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Anzeiger für die Skadf und den Kreis Aulda. Amtliches Kreisblatt.

Nr. 152. j

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Zahrq. 53.

An die Zentrumswähler!

Der Reichsausschiiß der Zentrumspartei hat In feiner Tagung am Sonntag folgende Kundgebung einmütig beschlossen:

An die Zenirumsparlei im Lande! Parteifreunde!

Sofort nach Abschluß der parlamentarischen Ar­beiten wendet sich die Aentrnmspartei durch den Reichsparfeiausschuß an ihre Wähler und Freunde im Lande.

Die Fürstenabfindung, die politische Frage des Tages, ist durch die Wirkungen der Dirr- fchafksnot und unter den ständigen Sorgen, die auf breiten Waffen unseres Volkes lasten, außerordent­lich verschärft worden. Die Zenkrumsfraktion des Reichstages hat diese Sachlage klar erkannt. Sie hat radikale Forderungen abgelehnk. aber alle Kräfte eingesetzt für eine gesetzgebe­risch e L ö s u n g. die vor dem gesunden Rechts- gefühl und dem verarmten Volke verantwortet werden konnte. Die Ienkrumspartei wolle Recht schaffen. Ihre Bemühungen sind an der v e r - ständnislosigkeik und der politisch en Verantwortungslosigkeit der Rech­ten und der Linken gescheitert. Dadurch ist ein Zustand geschossen, der zu schweren Be­sorgnissen Anlaß gibt. Die Ientrumspartei ist nicht gewillt, diesen Zustand hinzunehmen. Die Enttäuschung über das unpolitische Verhalten der Flügelparteien soll durch dasselbe uns nicht ent- mutigen. Die Zentrumsfraktion des Reichstages wird vielmehr ihr Ziel weiter verfolgen. Unsere Parteifreunde werden mit dafür zu sorgen haben, daß die erneute Delle der Unruhe und der politischen Aufregung, die weite Kreise des deut­schen Volkes sesthälk. nicht noch einmal im Nichts endet. Indem wir unsere eigenen Ret­hen wieder straffer zusammenfassen und stärken, schaffe» wir eine der Voraussetzungen für unsere politisches Ziel: einegerechleRegelung^er Absindungsfrage.

Trotz wertvoller Maßnahmen zu ihrer Bekämp­fung dauert die Arbeitslosigkeit und mit ihr die drückende Not von Millionen ungehindert fort.

Es handelt sich hier um mehr und um Schlimmeres als um eine Krise gewöhnlicher Art. Die Zentrums- Partei ist sich klar darüber, daß mit geldlicher Unterstützung das Uebel der Erwerbslosigkeit nicht behoben werden kann. Nur in der Arbeitsbe­schaffung kann das wirksamste heil, mittel liegen. Sie mit größeren Mit- kein, in neuen Formen und aus viel breiterer Grundlage durchzuführen, ist die Ienkrumspartei ae- willt.

Die Stellung Deutschlands zu den anderen Staaten und Völkern steht vor einer entscheidenden Wendung. Deutsch­land wird sich im V ö l k e r b u n d vor schwere Auf­gaben gestellt sehen. Die Zenkrumspartei hat un­beirrt durch Hemmungen und Störungen dieser Au. ßenpoliik Wege gewiesen, die heute anerkannt sind und deren niemand mehr ernsthaft zu widersprechen wagt. Diese selbständige.besonneneund wahrhaft nationale Außenpolitik muß auch im Völkerbund fe st gehalten werden. Nur ihre Fortführung sichert die Befrei­ung der besetzten Gebiete, für deren Bevölkerung zu sorgen sich die Deutsche Zenkrumspartei in be­sonderem Maße berufen fühlt.

Eine solche weit ausschauende und der Not un­seres Volkes gerecht werdende Politik ist nur mög- sich, wenn die innerpolitische Atmosphäre in unserem Volke von allen zersetzenden und ver­giftenden Tendenzen gereinigt wird. Damit sind alle Bestrebungen unvereinbar, welche die verfassungsmäßige Grund läge und den republikanischen Lharakter unseres Volksstaates ankasten und gefährden. Auf dieser Linie muß unser Volk endlich zur Ruh» kom­men.

In der Aeberzeugung von der Dringlichkeit und Gröhe dieser staats- und nMonglMjüjchen Nor- wendigkeiten und in dem Willen, ihnen gerecht zu werden, finden sich alle Kräfte in Partei und Frak­tionen zusammen. Die Deutsche Zenkmmspartei geh den kommenden Ausgaben und Kämpfen mit ge­schlossener Front entgegen.

preußischer Landtag.

Der Preußische Landtag erledigte am Samstag eine Reihe von Etats. Zunächst wurde die dritte Beratung des Forstetats fortgesetzt, wo­bei der Landwirtschaftsminifter dos Bestreben der Forstverwaltung betonte, das in den Forsten lie­gende staatüche Vermögen zu erhalten. Den Hoch- waffergefchädigten gegenüber übe die Forftverwcl- tung das größte Entgegenkommen aus. Nach Er­ledigung des Gestütetats folgt die Beratung des L a n d w i r t f ch a f t s e t a t s, bei der sich eine längere Diskussion über die Kreditgewährung an die Landwirtschaft entspann. Der Landwirtschasis- minifter stellte in Aussicht, daß Notstandskredite gegeben werden sollen, durch die die Landwirtschast davon befreit fein soll, ihre Schulden jetzt zurück­zuzahlen. Ohne Aussprache wurden die Etats der Lotterleverwaltung, der Seehandlung und der Münzverwaltung erledigt. Beim Etat der Berg- Verwaltung wurde von einigen Rednern auf die ungünstige Auswirkung der staatlichen Subven­tion auf dem Weltmarkt aufmerksam gemacht. Nach­dem noch der Haushalt der Handels- und G e - Werbeverwaltung sowie die Etats der Por­zellan-Manufaktur, des Gesetzsammlungsamts, des Deutschen Reichs- und Preußischen Staatsanzeigers, des Landtags und des Staatsrats erledigt waren, »ertagte sich das Haus auf Montag.

Zwischenfälle in Weimar.

wtb Weimar, 5. Juli. (Eig. Funkmeldung). Gelegentlich des national-sozialdemokratischen Parteitages kam es gestern zu zahlreichen Zwischen­fällen, sodaß die in Alarm bereitstehende Schutz­mannschaft mehrfach eingreifen mußte. Heute früh 3 Uhr wurde ein Oberwachtmeister von der Polizei durch einen Brustschutz verletzt. Der ettoa 20 jährige Täler konnte bis jetzt noch nicht festgenommen wer­den. Auf dem Rollplatz wurde ein Privatauwmobil überfallen, wobei einer der Insassen einen Messer­stich am Auge erhielt.

Dr. wiedfeldt gestorben.

wtb. Essen, 5. Juli (Eig. Funkm.) Geheimrat ®r. Wtedfeldt, der Seifer der Friedrich Krupp M- G. und frühere deutsche Botschafter in Washington ist im fast vollendeten 65. Lebens- lahr nach langer Krankheit gestorben.

e Die Reichslandesfarben in den Schulen. Wie der Amtliche Preußiscbe Pressedienst einer Mitteilung des Preußischen Ministeriums für Wissenschaft, Runft und Volksbildung an die Provinzialschul­kollegien und Regierungen entnimmt, ist es den Schülern und Schülerinnen gestattet, bei Schul- feiertagen die verfassungsmäßigen Reichs färben tu tragen.

Caillaux Sanierungsplan.

Der Wortlaut des Sachverständigenberichts veröffentlicht.

LautJournal" wird Finanzminister Caillaux am Dienstag vormittag in der Kammer eine Dar - stell ung der tatsächlichen Finanzlage Frankreichs geben und mitteilen, wie er sie zu sanieren gedenkt. Gleichzeitig wird er die Ve twuenssta-e stellen. Wenn die Kammer ibm ihr Vertrauen ausspricht, wird er seine Gesetzentwürfe etnbrinaen. Er wird nicht verlangen, daß sie in allen Einzelheiten angenommen werden, aber vom Parlament die zu ihrer Durchführung notwendigen Vollmachten fordern. .

Der WortlautdesBerichtesder Sach- v e r ft ä n d i g e n ist am Sonntag abend der Oeffent- lichkeit übergeben worden. Im Wesentlichen stimmt er mit den am Samstag von uns an dieser Stelle mitgeteilten Angaben der FachzeitschriftLe Jour­nal des Financiers" überein.

Vie Diktatur in Spanien.

Hohe Geldstrafen gegen die Verschwörer.

Wie Havas aus Madrid berichtet, erklärt die Regierung in einer offiziösen Auslassung, sie habe beschlossen, neben den gesetzmäßigen Sanktionen ihrerseits Geldstrafen zu verhängen, um die Urheber von Unruhm und die Personm, die dem Wieder­aufstieg des Landes Hindernisse in bett Weg legten, zu bestrafen. Das Amtsblatt veröffmtlicht bereits eitte erste Liste der Personen, gegen die Geldstrafen verhängt wurden. Darunter befinden sich Graf Romanones, der 500000 Peseten, General Aquilera, der 200 000 Peseten, General Wey- ler und ein ehemaliger Senator, die 100000 Pe­seten und drei ehemalige Abgeordnete, die 15000 bis 50000 Peseten zahlen sollen,- außerdem ein General, ein Oberst sowie zwei Journalisten, betten ebenfalls Geldstrafen auferlegt wurden.

Die Regierung erläßt eine längere amtliche Er­klärung über ihrm Entschluß, gegen solche Personen, die nachweislich und öfsmtlich versucht haben, die normale Entwicklung des nationalen Lebens zu stürm, nach Maßgabe chres Vermögens mit großen Geldbußm vorzugehen. Die spanische Regierung, die die Diktatur mit größter Milde handhabt, heißt es in der Erklärung, hat sich unter allgemeiner Zustimmung der üffmtlichen Meinung zu der Auf­erlegung großer Geldbußm entschlossen, bereit Be­trag in vollem Umfang Wohltätigkeitszwecken zuge- führt werden soll. Die Regierung ist fest entschlos­sen, gegen solche Personm mit äußerster Schärfe vorzugehen. Sie ist der Ansicht, daß es ihr obliegt, die Aufgabe der Förderung des Friedens, der Ge­rechtigkeit und der Wohlfahrt des Volkes zu Ende zu führen. Sie hat deshalb keine Volksabstimmung herbeiführen wollen, obwohl die Resultate, beson­ders wmn sie zur Zeit der Niederlage und Unter­werfung Aod el Krims stattgefundm hätte, zer- schmettemd für die Gegner der Regierung gewesen wäre.

ReWpartmuMch der Deutschen KntrumsMtei.

Wirth kehrt in die Fraktion zurück.

Der großen Tagung des Reichsparteiausschusses der Deutschen Zentrumspartei, die im Festsaal des Preußi- scheu Landtages am Sonntag den 4. Juli zusammentrat, kommt für die Geschichte der Partei die größte Be- deutung zu. Hier handelt es sich nicht so sehr darum, zu einer politischen Entscheidung großen Stils vom Standpunkt der Partei aus Stellung zu nehmen, son­dern darum, eine

neue Epoche der politischen und der parlamentarischen Arbeit

zu beginnen, und für sie die nötigen Vorbereitungen zu treffen. Mit dem gesamtpolitischen Problem unserer Tage war zugleich auch das Problem der Herstellung der inneren Einheit und Geschlossenheit unmittelbar ver- knüpft. Man darf es jetzt schon aussprechen, daß nach beiden gekennzeichneten Richtungen hin die Tagung des Reichsparteiausschusses von einem außerordentlichen, überaus erfreulichen und begrüßenswerten Erfolg be- gleitet war.

Der Tagung des Reichsparteiausschusses ging eine Sitzung des Reichspartei v o r st a n d es voraus, die sich mit den beiden Fragen, einmal der Wiedergewinnung ber Einheit der Partei und zum zweiten der Herstellung der inneren Geschlossenheit der Fraktion durch eine Er- ledigung des sogenannten Falles Wirth beschäftigte. Unter dem Zeichen dieser Fragen standen dann natur­gemäß auch die Verhandlungen des Reichsparteiaus­schusses selbst. Sie wurden von dem Vorsitzenden der Gesamtpartei, dem Reichskanzler Marx geleitet. Aus allen Teilen des Landes waren die Führer der Partei, die Führer der Organisationen in großer Zahl erschienen. Mit ihnen außerordentlich zahlreich die Abgeordneten des Reichstages und des Preußischen Landtages, an ihrer Spitze der Vizepräsident des Preußischen Landtages, Ge­heimrat Dr. P o rs ch. Die einzelnen Länder waren fefjr gut, zum Teil durch ihre ersten Führer vertreten.

Der Vorsitzende bezeichnete als den Zweck der Ta­gung eine engere Fühlungnahme zwischen Abgeordneten und Wählern und er gab in großen Zügen einen Heber- blick darüber, wie diese Arbeit sich gestalten solle.

Heber die gegenwärtige politische Situation und darü­ber, wie sie sich gestaltet hat, ferner über die innere Lage und die Zukunftsaufgaben der Partei verbreitete sich dann im einzelnen Ministerpräsident a. D.

Dr. Siegerwald.

Er berührte im Anfang seiner Rede die großen Fra- gen der A u tz e n p o l i t i k. Außenpolitisch steht Deutsch- land voraussichtlich vor dem Eintritt in den Völkerbund. Bezüglich der Reparationszahlungen kann man heute kchvp ausk>rechen..paß bet Dawesplan nicht in seiner ur­sprünglichen Form durchgeführt werden kann und zwar wird feine Durchführung nicht möglich fein sowohl aus wnen- wie aus weltwirtschaftlichen Gründen. Das wich- tigfte innere Problem ist das der Fürstenabfin- d u n g. Hier hat die Partei stets eine grabe Linie inne­gehalten. Wir haben uns für bie gesetzgeberische Re- gefung ausgesprochen unb bemgemäß gehandelt. Mit ber Frage ber Aufwertung, mit ber biefe Angelegenheit vielfach verbunden wirb, hat sie garnichts zu tun. Wenn die sogenannten Siegerftaaten wie Frankreich, Belgien unb Italien zu keiner höheren Aufwertung als zu 15 Prozent besten übergehen können, was bie Vermögen vor dem Kriege wert waren, so war auch für uns in Deutsch- lanb eine andere Aufwertung nicht möglich. Bei 68 Ab­geordneten von 439 konnte das Zentrum allein sich nicht durchsetzen. Entweder werden nun in ber Zwischenzeit bie Fürsten sich mit ben Säubern verständigen, ober es wirb im Herbst zu einer neuen Regelung kommen müssen.

Die Zentrumswähler brauchen jedenfalls nicht in Sorge darüber zu fein, daß, weil das Gesetz jetzt nicht verabschiedet werben konnte, bamit alles e r t e b i g t wäre. Wir müssen nur jetzt etwas ©ebulb üben unb wir erklären, baß mir zu unserem Worte stehen unb baß uns auch weiterhin nur eine ge­setzgeberische Lölung in .Frage kommt, unb baß wir nicht ruhen werben, bis wir sie gefunben haben.

Abgeorbneter Steger'walb behanbelte bann im einzelnen bie weiteren Fragen ber Gesetzgebung, bie in letzter Zeit bie Oesfentlichkeit in Anspruch genommen ha- so vor allem bie Zoll- unb Wirtschaftsfragen. Er führte insbefonbere aus. was zur planmäßigen Ar- beitsbefchaffung bez. ber Landwirtschaft, ber Eisenindu­strie und des Baugewerbes getan worben ist, unb er konnte mit Recht feststellen, baß biefe gesamten wirt­schaftspolitischen Gesichtspunkte, bie sich schließlich burch- gesetzt haben, überwiegenbvom Zentrum aus- gearbeitet unb zur Anwenbung gekommen finb. Das ist bas große Verdienst des Arbeitsministers Brauns unb zahlreicher Abgeordneter der Partei, bie in biefen Sin­gen führenb tätig waren.

Zur Lage ber Partei selbst nahm ber Referent eingebenb Stellung. Es ist tragisch, daß in einer Zeit voll so brennender unb brängenber Probleme niemand vorhanden ist, ber bas allseitige Vertrauen hat. Das liegt vor allem an ber Größe unb Schwere ber Aufgaben. Das Zentrum wirb im Herbste vor eine ganz befonbers schwere Situation sich gestellt sehen, weil bann Genf zu Ende ist unb weil bann sowohl von rechts wie von links ber Kampf um bie große Koalition vor' sich gehen wirb. Wir stehen bann mieber vor ber Frage, ob ein Rechtsblock ober ein Linksblock geschaffen werben soll. Wir müssen aber von dieser politischen Einstellung ein für alle Mal abkommen. Für Deutschland ist weder das Zweiparteiensystem, noch das starre Rechts- ober Linksblocksystem

möglich. Deutschland hat eine außerordentlich kompli­zierte Geschichte, und kann unmöglich all die Dinge, die die angelsächsischen Länder sich angeeignet haben, nach- ahmen. Cs ist ein Hnglück, daß wir eine sozialistische Agitationspolitik haben, daß die sozialdemokratischen Füh- rer ihre Leute nicht mehr in der Hand haben, und daß dort die Hnteroffizierspolitik sich durchsetzt.

Wir müssen sowohl die Rechts- wie die Linkspolitik ablehnen unb Politik nach unseren eigenen Gebauten unb Jbeen machen. Die Republik ist bie g e g e beneStaatsform, auf ber ber Aufbau Deutschlands vollzogen werben kann. Wer zum Volkswohle an ber Befreiung Deutfchlanbs mit uns zusammenzuarbeiten entschlossen ist, wer eine gerechte, soziale und Staats- Politik mit uns machen will, wer bie christlichen Kräfte im Volksleben ausreichenb an ber staatlichen Verant­wortung zu beteiligen strebt, ber ist uns willkommen. Für absehbare Zeit wäre für Deutschland bie große Koalition bie einzigmögliche poli- tische Kräftegruppierung

im Hinblick auf bie weit- unb wirtschaftspolitischen Span- , nungcn. Solange wir aber eine jo unglücklich geführte

Sozialbemokratie vor uns haben, ist keine Aussicht vor­hanben, baß es zu biefer Lösung kommt. Machen wir Politik mit Links, bann haben wir Fühlung nach rechts zu halten unb umgekehrt. Rur so werben wir die radi­kalen Kräfte rechts und links entwaffnen. Wir müssen eine Politik nur auf der Linie ber Mitte machen. Wir müssen nach der weltanschaulichen Seite uns stär­ker in der Oesfentlichkeit betätigen unb wir müssen ben Ausgleich im Verhältnis zwischen Lanbwirtschaft unb Arbeitern herbeiführen unb notwendig ist vor allem die Verstärkung des Bildungswesens innerhalb der Partei. Eine Mittelpartei muß die besten Köpfe auf« weifen, diese müssen aber herangebildet werben. Das Referat enbigt mit bem Vorschlag, eine Kunbgebung an bie Wählerschaft zu erlassen über bie Stellungnahme ber Partei einmal zur Fürstenfrage unb zum zweiten bazu, wie bie Partei bie Politik in der nächsten Zeit sieht und wie sie diese erledigt. In diesem Zusammenhänge muß bann auch ber Fall Wirth ausgeräumt werben.

Die Ausführungen finben eine außerorbentlich leb- hafte Zustimmung. In ben barauffolgenben Debatten ergreift zunächst Reichstagsabgeordneter Leasing das Wort, um etwa folgendes auszuführen: Heber die großen grundsätzlichen Fragen gibt es keine verschiedenen Auffassungen. Auch darüber sind wir einig, daß Reichs­tag und Reichsregierung eine andere Lösung in der Für­stenabfindungsfrage, wie sie jetzt erzielt worden ist, nicht finden konnte. In Zukunft kann und darf für uns die Frage nicht so gestellt werden. Wenden wir uns jetzt nach rechts oder wenden wir uns nach links? Es gilt für uns nur das eine: Wie halten wir die Einigkeit unb bie Einheit ber Partei aufrecht? Unb zum zweiten müf« fen wir es als Richtschnur für bas Zentrum ansehen, baß mir als Partei ber Mitte keine anbere Politik zu ver­folgen haben als biejenige, bie ben Staatsnotroenbigteitcn gerecht wirb. Wir können jetzt auch nicht sagen, baß, nachbem bie Sozialbemokratie versagt hat, sofort bas Steuer nach rechts umzuwerfen ist. Erst bann, wenn aber bie Sozialbemokratie kein Verstänbnis für bie Volks- Politik zeigt, muß bie Frage einer anderen Orientierung aufgeworfen werden. Der Redner behandelt noch eine ganze Reihe wichtiger innerer Probleme ber Partei. Das Gleiche gefchieht von Elfes- M.-Glabbach, ber insbe- fonbere bie Stimmungen innerhalb ber Arbeiterschaft klarstellt. Der Vorsitzende Marx stellt fest, daß bie Fürstenabfindungsfrage in so ziemlich allen Lagern ge= rabezu auflösenb gewirkt hat unb baß bie Stimmziffer für ben Volksentscheid eben aus allen Lagern kam. Für bas Zentrum ist bas wichtigste, baß bie Autorität wieder hergestellt wird, Wir befinden uns ja eigentlich seit dem Jahre 1919 sozusagen in einer Vertrauenskrisis. Reichs- kanzler Marx bittet dringend darum, darauf hinzuwir- fen, daß gerade in ber Frage ber Aufwertung nicht an ben Dingen gerüttelt wirb, weil sonst unweigerlich bie Gefahr eines Staatsbankerots trotz aller Mühen, bie mir für bie Rettung unb Stabilisierung ber Währung aufgewanbt haben, wieber in bie Erscheinung tritt. Zur Behanblung ber politischen Probleme macht Marx barauf aufmerksam, baß man sich heute unmöglich für bas fest­legen kann, was im Herbste geschehen soll. Er schilbert im einzelnen bie Schritte, mit benen bas Reichskabinett entschlossen war, ihre letzte Konsequenz bann aber nicht burchgeführt werben konnte, weil ber Reichspräsibent selbst bat, von seiner Absicht, die Detnission einzureichen, abzustehen.

Darauf nimmt unter allgemeiner großer Spannung Dr. Wirth

bas Wort. Er macht zunächst geltenb, baß wir heute keine Politik machen können länger als etwa auf ein halbes Jahr. Auch er ist für eine Kundgebung an bie Partei. Für einen Aufruf nicht im gewöhnlichen Sinne, sondern für eine verantwortliche Darlegung der Auffassungen ber Partei. Es ist ein Unglück, daß in einem Volke, das von solcher Not gequält ist wie das unsere, immer wieder Fragen an die Spitze treten, die es garnichi so sehr verdienen, eine entscheidende Nolle zu spielen. Im Laufe der Zeit werden solche Dinge bann bie welthistorischen Vorgänge. Wirth erklärt bann, daß er sich in der ganzen Fürstenabfindungsfrage autzeror- deutlich zurückgehalten habe und zwar deshalb, weil in seinem Lande er als Minister schon im März 1921 die Regelung mit dem Fürstenhause vorgenommen und dort haben sogar die Sozialdemokraten zugestimmt. Schon bei der Abdankung am 24. November 1924 wurde dem badischen Fürstenhaus ihr Eigentum und ihre Ehre zuge- fichert. Politik in solchen Dingen besteht eben darin, daß rechtzeitig gehandelt wirb.

Wirth wendet sich bann ben politischen Problemen zu. Alles, was wir zur Rettung unseres Vaterlandes getan haben, ist von der Rechten beschimpft worden. Die Führung einer Politik der Mitte kann unter Hmständen das schwierigste Problem bedeuten. Gerade wir als Träger des katholischen Volksteils und seines politischen Willens müssen danach trachten, daß wir nicht zwischen rechts unb links zerrieben werden oder dahin kommen, einmal als Anhängsel der Linken, andererseits als Prü­gelknabe ber Rechten betrachtet zu werben. Wenn wir als politische Partei vor unserer Wählerschaft bestehen wollen, dann müssen wir den Mut aufbringen, zu den Fragen der Gegenwart flar Stellung zu nehmen. Die Fürstenabfindungsfrage Wurde vellach als eine Art Pro­paganda für bie Fürsten behandelt, mit dem Ziele der Wiederherstellung der Monarchie. In dieser Frage gibt es keine Ruhe, wenn das Zentrum nicht klipp unb klar sich an die Spitze der alsbald wieder losbrechenden Bewegung stellt. Mit der Behandlung der Kulturftagen allein können wir solche Dinge nicht meistern. Ganz Europa befindet sich in einer geistigen Zerrüttung und bei dieser Krise des modernen Staatsgedankens in ganz Europa ist es nicht verwunder­lich, daß auch wir mit ht die Krisis hineingezogen finb. Auch ein Mallinckrodt hat im Jahre 1844 in Worten sich an ben bamals leitenben Bismarck wenden müssen, die wir heute in ihrer Schärfe garnidjt mehr prägen konnten. Wirth zergliedert bann in außerordentlich über­sichtlicher unb anschaulicher Form bie Strömungen, bie gerade augenblicklich innerhalb der deutschnationalen Partei selbst sich betätigen, unb er führt ben Nachweis, baß bie kulturpolitischen Probleme innerhalb biefer Par­tei sehr stiefmütterlich behandelt worben sind. Wir haben es mit keinem einheitlichen konservativen Gebilde zu tun, sondern mit einer Gruppe, in der noch die liberalen neben den altkonservativen Kräften unb denjenigen, bie einem sinnlosen Nationalismus huldigen, zusammen ope­rieren. Es geht heute nicht mehr, daß bie Probleme, die uns quälen, nicht auch öffentlich, so auch, in ber Presse, zum Ausdruck kommen. Mir müssen in allen Fragen der Innen- und Außenpolitik zu einer klaren Einstellung kommen. Wenn wir in ben Völkerbund aufgenommen finb, wird eine ganz außerordentlich