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FuldaerZeüung

Anzeiger für die Sfahf und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.

Nr. 147.

Erscheint sechsmal wöchentlich- WochenbeUaneni IUoftrierte Bei­lage" und .BuchenblStter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernivrecher Nr. S- ""onatticher BeruoS-reiz» 1.50 "'’f.

Dienstag, 29. Iunl 1926.

ureigen» Preilei Sleinreile «Colonel) okal 0,15 ReichSmar auswLrtS 0.20 Reichsmark. Reklamereile: lokal 0.6" ReichSmarI

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]ahrg. 53.

Kreditbeschaffung für landwirtschaft­liche Pachter.

JrH Reichstag ist von den Abgeordneten ver­schiedener Parteien der Erlaß eines Gesetzes bean­tragt worden, betr. die Ermöglichung der K a p i t a l» kreditbeschaffung für landwirtschaft. l i ch e Pächter. Das Gesetz ist nunmehr im Aus- schuß fertiggestlellt und dem Reichstag in Vorlage gebracht. Danach kann der Pächter an Hand eines landwirtschaftlichen Grundstücks an dem ihm gehö- rend-n Inventar einem zugelassenen Kreditin­stitut zur Sicherung eines ihm gewährten Dar- lehns ein Pfandrecht ohne Befitzüber- t r a a u n g bestellen. Zur Bestellung dieses Pfand- rechts ist die Einigung des Pächters und des Gläubigers darüber, daß dem Gläubiger das« Pfandrecht zustehen soll und die Niederlegung des Verpfändungsvertrages bei dem A m t s g e r i ch t, in dessen Bezirk der Sitz des Be­triebes liegt, erforderlich. Der Verpfändungsver­trag bedarf der schriftlichen Form. Das Kreditin­stitut soll von der beabsichtigten Bestellung des Pfandrechtes den Verpächter benachrichtigen. Das Pfandrecht erstreckt sich auf das gesamte, dem Pächter zur Zeit der Niederlassung des Verpfändungsvertrages gehörende Inventar. Es erstreckt sich weiter auf Jnventarstücke, die der Pächter nach der Entstehung des Pfandrechts er­wirbt, sobald er sie di das Inventar einvevleibt. Das Pfandrecht erlischt mit der Forderung, für die es bestellt ist.

Der Reichstagsausschuß unterbreitete dem Reichs­tag zu der gleichen Fruge noch folgende Entschlie­ßungen:

a) den im Gesetz über die Ermöglichung der Kaprtak- kreditbeschaffung für landwirtschaftliche Pächter zur Befriedigung des Pächterkredits zugelassenen Kre­ditinstituten soll eine Monopolstellung nicht gegeben werden. Insbesondere hat die Reichsregierung Sorge zu tragen, daß alle Bewerbungen von sol- chen Kreditinstituten eingehend geprüft werden, um eine möglichst weitverzweigte Kreditmöglichkeit zu gewährleisten.

b) Die Reichsregierung wolle auf die Landesregierun­gen dahin einwirken, daß die im Gesetz über die Ermöglichung der Kapitalkreditbeschaffung für land- wirtschaftliche Pächter in Ansatz zu bringenden Ge­bühren der Amtsgerichte auf ein Mindestmaß gesetzt werden, sodaß die im Gesetz erreichten Bergünsti- gungen für die Pächter nicht durch übermäßige Ge- richtsgebühren wieder in das Gegenteil verkehrt werden.

c) Die Reichsregierung wolle angesichts der überaus schwierigen wirtschaftlichen Lage der landwirtschaft­lichen Pächter, insbesondere der bäuerlichen Pächter in Verhandlungen mit allen beteiligten Stellen, ins­besondere mit den Organisationen der Verpächter, ihren ganzen Einfluß aufbieten, um zu einer der­artigen Senkung der Pachtpreise zu kommen, wie sie der setzigen geringen Rentabilität der Landwirt­schaft entspricht.

Reichsbanknotenwettbewerb.

Um eine weitgehende künstlerische Ausgestaltung der- künftig von der Reichsbank auszugebenden Bank- noienserie zu erzielen, entschloß sich die Reicksbank zum Ausschreiben eines Wettbewerbs für diesen Zweck. Die Beteiligung hieran ist jedem reichsdeutschen Künstler freigestellt. Die 12 Preise belaufen sich auf 25 000 RM. (1. Preis 10000 RM., 2. Preis 5000 RM.). Tas im Verlaufe deS Okto- bers zusammentretende Preisrichterkollegium setzt sich zusammen aus zwei Mitgliedern des Reichsbank­direktoriums, dem Direktor der ReichSdruckerei, dem Reichskunstwart und einem freien Künstler. Die näheren Bedingungen der Einzelheiten für das Preisausschreiben werden jedem Bewerber auf Ver­langen zuaesandt. Die Anschrift ist: Reichsbank» direktorium (Allgemeiner Reichsbanknotenwetibewerb), Berlin S. W. '111.

Verlängerung der Geltungsdauer der Pässe.

wtb. Berlin, 28. Juni. (Eig. Funkm.). Die Reichsregierung hat sich entschlossen, im Interesse einer Erleichterung des Reiseverkehrs mit dem Aus­land die regelmäßige Geltungsdauer der Pässe von 2 auf 5 Jahre zu erhöhen, und Familienpässe künftig auch für Einzelreisen der er­wachsenen Paßinhaber zuzulassen.

Hus den Parlamenten.

preußischer Landtag.

Der Landtag führte am Samstag die zweite Be­ratung des Finanzetats zu Ende. Das Haus stimmte der Erhöhung der Einnahmesatze und der Ein- setzung von 4 Millionen zum Ausgleich von Mehrauf- wcndungen für Einstufungsoeränderungen der Beamten zu. Die H o ch w a f f e ra n t r ä g e wurden an den Ausschuß verwiesen. Bei der folgenden Beratung des Gesetzes über die Verlängerung des Schutzpolizei- heamtengesetzes kam es zu erregten Szenen zwi- hen Sozialdemokraten und Deutschnationalen, die in Tätlichkeiten auszuanen drohten. Nach Annahme des Entwurfes in zweiter und dritter Lesung vertagte ,lch das Haus auf Mittwoch, den 30. Juni: Beratung les Haushaltes des Innenministeriums.

Deutscher Reichstag.

Das Haus führte am Samstag die Beratung des Mieterfchutzgefetzes zu Ende, das nach Den Ausschußbeschlüssen in zweiter und dritter t-dung gegen die Kommunisten und einen Teil der Deutschnationalen angenommen wurde Durch Annahme der 1 und n wurde die Herausnahme der gewerblichen Räume aus dem Mieterschutz a b g el eh nt. Angenommen wurde ferner der volksparterliche Gesetz­entwurf zur Kapitalkreditbeschasfung der landwirtschaftlichen Pächter und eine Ent- schließung des volkswirtschaftlichen Ausschusses, der die Landwirtschaft ersucht, an Stelle der polnischen Wand-r. arbeitet in größerem Umfange deutsche Arbeiter emzu- stellen. Rach Annahme der Novelle zum Reichspost- finanzgesetz und einer Novelle zum Reichssiedlungsgesetz vertagte sich das Hans nach 4 Uhr auf TOontag 2 Uhr: Erwerbslojensürjorge und kleinere Dorla- seu.

Caillaux' Kömpf um die Währung.

Frankreich soll zuerst seine Schulden regeln.

Fmanzminister Caillaux hatte am Sonntag vormittag mit dem Abgeordneten Bokanowski eine lange Unterredung. Sonntag nachmittag hat er zusammen mit den beiden Unterstaatssekretären des Finanzministeriums an dem auf die Finanzpro­bleme sich beziehenden Teil der Regierungserklä­rung gearbeftet. Caillaux soll sich dabei, wie man versichert, im Einverständnis mit den Schlußfolge­rungen des Ffnanzsachverständigen-Ausschusses da­für ausgesprochen haben, daß die Regelung der französischenSchulden an die Vereinig­ten Staaten und an England den ersten notwendigen Schritt auf dem Weg« der Wäh- nlngsstabllisierunq und in gewisser Weise sogar die Grundlage für jede derartige Operation überhaupt darstelle. Deshalb wünscht Caillaux die Ratifi- zierung des französisch-amerikanischen Schuldenab­kommens, wird sich aber zugleich bemühen, formale Zusicherungen über die Eröffnung von Krediten im Auslande für Frankreich zu erlangen, zumal auch das Finanzsachverständigenkomitee Ausländsan­leihen zur Durchführung der Stabilisierung für un­erläßlich hätt. Um nun von der amerikamschen Regierung Versprechungen im Hinblick auf die Er­öffnung von Kredtten zu erlangen, sollen offenbar, ehe die Ratifizierungsfrage von dem Parlament aufgeworfen wird, neue Verhandlungen mit den Bereinigten Staaten ausgenommen werden, und zwar scheint es, daß der Abgeordnete Bokanowski damit betraut wird. Außerdem werden im finanziellen Teil der Regierungserllärung außer dieser Darlegung der Schwierigkeiten des Schatz­amts und der zu chrer Behebung geplanten Mittel die Revision gewisser Steuern, namentlich der Steuer auf mobile Werte und der allgemeinen Ein­kommensteuer angekündigt. Schließlich wird der Finanzminister Vorschlägen, die autonome Amor­tisationskasse durch Einkünfte aus einer Art Erb­schaftssteuer zu speisen, wie er sie bereits im vorigen Jahr vorgeschlagen HÄ.

Neuer Letter dervankoonFrankreich

DaS „Journal Officiel" meldet, daß der General­direktor der Bank von Mgerien in Paris, More­au, zum Gouverneur der Bank von Frankreich, der zwefte Vizegouverneur der Bank von Frank­reich, Lee l e r c, zum ersten Vizegouverneur an Stelle deS zurückgetretenen bisherigen ersten Vize­gouverneurs, Picard, und Professor R i st von der juristischen Fakultät der Universität Paris zum zweiten Vizegouverneur der Bank von Frankreich ernannt werden.

Zum Wechsel in der Leitung der Bank von Frankreich schreibt das „Echo de Paris", Cail­laux habe von der Rolle der Bank von Frank­reich nicht dieselbe Auffassung wie Robineau. Cail­laux verlange von der Bank, daß sie aus ihrer zurückhaltenden Rolle heraus trete, um ähnlich wie die Bank von England an die Spitze der ftanzösischen Finanzwelt zu treten. Die Bank von Frankreich müsse nach der Auffassung von Caillaux eine erste Rolle bei der großen Stabili­sierungsoperation spielen, deren Vorbereitung ihm als sehr dringlich erscheine. Der Finanzminister verhehle nicht, daß der erste Abschnitt der Stabili­sierung zur Folge haben könne, daß die Gold­bestände verwendet würden. Er wollte, daß die Bank von Frankreich bereit sei, ihre Bestände zu mobilisieren und Goldverkäufe vorzunehmen, wo­bei im weiteren Verlaufe der Operation das Gold wieder zurückgekaust werden solle. Bezüglich des ftanzösisch-amerikanischen Schuldenabkommens er- llärt das „Echo de Paris", daß Caillaux vor allem zu erreichen beabsichttge, daß die amerikanische Re­gierung zugestehe, daß die Schuldverschreibungen nicht veräußerlich sein sollen.

Herriot zur neuen Regierung.

Kammerpräsident Herriot hat am Sonntag in VilleFrancede Saone auf dem Bezirkspar'.ei- tag der Radikalen eins Rede gehalten, in der er sich ausführlich mit dem Verlauf der letzten Regierungs- krife beschäftigte und ausführte: Wenn ich mich gr- adie Bildung eines Kabinetts der Volksgemein- t ausgesprochen habe, so ist das auf meine Ueberzeuaung zurückzuführen, daß eine derartige Lösung wohl eine gefühlsmäßige Befriedigung, nicht aber wirksame Abhilfe bringen könne. Wenn man Männer, die zum Beispiel in Finanzfragen eine entgegengesetzte Anschauung vertreten, in em und demselben Kabinett vereint, so heißt das, in di« Reihen der Regierung selbst jene Verarmung tragen, die mit Recht die öffent­liche Meinung beruhigt. Herriot sagte dann der neuen Regierung Mtthilfe der Radikalen zu, wenn sie gleichzeitig das nationale Interesse und die Grundsätze der Demokratte vertei- dioen wolle und erklärte wetter: Wenn die Radi­kalen zum Zwecke der Finanzierung fordern, daß das Kapital Opfer bringt, so tun sie es keineswegs, um jemand zu berauben, sondern aus Vorsicht und um den Kredit des Landes zu heben, von dem aller privater Kredit abhängt. Die Devlfenspekulation muß mit allen Mittel bekämpft werden. Wenn Ein­schränkungen unerläßlich sind, so müsse sie den Luxus treffen. Dis radikale Partei will, daß dieses Ziel durch eins gerechte Verteilung der Lasten erreicht wird. Denn ohne den Geist der Gerechtigkeit 'st weder eine wirksame nationale Politik, noch ein si­cherer sozialer Friede zu erreichen.

♦ TAg Strafverfolgung Iwan Justh beschlossen. Der schweizerische Bundesrat hat beschlossen, die ge­richtliche Verfolgung von Iwan Justh wegen Be­schimpfung und Mißhandlung des Grafen Beth- l e n sowie wegen Beschimpfung einer fremden Re­gierung in der Person ihres Vertreters anzuord- nen. Der Bundesanwalt ist mit der Einleitung der gerichtlichen Untersuchung beauftragt worden.

Der spanische König in Paris.

Das sp anische Königspaar ist Samstag abend in Paris ein getroffen. König Alfons be­suchte am Sonntag vormittag den Präsidenten der Republik — Die kommunistische „Humanste" be­hauptet, als König Alfons bei feiner Ankunft den Bahnhof verließ, hätten katalonifche Sepa­ratisten Sunbgebungen veranstaltet und belei­digende Zurufe gegen den Monarchen gemacht. Einige Arbeiter, die sich in der Nähe des Bahnhofes befanden, hätten sich an der Kundgebung beteiligt. König Alfons über Weltfrieden und Locarnopakt.

wtb paris, 28. Juni. (Eig. Funkm.) Der in Paris anwesende König von Spanien hat in einer Unterredung mit einem Journalisten über die Frage des Weltfriedens und den ßocarn o-P a k t erklärt: Er sei ein warmer Anhänger des Völker­bundes, aber es scheine ihm, daß es gefährlich sei, diese Versammlung einzig und allein aus ehemals kriegführenden und interalliierten Nationen zusam­men zu setzen. Wäre es nicht viel heilsamer, neu­trale hinzuzuziehen? Er glaube, daß es besser gewesen wäre, Deutschland von Anfang zum Völkerbund zuzulassen. Man hätte auf diese Weise viel Schwierigkeiten vermeiden kön­nen. Es scheine ihm, daß man Spanien nicht die Behandlung zu teil werden lasse, auf die es ein Anrecht habe, nämlich aus einen ständigen S i tz im Völ kerb undis rat. Auf die Frage, ob Spanien in entgegengesetztem Falle daran denk», den Völkerbund zu verlassen, erklärte der König: Wenn über diesem Punkt der Standpunkt sich nicht ändere und wenn Spanien eine gerechte Befriedi­gung erlange, könnte es dazu gebracht werden, dem Völkerbunde nicht mehr das gleiche Interesse ent- gegenzubringen, aber es wünsche von ganzem Her­zen einen Ausgleich. Ehemals habe man mit Recht die verhängnisvollen Folgen der Po­litik der Geheim-Diplomatie getadelt. An ihre Stelle habe man jetzt eine Politik der Täuschung der Nationen gesetzt. Sie könne sehr schlechte Ergebnisse zeitigen. Man dürfe aber nicht an dem gesunden Sinn weder der Nationen noch der Individuen zweifeln.

Kongreß der Liga für Menschenrechte.

In Brüssel ist am Samstag die Jahres­versammlung der Internationalen Bereinigung der Ligm für Menschenrechte durch Vertreter aus 70 Staaten, unter denen sich auch Deutschland befindet, eröffnet worden.

wtb Brüssel, 28. Juni. (Gig. Funkm.) Im Ver­laufe des Kongresses der Liga für Menschenrechte wurde von den französischen Vertretern auf die Währungskrise in Frankreich hingewie- fen und von selbiger Seite die Schaffung einer in­ternationalen Post-Union entsprechenden Wäh­rungs-Union gefordert — Ein deutscher De­legierter trat für eine Zoll-Union ein, ein portugiesischer für Schaffung eines Bundes der Ko- lonial-Dölker unter der Leitung des Völkerbundes. Das militärische Element solle bei der Kolonisierung soweit wie möglich ausgeschaltet werden. Schließ­lich nahm der Kongreß, der beschlossen hat, in zwei Jahren in Lissabon wieder zusammenzutreten, eine Entschließung zugunsten derSchaffungder Vereinigten Staaten von Europa an.

Zur spanischen slufstandsbewegung.

Ueber die Aufstandsbewegung in Spanien be­richtet der „Paris Soir", die Bewegung scheine eine große Ausdehnung angenommen zu haben und sich nickt auf Madrid zu beschränken. -Die Gegner der Diktatur hätten ein Manifest abgefaßt, das im ganzen Land öffentlich angeschlagen worven sei und in dem die Wiedereröffnung deS „Cortez* und die Wieder­inkraftsetzung der Verfassung gefordert würde. Nach Gerüchten sollen drei mächtige Gruppen gleichzeitig vorgehen, nämlich die Republikaner unter der Füh­rung von Marzellino Domingo, die liberalen In» telehueCen, Akademiker und Schriftsteller, die in der Vereinigung „Athenäum* zusammengefchlosfen seien, die nunmehr von der Regierung unter Se­quester gestellt worden sei, und endlich ehemalige oder im Dienst befindliche Generale. Man »iffe nicht, auf welche Weife diese drei Gruppen sich unterein­ander verständigt hätten, um gemeinsam ihre libe­ralen Bestrebungen durchzusetzen oder für die Ab­stellung der Ursachen ihrer Unzufriedenheit zu sorgen. Mehr als 200 Personen seien festgenommen worden, doch sei man nicht im Besitz näherer Nachrichten.

Hus China.

Besprechungen zwischen Tschangtsolin und Mupeisu.

Wie die Agentur Jndo-Pazific aus Peking mel­det, ist dort die Kavallerie der Mukden-Armee ein« getroffen. Auch Tschangtsolin ist in Peking angekommen. Man ermattet mit großer Spannung und Erregung die Entwicklung der Besprechungen zwischen Tschangtsolin und Wupeifu, die am Sonn- -tcg beginnen sollen. Wupeifu wird für Sonntag aus Paotingsu erwartet. Man rechnet mit Zwischen­fällen, hofft aber als Ergebnis der Besprechungen eine Reinigung der Atmosphäre.

• Aufflackern der Kämpfe in Marokko. Wie Havas aus Rabat berichtet, hat die Artillerie und Fliegertätigkeit in der Gegend von Tis chukt wieder eingesetzt. 5 französische Abteilungen rücken vor und konnten ohne Schwierigkeiten ihre gesteck­ten Ziele erreichen. Die französischen Truppen von T a r g u i st und im Dschebel H a m m a n sind durch spanische Truppen ersetzt worden.

Tagung der deutschen Zeitungs- perleger.

Aus Anlaß der in K ö l n tagenden Versammlung des Vereins deutscher Zeitungsverleger fand am Sonntag vormittag in der großen Festhalle des Mesiegelandes em offizieller Festakt statt, zu dem die Spitzen der staat­lichen und städtischen Behörden, hervorragende Vertreter der Wirtschaft, des Handels und der Industrie Einladun­gen erhalten hatten. Der Festakt wurde eingeleitet mit einem wirkungsvollen Orgelspiel des Kölner Domorgani- sten Hans Bachem. Der Vorsitzende des Vereins deut­scher Zeitungsoerleger, Kommerzienrat Dr. Krumb- haar, eröffnete die Tagung mit einer Begrüßung der erschienenen Ehrengäste. Dann führte der Vorsitzende u. a. aus: Mit Stolz dürfen wir aussprechen: Die Hauptver- fammlungen des Vereins deutscher Zeitungsverleger ha­ben von Jahr zu Jahr an Wirkung und Ansehen, an allgemeiner und an staats- und kulturpolitischer Beden- tung gewonnen. Von Königsberg führte uns der Weg in diesem Jahre an den Rhein und es ist eine heilige Pflicht, die diesjährige Hauptversammlung auf dem Bo­den der endlich befreiten Stadt Köln abzuhalten. Unser Herz und unser Gefühl drängt uns, unseren Brüdern im nicht mehr besetzten und im noch besetzten Gebiet, insbesondere aber der um das Deutschtum und das deutsche Vaterland so hochverdienten Presse des Rhein­landes und Westfalens unsere Teilnahme und seelische Verbundenheit in besonders betonter Weise zum Ausdruck zu bringen. Mit Bewunderung haben wir im Herzen des Reiches den waffenlosen Kampf verfolgt, den deutsche Männer und Frauen am Rhein wie an der Ruhr um ihr Deutschtum, ihr Recht und ihre Freiheit geführt haben. Unauslöschlicher Dank ist denen sicher, die in schweren Zeiten der Not Leben, Freiheit und Heimat aufs Spiel fetzten, um sich und ihrem deutschen Gewissen nicht untreu zu werden. Wir Deutsche haben im Gegensatz zu anderen großen, von uns um ihre Geschlossenheit be­neideten Kulturvölkern wenige gemeinsame Symbole der Einheit. Eines von diesen aber ist der Rhein, dieser heilige Strom .dessen Bett zum größten Teil seines Lau­fes in deutsche Erde eingegraben ist. Der Redner schloß mit dem Wunsche, daß die Tagung des Vereins deutscher Zeitungsverleger ein günstiges Vorzeichen für die Wie- dererstarkung deutschen Einflusses und deutscher Geltung im Erdenrund sein möge.

Oberbürgermeister Dr. Adenauer hieß die Ver­sammlung namens der Stadt Köln herzlich willkommen. Er erinnerte daran, daß der Verein Deutscher Zeitungs­verleger zum dritten Male seine Hauptversammlung in Köln abhalte. So hätten sich zwischen den deutschen Verlegern und der Stadt Köln herzliche freundschaftliche Beziehungen und Fäden gesponnen. Adenauer bezeich­nete es als eine große Aufgabe der Presse, in einer Zeit wie hÄC-jsfcißen zum Frieden im Innern und zur Ver­ständigung nach außen zu mahnen und zu arbeiten. In diesem Gedanken — führte er weiter aus — ließen wir uns leiten, als wir den Plan faßten, in Köln 1921 eine internationale Presse-Ausstellung zu veranstalten.

Ministerialdirektor Dr. K i e p begrüßte sodann die Versammlung namens der Reichsregierung und insbe­sondere des Reichskanzlers Marx, der ebenso wie die übrigen Mitglieder des Kabinetts lebhaft bedauerten, heute nicht unter den Versammelten in Köln weilen zu können. Freundliche Grüße übermittelte er namens des Reichspräsidenten, der mit besonderer Genugtuung be­grüßte, daß der Verein Deutscher Zeitungsverleger Köln zum Tagungsort feiner diesjährigen Hauptversammlung wählte. Geheimrat Hagen hob hervor, daß besonders die Industrie- und Handelskammer Köln seit längerer Zeit ein lebendiger Zeuge der Wesensart des Fleißes und .her Umsicht fei, welche die deutsche Presse entfalte. Die deutsche Presse erfülle feit einer Reihe von Jahren einen neuen Zweig ihres Berufes dadurch, daß sie die Fragen der deutschen Wirtschaft in ihre Spalten aus­genommen habe. Geheimrat Regierungsrat Professor Heckert behandelte darauf in feiner Festrede das Thema: „Weltwirtschaft der Kriegs -und der Nachkriegs­zeit und Aufstieg neuer Weltwirtschaftsmächte"

Der Nuffenkredtt.

Eine Einigung erzielt.

Die seit Monaten schwebenden Verhandlungen über die Bedingungen für die Finanzierung der seitens der öffentlichen Hand garantierten Jn- dustrielieserungen nach der Sowjetunion, haben nunmehr unter Vermittlung des Reichswirtschasts- ministers zu einer Einigung geführt. Im Wege des gegenseitigen Entgegenkommens wurde zwischen einem unter Führung der Deutschen Bank stehenden Bankkonsortium einerseits und der Re­gierung der Sowjetunion andererseits ein Einver­ständnis über die zu berechnenden Wechsel erzielt. Das Zustandekommen dieser Einigung wurde da- durch erleichtert, daß die deutsche Regierung dem Bankkonsortium für einen Teil des Kredits Redis­kontierung ermöglichte. Der nunmehr für eine Finanzierung dieser Art von Geschäften maß­gebende Satz ist: Jeweiliger Reichsbanksatz zuzüg- sich 1 Prozent Zinsen und 1,9 Prozent Provision, insgesamt also zurzeit 9,4 Prozent. Es kann da­mit gerechnet werden, daß von dem Bankkonsor­tium für die Finanzierung en bloc bis 150 Millio­nen Mach zur Verfügung gestellt werden. Die FinanzieZting weiterer Lieferungen wird seitens der Beteiligten bettieben. Nachdem diese grundsätzliche Uebereinstimmung erzielt ist, werden die Einzel- ftagen in den nächsten Tagen geregelt werden. Die Geschäftsabschlüsse dürften nunmehr raschestens in Gang kommen.

Zu den Mitteilungen über das Zustandekommen' durch die öffentliche Hand garantierten russischen Warenkreditgeschäfts hören wir von der Deut­schen Bank als Führerin des Bankenkonsor­tiums, daß die Abwicklung der Geschäfte über eine zu diesem Zweck zu gründende A.-G. erfol­gen soll, an der die Banken sich chrerseits nicht be­teiligen und an die ausschließlich die Kreditgesuche zu richten sein werden. Die gesamten Transak­tionen basieren auf Dollarwährung. Mit dem Jn- gangkommen der Geschäfte wird nach Perfektio­nierung der Verträge und nach Gründung der be> zeichneten Aktiengesellschaft zu rechnen sein.