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Nuntius Pacelli über die aufgaben der Weltpresse.

Am vergangenen Samstag feierte der Ver­ein der Auslandspresse in Berlin sein zwanzig, jähriges Bestehen. Bei der Feier hielt Nun- tius Monsignore P a c e l l i eine bedeutungs­volle Ansprache über die Pslicht der Presse, sich in den Dienst des Friedens- und Versöh- nungsgedankens zu stellen.

Der Nuntius führte u. a. aus:

Wenn ich die Vertreter der Weltpresse hier vor mir" sehe und mir vergegenwärtige, welche Reich­weite jedes Wort, das aus Ihrer Feder fließt, In ollen Kontinenten der Kulturweit besitzt, dann er­greift mich das Bewußtsein von der gigiantischen weltumspannenden Macht, die diese Presse reprä­sentiert. darm^empfinde ich aber auch zutiefst die mmensen Verantwortlichkeiten, die den Mann der Feder auf seinem schweren Berufswege begleiten. Niemals war die Aufgabe der Presse so schicksals­bestimmend, nie ihre Verantwortung so groß als in unseren Tagen. Noch seufzt die Menschheit unter den Nachwirkungen des verheerendsten Krieges aller Zeiten. Die Tränen, die er verursachte, sind längst nicht getrocknet: die Wunden, die er schlug, brennen noch: die Lücken, die er riß, werden sich erst in Jahrzehnten schließen können. Aus diesem furchtbaren Erlebnis ist eines hervorgewachsen, das für jeden Gutgesinnten zugleich auch eine Zukunfts- ifoffnung ist: eine starke, alle Völker ersassende Frle- Zenssehnsucht, der heiße Wunsch, eine Wiederkehr Deffert zu verhindern, was die Menschheit in den grauenvollen Jahren des Weltkrieges erdulden mußte. Aus dieser Sehnsucht nach Frieden muh rin Wille zum Frieden werden. Und aus diesem Willen zum Frieden muß ein anderes sich herausbilden: Taten und Opfer für den Frieden. Diesen tat- und opferbereiten Willen in den Herzen und den Gesinnungen der Völker zu fördern und zu festigen, ist eine erzieherische Aufgabe gewaltigen Ausmaßes, eine Aufgabe, die ohne die aufrichtige und entfagunwsfreud ige Mitarbeit derGroßmacht" Presse unlösbar blei­ben würde. Der Erfolg oder Mißerfolg dieses Er- ziehungswerkes, meine Herren, bedeutet Segen oder Fluch für die, die nach uns kommen. So wie einst Quintus Fabius, auf die Falten feiner Toga hin­weisend, sagte:Hic vobis bellum et pacem por- tamus", so liegt heute in einem frühes nicht gekann­ten Maße in denSpalten derWeltpresse die Entscheidung beschlossen über Frieden und Krieg. Möge es Ihnen, meine sehr verehrten Herren, vergönnt sein, Ihren hohen und einflußreichen Beruf unter dem Segen des all­mächtigen Gottes in den Venst des Friedens- und Versöhnungsgedankens zu stellen. Die Saat, dw Sie in dieses Erdreich ausstreuen, wird eine Saat sein des Glückes für Ihr eigenes Volk und der Hoff­nung auf eine glücklichere Aera für die ganze Menschheit."

Tagungen und Kongreffe.

Tagung des Friedensbundes Deutscher katholikenl Vom 31. Juli bis 2. August einschl. findet in Mün- st e r i. Wests, die diesjährige 3. Reichstagung des Frie­densbundes Deutscher Katholiken statt. Sie wird sich auf ihrer Arbeitstagung neben Fragen des organisatorischen Aufbaues mit folgenden Themen befassen: Gesellschaft und Friede; Wirtschaft und Friede; Polen und Friede. Auch sollen die FragenKatholizismus und Völkerbund" sowieMinderheitsrecht und Minderheitsschutz" zur Be­handlung kommen. Am 1. August nachmittags ist eine öffentliche Kundgebung im Auditorium Maximum der Universität Münster geplant. Anmeldungen zur Ta­gung sind an Schulrat Dr. Müller, Hechingen, Hohen- zollern, sonstige Anfragen an die Hauptgeschäftsstelle, Berlin N. 58, Pappelallee 60, zu richten.

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die heulende Sirene. Nun wissen sie es im fernsten Dorf: Es kommt der Strom, nun rette sich, was er mag, nun wandere mit Weib und Kind ins graue Elend.. . Solchen Katastrophen gegenüber ver­sagt jedes menschliche Verstehen. Warum trifft es mich, warum gerade diese Gegend, warum gerade meinen Acker, warum gerade in dieser drangvollen Zeit, warum, warum? Wer aber gewöhnt ist, in allem mit tiefem, gläubigem Sinn die Vorsehung zu verehren, der beugt sich auch hier, weil er weiß, daß em geheimer Sinn in allem ist, daß das Tal der Welt nicht ein Paradies, sondern ein Tal der Prüfungen fern soll, und daß gerade erst dann, wenn der Mensch von Sattheit und Besitz befreit wird, sich alle Größe seiner Seele offenbart.

Ich habe gerade die Neuausoabe von Lienhards gesammelten Werken vor mir. Nun ist dieser hoch- begabte elsässische Dichter nicht einer von den ganz Großen, die Auae in Auge mit dem Schicksal schaffen. Und doch fft in ihm die Tiefe gläubiger Gesinnung, die noch weiß, was Ehrfurcht ist. Da steht ein Satz, an den ich bei allen Katastrophen immer denken muß:Nichts ist umsonst im großen Geschehen... Gewiß wird bei Aufwühlungen auch Unedles an die Oberfläche gewirbelt, massenhaft sogar: Aber auch das Edle, die stille Kraft des Aushaltens, der Fürsorge, der Enffagung feiert in after Unbemerttheit ungewöhnliche Siege. Und auf dies kommt es an. Wenn sich das Minderwertige ausgetobt hat und es liegt in seinem Wesen, daß es sich rasch erschöpft tritt das inzwischen still Gereifte seine edle Herrschaft an." Wir sehen heute die Riesenkatastrophen in Natur und Ge­schichte. Nur gemach: ein gläubiges Auge sieht auch, wie dei so vielen Menschen der Sinn für Liebe wächst, für Religion, für das Erbe der Väter und für das Echte, aus dem doch einmal eine schönere Zukunft sich bilden wird.

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Etwas Eigenartiges berichtet uns ein zufälliger neuer Fund über das Attentat, das einst auf Franz Ferdinand verübt wurde und der unmittel­bare Ausgang des Weltkrieges geworden ift._ Es war nämlich unter dem spalierbildenden Publikum ein Mann, der eine photographische Aufnahme des berühmten Thronfolaers zu machen gedachte. Ein Polizfft, der in der Nähe stand und wohl bemerkte, daß der Betreffende den Erzherzog nicht kannte, wollte ihm im entscheidenden Augenblick, als eben der Wagen anrollte, zu Hülfe kommen, zeigte mit der Hand auf Franz Ferdinand und sagte vernehm­lich:Das ist er!" Ob es dem Photogravben Nutzen gebracht, das weiß ich nicht, aber der Mör­ders der nicht weit davon stand, wußte nun auf das Genaueste Bescheid und kam so in die Lage, seinen schrecklichen Entschluß ausführen zu können. Dem oberflächlichen ursächlichen Denken sind dergleichen Vorkommnisse eine merkwürdige Verbindung von Zufällen. Man hat aber eine Sache nicht erklärt dadurch, daß man sie merkwürdig nennt, vielmehr hat man dadurch dem Denken nur eine neue Rich­tung gegeben. Gerade solche Zufälle deuten auf tiefere Zusammenhänge hin, eine für unsere Augen geheimnisvolle Kausalität, an die man sich immer­fort erinnern sollte, wenn man die Ereignisse des Tages betrachtet. Ein Doppeltes nämlich offenbart immerfort die Geschichte: Einmal, wie groß der Mensch ist, der meinetwegen, wie Baldwin einen Generalstreik zwingt, ober wie Caillaux den stür­zenden Franken, zugleich aber auch wie klein er ist. Was wäre aus Alexanders Zuge geworden, wenn nicht Freund Klitus schon gleich zu Anfang den Arm des Persers vom Rumpfe getrennt hätte, der zum sicheren Todeshieb bereits ausgeholt hatte. Was würden wir vielleicht heute über Moltke und Bismarck sagen, wenn die Armee des Kronprinzen bei Königgrätz sich nur um Viertelstunden noch ver­zögert hätte.

Eine solche Kenntnis kann einen bewahren vor jeglicher politischer Kannegießerei. Im Gegenteil wird sie einen dahin bringen, die Weisheit des Goethewottes einzusehen:Das Vernünftige ist immer, daß jeder sein Metier treibe, wozu er ge­boren ist und was er gelernt hat, und daß er den anderen nicht hindere, das ©einige zu tun. Der Schuster bleibe bei seinen Leisten, der Bauer hinter dem Pflug, und der Fürst wisse zu regieren." Das ist der gleiche Goethe, der auch gesagt hat, daß man überall im Universum das Unerforschliche verehren müsse. Es ist mit anderen Worten politische und geschichtliche Bettachtung als Religion. Erst diese macht das Auge sehend, während der hochmütige I Verstand, der bei jedem kleinen Ereignis über den, 1 Geist aller fünf Kontinente redet und alle Jahr- |

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tausende der Weltgeschichte schon voraussieht, nicht nur stolz ist, sondern auch dumm, zwei Eigenschaf­ten, von denen die Volksweisheit schon lange weiß, daß sie auf einem Holze sitzen.

Dergleichen Erwägunaen machen das Gemüt auch ruhiger den furchtbaren Katastrophen gegenüber, die auaenbllcklich weite Sttecken Europas und nicht zu­letzt des deutschen Ostens verwüsten. Tatsächlich ist das, was uns berichtet wird, geradezu arauenhaft. Auf der einen Sette der Strom, saaen wir die Oder, die alle Wasser aller Wolkenbrüche bis zum R iesen - gebttge hinauf in sich aufnimmt. Furchtbares Schauspiel, wie auf einmal alle die Flüßlein und Bäche der sonst so stillen ostdeutschen Ebene lebendig werden und wie blitzende Schlangenungeheuer aus der Tiefe emporfahren. Und sie ringeln ihre schil­lernden Körper, und sie wachsen zusammen zu der Riesenschlange des immer mehr sich aufblähenden Hauptstromes. Gierig greift er mit schäumenden Zunaen an Wälle und Deiche, ein wildes Tier, das aus seinem Käfig will. Auf der anderen Seite die friedlichen Dörfer, unschuldig gelagert um den schützenden Kirchturm herum, eingefriedet von wo­genden Aehrenfeldern und endlosen Wiesen, auf denen das Vieh weithin weidet. Und Tausende von Menschen schauen verzweifelt auf den Damm. Sie hoffen und beten. Sie schaffen Kies und Erde an die bedrohten Stellen bis zum Versagen der Kraft. Sie wissen es, wir kämpfen für die Enste, die wir im Schweiß des Angesichtes dem Boden verttaut. Wir kämpfen für unsere Häuser, die unsere Väter gebaut haben. Wir führen weiter die große Schlacht zwischen Mensch und Natur, die hier seit Jahr- hundetten tobt und scheinbar schon längst mit einem endgültigen Sieg über das toilbe' Element geendet hat. Und fic fürchten und hoffen und sie schaffen und beten, bis dann doch der Augenblick kommt, vielleicht in tiefer Nacht. Ein paar Wellen ist es gelungen, die Höhe des Deiches zu erreichen. Unter der lohenden Glut von Fackeln, Laternen und elek- ttischen Lichtern werden sie selbst zu fließenden Flammen, die Plötzlich unter den Ziegeln hervor­brechen und nun über den hohen First hinaus­züngeln. Ein Stein bricht heraus, zieht einen zwei­ten mit, gieriger drängen die nachfolgenden Fluten in die Bresche, undwachsend erneut sich des Stromes Wut".

Riesengroß!

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Weicht der Mensch der Götter Stärke, Müßig sieht er seine Werke Und bewundernd untergehn."

Während in wenigen Minuten die Bruchstelle sich bis zu Hunderten von Metern erweitert, brüllt schneller als die stürzenden Wasser über das Land

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