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Anzeiger für die Sfabf und den kreis Fulda. Amlliches Kreisblatt.

nr. 153.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilaaen- Illustrierte Bei­lage" und .Buchenblitter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendrnckerei in fiulba. glernlvrerber Rr 9.

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Mittwoch, 7. Juli 1926.

>ln»°taen- Drei!«! Kleimeile lEoloneN 'okal V.lb ReichSmar auSwLrt» 0.20 Reichsmark. Reklame,eil«: lokal 0.6" ReichSmarl auswärts 0.80 Reichsmark.

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Zahrg. 53.

Das einige Zentrum.

Don einem Teilnehmer auf der Tagung des Reichsparteiausschuises wird uns geschrieben:

Die Tagung des Reichsparteiausschusses bedeu­tet für jeden, der ihr anwohnen «durfte, ein Erleb- n i s. Nach langen, schweren und oft genug auch gefahrdrohenden inneren Konflikten und Kämpfen steht die Partei jetzt wieder einig und ge- schlossen 6-a, und das in einem Augenblick, In welchem sich schon die Gegner voreiliger Schaden­freude über die angebliche Zerrüttung der Parte» hingeben zu können glaubten.

Zwei bedeutsame Momente sind es, welche die jetzige Tagung und ihr Ergebnis auszeichnen:

Einmal die einmütige Feststellung, daß Fraktion und Partei bei der jüngsten politischen Entwicklung durchaus richtig gehandelt haben und damit die einmütige Zustimmung zu der Politik der Partei in der am meisten umstrittenen,, in der Für- stenabfindungsfrage.

Und zum zweiten bestand das große Ergebnis dieser Tagung in der Bereinigung aller persönlichen und sachlichen Schwierigkeiten, die sich mit dem so- genannten Fall Wirth im letzten Jahr aufge­worfen hatten.

So merkwürdig es klingen mag, so richtig ist es dennoch: diese beiden Dinge, die Fürstenabfin- dungsfrage und der Fall Wirth und ihre beiderseitige einhellige Erledigung stehen miteinander tm eng­ste nZusammenhang. Es muß doch für un- sere gesamte Wählerschaft und nicht zuletzt für die- jengien in unseren Reihen, die, entgegen der ofst- ziellen Parteiparole beim Volksentscheid sich anders einstellen zu müssen glaubten, von ganz besonderer Wirkung sein, wenn sie jetzt sehen, daß just nach Ab- schluß dieser Angelegenheit auch der Fall Wirth aus. geräumt wurde und Wirth selbst nicht »tur die Rück­kehr zur Fraktion vollzieht, sondern vor dem Par- teiausschuß das Gelöbnis zu treuer und enger Mitarbeit mit dem alten Zen» trum ablegte.

Man wird es wohl begreifen, wenn wir ausspre­chen, daß dieser Augenblick bei der letzten Par­teitagung den tiefsten Eindruck gemacht hat und allen Teilnehmern unvergeßlich sein wird. Reichs­kanzler Marx hatte mit seinen wannen Worten, welche die geradezu geschichtliche Bedeutung dieses Vorgangs erheben, den richtigen Ton getroffen, und den Gefühlen, welche alle Teilnehmer beherrschtem Ausdruck gegeben.

Das Zentrum ist einig und geschlossen! Und wer hat es dahin gebracht? Niemand anders als unsere Gegner von rechts und links. Nachden, sie in einer so politisch verständnislosen, ja geradezu leichtfertigen WeÄse ihre eigenen Parteiinteressen über dieVolksinteressen geteilt hatten, mußte dasZen. trum sich innerlich zusamenraffen, um in geschlos- sener Kampffront den kommenden Aufgaben gegen- überzustehen und dadurch zu verhüten, daß durch politischen Unverstand das Staatswohl in Gefahr gebracht wird.

Reichskabinett und Reichsbahn.

Wie von zuständiger Seite verlautet, empfing der Reichskanzler Montag vormittag den Vorsitzen, den des Verwaltungsrats der Deutschen Reichsbahn, gefellschaft Herrn v. Siemens. Den Blättern zufolge handelt es sich bei der Unterredung des Reichskanzlers mit v. Siemens um die Frage der Bestätigung des Generaldirektors Dorpmüller. Wie das „B. T." berichtet, bemüht sich der Reichs­kanzler um die Klärung ber Frage, wie in Zukunft die Mitwirkung des Reichspräfildenten und der Rcichsregierung bei der Entscheidung wichtiger.Fra» gen der deutschen Reichsbahn gesichert werden könne. Die „Vossische Zeitung" hüll es für wahr­scheinlich, daß Dorpmüller vom Kabinett bzw. vom Reichspräsidenten bestätigt wird. Das Reichs- kabinett wird sich nachmittags mit der Angelegenheit beschäftigen. Dienstag vormittag wird der Verwal- tungsapparat der Reichsbahngesellschast dazu Etel- lung nehmen. Nach der „Dossischen Zeitung" wird sich der Verwaltungsrat der Reichsbahn auch mit dem Problem der Elektrisizierung der Berliner Stadtrmgbahn befassen.

3um Tode vr. wiedfeldts.

Der in E s s en im 55. Lebensjahr verstorbene frühere deutsche Botschafter in Washing­ton, Dr. Otto Wiedfeldt, gehörte dem aus­wärtigen Dienst nur wenige Jahre an. Als es galt, in schwerer Zeit im Frühjahr 1922 die Beziehungen SU den Vereinigten Staaten wieder anzu- knüpfen, stellte er seine umfassende wirtschaftliche Erfahrung seinem Vaterland in uneigennütziger Aeise zur Verfügung und leistete ihm auf seinem wichtigsten Außenposten wertvolle Dienste. Dr. Wiedfeldt hatte sich nach Absolvierung seiner Stu- dien wirtschaftspolitischer Tätigkeit zuerst in städti­schen Diensten und später im Reichsamt des Innern gewidmet, von wo er mehrere Jahre nach Japan beurlaubt wurde. Während des Krieges wurde er Mitbegründer und Leiter der Reichsgetreidestelle, später Leiter der deutschen Wirtschaftsdelegation!n Kiew und trat Ende 1918 und nach seiner Rückkehr aus Washington wiederum Anfang 1925 in die 2>t» Aktion der Friedrich Krupp A.-G. ein.

Der Reichspräsident hat in einem Tele­gramm an die Gemahlin des verstorbenen Botschaf- ters Wiedfeldt seine innige Teilnahme zum Aus- bruck gebracht. Die Beisetzung Geheimrat Wied- seldts erfolgt Donnerstag nachmittag 4 Uhr °us dem Bredeneyer Friedhof jn Essen.

Tagung des Reichsstädtebundes.

Der Reichsstädtebund ist zu einer 16. Mitglieder­versammlung am Montag vormittag in Königs­berg zusammengetreten. Zur Tagung waren rund 900 Mitglieder erschienen. Der Vorsitzende, Ober­bürgermeister B e l i a n»Eilenburg, eröffnete die Tagimg mit einer Ansprache, in der er die Erschie- neuen auf dem historischen Boden der Ostmark herz­lich willkommen hieß. Er erinnerte daran, daß in Königsberg die Vorarbeiten zur Steinschen Städte, ortmung getroffen wurden und hier die neue Ord­nung zuerst erprobt worden sei, die sich bewährt habe. Er betonte die vertrauensvolle Zusammen­arbeit mit dem preußischen Ministerium des Innern und gab dem Wunsche Ausdruck, daß die Zerrissen- heit, die durch unser Volk geht, endlich verschwinden möge. Ministeraldtrektor Dr. von Leyden über- brachte Ne Grüße und Wünsche der preußischen Staatsregierung und des preußischen Ministers des Innern, Oberpräsident Siehr diejenigen der ost- preußischen Stadt- und Kommunalbehörden, Regie­rungspräsident von Kahrfeldt diejenigen seiner Verwaltung. Oberbürgermeister Lohmeyer ent­bot die herzlichen Willkonrmensgrühe der ©tatet Kö­nigsberg. Nachdem Oberbürgermeister Belian für alle der Tagung dargebrachten Wünsche herzlichst ge- dankt hatte, nahmen die geschäftlichen Derhandlun. gen ihren Anfang.

(Ein Angebot der Hohenzollern.

Der Generalbevollmächtigte der Hohenzollern, von Berg, hat, wie die Blätter berichten, an die preußische Staatsregierung ein Schreiben gerichtet, in dem er sich bereit erklärt, die Vergleichsver­handlungen auf der Grundlage des Vertrages vom 12. Oktober 1925 möglichst gleich wiederaus» zunehmen._________________

Aufruf zum Rechtsblock.

Die sett Frühjahr 1921 bestehende Arbeits­gemeinschaft im Preußischen Staatsrat, der vorwiegend Mitglieder der deutschnationalen und deutschen Volkspartei angehören, rich­tete ein von dem Vorsitzenden Freiherr von Eayl und dem stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Jar­res unterzeichnetes Schreiben an die F r a k t i o n s- vvrsitzenden der genannten Parteien, wobin sie unter Bekanntgabe einer einstimmig ge­sichten Entschließung chrer Arbeitsgemeinschaft, an die im „tiefsten Sinne des Wortes staatserhaltenden Parteien" die Aufforderung zur Bildung einer erweiterten Arbeitsgemeinschaft richtet. Wir verkennen nicht, so hecht es in dem Schreiben u. a., daß sehr erhebliche Schwierigkeiten der Verwirklichung dieses Gedankens heute ent« gegenstehen, und daß sehr viel uneigennützige und sachliche Arbeit geleistet werden muß, ehe dieses Ziel erreicht wird. Wir wissen auch, daß der Weg zur einheitlichen Vertretung des großen rechtsgerichteten Teiles des deutschen Vol- kes nur schrittweise, beginnend mit einer allmählich immer fester werdenden Arbeitsgemeinschaft in den Parlamenten, zurückgelegt werden kann. In dem Schreiben, das ferner der Meinung Ausdruck gibt, daß die Bildung dieser Arbeitsgemeinschaft auch ein befriedigendes Verhältnis zu den übrigen bür­gerlichen Parteien erleichtern werde, wird schließ­lich die unverzügliche Aufnahme der einleitenden Schritte und eine möglichst baldige Bekanntgabe der Stellung der beiden genannten Fraktionen verlangt.

preußischer Landtag.

Der Preußische Landtag erledigte am Montag zunächst eine Reihe kleinerer Vorlagen, u. a. den Gesetzentwurf, der weitere rund 32,8 Millionen RM. für die Vollendung des M i 11 e l l a n d k a n a l s bereit­stellt. Bei der zweiten Beratung des Gesetzentwurfs, der die Stadt Biebrich sowie die Landgemeinden Schierstein und Sonnenberg vom Landkreis Wies» baden abtrennen und mit der Stadtgemeinde und dem Stadtkreis Wiesbaden verbinden soll, ergab sich die Beschlußunfähigkeit des Hauses. In einer sofort einberufenen neuen Sitzung setzte das HauS die dritte Beratung des Etats mit der Aussprache zum Haushalt des Ministerpräsidenten fort. Der deutschnationase Redner griff den Ministerpräsidenten wegen seiner Haltung gegenüber der Landwirtschaft und den nationalen Verbänden an, wahrend von fetten der Deutschen Volkspartei die Aufforderung an den Ministerpräsidenten gerichtet wurde, in der Für stenabfindungsfrage die Initiative zu er­greifen, damit diese Frage endlich geregelt werde. Sn seiner Erwiderung erklärte Ministerpräsident raun, daß sich das Staatsministerium demnächst mit der durch die Ablehnung deS Gesetzes über die Fürstenabfindung int Reichstag geschaffenen neuen Lage beschäftigen werde. Im übrigen verteidigte sich der Ministerpräsident gegen die deutschnationalen Angriffe, wobei er von sozialdemokratischer und demokratischer Seite Unterstützung fand. Die Weiter­beratung erfolgt am Dienstag 11 Uhr.

Diskontermätzigung der Reichsbank.

rotb. Berlin, 6. 3uli. (Eig. Sunhn.) Die Reichsbank hat den Wechsel-Diskont von 6Vi°/o auf 6% und den Lombardzinsfuß von 7V2% auf 7°/o ermäßigt.

Luther bei der Reichsbahn.

wtb. Berlin, 6. Juli. (Eig. Funkm.) Die Reichs­regierung hat am 5. ds. Mts. beschlossen, den Reichskanzler a. D. Dr. Luther zum Mitglied des Verwaltungsrats der Reichsbahn zu ernennen.

Die Aufnahme der Zachverständigen­berichtes.

Caillaux im Ministerrat. — Beifall und Kritik.

Am Montag wurde tn Paris ein fast drei­stündiger Kabinettsrat abgehalten, in dessen Verlauf Finanzminister Caillaux eine eingehende Darlegung der Finanzlage abgab und in allen Einzelheiten das Programm entwickelte, das er am Dienstag der Kammer vorlegen will. Ueber die Aufnahme des Berichtes der Finanz­sachverständigen berichtet Havas, daß die meisten Abgeordneten der Mitte ebenso wie der frühere Finanzminkster Per et wenig Vorbehalte zu machen haben. Dagegen heretten sich die Sozia- Ifften und einige Radikale darauf vor, Empfeh­lungen des Komitees ohne Rücksicht darauf, daß sie von der Regierung angenommen werden ober nicht, zu bekämpfen. Man macht in Greifen der Sachverständigen gewisse Widersprüche und vor allem die Ersetzung der übermäßigen direkten Besteuerung durch indirekte Ab­gaben zum Vorwurf. Dieser Vorschlag wird anderer­seits von den Mittelparteien, die darin eine Bestä­tigung ihrer Politik erblicken, günstig ausgenommen. Aber diese Parteien stehen auch, wie bisher, der in dem Bericht geförderten Ratifizierung des Washing­toner Abkommens ablehnend gegenüber.

Das Wirtschaftsblatt „Information" urtellt über den Bericht der Sachverständigen wie folgt: „Der Bericht sei im ganzen genommen eine großzügige Arbeit, bei der man sich nicht gescheut habe, die heikelsten Angelegenheiten anzuschneiden, und der fn dieser Hinsicht vollständig erscheine. Das Werk werde in dem Maße Wert haben, als seine Vor­schläge in dem vom Parlament angenommenen und durchgeführten Projetten ihre Bestättgung finden werden. Das sei das Prwilegium der Regierungs- initiative, und man verstehe sehr wohl, daß eine derartige komplexe Materie ttotz des besten Willens nicht in einigen Tagen behandelt und zum Abschluß gebracht werden könne. In der Praxis scheine es, als ob die Regierung angesichts der bevor­stehenden Parlamentsferien es sich angelegen sein lassen werde, die Zustimmung des Parlamentes zu den großen Linien eines Problems zu erhalten, das sie in großem Maße zu dem ihrigen ma­chen werde und das sie in gewissen Teilen auf dem Verwaltungswege durchführen werde, wenn dieses Verfahren verfassungsmäßig eingeschlagen werden könnte. Wenn allerdings infolge einer schwächlichen Haltung der Regierung oder infolge der Obstruktion des Parlaments oder infolge irgend eines Grundes den in dem Bericht enthaltenen aus­führlichen Empfehlungen nicht nachgekommen würde, würden sich auch die ermatteten Wirkungen nicht zeigen. Die Währungssanierung wäre wieder ein­mal vertagt und die vorauszusehende Krise, die sich entweder als dirette Folge in Form einer Inflation ober als Ergebnis einer verzögerten Währungs­reform zeigen werbe, werde dadurch nur verschärft werden. ___________

Die belgischen Finanzen.

Der belgische Kabinettsrat genehmigte einstimmig den Text des Gesetzentwurfs, durch den die nationale Gesell­schaft der belgischen Eisenbahnen geschaffen werden soll. Der Kabinettsrat genehmigte ebenfalls die Grundlagen einer Erklärung, die der Finanzminister diese Woche vor dem Senat über die Finanzlage abgeben wird. Die Erklärung wird u. a. die Gesamtheit der planmäßigen Maßnahmen mitteilen, die die Regierung zur Wieder­herstellung der Währung plant, unter denen die Schaffung eines Amortisierungsfonds und die Gründung einer na- tionalen Gesellschaft der belgischen Eisenbahnen die ersten sind. Diese Maßnahmen werden durch eine Verbesse­rung des Steuerregimes und insbesondere durch erhöhte Abgaben, durch Maßnahmen auf dem Gebiet der Steuer- erhebung und eine Kontrolle vervollständigt. Der Rat beauftragte den Minister für Industrie, Landwirtschaft und öffentliche Arbeiten mit der Aufgabe, im gegen- fettigen Einvernehmen und nach 53erftänbigung mit dem Gewerbescheinausschuß Maßnahmen zur Regelung des Warenverbrauchs zu ergreifen.

polnische Überheblichkeiten.

wtb Warschau, 6. Juli. (Eig. Funkm.) „Polska Zbrejna", das Blatt der militärischen Organisation P i l s u te s k i s, schreibt: Der Versailler Vertrag hat Polen Unrecht getan. Er hat uns nicht bas Polen von vor 1772 gegeben, er hat uns nicht ge­geben Danzig, Ermland, Masuren, Königsberg, Stettin, Oppeln und Breslau. Die Ansprüche auf diese Städte und Länder, die uns mit Gemalt ge­nommen sind, werden wir niemals aufgeben. Da wir offene Grenzen haben, müssen wir eine mäch­tige Armee haben, die uns nach vier Fronten zu verteidigen vermag. Jeder Pole muß Soldat sein. Jede Polin muß der National-Garde in Reserve angehören. Ein von Kopf bis zu Fuß bewaff­netes Polen wird allein Feinden entgegentreten können. Jedes polnische Haus muß eine Festung fein.

Aus Marokko.

Die Rifleute gehen zum Angriff über.

Wie den Zeitungen aus Fez gemeldet wirb, scheinen sich die Dissibenten nicht nur zum Wiber- stand, sondern zu einem Angriff auf die fr an- zösischen Posten im nördlichen Teile des Frontabschnittes von Taza vorzubereiten, wo besonders Ansammlungen der Beni Onargrus in der Gegend von Bouznand festgestellt wurden. Andere Ansammlungen werden aus der Gegend von Tafrant und aus dem Walde von Tafert ge­meldet. Im allgemeinen stellt man eine Abwande­rung der Dissidenten nach Norden fest. Sie sollen bei den Benisair eine Versammlung abhalten, um den Widerstand mit den Marmouchan vorzubereiten.

Der Rohlenstreik in England.

Ein Lohnangebot der Grubenbesitzer.

Die Grubenbesitzer von Pottsisire, Forast of Dean, Bristol und South Staffordshire haben durch Anschlag bekannt gegeben, daß sie für den Achtstundentag dieselben Löhne anbie- ten wie vor dem Streik. Die Grubenbesitzer von Süd-Wales bieten dieselben Löhne wie vor dem Streit an, ausgenommen die 14 Prozent Zulage, die den Akkorbarbeitern gewährt worben waren, als ber Siebenstundentag angenommen wurde. Etwa 20 kleine Bergwerke im südlichen Stafford haben die Arbeit teilweise wieder ausgenommen.

Bor einem entscheidenden Schritt.

„Financial Times" schreibt, ttotz des scheinbaren Aufhörens der Friedensbemühungen im Verarbeiter- konflitt werde höchstwahrscheinlich in dieser Woche ein neuer wichti ger, wenn auch inoffizi­eller Schritt unternommen werden. Man nehme allgemein an, daß eine Anzahl Bergleute auf Grund des neuen Lohnangebots der Gruben­besitzer zur Arbett zurückkehren werde. Die Regie­rung sei aber nicht in der Meinung, daß die all- mähliche Rückkehr der Bergleute zur Arbeit eir Lösung des Problems bedeute, da hierdurch kein dauernder Friede gesichett werden könne. Den Müttern zufolge werden die Lohntattse, mit deren Bekanntgeben die Grubenbesitzer heute beginnen werden, sich teils auf der alten Höhe halten und teils eine geringe Erhöhung aufweisen.

Nene russische Geldsendungen für die englischen Bergarbeiter.

Nach der „Financial Times" hat ber Sekretär des Bergarbeiterverbandes, C o o k, bekanntgegeben, daß in dieser Woche weitere 100 000 Pfund Ster­ling zur Unterstützung der britischen Bergleute aus Rußland ermattet würden.

Amerikanischer Unabhängigkeitstag.

In feiner Aussprache zur Feier des 150 Jah­restages der amerikanischen Unab­hängigkeitserklärung in Philadel­phia sagte Eoolidge, nach Ablauf dieser 150 Jahre feien aus allen Teilen ber Welt Tausende nach Philadelphia wie zu einer heiligen Pilgerstätt gepilgert in dankbarer Anerkennung der Dienste, die wenige begnadete Männer hier der Menschheit erwiesen. Dienste, die so groß seien, daß sie noch im­mer eine hervorragende Unterstützung für die freien Regierungen in ber Welt bilden. Es fei sicher ge­nügend Zett verflossen, um mit großer Gründlich- kett den Wert und die Einrichtungen der Vereinig­ten Staaten und ihre Zuverlässigkeit als Normen für die Ordnung der menschlichenGesellschaft und für die Forderung der Zivilisation zu beweisen. Mit Bezug auf die Ursachen ber Revolution könne mon sich nicht der Ueberzeugung entziehen, daß ber @ ei ft der neuen Zivilisation seinen Ur» fprung in Amerika habe und was die Rechte der Persönlichkeit anbetreffe, in Amerika fortgeschrit­tener war, als ber Geist, der die alte Welt be» herrfchte. Allgemein werde angenommen, baß die französischen Ideen einen Einfluß auf die politische Gedankenwelt Amerikas während der Reoolutions- tage gehabt hätten. Dies könne richtig sein, ober die wesentlichsten Gedanken der Unabhängigkeitserklä­rung waren in den Kolonien nahezu zwei Menschen­alter vor der Entstehung ber die Mitte des 18. Jahr­hunderts charakterisierenden französischen pol. Philo­sophie Gegenstand der öffentlichen Erörterung. Coo- lidge erinnerte ferner an die Rede des Geistlichen Thomas Hooker in Connecticut im Jahre 1638, in der dieser erklärte, bas Fundament der Autorität liege in der freien Zustim­mung des Volkes. Die Unabhängig­keitserklärung fei das Ergebnis eines im Volke wohnenden Gefühls, daß den geistigen Din­gen der Vorrang zukomme. Wenn mir, so erklärte Cooliidge, nicht daran festhalten, so wird alle un­sere materielle Wohlfahrt, so überwältigend sie auch fein mag, in unseren Händen nur ein Symbol der Ohnmacht sein.

DieLlsässisch-RathoIische volkspartei

Die gestrige Delegiertentagung der Elsässisch- Katholischen Volkspartei hat außer einer Ent­schließung über die grundsätzliche Stellungnahme der Partei eine zweite Entschließung gefaßt, in der sie ihre schärf st e Mißbilligung über die von der Re- gierung gegen die Unterzeichner des Heimatbundsmani­festes getroffenen Maßnahmen ausspricht. Die Ent­schließung stellt fest, daß die von der Maßregelung Be­troffenen zum größten Teil ein Opfer einer Atmosphäre sind, für die die Fehler der Politik der Regierung u. der französischen Verwaltung in erster Linie verantwortlich sind. Die Tagesordnung gibt der Ueberzeugung Aus­druck, daß die gegenwärtige Lage nicht durch Sanktionen, sondern nur durch eine Aenderung der gegenwärtigen Politik geändert werden kann. Sie drückt die Hoffnung aus, daß die Regierung die Folgen ihrer Sanktionen wie­der gutmachen wird und beauftragt die Vertreter der x Pattei, die zur Verwirklichung dieser Forderung geeig­neten Mittel anzuwenden.

* Günstiges Fortschreiten der deutsch-französischen HandelsvertragSverhandlnngen. (Eig. Funkm.) „Petit Journal" glaubt in der Lage zu sein, milteilen zu können, baß im Ministerrat am Dienstag Handels- minifter Chapsal mitteilen werbe, daß die letzten Schwierigkeiten in ben Verhandlungen zwecks Ab­schlußes einer französisch-deutschen Handelsvertrages behoben seien.

* Zur Reise General Primo de Riveras nach Paris. Der „Petit Parisien" glaubt zu wissen, daß General Primo de Rivera, wenn er seine Ab­sicht, am 14. Juli nach Paris zu kommen, in die Tat umsetzen werde, bei dieser Gelegenheit auch das französisch-spanische Marokko-Abkommen unterzeichnen werbe, über das seit Wochen eine spanische Delegation in Paris verhandle.