Anzeiger für die Stadt und den kreis Aplda. Amtliches Areisbtatt.
Ful d aerZ eü u n g
Nr. 130.
Erscheint sechsmal wöchentlich Wochenbeilage«- Illustrierte Sei- läge" nnb .BuchenblStter". Rotationsdruck m>d Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda- Fernsprecher 1 Monatlicher BeHNgSvreiS- 150 Mk.
Mittwoch, 9. 3um I926.
'n,eigen- Breis« «lein,eile 'Colonel) okal o.ld Reichsmar auswärts 0-20 Reichsmark. Reklame,eil« letal n.6‘ ReichSmar auswärts 0.80 Reichsmark-
Sei Wiederbolnngen Rabatt. Bost'checkkonto Frankfurt a. M. El.
Zahrg. 53
I l
d !> L r f t.
L » *
t I
5 t
t
t t
i >
t
>
i i
> i
i
23962
5122
11738
74924
44765
Deutschnationale Völkische Nat. - Sozialisten Volkspartei Wirtschaftspartei Mieter Demokraten Sozialdemokraten Kommunisten
57362 —
23593 —
4195 —
21475 —
15806 —
7162 —
7930 —
101637 —
17200 —
wtb Berlin, 8. Juni. (Erg. Funkm.). Zu der Angelegenheit des Reichspräsidentenbriefes erfährt die B. Z. aus dem Büro des Reichspräsidenten, daß dem Reichspräsidenten, der gestern abend schon von Schorfheide zurückgekehrt ist, heute früh Vortrag gehalten wurde. Der Präsident erklärte, daß er selbstverständlich zu seinem Brief stände und auch dessen Veröffentlichung durch Herrn von Loe- bell nicht zu beanstanden hätte.
Die Flaggenverordnung.
Wie mehrere Blätter wissen wollen, soll das Auswärtige Amt an die Auslandsmissionen, die demnächst von deutschen Kriegsschiffen besucht werden, den Erlaß über die Beslaggung heraus- gegeben haben mit der Verfügung, daß bereits bei diesen Besuchen neben der schwarz-rot-goldenen Flagge die Handelsflagge gehißt werden soll.
Kein Grund.
England.
Dir Spaltung der liberalen Partei.
wtb. London, 8. Juni. (Eig. Funkm.) Der dip« lomatische Berichterstatter des ,Daily Telegraph teilt mit, daß angesichts der Haltung Lord Oxfords die Spaltung der liberalen Partei heute nachmittag eine vollendete Tatsache sein werde. Wahrscheinlich werde auch eine Anzahl liberaler Parlamentarier, unter ihnen Kenworthy, unab» hängig vorgehe« .
Dar Programm der Regierung. ,
Das Reichskabinett beschäftigte sich in seiner Montagssitzung den Blättern zufolge mit der Flaggenfrage und mit dem Gesetzentwurf über die Fürstenabfindung. Zur Frage der Einheitsflagge beschloß das Kabinett, die in Betracht kommenden Borschläge dem Ausschuß zu überweisen, vor besten Forum die Frage zunächst behandelt werden soll. Wie das „B. berichtet, herrscht im Kabinett die Auftastung, daß j vor dem Volksentscheid eine praktische Aufwerfung der Flaggenfrage nichtmehr in Frage komme.
In der Frage der Fürst enabfindung soll zunächst mit den Parteiführern der Regierungs- koaMon und im Anschluß daran mit den Führern der anderen Fraktionen verhandelt werden. Es werde sich dann ergeben, ob Aussicht bestehe, dem Entwurf der Regierung die notwendige Mehrheit zu sichern. „B. V." und „Dost. Ztg." berichten, daß die Regierung beabsichtige, den Kompro- mißgesetzentwurf durch eine neue Präambel so zu gestalten, daß für seine Annahme eine einfache Mehrheit genüge. Die „Voss. Ztg." hält die Verhandlungen der Regierung mit den Parteien für aussichtslos, da die Sozialdemokratie keine Stimmenthaltung bei der Abstimmung über das Kompromiß üben werde nach Veröffentlichung eines Brief es des Reichspräsidenten in der Fürstensache
Reichspräsident von Hindenburg
hat in dem erwähnten Brief auf eine Anfrage des Vorsitzenden des Reichsbürgerrats, von Loebell, es abgelehnt, sich öffentlich zur Abfindungs- frage zu äußern, weil das seiner verfassungsrechtlichen Stellung über den Parteien widersprechen würde. In seiner privaten Aeußerung hat er dann aber die auch von uns geteilten verfassungsrechtlichen und moralischen Bedenken gegen die Fürstenenteignung ins Feld geführt. Er hat dabei noch erwähnt, daß er sich durch seine langen Dienste beim preußischen Königshaus durch den Enteig- nungsplan besonders unangenehm berührt fühle. Herr von Loebell hat jetzt diesen Brief Hindenburgs der Oeffentlichkeit übergeben und damit zweifellos dem Reichspräsidenten einen Wechten Dienst erwiesen. Der Reichspräsident wird dadurch persönlich in die Fürstensache hineingezo- gen. Schon verlautet, daß die Sozialdemokraten im Reichstag eine Interpellation einbringen werden, in der die Reichsregierung über ihre Stellungnahme zu dem Briefe Hindenburgs befragt werden soll. Unerquicklichen Debatten, über die in allen Parteilagern verehrte Person des Reichspräsidenten ist damit Tür und Tor geöffnet.
Llsatz-Lothringen.
Wie der „Temps" aus Straßburg berichtet, haben die katholischen regionalen Blatier heute morgen einen von etwa 100 Persönlichkeiten unterzeichneten Aufruf an alle Gläubigen gerichtet, in dem die Autonomie für Elsaß-Lothringeu im Rahmen Frankreichs, die völlige Autonomie ter Eisenbahnen, die Aufrechterhaltung des Konkordats, die Achtung der Sitten und Gebräuche des Landes, Maßnahmen zum Sckutz der Wirtschaft und Gleichberechtigung der Elsässer und Lothringer bei der Besetzung von Beamtenstellen gefordert wird.
1924 : 95176 „ 63511
Die Spitzenkandidaten der Wirtschaftspartei und der Mieter gehören der demokratischen Partei an.
Es wird festgestellt, daß sich die Bauernschaft in starkem Maße von dem g r o • agrarisch geleiteten Landbund, der in der letzten Mecklenburgischen Regierung die Hauptrolle spielte, abgewandt hat.
Die Ursachen der Stimmenverluste bei der Rechten liegen, so schreibt dazu das „Westfälische Volksblatt" sehr treffend, größtenteils in der Art, wie sie bisher von ihrer parlamentarischen Machtstellung Gebrauch gemacht hatte. Die Rechte war nach der revolutionär-sozialistischen Aera an die Regierung gekommen und zwar auch nicht durch Zufall, sondern hauptsächlich durch die absurde und zügellose Art, wie die damalige Linksmehrheit ihrs Herrschaft ausgeübt hatte. Die Rechte verfiel in den Fehler, dasselbe extreme Parteiregiment einzuführen, das sie an der Linken auf das Schärfste kritisiert hatte und das der Linken zum Verhängnis geworden war. Statt aus den Fehlern des Gegners zu lernen, wurde stramm und schneidig darauf losregiert. Steuern und Finanzen wurden skruppellos zum Sondervorteil des Großgrundbesitzers eingerichtet: die Städte und die kleinen Landwirte wurden bis zum Zusammenbrechen belastet. Die kulturelle und soziale Tätigkeit des Staates wurde auf ein Mindestmaß zurückgeschraubt. Durch diese Art von Politik war das Land naturgemäß in eine tiefgehende Gährung geraten, deren natürliche Folgen in dem vorliegenden Wahlergebnis zum Ausdruck kommen. Dieses Wahlergebnis ist weit über die Grenzen des mecklenburgischen Landes hinaus eine Lehre und Warnung für die Parteien, die es gelüstet, ihrer Willkür die Zügel schießen zu lasten und ihren Parteiegoismus über die Sache der Volksgesamtheit zu stellen. Mecklenburg, diese politische Kinderstube Deutschlands, in der alles politische Le- । ben noch in den primitivsten Anfängen steckt, — i Mecklenburg war der letzte Staat Europas gewesen, der eine Verfassung erhalten hatte, — wirkt so ausnahmsweise einmal als politischer Lehrer durch einen förmlich drastischen Anschauungsunterricht.
Die Sozialdemokraten haben einen starken Zuwachs erhalten. Aus welchen Gründen dies geschehen ist, ist aus der vorstehenden Darlegung ersichtlich Daraus folgt aber auch, daß dieses Wahlergebnis nichtaispolitisches Symptom für d i e Gesamtlage im Reiche und für den wahrscheinlichen Ausfall neuer Reichstagswahlen gewertet werden kann. Die Sozialdemokraten haben ihre Gewinne erzielt, weil in Mecklenburg abnorme und extreme Verhältnisse vorlagen, die in anderen Teilen des Reiches nicht zu finden sind. Aus diesem Grunde halten wir es für unstatthaft, das Verlangen nach einer Reichs- I tagsauflösung mit dem in Mecklenburg zu- I tage getretenen Ruck nach links begründen zu I wollen. ___________________
Die Untersuchung der wirtschaft.
Clemens Lammers Dorsitzender des Enquete- Ausschusses.
In der Eröffnungssitzung des großen Enquete - Ausschusses zur Untersuchung der Produktionsbedingungen und der Absatzrnögl'.ch. eiten der deutschen Wirtschaft hielten Reichswirtschasts- mimster Dr. Cnrtins und Recchsernahrungs- minister Dr. Haslinde die Eröffnungsreden, m denen sie Arbeitsplan, Arbeitsmethode und Organisation des Ausschusses behandeln.
Die Reichsregierung hat beschlossen, Herrn^CIe- mens Lammers, der bekanntlich Deut schänd auf der Weltwirftchastskonferenz vertritt, zum Vorsitzenden des Ausschusses zur Untersuchung der Erzeugungs- und Absatzbedingungen der deutschen Wirtschast nach Fühlungnahme nut diesem Aus- Ke zu benennen. Der Vorsitzende bildet nut ooit dem Ausschuß gewählten stellvertretenoen Vorsitzenden Dr. Rudolph Hilserding, Gras Keyserling und Professor Harms das Präsidium deS Ausschusses.
aus dem besetzten Gebiet.
Der Reichskommissar für die besetzten Gebiete, Freiherr Langerth von Simmern, wird nach Be- ! endiqung seiner Reise durch das besetzte Gebiet, nach Berlin zur Berichterstattung fahren.
Rücktritt Tirards.
Paris, 8. Juni. (Eig. Funkm.) Der „Petit Parisien" bestätigt die vor einiger Zeit von der Erc Novelle" verbreitete Nachricht, daß der französische Delegierte in der Rheinlandkommission, Ti- rard, zurücktreten wird.
Reich und Eisen'-ahn. ।
Man schreibt uns aus parlamentarischen Krei- I fen: ]
Die Wahl des bisherigen stellvertretenden Ge- I neraldirektors der Reichsbahn, Dr. D o r p m ü l - I I e r, zum neuen Generaldirektor dieses Instituts ist I mit einer geradezu verdächtigen Eile erfolgt. Roch I ehe Defer unter der Erde tag, hat sich der Ver- I waltungsrat entschlossen, ihm einen Nachfolger zu I bestellen und das geschah noch obendrein ü b e r d en I Kopf des Kabinetts hinweg. Richtig ist I allerdings, daß der Vorsitzende des Verwaltungs- I rat, Herr von Siemens, bei dem Reichskanzler I vorgesprochen und ihn von der Absicht des Der- I waltungsrats bezüglich der Wahl Dorvmüllers I unterrichtet hat. Herr von Siemens wurde aber | keinen Augenblick im Zweifel gekästen, daß das I Reichskabinett, dem ja das Bestätigungsrecht- für I diese Wahl vorbehalten ist, mit der Sache über- I Haupt noch nicht sich besaßt hat. Schon dieser Hin- I weis des Kanzlers konnte unmöglich als eine Ein- I willigung zu der Maßnahme des Verwaltungsrates I gedeutet werden. Im übrigen hat der Reichskanzler I den Herrn von Siemens gebeten, bis zur Stellung- | nähme des Kabinetts mit der Wahl zu warten, was I auch von Herrn von Siemens unter dem Hinweis I darauf, daß ja die Tagung doch noch den ganzen I Tag über dauere, entgegengenommen wurde. Als I dann das zu dem besonderen Zweck der Stellung- I nähme zu dieser Frage einberufene Reichskabinett I kurz nach 4 Uhr sich versammelt hatte, mußte es I hören, daß bereits um 3 Uhr die Wahl Dr. Dorp- I Müllers im Verwaltungsrat erfolgt ist. Daß bei dieser Sachlage das Reichskabinett eine weitere I Stellungnahme ablehnen mußte, versteht sich von I selbst.
Das Vorgehen des Verwaltungsrates der Reichs- I bahn ist nicht nur eine Brüskierung des Reichs- I kcmzlers und des Reichskabinetts, sondern muß I geradezu als eine Ueberrumpelung bezeichnet werden. Man fragt sich unwillkürlich, welchem Zweck denn diese verdächtige Eile dient. Und da kommt man ohne weiteres darauf, daß damit die Kandidatur des früheren Reichskanzlers Dr. Luther ausge- schaltet werden sollte. Man wußte von Luther, , daß er sich für diesen Posten interessiert, aber die unabhängige und eigenwillige Natur Luthers ist
I wohl Manchem unbequem gewesen. Auch wir hät- | ten sicherlich nicht Luthers Wahl als ein Ideal betrachten können, namentlich vom Standpunkt der Beamten aus, aber die jetzige Wahl ist, unter diesem Gesichtswinkel betrachtet, noch viel schlimmer. Es scheint aber, als wenn bestimmte Persönlichkeiten ein Interesse daran gehabt hätten, nicht einen star- | fen Mann, sondern einen ihnen willfährigen Mann an der Spitze dieses Instituts zu haben, und daß man in diesen Kreisen offenbar auch der Meinung ist, über gewisse Einwände wegen der Auswirkung der Ernennung nach der sozialen und personalen Seite hin hinweggehen zu können.
I Zwischen der Reichsregierung und der Reichsbahn bestehen schon seit längerem empfindliche
I Spannungen, die durch die jetzigen Vorgänge nur noch erhöht worden sind. Die Reichsbahn ver-
I waltet Reichsgut, und schon diese Tatsache zugleich mit trr anderen, daß dieses Institut über den größ-
I ten f mmtenkreis verfügt, nötigt dazu, daß auch die Volksvertretung diesen Dingen die gebührende Auf- | merksamkeit zuwendet.
Stuöentenbewegung in Hannover.
Die öffentliche Meinung muß sich gege«n die I Studenten in Hannover bei ihrem Vorgehen gegen den ihnen mißlichen Prof. Lesing richten, ohne deshalb die Sache des Prof. Lesing zu der ihren zu I machen. Die Studenten könnten sonst zu dem I Glauben kommen, nur derjenige dürfe die Lehr- I tätigtet! ausüben, der ihnen paßt. Das könnte I merkwürdige Folgerungen nach sich ziehen. Die I Hannöversche Studentenschaft hat am Montag eine I Abordnung zu dem Technikum in Braun- I schweig geschickt. 1000 Studenten in Couleur I fuhren in Extrazug mit der Abordnung. In I Braunschweig fanden Verbrüderungsszenen mit I den Braunschweiger Studikern statt. Die in Han- I nover relegierten Studenten sollen in Braunschweig I aufgenommen werden. Andere wollen von Han- I nover nach Danzig gehen. Die Demonstranten I fuhren erst sehr spät 'wieder nach Hannover zurück.
Wie die „Tagt Rundschau" berichtet, hat Kul- I tusminister Becker nach seiner Rückkehr aus Budapest die von feinem Stellvertreter Staatssekre- I tärs Cammers im Falle Lessing getroffenen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der akademi- I scheu Ordnung in vollem Umfang gebilligt. Dem I „B. T." zufolge wird der Rektor der Technischen I Hochschule Hannover erneut nach Berlin kommen I und dem Kultusminister Bericht über die Vorgänge
Die Frage der Ratssitze.
In dem Streit der Meinungen, ob gleichzeitig noch andere Sitze im Völkerbundsrat geschaffen werden sollen für den Fall, daß Deutschland im Herbst einen Ratssitz erhält, sind jetzt neue Gesichtspunkte aufgetreten. Brasilien will, da es mit seinem Anspruch auf einen Ratssitz gegen den englischen Widerspruch nicht durchdringt, aus dem Völkerbund ganz ausscheiden. Auch aus Spanien liegt eine Meldung vor, wonach die Spanier den englischen Widerspruch gegen den von Spanien ver- langten Ratssitz gleichfalls sehr bitter empfinden und darin so etwas wie einen Vertrauensbruch sehen. _____
Der Flottenbesuch in Spanien.
Der Chef des deutschen Flottenverbande», der im Verlaufe einer längeren Uebungsreffe verschiedene Häsen an der spanischen Ostkuste anlies, besuchte aus diesem Anlaß in Begleitung höherer Offiziere seines Stabes auf Einladung den K o n t g von Spanien in Madrid. Rach Rückkehr Flottenchefs richtete der König folgendes Telegramm an den Chef der deutschen Flotte:
Ich grüße die Besatzung herzlichst wegen ihrer glänzenden Erscheinungen und ihrer Korrektheit in den verschiedenen Häsen, die sie besuchten. Ich sende Ihnen die besten Wünsche für die Wohlfahrt Deutschlands und seiner Flotte. Alfonso.
Der deutsche Flottenchef antwortete: Ew. Majestät untertänigsten Dank für die gnädigen Worte und die Ehrung, sowie für die huldvollen Wunsche für Deuffchland und seine Flotte. Die Besatzungen der mir unterstellten Schifte empfinden sie mit mir als eine hohe Auszeichnung und besondere Ehrung und bitten für Majestät und die edle spanische Ration für die Zukunft ihre besten Wünsche zu Fußen legen zu dürfen. Mommsen, Chef der deut- ’tfren Flotte. _________________
Sur Frankensanierung.
Wie aus Paris gemeldet wird, haben die radikalen Abgeordneten Brunet, Dalude und Mrlhaub die Bildung einer parlamentarrschen Gruppe zur Verteidigung des Franks angekündicst.. Diese Gruppe soll allen Abgeordneten ohne Parteiunterschied offen stehen, sofern sie gewillt sind, die zur Wiederauftichtung der ftan- zösifchen Währung geeigneten Mittel ju prüfen. Sofort nach dem Eintreffen des Mmlsterprasidenten Briand aus Genf soll am kommenden Mittwoch vormittag ein M i n i st e r r a t im Elysee stattfinden. Französisch-russische Konferenz zur Regelung der russischen Dorkriegsschulden.
Die französisch-russische Konferenz zur Regelung der russischen Vorkriegsschulden hat tn Paris eme Sitzung abgehalten, bei der sich eine Einigung über die Erundzuge des von den Unterkommissionen I ausgearbeiteten Abkommens ergab, liebet zwei | Punkte bestehen jedoch noch ziemlich weitgehende 1 Meinungsverschiedenheiten, nämlich über die Frage, ob das abzufchließende Abkommen endgültig I ober vorläufig sein soll und ob der Betrag der zu leistenden Zahlungen bestimmt festgesetzt wird. I Die Verhandlungen hierüber werden weitergesührt I werden.__
Das sozialdemokratische Organ in Kassel und mch andere sozialdemokratische Zeitungen suchen Ke Stimmen der Katholiken für die Fürsten- mteignung zu gewinnen, indem sie auf die Miß - Handlungen Hinweisen, die der katholischen Kirche und katholischen Priestern in der Kulturkampfszeit unter Duldung des preußischen Herrscherhauses zugesügt worden sind. Das sozialdemo- krattsche Blatt führt eine Reihe von derartigen Maßnahmen an: die Verhaftung des Bischofs Eberhard von Tn er am 6. März 1874, des Erzbischofs Melchers von Köln am 31. März desselben wahres, die Verhaftung des Erzbischofs Ledochowski von Gnesen, die Einkerkerung des Weihbischofs Janiszewski, der Bischöfe von Paderbom und von Münster. Gewiß sind das alles geschichtliche Tatsachen und kein Katholik wird vergessen was seiner Kirche durch eine gewisse Sorte preußischer Staatsmänner unter Duldung der damaligen Inhaber der höchsten Gewalt in Preußen zugefügt worden ist. Aber so töttcht ist kein Katholik,, daß er glaubt, das Unrecht, das uns damals geschehen ist, könne dadurch aus der Welt geschafft werden, daß wir nun unsererseits uns eine Rechtsverletzung zu Schulden kommen lassen gegen andere. Was die Fürsten in den vergangenen Jahrhunderten der katholischen Kirche angetan haben (vor allem auch in der Säkularisation), das haben wir nicht zu rächen. Für die Genugtuung forgt eine höhere Instanz. Der Katholik lehnt es in Einklang mit den Weisungen seiner Bischöfe und mit der Parole unserer polittschen Führer im Zentrum ab, für ein Enteignungsgesetz zu stimmen, das dem christlichen Sittengesetz widerspricht. Mit kritiklosem Byzantinismus gegenüber den ehemaligen Fürsten hat diese Ablehnung der Enteignung frei- kich nichts zu tun« - —
Kleinstaaterei.
Wie hier schon gemeldet wurde, haben sich in dem Ländchen Schaumburg-Lippe etwa 1300 Wahlberechtigte mehr gegen den Anschluß an Preußen ausgesprochen. Schaumburg-Lippe hat insgesamt 40 000 Einwohner. (Der Kreis Fulda hatte im Jahr 1925 72 805 Einwohner). Der Zwergstaat Lippe hat für staatliche Aufgaben natürlich kein Geld. Er muß für zahlreiche Staats- zwecke die Hilfe des benachbarten Preußens in Anspruch nehmen. Die Regierung selbst war der An- ficht, daß der Anschluß an Preußen unvermeidlich fei. Die Bevölkerung aber hat unter dem Eindruck ! der auf das Gemüt abgestellten Agitation der Anschlußgegner gegen Preußen entschieden. Man befürchtete einen Einbruch der „landfremden" Preußen und Hannoveraner. Diese Kirchturmpolitik fand vor allen Dingen auch in Gedichten ihren Ausdruck, die vor den Wahllokalen verteilt wurden. Eins fing folgendermaßen an:
„Stehst du denn wirklich auf der Kippe, Mein Heimatland, mein Schaumburg-Lippe?
Dann verflieg sich der Dichter zu Drohungen:
„Im Dulwald wächst noch Eichenholz, Um Keulen braus zu drehen.
Die Luft wird dann vergehen.
Zum Knecht zu machen einen Herrn."
Damit sind die Preußen gemeint! Es ist eigentlich tieftraurig, daß in dem seit 55 Jahren geeinten deutfchen Reich noch derartige unnatürliche Kleinstaaterei Anhänger finden kann. Mit gesundem Föderalismus hat das nichts mehr zu tun.
* Staatspräsidentenwahl in Litauen. Der litau- ische Sejm in Kowno wählte mit 50 von 79 stimmen den Abg. Dr. Grinins zum Präsibenten der Repu- blik Litauen. Dr. Grinius gehört bet Volkssozta- listischen Partei (Saubinnilai) an, die mit 22 Abge- ordneten bte stärkste Partet des litauischen Sejm ist l und bürgerlich-radikale Ziele verfolgte
erstatten. Wie das Blatt erfährt, sollen in den nächsten Tagen weitere Delegationen non Studenten, insgesamt etwa 250 erfolgen. Rach einer Meldung der „Russischen Zeitung" kontte Prof. Lessing fein Kolleg am Montag ungestört abhalten. Es waren dazu aber nur einige Hörer erschienen, da die Vorlesungen Lessings von den Studenten boykottiert werden.
Die Lehre von Mecklenburg.
Die Wahlen in Mecklenburg haben ein Ergebnis gehabt, das in politischen Kreisen große Beachtung findet. Die Schlußziftern der Mecklenburger Landtagswahlen sind die folgenden: