Einzelbild herunterladen
 

Anzeiger für die Skadf und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.

Nr. 167.

Erscheint sechsmal wöchentlich. WochenbeUaaen! Illustrierte Bei­lage" und Buchenblätter" Siotationkdrnck und verlas der

Iuldaer Actiendrnckerei in Nulda. Iernkvrecher Nr. 9- swsnotlicher BeruaSlirelr? 150 Ml.

Zreltag, 23. Juli 1926.

^>n»etsen- Preis», Kleinrelle (Colonel) okal 0.15 ReichSmar auswärts 0.20 Reichsmark. Rekkameseike, lokal 0.8- ReiLSmar!

auswärts 0.80 Reichsmark

Bei W'ederbolnnaen Rabatt., Postscheckkonto ilranffttr* n.no. 4051.

Zahrg. 53.

Die Untersuchung der Industrie, j

Vom Stande der Arbeiten der Enquetekommission.

Der Vorsitzende des Enquete-Ausschusses. Rechts­anwalt Lammers, gab vor der Presse einen Ueberblick über die bisher geleistete Arbeit des Ausschusses und über die organisatorischen Pläne, die sich auf Grund dieser Arbeiten mit Bezug auf die Durchführung der Enquete und der einzelnen Ziele ergeben haben. Er betonte dabei besonders, daß man sich zur Zeit im Stadium der Ma- terialsammlung befinde, an der die fünf Ausschüsse nach einem sachlich gealiederten vor­läufigen Programm arbeiten. Man hoftf, im Laufe des Monats September düs gesammelte Ma­terial vorliegen zu haben, so daß dann in die ent­scheidende Beratung der Aufgabenstellung einge­treten werden kann.

Sunt Zchritt der Kontrollkommission

Aus dem englischen Unterhaus wird gemeldet: Auf eine Anfrage nach dem Charakter der kürzlich von dem Leiter der Interalliierten Militär-Kontroll- Kommission der deutschen Regierung übermittelte Note in der Unterhaussitzung erwiderte der Staats­sekretär des Aeußern, Chamberlain, angesichts der jüngst von der Presse über diesen Gegenstand gebrachten Meldungen sei er dem tatsächlichen Sach­verhalt nachgegangen. Das Ergebnis sei so ge­wesen, wie er vermutet habe, daß nämlich in der letzten Zeit keine Noten besonderen Charakters von der Militärkontrollkommlssion an die deutsche Regierung gerichtet worden seien.

Rennie Smith fragte:Können wir annehmen, daß der Zustand der Abrüstung in Deutschland vollkommen befriedigend ist?" Chamber­lain erwiderte:Nein! Ich bebaute sagen zu müssen Nein!"

* Reichskanzler Marx hat Berlin verlassen, um seinen Urlaub anzuireten. Der Reichskauzler be­gibt sich zunächst nach Süddeutschland.

Um Südtirol.

Aus Rom wird gemeldet: Die Blätter berich­ten über die Solidaritätserklärung des Wiener Akademischen Senats zu der Kundgebung deutscher Universitäten über Südtirol zum großen Teil ohne Kommentar. DieTribuna" sagt, sie melde die Tatsache nur, um zu erklären, daß sie sie S gleichgültig lasse.Secolo" sagt, die Haltung ens in Südtirol sei rein defensiv. Deutsch­land möge die südiiroler Frage in seiner Politik Senüber Oesterreich und Italien nunmehr ruhen

en. ________________

Zusammenstoß in Wien.

Als Teilnehmer einer vom Republikanischen Ver­band der Kriegsopfer und Kriegsbe- schädigten vor dem Rachaus einberufenen Ver­sammlung zur ArbeitSkammer ziehen wollten,, um dort zu demonstrieren, stellte sich chnen Polizei entgegen. Die Demonstranten, unter denen sich auch zahlreiche Kommunisten befanden, durchbrachen die Polizeikette und griffen die Beamten an, die blank ziehen mußten. Mehrere Demonstranten und Beamte wurden verletzt, 30 Demonstranten fest- genommen. Auch in den äußeren Bezirken Wiens kmn es zu kleinen Zwischenfällen. Dort wurden zchn Demonstranten verhaftet.

Der türkisch-russische Sicherheitsvertrag. Aus Angora wird gemeldet, daß dort die Unterzeich­nungen zu dem türkisch-russischen Sicherheitsvertrag ausgetauscht wurden.

Christlicher Kongreß in London.

Auf dem Kongreß des Internationalen Bundes mir Förderung des christlichen Gedankens, der im Kristallpalast in London seine zweite Sitzung abhielt, sang ein deutscher Chor von 50 Personen, besten Darbietungen von den Delegierten mit herzlichem Beifall ausgenommen wurden. Ramsay Macdonald richtete einige Worte an die Versamm­lung, wobei er unter allgemeinem Beifall aus­führte:

Roch vor wenigen Jahren hätte derjenige, der es wagte, sich des Ausdrucksunsere deutschen Freunde" zu bedienen, deswegen viel zu leiden ge­habt. Heute wird keiner sich fürchten ober schämen, von diesen Worten Gebrauch zu machen."

Pfarrer G. Schurmen sprach für die deut­schen Delegierten und erklärte, er betrachte den herzlichen Empfang, der ihnen geworden, als ein Zeichen des brüderlichen Gefühls, das die An­wesenden umfaste. Die deutschen Delegierten, so führte er aus, ergreifen freudigen Herzens die ihnen dargereichte Hand und sie glauben, daß das Band der Gemeinsamkeit in Zukunft sich stärker erweisen wird als die Einflüsse der menschlichen Unvollkommenheit_______________

Kundgebung gegen deutsche Pazifisten

wtb. Reims, 22. Juli. (Eig. Funkm.) (Havas.) Gestern abend drangen bei einer Veranstaltung der Liga für Menschenrechte gelegentlich eines Be­suches deutscher Pazifisten Mitglie­der französischer Jugendverbände unter dem Absingen der Marseillaise in den Versamm­lungssaal und griffen die Teilnehmer an. Es entstand eine Schlägerei. Die Manifestanten wurden aus dem Hause gedrängt, demonstrierten aber vor dem Hause weiter. Als die deutschen Delegierten durch eine Nebentüre in Sicherheit gerächt werden sollten, wurden sie erneut belästigt, Dis die Polizei die Störenftiede vertrieb. Eine Person wurde verhaftet, wurde jedoch wieder frei- «chrjjen. -

Neuer Kabinettssturz in Paris.

poincar^ bildet die Negierung.

Das Schicksal Herriots hat sich, wie zu erwarten war, schnell erfüllt. Auch er ist in der letzten Mitternachtstunde von der französischen Kammer gestürzt worden. Frankreich aber wird von einer tiefgehenden Nervosität geschüttelt. Denn die Wäh­rung zerfällt weiter. Was wird jetzt werden? Man hat Poincare, den Mann der Rechten und des Na­tionalismus gerufen, dem man das Zeug zum Dik­tator zutraut. Briand und Caillaux hat die Kam­mer gestürzt, weil sie Vollmachten forderten. Wird jetzt die Kammer einen regelrechten Diktator in den Kauf nehmen müssen? Wer heute die heillose Verwirrung und Not in Frankreich mit ansieht, kann sich des Gedankens nicht erwehren, daß sich bereits auf Erden alles rächt:

Die Krife, in welcher sich Frankreich heute be­findet, dürfte eine Folge der französischen Maß­losigkeit bei dem Diktat feiner Friedensbedingungen im Vertrage von Versailles fein!

Ueber den Ablauf der Ereignisse wird berichtet:

Die Regierungserklärung.

Die Mittwoch nachmittag verlesene Regie­rungserklärung hat folgenden Wortlaut:

Die gestern gebildete Regierung hat ihre ganze Sorge auf das Finanzproblem konzentriert. Niemals ist die Lage klarer und die Entscheidung dringlicher geroefen. Ungeheure Schwirrt g. feiten stehen zum Teil unmittelbar bevor, über die die Kammer unterrichtet wird und unverzüglich befinden muß. Wir sind der Ansicht, daß wir diesen Schwierigkeiten, selbst den eindringlichsten, mit der Hilfe des P a r l a m e n ts entgegentreten muffen. Wir werden fein Schlußdekret verlesen. Unser Programm gründet sich auf die Uebergeugung, daß das Land sich selbst retten muß. Frankreich gedenkt die Schuld, die es zur Verteidigung der Freiheit eingegangen ist, in einem Maße und in emer Form bezahlen, des, es sicher st. d-e Ver­pflichtungen, die es übernehmen wird, halten zu können. Aber wir sind unnachgiebig inso­fern, als es fick um die vollkommene Unabhängig­keit fernes Handelns auf allen Gebieten handelt.

Wir weigern uns unter allen Umständen, die Grenze des Notenumlaufes zu erweitern. Unser Ziel ist die Stabilisierung der Wäh­rung, aber wir wollen die Leistung nicht mit auswärtiger Hilfe allein vollbringen Die D - v i- s e n, die sich außerhalb Frankreichs in französischem Besitz befinden, müssen zurückgeschafft werden. Zu diesem Zweck wollen wir ein Devisenkonto bei der Bank von Frankreich eröffnen und schließlich die Rückkehr zum Regime der Freiheit der Ka­pitalien durch ein neues Amnestiegesetz vorbereiten, auf dessen Ablehnung so empfindliche Strafen gesetzt werden stillen, daß sich niemand dar­über wird hinwegfetzen können. Wir sind ber An­sicht und erklären, daß, wenn die Bank von Frank, reich unabhängig sein soll, die Amortisations­kasse autonom sein muß, und wir find bereit, deren Mittel im Bedarfsfälle in der Form von Derfasfungsgesetzen 5u gewährleisten. Aber es ist notwendig, als Gegenleistung für die von den fron« zösischen Rentenbesitzern erlitten en Ver. lüste eine Ausgleichs st euer auf alle Aktiven zu schassen, die nicht im Dienste des öffentlichen Kredits stehen. Die Modalitäten dieser Abgabe wer­den in der Weise näher geregelt werden, daß weder für Hinterziehung seitens der Steuerpflichtigen noch für Mißbräuche seitens des Fiskus Raum ist. lieber« dies gedenken wir dem Parlament einen Gesetzen!- öurf über die Höchstbefteuerung vorzulegen, der auf alle Fälle die steuerlichen Lasten des Ertrages der Arbeit und der Spartätigkeit einfchränkt. Wir find zu dem Augenblick an gelangt, wo es gilt, die Vergangenheit zu liquidieren. Wir fot. bem Sie auf, uns auf dem Weg zu folgen, ber viel­leicht leibvoll fein wird, ber uns aber zum Wohle des Landes führen muß. Wie alle Völker, die ihre Finanzfanierung durchgeführt haben, wol­len wir die Lebenshaltung des Landes einfchränken. Die Einschränkungen werden beim Staate beginnen. Wir haben für diese höchst dringliche Ausgabe eine republikanische Eini­gung zusammengebracht, soweit dies bei den Spal. hingen, die ein unmöglich beizubehaltenes Wahl- syftem geschaffen hat, angängig war. Erklären Sie fofort, ob Sie eine andere Mehrheit für eine an­dere Formel haben, ober ob Sie im Gegenteil ber Ansicht finb, daß man, wie wir es meinen und er­klären, die Gedanken ter demokratischen Gerechtig- feit mit der Sorge um die nationale Selbstbehaup­tung vereinigen darf.

Ttrnifterpräfibent Herriot erklärt sich zu der sofortigen Beantwortung der kommunistischen In­terpellation über die Finanzen bereit, worauf C a- cf) i n sie begründet. Er wendet sich zunächst gegen das parlamentarische Regime, das immer mehr in Mißkredit geraten fei und es nicht verstände, die Inflation zu vermeiden, die in ganz Europa den Mittelstand ruiniert habe und die Demokratien zu Revolutionen geführt habe. Er fordert die S ch l i e- ßung ber Effektenbörsen und fragt nach ber vom Finanzminister Peret seinerzeit eingeleite- ten Untersuchung über die Spekulation. Die fran­zösischen und ausländischen Finanzleute und die Ka­pitalisten seien für das Elend des französischen Vol­kes verantwortlich und müßten streng bestraft wer­ben. Die Arbeiter- unb Bauernregierung werde es nicht fchwer haben, besseres zu leisten als die bürgerlichen Regierungen.

Hierauf folgt die Interpellation des radikalen Aba. Borel über die Finanzlage. Er er­

geht sich in längeren Ausführungen über die Schul- tenregelungsabfommen. Er kann jedoch trotz ber Bemühungen bes Präsibenten burch den im Saal herrschenden Lärm nicht durchdringen.

Darauf ergriff Finanzminister de Wonzie das Work: Die Regierung wirb dem Parlament die volle Wahrheit sagen. Als ich mich mit Caillaux über die Lage besprach, hat ber dem Staat der Dank von Frankreich zur Verfügung ste­hende Befrag noch 239 Millionen Francs betragen. Heute beläuft er sich auf nicht mehr atsc 60 Millionen. (Bewegung.) Heule vormittag hat der Gouverneur der Dank an den Finanzminister einenDrief gerichtet, in dem er mitteilt, daß die Dank davor stehe, ihre Zahlangen einstellen za müssen, daß sie aber geneigt sei, den Morgav- Fonds unter den früher angegebenen Dedingungen nutzbar za machen.

Als der Finanzminister weiter erklärte, er habe nicht geglaubt, daß die Lage jo ernst fei, erhebt sich Briand und erttärf: Die Lage des Schatzamtes, die mich immer beschäftigt hat, hat sich in den letzten lagen verschlechtert. Man darf aber nicht zurückblicken, man muß voransfchauen. (Bei» fall.)

Rach ihm fuhr d e M o n z ie in seiner Rede fort: Um die Krise des Schatzamtes zu beseitigen, gibt es 3 Lösungen: Man kann die Amortisie­rungen ein stellen, man kann die direkten Steuern für das Jahr 1926, die noch nicht ein­gegangen sind, diskontieren, man kann aber auch brüsk und sofort konsolideren, was natürlich hn ganzen Lande eine Panik Hervorrufen würde. Hierzu habe ich mich nickst entschließen können, ich habe vielmehr beschlossen, der Kammer einen Gesetz­entwurf vorzulegen, durch den die Devisen be» Schatzamtes wieder der Dank von Frankreich zu­rückgegeben werden sollen. Die Regierung wird die Dertrauensfrage nicht stellen. Wird der Antrag abgelehnt, bann werde ich trotzdem der Dank von Frankreich die Ermächtigung geben, die Dollarbestände des Morgan-Fonds, soweit es die Dedürfnisie erfordern, zu verwerten, damit die Pfor­ten der Staatsbank nicht geschloffen werden.

Abstimmung und Sturz.

Am Schluß der Sitzung nahm Ministerpräfident Herriot die von dem radikalen Abg. Cazals cingebrachte Tagesordnung an. Diefe lautet: Die Kammer hak Vertrauen in die Regierung, daß sie eine energische Finanzpolitik zur Durchfüh­rung bringe, die die Lage notwendig macht, und geht zur Tagesordnung über."

Die Kammer trat sodann in die Abstimmung über das Vertrauensvotum ein, das nach der vor­läufigen Stimmenzählung

mit 290 gegen 237 Stimmen abgetehnt wurde.

Noch in der Nacht erfolgte die Demission des Kabinetts Herriot. Dor ber Kammer fanben große Demonstrationen statt.

Poincards Berufung.

Poincare, mit ber Bilbung bes Kabinetts be­traut, hat noch in ber Nacht verhandelt. Das neue Kabinett soll bemEcho be Paris" zufolge nur wenige Minister, vielleicht nur 5 ober 6 ent­halten. Poincare wirb wahrscheinlich selbst bas Finanzministerium übernehmen.

wtb Paris, 22. Juli. (Eig. Funkm. Havas). Poincare will heute vormittag noch eine Aborbnung der interfraktionellen neu gebilbeten Gruppe, bte die Bilbung eines Ministeriums ber nativ- n a l e n E i n h e i t sich zur Aufgabe stellt, empfan­gen, mittags mit bem radikalen Senator Sarraut verhandeln unb nachmittags mit den Dorsitzenben ber Senatsfraktionen Fühlung nehmen.

Ruf nach einem neuen Mann.

Don befonberer Bedeutung erscheint die Erklä­rung, bte ber ber rabikalen Partei angehörenbe Vizepräsibent ber Kammer, Bouysson, gegen­über Vertretern ber Presse abgab. Er äußerte, baß, wenn ber Präkibent ber Republik einen ber früheren Minister-Präsibenten zur Kabinetts- bilbung berufen sollte, wenig Aussicht bestände, daß ber neue Ministerpräsibent eine Mehrheit finde. Die Kammer wolle 'von den alten Formeln nichts wissen unb verlange neue. Wir brauchen einenneuenMann, so schloß Bouysson, einen Führer, ber fähig ist, die Politik unb ihre Intrigen vergessend zu machen unb ber weiß, baß er, obwohl er nur allgemeinen Gedanken nachgehen tonn, auch auf die kleinsten Einzelheiten Rücksicht nehmen muß.

Deutschland und die Pariser Krise.

Zu bem Sturz des Kabinetts Herriot schreibt derVorwärts": Herriot ist gestürzt worden, weil das Programm feiner Regierung eine stärk e r e Heranziehung des Besitzes vorsah, wäh­rend die Regierung Briand-Caillaux die Sanie­rung durch die Gewinnung ausländischer Kredite erreichen wollte. Herriot sei zum Teil als Opfer eigener Fehler gefallen. Weil er gegen die Gewährung außergewöhnlicher Vollmachten an bas Kabinett Drianb protestierte, sei er zwar sei­nem republikanischen Gewissen gefolgt. Außerge­wöhnliche Zeiten erforderten jedoch außerge­wöhnliche Maßnahmen. Eine Verfassung werde nur für normale Zeiten ausgearbeitet. Ohne Regierungsvollmachten lasse sich eine so fortge- , schrittene Inflation nicht überwinden. Niemals

wäre eS in Deutschland gelungen, die Mark zu stabilisieren, wenn nicht der deuffche Reichstag Ermächttgunasgesetze angenommen hätte. Was jetzt kommen 'werde, fei nicht gerade erfreulich für die französische und die deutsche Demokratte. Poincare als Retter sei ein trüber Abschluß zweijähriger Politik des Linkskartells.

DieTäavche Rundschau" meint: Die parla­mentarische Lage in Frankreich fei im Laufe der letzten Tage etwas geklätt worden. Es habe sich gezeigt, daß für die Durchführung des Programms der Finanzsachverständigen unter der Führung von Caillaux keine Mehrheit in der ftanzösischen Kammer vorhanden sei. Der Sttirz Herriots habe gezeigt, daß auch das sozialistische Programm der Kapitalsabaabe und der Sanierung aus eigener Kraft keine Mehrheit finde. Es bleibe nunmehr nur noch die Frage offen, ob ein Politiker der Rechten im Stande sei, mit einem eigenen Finanzprvgramm eine Mehrheit zu finden.

Amerika und die Währungskrise.

Zur Währungskrise in Frankreich schreibt die NewYork Times": Zum ersten Male sind sich die internationalen Finanzleute, darunter auch viele, die sehr franzvsenfreundlich sind, darüber einig, daß zwischen der gegenwärtigen ftan­zösischen und der ftüheren deutschen Lage eine gewisse Aebnkichkeit besteht. Eine Reihe von män­nern aus ber Finanzwelt ist der Meinung, daß die Lösung der ftanzösischen Krise durch einen Diktator mit außerordentlichen Soll- machten erfolgen könne, der im Stande sei, die erforderlichen Maßnahmen durchzusetzen. Man äußerte aber Zweifel, ob ein solcher Mann außer Clemencean gesunden werden könne. Dieser aber sei, wie man zugeben müsse, zu alt. Ein« Persönlichkeit, die die notwendige Unterstützung in der Oeffentlichkeit finden wurde, sei in Franfteich nicht zu entdecken.

Ztratzenkundgebungen in Paris.

wtb Paris, 22. Juli. (Eig. Funkm.). Ueber die gestrige Straßenkundgebung in Paris meldet die Agentur Havas, daß bei Eintritt der Dunkel­heit sich etwa 1000 Personen vor dem Kammerge- bäube ansammelten und erregte Rufe gegen Herriot ausstießen. Sobald die Nachricht von dem Sturze des Ministeriums bekannt wurde, stei­gerte sich der Tumult. Verschiedene Abgeordnete wurden beim Verlassen des Gebäudes tätlich ange­griffen. Der kornmunist he Abg. Couturier erhielt einen Stockhieb über den Kopf. Die Insaffen eines vorüberkommenden mit Fremden besetzten Autos wurden ebenfalls mit Schlägen bedroht. Gegen 11 Uhr wurde der Platz von der Polizei gesäubert, wobei mehrere Verhaftungen vorgenommen wurden.

Besserung des französischen Franken.

wtb Berlin 22. Juli. (Eig. Funkm.). Um 10,30 Uhr notierte an der Londoner Vorbörse der fran­zösische Franken 213,V» gegen 224,V« gestern abend. Der belgische Franken 206 gegen 214.

klbreise kardinal Faulhabers aus Amerika.

wtb Rewyork 22. Juli. (Eig. Funkm.) Kardinal Faulhaber ist an Bord des DampfersHamburg" heute unter dem Namen eines Monsignore Schmitt abgereift. Er bat diesen Namen gewählt, um In­terviews zu vermeiden.

Rus dem Reich der Mitte.

Englisch-chinesischer Zwischenfall in Hongkong.

Wie aus Hongkong gemeldet wird, sind zwei Polizeisergeanten und vier Matrosen der Besatzung eines englischen Partrouillenbootes von einem der zur Durchführung des Boykotts gegen Hongkong aufgestellten chinesischen Piketts an der Grenze des englischen Gebiets gefangen genommen worden, als das Partroulllenboot scheiterte. Eine Truppenab­teilung ist entsandt worden, um die Gefangenen zu befreien.

Deilegung des Streifes um die Salzsteuer.

Reuter meldet aus Peking: Der Finanzmi- nister der Pekinger Regierung und der Gouverneur der Provinz Tschili haben ein Vertrag zur Rege- lung der Salzsteuerfrage geschlossen. Danach ver­pflichten sich die Provinzialbehörden von Tschili, unter keinen Umständen die Einnahmen aus der Salzsteuer anzutasten, sondern vielmehr der inter­nationalen Verwaltung der Salzsteuer bei der Durchführung ihrer Anordnungen behilflich zu sein. Die Provinzialbehörden von Tschili verpflichten sich ferner, jede illegale Besteuerung des Salztrans­portes zu beseitigen und In keiner Form wieder auf­leben zu lassen. Die internationale Verwaltung der Salzsteuer ihrerseits wird an den Gouverneur von Tschili Mitte und Ende jedes Monats 150 000 Dollar bezahlen unter der Voraussetzung, daß es der Verwaltung möglich war, zunächst die notwen­digen Summen für den Zinsendienst der Anleihen bereifzustellen, für die die Salzsteuer als Garantie­objekt dient. Die Salzsteuerverwaltung wird außer- dem an den Gouverneur von Tschili die zur Zeit noch rückständigen Subfibiengelber in Höhe von 450 000 Dollar zur Auszahlung bringen.

Texfilarbeiterun ruhen in Madras.

Aus Madras wird gemeldet: Die Arbeiter der Spinnereien haben wegen des Ausbleibens einer von ihnen erwarteten besonderen L o h n Zu­wendung begonnen, sich zusammenzurot­ten. Die Polizei war genötigt, von der Schuß­waffe Gebrauch zu machen, wobei vier Arbeiter ge­tötet und 14 verwundet wurden. Einige Polizisten wurden durch Steinmürfe verletzt.