes ist diese Entwicklung unbedingt erfor­derlich, wenn uns neue, schwere s oziale Ka­tastrophen erspart bleiben sollen. Der katho­lische Volksteil muß die Bahn bre­chen. Er muß den anderen Weltanschauungs­lagern zeigen, daß Volksgemeinschaft kein leerer Wahn ist. Er muß den Beweis erbringen, daß ohne gegenseitige Vorurteile alle schaffenden Stände einschließlich der Akademikerschaft zusam- menstehen und zusammengehen können, falls hohe vaterländische und vor allen Dingen religiöse Ideale sie verbinden. Die Eingliederung des kath. Akademikers in das weite katholische Volkstum in Stadt und Land ist eine apologetische Tat, ist eine Aufgabe, an die mit heißem Herzen und mit hochfliegendem Sinn herangegangen werden muß.

Auch die im Einzelnen auf die mannigfaltigsten Ziele gerichteten Verhandlungen der akademischen Tagung in Fulda werden in ihrer Gesamtheit diesem hohen Ziele dienen müffen. Aus Anlaß der Tagung findet am Sonntag im hohen Dome ein feierliches Pontifikalamt statt. Wenn die empor« reißende Präfation verklungen ist, bann beginnt im Canon der hl. Messe bas eroreif^nfte Gebet: Wir stehen in Gemeinschaft . ... 9m Zeichen und unter der Weihe dieser liturgischen Gnadenworte möge die katholische Akademikerschaft gemeinsam mit dem katholichen Volk aller anderen Stände an bas große vaterlänbische unb religiöse Werk Herangehen, in unserem beutschen Vaterlanbe echter Volksgemein­schaft bie Wege zu ebnen. Dr. I. K.

Akademiker und notleidendem Volk.

Das äußere Bilb unserer beutschen Universitäten änbert sich in dem Maße, wie sich das unserer Großstädte ändert. Vor der bronzenen Aristotrles- statue sitzen rauchende Studentinnen. Der Bubi­

kopf wirbelt herum; er ist schon ganz indifferent ge­worden, besagt garnichts mehr. Tieferes Leben zeigt sich hier wie in den lärmerfüllten Straßen der Großstadt nicht dem ersten, oberflächlichen Blick. Dem zeigt sich auch nur ein buntes, flattern­des und großsprechendes Bild. Ernste Ar.beit will ausgesucht fein, wahrhaft christliche Arbeit drängt nicht nach außen, sondern wirkt bescheiden in der Stille. Zu ihr zählt sich auch die Liebesarbeit der Akademischen Vinzenzkonferenzen (2t. V. K.), die an manchen Universitäten bestehen. Nicht mit Zahlen unb Statistik sei hier argumentiert — darin drängt leicht unreiner Geist nach außen — nur eine kleine Skizze der Arbeitsweise soll geboten sein.

Allen katholischen Akademikern steht die Teil- nähme an diesen Konferenzen, die vom Geist des großen Liebespenders St. Vmzentius getragen fein wollen, frei. Jede Woche wohl findet eine Ver­sammlung statt unter Leitung des Laienpräses unb dem Beisitz eines geistlichen Beirats. Ziel ist die praktische Liebestäligkeit an armen Familien, aber auch Einzelstehenden, zum Beispiel Kleinrentnern, Jugendliche u. a. Dabei besteht weitgehende Ver­ständigung mit den öffentlichen Wohlfahrtseinrich­tungen, so daß keine Familie eine unnötige, weil doppelte Zuwendung von Hilfe erfährt; an­dererseits wird immer, wenn der Konferenz ein Fall in feinen Anforderungen zu schwer wird, die öffentliche Fürsorge zu Hilfe gerufen.

. Arn Anfang des Semesters wird allo ein Ver­zeichnis der Pfleglinge aufgestellt, und jede Familie erhält durch freie Meldung der Konferenzmitglied^r zwei Vertreter, bie ihr bie Unterstützung durch per­sönlichen Besuch übermitteln und sich durch Nach­frage in dezenter Weise über bie Familienverhält- niffe — Not unb Krankheit, Schutz- unb Ratlosig­keit — zu unterrichten haben, um auf ber Kon­ferenz Bericht erstatten zu können. Selbstverstänb- lich finb biefe Berichte diskret entgegenzunehmen und zu behandeln, damit die besorgten Familien

keine öffentliche Bloßstellung erfahren. — So be­stehen die Konferenzen, nach einleitendem Gebet, zur Hauptsache aus den Familienbesprechungen. „In der Familie S. ist der Vater arbeitslos geworden". »Der kleine Hans K. fft stark erkältet". „Der alte Herr D. wird am Dienstag 90 Jahre alt. Ich be- antrage einen Geburtstagskuchen." In dieser Weise berichtet ein jeder Vertreter, ausführlicher aller­dings, über feine Familie und beantragt bann bas, was er für bie augenblickliche Notlage unb auf ben Wunsch der Familie bin .für nötig erachtet: hier be­sondere Krankenkost, dort ein wenig Bettwäsche; oder Begleichung der Miete und Lichtrechnung. Für die Schulentlassenen bemüht man sich zusammen mit den Eltern, eine geeignete Lehrstelle ausfindig zu machen. Oder die Mitglieder selbst werden von einem Vertreter aufgefordert, diesen ober jenen gu­ten, arbeitslosen Hanbwerker burch eigene Aufträge zu unterstützen, auf ihn in Bekanntenkreis aufmerk- sam zu machen. Bei Trinkern arbeitet man mit ber Trinkerfürsorge zusammen, bamit ber Arbeits­lohn gleich in bie Hände der wirtschaftenden Frau gelangt und nicht n-ti Zahltag in Alkohol umgesetzt wird. . Bei dem noch <o oft ganz mangelhaften Wohnungswesen — zwei kleine Dachstuben ober Zimmerchen für eine 6—Stöpfige Familie sind noch einigermaßen „erträglich!" — muß in Verbindung mit dem Wohnungsamt Abhilfe geschaffen werden. Für Kranke, Eltern und Kinder, wird mit Hilfe des Ortskaritasverbands ein Ferienaufenchaltsort zur Erholung ausgemacht. 2lm Schluß des Semesters für alle Kinder, die schon laufen können, ein Gar­tenfest mit Kuchen, Spiel und Singsang.

Die Geldmittel rühren einesteils aus den Spen­den von Gönnern und alten Mitgliedern der Kon- serenz, die in selbständiger Lebensstellung, gern an ihre Arbeit in der 21. V. K. zurückdenken. Ober dieser und jener Kaufmann stiftet von seiner Ware, Brot oder Wäsche, was es auch sei. Schließlich fließen sie auch aus ber Sammlung auf jeder Kon­ferenz, aus den spärlichen Mitteln der tätigen Mit- Flieder. Ist es nicht viel, so reicht es zusammen mit jenen anderen Gaben doch hin, jeder Familie wöchentlich eine Beihilfe zu schaffen.

Neben dieser segensreichen Jtätigteit für die Pfleglinge fei noch hingewiesen auf ben Nutzen für die Konferenzmitglieder. Der Blick für soziale» Elend wird geöffnet und geschärft, der Wille zur sozialen Hilfe gestärkt. Neben der Freude ernten sie Undank und Verkennung, die es zu überwinden gilt in vergessender, selbstloser Liebe. Die ®er« bindung zwischen Hoch und Nieder wird geknüpft; und wie sehr fehlt, trotz aller gemeinsamen Not, un­serem Volke diese noch immer! Durch mehrere theoretische Vorträge von berufener Seite — Aerzte, Lehrer, Geistliche — unb praktische Besichtigungen karitativer Anstalten wirb die Erkenntnis erweitert. Auch die Fühlungnahme mit den Behörden, Woh­nungsamt, Arbeitsnachweis, Gericht, Trinkerfür­sorge, Kinderheimen, Arbeitshäusern fördert bie Mitglieber.

Ein ober zwei Semester in ber 21. V. K. — unb viele Vorurteile finb beseitigt, viel gu­ter Wille ist geweckt zur Betätigung ber Vinzenz- Hebe, auch im späteren Leben, wo es auch immer fei — bas ist Arbeit und Segen dieser Konferenzen.

Von ©tuö. theol. Struve. Freiburg-

Die katholischen Ztudentenvereine Deutschlands.

Von Dr. Martin L u i b l e - München, Schriftleiter der „Akademischen Monatsblätter".

Die Entstehung katholischer Korporationen auf deutschen Hochschulen fällt in die Mitte des 19. Jahrhunderts. In der ersten Zeit des deutschen Hochschullebens hatten die Landsmannschaften, spä­ter die Burschenschaften es sich zur Aufgabe ge­macht, sämtliche Vurschen zu vereinigen, um ihnen in religiöser, vaterländischer, wissenschaftlicher, gymnastischer Beziehung Rückhalt und Einigungs­punkt zu fein. Im Laufe der Jahre jedoch wurde nach und nach eine Reihe von Idealen preisgege­ben, insbesondere kam an Stelle des positiven christlichen Glaubens ein religiöser Indisferentis- mus hock, unb statt eines allgemeinen vaterländi­schen Gedankens vertrat man vielfach einseitige, de­mokratische unb radikale politische Anschauungen. Diese Aenderung machte es fürderhin ideal ge­stimmten und gesinnten, positiv-christlichen Studen­ten unmöglich, in den Reihen jener akademischen Organisationen zu verweilen.

In dieser Zeit hatte der ganze Katholizismus in deutschen Landen schwer unter der drückenden Beschränkung durch den herrschenden Staatsabsolu­tismus zu leiden, der große Unzufriedenheit und Erbitterung bewirkte. Ein hoffnungsvoller, reli­giöser Frühling brach im katholischen Deutschland an in den 30er und 40er Jahren, Wissenschaft und Kunst fanden allenthalben begeisterte Pflege, ein starkes Gefühl innerer Zusammengehörigkeit er­faßte die überzeugungstreuen deutschen Katholiken. Als man sich nun von Staatswegen an einem kath. Kirchenfürsten, dem Erzbischof Klemens August von Köln, vergriff und ihn gefangen fetzte am 20. November 1857, da ward eine mächtige Freiheits­und Protestbewegung entfacht, da ging ein ver­heißungsvolles Morgenrot endlichen Erwachen« auf; die Schriften des geistesgewaltigen Görre- taten das Ihre unb rüttelten das deutsche katholische