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Anzeiger für die Sfahf und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.

nr. 160.

Donnerstag, 15. 3uli 1926

Zahrg. 53.

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FuldaerZettun

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Jer Reichskanzler in kn befreiten Gebieten.

Die Vereinigung -er europäischen Beziehungen.

Nach dem Abschluß des englisch - französischen Lchuldenabkommens. — Der Briefwechsel über die deutsche Reichswehr. — Die Notmaßnahmen in Belgien. — Frankreichs Verpflichtungen gegen Amerika.

Der Reichskanzler weilte am Dienstag in M ö r s. Sei dem Empfang im Kreisständehaus brachten dle Vertreter der Berufsstände des Kreises Mörs dem Reichskanzler ihre Wünsche vor, auf die der Reichs­kanzler mit kurzen Worten erwiderte.

In -lauten traf der Reichskanzler im Auto in Begleitung des Oberpräsidenten der Rheinpro- vinz Dr. Fuchs des Regierungspräsidenten Berg­mann aus Düsseldorf, des Landrates des Kreises Mörs und anderer Herren von Rheinberg kommend ein. Dis Stadt hatte sich festlich geschmückt. Bür­germeister Wegener hieß den Reichskanzler herzlich willkommen und begrüßte ihn als Befreier der ersten Zone. Der Reichskanzler dankte für den herzlichen Empfang und überbrachte Glückwünsche des Reichspräsidenten zur Befreiung von der frem­den Besatzung. Er dankte der Bürgerschaft für ihr treues Aushalten. Sie fei Sieger geblieben In treuem Aushalten und Ertragen. Seine Rede klang aus in einem Hoch auf das deutsche Vaterland. Dar­auf brachte Landrat van Endert ein Hoch auf den Reichskanzler aus. Sodann besichtigte man den wundervollen St. Victo-Dom unter Führung des Direktors Kreuz-Krefeld, nachdem Dompfarrer Au-

Bcvollmächtigie des Reichsrates statten zurzeit ven Ostprovmzsn einen Besuch ab. Sie weilten zu­nächst in Marienburg und trafen dann in E l b i n g ein. Nachdem die Herren des Reichsrats die neuen Elbinger Hafenanlagen sowie die Stätten der ein­heimischen Großindustrie in Augenschein genommen und die Wünsche der Leiter dieser Unternehmungen anghört hatten, vereinigte ein Frühstück die Gäste und Vertreter der Stadt und Kommunalbehörden sowie der Industrie in einem Saale der „Resouree tzumanitas". Bei dieser Gelegenhest begrüßte Ober, bürgermeister Dr. Merten namens der Stadtver­waltung die Versammelten mit herzlichen Worten. Er wies darauf hin, daß viele Ostpreußen den Weg ins Reich, aber wenige Reichsdeutsche den Weg nach Ostpreußen finden. Deshalb gereiche es Ost­preußen zur Ehre und Freude, den Gegenbesuch der Herren zu empfangen. Der Redner ging dann auf die Wünsche Elbings ein, die eine Vertiefung des Elbinger Fahrwassers bis zum Pil- lauer Tief betrafen und wies schließlich auf die Bedeutung des Elbinger Hafens hin.

Als Vertreter des Reichsrats sprach der würt- tembergische Gesandte Staatsrat Dr. B o s l e r. Er dankte dafür, daß den Herren endlich Gelegenheit gegeben worden fei, Ostpreußen kennenzulernen. Der Reichsrat werde die Wünsche Ost- und West Preu­ßens weitergeben nud für deren Förderung Sorge

Da; Rifabkommen.

In Paris ist von Ministerpräsident Briand für Frankreich und Ministerpräsident General Primo de Rivera für Spanien das Rifabkommen unterzeichnet worden, worin wichtige Vereinbarun- gen über die politischen Verhältnisse in Nordafrika getroffen worden sind. Wie Havas mitteilt, äußerte Briand vor Unterzeichnung des französischen Rif­abkommens in einem Gespräch mit General Primo de Rivera: Das Abkommen, das wir heute unter­zeichnen werden, wird der Keim zu andern Abkom­men sein, die die Bande zwischen den beiden Län­dern noch fester knüpfen und es ihrer tätigen Freundschaft ermöglichen wird, zur Festigung des europäischen Friedens beizutragen. General Primo de Rivera drückte seine Genugtuung darüber aus, daß er an dem Werke der französisch-spanischen Freundschaft und des Friedens Mitarbeiten könne.

Zwischenfall beim Lultan-Cmpfang.

Der Sultan von Marokko ist im Pariser Stadt­haus offiziell empfangen worden . Wie die Havas- agentur berichtet, haben sich einige Zwischenfälle ereignet. Als der Sultan in den großen Saal eintrat, ertönten von verschiedenen im Saal zer­streuten Gruppen Pfiffe und Rufe. Man er­kannte innerhalb dieser Gruppen mehrere der kom­mun i st i s ch e n Partei angehörende Abgeordnete, Munizipalräte von Paris und Generalräte des Seinedepartements. Als sich der Sultan in den Salon begab, in der der Tee eingenommen werden sollte, begann eine Gruppe die Internatio­nale anzustimmen. Der Gesang wurde aber von der Militärmusik und dem daraufhin einsetzenden Beifall der Mehrzahl des Publikums übertönt. Die Ruhestörer wurden dann aus dem Saale entfernt.

* Panzerkreuzer Potemkin. Die Filmgesellschaft, Sie den Panzerkreuzer-Potemkm-Film in Deutsch­land vertreibt, will es bei dem erfolgten Auffüh­rungsverbot der Filmoberprüfungsstelle Berlin nicht bewenden lassen. Die Gesellschaft beabsichtigt, sich mit einem genauen Kenner der Materie ins Ein­vernehmen zu setzen und sich beraten zu lassen, welche Stellen und Szenen des Films geändert werden müssen, nm den Film zur Aufführung frei zu bekommen. Nach erfolgter Umarbeitung, die man noch in dieser Woche durchzuführen hofft,, soll der Film neuerdings der Filmoberprüfungsstelle vorge­führt werden, um eine Aufhebung des Zensur- Verbots herbeizuführen.

* 13 Todesurteile in Smyrna. Im Attentats- Prozeß in Smyrna wurden 13 Angeklagte zum 2obe verurteilt. Zwei abwesende Angeklagte wurden ebenfalls zum Tode verurteilt.

mers den Kanzler herzlich willkommen geheißen hatte. Vom Markt aus fuhr der Kanzler unter leb­haften Zurufen der Menge in Richtung Ealcar wei- ter.

Gegen 6 Uhr abends traf der Reichskanzler auf dem Marktplatz der alten Stadt Ealcar ein. Er wurde durch Bürgermeister Wucherpfeimig begrüßt. Der Redner sprach dem Reichskanzler den Dank der Stadt für die Befreiung von fremden Joche aus. Der Reichskanzler dankte in einer markigen An­sprache für den überaus herzlichen Empfang. Es folgte alsdann eine Besichtigung der St. Nicolai- Kirche mit ihren wundervollen Kunstschätzen. Dar­auf erfolgte die Weiterfahrt nach Cleve.

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Wie aus Meldungen über die Deutschen Kampf­spiele in Köln bekannt sein dürste, ist die Polizei aus allen Wettbewerben, an denen sie beteiligt war, als Sieger hervorgegangen. Der Reichskanzler hat aus diesem Anlasse ein Schreiben an das Kommando der Berliner Schutzpolizei gerichtet, in dem er zu diesen Erfolgen der Schutzpolizei seine herzlichsten Glückwünsche ausspricht.

tragen. Der Redner schloß: Unserem schönen Ost­preußen ist mit Worten allein nicht geholfen. Wir wollen und müssen Taten sehen. Wir müssen Ost­preußens Sorge und Wünsche im Herzen tragen und der Provinz zum baldigen Wiederaufstieg ver­helfen. Im Reichsrat soll alles geschehen, was ge­schehen kann, um Ostpreußen auszuhelfen.

Nach zweistündigem Aufenthalt verließen die Gäste Elbing, um die Weiterfahrt nach Königs­berg anzutreten. Dort wurden sie durch Bürger- merfter Dr. Gördeler, die Spitzen 6er Behörden »= wie Vertreter der Wirtschaft und der Presse emp­fangen. Bürgermeister Gördeler sprach seinen Dank aus für das Interesse, das die Herren mit ihrem Besuch für die abgeschnittene Provinz Ostpreußen und ihre Hauptstadt Königsberg bekundeten. Dann gab er einen Ueberblick über die Entstehung, Ent­wicklung, rr^rtschaftlichen und sozialen und kulturel­len Verhältnisse der Stadt und Provinz. Bei ihren großen, noch zu lösenden Aufgaben sei die Stadt infolge der D e r a r m u n g auf dle H i l f e des Reiches angewiesen. Sie bedürfe einer ent­gegenkommenden Behandlung hinsichtlich der Eisen­bahntarife und auf finanzpolitischem Gebiete. Im Anschluß an diesen Empfang unternahmen die Mit­glieder des Reichsrats eine Besichtigung der Hafen, anlagen und waren dann Gäste der Provinzialver­waltung im Landeshause.

Unruhen in Persien.

wtb. Poris. 14. Juli. (Eigene Funkmldg.) Nach der „Chicago-Tribüne" soll an der Spitze der Aus­ständigen in Cborassan ein Vetter des Schahs stehen, der sich dafür rächen wolle, daß ein von ihm geforderter hoher Posten in der Armee ihm versagt worden sei.

Blutiger Bürgerkrieg in China.

Die Kämpfe, die in der Nachbarschaft des Nan- kaupasses und in Nordschanski zwischen den alliierten Streitkräften der Kuomintschuntruppen ftattfinben, werden fortgesetzt, ohne daß bisher eine Entscheidung herbeigeführt werden konnte. In Schanghei verspätet tingetroffene Berichte besagen weiter, daß im Westen der Provinz Schensie und Wupeifu die Kuomint­schuntruppen um den Besitz der bisher von den Kuomintschutruppen erfolgreich verteidigten Haupt­stadt Hsianfu kämpfen. Der Bürgerkrieg wütet weiter. Weitere Kämpfe werden aus Hunan ge­meldet, wo gut ausgerüstete rote Truppen aus Kanton mit russischen Ratgebern dem General Tangsengtschi starke Hilfe geleistet haben. Dieser hat den Armeeführer WupeifuS, General Vehkaischin, auS der Provinzhauptstadt Tschangscha vertrieben. Es werden Maßnahmen getroffen, um das Vor­rücken der roten Truppen nach Hankau zu verhin- dern. ___________

Der kranke Severing.

Ein tatkräftiges Mitglied der preußischen Regierung, der Innenminister Severing, ist durch Ueber- arbeitung so krank geworden, das mit seinem Rück­tritt gerechnet werden muß. Severing, der zu den Sozialdemokraten zählt, die wie Loebe, Noske, David und einige andere, unbekümmert um die Angriffe der radikal gesinnten Parteigenossen, staats­politische Arbeit im neuen Staate geleistet haben, ist schon seit Wochen auf Krankheitsurlaub. Er hat einen Nervenzusammenbruch erlitten, verständlich, wenn man die schweren Kämpfe in Erwägung zieht, die Severing sowohl mit der Rechten als auch mit den Kommunisten ausgefochten hat. Der Zustand Severings ist so ernst, daß die sozialdemokratijche Landtagsfraklion sich inoffiziell mit der Frage des Nachfolgers befaßt hat. Es heißt, daß für die Nach­folge drei Namen genannt werden: der Berliner Polizeipräsident Grzesinski, der frühere Ober­bürgermeister von Hannover und Landtagsabgeordnete Lein ert und der sozialdemokratische Reichstags­abgeordnete Dr.Otto Landsberg.

— Zur Milderung der Arbeitslosigkeit. Die Landes­bank in Münster i. W. hat aus eigenen Mitteln zur Milderung der Arbeitslosigkeit sechs Millionen Mark zur Verfügung gestellt. Dieser Betrag soll unter Mitwirkung der Regierung für Notstandsarbeiten der westfälischen Kommunen verwendet werden, wobei solche Fälle bevorzugt werden sollen, bei denen Die Regierung «verstärkte Förderung" anerkannt -al. >

Der Prozeß, der Europa und die Kulturwelt überhaupt aus dem Chaos herausführen soll, in die ein verderblicher Krieg sie gestürzt hat, schreitet langsam fort. An Rückschlägen fehlt es nicht. Nur zuweilen gibt es Fortschritte. Die Verständigung zwischen Frankreich und England über die Schulden scheint ein Fortschritt zu sein. Dem zwischen Fi­nanzminister Caillaux unsi'Winston Churchill ab­geschlossenen Schuldenregelungabkommen, dessen Text veröffentlicht wurde, ist folgendes zu entneh­men: Frankreich verpflichtet sich zu 62 Jahreszah­lungen in Höhe von grundsätzlich 12-/- Millionen Pfund Sterling, was einer Gesamtschuldsumme von 222 Millionen Pfund Sterling gleichkommt. Dies bedeutet eine Herabsetzung der eigent­lichen Schuld Frankreichs um mehr als 62 Proz. Frankreich hat zu zahlen 1926-27 4 Millionen, 1927- 28 6 Millionen, 1928-29 8 Millionen, 1929-30 10 Millionen Pfund Sterling. In den letzten 31 Jahren, also von 1957=1988, ist jährlich ein Zu­schlag von VA Millionen zu bezahlen, um die Er­mäßigung der ersten Jahreszahlungen auszuglei­chen. In dem Abkommen sind Bestimmungen über eine Stundung von Zahlungen unter ge­wissen Voraussetzungen vorgesehen.

Das Abkommen enthält keine Angaben über eine Transferklausel, besagt jedoch, daß, falls England von Deutschland und von seinen Kriegsschuldnern mehr Zahlungen erhält, als diese an die Vereinigten Staaten entrichtet haben, es den Mehrbetrag seinen ehemaligen Verbündeten im Verhältnis ihrer Anteile auf die künftig fällig werdenden Zahlungen gutschreiben wird. ‘

Finanzminister Caillaux hat mit dem Gouver­neur der Bank von Frankreich und den Leitern der bedeutendsten Kreditanstalten eine Besprechung ge­habt, in der die Finanzlage geprüft wurde.

Frankreichs Schuld an Amerika.

Ein Vorstoß gegen das Verenger-Abkomme«.

wtb Paris, 14. Juli. ((Fig. Frmkm.f Abg. Ouriol hat im Namen der sozialistischen Kammer- Fraktion eine Resolution eingebracht, in der die Regierung aufaefordert wird, Verhandlun­gen mit der Washingtoner Regierung ein­zuleiten, um eine Abänderung des Washing­toner Schulden-Regelungs-Abkornrnens zu erzielen. „Journal" glaubt mitteilen zu können, daß diese Verhandlungen gut voranschreiten und daß das Washingtoner Abkommen in der Form eines Schriftwechsels und eines Anhanges vervollständigt werden wird.

Die Bemühungen in Belgien.

Dos belgische Ermächtigungsgesetz.

Der zur Wiederaufrichtung der finanziellen Lage Belgiens und zur Vorbereitung der Stabilisi- rung feiner Währung von der Regierung in der Kammer eingebrachte Entwurf eines Gesetzes be­stimmt, daß der König während der nächsten sechs Monate alle in Kraft befindlichen Bestimmun­gen über den Banknotenumlauf ändern oder ergän­zen kann, daß er ferner alle Maßnahmen zur Still­legung oder Einschränkung der Inflation, zur Zu­rückschaffung der im Ausland befindlichen Kapita­lien und zur Liquidierung bezw. zum Verkauf der unter Sequester stehenden Güter Angehöriger ehe­mals feindlicher Staaten treffen und alle Maßnah­men ergreifen kann, die geeignet sind, solche An­zeigen ober Nachrichten zu unterdrücken, die den Staatskredit erschüttern können. Schließlich soll der König alle Anordnungen treffen können, durch die die Versorgung der Bevöl­kerung mit Nahrungsmitteln sichergestellt wird.

Deutsche Beihilfe?

Don einem unserer wirtschaftspolitischen Mitar­beiter wird uns geschrieben:

Hinter den Kulissen der Börse wird augenblick­lich sehr eifrig darüber debattiert, was an den In der Presse bereits durchgesickerten Gesprächen rich­tig ist, wonach Deutschland für die Stabilisierung des französischen Franken eine gewisse Bei­hilfe leistet. Es ist bereits bekannt geworden, daß derartige Bewegungen im Gange sind und zwar gegen Zugeständnisse der französischen Regie­rung bezüglich einer früheren Räumung der noch besetzt gehaltenen Gebiete.

Von authentischer Seite hören wir folgendes: Richtig ist, daß an den internationalen Be­mühungen zur Sanierung der Frankenwährung auch Deutschland in einer bestimmten Form sich be­teiligt. Die Reichsbank, wie auch die gesamte In­dustrie hat das größte Interesse daran, daß die Frankenstabilisierung möglichst bald erfolgt, weil gegenüber der wachsenden Konkurrenz infolge der unterbotenen Währung auch steigend sich Schwierig­keiten für die deutsche Industrie und den deutschen Export ergeben. Die Situation, welche für die deutsche Industrie bei dem Anhalten dieser Wäh- rungskrisis in den Ländern um Deutschland herum, also vor allem in Italien, Belgien und Frankreich, entstehen könnte, ist außerordentlich schwierig, zumal wenn man bedenkt, daß für eine wesentliche Herabminderung der Arbeitslosenziffer jetzt kaum mehr Aussichten bestehen. Auch das von der Reichs- regierung ausgearbeitete planmäßige Arbeitsbe­schaffungsprogramm würde im Höchstfälle 4 bl«

500 000 Arbeitslose beschäftigen können und es blei­ben dann immer noch VA Millionen Arbeitslose üb­rig. Diese aber durchzuhalten bei einer fortgesetzten Verringerung der deutschen Produktion und Er­schwerung der deutschen Ausfuhr ist kaum denkbar. Aus diesen Erwägungen heraus ist allerdings eine gewisse Fühlungnahme ergangen, die in ihrem End­ergebnis tatsächlich auch auf eine Beihilfe der Stabi­lisierung der Frankenwährung hmauslief. Daß da­für Zugeständnisse von der Gegenseite erwartet wer­den müssen, ist ja ganz selbstverständlich. Sie be­wegen sich aber nicht mehr auf politischetn Gebiet, also hinsichtlich weiterer Erleichterungen im besetz­ten Gebiet, die ja ohnehin in Auswirkung von Lo­carno und des bevorstehenden Eintritts Deutschlands in den Völkerbund sich ergeben müssen, sondern sie liegen auch auf wirtschaftlichem Gebiet, und zwar im Hinblick auf die noch unvollendeten deutsch-französischen Wirtschaftsver- h a n b t u n g en. Die Gestaltung dieser Verhand­lungen wird auch wesentlich von der endgültigen Gestaltung der Stabilisierung der französischen Währung abhängen. Ehe nicht ein solcher deutscy- französischer Handelsvertrag zustandegekomrnen ist, wird auch kaum größere Aussicht auf eine Beruhi­gung der gesamten Verhältnisse sich ergeben.

In diesem Zusammenhang sei übrigens dos De- streben internationaler Finanzkreise erwähnt dahin­gehend, gleich dem Locarno der Politik, demnächst auch ein Locarno der Wirtschaft zu schaf­fen. Diese Bemühungen sind zwar nicht gerade neueren Datums, aber die finanzielle Situation ge­rade in den sog. „Sieger"-Staaten nötigt dazu, auch auf wirtschaftlichem und finanziellem Gebiet zu in­ternationalen Abmachungen zu kommen, die ein er- sprießliches Zusammenarbeiten der Völker ermög­lichen.

Um General v. Seeckt.

Die Note der Botschafterkonferenz, welche die Befugnisse des Chefs der Heeresleitung weiter begrenzen soll, besagt, daß zwar formell Seeckt nicht mehr Oberbefehlshaber fei, daß er aber tat­sächlich den Oberbefehl führe. Wie der Presse hier­zu mitgeteilt wird, führt tatsächlich der Reichs­präsident den Oberbefehl. Ihm unterstellt >st der Reichswehrmini st er. Seeckt ist seines Amtes als Chef der Heeresleitung entkleidet, wie bereits in dem früheren Notenwechsel zum Ausdruck gebracht worden ist. Die Interalliierte Kontroll­kommission hat jetzt gefordert, den Posten eines deutschen Generalissimus zu schaffen und diesen einem der beiden Truppenbefehlshaber zu über­tragen. 1

Der deutsche Botschafter in Paris v. H o e s ch hat eine Unterredung mit Ministerpräsident Briand gehabt. Die Unterredung knüpfte an die letzten Unterhaltungen an, die der Botschafter mit Briand und dem Generalsekretär im Außenministerium Philipp Berthelot über die Frage des besetzten Gebiets geführt hatte.

Eine englische Stimme.

wtb London, 14. Juli. (Eig. Funkm.) Der Ber- finer Korrespondent des „Daily Chronicle" schreibt zu der von der „überflüssigen alliierten Kontroll­kommission" dem Reichskommissar zur Entwaff­nungsfrage überbrachte Note betr. drei Punkte: militärische Ausbildung, Benutzung von Panzer­wagen und die Stellung des Generals von Seeckt. Die zwei ersten Punkte sind ganz unwichtig und der dritte sei wahrhaft lächerlich. Die Alliierten haben stets darauf bestanden, daß die deutsche Armee keinen w'..klichen Oberbefehlshaber besitze-» dürfe. Daraufhin ist von Seeckts Stellung abge­ändert worden. Jetzt wird verlangt, daß das deutsche Heer doch einen wirklichen Oberbefehls­haber besitzen müffe, daß dieser aber nicht der Ge­neral von Seeckt fein dürfe. Der Korrespondent sagt, dieser Unsinn stärke lediglich die Reaktionäre und Monarchisten in Deutschland und man brauche sich nicht darüber zu wundern, daß die ganze deutsche Presse dieses Vorgehen der Kommission als ungeheuerlich betrachte.

Europäische Verständigung.

In Verfolgung von Besprechungen, die gemein­sam in Paris, Berlin und London geführt wurden, hat eine Anzahl von Politikern, die den verschiedensten Parteien und Parlamenten angehören, sich in Ge­bäude der Carnegie-Stiftung zusainmengefundeu, um darüber zu beraten, ob es möglich sei, im Rahmen deS Völkerbundes eine Vereinigung für die europäische Verständigung zu schaffen. Deutscher­seits wohnten dieser Beratung Reichstagsabge­ordneter Wissel und der ehemalige demokratische Reichstagsabgeordnete Heile, französischerseits die Abgeordneten Painlevö, Morrel, Berthelemy und Senator Honnorat, sowie Professor Henry Lichten­berger bei. Außerdem waren Delegierte der eng­lischen Ligue of Nation Union erschienen. Die Ver­einigung soll zum wesentlichen Ziel haben, das Werk der Verständigung der Negierung zu vervollkommen und ihre künftigen Verhandlungen vorzubereiten dadurch, daß sie auf die Völker selbst etnwirkt unk sich bemüht, bei ihnen den Solidaritätsgedanken zr wecken. Zum Sekretär des Vorbereitenden Aus­schusses ist Dr. Alfred Nossig ernannt worden.

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