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FuldaerZeitung

Anzeiger für die Staöf und den kreis Fulda. Amtliches kreisblall.

Nr. 134»

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilaaen- Illustrierte Bei­lage" nnb .BuchenblLtter". Rotationsdruck und Berlag der

Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. sserulvrecher Nr. 9- Monatlicher BernasVreiS: 1.50 Mt.

Sonntag, 13. Juni 1926.

"nreiaen- Preis« Kleinteile tColonel) okal 0,l5 Reicbsmar! t auswärts 0M Reichsmark. Reklamereil« lokal ".6 ReichSmar auswärts 0.80 Reichsmark-

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jahrg. 53.

Spannungen.

Mahnung zur Besonnenheit.

Aus dem preußischen Landtag wird uns geschrieben:

Es verstärkt sich immer mehr der Eindruck, daß wir uns einer politischen Situation nähern, die bis zum Zerreißen gespannt ist. Man kann beinahe von Glück sagen, daß wenigstens die Parlamente in der letzten Woche vor dem Volks­entscheid in die Ferien gehen, sonst müßte man die Befürchtung aussprechen, daß gerade von ihnen Wirkungen ausgehen könnten, die die Gesamtlage weiter verschärfen.

Mer auch so bleibt genug übrig, daß alle Be­sonnenen mahnt, die Aufregung nicht zu vermehren und die Ruhe zu bewahren. Leider ist die Neigung dazu nicht sehr groß, und je länger, desto, mehr spielt insbesondere die Sozialdemokratie mit dem Feuer und scheint sich die größte Mühe zu geben, die Lage bis zum Bersten anzuspannen. Das Echo auf der anderen Seite ist natürlich nicht ausgeblieben, und so boten die letzten Verhand­lungen der beiden großen Parlamente in Berlin beinahe genau dasselbe Bill). Wobei im Preu­ßischen Landtag noch der Umstand hinzu kam, daß man eine Hindenbur g-Debatte mitten im Justiz- etat an den Haaren herbeizog und die Gelegenheit zu einem politischen Skandal auf das reichlichste ausmitzte.

Aber das ist ja gerade em Symptom für die bestehenden Spannungen und ein Beweis, dafür, daß aus kleinen Anlässen auch sehr unliebsame politische Folgen entstehen können. Was in den Wandelgängen des Preußischen Landtages und auch des Reichstags unmittelbar nach der Sturmsitzung für Kombinationen erzählt und geglaubt wurden, beweist lediglich, daß man bei Spannungen, wie sie gegenwärtig vorhanden sind, zwar den Anfang, aber niemals das Ende sehen kann.

Gerade aus diesen Gründen kann die Mah­nung zur Besonnenheit nur wiederholt wer­den. Der unglückselige und nur allzu sehr geglückte Versuch des Herrn von Loebell, den Reichs­präsidenten in die Debatte zu ziehen, hat nicht nur die Gegensätze des Präsidentenkampfes wieder aufgerührt, sondern sie unglücklicherweise mit den niindestens ebenso starken Spannungen der Fürsten­abfindung verbunden, sodaß eine Lage entstanden ist, aus der politische Folgerungen von stärkstem Ausmaß entstehen können. Wenn nicht alles täuscht, steuern wir mit dem 20. Juni einer Situation zu, die an Intensität des politischen Interesses sich nur schwer mit irgend einem Er­eignis der nachrevolutionären Zeit vergleichen läßt.

Es liegt auf der Hand, daß in einem solch kritischen Augenblick der Zentrumspolitik eine besonders schwere Aufgäbe zufällt. Sie besitzt dazu glücklicherweise die volle Eignung, da sie nach rechts und links sowohl im Reiche wie in Preußen mäßigend wirken kann,. Das ist bei der aufgeregten Sitzung des Preußischen Landtags vom 10. Juni und der Reichstagssitzung vom glei­chen Tage in hervorragender Weise geschehen, und wenn das Aergste verhindert wurde, so war das nur dank der bewußt entspannenden Haltung und des Ansehens der Zentrumspartei möglich. Auch wir sind der Ueberzeugung, daß an der grundsätz­lichen Austragung des Kampfes nichts zu ändern ist und daß die Ereignisse ihren Gang gehen. Mä­ßigender Einfluß kann lediglich auf die Methoden geübt werden. Aber daß gerade auch sie dazu bei­tragen, den grundsätzlichen Kamps zu erleichtern, wird niemand abstreiten können. ,

Wir müssen über den Berg des 20. Juni so ober so hinweg. Seine Bedeutung mag noch so groß sein, höher als das Fürstenvermögen und alles, was damit zusammenhängt, steht die Zu - kunftunddasWohldesdeutschenVol- k e s! Haß und Leidenschaft haben den 20. Juni zu einem Schicksalstag und zu einer Klippe für oas deutsche Volk und sein Ansehen in der Welt ge­macht. Auf dem Boden der Extreme kann der Kamps nicht ausgetragen werden. Aber vielleicht ist der Kampf der Extreme miteinander notwendig, ist die Messung ihrer Kräfte zweckvoll, um den Weg der Mäßigung und der Mitte erst gangbar zu machen.

windthorstbund und Volksentscheid.

Don der Reichsgeschäftsstelle der Deutschen Windthorstbunde wird uns mitgeteilt: -

Durch die Presse geht eine Meldung, daß von einem „Reichsausschuß der katholischen Jugend zum Schutze des 7. Gebotes gegen die Fürsten em Auf­ruf erlassen worden sei mit der Aufforderung, am 20. Juni mit Ja zu stimmen; dieser Aufruf sei auch von Ortsgruvven des Windthorstbundes über­zeichnet worden. Wir stellen dazu folgendes fest:

1. Ein derartiger Aufruf, zustandegekommen durch das Vorgehen von Einzelpersonen aus ver­schiedenen Jugendbunden ist in der Tat m diesen Tagen in Berlin erschienen. Ihm haben sich auch einige Windthorstbündler angeschlossen.

2. Windhorstbund-Ortsgruppen haben sich diesem Vorgehen nicht angeschlossen. Unter dem Aufruf verzeichnete Wmdthorstbund- Ortsgrupven sind also unrechtmäßiger Werse unter den Aufruf gesetzt worden.

Die Erwartung des Reichspartei - Vorstandes, daß die Zentrumsangehörigen am 20. Juni dem Volksentscheid nicht zustimmen, wie es in seinem Beschluß vom 19. Mai festgelegt ist, gilt selbst­verständlich auch für den Reichsver­band der Deutschen Windthor st Kunde.

* Flucht der bayerischen Abgeordneten Schlaffer Und Götz. Wie die I n ns b r u ck e r Blätter mel­den, sind die beiden kommunistischen Abgeordneten des Bayerischen Landtages, Schlaffer und Götz, die wegen Hochverrats zu längerer Gefängnisstrafe verurteilt worden waren, nach Innsbruck fye» jlucht st, *

Vie russischen Streikgelder.

Britische Protestnote an die Sorvjekre^erung.

Wie Reuter erfährt, hat die britische Regierung nunmehr einen endgültigen Beweis in Händen, daß ein Teil des dem Gewerkschaftskongreß während des Generalstreiks angebotenen Geldes von der Sowjetregierung selbst stammt. Es ist beschlossen worden, an die Sowjetregierung eine Rote zu senden, in der Einspruch erhoben wird gegen ein Vorgehen, das als ungerechtfertigte Cin- mifchrmg m innere Angelegenheiten Großbritan­niens angesehen roirb. Die Rote ist bereits nach Moskau unterwegs. Der Grund da­für, daß nicht früher ein Schritt unternommen wurde, ist der, daß die britische Regierung zunächst noch keine volle Sicherheit über ihre Unterlagen hatte. Als sich eine endgültige Bestätigung für die Verantwortlichkeit der ©ojroetregierung ergab, war man der Ansicht, daß es unmöglich sei, den Dingen weiter freien Lauf zu lasten.

‘ Der Inhalt der Note.

wtb. Berlin, 12. Juni. (Eig. Funkm.) Der „B. Z." zufolge meint der diplomatische Korre­spondent des „Daily Telegraph", daß die Rote kein Ultimatum datstelle, sondern nur eine Präliminarnote sei. Die Note soll der Sow­jet-Regierung einen höflichen aber bestimmten Wink übermitteln, daß, falls sowjetrussisches Geld weiter­hin den englischen Bergarbeitern übersandt werde, Moskau einen weiteren und stärkeren Protest er­warten könne, der einem Ultimatum gleichkommen würde und einen Abbruch der diploma­tischen Beziehungen in sich schließe. Es werde jedoch betont, daß dieser Zustand noch nicht erreicht sei und daß man hasse, daß die gegenwärtige Warnung genügen werde.

Dementi des russischen Geschäftsträgers.

Der Geschäftsträger der russischen Botschaft in London läßt durch die Presse eine Erklärung veröffentlichen, in der es heißt, daß die Sowjet­regierung niemals irgendwelche Gelder einem britischen Streikfond überwiesen hat.

Zur Marokkostage.

Abreise der spanischen Delegation zu den pariser Verhandlungen.

Havas berichtet aus Madrid: Eine spanische Delegation, der General I o r d a n a als Vorsitzen­der, ferner Oberst Drang und Lopez Olivan angehören, hat Freitag abend nach Paris begeben, um an den französksch-spanischen Verhandlungen über Marokko teilzunehmen. Weitere Verhandlun­gen sollen, wie Hamas berichtet, sich auf die schon bekannten'Fragen, nämlich die Verantwortlichkeit Abd et Krims und feiner Helfer, die Abgrenzung des von den Stämmen nördlich von Ouergha be­setzten Gebietes und auch das auf sie anzmoendende Regime beziehen.

Das geschieht mit Abd el Krim?

Wie Havas mitteilt, darf man nicht erwarten, daß Abd e l Krim, der ein Führer der Rebellen gewesen fei, mit dem gleichen Wohlwollen behandelt werde, wie es die französische Regierung M u l a y H a s i d habe angedeihen lassen, dessen Würde als Sultan man habe respektieren müsse. Die Höhe des Abd el Krim zu belassenden persönlichen Ver­mögens fei noch zu bestimmen. Es sei nicht un­wahrscheinlich, daß ein Teil seines Vermögens dazu verwendet werden solle, die FamMn der spani­schen Offiziere zu entschädigen, die infolge schlechter Behandlung in der Gefangenschaft gestorben seien. Was den Ort anbetreffe, an den Abd el Krim depor­tiert werden solle, so spreche man in amtlichen Krei­sen von Korsika. Jedenfalls werde es Abd el Krim keineswegs gestattet fern, auf muselmanischem Gebiet Wohnsitz zu nehmen.

Die Lage in Syrien.

Nach einer HavasMeldung aus Beirut keh­ren die Bewohner der kürzlich von den Franzosen eingenommenen Festung S a l p h a d in ihre Woh­nungen zurück. Die Notabeln hätten sich zu einem loyalen Verhalten verpflichtet. Die Revolutionäre seien nunmehr endgültig zur Crsolglosigkeft ver- urteilt.

Die englische Orientpolitik.

Don einem besonderen diptomatischen Mitarbeiter.

Der eben abgeschlossene Mossulfriede läßt den Augenblick als gegeben erscheinen, einen Heber» blick über die englische Orientvolitik feit Abschluß des Weltkrieges gu werfen. Diese teilt sich invierEpochen:

1. Der Zeitraum von dem Zusammenbruch der Türkei ist zur Katastrophe Griechenlands bei Eski-Schehir.

In dieser Epoche versuchte England seine politi­schen und wirtschaftlichen Ziele dadurch zu errei­chen, daß die türkischen Gebiete so gut wie auf ge­teilt, Konstantinopel internationalisiert, d. h. dies­falls britannifiert werde und daß der Rest des so­genannt souveränen türkischen Gebietes mit der Zeit ein englischer Vasallenstaat werde, der etwa so bevormundet gewesen wäre, wie die arabischen Fürstentümer oder das Mesopotamien des König Feissal.

2. Die penetration pacifigue. Diese Epoche reicht von Eski-Schehir bis zum Abschluß des Lausanner Friedens und charakterisiert sich dadurch, daß England dasjenige, was es durch den militäri­schen Druck seiner Schildknappenstaaten nicht er­reichen konnte, nunmehr durch angelsächsi­sches Kapital erreichte; kurz die Türkei würde aus einer francophilen Orientierung in eine anglo- phile über geleitet; da sie ihre politische Selbständig­keit am Schlachtfeld von Eski-Schekir wieder er­reichte, sonach nicht Schutzstaat werden konnte, so erzielte man die Abhängigkeit unter wirtschaft­lichen Gesichtspunkten im Wege des angelsächsischen Weltkapitals. Dazu ließ man die politischen Mo­mente fallen, was durch die Ersetzung des Begriffes Internationalisierung Konstantinopels durch das Meerengenstatut geschah. Wirtschaftlich schloß man das Abkommen über die anatolischen Bahnen, li­quidierte mit nobler Handbewegung die Vergan­genheit (Koupon-Rechts und andere Fragen) und arbeitete nach dem allen Grundsatz, daß der mit Gold beladene Esel jede Mauer überklettere. Zwi­schen den beiden Lausanner Konferenzen wurde die francophlle Politik Angoras aus dem Feld geschla­gen, weil es der Türkei sinnfällig wurde, daß die Zukunft der Angora-Türkei nicht in fallweisen fran­zösischen Rüstungsanleihen, sondern in großzügigen englisch-angelsächsischen, und durch diese internatio­nalen Kapitalinvesttionen gelegen ist.

Aus diesem Verhältnis Englands zwischen den beiden und während der zweiten Lausanner Kon­ferenz, konnte man in den unklarsten Tagen des Mossulkonfliktes die Erwartung schöpfen, daß auch dieser Konflikt friedlich beigelegt werde. Das eng­lische Weltkapital hatte es nicht notwendig, die penetration pacifique durch militärische Maßnah­men zu erkämpfen, da sie durch das Aufwenden von Inoestitionskapital in der friedlichsten Weife gleich­sam als reife Frucht den Engländern in den Schoß fiel.

3. Die dritte Periode reicht vom Abschluß desLausannerFriedensbiszu dem eben unterzeichneten Mossulfriede n. Sie teitl sich in zwei Unterschiede, einmal die Fesfftellung eines englischen Rechts st andpunktes, was durch den Völkerbundsentscheid vom 15. Dezember 1925 gefchah und sodann der Geltendmachung dieses Schiedsspruches. Dazu verwandte England sein altes Mittel der Koalitionsvereinigung, um der

Türkei sinnfällig zu machen, daß England gewillt ist, Rechtsstandpunkt und penetration pacifique bei vollständiger Aufrechterhaltung der Souveränität der Türkei durchzuführen. Nur wenn die Türkei diese freundschaftliche penetration pacifique ableh­nen würde, soll sie ebeen auch politisch erliegen.

Es war klar, daß die Türkei ebenso wie England die friedliche Regelung vorziehen würde. Die Nah­rung der Welt durch die „italienische Gefahr" war für England Ablenkungsmannöver und Einschüch- terungsverfuch zugleich. Beides fft glänzend ge­lungen und 99 Prozent der „Weltmeinung" sind irregeführt.

4. Die vierte Epoche beginnt mit der Unter­zeichnung des Mofsulfriedens und mit der Unter­zeichnung des englisch-türkisch-irakisch- persischen Garantie- und Sicherheits­paktes. England gibt damit der Penetration pa­cifique der Türkei einen größeren — man kann sagen vorderasiatischen — Rahmen. Das ganze Ge­biet wird wirtschaftlich zusammengefaßt. Da bet Garantiepakt auf 10 Jahre läuft, scheint man diese Zeitspanne zur wirtschaftlichen Verwachsung (soweit diese das englische Interesse fordert — nicht einen Schritt darüber hinaus —) als genügend anzusehen. Da man jedoch Irak auf weitere 25 Jahre in der Hand hat — also um 15 Jahre länger als den Garantiepatt — und die Oelkonzessionen der Türttsh Oil Company 70 Jahre dauern um dann an den Jrakstaat überzugehen, so ist der Schluß vollkommen gerechtfertigt, daß hier die einleitenden Schritte Englands vorliegen, ohne Umweg über die Der- wallungsform einer Kolonie, eine Art Dominion zu schaffen, das etwa den Rahmen von Kanada und Austtalien einnimmt. Dies wäre die erste Phase dieser vierten Epoche.

Die zweite Phase, welche mit diesen Plänen zeitlich parallel laufen kann, ist die Erweiterung des vorderasiatischen Rahmens in ein zentral- asiatisches Locarno, d. h. dem genannten vorderasiatischen Garantiepatt müßten Afghanistan und Sowjetrußland beitreten. Jedenfalls steht fest, daß England nunmehr den gesamten Orient vom Roten Meer bis an die indische Grenze und vom Roweit bis zur russischen Grenze beherrscht und da­rin von niemanden gestört werden tarnt.. Diese Penetration pacifique stellt weniger ein politisches, als vor allem ein wirtschaftliches Geschäft aller­ersten Ranges dar. Die englisch-russische Verstän. bigung, welche nach bet Abriegelung Rußlands in' China genau so wie 1907 (persisches Abkommen, nach dem Fehlschlag des russisch-japanischen Krieges 1905) von Zentralasien seinen Ausgang nehmen muß und wird, soll England nicht nur die Sicher­heit feiner vorderasiatischen und zentral - asiatisch- indischen Grenze bringen, sondern auch dem angel» sächsischen Weltkapital das russische Geschäft.

Die verschiedenen englischen„Studienkommissi- onen" weisen unbedingt auf die Tendenz eng­lisch-russischer Annäherung hin; alles an­dere (Ranbitaatenblock) ist genau so Hilfsmittel, um Rußland für den Sprung über die Hürde gefügiger zu machen, ihm das Zuckerbrot russisch- englischer Annäherung wünschenswerter erscheinen zu lassen, genau so eine Irreführung über die wirk- lichen Msichten Englands, wie die italienischen „Angriffsabsichten" in Kleinasien während des

Deutscher Reichstag.

Vor Eintritt in die Tagesordnung am Freitag lügt Präsident Löbe nochmals die Zwischenrufe des Abg. Rosenfeld in der Donnerstagsitzung. Auf der Tagesordnung steht das Luftfahrtabkommen mit der ■ Botschafterkonferenz, das ohne Debatte dem Aus­schuß überwiesen wurde. Es folgte bann die

Abstimmung über den kommunistischen Miß trauens an trag,

der mit großer Mehrheit abgelehnt wird. Das Haus beschäftigte sich dann mit dem Bericht des Verkehrs- ausschusies über den Lippe-Seitenkanal. Der Ausschußanttag wird angenommen, ebenso ein wei­terer Antrag, der Verbesierung der Zugverbindung auf der Strecke Berlin-Schneibemühl-Danzig verlangt. Es folgte dann die zweite Beratung des Geietzentwurfs über die Gewährung von Darlehen zur Hebung der landwirtschaftlichen Er­zeugung. Nach einer kurzen Debatte über diesen Gegenstand schließt Präsibenl Löbe um 3.40 Uhr die Sitzung und ruft auf 3.50 Uhr eine neue ein. Auf der Tagesordnung steht zunächst der Bericht des Ge­schäftsordnungsausschusses über die Anträge zur Strafverfolgung von Abgeordneten. Ohne weitere Debatte wird gegen die Stimmen der Kom­munisten der Antrag angenommen, der die Geneh­migung zur Strafverfolgung des Abg. Kube aus­spricht. ES folgt ein Bericht des Volkswirtschafts­ausschusses über die Anträge, die sich auf die Liefe­rungsbedingungen der Kohlensyndikate belieben. Der Ausschuß hat die Anträge durch die inzwischen vorn Retchskohlenchndikat beschlossenen Grundsätze für er­ledigt erklärt. In der sich anschließenden Debatte beklagt ein sozialistischer Abgeordneter die zu hohen Zinssätze, die von landwirtschaftlichen Genossenschaften erhoben würden. Es folgt dann die dritte Beratung eines Antrages Schuldt (Dem.) der die zwei­monatige Gehaltszahlung an die Beamten zur Wiedereinführung der vierteljährlichen Gehalts­zahlung verlangt. Die Entschließung des Ausschusses wird angenommen. Nach 6 Uhr vertagt sich das Haus auf Montag de« 21. Juni.

Die tschechische Zollvorlaae.

Eine 21stündige Dauersitzung. — Tumult im Prager Abgeordnetenhaus.

wtb. Prag, 12. Juni. (Gig Funkm.) Die gestern vorn Abgeordnetenhaus um 9 Uhr früh begon­nene Debatte über die Zollanträge fand heute früh 6 Uhr ihren Abschluß. Als der Bericht- erstatter des Landwirtschaftlichen Ausschusses nach einer Pause von 10 Minuten die Rednertribüne beftieg, erhoben die kommunistischen Abge­ordneten einen ungeheurenLärm. Der Ver- üdj mehrerer kommunistischer Abgeordneter, zur Rednertribüne vorzudringen und dem Bericht­erstatter das Schlußwort unmöglich zu machen, wurde von der Parlamentswache verhindert. Zwi- schen den Ministerbänken und den Kommunisten kam es zu schar fen Zusammenstößen. Die Worte des Berichterstatters gingen in dem unge­heuren Lärm unter. Kurz vor Schluß der Sitzung beantragten die Kommunisten, daß der Minister­präsident erscheinen solle, um Aufklärung über die gestrigen Vorgänge bei den Prager kommunistischen Demonstrationen zu geben. Sozialistische Abgeord­nete verlangten die Demission der Regierung, wäh­renddessen sich der Lärm zeitweise wieder steigerte. Endlich verstummte das Pfeifen, Glockenläuten und Pultdeckelgeklapper auf das Glockenzeichen eines kommunistischen Abgeordneten hin. Um 6.15 Uhr mußte der Präsident die Sitzung schließen und eine neue auf 6.35 Uhr anberaumen. Zur Zeit, um 11 Uhr vormittags, ist die Sitzung aber noch nicht wieder aufgenommen worden.

Demonstrationen und Zusammenstöße.

Arn Freitag fand in Prag die angekündigte kommunistische Veranstaltung gegen die Agrarzölle statt, bei der mehrere Redner sprachen. Der Versuch eines Umzuges der Kommunisten wurde durch die Polizei verhindert, wobei diese mit, Steinen bewor­fen wurden. Einige Zivllisten sowie einige Wacht- leute wurden verletzt, ein Wachtmaun sogar schtver. — Die Polizei veröffentlicht folgenden Bericht über die Zusammenstöße mit Kommunisten. Nach Schluß der kommunistischen Volksversammlung harten die Teilnehmer die Absicht, sich zu einem Zuge durch die Stadt zu formieren. Wachtlente zu Fuß und zu Pferde stellten sich ihnen in den Weg, um ihren nicht bewilligten Umzug zu verhindern. Darauf fuhren zwei mit Versammlungsteilnehmern vollbe­setzte Lastautomobile in den Polizeikordon hinein, um diesen zu durchbrechen und damit den Weg für die Demonstranten freizumachen. Die Automobile wurden von der Polizei angehalten und sämtliche Insassen verhaftet. Nun ging die Menge gegen die Wachtlente vor und bewarf sie mit Steinen, Fla­schen, Eisenstücken usw. Die Beamten sahen sich darauf gezwungen, von ihrem Gummiknüppel Ge­brauch zu machen. Es gelang ihnen schließlich, die Demonstranten zu zerstreuen. Jedoch bildeten sich noch überall Heinere Gruppen, die gegen die Polizei vorgingen. In einem Falle war die Polizei gezwungen, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Insgesamt sind bei den Unruhen 59 Wachtlente verwundet worden, einer davon schwer. In die Prager Kliniken wurden bisher drei Zivil­personen eingeliefert. 59 Demonstranten wurden wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt fest- genommen. Gegen 9 Uhr abends war in ganz Prag die Ruhe wieder hergestellt.

Ungarischer Protest gegen die tschechischen Agrarzolle.

Im Verlaufe einer Unterredung, die der un­garische Gesandte in Prag dieser Tage mit dem Vertreter des Außenministers Benefch hatte, er­hob der Gesandte, wie erst jetzt bekannt wird, na­mens der ungartschen Regierung gegen die geplan­ten tschechischen Agrarzölle Protest.