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FuldaerZeitung
Anzeiger für die Sfabf und den Kreis Aulda. Amtliches Kreisblakl.__
Zahrg. 53.
Donnerstag, 10. Juni 1926
Nr. 131
Zahlenmäßiges zum Volksentscheid
Daily
Reichstagsfraktion
Mißtrauen s-
feien im Rechtsnusschuß, an überniesen werben soll.
Neue Kämpfe im Nif.
wtb London, 9. Juni. (Eig. Funkm.)
* Immunität des Abg. Kube ausgehoben. Der Geschäftsordnungsausschuß des Reichstages beschloß am Mittwoch im Plenum die Aufhebung der Jmmuntät des Abg. Kube zu beantragen, bannt die Strafverfolgung gegen ihn wegen Hochverrats eingeleitet werden kann.
rung um möglichst schnelle Verabschiedung der Vorschläge ersucht. Die Frage der Präambel, durch die das Gesetz des verfassungs- ändernden Charakter entkleidet werden soll, so daß es mit einfacher Mehrheit angenommen werden kann, wird nicht von der Regierung aufgeworfen
a n t r a g gegen die Regierung Marx einbringen, der bei der Beratung über das neue Fürstenkompromiß am Donnerstag dieser Woche mit zur Verhandlung im Reichstage stehen wird.
Umbildung des Kabinetts Vriand?
wtb paris, 9. Juni. (Eig. Funkm.) Die Havas- Agentur berichtet, daß Finanzminister Pe - r e t die Bildung eines Ministeriums der nationalen Einheit vorschlagen werde. Ein derartiges Ministerium, das sich auf eine große Mehrheit stütze, könne leicht den Finanz-Sanierungs- Plan verabschieden. Wenn man dem Plane zustimme, dürfte notwendigerweise die Kollektiv-Demission des Kabinetts erfolgen, damit B r i a n d das neue erweiterte Ministerium bilden könne. Andernfalls müßte man die Frage stellen, ob der Finanzminister bei seiner Ansicht, das Finanzporte- seuille unter diesen Umständen abzugeben, beharren werde. ,
* Lord Willigdon Generalgouverneur von Kanada. Der frühere Gouveneur in Indien, Lord Willigdon wurde zum Generalgouverneur von Kanada ernannt.
Das katholische Volk, ohne Rücksicht auf seine Barteiftellung ro:rb nicht im unklaren darüber sein, ob ->s süb in dieser Fraoe hinter die religiös- sittliche Anffasiunq seiner Bischöfe oder hinter jene der Kommunisten und Sozialdemokraten stellen will. Es handelt sich bei dieser Entscheidung nicht nur um das Fürsten ver- mögen, sondern um die Einstellung zum E i c» e n- tumsbegriff überhauvt. Die kommunistisch- sozialistische Auffassung über das Eigentumsrecht kann allo in Deutschland nur siegen, wenn etwa neun Millionen Stimmen aus dem bürgerlichen Lager zum Linksblock stoßen.
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Wie das Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zeitungsverleger erfährt, empfing der Reichskanzler die Vertreter der R e g i e ru ngs p a r- feien zu einer Aussprache über den Regierungsentwurf für die vermögensrechtliche Auseinandersetzung mit den ehemaligen Fürstenhäusern. Rach dieser'Besprechung soll die erste Lesung der Regie- rungsvorschläae am Mittwoch im Reichstagsplenum stattfinden. Die Negierung wird in einer Erllä-
Die Kommunistische Partei hat aus Anlaß des Briefes des Reichspräsidenten an Loebell eine Interpellation im Reichstage eingebracht, in der die Reichsregierung beschuldigt wird, in der Duellfrage und bei der Flaggen- ordnunq verfassungswidrig gehan- beit 3U haben, und in der sie ferner beschuldigt wird, das verfassungswidrige Vorgehen des Reichspräsidenten decken zu wollen. In der Interpellation wird die Reichsregierung weiter gefragt, ob sie bereit fei, ihr Verhalten sofort vor dem Reichstage zu verantworten.
Sie wollen keinen Frieden.
Die K. V. schreibt: Die Veröffentlichung des Hindenburgbriefes hat eine Verschärfung der Lage herbeigeführt. Bei der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, die geneigt war, ihren Kampf auf dem Boden der Sachlichkeit zu führen und auch parlamentarisch die Dinge nicht ,auf die Spitze zu treiben, hat eine radikale Stimmung Platz gegriffen. Nach dieser Richtung hat Herr v. Loebell jedenfalls zunächst einen Erfolg zu verzeichnen. Es besteht kein Zweifel, daß die Absicht der um den Präsidenten des Reichsbürgerrats befindlichen Kreise auf eine Zerstörung der g r o • ßen Koalition hinausläuft. Dis Gegensätze sollen aus Anlaß des Kampfes um den Volksentscheid unüberbrückbar vertieft werden, damit eine Heilung nach dem 20. Juni unmöglich ist. Diese Tatsache muß ganz klipp und klar herausgestellt werden, weil darin das wahre politische Ziel derjenigen gipfelt, die der Reichspolitik eine einseitige Festlegung nach rechts wünschen. Sie wollen den Frieden im Volke nicht.
Sachsen gegen den Flaggenerlatz.
Der sächsische Landtag nahm gegen die Stimmen der Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei sowie des Ministerpräsidenten Heldt einen Antrag an, die Regierung zu veranlassen, bei der Reichsregierung mit allem Nachdruck dafür ein- zutreten, daß der Flaggenerlaß der Reichsregierung baldig st zurückgezogen werde. Ministerpräsident Heldt hatte empfohlen, dem Antrag nicht zuzustimmen, da er durch die neue Entwicklung in gewisser Beziehung überholt sei.
Zwei liberale Parteien in England.
wtb London, 9. Juni. (Eig. Funkm.) Wie der Parlamentsberichtssrstatter der „Times" schreibt, sei die liberale Partei infolge der gestrigen Abstimmung der liberalen Parlamentspartei in der Frage der Differenzen zwischen den liberalen Führern hoffnungslos gespalten und es herrsche kaum noch Zweifel, daß sie in Zukunft a u s z w e t Gruppen bestehen werde, die in vielen Fragen im Unterhaus ganz unabhängig verhandeln werden. .....
Das neue polnische Kabinett.
Ministerpräsident Bartel hat die Neubildung des Kabinetts beendet. Im wesentlichen zeigt das neue Kabinett dieselbe Zusammensetzung wie das alte. Nur das Handels- und das Finanzminister,m sind neu besetzt worden. Dr. Kwiatkowski, Direktor der Chorkower Stickstoffwerke, wurde das Handelsmim- sterium und dem früheren Handelsminister im Kabinett Grabski Klarner dos Finanzministerium über, tragen. Zaleski bleibt weiter Leiter des Munsie- riums des Aeußern. Sonstige Veränderungen weist das neue Kabinett nicht auf. Der Sta atsp r äsident hat das Kabinett bestätigt.
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Oesterreich erlöst.
wtb Genf, 9. Juni. (Eig. Funkm.) Zu Beginn der heutigen Vormittags-Sitzung nahm der Volker- bundsrat eine von Chamberlain als Berichterstatter des Rats-Komitees für Oesterreich vorgelegte Entschließung an, wonach die Tätigkeit des General-Kommissars Zimmermann nut dem 30. Juni zu Ende geht, da die finanzielle Stabilität Oesterreichs nunmehr gesichert ift
Erscheint sechsmal wöchentlich Wochenbeilagen: Illustrierte Beilage" und .Buchenblätter". Rotationsdruck und ®erlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9- Monatlicher BerugSdreiS: 1.50 Mk.
Unruhen in Korea.
wtb. London, 9. Juni. (Eig. Funkm.) „Daily Expreß" meldet aus Tokio, die japanische Polizei habe in Korea als Vorbeugungsmaßnahme gegen antijapanische Kundgebungen anläßlich des Staatsbegräbnisses des Prinzen Pi umfangreiche Verhaftungen vorgenommen. Angeblich war geplant, die Japaner aus Korea zu vertreiben und dort eine Sowjet-Regierung zu errichten. Die Zahl der Verhafteten in Söul beträgt angeblich 300. Die Regierungsgebäude in Söul werden geschützt und im Hinblick auf die am Donnerstag zu erwartenden Unruhen von 3000 Polizisten bewacht.
Waffenbeschlagnahme in Singapore.
An Bord des Dampfers „Carnarvonfhire" wurden 53 automatische Pistolen und 23 Munitionskisten, die aus Europa kamen, beschlagnahmt. Man glaubt, daß die Revolver und die Munition aus Amsterdam stammen. Drei chinesische Mitglieder der Besatzung wurden verhaftet.
werden, sondern von den Regierungspa r- den die Vorlage
aus den Parlamenten.
Deutscher Reichstag.
Die zweite Beratung der. Novelle des Re.chs- knappgesetzes wurde am Dienstag fortgesetzt. Reichs- arbeitsmüiister Dr. Brauns führt in der Debatte u. a. aus: Die von Arbeitergeberseite verbreitete Schätzung der Neubelastung durch die Novelle zum Reiä«knappschaftsgesetzes stützt sich nictn auf stichhaltige Unterlagen. Die Arbeitgeber oe- rechneten Beitragserhöhungen, die später beschlossen werben könnten. Um solche ungelegten Eier solle man sich doch nicht kümmern. Ein kommumstlscher Abgeordneter erinnert an den englischen General- streik unb meint, die deutschen Bergarbeiter würden bald diesem Beispiel folgen. Nach kurzer Debatte schließt die Beratung und die Weiterberatung wird auf Mittwoch vertagt.
preußischer Landtag.
Vor ©tnfrift in die Tagesordnung am Dienstag verlangt der kommunistische Abg. Abel daß als erster Punkt em Antrag seiner Fraktion behandelt wird, der sich dagegen wendet, daß die Hörden in Niedersachsen Sammlungen zur Durchsuh- runo des Volksentscheids verboten haben.. Es folgt eine kleine Debatte über diesen 2!ntrag,’.n ber ote Handlungsweise des Oberpräsidenten Noske rnti- fiert wird. Der kommunistische Antrag wird dann dem Rechtsausschuß überwiesen urfb die Zweite Beratung des Justizhaushalts fortgesetzt.
Nach kurzer Debatte nimmt das Haus ine Abstimmungen zur zweiten Beratung der
Hauszins st euer
vor. Die einzelnen Positionen werden nach dem Beschluß des Hauptausschusses angenommen.
Das Haus setzt dann die zweite Beratung des Justizhaushalts fort. Staatssekretär Fritze äußert sich zu der Verhaftung des Redakteurs Lyons. Wenn die Kommunisten verlangten, daß Ehrharol oerhaftet werde, so vertrage-das sich nicht mit wnm neuerlichen Antrag auf Straffreiheit für famthcbe politische (Befangene. Ein Abgeordneter der Wirtschaftlichen Vereinigung verlangt eine letzte Instanz für Aufwertungsfragen. Das Haus vertagt sich auf Mittwoch.
Geschäftsabschluß der Reichsbahn. 156 Millionen Reingewinn.
Die Deutsche Reichsbahngeselffchaft legt jetzt dön I ersten nach kaufmännischen Grundsätzen aufgestellten Jahresabschluß für ihr erstes, vom 1. 10. 1924 bis 31. 12. 1925 reichendes Geschäftsjahr vor. Der Be- Iriebsabschluß weist an Gesamteinnahmen 5,688 Milliarden RM., an Gesamtausgaben 4,8 Milliarden RM. aus, und zwar von letzteren 3 Milliarden persönliche, 1,8 Milliarden sachliche Ausgaben. Für die ausreichende Unterhaltung der Bahnanlagen sowie für Erneuerung des Anlagezuwachses sind 998 Millionen verausgabt worden. Hiernach ergibt sich ein Betriebsüberschuß von 818,7 Millionen, von denen 399,3 Millionen für Zinsendienst der Reparationsschuldverschrei- bunaen, 113,3 Millionen als Zuweisung zur gesetzlichen Ausgleichsrücklage und 150 Millionen als Rückstellung für Betriebsrechtabschreibungen und Verlustgefahren verwendet werden, sodaß der Reingewinn 15 6 Millionen Mark beträgt. Aus diesem Reinge- winn erhalten die Vorzugsaktien 7 Proz. mit rund drei Millionen und auf neue Rechnung werden 153 Millionen vorgetragen. Nur durch eine starke Droffelung aller sachlichen Ausgaben, die nicht zur Erhaltung der Betriebssicherheit dienen konnten, wie seitens der Verwaltung im Geschäftsbericht ausgeführt wird, kann das Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben gewahrt werden. Das Unternehmen bofft, daß noch im Laufe des Geschäftsjahres 1926 eine Besserung eintreten wird, sodaß weitere Maßnahmen außer den bisherigen Einschränkungen der Ausgaben nicht nötig werden. Die finanzielle Belastung durch persönliche Ausgaben belief sich zu Anfang des Geschäfts- obres auf über 270 Millionen RM. Soweit der Per- onalabbau durch die Kriegs- und Nachkriegsverhalwüfe hervorgerufen war, kann er in fast allen Bezirken nut Ausnahme der Werkstätten als abgeschlossen gelten. Am Ende des Geschäftsjahres beförderte die Bahn rund 60 Proz. aller Gütermengen zu Ausnahmetanfen gegenüber 52 Proz. zu Beginn des Geschaftswhres. Als Hauptsorge der Deutschen Reichsbahn totrb de Ab- wendung aller Gefahren für den deutschen Charakter der Bahn in der Erfüllung der ihr durch das Gesetz auserlegten finanziellen Derpflichtungen bezeichnet.
Gesetzentwurf.
Als Mitglieder können nicht gewählt werden. 1. Unternehmer, 2. Prokuristen, Geschäftsführer und Betriebsleiter, 3. Vertreter oder Angestellte von UnternchmervereiniMNgen, 4. Beamte der höheren Laufbahn und Beamte in leitenden Stellungen. ,, . , .
Jft eine solche Einseitigkeit schon einmal dage- wesen? Die Arbeitgeber haben also beim Arbeitsgericht grundsätzlich nichts zu sagen; sie haben ja immer Unrecht! Nur Arbeiter, untere Beamte und Angestellte kn untergeordneter Stellung haben das Recht, Gerichtsmitglieder zu werden und,über den Geldbeutel anderer Leute einseitig zu verfügen! Punktum! Es genügt demgegenüber die Fesfftellung, daß es in der ganzen Welt einen solch' einseitig zusammengesetzten Gerichtshof nicht gibt. Dieser Entwurf ist der beste Beweis für die gefftige Verfassung der Mftglieder der kommum- stkschen Reichstagsfraktion.
Eine weitere Anzahl von Paragraphen regeln die Wahl des Vorsitzenden, der natürlich kern Richter sein darf, die Verwaltung, die Gefchafts- verteilung, das Verfahren, die Berufung, die Kosten und Gebühren, wobei selbstverständlich die Unter« nehmer schlecht wegkommen. Es hat keinen Wert, den ganzen wetteren Paragraphenunsinn abzu- drucken. Festgestellt sei nur noch, daß es em Vorverfahren ober Güte- oder Vergleichsverfahrm nicht gibt. Darin fft der Entwurf logisch auf- gebaut, denn der Unternehmer hat ja immer Unrecht. So also sieht die kommunistliche Rechtsauffassung aus! .
Dieser kommunistische Gesetzentwurffist um deswillen so wichtig, weil er zeigt, in welche Gesellschaft sich jene bürgerlich eingestellten Kreise begaben, die bei der Fürstenenteignung glauben, der kommunistischen Volksverhetzung die Steigbügel halten zu müssen. Wo die kommunistische Rechfsauffassung anfängt, da hat auch der christlich eingestellte Arbeiter und Angestellte nichts zu suchen. Und der Beamte! Die Unterstellung bei Beamtenschaft unter ein solches „Arbeitsgericht" fetzt die Beseitigung des bestehenden Beamtenrechts voraus. Die Wahlen in Mecklenburg, wo die kommunistischen Stimmen von 44765 auf 17200 gutücEgingen, beweisen, daß selbst kommunistisch eingestellte Kreise für eine solche „Arbeitervertretung" kein Verständnis mehr aus- zubrkngen vermögen. Darum los von dieser kommunistischen Anarchiewirtschajtl
Di; kommunistische wird einen begründeten
Brasilien und der Völkerbund.
Eine Reutermeldung ans Genf besagt, die Nachricht, daß Brasilien angeblich aus dem Völkerbunde auszuschekden beabsichtige, ist noch nicht b e stätigt. In manchen Kreisen wird vermutet, daß ber Kurs, den Brasilien verfolgt, dahm geht, sich einen nichtständigen Sitz bei der Ratstagung im September zu sichern und inzwischen durch sem Fernbleiben von den Ratssitzungen Deutschlands Aufnahme in den Rat zu ermöglichen, offne taffächlich zugunsten seiner Aufnahme zu stimmen.
*
wtb. London, 9. Juni. (Eig. Funkm.) Der Genfer Berichterstatter des Reuterbüros erfahtt, daß die für den 28. Juni festgesetzte Tagung des Ausschusses für die Zusammensetzung des Völkerbundsrates verschoben worden ist und daß eine außerordentliche Tagung des Völkerbundsrates vor ber Zusammenkunft der Versammlung im September zur Behandlung der Frage ein- berufen wird. Es ist also sicher keine Vereinbarung mit Spanien und Brasilien bezüglich der künftigen Zusammensetzung des Vökkerbundsrates erzielt worden.
Ein „seiner"
Ein Abgeordneter schreibt uns:
Wie in den kommunistischen Köpfen der Reichstagsfraktion das „Recht" aussieht, beweist ber von der kommunistischen Reichstagsfraktion vorgelegte Gesetzentwurf eines „Arbeitsgerichtsgesetzes".
Danach werden die Arbeitsgerichte als selbständige Gerichte durch die Gemeindebehörden errichtet. Die Kosten der Arbeitsgerichte soll aber das Reich allein tragen. Also: Die Gemeindebehörden errichten die Gerichte, das Reich hat hierbei nichts zu sagen, es hat aber die gesamten Kosten zu tragen!
Ganz toll sind aber die Bestimmungen über die Wahl der Arbettsgerichte. Danach werden die Mttglleder der Gerichte alljährlich m geheimer und direkter Wahl nach dem Derhältniswahlrecht auf Grund gebundener Listen gewählt. Wahlberechtigt sind alle Arbeiter, Angestellten und Beamten beiderlei Geschlechts, die im Bezirk des Arbeitsgerichts beschäftigt sind. Die Arbettgeber haben kein Wahlrecht; nur die Arbeitnehmer!
In Betrieben mit über 1000 Angestellten und Arbeitern muß die Wahl an einem Arbeitstag im Betrieb selbst vorgenommen werden. Selbst- verständlich! Das Arbetten ist Nebensache; die Agitation im Betrieb die Hauptsache!
Der § 6 dieses famosen Entwurfs lautet wörtlich:
In Otten bis zu 10 000 Einwohnern wird auf je 300 Arbeiter, Angestellte und Beamte ein Gerichtsmitglied gewählt; im ganzen jebod) min» bestens drei. In Orten mtt über 10 000 Einwohnern wird auf je 500 Arbeiter, Angestellte und Beamte je ein Gettchtsmitglied gewählt."
Das bedeutet, daß zum Beispiel in einer Stadt mit 50 000 Arbeitern, Angestellten und Beamten einhundert Gerichtsmitglieder alljährlich gewählt werden müssen. Das Volk käme bei diesem System überhaupt nicht zur Ruhe. Die Rechtsprechung selbst würde unter diesem System am meisten zu leiden haben!
Zum Gerichtsmitglied Tann jeder Arbeiter, Angestellte und Beamte gewählt werden, der das 20. I Lebensjahr vollendet hat.
Das Gerichtsmitglied braucht nicht im Bezirk des Arbettsgettchts beschäftigt zu sein oder dort zu wohnen! Also freie Bahn für die kommunisttsche I Agitation!
Aus parlamentarischen Kreisen wird uns geschrieben:
1. Bei ber Reichstagswahl am 4. Mai 1924 würben 29 388 391 gültige Stirn« m en abgegeben. Davon erhielten die Sozialdemokraten 6 040 380 Stimmen; die Kommunisten 3 746 671 Stimmen. Diese beiden Parteien sind die Träger ber völligen Fürstenenteignung; sie brachten jedoch am 4. Mai 1924 zusammen nur 9 787 051 Stimmen auf.
2. Bei ber Reichstagswahl am 8. Dezember 1924 entfielen auf die Sozialdemokraten 7 859 433 Stimmen; auf die Kommunisten jedoch nur noch 2 698 956 Stimmen, somit zusammen: 10 558 389 Stimmen. Gültige Stimmen waren es 30 195 369. Es sind also auch bei dieser Wahl nur ein gutes Drittel aller gültigen Stimmen auf die beiden Linksparteien entfalten. Wollen diese den Volks- entfcheib durchbttngen, so müssen zirka neunMil - Honen Stimmen aus dem bürgerlichem Lager für die völlige Enteignung ber Fürstenhäu- sre abgegeben werden. Jeder bürgerliche Wähler und jede bürgerlich eingestellte Wählerin mag sich darüber besinnen, ob sie den weltanschaulich und : pofitifd) ganz anders eingestellten Kommunisten und i Sozialdemokraten zu einem Erfolg verhelfen wollen. Die politischen und sozialen Konseguenzen 1 sind unübersehbar; sie gehen weit über den > Rahmen der eigentlichen Fürstenenteignung ^hinaus.
3. Maßgebend für die Abstimmung am Tage des Volksentscheids ist jedoch die Zahl ber Wahl- bereckttiaten bei ber letzten Reichspräsiden- /enwahl. Wahlberechtigt waren 39 421671 Wähler und Wählerinnen.
Der vorliegende Enteignungsgesetzentwurf bedeutet ehre Verfassungsänderung. Deshalb muß mindestens eine Stimme mehr als die Hälfte ber Wahlberechtigten für den Volksentscheid abgegeben werben.
Er wäre somit erst angenommen, wenn 19 710 809 Wahlberechtigte mit „Ja" stimmen.
Expreß" meldet aus Tanger, daß die heilige Stadt Scheechauen gestern nachmittag von den den Spaniern treuen Dszheballah-Stämmen gestürmt worden fei. Die Angreifer hätten die g e- famte Rifbesatzung getötet.
Mussolini und die Marokko-Frage.
Die Pariser „Ere Novelle" schreibt über die Haltung in der Marokko-Frage: Wir achten alle vernünftigen Forderungen anderer Völker, aber hier handelt es sich um die Forderung Mussolinis und nicht um die Forderung eines Volkes. Wir müssen mit erhöhter Wachsamkeit die Orientierung der italienischen Diplomatie im Mittelmeer beobachten. Noch nicht alle Feuerherde in Europa sind gelöscht. Also schlafen wir nicht auf den frischen Lorbeeren von Locarno ein! _______