Anzeiger für die Stadt und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.
nr. 161.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilaaen! Illustrierte Beilage" und .BuchenblLtter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei In Fulda. Fernsprecher Nr 9.
Monatlicher BeruasNreis! l.SO Mk.
Zreitaq, 16. Juli 1926.
«n,eiaen- Breis«: »leimeile (Colonel) otal 0,1b Reichsmar auswärts 0.20 Reichsmark. Reklame,eil«: lokal n.6' Reichsmarl auswärts 0.80 Reichsmark.
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Zahrg. 53.
Danzig und Polen.
Unter Bezugnahme auf einen in der ,.Doss. Leitung" angeblich von einem „gut unterrichteten neutralen Gewährsmann" stammenden Artikel, der sich mit den Verhandlungen Paul Boncours in Danzig befaßt und in dem behauptet wird, daß Polen in Danzig alle erforderlichen Vorbereitungen getrof» fenhabe.umdem französischen Geschwader einen brauchbaren Flottenstützpunkt zu verschaffen, erklärt der Hohe Kommissar des Völkerbundes, van Hamel, auf Anfrage eines Mitgliedes der „Danziger Zeitung" wörtlich folgen- des: Was den Hohen Kommissar anlangt und soweit er es beurteilen kann, beruht alles, was über die Danziger Marinebasis gesagt wird, auf reiner Phantasie. Die Verfassung Danzigs bestimmt ausdrücklich in ihrem Artikel 5, ohne vorherige Zustimmung des Völkerbundes soll die Freie Stadt Danzig nicht als Militär -und MarinebaslS dienen. Bei dem Besuch Paul Boncours ist nicht über die erwähnten militärischen Fragen gesprochen worden. Der Hohe Kommissar wird sich stets strickt an die Danziger Verfassung halten.
Mlnisterrede in Tilsit.
Auf einem von der Stadt Tilsit gegebenen Abend äußerte sich Reichsinnenminister Dr. Külz in seiner Antwort auf die Begrüßung des auf einer Besichtigungsreise durch Ostpreußen begriffenen Reichsrats eingehend über das VerhältnisOst- preußens zum Reiche. Durch die Zerreißung der wirtschaftlichen und politischen Einheit des Ostens seien sowohl dem Deutschen Reiche in seiner Gesamtheit, als auch den einzelnen Gebietsteilen im Osten, vor allem Ostpreußen mit seiner jetzigen insularen Lage schwere Wunden geschlagen worden. Um sie zu heilen, ergeben sich für das Reich und für Preußen ganz besondere wirtschaftspolitische, bevölkerungspolitische, verkehrspolitische und kulturpolitische Aufgaben. Nichts sei verkehrter, als wenn man jenseits oder diesseits der Grenzen glauben wolle, Deutschland habe Ostpreußen „innerlich schon ab geschrieben". Im Gegenteil: das Reich und Preußen werden mit allen Mitteln dahin streben, daß wirtschaftlich, kulturell und bevölkerungsmäßig der Osten das bleibt, was er seit vielen Hunderten von Jahren ist und was er nach dem Ergebnis der Abstimmungen für alle Zeiten bleiben soft: Deutsches Land. Wenn in einer polnischen Denkschrift der Satz gewagt werden konnte, „daß Ostpreußen eine Kolonie ist, die sich in den Schoß der ihr ftemden fP 'ch-litauischen Welt hineingedrängt hat", so sei demgegenüber der Satz gestellt: Ostpreußen ist ein starker deutscher Vormachtposten im Osten, der als solcher unbedingt gehalten werden wird. Je rückhaltloser diese geschichtliche Tatsache anerkannt wird, umso befriedigender werden sich die poliftschen und wirtschaftlichen Beziehungen im Osten gestalten. Der Minister schloß: Einem innerlich geschlossenen, kulturell und wirtschaftlich leistungsstarken Deutschtum in Ostpreußen gelten unsere Wünsche und unsere Arbeit.
Der neue Gesandte in Wien.
Graf Lerchensetd
als Nachfolger Maximilian Pfeiffers.
Wie die „Politische Korrespondenz" mitteilt, hat die österreichische Bundesregierung auf Anfrage der reichsdeutschen Regierung das Agrement für die Ernennung des Grafen Hugo Lerchenfeld als deutscher GesaMer in Wien erteilt.
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Mit dieser Nachricht, die im Auswärtigen Amt bestätigt wurde, ist das Raten über den Nachfolger des verstorbenen Dr. Maximilian Pfeiffer als Ver. treter Deutschlands im österreichischen Bruderstaat zu Ende. Graf Lerchenfeld entstammt dem bayerischen Verwaltungsdienst. Im Jahre 1919 trat er m das Auswärtige Amt des Reiches über und ging 1920 als erster Reichsgesandter nach Darmstadt.
Von hier berief ihn seine Heimat Bayern im November 1921 als Nachfolger des Ministerpräsidenten v. Kahr an die Spitze seiner Regierung. Die acht Monate seiner Ministerpräsidentschaft bezeichnen die Zeit, in der ein Mann mit staatsmännischen Anlagen an die Spitze Bayerns stand. Lerchenfe'd wurde dann gestürzt, weil er die radikale Bayern- Politik nicht mitmachen wollte. Er gehörte aber immer noch ixer Bayerischen Volkspartei an. Das Zentrum schenkt ihm, da er ein treuer Katholik ift, das volle Vertrauen und niemand in unserem Lager zweifelt, daß er ein würdiger Nachfolger des leider allzu früh in die Ewigkeit gegangenen erfolgreichen Wiener Gesandten Max Pfeiffer sein wird.
Neue Offensive in Marokko.
Heftiger Widerstand.
wtb. Paris, 15. Juli. (Eig. Funkm.) Rach den in Paris aus Marokko eingegangenen Nachrichten sind die französischen Truppen bei der gestern im Frontabschnitt von Taza begonnenen Offensive an verschiedenen Stellen auf heftigen Widerstand der Rifleute gestoßen.
Aus Madrid wird gemeldet:
Nach Beendigung des spanischen Ministerrates wurde von Regierungsseite auf die Bedeutung der Unterwerfung des DissideMensührers Bakali in Marokko hingewiesen, des einzigen angesehenen Führers, der noch die Gährung unter den Dsche- bafta und Geomara schürte. Nach seiner Unter« werfuna ist die Verbindung zu Lande zwischen Melilla und Tetuan vollkommen gesichert. Der Ministerpräsident sandte den Ministern aus diesem Anlaß wärmste Glückwünsche.
wer macht die Politik?
Aus Berlin wird uns geschrieben:
Ein eigenartiges Vorkommnis, das Zustände in gewissen hohen Reichsämtern beleuchtet, muß doch mit allem Nachdruck in der Oeffentlichkeit besprochen werden, das umsomehr, als die rechtsradikale Presse diese Angelegenheit parteipolitisch auszuschlachten sucht.
Seit längerer Zeit schweben bekanntlich die Der- Handlungen der deutschen Reichsregierung und der Milktärkontrollkommission über die Stellung der Reichswehr und des Generals Seeckt. Zu einem Abschluß ist man bisher noch nicht gekommen. Nun ist am 3. Juli dem deutschen Reichskommissar für Entnaffnung, dem General Pawlsz, ein Schreiben des Generals Walch zugegangen, das neue Vorschläge macht und die Schaffung der Stellung eines Generalinspekteurs der Truppen anregt unter gleichzeitiger Ernennung eines der beiden Reichswehrgruppenkommandeure zum Generalinspekteur.
Dieses, wie bereits erwähnt, am 3. Juli in Ber. lin eingegangene Schreiben ist erst am 8. Juli dem Reichskanzler und dem Reichsaußenministerium zu- gelsitet worden. Es wird entschuldigend gesagt, daß der zuständige Referent beim Reichskommissar für Entwaffnung in Urlaub gewesen fei. Aber auch der Reichskanzler selber hat ebensowenig wie der Reichsaußenminister unter dem 8. Juli von diesen Dingen erfahren». Auch hier wirdVerhinderung wegen Urlaub des zuständigen Referenten angegeben.
Nun kommt aber das Merkwürdige: Noch ehe die höchsten Aemter und verantwortlichen Person- lichkeiten der Reichsregierung über ein solch wichtiges a m t l i ch es Schriftstück unterrichtet worden sind, sind zwei rechtsradikale Berliner Blätter, die „Deuffche Zeitung" und die „Deutsche Tageszeitung" in der Lage, den Inhalt des neuen Schrittes der Militärkontrollkommission zu veröffentlichen, und zwar geschieht das nicht nur eine direkte Meldung, sondern bei ter „Deutschen Tageszeitung" durch eine angebliche Meldung aus Brüffel, und bei der „Deutschen Zeitung" durch eine angebliche Meldung aus Paris.
Man muß sich doch fragen, wie es möglich ist, daß ein solches vertrauliches Schriftstück inhaltlich ausgerechnet diesen beiden Zeitungen am gleichen Tag eundzur gleichenStundebekannt fein konnte, und wie es kommt, daß diese beiden Zeitungen in ihnen Kommentaren ganz die gleichen Methoden der Kritik bzw. einer geflissentlichen par- teipoll tischen Hetze gegen die Reich^regierung und gegen die Regierungsparteien, die von diesen Dingen ja bis dahin noch gar keine Ahnung hatten, benutzen. Da liegt doch der Verdacht nahe, daß innerhalb des Reichswehrmini st eriums selber die Quelle dieser Indiskretion liegen muß, und daß von dieser Stelle aus auch die bestimmte Direktive bzw. der öffentlichen Behandlung dieser Dinge ergangen ist.
Damit wirft sich die Frage auf: Wer macht denn eigentlich Politik? Wir müssen auf das nachdrücklichste verlangen, daß hier die Reichsregierung, insbesondere der Reichswehrminister, nach dem Rechten sehen. Das ist ja nicht nur ein unerträglicher, sondern ein geradezu unglaublicher Zustand, der sich hier aufzeigt. Eine Nebenregierung im Reichswehrministerium kann unter keinen Umständen geduldet werden.
Beifan!
wtb. Paris, 15. Juli. (Eig. Funkm.) Wie Havas aus Berkin berichtet, hat beim gestrigen Empfang in der ftcmzösischen Botschaft anläßlich des Nationalfestes der Vorsitzende der interalliierten Kontrollkommission General Walch, darauf hinge- wiesen, daß seine Kommission in Bälde nach Frankreich zurückkehren werde.
Ministerprozetz in Norwegen.
Aus Oslo wird gemeldet: Das Odelsthing hat mit 62 gegen 50 Stimmen beschlossen, gegen den ehemaligen Ministerpräsidenten Berger beim Reichsgericht Anklage zu erheben. Der Vorschlag, auch die anderen Mitglieder des Kabinetts Berger mit Ausnahme von Sanne und Rolfsen, vor das Reichsgericht zu stellen, wurde mit 58 gegen 54 Stimmen angenommen. Der Antrag auf Annahme einer Mißbilligungserklärung gegen den Ministerpräsidenten Lükke wurde mit 65 gegen 47 Stimmen abgelehnt.
wirtschaftliche Kampfbewegungen.
— Konferenz der englischen Bergarbeiter mit den Vertretern oer Kirche. Eine Abordnung der Gesellschaft der Freunde hat dem Vollzugsausschuß der englischen Bergleute ihre guten Dienste im Kohlenstreik angeboten. Das gleiche hat sie gegenüber den Grubenbesitzern getan, aber, wie verlautet, dort keine sehr günstige Aufnahme gefunden. Am Mittwoch abend kam der Vollzugsausschuß des Bergarbeiterverbandes mit einer Anzahl von Bischöfen und anderen Vertretern sämtlicher Kirchen zu einer Konferenz zusammen, um die ganze Lage zu prüfen. Weiter wird gemeldet, daß ber Generalrat des Gewerkschaftskongresses heute beschlossen hat, den Vollzugsausschuß der Bergleute für morgen zu einer Konferenz einzuladen. Dies ist bemerkenswert, da es sich um die erste Konferenz zwischen den beiden Körperschaften seit der Aufhebung des Generalstreiks handelt.
— Zum Streik der Unfetgrunbbabnet in Jterotjorf. Die Gesellschaft für Untergrundbahnen in Newyork erhob Klage gegen ihre streikenden, gewerkschaftlich organisierten Angestellten. Sie sordert von ihnen die Zahlung von 239 000 Dollar, die sie infolge des Streiks an Einnahmen verloren hat. Die Gesellschaft hat außerdem beim Gericht eine Verfügung gegen die Fortsetzung des Streiks durch die Gewerkschaft- und gegen die Ejn- mischuyg in ihre Angelegenheiten beantragt. 62 Perso- nen, darunter der Vorsitzende der Gewerkschaft der Ausständigen, sind vor Gericht geladen.
13 Gehängte in §myrm.
Frühere Minister, Generale und hohe Offiziere am Galgen.
Das über 13 Angeklagte im türkischen Verschwö- rungsprozeß verhängte Todesurteil wurde bereits vollzogen. Der Vollzug geschah durch den Strang. Die Hinrichtung war auf nachts zwei Uhr festgesetzt und wurde öffentlich an der Stelle der Stadt vorgenommen, wo das Attentat statffmden sollte. Die Leichen der Gehängten bleiben einen halbenTag lang öffentlich am Galgen. Die anderen beiden zum Tode Verurteilten, bei denen die Vollstreckung noch nicht erfolgt ist, sind der frühere Angoraer Mali Kadir und der Abgeordnete Kara Kemal. Neben 15 Todesurteilen wurden 22 Angeklagte, darunter Hanum Nadiin, f r e i g e s p r o ch e n. Ein Angeklagter erhielt sieben Jahre Zuchthaus. Der tür. kische Finanzminister Hassan trat krankheitshalber zurück. Zu den Hingerichteten Gegnern Kemal Paschas gehören: die früheren Minister S ch ü k r i B e i und Mehmed Bei, General Ruschdi Pascha, die Obersten Arif Bei und Rafim Bei und der Abgeordnete Djumbolad.
T-er neue englische Botschafter in Konstantinopel.
wtb. Konstantinopel. 15. Juli. (Eig. Funkm.) Nach Meldungen aus Konstantinopel soll an Stelle von Ronald Lindsay, der die Vertretung Englands m einer zentral-europäischen Hauptstadt übernehmen soll, der bisherige britische Gesandte in Prag, Sir George Russell Clerk, Botschafter in Konstantinopel werden.
König Boris als Zreiersmann.
Das tschechifchslowakifche Pressebüro meldet aus Sofia: Die Auslandsreise des Königs Boris wird von der Presse lebhaft kommentiert. Die Blätter stimmen darin überein, daß die Reise mit der bevorstehenden Vermählung des Königs in Zusammenhang stehe. Die offiziellen Kreise bewahren noch Stillschweigen. In der Oeffentlichkeit wird vor allem der Name der jüngeren Tochter des italienischen Königs, Prinzessin Giovanna, genannt und behauptet, König Boris sei von dem Herzog von Aosta, dessen Gemahlin eine Schwester der verstorbenen bulgarischen Königin ist, eingelo- den worden, einige Tage auf dessen Herrschaft in Oberitalien zu verbringen. Auf eine Anfrage des Korrespondenten des tschechisch-slowakischen Pressebüros erwiderte der Ministerpräsident, daß er nichts weiter sagen könne, als daß König Boris sich i m heiratsfähigen Alter befinde und der italienische König eine heiratsfähige Tochter habe.
5err von (Vldenburg-Januschau hat auch wieder einmal geredet. Er hat dabei den Reichspräsidenten von Hindenburg in eine unange. nehme Lage gebracht. Der durch seine ostelbischm Kraftausdrücke aus der Vorkriegszeit bekannte Herr v. Oldenburg hat bei einer Denkmalseinweihung den Satz formuliert: „Ich weiß es, daß unser al. ter Generalfeldmarschall im geeigneten Augenblick die Kandare fester anziehen wird". Wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, legt Reichspräsident v. Hindenburg Wert auf die Feststellung, daß er niemals und nirgends Aeußerungen getan oder auch nur Andeutungen gemacht hat, die Herrn v. Oldenburg den geringsten Anlaß zu feiner Behauptung gegeben haben könnten. Die Aeußerung des Herr v. Oldenburg entbehrt somit jeder Grundlage.
Der französische Nationalfeiertag.
Anläßlich des Nationalfeiertages hat am 14. Juki auf dem Champs Elysces in unmittelbarer Nähe des Grabes des unbekannten Soldaten die übliche Parade vor dem Präsidenten der Republik stattgefunden. Der Havasbericht verzeichnet einige Zw i schenfäsle. Der. Beifall des Publikum soll wiederholt durch Pfeifen unterbrochen worden fein. Auch kam es zu Zusammenstößen unter der Menge, in deren Verlauf fünf Verhaftungen vorgenommen wurden. Außerdem wurden einige Ausländer verhaftet, die Flugblätter verteilt hatten. Unter den Verhafteten befindet sich auch der kommunistische Stadtrat Joli.
Der „Jntransigeant" bringt Einzelheiten Über die bereits cito ähnten Zwischenfälle. Hiernach sind etwa 100 Personen festgenom- men worden, barunter zwei kommunistische Stadt- röte, die jedoch nach Feststellung ihrer Personalien wieder freigelassen wurden. Em hier wohnender Spanier wurde verhaftet, weil er Flugblätter verbreitete, deren Inhalt Beleidigungen gegenüber Primo de Rivera enthielten. Außerdem wurde eine Reihe von Verhaftungen wegen aufreizender Rufe und Verbreitung von Flugblättern vorgenommen. Unter den Verhafteten befindet sich ein 18 jähriger junger Mann, der Schmähungen gegen den Präsidenten ausgesprochen hatte. Nach t)em gleichen Blatt waren zwei Drittel der festgenommenen Manifestanten Ausländer.
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Finanzminister Caillaur hat einen Teil seiner politischen Reden unter den Titel: „Ma Doc- trine" herausgegeben. Das Buch ist jetzt er- schienen. _
* Reue Zusammenstöße zwischen Hindus und Mohammedanern. Im nördlichen Stadtviertel von Kalkutta kam es zu neuen Zusammenstößen zwischen Hindus und Mohammedanern. Als die Hindus mit dem Bilde einer Göttin in Prozession durch die Straßen zogen, wurden sie von den Mohammedanern mit Steinen beworfen. Die Polizei mußte eingreisen und von der Schußwaffe Gebrauch machen. Eine Person wurde getötet, 40 wurden schwer verwund-t
Getreidepreise und Srotpreir.
Man schreibt uns zu obiger Frage, die im Hinblick auf die Brotpreiserhöhung in Fulda besonderes Interesse beanspruchen darf, folgendes:
Die Preisentwicklung der letzten Wochen auf dem Getreidemarkt hat bei einem Teil der Oeffentlichkeit zu falschen Schlußfolgemngen geführt, die nur dazu geeignet sind, Beunruhigungen in das Publikum hineinzufragen. Die Preissteigerungen an der Getreidebörse kurz vor der Ernte sind an und für sich eine natürliche Erscheinung, die letzten Endes auf die Verknappung von Material zurückzuführen ist. Von einer künstlichen Zurückhaltung vorhandener Getreidebestände seitens der Landwirtschaft kann im Augenblick keine Rede mehr sein, denn die Landwirffchaft sah sich infolge der drückenden Schuldenverpflichtungen gezwungen, den größten Teil ihrer Bestände bereits unmittelbar nach der letzten Ernte, größtenteils zu Schleuderpreisen an den Markt zu bringen. Soweit das Getreide von der Landwirtschaft nicht für die Vieh fütterung benötigt wurde, ist es daher mit geringen Ausnahmen schon seit Monaten in die Hand des Handels übergeganaen. Die Ver- kaufsbedingunaen auf der Börse lassen im allgemeinen darauf schließen, daß die innerdeutschen Vorräte so gut wie vollständig geräumt sind.
Daß die Berichte von der Hochwasserkata- st r o p h e in verschiedenen Landesteilen einen gewissen Einfluß auf die Entwicklung der Getreidepreise ausgeübt haben, ist nicht abzuleugnen, aber man darf diesen Einfluß keineswegs überschätzen. Die gesamte mit Getreide bebaute Fläche in Deutschland beläuft sich auf etwa 44 Millionen Morgen. Wenn man nun bedenkt, daß bis jetzt von den Hochwasserschäden mehrere hunderttausend Morgen Land überschwemmt wurden — genaue Feststellungen liegen noch nicht vor — wovon der größte Teil wohl Wiesenlcmd und nur ein kleinerer Teil Getreideland ift, so dürften die Einwirkungen der Hochwasserschäden auf die gesamte Getreideernte in Deutschland nicht allzu hoch anzu- schlagen sein. Die Saatenstandsberichte melden überdies, daß die naßkalte Juniwitterung den meisten Feldfrüchten sehr günstig gewesen ist. Sämtliche Eetreidearten werden mit 2,5 bis 2,9, also besser als mittel bewertet. Man wird den Verhältnissen entsprechend m Deutschland zwar mit einer etwas verspäteten, aber keineswegs mit einer schlechten Ernte rechnen müssen.
Im übrigen fft bemerkenswert, daß die Aufwärtsbewegung auf dem Getreidemarkt nicht von Deutschland auSgegangen ist und sich so ziemlich über alle Weltmärkte erstreckt. Schon diese Taffache allein widerlegt die Behauptung, daß die erwähnten Preissteigerungen etwa auf die Neuregelung der Getreidebörse in Deutschland zurückzuführen seien. Im übrigen haben die Erfahrungen des letzten Jahres gezeigt, daß die Ge- trekdepreise trotz der Zölle teilweise erheblich» unter die Vorkriegspreise gesunken sind. Da die gewaltige Verschuldung unserer Landwirffchaft in fast unvermindertem Umfange fortdauert, und die finanziellen Verpflichtungen der Landwirtschaft hauptsächlich auf die Zeit nach der Ernte konzentriert sind, muß man auch in diesem Jahre damit rechnen, daß trotz der vorgesehenen Erntefinanzierungskredite das gewaltige Angebot hauptsächlich an Getreide in den kommenden Monaten einen vielleicht nicht unerheblichen Preisdruck herbeiführen wird. Im übrigen sei noch darauf hingewiesen, daß der Handel bei seiner augenblicklichen Verdienstspanne keinen Grund hat, bei einer mäßigen Erhöhung der Erzeugerpreise auch die Kleinhandelspreise zu erhöhen.
Um das Keichsehrenmal.
Die Kreiskriegerverbände von St. Goar und den Nachbarkreisen haben folgende Entschließung gefaßt: Als die Frontkämpferverbände dem Herrn Reickspräsidenten Mitteldeutschland als Stätte für das Reichsehrenmal unserer Gefallenen vorschlugen, hat man Rheinlands Frontkämpfer vorher nicht befragen können, die unter dem Zwang der Verhältnisse sich nicht organisieren können, wie im unbesetzten Deutschland. Wie der Württembergische Frontkämpferbund und die Sächsische Feldkameraden« Vereinigung wünscht die in Niederheinbach versammelte Kriegervereinigung von St. Goar und den benachbarten Kreisverbänden, daß das Reichsehrenmal an den Rhein kommt, an Deutschlands Schicksalstrom der Arbeit und unerschütterlichen Treue zum Reich. Wir wissen, daß alle rheinischen Frontkämpfer von demselben Gedanken getragen werden, daß das Reichsehrenmal an den Rhein gehört, für den unsere Gefallenen starben, daß die schönste Stätte eine Insel im heiligen Strom ist und daß der Entwurf des Professors Wach für die Lorcher Inseln unübertrefflich ergreifend ist, als Denkmal für unsere Helden.
* Amerikanische Zerstörer in Kiel. Die beiden modernen amerikanischen Zerstörer „Sarbner" und „Sharkeh" sind durch den Nordostseekanal kommend zu einem mehrtägigen Besuch im Kieler Hafen eingetroffen. Zn Ehren der amerikanischen Besatzungen sind verschiedene festliche Veranstaltungen geplant.
* Putsch-Unkosten. Am 8. November 1923 war das Gebäude der sozialdemokratischen .Münchener Posft von einem Hitler-Stoßtrupp gestürmt und die Inneneinrichtung zerschlagen worden. Wie die /Münchener Post" meldet, ift nunmehr in der Zivilklage der Firma Birk u. Co. gegen die als Täter ermittelten Nationalsozialisten ein Urteil des Land- Gerichts München I ergangen, durch das von den 33 Angeklagten 29 gesamtverbindlich zum Ersatz des vom Gericht sestgestellten Schadens verurteilt wurden, während aeaen vier Angeklagte die Klage ab« gewiesen toit>