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Anzeiger für die Sfabf und den Kreis .Fulda. Amkliches Kreisblafk.

Nr. 15t.

Erscheint sechsmal wSchentlich. WochenbeUaaen- Illustrierte Bei­lage" und .BuchenblSttcr" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernlvrecher Nr. S- Monatlicher Beruasnreis- 1.50 <n>k.

Sonntag, 4- 3u1l 1926,

nreiaen- Bremer «lein,eile iColonel) okal V.lb ReichSmar auSwirtS 0.20 Reichsmark. Reklame, eile- lokal 0.6 ReichSmar I auSwLrtS 0.80 Reichsmark.

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Zahrg. 53.

Bis zum Herbst vertagt.

Die Regierung zieht die Zürstenvorlage zurück. weder Reichstags­auflösung noch Regierungsrucktritt. Das Zperrgesetz verlängert. Handelsverträge mit Dänemark und Schweden angenommen.

Die Schuld der Sozialdemokraten.

Die Politik, welche die Sozialdemokrat k e n gegenwärtig treiben, ist einfach unverständlich. Dom Standpunkte ihrer eigenen Partei aus gesehen, ist sie unvernünftig, ja sogar unsinnig. Denn die Sozialdemokraten haben mit ihrer jetzigen Stellung­nahme so ziemlich alles verwirkt, was sie bisher noch an teilweise recht starken Einflußmöglichkeilen auf die Gestaltung der politischen und parlamen­tarischen Dinge hatten, auch ohne mehr in der Re­gierung vertreten und ohne mit der emsprechenden Verantwortung belastet zu sein.

Schon Damals, als die Deutschnationa- len aus der Regierung ausschieden, hatten die Sozialdemokraten eine sehr günstige Gelegenhetr zur Wiedcoeinschaltung verpaßt. In dieser Ein­stellung lag auch mit eine der Hauptursachen für die vielfältigen parlamentarischen Schwierigkeiten der letzten Zeit. Nun aber, wo das Fürstenab- sindungsproblem wirklich keine juristische Angele­genhei mehr war, soitöern zu einem politischen Prv. bleu, ersten Ranges sich auswuchs, das in das Zen­tralproblem unserer Politik, nämlich die gesamte politische Kräftegruppierung und die damit not- wendige Schaffung einer festen Regierungsmehrheit einmündete, in diesem entscheidenden Augenblick versagen abermals die Sozialdemokraten. Sie haben mit ihrer jetzigen Haltung auch diejenigen par­lamentarischen Kräfte vor den Kopf gestoßen, die sich bisher bemühten, gerade in dieser Frage, den Sozialdemokraten möglichst weit entgegenzukom­men und ihnen die Zustimmung zu dem Kompro-- mißgesetz zu ermöglichen. Denn die ganze taktische und parlamentarische Behandlung der Fürstenabfin­dungsfrage ist ja mit der Front gegen rechts ge­richtet gewesen. Man war insbesondere in den Regierungsparteien der Meinung, daß diese, eine Quelle ständiger Beunruhigung im Volke bildende Frage endlich ausgeräumt werden müsse, und man war zu weitgehenden Zugeständnissen, ja selbst zu dem äußersten Schritt, nämlich der Reichstags­auflösung bereit, wenn lediglich die Deutsa>- narionalen dem Zustandekommen des Gesetzes sich versagt hätten. So aber, nachdem auch die Sozial­demokraten ihre Mitwirkung verweigern, hat eine Reichstagsauflösuna keinen Sinn und Zweck mehr, weil von ihre keine Klärung der politischen Lage er­wartet werden könnte, und sachlich die Dinge nach den Wahlen genau so ständen wie zuvor. Auch ein Rücktritt der Reichsregierung hätte keine Klärung geschaffen, weil eine Regierung-- krisis bei den bestehenden parlamentarischen Ver­hältnissen garnrcht hätte beseitigt werden können, und auch selbst nach einer Lösung einer solchen Kri- sis ebenfalls der sachliche Gegensatz unverändert be­stehen bliebe.

Die Sozialdemokraten sind es, die diese heillos verfahrene Lage verschuldet haben. Es gibt kein Wort, das scharf genug wäre, um d'efe unvernünf­tige unpolitische Taktik der Sozialdemokraten zu kennzeichnen. Früher, da die Sozialdemokraten noch nicht mit dem Staate innerlich und durch die Uebernahme der Regierung unverantwortlich gebun­den waren, konnten sie sich eine Alles oder Nichts-Politik leisten, heute aber diese Politik fortzusetzen und noch dazu in diesem besonderen Fall anzuwenden, bedeutet geradezu politischen Selbstmord. Die Anwendung dieser Politik ist aber auch eine Herausforderung, ja eine direkte Belei­digung derjenigen Parteien, die sich alle Mühe gege­ben haben, mit den Sozialdemokraten zusammen diese Frage zu erledigen und die zu dem äußersten Zugeständnis bereit waren. Diese Haltung der Sozialdemokraten wird sich sehr bald bitterlich rä­chen. Sie werden es sich selbst zuzuschreiben ha­ben, wenn die politische Entwicklung nunmehr einen Weg nehmen sollte, der ihnen im höchsten Graüe unbcqueni werden muß.

Das Zentrum wird sich mit der jetzigen Lage keineswegs zufrieden geben. Es bleibt nach wie vor auf seiner Forderung bestehen, daßdieseFrage gesetzgeberisch geregelt werden muß. Das wird sofort nach Dem Wiederzusammentritt des Reichstags geschehen müssen, ja das Zentrum würde, falls es die politischen Verhältnisse notwen­dig erscheinen lassen, eine vorzeitige Einberu. fung des Reichstags zur speziellen Lösung dieser Frage ins Auge fassen, da es gewillt ist, seine in dieser Frage eingeschlagene Linie auch weiterhin beizubehalten. Allein konnte es sich in dieser Frage nicht durchsetzen, nachdem es von anderer Seite In Stich gelassen worden ist. Es wird aber seine Aufgabe nach wie vor darin sehen, einen vernünf­tigen Ausgleich zu suchen, was in seinen Kräften stand, und es wird auch weiterhin in seinen Be­mühungen in diesem Sinne nicht nachlassen.

Das bayrische Ermächtigungsgesetz angenommen.

2m Verfassungsausichuß des Landtages wurde das Ermächtigungsgesetz (Gesetzentwurf über die Vereinfachung der Staatsverwaltung) unv Aenderung des Finanzausgleichs zwischen Land und Gemeinden) zu Ende beraten. Die noch ausstehen- den Artikel, welche die Kürzung des Anteils der Gemeinden an der Umsatzsteuer und die Aufhebung der Wohnungsbauabgabe für landwirtschaftliche Ge- bäude betreffen, wurden mit den Stimmen der Koalitionsparteien und des Völkischen Blocks ange­nommen. Bei der Gesamtabstimmung über da» ganze Ermächtigungsgesetz enthielten sich die Völ­kischen der Abstimmung, da sie die Frage des ver- fassungsändernden Charakters des Gesetzes aus­weichend geklärt wissen wollen. In der Eesamt- ebstimmung wurde das Gesetz mit den Stim­men der Koalition gegen jene der an. Parteien angenommen»

Zu der

dritten Beratung des Gesetzentwurfs über die Aus­einandersetzung mit den Fürstenhäusern

waren sämtliche Mitglieder der Regierung mit Aus­nahme des Reickswehrminifters Dr. Geßler er­schienen. Nach Eröffming der Sitzung begründete zunächst der sozialdemokratische Abgeordnete Wels den ablehnenden Standpunkt der sozialdemokra­tischen Fraktion. Für die Deutschnationalen lehnte Graf Westarp die Vorlage ab. Hierauf erklärte Reichskanzler Dr. Marx, daß nach den Dar­legungen der beiden Redner der Flüqelparteien die Mlehnung der Vorlage zu erwarten sei und die Reichsregierung daher den Gesetzentwurf zurückziehe. Die Regierung erwartete auf das bestimmteste, daß der vorliegende Entwurf aus den in ihm lie­genden gewichtigen sachlichen Gründen doch schließ­lich mit Zweidrittelmehrheit Gesetz wer­den würde. Falls diese Erwartung infolge des Verhaltens nur e ine r bei Flügelparteien sich nicht erfüllt hätte, hätte das Kabinett einstimmig be­schlossen, vom Herrn Reichspräsidenten die Auf­lösung des Reichstags zu erbitten. Nachdem aber beide Flügelparteien gegen die Annahme des Gesetzentwurfs gestimmt haben, kann eine A f l ö s u n g des Reichstags keine Klä­rung mehr bringen. Das Kabinett hat ferner die Frage der Demifsion eingehend erörtert und war zu dem Entschluß gekommen, dem Herrn Reichspräsidenten die Aemter zur Verfügung zu stellen. Von diesem Entschluß bat die Reichs­regierung mit Rücksicht auf den ihr zugegangenen dringenden Wunsch des Herrn Reichspräsi­denten Abstand genommen, der aus innen« wie außenpolitischen Gründen einen Rücktritt der Reichsregierung für untunlich erachtet. Die Re- gienmg wird zu einem späteren geeig­neteren Zeitpunkt, wenn die politische Lage die parlamentarischen VorauSsebungen Mkur schafft. von neuem die Initiat1vL ff^V^^"Mrjten- abfindung ergreifen.

Ohne Debatte wird hierauf die Vorlage auf Verlängerung des Sperrgesetzes bis zum 31. Dezember 1926 in dritter Lesung ange­nommen. 3n der Schlußabstimmung, die nament­lich ist, werden 333 Stimmen dafür und 17 dagegen bei 97 Stimmenhaltungen der Deutsch­nationalen abgegeben.

Hierauf wendet sich das Haus der Beratung des Entwurfs zur Aenderung des Reichs­mietengesetzes zu. Die Vorlage wird in zwei­ter und dritte Lesung angenommen.

Weiter wird die Regierungsvorlage zu Gunsten der älteren Angestellten an­genommen. Schließlich wird die Sitzung um ^-8 Uhr geschlossen und eine zweite Sitzung auf 8 Uhr anberaumt.

Die zweite Sitzung des Reichstags wird um 8% Uhr durch Präsident L ö b e eröffnet. Ein An­trag der Kommunisten, ihr Mißtrauensvotum gegen die Reichsregierung auf die Tagesordnung zu setzen, scheitert an dem Einspruch des Abg. Schutz- Bromberg (Dn.) Zur gemeinsamen Beratung ge­stellt werden der sozialdemokratische Antrag' über die

Zolländerungen und die Handelsverträge mit Däne­mark und Schweden.

Der sozialdemokratische Antrag fordert Ver­längerung der gegenwärtigen Zollsätze bis zum 31. 12. 1926. Rach dem Vorschlag des Ausschusses sollen bis zum 31. 12. 26 folgende ermäßigt Zoll­sätze erhoben werden: für Roggen, Weizen und Hafer 5. Mk., für Futtergerste 2. Mk., für Schweinespeck 14. Mk., für Fleisch 21.- Mk., für Schmalz und Fett 6. Mk. usw. Nach kurzer Debatte wird das Zollabkommen mitDäne- mark in 3. Lesung gegen die Kommunisten und Völkischen verabschiedet, dazu Entschließungen des Ausschusses, über eine Schonzeit für Flundern mit Schweden zu verhandeln und daß den deutschen Fischern die Fischerei am Breitgrunde vor der Flensburger Förde auch in Zukunft fteigegeben wird. Weiter wird eine Entschließung des Zen­trums angenommen, mit Dänemark einen wesent­lich wirksameren Zollschutz für die deutsche Pferdezucht herbeizuführen. Auch der schwe­dische Handels- und Schiffahrts ver­trag wird angenommen und zwar gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten und Völkischen. Der sozialdemokratische Antrag auf Verlängerung der bisherigen Zoll­sätze bis 31. 12. 26 wird alsdann mit 271 gegen 135 Stimmen abgelehnt und die Zollsätze nach der Ausschußfassung gegen die Sozialdemokraten, Völkischen und Kommunisten bewilligt. Angenommen wird weiter noch eine Entschließung, über die im Etat vorgesehenen weitere ausreichende Mittel für die produktive Erwerbslosenfürsorge zur Verfügung zu stellen. Darauf vertagt sich der Reichstag bis zum 3. November.

Berliner Blätterstimmen zur Lage.

DieTägl. Rundschau" zollt dem Reichspräsidenten t>. Hindenburg Dank dafür, daß er aus innen- und außenpolitischen Gründen es abgelehnt hat, der Auflö­sung des Reichstages oder dem Rücktritt der Reichsre- gierung zuzustimmen. Wir brauchen, so schreibt das Blatt, weder eine Reichstagsauflösung, noch fortgesetzte Krisen. Das deutsche Parlament hat jo viel an Autorität

und Ansehen verloren, daß es um den Rest spielt, wenn diese Krisenmacherei noch häufiger Erfolge haben sollte, als es leider schon der Fall ist. Der Entschluß der Re- gienmg, das Gesetz zurückzuziehen, wurde in den Wan- delgängen dahin ausgelegt, daß maßgebende Füh­rer der Sozialdemokratie zu v e rst e h en ge­geben hätten, die sozialdemokratische Fraktion werde im Herb st bereit sein, das anzunehmen, was sie ge­stern abgelehiit hat. Wir wollen hoffen, daß diese Kulis- sengerüwte richtig sind. Auch dieGermania" schreibt: Man hofft in parlamentarischen Kreisen, daß die Volks- entscheidsvsnchose so weit verflogen ist, daß man in ruhiger Stimmung erneut an die Angelegenheit der Fürstenabfindung Herangehen kann. Auch wurde im Reichstaae die Möglichkeit erörtert, daß bis zum Wieder- zusammentriit des Reichstages vielleicht ein Vergleich zwischen Preußen und dem Hohenzollern- häufe zustande gekommen sein wird, der den staatlichen Wünschen mehr Rechnung trägt, nls der erste. Kommt es zu dieser Regelung, dann wird der Reichstag im Zerbst nur noch leichte Arbeit vorfinden. DasVerl. Tageblatt" schreibt: Die Reichsregierung hnt erklärt, daß fie erst dann wieder eingreifen will, wenn die politische Lage die parlamentarischen Voraussetzungen für ein Fürstengesetz geschaffen hat. Da ein Fürstengesetz mit den Deutschnationalen nicht in Betracht kommt, bleibt nur die Verständigung von der Deutschen Volks­partei bis zur Sozialdemokratie. Hierüber wird stch die Sozialdemokratie Klarheit schaffen müssen. Wenn sie die Politik der Agitation fortsetzt, dann verhindert sie nicht nur eine aesetzliche Losung der Fürstenfrage, son­dern auch die Bildung einer republikanischen Koalition. Aehnlich äußert sich dieVols. Ztg.": Im Herbst wird man hoffentlich begreifen, daß es nicht so wichtig ist, ob man ein paar hunderttausend Stimmen mehr oder weni­ger hat, sondern daß die gan,ze Frage der Fürsten­abfindung aus einer juristischen Streit­sache z u dem großen innerpol! t i schen P r o b l e m geworden ist: wie und mit wem in den nächsten Jahren in der deutschen Republik regiert wer­den wird.

Hindenburg an den Reichskanzler.

Der Herr Reichspräsident hat am.Fr-'- taa an den Reichskanzler folgendes Schreida». ge­richtet:

Sehr geehrter Herr Reichskanzler!

Ich höre, daß das Kabinett angesichts des zu erwar­tenden Scheiterns der Gesetzesvorlage über die vermö­gensrechtliche Auseinandersetzung mit den Fürftenhäu- fern über die Frage der Auflösung des Reichstages und der des Rücktritts der Reichsregierung berät. Ich möchte Ihnen hierzu mene Auffassung dahin kundtun, daß ich mich zu einer Auflösung aus innnen» wie außen» politischen Gründen zur Zeit nicht entscheiden könnte und daß ich auch aus denselben Gründen einen Rücktritt der Reichsregierung für untunlich er­achte. Ich bitte Sie, Herr Reichskanzler, wie die anderen Herren der Reichsregierung, von dem Gedanken einer Demission Abstand zu nehmen. Mit der Ver­sicherung meiner vorzüglichen Hochachtung bin ich Ihr sehr ergebener gez. v. Hindenburg.

Ein deutschnationaler Vorschlag.

Der deutfchnationale Abg. Graf Westarp bat in seiner Erklärung, der Freitaqsitzung des Reichs­tags darauf bingewiefen, daß die Deutschnationalen einen Vorschlag für die Lösung der Fürstenabfin­dungsfrage unterbreiten wollen. Sie haben außer­dem die Absicht, diesen Vorschlag heute noch dem Reichstag vorzulegen. Die Nachtausgabe des Tag teilt den Inhalt dieses Vorschlags mit. Es sind im ganzen

fünf Punkte.

1. Cs soll ein Reichssondergericht zur Regelung der Fürstenfrage eingesetzt werden nach dem Vorschläge des Regierungsentwurfs mit vier Laienrichtern.

2. Die Zuständigkeit des Reichsfondergerichts soll nach den Bestimmungen des Regierungsentwurfs geregelt werden.

3. Das Reichssondergericht soll unstrittiges Privat­eigentum von unstrittigem Staatseigentum trennen.

4. Der Übrigbleibende Rest kann nach billigem Er- messen verteilt werden, wobei die Notlage des Volkes und eine angemessene Lebenshaltung der Fürsten maß- gebend sein soll.

5. Die Aufwertungsfrage soll nach dem Aufwertungs­gesetz geregelt werden.

preußischer Landtag.

In der Freitag-Sitzung des Preußischen Land­tags wurde der Antrag der Deutschen Volkspar- tei auf Zurückweisung der Vorlage über die Aus- einandersetzung der Provinzen Ober- und Niederschlesien an den Unterausschuß gegen die Stimmen der Antragsteller und der Deutschnationalen abgelehnt. In der darauf fol­genden Beratung der Vorlage empfahl der Aus- schußberichterstatter die Annahme der Vorlage nach den Ausschußbefchlüssen. Danach entscheidet in Strei­tigkeiten bei der Auseindersetzung ein Schiedsgerichts­verfahren. Für jede der beiden Provinzen werden eigene öffentlich-rechtliche Lebens-, Haftpflicht- und Feuerversicherungsanstalten errichtet. Nach einer längeren Aussprache wurden die ersten sieben Paragraphen angenommen. Bei der Ab­stimmung über § 8 würden nur 193 Karten abge­geben. Das Haus war also beschlußunfähig und die Sitzung mußte aufgehoben werden.

In der sofort anberaumten neuen Sitzung wur­den die Hochwasseranträge beraten. Nach einer unwesentlichen Debatte fand der Ausschuß­antrag, der die Hilfsaktion einheitlich zusammen­faßt, Annahme.

Das Hous vertagt sich auf S a m s t a a 10 Ubr.

Zur Aankensanierung.

Der Vericht der Sachversländigen-Kommifsion.

Die FachzeitschriftLe Journal des Fincmces" will in der Lage sein, über den Inhalt des Berichtes des Finanzsachverständigenausschusses, der am Freitag dem Finanzminister überreicht wurde, prä­zise Angaben zu machen.

Hiernach zerfällt das Dokument in einen eigentlichen Bericht über die Schlußfolgerungen des Sachverständi­genausschusses und in einen umfangreichen Anhang mit statistischen Angaben, der erst später veröffentlicht werden soll. Der eigentliche Bericht kommt nach einer Prüfung der Bedingungen für die Finanz- und Währungssanie­rung zu der Schlußfolgerung, daß es ein dreis ach e s Ziel zu verwirklichen gebe, nämlich Gewährleistung eines rigorosen Budgetausgleichs, Entlastu ng des Schatzamtes und W ä t) r u n gs ft a b i l i f i e r u n g. Um dieses Ziel zu erreichen, schlägt der Ausschuß vor: 1. Einnahmequellen zu schassen und auszubeuten, die geeignet sind, weiter ausgebaut zu werden und so­fortige Erträgnisse abroerfen; 2. energisch die staatlichen Ausgaben einzuschränken; 3. von jedem direkten und in­direkten Zurückgreisen auf die Vorschüsse der Bank von Frankreich zur Deckung neuer staatlicher Ausgaben ab­zusehen, d. h. also, die Jnslation auszuschließen; 4. nach und nach die Vorschüsse der Bank von Frankreich an den Staat zu verringern, um die Deckung der Banknoten in­tensiver zu gestalten; 5. um für ein gutes Funktionieren des Schatzamtes zu sorgen, dies seiner normalen Be­stimmung wieder zu übergeben dadurch, daß man es von einem wesentlichen Teil der schwebenden Schuld entlaste; 6. durch freiwillige Konsolidierung für die Um­wandlung der Bonds der nationalen Verteidigung und der kurzfristigen Schatzbonds in zu amortisierende Wert­papiere Sorge zu tragen; 7. in kurzer Frist mit Hilfe der Bank von Frankreich die Währungsstabilisierung durchzuführen, die Kapitalien im Lande zu halten, her­anzuziehen und wieder zurücksließen zu lassen; 8. die dem» nächstige Wiedereinführung des freiwilligen Verkehrs der Kapitalien oorzubereiten und zu diesem Zwecke in ausländischen Währungen möglichst langfristige Anleihen aufzulegen und Auslandskredite zu erhalten; 9. eine Wirtschaftspolitik zu betreiben, die es gestatte, die un­vermeidliche Krise abzuschwächen, die nach Einführung einer gesunden Währung eintreten werde.

Der Bericht behandelt das Problem des Schatzamtes, vor allen Dingen die Amortisierung der schwebenden Schuld, d. h. vor allem die Amortisierung der kurzfristigen Bonds.

Was die Währungsftabilisierung anbetrifft, so schlägt der Sachverständigenausschuß eine etappenweise Stabilisierung vor und zwar durch Vermittlung der Bank von Frankreich. Er hält zunächst die A n- t e gckstff eines beträchtlichen Devisen- und Fran- kenvorrates für notwendig, dem der Metallbestand der Bank von Frankreich sowie auch die langfristigen Kredite (Morgan-Anleihe, Kredite bei ausländischen No­tenbanken und Handelskredite) angehören würden. Hier­auf würde eine sehr kurze Periode der Vorstabilisierung eintreten, in deren Verlauf gewisse vom Ausschuß aus- zuarbeitende Maßnahmen zur Vorbereitung und tatsäch­lichen Stabilisierung $u treffen wären. In der Periode der tatsächlichen Stabilisierung soll die Bank von Frank­reich den Kurs durch An- und Verkauf von Devisen auf einem festen Niveau regulieren.

Nach Herstellung dieser tatsächlichen Stabilisierung wäre auf gesetzlichem Wege gesetzliche Stabilisierung festzusetzen. Es wäre eine neue Münzeinheit im Wege der Devalvation des Franken zu schaffen, die Vorschüsse der Bank von Frankreich an den Staat neu zu regeln und die von der Bank von Frankreich übernommene Ausgabe der Aufrechterhaltung eines festen Kurses in eine gesetzliche Verpflichtung umzuwandeln.

4 Milliarde» Steuererhöhung in Frankreich?

wtb. Paris, 3. Juli. (Eig. Funkm.) Nach dem Matin" enthält der Sachverftändigen-Bericht auch den Vorschlag, daß eine Steuererhöhung von annähernd 4 Milliarden notwendig sei. Hiervon sollen 3 Milliarden durch indirefte Steu­ern gedeckt werden, namentlich durch eine Steuer, die auf Beförderung von Personen und Waren aus der Eisenbahn gelegt werden soll.

rrohlemnangel in England.

Umfangreiche Lohlenbeskellungen der Regierung im Ausland.

wtb London, 3. Juli. (Eig. Funkm.) Den Blät» fern zufolge macht sich der Kohlenmangel infolge des Bergarbeiterstreiks so empfindlich bemerkbar, daß die Regierung am Mittwoch nächster Woche das Unterhaus um Bewilligung besonderer Kre­dite zum Ankauf umfangreicher Koh. lenvorräte im Ausland ersuchen wird, um die lebenswichtigen Dienstzweige des Lande», deren Störung im öffentlichen Interesse nicht ge­stattet werden dars, aufrecht zu erhalten. Der po­litische Mitarbeiter derDaily Mail" schreibt, die englische Industrie beginne allmählich infolge Koh­lenmangels langsam nachzuarbeiten.

Kamps des englischen Gewerkschaflsrates gegen die Regierung.

Der Generalrat der englischen Gewerkschaften hat an alle ihm angeschlossenen Verbände einen Auf­ruf gerichtet, in dem er die Organisation eines planmäßigen Widerstandes gegen diereaktionäre gewerkschaftsfeindliche Politik der Regierung" for­dert. Der Auftus verurteilt mit großer Schärfe die Regierungsvorschläge in der Bergbaufrage, da sie ein vollständiges Verlassen der Grundsätze des Ab­kommens darstellten, auf das hin der Generalstreik abgebrochen worden sei. Ferner wird auf die Not­wendigkeit hingewiesen, die Einigkeit zu wahren und sich zu bemühen, die Bergarbeiter mit Geldmitteln zu unterstützen.

Plünderungszug meuternder persischer Sol­daten. Die Soldaten der Garnison Salmas, 50 Meilen von Täbris, sind eigenmächtig nach Choi in Aserbeidschan marschiert, wo sie sich mit den dortigen Truppen vereinigten und zusammen mit ihnen nach Maku in der Nähe der türkisch-per­sischen Grenze zogen, um dort zu plündern. Von Täbris sind Truppen entsandt worden, um die Meuteret zu unterdrücken.