Beilage zur Zuldaer Zeitung
Zu».
Klingt im Wind ein Wiegenlied, Sonne warm herniedersieht. Seine Hehren senkt das Korn, Rote Beere schwillt am Dorn. Schwer von Segen ist die Flur — Junge Frau, was sinnst Du nur?
Theodor Storm.
Etwas vom Fingerhut.
gln Kapitel für die Frau. Don Johanna Landgraf.
Der Fingerhut ist trotz aller Nähmaschinen auch heute
»och für die Frau bei allen Nadelorbeiten ein unent- hehrliches Werkzeug, von dessen Ursprung hier be- | richtet werden soll, denn gar wenig Frauen werden sich, l wenn sie das kleine unscheinbare Fingerhütchen zur 8 Hand nehmen, seither Gedanken über seine Geschichte ge> §-macht haben, die uralt und interesiant ist.
Der Fingerhut, von dem ein alter Spruch meldet: .Auch hab ich nadeln, bürsten und kein, Fingerhutet, taschen und nesteln viel",
| mar schon am Ende des 12. Jahrhunderts im Gebrauch, ; Henn aus jener Zeit stammt ein Fingerhutlied von W a l.
ter von der Dogelweide, das Victor Scheffel
ins Hochdeutsche übertragen hat. Die Heldin dieses Liedes ist eine Bergfrau in der Dauphinee, die den Dichter in schwerer Krankheit gepflegt hat. Als der Frühling ins Land kommt, kehrt er zwar in die Heimat zu- rück, vergessen aber kann er nicht .die schönste der Frauen, die je in des Königs von Frankreich Land ein Troubador durfte schauen." Als er um die Mittagszeit in einem elsässischen Tale, auf fchattenkühler Erde liegend, am Saume einer Schlucht eine Fingerhutblume erblickt.
schreibt er:
.Als ich die Purpurglöckchen sah am hohen Stengel schwanken,
Eine große Verträumnis mir geschah und Wirr- warr aller Gedanken
Und all mein Sinnen ward seligen Muts und alle
Sorgen geringer,
Ich dacht eines anderen Fingerhuts, der schmückte den schönsten Finger."
Doch schon vor dem Minnesänger Walter von der Vogelweide wird der Fingerhut in den Schriften der berühmten Aebtissin Hildegard von Bingen erwähnt und zwar in einer Zusammenstellung von 900 Worten für welche die Bezeichnung, in einer wohl von der Aebtissin ongestrebten und erfundenen Weltsprache, einer früheren Vorgängerin des Esperanto, angegeben ist als „Ziris- krans". Dieses dürfte die erste nachweisliche ErwSh- wähnung des „Dingerhuth" sein, für den sich allmählich eine eigene Zunft der „Fingerhuter" einsetzte, besonders in Nürnberg (vom Jahre 1534 ab) das uns noch heute als altehrwürdiger Hauptsitz mittelalterlicher Handwerkskunst in seinem berühmten Germanischen Museum Kunde von der Beschaffenheit früherer Fingerhüte gibt. Der älteste Vertreter dieses Handwerks ist uns in einem Bilde erhalten, das aus einem Portraitbuch der feit 1380 in Nürnberg bestehenden Menbelchen Stiftung stammt. Hier wird aus dem Jahre 1382 ein Handwerker abge- bildet .der hieß Vingerding und war ein Dingerhuter ' Gar kunstvolle Fingerhüte wurden damals angefertigt, reich mit Wappen, Adlern, Lilien und Inschriften geziert, meist aus den edelsten Metallen. So ist uns ein Fingerhut in Gestalt eines Weinbechers erhalten, der auf dem Deckel einen Ritter darstellt, welcher in der Rechten eine große Lanze hält, eine kostbare Arbeit in Silber, welche die Gebrüder Gewandschneider an das Nürnberger Schneiderhandwerk schickten. Die Zunft bet Fingerhuter war besonders im 16. Jahrhundert ein weit verbreitetes Gewerbe, während sie vorher an der Zunft der Rotschmiede gehört hotten und in Jost Ammans berühmter Beschreibung aller Stände auf Erden" zu deren Bilder Hans Sachs die ersten Verse versaßt hat, ist auch ein Fingerhuter dargestellt, von Hans Sachs in feiner köstlichen Art beschrieben. Die Herstellung der Fingerhute geschah hundwerksmäßig, zumeist in Nürn- berg, späterhin aber auch in Köln und Holland, woselbst der alte Ohm Krüger der jungen Königin Wilhelmina von Holland einen äußerst kostbaren und kunstvoll gearbeiteten Fingerhut als Hochzeitsgabe verehrte. Eine maschinelle Herstellung der Fingerhüte soll erst 1696 durch einen gewissen Johann Setting eingeführt worden sein, was 1711 in „Uffenbacfes Reisen" näher beschrieben wirb.
Mg Erfinder des Fingerhuts wird gerne der Amsterdamer Goldschmied Nicals von Benschoten be- bezeichnet, da er am 19. Oktober 1684 einer Frau von Reußeler einen Fingerhut mit dem Bemerken übersandte, daß er ihn „eigens" erfunden hätte. Aber die Erfindung dieses holländischen Meisters kann sich nur auf eine Ein-
Der Druide und fdne Opfer.
Historischer Roman von Stephan U t s ch.
fort von hier", sagte Dufane weiter, „weit fort"in ein fremdes Land und tut anderen Leuten gegenüber, als ob ihr gar nicht glücklich wäret. Denn es gibt so unendlich viel Neider. Man darf einen reichen Schaß niemals offen vor den Augen eines Volke, ein- hertragen, einen Unglücklichen, einen Elenden, der nichts mehr zu verlieren hat, bedauert man, aber ein glück«, ch« Mensch ist von tausenden Feinden umgeben, die alle nach dessen Herzblut dürsten. Denn sage Gisla, wo gibt e, auf der Welt Mann und Weib, die so glücklich sind, pie ihr beide?" » _
Dufane fiel in die Pelze zuruck. Einen Augenblick war tiefe Stille im Gemach. Man hörte nur das schnelle Atmen der Kranken und deren pochendes Herz. Gisla sah wie aus einer anderen Welt auf die auf- und abwogende Brust der Freundin, darinnen ein Herz schlug von lauterem (Selbe. Dann trafen sich ihre Augen. Ein gegenseitiges Verstehen lag in diesen. Gisla zog bewegt die Freundin fester an ihre Brust. Sie flüsterte ihr zärtliche Worte, seltsame Worte zu, die Dufane ver- stand.
Gisla sprach dann auch vom nahen Scheiden, vom Wiedersehen nach dem Tode und von der Vereinigung der Wesen alsdann, die sich auf der Erde in so großer Liebe zugetan gewesen seien.
In den Augen der Jungfrau glänzte eine glückoer- heißend« Zukunft, sie verabschiedeten sich herzlich und dann war die blonde Dufane wieder allein. Die goldene Mittagssonne schien zwischen zwei Balken hindurch au die Lücken des Mädchens, bas bämmernb in einen halb
bewußtlosen glücklichen Zustand verfiel.
Di« drei, welche vor dem Hauje warteten, waren erstaunt über das weiße Gesicht Gislas und die darin vergrabenen heimlichen Glückszüge. Alle bestiegen nun die Pferde wieder und sie waren bald auf dem Heimweg, der von der Sieg ab durch ein langes Tal zum Änroefen des Fürsten Donas führte.
Der Ritt nach Haufe verlief sehr einsilbig. Es wagte jemand, ein Wort zu sprechen, so groß war der Ein-
Für unsere Frauenwelt.
zelheit erstreckt haben, denn der Fingerhut war schon in vorgeschichtlichen Zeiten bekannt, meist aus Bronze, Elenbein ober Knochen gearbeitet, auch schon in ber heute noch üblichen Form, wie zahlreich« Ausgrabungen im Laufe ber Jahrzehnte bewiesen haben.
Heute gibt es in Deutschlanb allein 20 Patente auf Fingerhüte unb über bie hoppelte Anzahl Gebrauchsmuster, woraus man ersehen kann, bah ein zweckmäßig gestalteter Fingerhut, jenes unscheinbare Hanbwerkszeug für jebe Frau, viele Wandlungen durchgemacht hat. Seine ursprüngliche mittelalterliche Grundform blieb, jedoch nicht die Sitte, ihn auf dem Daumen zu tragen.
wie halte ich das Zimmer kühl?
Ein kühles Zimmer ist im Sommer verhältnismäßig leicht herzustellen, wenn man sich die Mühe macht, früh am Morgen zu lüften. Dann wird das Fenster und der Gaben geschloffen. Im Zimmer hängt man auf provisorisch gespannte Leinen feuchte Tücher, bie man alle zwei Stunden neu in frischem Wasser auswascht. Einige Schüsseln kaltes Wasser im Zimmer aufgestellt »erhöhen die Wirkung. Man wirb erstaunt sein, wie schnell em Zimmer bei biefer Methode abkühlt, die sich besonders für Krankenräume eignet, zumal die Kranken von der Hitze meist stark geplagt werden. Auch Säuglinge fühlen sich in einem auf diese Weise adgekühtten Zimmer wohl. _______
Die Behandlung der vadewäsche.
Der Hochsommer ist die eigentliche Badezeit und die Hausfrau hat jetzt viel Arbeit mit dem Trocknen der Babewäsche, die sorgfältig behanbett werben muß, wenn sie nicht vorzeitig verbraucht werben soll. Babeanzüge wäscht man nach Gebrauch in kaltem Ouettwasser sauber aus unb trocknet sie an einem luftigen, aber schatti- gen Ort. Das Trocknen in ber Sonne schabet bem Gewebe. Sorgfältiger müssen noch bie Badetücher und Mäntel behandelt werden. Am Hygienischsten ist es, auch diese Wäschestücke nach jedesmaligem Gebrauch leicht durchzuwaschen. Wem diese Arbeit zuviel wird, der sorge wenigstens dafür, daß die Dadewäsche mög. lichst schnell zu Trocknen kommt. Das lange Liegen- lassen des feuchten WSschebündels schadet der Wäsche außerordentlich. Zu Badetüchern, Mänteln usw. verwende man nur weihe Stosse. Wer sich jedoch lieber in bunter Wäsche sieht, kaufe indanthrensarbige Gewebe, die wasch- und lichtecht sind.
Annemarie Kerber- Saarbrücken.
Der Fersenschmerz.
Don einem ärztlichen Mitarbeiter.
Es ist eine merkwürdige Erscheinung, dah der Fer- sen-Schmerz nicht nur bei langen Märschen und An- ftrengungen der Fersen auf tritt, es kommt auch häufig vor, dah er sich, nachdem der Fuß schon -längere Zeit Ruhe gehabt hatte, ganz plötzlich einstellt. Ein immer heftiger werdendes Brennen und Stechen in ber Ferfe stellt sich ein, bas ist nichts anderes als die Nachwirkung der Anstrengung.
Es wird angebracht fein, an dieser Stelle einiges über bie Ferse selbst zu erwähnen. In stehenber Stellung ruht bie ganze Schwerkraft bes Körpers auf ber Ferfe unb barum ist biefe auch von ber Natur aus mit besonbers bicken Polstern von Fett unb Binbegewede versehen. Bei Ueberanffrengung kann nun sehr leicht bie Fers« „verhallt" werben, worunter man eine Entzündung ber Weichteile in ber Ferse versteht. Diese Entzünbung wirb in manchen Fällen burch zu heftigen Sprung, burch Stoß ober Schlag, Auftreten auf einen harten Gegenstand, oder Druck des Stiefels an die Ferse hervorgeru- sen. Die Entzünbung stellt sich ein, wie bereits gesagt, in vielen Fällen nicht sofort, fonbern noch bem erfolgten Reize, es kann mitunter eine längere Spanne Zeit vergehen, bis sie ausbricht unb man weiß bann keine Er- tlärung bafür.
Entzünbet sich die Ferse, so ist sie äußerst bruckernp- finblich, fühlt sich heih an unb schwillt nach wenigen Minuten an. Dem Kranken macht bas Gehen Beschwerden unb er tritt mit den Zehenspitzen auf. In solchen Fällen muh man sogleich bei Beginn ber Entzünbung kalte Um- schläg« machen, Leberstiefel vermetben unb einen möglichst weichen Strumpf tragen. Der Patient soll dann wenig laufen, einige Stunden am Tage liegen ober we- nigftens bas Dein einige Stunben täglich in gestreckte Richtung legen. Hat man mit ber Behanblung beizeiten angefangen, so geht bie Entzündung bald wieder zurück. Anders ist es freilich, wenn sich bereits Eider gebildet hat ober bie Weichteile verletzt finb. Ist bie äußere Haut erst einmal burdigerieben, so kommt es gewöhnlich vor, daß Schmutz in die Wund« Eingang findet, die Entzün- düng somit immer heftiger, der Schmerz immer unerträg-
druck, den bie kranke Dufane auf sie gemacht hatte. Ja. man hatte in ber Nähe bes Todes geweilt.
Jeder dachte mit Mitleid an das unglückliche Mädchen. Ihr Geist schien schon lose ihren Körper zu umgeben, er war wohl jeden Augenblick bereit, sich von diesem zu trennen.
Nach einiger Zeit tarnen die vier zu House an. Sklaven brachten die Pferde in das Geställe und bie Mädchen begaben sich in ihr Gemach.
Popellus hielt seinen Freund Ingo am Arm sest.
„Auf ein Wort noch, lieber Ingo, ich möchte gerne mit dir wichtiges besprechen. Stamm, laß uns die We». den hinuntergehen."
Ingo war erstaunt. Was sollte ihm Popellus wohl zu sagen haben, dessen Augen so ernst ins Weite sahen.
„Ist es etwas Unangenehmes", sagt« lochend Ingv, „bann solle»« mich nicht lange, bann heraus mit der Sprache."
„Es »st nichts Unangenehmes für dich, es kann aber unangenehm fein und zwar für mich. Andernfalls kann ich aber auch ber glücklichste Mensch unter ber Sonne werden und dazu sollst du mir verhelfen".
„Aber von Herzen gerne, wenn ich nur dazu in der Gage bin. Uebrigcns, wozu die Sorgenfalte auf deiner edlen Freundesstirne. Du weiht doch, daß ich für einen Wunsch, von dir geäußert, mein Geben in die Schale der Wag« lege, also was ist es?"
Beide waren inzwischen an der Grenze der Mark angekommen. Sie setzten sich dort nieder.
„Ach, es ist mir einmal alles so schwer, Ingo. Offen gesagt, es bangt mir unb ich weiß auch nicht, vor wem? Einen solchen Zustanb habe ich bis heute überhaupt noch nicht gekannt. Unb bas auch noch bir gegenüber, Ingo, meinem besten Freunb. Aber einmal muß e» bock) heraus. Also höre: Ich liebe beine Schwester Eralinde und sie liebt mich auch. Da, da hast du es. Aber nun, was sagst bu unb dein Baier dazu unb bah ich ein Römer bin unb . . .“
Die Wort« erftarben ihm in ber Kehle. Ingo lachte, er. konnte sich nicht mehr halten. Erstaunt stauben alle, auch Eralinbe unb Gisla, in ber Halle unb sahen nach den beiden Freunden. Sie wußten jedoch nicht, um
wirb. In solchen Fällen muh man morgens unb abenbs ein lauwarmes Fußbad» nehmen, mifbe Salbe auflegen unb einen festen Verband darüber breiten. Zeigt sich unter ber dicken Fersenhaut eine grauweißliche Färbung, wölbt sich die Haut an einer Stelle empor, so weiß man, daß sich Eiter gebildet hat und es sind haut erweichende warm« Umschläge von Leinsamenmehl zu machen.
Hat sich die chronische Fersenentzündung eingestellt, d. h. hat sich die Knochenhaut des Fersenbeines entzündet, so empfindet ber Patient bei jedem Schritte, ben er tut, einen nabelfeinen stechenben Schmerz. Ganz besonbers bas Gehen auf Asphalt bereitet ihm Unbehagen unb er ist, wenn er genötigt wirb, weitere Wege zurückzulegen, kaum noch fähig zu schreiten. Hier muh zu einer längeren Behanblung geschritten werben. Man macht am besten allabenblich um bie entzünbete Ferse einen kalten Umschlag, nimmt am Morgen ein laues Fußbad unb massiert barauf bie Ferse. Das geschieht in ber Weise, dah man im großen Kreise um die schmerzende Ferse herum mit dem Daumen das Fleisch knetet und allmählich immer weiter an bie schmerzenbe Ferse heranrückt. Man vermeibe babei aber bem Patienten Schmerzen zu bereiten unb massiere nur wenige Minuten lang. Dann lasse man ben Fuß ein Weilchen ruhen unb vermeide bas Anziehen des Stiefels. Ist bas unmöglich, so trage tnan Gummiabsätze. Wer es ermöglichen kann, lasse sich beim Schuhmacher befonbere Stiefel arbeiten, bei denen die Fersenstelle etwas ausgehöhlt wird. In diese Höhlung stopft man Watte, um eine weiche Polsterung herzustel- (en. Auf biefe Weise wirb auch ber chronische Fersenschmerz bald verschwinden.
von der pflege des Fußbodens.
Don Frieda Denkart- Heidelberg.
Ein Stiefkind unserer Haushaltung ist in ber Regel ber Fußboben. Wohl werben bie bekannten Parkett- bäben mit Stahlspänen mühsam gesäubert unb mit Wachs angelegt, doch um die gewöhnlichen gestrichenen Fußböden kümmert man sich weniger. Bei diesen genügt es den Hausfrauen meist, wenn sie täglich gekehrt und zweimal in ber Woche nah aufgewaschen werben. Kein Wunder, dah bei dieser Behandlung in kurzer Zeit bie Oelfarbe abblättern muh, daß Späne davon fliegen, ber Fußboben überhaupt in einer Verfassung ist, bie einem Zimmer wirklich nicht zur Ehre gereicht. Oberster Grundsatz ber Hausfrau sollte es sein, bie Fußböden möglichst wenig zu kehren. Tägliches Abreiben mit feuchten Tüchern erhält ben Boben viel besser unb hat ben Vorzug staubfrei zu sein, zumal noch nicht jebe Fa- milie in ber glücklichen Lage ist, einen Staubsauger zu besitzen. Mindestens einmal in ber Woche sollte auch der gestrichene Fußboben mit einer dünnen Wachsfchicht angelegt unb grünblich gebohnert werben. Das Wachs erhält bie Poren bes Holzes unb konserviert vor allem bie Oelfarbe. Cs ist ein natürlicher Schutz geaen bie starke Inanspruchnahme bes Fußbobens. Beim Wachsen muh bie Hausfrau allerdings darauf achten, daß nicht zuviel der Wachsmasie aufgetragen wird. Die Böden werden bann zu glatt unb bilden eine Gefahr für die Bewohner. Richtig gewachst ist der Boden, wenn beim Abtaften mit bem Finger keine Spur des Wachses an demselben fieben bleibt.
Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit
Auch bie Frauenwelt hat heute burch bie Arbeit?- unb Wohnungsnot das lebhafteste Interesse an den Planen, welche bie Reichsregierung diesbezüglich in der letzten Zeit äuherte.
Die Steigerung ber Arbeitslosigkeit setzte bekanntlich im Spätherbst 1925 ein und erreichte im Februar 1926 ben Höchstanb von zwei Millionen. Im ersten Halbjahr 1926 ist bazu bie Zahl ber Kurzarbeiter beteiligen ber Vollerwerbslosen ungefähr gleichgekommen. Nun ist es falsch, aus biefen Ziffern ohne weiteres auf eine entsprechend große Zahl von langfristigen Erwerbslosen schließen zu wollen. Die Fluktuation auf dem Arbeit?- markt ist größer, als allgemein angenommen wirb. Nur im Ruhrgebiet, wo bie Verhältnisse besonbers schwierig liegen, namentlich in bem süböftlichen Teile biefe? Reviers, könnten solche Schlüsse eine gewisse Berechtigung haben.
Die Arbeitslosenunterstützung hat — von Einzelfällen abgesehen — bie Aufnahme ber Arbeit im allgemei- nen nicht verhindert. Wichtig ist die Frage den Arbeitsbeschaffung Das deutsch« Volk darf überzeugt sein, dah die Reichsregierung diese Aufgabe in ber ganzen großen unb außerordentlichen Bedeutung erkennt und würdigt, bie ihr zukommt. Außer wtrtschaftsopltti- scheu Maßnahmen find bie unterstützenbe wie bie pro« bu k t i v e Erwerbslosenfürsorge beträchtlich ausgebaut worben, um nach Kräften zu helfen. In diesem Zusam- menhang wird sich die Reichsregierung einsetzen für die
was es sich handelte. Popellus machte ein erstauntes Gesicht.
„Jetzt willst bu dich über mich luftig machen, Inge-, schäme dich doch etwas."
Doch Ingo lachte weiter Er umfaßte seinen Freund und rollte mit ihm In sausender Schnelligkeit die Wei- den hinab. Unten angekommen, lieh er ihn los. Aus ber f)aüe heraus scholl heiteres Gelächter.
„Davor hast bu Angst gehabt, Popellus? Du weißt ja garntcht, wie groß gercibe ob biefer beiner Enthüllung meine Freube ist. Nun werben wir boch im Leben nicht mehr für bauernb attseinanbergeriffen. Ich unb Gista kommen öfter nach Eolouia unb ihr besucht uns genau so viel mal hier. Das anbere laß mich schon alles mit meinem Vater besprechen.
, 9. Kapitel.
Sonnmenbfeier war längst vorbei unb wieber stand man vor einem Feste vor bem allergrößten bes Jahre», welche? bem höchsten Gotte geweiht war, bem allmächtigen Odin. Man nannte es daher Odins- oder auch Erntefest. Schon tagelang hatte man ungeheure Vorbereitungen getroffen, um bie Feier mürbig zu gestalten. Ganze Stämme waren auf ben Beinen, um zu ihren Heiligtümern zu pilgern. So zogen bie Angehörigen bes E hatten- unb Suganibrerftammes zum gewaltigen Odinshaine, ber sich in östlicher Richtung birekt vom Druidenstein in bie Berge hinzog. Unzählige Massen waren schon bort angekommen und lagerten Unter ben Fittichen gewaltiger Eichen. Alle wollten bie heiligen Nächte vor bem Feste an geweihter Stelle verbringen. In diesen fuhr nach ihrem Glauben Odin mit seinem stattlichen (Befolge von seligen Helden und wunderschönen Schlachtjungfrauen, auf herrlichem weißen Rosse sitzend, dessen langer Schweif im Winde flatterte, über bie Wipfel ber vom Sturmwinb gepeitschten Bäume hinweg. Dann hörten bie andächtig lauschenden Germanen Waffenlärm und Rassewiehern, Hufschlag und Hunde- gebett.
Auf allen Wegen sah man reges (Betriebe. Irnrnm neue Kolonnen, alle in ihrer Zusammensetzung ein bun. tes Durcheinander bildend, verließen den Weg im late ter Sieg, um nach dem schon von weitem sichtbaren Druibenftein zu ziehen, bessen hochragenbe Spitze bie
Nr. 166 vom 22. Juli 1926.
Kultivierung von Deblnnb, wo bas volkswirt- chastlich überhaupt vertretbar ist. Erwerbslose sollen möglichst bei biefen Deblanbfulturen beschäftigt werden. Begonnene Bahnbauten wird die Regierung mit Kreditgewährung unterstützen.
Um den Wohnungsbau zu beleben und zu stör- ken, ist der für die ersten Hypotheken vorgesehene Zwi- schenkredit bes Reichs von 200 Millionen Mark aus drei Jahre verlängert worden. Die Bedingungen seiner Ausgabe sind nach wie vor günstig, insbesondere in Verbindung mit der billigen Hauszinssteuerhypothek, die an zweiter Stelle steht. Sodann ersucht die Reichsregie, rung die Gemeinden dringendste in eigener Regie noch in diesem Jahre bie Behelfswohnungen zu schaffen für solche Mieter, die ihre bisherigen Wohnungen räumen müssen. Eine Förberung bes Wohnungsbauer auf bem Lande ergibt sich einerseits aus ber Unterstützung der landwirtschaftlichen Siedlung, über die in ben Ausschüßen schon Beschlüße gefaßt worden find. Außerdem ist die Reichsregierung entschloßen,, aus den Mitteln ber produktiven Erwerbslosenfürsorge ben Wohnungsbau für lanbwirtschaftliche Arbeiter in beträchtlich größerem Ausmaß zu betreiben. Sie will auf bissem Wege au.slänbische Arbeiter bie sich in landwirtschaftlicher Dauerstellung beflnben, burch deutsche Kräfte ersetzen. Inwieweit bie indu- ftrielle Umfieblung über bas bisherige Maß hinasts aus Mitteln der produktiven Erwerbslofenfür- sorge betrieben werben soll unb kann, unterliegt zur Zeit noch ber Prüfung. Das Wichtigste aber ist, baß schon im Herbst bieses Jahres Vorsorge getroffen wirb, baß trotz ber großen Zersplitterung ber Zustänbigkeiten in ber Wohnungspolitik ein einheitliches B a u Programm etwa für bie brei nächsten Jahre aufgestellt wirb — als unerläßliche Voraussetzung für den Abbau der Zwangswirtschaft auf diesem Gebiete.
Die Reichsregierung ist sich natürlich darüber klar, daß mit allen diesen Mitteln allein die geronftioe Krisis, der mir unterliegen, nicht zu Überwinden ist. Aber die Krisis soll wenigstens erleichtert werden.
Allerlei Limonaden.
Von Margarete B a u m b a ch - Berlin.
Die heiße Jahreszeit erzeugt naturnofwenbig beim Menschen ein gesteigertes Durstgefühl, dessen Betrieb»-.. bigung am besten mit alkoholfreien Getränken geschieht, bie ben Vorzug vor ben alkoholischen haben, baß sie nicht ermüben unb ben Körper nicht erschlaffen. Im Befort» beren nehmen die Limonaden einen breiten Raum unter ben sommerlichen Getränken ein, jedoch empfiehlt es sich, dieselben selbst herzustellen und ße nicht, wie es vielfach geschieht, fertig zu beziehen. Man hat aus bieft Weise eine Kontrolle, was man trinkt, außerdem kommt es wesentlich billiger. Limonaden laßen sich natürlich am einfachsten aus Frucht^äften Herstellen, die man selbst bereitet hat. Ein Löffel Himbeer- ober Erbbeersaft mit Wasser aufgelöst ergibt eine köstliche Limonabe. Wem Fruchtsäfte nicht zur Verfügung stehen, ber löse einen Löffel Gelee ober Fruchtmark in Wasser auf, auch das ergibt eine erfrischende Limonade.
Sehr beliebt ist auch bie natürliche Zitronenlimonade, aus Zitronen und Wasser hergestellt. Wem Zitronen nicht zur Verfügung stehen, der kaufe beim Drogisten für ein paar Pfennige kristallisierte Zitronensäure. Sie tut in Wasser mit Zucker aufgelöst bie gleichen Dienste. Ein paar Tropfen Essig mit doppelkohlens. Natron unb Zucker vermischt ergibt eine Gimonabe von erfrischender Wirkung, auch Orangenschalen in einer Flasche mit Was» ser übergossen und einige Tage stehen gelaßen werden als Limonabenextrakt vielen willkommen sein. Schließlich fei noch baran erinnert, daß auch bie ausgelaugte Schale von Ananas als Grunbstosf für Limonaben von außerordentlichem Wohlgeschmack ist. Alle Limonaden richtet man mit einem Stückchen Eis an, bas man im Glase zergehen läßt.
Kniffe für die Hausfrau.
Starkriechende Blumen müssen d-s Nacd's aus dem Schlafzimmer entfernt werben, sie sind meist bie Ursache für unruhigen Schlaf unb Kopfweh beim Erwachen.
Unruhiger Schlaf ber Kinber wirb, vor- ausgefetzt, baß keine akute Erkrankung vorliegt, in den meisten Fällen burch eine lauwarme Kompreße auf ben Leib befestigt.
Schnürsenkel für berbe Arbeitsschuhe unb bie Schulstiefel ber Kinder hatten bedeutend länger, wenn man sie vor dem Gebrauch leicht einfettet und einige Zeit trocknen läßt.
Die Farben bes Zimmerteppichs werden schön und frisch, wenn man ihn von Zeit zu Zeit mit Essigwasser abbürstet. Auch Teeblätter leisten gute Dienste.
Anwohner der Stämme grüßte bis zu ben sieben Ber- gen am Rhein. Alle Priester unb Priesterinnen waren herbeigeeilt: sie stauben bem Oberpriester Beltas zur Seite/ ber auch in biefen Tagen bie ihm obliegenden Pflichten nicht allein hätte bewältigen können. Es mußten Pferde, Rinder, Ochsen, Schafe und Docke bereit gestellt werden, es war hier und da zu tun, dies zeigten die emsig herumlaufenden Unterpriester.
Andolf wich nicht von der Seite seines Oberen, feine Hoffnungen auf Dufane waren wieder etwas im Steigen begriffen, seitdem sich die Gesundheit bes Mäbchens merk- «ch gebelfert hatte.
Sie verließ zwar noch nicht ihre Hütte, auch sagte sie stets, ber Tag ihres Todes würbe in aller Kürze kommen, boch ihr Heufeeres sah gesundheitlich vorteil- Hafter aus als zur Zett der Sonnwendfeier. Auch hatte sie ihr Benehmen gegen Andolf merklich geändert, sie war viel freundlicher und zuvorkommender zu ihm wie früher.
Popellus weilte nun schon seit einiger Zeit mit seiner Gemahlin Eralinde in Colonia. Beide waren unaus- sprechlich glücklich. Sie hatten sich von Ingo und Gisla mit dem heißen Wunsche getrennt, sich ja möglichst bald in ber Rheinstadt wiederzusehen.
Gisla hatte Ingo unaufhörlich jeden Tag mit Bitten bestürmt, möglichst schnell die Reise zu unternehmen. Ihr Wesen war immer scheuer und ängstlicher gewor- den. Ingo hatte ihr ja versprochen, sofort nach bem Feste zu reifen, doch alle feine Bemühungen, sie zu be- ruhigen, waren erfolglos gewesen.
Ingo wäre ja so gerne längst schon mit ihr gereift, doch erstens mar die schwankendeGesundheit feiner jungen Braut noch nicht für bie lange, viele Kräfte in Anspruch nehmende Reise geeignet. Zweitens hatte fein Vater den dringenden Wunsch geäußert, mit dem Besuch des Po- pellus bis nach dem Odinsfeste zu warten, da zu dieser Zeit sein Haus von hohen Gasten überfüllt würde, die alle den Wunsch hegten, ihn kennen zu lernen.
Ingo konnte aus diesen Gründen die Reise noch nicht unternehmen. Auch wollte er noch gerne feine Jagd- und Kampfgenossen wiedersehen, die damals so lange Gast bei ihm gewesen waren.
(Fortsetzung folgt.)