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Anzeiger für die Sfaöf und den Kreis Aulda
Amtliches Kreisblakt.
Nr. 166
Zahrg. 53
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Monatlicher Sciu«8hrr'$- l.CO Wf.
ZeulsGaild md die ftanjffische FranKen-Aifis. herriot vor der Kammer. — Nttentatsgefcchr.
Don einem besonderen wirtschaftspolitischen Mitarbeiter wird uns geschrieben:
Der Verfall des französischen Franken, den wir nunmehr vom Standpunkte unserer sicheren Währung aus in all seinen uns so wobl bekannten Erscheinungen beobacksten können, wirkt sich nachgerade auch zu einer Krisis für die deutsche Wirtschaft selbst aus. Es ist nicht so, wie man im Anfang der Verfallserscheinungen in manchen politisch verblendeten Kreisen hören konnte, daß ein Niedergang der französischen Währung nur für dieses Land allein seine schwerwiegenden Folgen hätte. Wir selber als unmittelbares Nachbarland sind vielmehr auf das stärkste daran "interessiert, daß Frankreich so rasch wie möglich eine feste Währung erhält, denn der ja auch unS aus den Zeiten der Inflation bekannte wirtschaftliche Stott« kurrenzkamvf schlägt nicht allein gegen das eigene Land, sondern vor allem gegen dieienigen Wirtschaften. die der Unterbietung der Preise nicht folgen können. Und so beobachten wir gerade gegenwärtig, daß die französische Industrie der deutschen wegen der Unterbietungsmöglichkeiten außerordentliche Schwierigkeiten bereitet. Der deutsche Export, der cchnehin schwer zu kämvfen hat, ist seit dem Niedergang der französischen Währung noch mehr beengt und bedrängt, und die neuerliche Entwicklung im Frankenverfall zeigt ims mit aller Deutlichkeit die Folgen, in die auch wir mit unserer Wirtschaft kommen können, wenn es nicht bald zu. einer Klärung der Währungsverhältnisse in Frankreich tote auch in Belgien kommt.
Diejenige Evoche muß vorbei sein, in welcher man glaubte, über das wirtschaftliche Mißgeschick eines Landes, namentlich über den Währungsverfall Schadenfreude äußern zu dürfen. Das ist das Dümmste und wirtschaftspolitisch das Unklugste, was es überhaupt gibt. Gerade die jetzigen Vorgänge zeigen uns wieder die enge wirtschaftliche Verbundenheit der Länder und Völker und daraus ergibt sich auch, daß nur in gemeinschaftlichem Zusammenwirken der europäischen Wirtschaften und der europäischen Völker diese schwere Krisis, die einen Währungsverfall nicht mtt für die eigene Wirtschaft, sondern auch kür die Lbriaen Länder mit sich bringen kann, zu überwinden ist. Wir müssen in diesem Punfte auch etwas psychologisch uns einsteUen. Nach allen Anformationen aus Frankreich hat es dort gerade bei der breiten Waffe einen sehr mttett Eindruck gemacht, daß in der deutschen Presse, von verschwindenden Ausnahmen abgesehen, der französische Währungsverfall und seine Einwirkungen auf die französische wie aber auch auf die deutsche Wirtschaft mit kluger Zurückhaltung und mit wirtschaftlicher Besonnenheit erörtert wurde. Das hat mehr zu einer Annähe- rung der Geister beigetragen, als ein Jahr poli- tischer Derständigungsarbeit. Gerade die Tatsache, daß in den breiten Massen so schnell dieser geistige Umschwung kommen konnte, ist ein Beweis dafür, daß man auch im ftanzölischen Volk einsieht, daß mit politischen Mitteln allein Völkerverständi- a»mg nicht getrieben werden kann.
6erriots schwere Stunde.
In der französischen Kammer sind bisher vier Interpellationen über die Politik des neuen Kabinetts eingebracht worden und zwar eine deS kommunistischen Abgeordneten Cachin und Genossen, eine deS radikalen Abgeordneten Borel und eine des sozial-republikanischen Abgeordneten Aubriot. Alle diese Interpellationen beziehen sich auf die allgemeine Politik, während eine weitere im Namen der Sozia»
listen vom Abgeordneten Compere Morel etngebracbte Tagesordnung sich mit der fortgesetzten Steigerung des Bro'Preises und den dagegen zu treffenden Maßnahmen beschäftigt.
Die Begierungserhlärung.
Der Kabinettsrat war, wie anaekündigt. zu einer netten Sitznna znsammengetreten. Nach Schluß der Sitzuna wurde folgendes Kommunique auS^egeb-n: Der Kabwettsrat hat die Ausarbeitung der Ne- gierunaseik'ärnnq kortgel-tzt, die Mittwoch nack, mittag 5 Ubr dem Parlament verlesen werden wird und hat sich mit dm sofort einzubringenden Gesetzentwürfen beschäftig
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*tt Baris, 21. Iu!>. (Eia. Fnnkm.l Nack Schluß de? gestern abend abgebaltenen KobiveNs- rateS verhandelte .Lerriot n>’* ciniaen Mitarbeitern. Der Minister des Innern, Cbautemvs, erNärte, die Gerüchte von • <ner bevorstehenden Demission der Minister De Monzie und Dariac sowie von einem angeblich aeplanten Attentat auf den Minister-Präsidenten Herriok al? unbegründet. Herriot werde beule vormittag mit dem Gcnr- verneur der Bank von Frankreich eine Unterredung haben. De Monrie arbeitete die ganze Nacht an der Fertigstellung der Fiwinrpläne. Die heikle Lage erfordere entschiedene Maßnahmen, zu denen die Regierung entsch'offen sei.
Der neue Kammerpräsident.
Tie radikale Kammerfraktian bat beschlossen, als Kandidaten für die K-mmerpräsidenkschast anstelle Herriols den Vizepräsidenten der Kammer Bouysson vorzuschlaaen.
Ministerium der Nationalen (Einheit?
wth Bari?, 21. Juli (Eie,. Funkm.) „Echo be Paris* behauptet, falls daS Kabinett ^erriot gestürzt werden sollte, würde ein große? Ministerium der Nationalen Einheit unter dem Vorsitz von Poincare aebildet werden.
Die Inflation.
Die vereiniaten Seide ntoarenfabri*a nt en von Lyon baden an die Präsidenten von Kammer und Senat einen dringenden Appell gerichtet, in Anbetracht der immer schwieriger werdenden Lage für ihren Industriezweig sich ersten? an die Kräfte der Nation zu wenden, um die Währungsstabilisierung und vor ollen Dingen eine von allen Parteirücksich» ten befreite Finanzpolitik durchzusühren. zweiten? den Plan der Sachverständigen, der allein die Vo> aus- setzung einer brauchbaren Währungsstabilisierung enthält, sofort restlos in die Tat umzusetzen.
Der Vorstand der Pariser Zuckerbörse bat angeordnet, daß bis auf weiteres Notierungen, die über den Schlußkursen vom Freitag den 16. Juli liegen, nicht registriert werden dürfen, weil der plötzliche Stutz des Franken durch die Wirtschaftslage deS Landes nicht gerechtfertigt fei.
Wie die „Information" berichtet, soll eine ganze Anzahl von Geschäften, die Lu xu Sw ar en der» kaufen, beabsichtigen, ihre Geschäfte im Hochsommer auf Wochen hinaus zu schlleßen, da d-r schwankende Frankenkurs e? ihnen nicht ermögliche, die Waren im Augenblick ohne Verlust zu er fester.
Leichte Besserung des Franks.
wtb Berlin, 21, Juli feig. Funkm.) In London wurden am heutigen Vormittag für ein Pfund Ster- linn 237,50 frantöü'che und 219 belgische Franks bezahlt, gegen 239,25 bezw. 220 am gestrigen Tage.
(Em Tscheka-Haupt gestorben.
AuS Moskau wird gemeldet: Der VolkSkommiffar Dserschinski, Vorsitzender be? Obersten Volkswirt- schaftSratrS bet Union bet Sozialistischen Sowjetrepubliken, Präsibent bet Vereinigten staatSpolitischen Verwaltung (O. ®. P. U.) ist plötzlich an einem Herzschlag im Alter von 49 Jahren verschieden. Dserschinski, der im Jahre 1877 geboren war, nahm feit 1895 an der revolutionären Bewegung teil und war einet bet Hauptführer der Oktoberrevolution. Er war Vorsitzenber der Tscheka, die später in die Vereinigte staatspolitische Verwaltung (O. G. P. U.) nmgewandelt wurde. Gleichzeitig bekleidete er die Posten zuerst eine? Volkskommissars deS Innern, später deS Verkehrswesens. Zuletzt war er Vorsitzender des Obersten Volkwirtschaftsrates der Union bet Sozialistischen Sowjetrepubliken.
* Der preußische Staatsrat trat am Dienstag zusammen. In Beantwortung einer Anfrage teilte das Wohlfahrtsministerium mit, daß im laufenden Rechnungsjahr die Förderung des Landarbeiter- Wohnungsbaues allgemein nach Gesichtspunkten statt- finden soll, daß ihre dauernde ausschließliche Verwendung für d e u t s ch - st ä m m i g e Landarbeiter- famtlten sowie ländlicher Handwerker, die besonders für die sächlichen Bedürfnisse der landwirtschaftlichen Betriebe tätig sind, gesichert werde. — Die begrüßenswerte Maßnahme soll der Beschäftigung der polnischen Wanderarbeiter auf den ostelbischen Rittergüter entgegen wirken.
* Die Zollkonferenz in China. Wie Havas aus Peking berichtet, hat bet Minister für Auswärtige Angelegenheiten die ausländischen, Delegationen ersucht, sich am 23. Juli mit den chinesischen Delegierten zu treffen, um die Frage der Wiederaufnahme der Zollkonferenz zu erörtern.
Bestrafte Lästerer.
Das Schwurgericht in Karlsruhe verhandelte wegen eines im Februar d. I. in der „Badischen Zeitung" erschienenen Artikels „Nachklänge zur Reichsgründungsfeier" gegen den Kaufmann Walter Weiß, Leiter der Stahlhelmorganisation in Baden, und den Redakteur Wilhelm Roth aus Karlsruhe, die der schweren öffentlichen Beleidigung der badischen Staatsregierung beschuldigt waren. Die „Badische Zeitung" hatte in einem Artikel die Frage gestellt, ob Männer, „die an der Revolution stark interessiert waren und durch ihre Mitwirkung an der Entwaffnung unseres Heeres und der Zerstörung unseres Baterlandes demFeindeHsl- f e r s d i e n st geleistet haben, bei der Reichsgründungsfeier, die das Werk Bismckrcks zum Gegenstand hat, überhaupt etwas zu suchen haben, und ob man Andersdenkenden zumuten könne, sich mit solchen Leuten, noch dazu wenn sie — leider — in hohen Stellungen der Regierung sitzen, zusammenzusetzen und ob es dann nicht eine Selbstverständlichkeit sei, wenn man sich mit Abscheu von diesen wendet und lieber ganz auf eine Teilnahme an der „Nationalfeier" verzichtet." .
Die Angeklagten bestritten, in diesen Auslassungen die badische Staatsregierung gemeint zu haben. Der Strafantrag war von der badischen Regierung und von einzelnen Mitgliedern des badischen Staatsministeriums gestellt worden. Das Schwurgericht verurteilte Weiß zu fünf und Roth zu zwei Monaten Gefängnis und Tragung der Kosten des Verfahrens, sowie Veröffentlichung des Urteils in der „Karlsruher Zeitung" und in der „Badischen Zeitung".
♦ Einberufung der luxemburgischen Kammer. Tie luxemburgische Kammer ist für den 22. Juli zu einer außerordentlichen Tagung einberufen worden. An diesem Tage wird die neue Regierung mit ihrem Programm vor die Kammer treten.
Die Verfassung polens.
Die Berfaffungsvorlage vor dem Sejm.
Der polnische Sejm hat im Verlauf der zweiten Losung der Verfassungsvorlage den Artikel 8 angenommen, der dem Präsidenten das Recht gibt, wenn der Ministerpräsident einen entsprechenden Antrag stellt, den Sejm aufzulösen. Die Entscheidung über d^n Artikel 11, der dem Präsident das Recht geben soll, während der Dauer der Auslösung des Seims Gesetze aiif dem Verfügungswege zu erlassen, steht noch aus. Donnerstag findet die dritte Lesung statt und es wird behauptet, daß Ministerpräsident Bartel die Vertrauensfrage stellen werde, man spricht aber auch davon, daß die Regierung sich mit der Ermächtigung zufrieden geben wird, bis zum Oktober 1 9 2 7, während der Sejm vertagt ist oder sich in Ferien befindet, Gesetze unter bestimmter Begrenzung auf dem V e r f ü g u n g s w e g e zu erlassen.
Dre Kohlenfrage in England.
Auf eine Anfrage im englischen Unterhaus, ob die Regierung Maßnahmen getroffen habe, um übertriebene Gewinne aus der Kohle n e i n f u h r während der gegenwärtigen Krise zu verhindern, antwortete Barnston namens des Staatssekretärs für Bergbau: Die Politik der Regierung gehe dahin, die Einfuhr von Kohlen aus dem Auslande zu erleichtern und die Märkte nicht in ihrer Freiheit zu behindern. Sollte diese Politik zu Mißbräuchen führen, so würde die Regierung einschreiten. Auf weitere zusätzliche Fragen wurde keine Antwort erteilt.
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wtb. London, 21. Juli. (Eig. Dunkm.l „Mornina- Past" zu'olge wird in aanz Groß-Britannien in 600 von insgesamt 3000 Gruben gearbeitet. Im allgemeinen sind rä kleine Bergwerke. Vor drei Wochen wurde in 300 Gruben gearbeitet. Infolge des Kohlenstreiks hat die Erzeugung von Roheisen aufgehört. Bei Beginn des Krieges waren 147 Hochöfen in Tätigkeit, Ende Mai 23 und jetzt keine mehr.
Tagung des Inlernalionalen Bergarbeiter- Ausschusses in Paris.
Der Internationale Bergarbeiterausschuß ist in Paris zusammengetreten, um die internationale Lage zu prüfen.
* Carl Herold 78 Jahre alt. Am Dienstag feierte der älteste unter den prominenten Führern des Zentrums, Landesökonomierat Carl Herold, seinen 78. Geburtstag in aller Frische und Tatkraft. Möge er den Fraktionen und der Partei noch lange erhallen bleiben.
AntruNsBauken zur
D^r jetzt zum Reichsjustizminister ernannte Vize. Präsident des Reichstages Dr. Bell hat schon wiederholt Gelecsenheit genommen, sich über die großen Fragen der deutschen Außenpolitik in sehr bestimmter Weise auszusprechen. Seine Berufung als Minister gibt uns erwünschten Anlaß, auf Ausführungen hinzuweisen, die Dr. Bell vor kurzem in den „Europäischen Gesprächen" unter dem Titel: „Zentru-msoedanken der deutschen Außenpolitik" gemacht hat. Diese Sicherungen dürfen gerade jetzt eine besondere Aufmerksamkeit beanspruchen. Dell führte u. a. aus:
Objektives Urteil und b er echte Würdigung werden zu dem Gesamtergebnis führen müssen, daß in die Welt von Feinden, die Deutschland auch nach Friedensschluß umringte, Bresche gelegt ist, und daß die Giftotmosphäre des Hasses und der in Siegerdiktatur sich auswirkenden Willkürpolitik allmählich einer begönneren und verständigeren Richtung Platz macht. 3nfofern bedeutet der „Geist von Locarno", den man doch nicht mit überlegenem Lächeln verspotten sollte, einen für uns nicht zu unterschätzenden Fortschritt, den derjenige am besten zu ermessen vermag, dem der „G e i st v o n Versailles" wie ein stahlhartes Messer mitten in das deutsche Herz hineinstieß. Nur durch schwere Opfer und Leiden, durch mühselige Arbeit, die vor zeitlichen Mißerfolgen und schweren Verkennungen nicht zurückschreckt, werden wir uns allmählich, von Schritt zu Schritt, von Stufe zu Stufe, den dornen- vollen Weg zum Aufwärts, aus Nacht zum Lichte bahnen. Starke Entschlußkraft und Sicherung des Terrains: das ist Pflichtgebot der Stunde. Um unserer schönen Augen willen tut man ;m Auslande nichts für uns, weder bei den ehemaligen Kriegsgegnern noch bei den Neutralstaaten. Darüber dürfen wir uns keiner Selbsttäuschung hin- geben. Hat sich die Stimmung im Auslande zu unseren Gunsten gewandelt, so ist. das neben unfern besonnenen Haltung wesentlich zurückzuführen auf die der Kriegspsychose nachfolgende ernüchternde Erkenntnis, daß Deutschlands Ausschclltung aus dem Weltkonzern vollendeter Wahnsinn ist, und daß man die brennenden Probleme des Wiederaufbaues Eu- ropag und der Neubelebung der Weltwirtschaft unmöglich lösen kann durch Faustschläge auf das Herz Europas Jetzt gilt es. durch kluge und weitaus- schauende Politik sich diesen Stimmungsumschwung zunutze zu machen und durch geschickte Linienfüh- rung bie auswärtigen Geschäfte so zu besorgen, daß dabei Deutschland auf seine Rechnung kommt.
Das Gesamtproblem unserer Außenpolitik zer- fällt in eine Fülle von Einzelheiten, deren eine die andere überbietet an Bedeutung und Lösungsschwie. rigteit. Nicht einseitige $3e ft orten tie- rung, nicht einfeitige Dftortentierung. Nicht einseitige Kontinentalpolitik, nicht
Neuer Chef der Reichskanzlei.
Dr. Pünder.
wtb Berlin, 21. Juli. (Eig. Funkm.). Der Reichspräsident hat den Staatssekretär in der Reiclis- kanzlei, Dr. Kempner, auf feinen Antrag unter Gewährung des gesetzlichen Wartegeldes in den einstweiligen Ruhe st and versetzt und den Ministerialdirektor der Reichskanzlei, Dr. P ü n • der, zu Staatssekretär in der Reichskanzlei ernannt.
Die Meldung kommt überraschend, da man gestern noch in einigen Zeitungen lesen konnte, die Ernennung des Staatssekretärs sei auf den Herbst verschoben, da der Reichskanzler einen Zentrumsabgeordneten als Mitarbeiter wünschte. Pünder ist sog. „unpolitischer" Beamter. Der bisherige Staatssekretär der Reichskanzlei, Kempner, soll im divlo- matischen Auslandsdienst Verwendung finden. Pün. der war früher unter Luther hn Reichsfinanzministerium tätig und war dann zur Privatindu- ftrie übergetreten. Als Luther Reichskanzler wurde, und der bisherige Ministerialdirektor der Reichskanzlei, Kempner, zum Staatssekretär arrfrückte, wurde Pünder sein Nachfolger als Ministerialdirektor.
Lloyd George gegen den Krieg.
Auf der Weltkonvention der Bewegung christlichen Bestrebens, an der Delegierte von mehr als 30 Nationen teilnahmen, hielt Lloyd George eine Rede über das Thema: „Die Jugend der Welt für Frieden und Versöhnlichkeit", worin er u. a. ausführte: Der schrecklichste Krieg aller Zeiten st e h t noch bevor, wenn nicht die Jugend die Irrlehre von der Notwendigkeit der Kriege aus dem Herzen reißt. Der Friede hat zwei Voraussetzungen. Die erste ist die schiedsrichterliche Entscheidung aller Streitfragen. Wenn man beginnt Ausnahmen zu machen und zu sagen, in gewissen Fragen könne man keinen Schiedsspruch zulassen, weil es sich um Fragen der Ehre ober um Fragen des vitalen Interesses handelt, bann haben schiedsrichterliche Entscheidungen überhaupt keinen Zweck. Die zweite Vorbedingung ist die Abrüstung. Rüstungen sind eine Versuchung. Der Krieg von 1870 ist in erheblichem Maße auf die Tatsache zurückzuführen, daß die Franzosen ein neues Gewehr hatten, u. wünschten es zu erprob"«. Ms Franzosen begeben sich heute mit ihren Rüstungen in dieselbe Versuchung. Alle anderen Länder tun dasselbe. Eurova besitzt heute größere Heere als je zuvor. Die I u g e n d muß daher, so schloß Lloyd George seine Rede, die S a che des Friedens in die Hand nehmen, denn sie ist noch nicht durch schlechte Erfahrungen und Enttäuschungen entmutigt.
deutschen AutzeWliK.
einseitige Europa-Einstellung. Nicht einseitige Wirtschaftsführung, nicht einseitige politische Richtung. Dagegen einheitliche umfassende Gesamtorientierung. S piegeltlare und zielsichere Politik, die dem Wirtschaftsinteresse wie dem Gesamtwvhle gleichmäßig dient. Getragen von dem Bewußtsein, daß wir zum Wiederaufbau des verarmten Europa und zur weltwirtschaftlichen Entwicklung ein notwendiger und bedeutsamer Faktor sind und bleiben müssen, vor allem dazu berufen, unsere in der gesamten Wirtschaftswelt anerkannten technischen und industriellen Fähigkeiten, wirtschaftlichen und verkehrspolitischen Erfahrungen und Fortschritte in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Durckchrungen von der Ueberzeugung, daß wir nicht minder als andere Kulturstaaten, dank unsere jahrtaufende alten Kurliurgeschichte, die Berufsmission in uns tragen müssen, zu unserem Teile beizutragen zur Erhaltung und Förderung der schwerbedroh-ten abendländischen Kultur. Weltwirtschaft und Weltfriede, Wiederaufbau Europas und engere Verbindung der europäischen Staaten zur einttächttgen Lösung von Geminschaftsarbeit: bi 6 sind die gewiltig-n Probleme der Gegenwart und Zukunft, die auch unserer Außenpolitik gestellt sind. Mögen darüber die Anschauungen noch so weit auseinandergehen, mögen noch so viele Schwierigkeiten und Hemmungen sich in den Weg stellen: keine Regierung, kein Politiker, ja kein ge. wissenhwfter Staatsbürger darf davon ab sehen, sich mit diesen Lebensfragen von geradezu eminenter Bedeutung zu beschäftigen und sich über alle Er- schwernisse hinweg zu einer klaren Stellungnahme durchzuringen.
Zusammenfaffend sagte dann Dr. Dell folgendes: Soll die deutsche Außenpolitik in die Höhe kom- men und Höhenluft ausatmen, dann darf sie nicht das ängstlich gehütete Monopol einer zünftigen Diplomatie sein, sondern muß Gemeingut des ganzen deutschen Volkes werden. Alle Volksschichten, all« Stände und Erwerbsgruppen, Wissenschaft uni Wirtschaft, Politik und Presse müssen sich mit Gründlichkeit vertiefen in die Auslandsfragen, müf- fen sich mit Gewissenhaftigkeit und ausgereiftem Verantwortungsgefühl ter auswärtigen Politik wid> men. Unsere nationale Ehre und Würde gilt es zu wahren. Deutschlands Zukunft, seine Entwick- lungsmöglichkeit steht auf dem Spiel. W« ist berufen zu Deutschlands Rettung aus schwerster Not, aus drohender katastrophaler Wirtschaftskrise? Kein Stand, keine Berufsgruppe, keine Partei darf sich vermessen, zur alleinigen Rettung unseres Vater- landes berufen zu fein. Die Frage nach dem Retter Deutschlands läßt sich nur dahin beantworten, und das soll auch Kem und Stern unseres außenpolitischen Programms sein:
„Das ganze Deutschland soll es fein!"