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FuldaerZeitung
Anzeiger für die Sfaöf und den kreis Fulda. Amtliches Kreisbfakk. ______
Nr. 138.
Erscheint sechsmal wöchentlich- Wochenbeilagen: .Illustrierte Beilage" itnb .Buchenblötter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsvrecher Rr 9- Monatlicher Be>ua?t>reiS- 1.50 Mk.
Sreitag, l6 3uni 1926.
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Zahrg. 53.
England und Sowjet-Rußland.
Vor dem Abbruch aller diplomatischen Beziehungen?
„Times" schreibt: Es besteht keim Anlaß zu glauben, daß das Kabinett sowohl den Gedanken eines Abbruches der dMomattschen Begehungen zu Rußland als auch den einer Beschränkung der Tätigkeit der russischen Handelsorganisation in England erörtert hat. Bisher liegt aber noch kein Anzeichen dafür vor. daß sich die Regierung für den einen oder anderen Weg entschieden Hot. Man nimmt allgemein an, daß sie genaue Information darüber veröffentlichen wird, in wie weit sie die Sowjet-Regierung für di« U e b e r m i t t l u n g russischer Gelder an die streikenden englischen Arbeiter für verantwortlich hält.
„Morning Post" erklärt: Eine Zurückziehung der Anerkennung der Sowjet-Regierung würde ein so schwerwiegender Schritt sein, daß ihn kein britisches Ministerium ohne ausreichende und klare Begründung tun könne. fei.;,.. ,
wtb London. (Eig. Funkm.) (Reuter). Rach Dlättermeldungen hält die Regierung einen Abbruch der diplomatischen Begehungen zu Rußland wegen der Unterstützung des englischen Generalstreiks durch rusiischs Gelder n i ch t für gerechtfertigt. Gleichwohl beschlossen sie, einen Unterschied zwischen den diplomatischen Vertretern Rußlands und dessen Handelsorgnisationen zu machen. Sie wird die bisher den Mitgliedern der Handelsorganisationen eingeräumten diplomatischen Borrechte stark beschneiden und Maßnahmen gegen eine Verwendung dieser Organisationen zum Zwecke der Sowjet-Propaganda ergreifen.
Ein brikisches Reichsverkeidigungskollegium.
Im Oberhaus erklärte in Beantwortung einer Anfrage Lord Balfour, die Regierung fei da- bei, ein Reichsverteidiqungskollegium einzurichten, um den Führern des Heeres, der Flotte und der Luftwaffe Gelegenheit zu geben, sich über die anderen Waffengattungen zu orientieren und so die Zusammenarbeit aller Gattungen zu sichern.
* Der Herr Reichspräsident hat den neu ernannten außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister von Haiti, George Gentil, zur Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens empfangen.
* Empfang nordamerikanischer Aerzke durch den Reichsprästdenk. (Eig. Funkm.) Der Herr Reichspräsident empfing am Donnerstag vormittag einige Vertreter der zurzeit in Bersin weilenden nordamerikanifchen Aerzte. Der Herr Reichspräsident gab seinem Dank und seiner Freude über den Besuch der Herren zum Ausdruck und wünschte den Bestrebungen die die Herren hierher gefiihrt hätten, im Interesse beider Länder guten Erfolg.
Das Reichsehrenmal.
i Der Berkaer Wald bei Weimar als Standort.
' wtb. Berlin, 17. Juni. (Eig. Funkm.) Mittwoch, den 16. Juni 1926, fand unter Vorsitz des Reichsministers des Innern, Dr. Külz, eine Besprechung der verschiedenen Frontkämpferverbände in Sachen des Reichsehrenmals statt. Völlige lieber - einstimmung herrschte von vornherein darüber, daß für das Ehrenmal lediglich eine Gegend in Betracht kommen könnte, wo die Ehrung der Gefallenen in die Form eines Ehrenhains gelleidet werden könnte, ohne dabei den Gedanken der Helden- djrung in denkmalmäßiger Form, wenn auch in schlichtester Weise, auszuschließen. Nach eingehender Aussprache ergab sich, daß von den zahlreichen durch den Reichskunstwart geprüften Orten von den Erschienenen lediglich der Wald von B e r k a b e i Weimar und die Gegend von Goslar für geeignet gehalten wurden. Der Stahlhelm, das Reichsbanner Schwarz-rot-goll>, der deutsche Reichskrie- gerbund Kyffhäuser, der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, die Arbeitsgemeinschaft der Vereinigungen ehemaliger Kriegsgefangener Deutschlands, die Reichsvereinigung chemattger Kriegsgefangener erklärten sich für die Gegend von Weimar. Der Lannenberg-Bund, der deutsche Offiziersbund, der Rationalverband deutscher Offiziere, der Bund deutscher Marinevereine, der Marineoffiziersver- band und der Reichsoffiziersbund erklärten, daß sie Goslar den Vorzug geben würden, aber auch eine Heldenehrung in der Gegend von Weimm nicht versagen würden. Der zuständige Ausschuß des Reichsrats wird sich in Kürze mit der Angelegenheit befassen, sodaß eine endgültige Dtt- scheidung wohl in Kurze bevorsteht. Reichs- Minister Dr. Külz gab die Besicherung, daß er die praktische Verwirklichung des Gedankens der Helden-Ehrung mit besonderem Nachdruck be- tre'iben werde.
* Prof. Sennes in Berlin. Prof. Keynes wird, dem „B. T." zufolge, am Montag in Berlin em- treffen und am Mittwoch nachmittag in der Universität einen Vortrag über „Privat- oder Gemeinwirtschaft" abhalten. _ , „
♦ Dos Volksbegehren in Hessen. Bet dem Volksbegehren in Heften, daS einen Volksentscheid über die Auflösung des Hessischen Landtages herbeiführen will, sind bisher 164000 Stimmen für den Volksentscheid gezählt worden. Erforderlich sind 42 000 Stimmen. Das Volksbegehren richtet sich gegen die seit der Revolution bestehende Koalitionsmehrheit (Weimarer Koalition), die in Heften unter Vermeidung größerer politischer Verwicklungen seit 1919 regiert har. Natürlich hat diele positive Arbeit nicht den Beifall der Radikalen gefunden, die jetzt den Versuch machen, wieder an die Macht zu kommen. Das Endergebnis einer Neuwahl in Heften ist noch sehr ungewitz.
Fürstenenteignung und Privateigentum.
Das Eigentum gehört zu den moralischen Unentbehrlichkeiten der Menschennatur. Die Anerkennung von Eigentum ist so alt, wie die Menschheit selbst. Das Eigentum wird wohl heute nurmehr von Anarchisten und u t o p i st i s ch e n Sonderlingen bestritten. Selbst die zähesten Marxisten, die Bolschewisten, haben durch Einführung des Nep, d. h. der privatwirtschaftlichen Regelung, die Unhaltbarkeit des reinen Kommunismus bestätigt. Privateigentum ist kein Unrecht, sondern Menschenrecht, ftt Naturrecht, und daher unverletzlich, unberührbar, wie die Wesenheit der Dinge, die in Cott ruhen.
Dieses Naturrecht gestattet keine Ausnahme. Es ist der letzte Anwalt des Menschen. Dieses Vorrecht des unverletzbaren Privateigentums ist unzweideutig von der kirchlichen Ueberlieferung sanktioniert. Die Ansicht des glorreichen sozialen Papstes Leo XIII. lautet:
„Das Privateigentum, fei es Frucht der Arbeit oder des Gewerbes, oder infolge von Uebertragun- gen oder Schenkungen erlangt, ist ein Naturrecht."
Die Anerkennung des Privateigentums gehört jedenfalls zu den Grundrechten der V e r f a f f u n g des Deutschen Reiches. Artikel 153 lautet: Das Eigentum wird von der Verfaftung gewährleistet. Eine Aufhebung des Privateigentums ist Verletzung des Prinzips und geht in jedem Fall über den Machtbereich eines Staates hinaus. Sinn und Zweck der Deutschen Reichsverfaflung liegt darin beschlossen, ein Wegweiser zu fein. So auch hier. Sie gewährleisten allen Volkskreisen, mag es sich um Arbeiter ober Fürsten, Bauern oder Fabrikanten handeln, den gleichen Eigentumsschutz. Wie ist es möglich, daß die klare Ueberzeugung, die wir alle von der Unantastbarkeit des Eigentums haben, in diesem Fall auf Abwege gerät und irre geht? Einen großen Teil der Schuld tragen die Links- freife, die stets von einer Abfindung der Fürsten sprechen als sollten jetzt den Fürstenhäusern Millionen zugesteckt und Staatsvermögen in die Hand gegeben werden, auf die sie gar kein Anrecht hätten. Das Gegenteil ist der Fall. Die Auseinandersetzung Kzweckt ja gerade die Trennung von Staatsgut einerseits und unzweifelhaftem Privatvermögen andererseits. Den Fürsten soll gar nichts gegeben werden, sondern aus der Dermö- gensmasse, die sie besitzen, soll für die Länder das herausgenommen werden, das nicht zum unbestreitbaren Privatbesitz gehört. Es handelt sich hier also nicht um ein Geben, sondern um ein Neb- men. Der strittige Punkt ist immer nur: wie viel? Die Parteien des Volksentscheids sagen: Alles. Wir dagegen, ausgehend von dem sittsichen und rechtlichen Grundsatz unserer christlichen Weltanschauung sagen: Jedem das Seine. Wir lehnen entschieden eine entschädigungslose Enteignung unzweifelhaften Privateigentums ab und daher unsere Parole:
Ablehnung der enkschädigungslosen Fürsten- enteignung!
Reine Vundesgenossenschaft!
Verschiedentlich ist versucht worden, eine Art Einheitsfront in der Abwehrbewegung gegen den Volksentscheid herzustellen. Die lokalen Zentrumsorganisationen haben solche Versuche durchweg mit Recht abgelehnt. Denn vielfach werden mit der Propaganda gegen den Volksentscheid weitgehende politische Pläne verbunden. Für das Zentrum handelt es.sich aber lediglich darum, ein Unrecht abzuwehren und für die Gel-
Nachdem der Präsident der Republik feine Besprechungen mit den verschiedenen Parlamentariern, darunter dem radikalen Senator Maurice Sarraut und dem der demokratisch-republikanischen Linken angehörenden Abg. Bokanowski beendet hatte, wurde Briand ins Elysee berufen.
Nach längerer Besprechung mit dem Präsidenten der Republik nahm er den ihm erteilten Auftrag, die Regierung zu bilden, an. Beim Verlassen des Elysee erklärte Briand, er habe dem Präsidenten mitgetellt, er werde versuchen, ein Ministerium auf der Grundlage des weitestgehenden Zusammenschlusses der Fraktionen zu bilden, und dazu deren befähigste Vertreter ersuchen, angesichts des Ernstes der Lage ihre verschiedenen Streitigkeiten zu vergeften und sich einzig und allein auf den Boden des nationalen Interesses
Ruhe in polen.
Dec Ausnahmezustand in Pomerellen aufgehoben.
wtb Warschau, 17. Juni. (Eig. Funkm.) Der Ministerrat hat gestern beschlossen, den Ausnahmezustand in Pomerellen aufzuheben.
Gewerkschaftliches.
= Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer. Vom Vorstand der Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer werden wir um Aufnahme folgender Entschließung gebeten: Die vom 8.—10. Juni 1926 in Hamburg tagende Sitzung des erweiterten Hauptvorstandes der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer beschäftigte sich erneut mit den Vorschriften über die Dienst- .und Ruhezeiten des Lokomotivpersonals. Er kommt nach den vvrgetragenen Berichten der Bezirke zu der Ueberzeugung, daß die dienstliche Belastung der Lokomotiv- personals weit über dieleniaen Grenzen binausaebt. die
hing eines christlichen Sittengesetzes einzutreten. Das Zentrum führt den Kampf selbständig aus prinzipiellen Gesichtspunkten vornehmlich religiös- ethischer Natur. Gewisse Vorkommnisse zeigen, daß wir sehr recht daran tun, den Trennungsstrich zu den Hauptwortführern der Abwehrbewegung zu beachten. In einer Versammlung der Völkischen Freiheitspart ei in den Hohenzollern- sälen, Berliner Straße 105, hat ein Stadtrat Krö- fer gegen den Volksentscheid eine Rede gehalten, die mit groben Beschimpfungen der katholischen Kirche gespickt war. Nachdem er weidlich auf die Juden geschimpft hatte, denen es zuzuschreiben sei, daß die Ehe, das Reinste und Heiligste der Germanen, zerstört wurde, kamen die Katholiken an die Reihe. Der Stadtrat sagte nach dem Bericht der Germania:
„Schuld an dem Unglück Deutschlands hat auch der Ultramontanismus. Der feistbäckige E r z b e r- g e r und andere Jesuiten haben Deutschland verraten. Erzberger ist dem Kaiser in den Arm gefallen, als Deutschland das Gottesgeschenk, die U-Boote, erhielt. Der Papst paktiert offen mit Frankreich, seine Botschafter treiben Spionagedienste. Zu dem Versailler Vertrag hat der Papst seinen Segen gegeben. Der größte Feind deutschen Wesens ist neben dem Juden der römische Katholizismus."
Zu diesen Ausfällen selbst brauchen wir wohl nichts zu sagen. Daß wir diese Kampfgemeinschaft ablehnen, versteht sich von selbst.
Strefemanns versprechen.
In einer Hauptvorstandssitzung des Wahlkreises Westfalen-Süd der Deutschen Volkspartei in Hagen sprach Reichsaußenminister Dr. Strese- mann über die politische Lage. In seinen Ausführungen ging Dr. Stresemann u. a. auf die Frage der Fürstenentschädigungen näher ein und wies die in einer Zentrumsversammlung in Höchst a. M. aufgestellte Behauptung zurück, wonach die Deutsche V o l k s p a r t e i in den letzten Besprechungen mit dem Reichskanzler habe erkennen lassen, daß sie für ein Kompromiß, welches nicht verfaftungsändern ist, n i ch t zu haben fei und somit jede Aussicht auf zufriedenstellende Lösung durch Reichstagsbeschluß mit einfacher Mehrheit entfalle. Dem gegenüber stellte Dr. Stresemann zugleich in ausdrücklichem Einverständnis mit dem Fraktionsvorsitzenden Dr. Scholz mit Nachdruck fest, daß gerade die Deutsche Volkspartei für eine befriedigende Lösung durch Reichstagsbeschluß mit einfacher Mehrheit gewährleistet würde. Es fei selbstverständlich, daß auch nach dem negativen Ausfall vom 20. Juni die Reichsregierung mit allem Nachdruck für die Annahme ihres Vergleichs- Vorschlages eintreten würde und die Deutsche V o l k s p a r t e i, die Stresemann als Parteivor- sttzender feftfteüte, sich mit größter Energie für diese Vergleichslösung einsetzen werde, die, wie die Zustimmung der preußischen Staatsregierung zu diesem Vorschlag im Reichsrat wohl vor aller Oeffentlichkeit beweise, das Staatsinteresse genügend wahre.
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Strefemanns Ankündigung ist für das Schicksal der Frage der Fürstenvermögen von großerBe- d e u t u n g. Es ist gut, daß sie erfolgt ist. In Höchster Zentrumskreisen hatte die Befürchtung, die Volkspartei werde überhaupt nicht für eine gerechte Regelung der Fürstenangelegenheit zu haben fein, schon zu sehr unliebsamen Beschlüssen geführt, die jetzt wohl gegenstandslos sind.
zu stellen, und sich zu bemühen, wieder eine normale Finanzlage zu schaffen. In den parlamentarischen Kreisen rechnet man, wie Havas mitteilt, damit, daß Briand fein Kabinett schnell zufammenbringen wird. Mehrere seiner bisherigen Mitarbeiter, wie Painleve, Laval und andere werde er beibehalten. Eine gewiße Anzahl von Portefeuilles werde er Vertretern der Mitte, wie Poincare und Bokanowski, anbieten. Sollte, was man für ziemlich unmöglich hält, Briands Mission mißsingen, so rechne man mit einem Kabinett Herriot. Wie Havas weiter mitteilt, hat Briand die Kabinettsbildung grundsätzlich übernommen, ober feinen Wunsch zum Ausdruck gebracht, sich mit seinen Freunden zu besprechen, ehe er eine endgültige Antwort erteile.
zur Sicherung des Betriebs und zur Erhaltung der Dienstsähigkeit des Lokomotivpersonals notwendig ist. Angesichts der weiteren, durch die deutsche Reichsbahn- Gesellschaft getroffenen Maßnahmen hinsichtlich der Sparwirtschast beim Lokomotivpersonal, der Verstärkung der Züge und der unzureichenden Besetzung der Loko- Motiven kann die Schuld an einem Eisenbahnunfall einzelnen Personen nicht zugeschrieben werden. Der erweiterte Hauptvorstand protestiert deshalb aufs schärfste gegen die weitere Jnhafthaltung des Lokomotivführers Aubele von Rosenheim; dieser soll den Unfall in München-Ost verscknildet haben, ohne daß für diefe Behauptung der geringste Beweis vorliegt. Der erweiterte Hauptvorstand bringt ferner zum Ausdruck, daß es durchaus im Interesse des Eisenbahnbetriebs und des reisenden Publikums liegt und gelegen hätte, wenn die von der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer vorgettagenen Vorschläge eine bessere und der Schwierigkeit des Eisenbabnbet'-i-bs entsprechende Beachtung gefunden hätten. Die Gewerkschaft hält es für eine zwingende Notwendigkeit, daß ihre Amegung die erforderliche Beachtung feiten der Deutschen Reichs- babn-Celellschaft erfährt»
Deutsch-franz, Handelsvertrag.
Wie cms Berlin gemeldet wird, hat das Reichskabinett m seiner Mittwoch-Sitzung beschlossen, daß Ministerialdirettor Posso wieder nach Varis fahren soll, um die Verhandlungen über den deutsch-französischen Handelsverttag weit er zu- führen. Von dem Verlauf der dortigen. Emzel- verhandlungen werde der Umfang des provisorischen Handelsvertrages abhängen. Wie die „Voss.Z.tg., wissen will, seien die Bedenken innerhalb des Kabinetts wegen eines Wirtschaftsprovisorium zurück- gestellt worden, da ein allgemeines polt- tisches Interesse bestehe, den Wittschaftsver- kehr mit Frankreich in möglichst weitem Umfange zu sichern. _______
* Rücktritt des österreichischen Unterrichtsminister. Bundespräsident Hainisch enthob den Bundesministet Schneider seinem Wunsche entsprechend von seinem Amte. Mit der vorläufigen Weiterführung der Ge» schäfte wurde der Minister für soziale Verwaltung, Resch, betraut. Zugleich sprach Bundespräsident Hainisch dem zurückgetretenen Minister den Dank für seine hingebungsvolle und unermüdliche Arbeit im Dienste der Republik ans.
Amerika, Brasilien und Völkerbunds
Der amerikanische Gesandte in Rio de Janeiro demontierte in einem an das Staatsdepartement gerichteten Telegramm die Nachricht, daß er dem Präsidenten Bernardes zum Austritt Brasiliens aus dem Völkerbund feine Glückwünsche ausgesprochen hätte. „Associated Press" meldet, daß Staatssekretär Kelogg und andere Beamte des Staatsdepartements die Veröffentlichung eines offiziellen Dementi der Gerüchte, daß die Washingtoner Regierung auf Brasilien in dieser Frage eingewirkt hätte, für vollkommen überflüssig halten.
* Zur Regierungsbildung in China. Aus P eking wird gemeldet: Wellington Koo hat den Posten eines Finanzministers angenommen. In gut unterrichteten Kreisen glaubt man, daß er gegebenenfalls zum Ministerpräsidenten ernannt werden wird.
* Chile will Tacna Arica wiederbesetzen? Aus gut unterrichteten Kreisen verlautet, daß Chile infolge des Scheiterns des Planes einer Volksabstim- mung die Absicht habe, das umstrittene Gebiet wieder militärisch besetzen zu lassen. Das chilenische Volk sei der Meinung, daß seine Souveränität über Tacna Arica solange uneingeschränkt bleibe, bis die Volksabstimmung vorgenommen sei.
Das Schicksal 5lbd el Krims.
Wie die Zeitungen aus Madrid melden, beschloß der Ministerrat einstimmig die spanische Abordnung bei der Pariser Marokkokonferenz dafür zu beglückwünschen, daß sie bereits bei der ersten Besprechung erreichte, daß die Frage der Behandlung Abd el Krims den Vorrang erhielt. Die von französischen Kreisen unmittelbar nach der Unterwerfung Abd el Krims gehegte Meinung scheint sich geändert zu haben und sich der von dem spanischen Kabinett verfochtenen Auffassung zu nähern.
Wie Havas aus Rabat meldet, finden in der Gegend von Fez zwischen verschiedenen Stämmen Kämpfe statt, in denen die Beni Khadid angegriffen hätten. Die spanischen Streitkräfte hätten im Frontabschnitt von Taza das Dorf Hamman besetzt.
* Faszisttscher Angriff auf eine Prozession. Der „Oftervatore Romano" beklagt, daß in Livorno gelegentlich einer Prozession am Oktavtage ein Sturmtrupp, der allerdings nicht offiziell zur Faszistischen Partei gehört, in die Prozessionsord- nung eindrang, junge Leute katholischer Vereine verprügelt, kirchliche Fahnen fortgetragen und die Musikkapellen in der Prozession gezwungen habe, profane Stücke zu spielen, die ausdrücklich durch das Kanonische Recht verboten seien. Dieses faszistische Vorgehen habe eine Panik unter den Prozessionsteilnehmer verursacht. Die Frauenvereine seien auseinandergetrieben worden und in wirrem Durcheinander geflohen. Das päpstliche Blatt bedauert, daß die Polizei nicht einggriffen habe und auch bis zur Stunde nicht gegen die Ruhestörer vorgegangen fei. Der Bischof von Livorno hat sämtliche kirchlichen Prozessionen in der Stadt verboten.
Sum Eucharistischen Kongreß.
Abreise der europäischen Kardinäle aus Newyork.
W. T. B. meldet aus Newyork: Die in New- Port weilenden neun Kardinäle, darunter Kardinal Faulhaber, und ihre Begleitung reisten von Newyork in einem Sonderzuge nach Chi- kago ab. Auf ihrem Wege zur Bahn wurden sie von Tausenden, die die Sttaßen zum Bahnhof umsäumten, lebhaft begrüßt. Faulhaber begab sich allein von Brooklin aus, wo er sich incognita auf gehalten hatte, zum Zuge. Faulhaber trug die Kardinalsrobe, und erteilte auf einer Station der Menge, die ihn begrüßten, den Segen.
Schule und Kirche.
Der preußische Kultusminister hat auf eine sozialdemokratische Anfrage über die Untrennbarkeit der Kirchenaussicht vom Religionsunterricht folgende Antwort erteilt: Die Teilnahme von Lehrern an kirchlichen Veranstaltungen außerhalb der Schule ist stets freiwillig. Zur Teilnahme an den Schulfeiern mit religiösem Charakter, gleichviel ob sie in der Schule selbst ober in einer benachbarten Kirche, ob sie am Werk- oder Sonntage stattfinden, können Lehrer, soweit sie nicht von der Erteilung des Religionsunterrichts befreit sind, verpflichtet werden.
Briavd wurbe mit der
beauftragt.