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FuldaerZeitung

Anzeiger für die Stabt und den Kreis Fulda.

Nr. 140.

Erscheint sechsmal wöchentlich- Rockenbeilanew ONuNriert? Bei­lage" und -Buchenblütter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Act»endruckerei in lliulda. Fernlvrecher Rr- 9- l^onatllcher BemaSvrelS! 1.50 ’Tf.

Sonntag, 20. Juni 1926.

Amtliches Kreisblalk.

inreigeu- Preise: Sleinrelle lColonel) okal 0,15 ReichSmar auswärts 0,20 Reichsmark. Reklamereile: lokal O.s ReichSmarI auswärts 0.80 Reichsmark-

Bei Mederbolunaen Rabatt. Postscheckkonto Frankfurt a- M. 4051.

Zahrg. 53.

Am Vorabend des Volksentscheids.

Der verantwortungsbewußte Staatsbürger bleibt der Abstimmung fern!

Die vorläufigen Ergebnisse des Volks­entscheids dürften nach zuverlässigen Mittei­lungen an die Presse am Sonntag Abend, vermut­lich von 10.30 Uhr ab einlaufen, und bis spä­te st ens 1 Uhr abgeschlossen sein. Am Montag werden dann noch Berichtigungen einlau­fen, so daß am Dienstag das vorläufige Endergeb­nis bekannt gegeben werden kann.

Nun tritt das Wahlprüfungsverfahren «in, dessen Arbeit mindestens zwei Monate in An­spruch nehmen wird, denn wir haben 68 000 Stimm- bezirke. . Die Prüfung wird darum schwierig wer­den, weil an einzelnen Stellen Parolen ausgegeben worden sind,, keine oder zerrissene oder unbeschrie­bene Zettel in die Umschläge zu stecken. Im Au­gust tritt das Wahlprüsungsgericht zusammen. In ihm sind die großen Reichstagsfraktionen vertreten sSozialdemokraten-Dittmann, Deutschnationale-Loh- mann, Deutsche Volkspartei-Kahl, von den Kommu­nisten Torgler, vom Zentrum Schulte, bisher Vor­sitzender, Demokraten-Brodauf und vier Reichsge- richtsräte). Das endgültige Resultat wird vom Reichsminrster des Innern im „Reichsanzeiger" be­kannt gegeben.

Sollte daraufhin eine Reichstagsauflö­sung in Frage kommen, so wäre aus äußerlichen Gründen (Ernte), der August nicht zu einer Neu­wahl geeignet. Für die Wahl könnte frühestens di« zweite Hälfte des September in Frage kommen.

Die Kosten für Volksbegehren und Volksent­scheid trägt das Reich. Auch den Gemeinden wer­den von ihren Auslagen vier Fünftel erstattet. Vom Reichstag sind vorläufig dafür 3.7 Millionen Mark angefordert und bewilligt. Di« Kosten dürf­ten etwas darunter bleiben.

Die „Frankfurter Volksstimme"

ist am Vorabend der Volksabstimmung ganz aus dem Häuschen geraten. Sie sucht mit aller Macht die Katholiken zu bereden, mit Ia zu stim­men. Zu diesem Zweck druckt sie auch den Brief Wilhelms H., geschrieben in Homburg am 7. Aug. 1901 an die Landgrafin Anna von Hes­sen ab, worin bekanntlich der Kaiser seiner Ab­neigung gegen den Katholizismus in so ganz unbe­greiflicher Weise Ausdruck gegeben hat. Was die Katholiken von diesem Brief zu halten haben, wis­sen sie schon lange. Aber als Köder für den Volks­entscheid kommt er für einen denkenden Katho­liken nicht in Frage. Die „Volksstimme" muß uns Katholiken für furchtbar dumm halten, wenn sie annimmt, daß wir katholische Wähler uns durch derartige geschichtliche Erinnerungen den Blick verwirren lassen für das, was bei dem Dolks- )ntscheid wirklich auf dem Spiel steht. Nicht jus Zuneigung zu mehr oder minder zweifelhaften

fürsüichen Persönlichkeiten erfolgt unsere Ablehnung des Enteignungsgesetzes, sondern um der Hoch­haltungstaatsrechtlich er und s i t t li ch er Grundsätze willen und zur Abwendung schwererGefahren fürdie politische Entwick­lung des deutschen Staates. Daß übrigens die „Volksstimme" nicht aus Liebe zu uns Katholiken den Brief Wilchelms 71. zitiert, geht schon daraus hervor, daß sie anschließend den von allen deutschen Katholiken, die mit Recht diesen Namen führen, bochvereherten Reichskanzler Dr. M a r x als F ü r- st e n k n e ch t beschimpft, ihn einen Fürstendiener und Feind des Volkes nennt und vor „einem Her- einfall auf das Märchen von der demokratischen Gesinnung dieses Schwarz-weiß-roten" warnt. Im Schimpfen ist die „Volksstimme groß, aber von dem Ehrgefühl eines Zentrumsmannes hat sie keine Ahnung, sonst müßte sie wissen, daß solche Beschimpfungen des Führers wirklich kein Ver­trauen für die gute Absicht bei Ratschlägen erwecken können. Höchstens bei Leuten, die des Ehrgefühls sich entledigt haben. Die Fuldaer Katholiken gehören im allgemeinen nicht zu diesen!

Den Höhepunkt erreicht die „Volksstimme" üb­rigens mit einer Notiz, die überschrieben ist: „I e» fus für den Volksentscheid". Darunter wird dann zwar nicht ein Ausspruch Jesus, sondern eine Stelle aus I s a i a s 1, 23 zitiert. Soll man das nun für eine Gotteslästerung oder für eine un­glaubliche Geschmacklosigkeit erklären?

politischer Zusammenstoß in knalle.

wtb Halle (Saale), 19. Juni. (Eig. Funkm.) Als gestern abend einige Lastautos mit Stahl­helmleuten durch die Stadt eine Propaganda­fahrt machten, trafen sie im Vorort Glaucha auf einen geschlossenen Zug roter Frontkämp- f e r. Diese trennten die letzten Autos ab und be­warfen die Stahchelmleuts mit Backsteinen. Die Stahlhelmleute schleuderten die auf sie geworfenen Steine zurück. In dem Kampf wurden auch Latten mit Nägeln als Waffen gebraucht. Schließlich trennte ein Polizeiaufgebot die Ruhestörer. Auf Seite der Stahlhelmleute wurden 23 Personen ver­letzt, von denen 5—6 Personen schwere Verletzun­gen aufweksen. Die Zahl der verletzten Kommuni­sten steht noch nicht fest.

Zusammenstöße in Berlin.

wtb Berlin, 19. Juni. (Eig. Funkm.) Im Ver­laufe des Abends kam es gestern an verschiedenen Stellen der Stadt zu kleinen Zusammenstößen zwischen Flugblattverteilern der verschiedenen po« Mischen Parteien und Passanten. Die Polizei hat verschiedene Personen wegen Ruhestörung und Nichtbefolgung polizeilicher Anordnungen fcftge' nommen.

polnischer Terror gegen Deutsche.

wtb Sattowih, 19. Juni. (Eig. Funkm.) Ge­stern abend wurde eine Versammlung der tath. Volkspvrtei in Königshütte durch eine orga­nisierte Bande des Aufftändischen-Verbandes und des polnischen Westmarken-Verbandes, die mit Schlagringen und Gummiknüppeln versehen waren, gesprengt. Das Versammlungslokal wurde stark demoliert und zahlreiche Angehörige der Minder­heit schwer mißhandelt. Der Abg. G o l d m a n n aus Königshütte wurde dabei so schwer am Kopf und an den Armen verletzt, daß er nicht transport­fähig war. Die drei im Saale anwesenden polni­schen Polizeibeamten verhielten sich passiv und be­schränkten sich darauf, einige Angreifer zu entfer­nen, ohne Verhaftungen vorzunehmen. Nach der Aufhebung der Versammlung marschierte die Bande geschlossen unter Gesang und von der Po­lizei unbehelligt ab. Die deutschen Abgeordneten haben beim Präsidenten Calogna und den Woje- woden Beschwerde erhoben.

Das Urteil im winzerprozetz.

'5m Bemcaftter Winzerprozeß, der 'm Trier statt­fand, wurde folgendes Urteil verkündet: Von den Angeklagten wurden elf fr ei ge sp r o ch en. Darunter befinden sich zwei Rädelsführer. Die An- oeklagten Roth-Zender, Hermann Heinz-Girren werden wegen Landfriedensbruches zu einer Ge­fängnisstrafe von drei Monaten verurteilt. Die Angeklagten Mendges-Jacoby und Flesch werden wegen schweren Landfriedensbruchs ersterer zu 7, letzterer zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt. Don den übrigen Angeklagten erhielten elf wegen schwe­ren Landsriedensbruches je 6 Monate Gefängnis. Die Vollstreckung der gegen fünf der Verurteilcen erkannten Eefängnissttafe wird unter einer Bs- Währungsfrist von drei Jahren ausgesetzt, und zwar bei einem mit Rücksicht auf seine zahlreiche Familie und bei den übrigen wegen ihrer geringfügigen Be- seUigung an den Straftaten. Die Angeklagten er­kannten das Urteil an.

In der Begründung erklärte das Gericht, es habe größte Milde walten lassen, weil uie Angeklagten ursprünglich keine Demonstration gegen den Staat geplant und ihre Handlungen aus einer drückenden Notlage sich heraus entwickelt habe. Auch fei berücksichtigt worden, daß die Angeklagten bisher unbescholtene Leute gewesen leien.

Die Vorgänge in Portugal.

wtb Lissabon«, 19. Juni. (Eig. Funkm.) Nach Bekanntwerden der Tatsache, daß General Gomez C o st a die Kontrolle über die Regierungsakte über, nommen habe, fpfetten sich gestern vormittag einige Kundgebungen ab. Erregte Men- schenmassen versuchten einen Angriff auf den Ge­neral, der unter Begleitung einer militärischen Es- körte im Auto die Stadt durchfuhr. Aber der Leib­wache gelang es trotz der drohenden Haltung der Meng« einen persönlichen Angriff auf den General abzuwenden. Die Anführer sind verhaftet worden. Nach einer weiteren Meldung der „Chicago Tri­buna" hat General Gomez Costa einen Aufruf erlassen, in dem es heißt: das Ziel des Aufstandes ist durch die politischen Handlungen und Spekulatio­nen, die auf einen Verrat am republikanischen Re- gime abzielen, verschoben worden. Ich bin aber entschlossen, mit an der Spitze der Truppen meinen Ansichten über die Führung der Geschäfte in Por­tugal unter dem republikanischen System mit be­waffneter Hand Achtung zu erzwingen. Ich werde meine National-Aufgabe unter Mitarbeit der Armee und des Volkes durchflihren.

* Eine neue Parteiqründung. In Berlin wurde unter dem Vorsitz von Dr. Räuber eine neue Mittel­standspartei unter dem Namen National-repu- blrkanische Partei Deutschlands gegründet. Die neue Partei tritt für die alten Farben schwarz- weiß-rot ein, stellt sich aber auf streng republikani­schem Boden.

• Kein Besuch des bayerischen Ministerpräsi­denten m Stuttgart. Wie die „Süddeutsche Zei­tung" erfährt, findet die vorgesehene Besprechung des bayerischen Ministerpräsidenten Held mit der württembergischen Staatsregierung vorläufig nicht statt. Es ist noch nicht bestimmt, ob und wann Ministerpräsident Held nach Stuttgart kommen wird, lieber das Thema und den Zweck der beabsichtigten Verhandlungen sind von verschiedenen Seiten Nach­richten verbreitet, die den Tatsachen nicht ent­sprechen. Wie das Blatt erfährt, wird es sich bei den Besprechungen lediglich um den Finanz­ausgleich handeln. Die Kombinattonen, die von verschiedenen Seiten an den Besuch geknüpft wur­den, als sei der Zweck des Besuches des Minister­präsidenten, mit der württembergischen Regierung Vereinbarungen wegen eines gemeinsamen Vorgehens in sörderalistischen Sinne entsprechend der bayerischen Denkschrift zu treffen, wird somit hinfällig.

Nach Brianö herrlot.

Driand hat, nachdem er sich von der Aus­sichtslosigkeit seiner Bemühungen, das Mi­nisterium auf breitester Basis mit P o i n c a r e und Herriot als hauptsächlichsten Stützen zu­stande zu bringen, überzeugen mußte, das Rennen aufgegeben. Er hat dem Präsidenten der Republik mitgeteilt, daß seine Versuche gescheitert seien, daß er deshalb auf den Auftrag der Neubildung der Regierung verzichten müsse. Herr Doumergue hat diese Erklärung zur Kenntnis genommen und dar­auf Herriot mit der Bildung des neuen Kabi­netts betraut, die dieser angenommen hat.

Am internationalen Devisenmarkt erlitt der französische Franc Freitag einen n e u en Kurssturz. Am Vormittag setzte Paris gegen London mit 172% ein, ging dann langsam auf 174%, um gegen %2. Uhr auf 176 hinaufzuschnellen.

*

wtb Poris, 19. Juni. (Gig. Funkm.) Herriot nahm die Besprechungen bezüglich der Ka­binett-Bildungen auf und empfing Chautemps, Pamleve, De Monzie und Robineau, den Gouver­neur feer Bank von Frankreich.

Reichskanzler Dr. Marx an den Nardinal-Erzbischof von Chicago.

wtb Berlin, 19. Juni. (Eig. Funkm.) Reichs­kanzler Dr. Marx richtete anläßlich der Tagung des internationalen Eucharistischen Kongresses an den Kardinalerzbischof Wundelein (Chicago) folgendes Telegramm: Für die bevorstehende Tagung des in­ternationalen eucharistischen Kongresses beehre ich mich Eurer Eminenz die wärmsten Glückwünsche zu übersenden. Zu meinem aufrichtigen Bedauern habe ich es mir versagen müssen. Eurer Eminenz so gütigen Einladung nach Chicago, für die ich meinen tiefgefühlten Dank aussprechen darf, Folge zu leisten. Mein Interesse wird den Verlauf der Tagung begleiten. Mögen die Verhandlungen des Kongreffes, der im Zeichen der Eucharistie katholi­scher Männer und Frauen aus aller Welt unter ihren geistlichen Führern versammeln wird, auch dazu beitragen, das Gefühl der Zusammengehörig­keit der Völker und den Gedanken des Welt­friedens zu st 8 r k e n.

* Rückkehr deutscher Kriegsschiffe von der Spa- nienreise. Der Kreuzer „Nymphe" mit dem Be­fehlshaber der Ostsee-Streitkräfte an Bord sowie die Linienschiffe „Essen" und „Esaß" sind von ihrer Reise nach Spanien zurückgekehrt und nn Kieler Hafen eingelaufen.

Leichenfunde an der Westfront.

Jetzt beinahe volle acht Jahre nach dem Waffen­stillstand, werden, wie dem „Nieuwe Rotterdamsche Courant" von einem Brüsseler Mitarbeiter mitge­teilt wird, in der ehemaligen Frontstrecke in W e st- flandern noch immer viele Leichen ge­fallener Soldaten gefunden. Seit dem vorigen Monat hat man auf dem Abhang des be­rüchtigten Hügels 60 (Sixty Hill) zu Hollebeke südlich von Ppern nicht weniger als 134 Leichen in zugeworfenen Schützengräben und Granattrich­tern entdeckt. Von den Leichen waren 117 Eng­länder, fünf Franzosen und zwölf Deutsche. Bei den meisten konnte ihre Persönlichkeit festgestellt werden. Sie scheinen alle in den Gefechten des Mürz und des Juni 1915 gefallen zu sein. Viel­leicht führen diese Funde auch dazu, die vermißten Angehörigen des 236. Ersatz-Jnfanterie-Regiments aufzufinden. Das ganze Regiment, das aus Jugend­lichen und jugendlichen Freiwilligen bestand, wurde in der ersten Oktoberhälfte des Jahres 1914 fast vollständig aufgerieben, seine Angehörigen sind seit dieser Zeit wie von der Erde verschwunden.

* Erhöhung des Brotpreises in Paris. Der Brot­preis in Paris wird vom 27. Juni von 2.15 Franken auf 2.30 Franken pro Kilo erhöht werden.

Das Hochwasser.

Tuet Rhein steigt weiter.

Wtb Freiburg i. Br., 19. Juni. (Eig. Funkm.) Der Rhein zwischen Basel und Konstanz steigt wei- rer. Heute früh 7 Uhr betrug in Waldshut der Pegelstcmid 4.65 Meter, also 24 Zentimeter mehr al- geftern abend 6 Uhr. Die niedrig gelegenen Ufer- roege sind überschwemmt. Zwischen Basel und Kehl ist der Rhein feit gestern um 42 Zentimeter ge­stiegen.

Hochwasserkatastrophe im Kreise Liebenwerda.

wtb Liebenwerda, 19. Juni. (Eig. Funkm.) Der Damm der Röder ist gestern nachmittag bei Wür- d-enhain gebrochen. Kilometerweit ist das Land überflutet. Würdenham ist geräumt. Schutzpolizei aus Torgau und Reichswehr aus Dresden sowie freiwillige Organisationen und die Feuer­wehren der gesamten Umgebung waren bisher er­folglos bemüht, di« 20 Meter breite Bruchstelle zu verstopfen. Da weite fruchtbare Landstrecken von den Wassermassen der Elster und Pülnitz unter Wasser gesetzt sind, ist die E r n t e im Kreise Sie« benwerda größtenteils vernichtet.

Die Clbe.

Wtb Dresden, 19. Juni. (Eig. Funkm.) Die Elbe steigt längsam weiter. Nach Mitte'- lungen vom Oberlauf der Elbe dürfte ein Hoch­wasserstand von 4 bis 4,10 Meter im Laufe des Tages zu erwarten fein.

Der Bodenfee.

wtb Friedrichshafen, 19. Juni. (Eig. Funkm.) In Friedrichshafen trat die Roiach über die Ufer. Die Hallen des Luftfchiffbaufes standen gsteern eine zeitlang im Wasser. Der Bodensee ist entlang der Straße Friedrichshasen-Eriskirch-Lan- genargen mehrfach über die Ufer g et re- t e n. Die Feuerwehr hat drei in diesem @ebt«v liegende Häuser geräumt. Der See steigt stündlich von gestern auf heute etwa um 5 Zentimeter.

Anschlag auf den Türken - Diktator.

In Smyrna wurde eine gegen den Staats- Präsidenten Mustafa Kemal Pascha gerichtete Verschwörung entdeckt. Es wurden ver­schiedene Verhaftungen vorgenommen.

Die Verschwörung gegen Mustafa Kemal Pascha wurde unmittelbar vor feer Ankunft des Präsiden­ten in Smyrna aufgedeckt. Unter den Verhafteten befinden sich auch einige höhere Persönlichkeiten. Die Polizei beschlagnahmte Waffen und Bomben. Der Hauptverschwörer soll ein ehemaliger fl:'"’orb- neter sein.

wtb Konstantinopel, 19. Juni. (Eig. Funkm.) Wie verlautet, sind an den in Smnrna gegen den Präsidenten Mustafa Kemal auch Persönlichkeiten aus Konstantinopel beteiligt. Die Polizei entwickelt eine eifrige Tätigkeit. Verschiedene Ver- Haftungen wurden vorgenommen. Unter den Fest­genommenen befindet sich der frühere Abgeordnete für Erzerum, Hussain Avni.

* Verkauf ehemals deutscher Besitzungen. Aus London wird gemeldet: 130 ehemals deutsche Be­sitzungen in Neu-Guinea, die offiziell mit 397000 Pfund Sterling bewertet wurden, sind vom Ver- Walter des feindlichen Eigentums für 475 000 Pfund Sterling verkauft worden.

• Vom preußischen Landesgesundheitsamt. Zum Präsidenten des Landesgesundheitsrates für Preußen ist der Leiter der Abteilung „Volksgesundheit" des Ministeriums für Volkswohlfahrt, Ministerialdirektor Dr. Kröhne ernannt worden; zum Stellvertreter der Ministerialrat in der Abteilung „Volksgesund­heit" des gleichen Ministeriums Geb. Obermedizinal- rat Professor Dr. Lentz, zu Mitgliedern Oberregie« rungs« und Medizinalrat Dr. Ostermann, Ober« reaierungsrat Dr. Schopohl (früher in Fulda), Oberregierungsrat Dr. meb. Mallwitz.

Die Lösung des I "

Der Amtliche Preußische Pressedienst gibt eine Erklärung bekannt, in der es u. a. heißt: „Die unterzeichneten Professoren von den preußischen tech­nischen Hochschulen und Universftäten sind aus freier Entschließung zusammengetreten, um den Versuch zu machen, die an der technischen Hochschule zu Hannover enfftandenen Unruhen, wenn möglich so­fort zu beseitigen. Zu diesem Zweck haben sie so­wohl mit Professor Lessing, wie mit der Vertretung der Hannoverschen Studenten Fühlung genommen. Die Studenten haben zuge- , geben, daß die an der Hochschule vorgekommenen Störungen und Umegelmäßigkeiten dem Recht und der akademffchen Ordnung widersprechen, und daß darum zur Wahrung der akademischen und staatlichen Autorität die Durchführung der Diszi­plinarverfahren unvermeidlich fft. Andererseits hat sich Professor.Lessing bereft erflärt, kollegial an der Befriedung der Hochschule mitzuarbeiten. Das unentziehbar« Recht der venia legendi muß ihm ge­wahrt bleiben. Er beabsichtigt, die von ihm für die­sen Sommer angekündigte Vorlesungen bis zum Schluß des Sommerhalbjahres zu Ende zu führen und erwartet, darin keine Störungen durch Studen­ten zu erfahren. Seine Vorlesungen an der Tech­nischen Hochschule zu Hannover würde er mit Ab- lauf des Semesters einstellen, in der Erwartung, daß er vom Ministerium ein dauerndes Arbrits-

in Hannover.

gebiet zur Durchführung seiner wissenschaftlichen Forschungspläne erhält. Die Unterzeichneten haben dem Herrn Minister empfohlen, auf dieser Grund­lage das Weitere zu veranlassen. Ecz. Dr. Orlich, derzeitiger Rettor der technischen Hochschule Ber- Im, gez. Dr. Fleischmann, derzeittger Rektor der Universftät Halle, gez. Dr. Scheel, Vorsitzender des Verbandes der Deuffchen Hochschulen, gez. Dr. Nernt, Berlin, gez. Dr. Kahl, Berlin, M. d. R., gez. Lüders, Bertin.

Hierzu schlecht der Amtliche Prerrßische Presse­dienst: Nachdem die genannten Professoren dem Kultusminister die in der obigen Bekanntmachung enthaltene Lösung des Hochschulkonflikts empfehlen haben, hat der Minister diesen Anregungen im Einverständnis mit Professor Lessing ent­sprochen. Demgemäß ist dem Professor Lessing vom Wintersemester ab anstelle seines bisherigen Lehrauftrages ein dauernder Forschungsauf­trag erteilt worden. Professor Lessing wird seine Vorlesungen bis zum Ende des Sommersemesters fortsetzen. Er wird der technischen Hochschule zu Hannover vermög« seiner venia legendi weiterhin als außerordentlicher Professor ange­boren. Die Disziplinarverfahren gegen die schul­digen Studenten werden von Rettor und Senat der technischen Hochschule ordnungsgemäß weiter ge­führt