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Mrg. 53.

Dienstag, 8. 3unl 1926

Die Probleme der Reichspolitik

Die Inflation in Frankreich.

wtb. Paris, 7. Juni. (Eig. Funkm.) „Matin" schreibt, die Einschränkungen, von denen gestern im Ministerium gesprochen wurde, könnten sich auf ® e- treibe und M ehl beziehen» wenn die schlechte Wit­terung andauere. Dann werde man zuerst daran denken, dem Brot und Mehl E r s a tz st o f f e zuzuführen. Auch an Einschränkung im Gebrauch von Kohle, Zucker und anderen Artikeln des täglichen Gebrauches müsse man denken. Räch dem .Journal" hat Mi­nister Painlevs auf die Frage, ob man an Lebens­mittelkarten denkt, die Antwort gegeben, man würde noch nicht daran denken, aber wenn es not­wendig würde, wüste man sie einführen.

Die 700 - Iahrfeier Lübecks.

Der letzte Tag der Siebenhundertjahrfeier, den Festgottesdienst in allen Kirchen einleitete, hat noch einmal gewaltige Besuchermasten, deren Zahl alle Erwartungen übertrifft, nach Lübeck gebracht. An den Straßen, die der Festzug passierte, staute sich um die Mittagsstunde die Zuschauermenge in ge­schlossenen Massen. Unter dem sonnigen Him­mel bot die Stadt im Schmuck der Fahnen ein ungemein festliches Bild. Fast eine Stunde lang währte der Vorbeimarsch der bunten Gruppen des in sinnvollem Wechsel geschmackvoll ausgestalteten Zuges, der die Entwicklung der Jubilarin Lübeck von der Verleihung der Reichsfreiheit bis zur Ge­genwart darstellte. Mit besonderem Jubel be-, grüßte die Menge die hinter der abschließenden Gruppe des Festzuges mit klingendem Spiel zie­hende Mannschaft der .Emden"

* Zu den Vorgängen in Hannover. Der Senat der Technischen Hochschule Harmover hat zehn Studenten, die sich an den Ausschreitungen gegen Professor Lessing beteiligt haben, dauernd relegiert. Gegen etwa 200 Studierende ist von der Staatsanwaltschaft Hannover das Verfah­ren wegen Nötigung eingeleitet worden.

fius dem besetzten Gebiet.

9ßie die Blätter erfahr n, wird z. Zt. in Rhein­hessen und im Brückenkopf Mainz die Besatzungs­stärke auf 21777 Franzosen und 500 Engländer be­ziffert. Die Besatzungsstärke in Hessen ist um 60% größer, als die deutsche vor dem Kriege.

' * Zur belgischen Finanzlage. Wie „Havas" aus Brüssel berichtet, hat der Senat e i n st i m m i g die von der Kammer verabschiedeten Finanzprojekte der Regierung angenommen.

* Englische Konzessionen in Panama. Aus Washington wird gemeldet: Der Senat nahm die Entschließung Bohras an, worm um Vorlage des gesamten Materials ersucht wird, das sich f auf die Gewährung von Konzessionen an britisch» Interessenten in Panama bezieht.

ein ausführliches Protokoll über eine Putsch- rede des völkischen Majors a. D. v o n Sodenstern enthüllt. Rach diesem Protokoll hat Sodenstern, der als politischer Redakteur an der „Deutschen Zeitung" tätig ist, geäußert:

„Ich spreche hier nur als Sprachorgan und aus. führendes Organ meines Chefs, des KapiianS Ehr­hardt. Meiner Meinung nach ist ein Putsch, der von nationaler Seite veranlaßt wird, so lange von vorn- herein zum Scheitern verurteilt, so lange nicht ein Kommunistenputsch vorheraeht. Sollte dieser nicht vont selbst kommen, dann muß er eben provoziert werden, dann muffen die Großindustriellen Berlins, wie Borsig, Siemens, Schwarzkopf, Knorr, bremse und sonstige Unternehmer, die der Deutschen Industriellen Vereinigung, (einer unbedeutenden Vol. kischen Gruppe, zu der die genannten gtrmen jeBe Beziehung in Abrede stellen. Die Schriftl.) angeschloffen sind, nochmals größere Arveitermas sen auf die Straße werfen. In demselben Augenblick, wenn kommunistische U ruhen einsetzen, wird daS -wach- legünent der Reichswehr aus Berlin herauSgezogen und nach Döberitz verlegt. Berlin ist schutzlos, da wenigstens 50 v. £>. der Grünen Polizei mcht ganz sicher sind. Der „Wiking" wird erst dann seine Hilfe zur Niederschlagung des KommunistenputscheS zur -Oer. fügung stellen, wenn von RegierungSsmte aus den Ber- bänden Garantien gegeben werden in der Richtung, daß ganze Arbeit geleistet wird, d. h. Zerschia- gung des Parlamentarismus, Absetzung nicht nationaler Oberpräsidenten und Landräte usw." _____

In den Blättern, die der völkischen Bewegung nahe stehen, ist eine lebhafte Debatte über die Mit­teilungen Mahrauns in Gang, wobei Mahraun aufs schärfste angegriffen wird.

preußischer Landtag.

Mordverdacht.

wtb London, 7. Juni. (Eig. Funkm.). Blät- termeldungen aus Mexiko zufolge, hat der ge­heimnisvolle Tod des Kurie rs der britisch en Gesandtschaft mit Namen Kmght in der dor­tigen britischen Kolonie großes Aufsehen er­regt, da man einen Mord vermutet.

Der Führer des Jungdenffchen Ordens. Mal)-! raun, hat in seiner Zeitschrift „Der Jungdeutsche" I 1 Uhr.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbellagen- Illustrierte Bei­lage" und Buchenblötter". Rotationsdruck mtb «erlag der Fuldaer Slctiendruckerei ln Fulda. Fernsprecher Rr- 9- Monatlicher BeruftSvreiS-1 50 <Rk.

Japan gegen Amerika?

wtb London, 7. Juni. (Eia. Funkm.). Die Matter veröffentlichen Auszüge aus dem Hearst­blatt Newyork-American über die angeblich ge­heimen Kriegspläne Japans gegenüber den Ver­einigten Staaten. Darnach sei eine militärische Er­oberung der Philippinen das nächste und wichtigste Ziel der japanischen Expansions-Bestrebungen. Der japanische Generalstab habe angeblich ein Vorbe­reitungsprogramm für einen Krieg aufgestellt. Das Matt will photographierte Kopien dieses japanischen Geheimpaktes gesehen haben und veröffentlicht eine Uebersetzung des angeblichen Berichtes. — lieber dessen Inhalt wird weiter gemeldet: Unter den Punkten, die das Programm des japanischen Kriegs bilden, befinden sich die Ausbeutung der großen natürlichen Hilfsquellen Koreas und der Mandschu­rei, der Bau eines umfassenden Eisenbahnnetzes durch die Mandschurei und Korea und der Bau von Häfen, die mit dieser Bahn verbunden wird, Vor- bereitung für eine starke Verteidigung der Meer- engen von Korea und des japanischen Meeres zur Gewährleistung der Sicherheit des Transportes von Kriegsmaterial von Japan in Kriegszeiten sowie die Unterzeichnung eines Freundschaftspaktes Ja­pans gegenüber China.

Auf der Tagesordnung steht die zweite Be­ratung des Haushalt des Finanzministeriums. In der kurzen Debatte führte Finanzminister Dr. Hop- ker-Aschoff unter anderem aus, die preußischen Ver. hältnisse seien durchaus gesund. Es folgte dann die zweite Beratung des Haushalts der Preußischen Staatsbank. Der Ausschuß empfahl die unverän­derte Annahme des Etats. Abg. v. Winterfeld (Dn.) verlangt in der allgemeinen Aussprache niedrigere Zinsen, worauf Staatsbankpräsident Schroder er­klärt, die Staatsbank sei durchaus bestrebt, die Zinsen niedrig zu bemessen. Die entscheidenden Abstimmungen werden auf nächsten Dienstag ver­tagt. Auch den hierauf zur zweiten Beratung kom- wenden Haushalt der Porzellmanufaktur empfing der Ausschuß zur unveränderten Annahme. Nach kurzer Debatte endet die zweite Beratung dieses Haushalts und das Haus vertagt sich auf Montag

hat in Genf in feierlicher Weise °°n.. seinem m den letzten drei Jahren errichteten Gebäude Besitz ergriffen. Unter dem Vorsitz des Präsidenten des Verwaltungsrates, Fo n t a i n e-F r a n k r e ich, r> - gann in dem großen Genfer Verfammlungshau« der Festakt, dem Vertreter des schweizerischen Bun. desrates, die Spitzen der Genfer Behörden, em« imposante Anzahl Regierungsvertreter SogialpM- tiker Vertreter des Unternehmertums imD der Ärbeiterfchaft aller Erdteilen teilnahmen. Darunter befand sich auch der^Arbeit smini- st er Brauns. 22 namhafte Vertreter aller Erdteile übermittelten dem Arbeitsamt im Namen ihrer Regierungen, der Unernehmer und der Ar- beiter die besten Wünsche. . , ,

Reichsarbeitsminister Dr. Brauns führte m Jet« ner Rede aus: Wenngleich Deutschland nicht zu den ursprünglichen Mitgliedern der Internationalen Ar- beitsorgamsation gehört, so hat es doch keinen Au- qenblick gezögert, sondern die erste Gelegenheit der Anschlusses an diese neue Organisation benutzt, um seinen ernsten Willen zur Sozialpolitik und zur internationalen Förde r u n g des so- zilen Fortschritts zu bekunden. Von dieser Gestn- nung getragen, hat es sich Deuffchland Nicht nehmen lassen, seine Wünsche zu der heutigen Feier auch durch ein äußeres Zeichen zu bekunden. Die fur das Fenster der Treppenhalle von der deutschen Regierung gestiftete Glasmalerei soll die Bedeutung der Arbeit für das Leben der Völker sinnbildlich darstellen. ____

Eröffnung des Völkerbundsrates.

Wtb. Genf, 7. Juni. (Eig. Funkm.) Der Völker- bundsrat hat heute vormittag um 11 Upr ferne 40. Tagung mit einer nicht öffentlichen Sitzung begonnen. Briand und Chamberlain nehmen teil,

* Verrvaltungsvereinfachung in Bayern. In einer Bekanntmachung des Ge samtministe riums über die Verwaltungsvereinfachung wird mitgeteut, daß eine besondere Kommission die Plane wegen einer Vereinfachung in Bayern auszuarbeiten und dem Ministerium zur Beschlußfassung vorzulegen hat In der Bekanntmachung wird im einzelnen das Arbeitsgebiet der Kommission beschrieben und auf die Verpflichtung aller Behörden hrngewiesen, die Tätigkeit der Kommission nach leber Richtung hin durch Mitarbeit zu unterstützen.

• Reichslagspräsident Lobe n^derhergestelll. Reichstagspräsident Löbe, der vor kurzem an einer Eallenblasenentzündung erkrankte, ist wiederher»- gestellt. Er hat seine Dienstgeschäfte bereits wieder übernommen. _____________

* Raubmord in Koblenz. (Eig. ff-unlm.) Am SamStagmorgen wurde die 78jährige Witwe Lag* nrris in ihrer Wohnung in Koblenz ermordet aufgefunden. Ein unbekannter Täler hat der alten Frau den Schädel mit einem Feuerhaken zerirum- wert und dann sämtliche Behältnisse mit Geld- und Wertsachen durchsucht.

Nach dem Sieg in Marokko.

Die Sieg in Marokko und die Weltstellung Spaniens.

Der ehemalige spanische Minister de? Auswärtigen Perez d' Aballero veröffentlicht im „Jmparcial" einen längeren Aufsatz über das marokkanische Problem. Er meint, daß die französischen und spanischen Jntereffen übereinstimmen, daß aber, um die ihm erteilte Aufgabe erfüllen zu können, Spanien in die Reihe der großen Nationen handeln solle. Spanien falle sich wieder daran gewöhnen, in der gleichen Weise zu denken und zu fühlen, wie die großen, an ihre eigene Zukunft glaubenden Völker, zwar ohne Ueberhebung und ohne falschen Ehrgeiz, aber mit dem festen Willen, soviel wie nötig seine Anwesenheit bemerkbar machen, damit die 85 Anderen es beachten und nicht handeln, als ob es nicht exi­stierte. Spanien besitze überall Interessen, be- sonders in Europa und Nordqfrika, sowie rm lateinischen Amerika. Auf der Grundlage der spa­nisch-französischen Uebereinstimmung sei das Werk Spaniens dank feines militärischen Sieges, der erste Schritt auf dem Wege zur internaiionalen Ausdehnung Spaniens.

Havas berichtet aus Tanger: Ter ehemalige Kriegsminister der Rifleute Mohamed Hudraa ist nach der französischen Zone abgereist, um sich zu unterwerfen. Sämtliche Kaids Der Rlfleute, die in der Zone der Westfront irgend eine Abteilung befehligt haben, haben sich in das Rif-Gebiet begeben.

Wahlen in Mecklenburg.

Erfolg der Sozialdemokraten, Völkische und Kommunisten geschlagen.

. Um 1 Uhr am Montag vormittag lag das ^Er­gebnis der Landtagswählen aus llo8 von ins­gesamt 1412 Bezirken vor. Es fehlen also noch 247 Bezirke. Das vorläufige Ergebnis lautet. Deuffchnationale 57 362, Sozialdemokraten 101637, Deutschvölkische 23643, Kommunisten 17 200, Deutsche Volksvartei 21475, Demokraten 7 930. Gruppe für Volkswohl 7152, W irtschaftsparte! 15106, Nationalsozialistische Arbeiterpartei 4185.

Zu dem bisher vorliegenden Ergebnis der Land- tagswählen in Mecklenburg schreibt die „Montags- post", daß die Sozialdemokraten einen großen Sieg errungen hätten, da sie ihre Stimmen nahezu ver­doppelten. Auch der „Montag Morgen" spricht von einem Linksruck in Mecklenburg. s

Nach einer Meldung der „53. Z." wird sich bei aus den Wahlen in Mecklenburg hervorgegangene Landtag wie folgt zusammensetzen: Deutschnatlonale 10 Sitze, Völkische 4, Volkspartei 4, Wirtschafts­partei 3, Mieter 1, Demokraten 1, Sozialdemo­kraten 17, Kommunisten 3. _, .

Die Auflösung des Landtages ist Schuld bet Völkischen. Das unwürdige Verhalten des ehemaligen mecklenburgischen Fürstenhauses in den Abfinbungsfragen (Prinzessin 3utta usw.) hat bie Wahlarbeit ber Linken sehr erleichtert.

Volksentscheid in Schaumburg-Lippe.

wtb Bückeburg, 7. Juni. (Eig. Funkm.). Vor- läufiges Endergebnis der Abstimmung über Die Frage des Anschlusses von Schaumburg- LippeanPreußenist folgendes: Es wurden abgegeben 9 858 Stimmen für den Anschluß an Preußen und 11288 Stimmen gegen den An- Muß an Preußen. 132 Stimmen sind ungültig. Die Abstimmung ist damit negattv ausgefallen. Die Schaumburger kommen nicht zu Preußen und bilden weiter einen „Staat" für sich

* Amounfall Dr. Eckeners. Blättermeldungen zufolge hat Sonntag abend Dr. Eckener einen Auto- uufall erlitten. Kurz hinter D e lltz sch ge.iet daS Auto Dr. Eckeners auf ber auMwelchtew Siratze ins Schleudern und prallte gegen einen Chauss^ bäum. Dr. Eckener wurde bewußtlos, obne levoch erhebliche Verletzungen zu erleiden. Sem Begleiter blieb unverletzt, während der , Führer des Wagens erhebliche Beinverletzungen erlitt.

Das Internationale Arbeitsamt

Reichsbankdiskont herabgesetzt.

Berlin, 7. Juni. Sie Reichsbank hat den Bankdiskont von 7 ans «V- pCt. und den Lom- bardzinsjntz von 8 ans 7V- pCt. herabgesetzt.

* Politische Personennachrichten. In der letzten Kabinettssitzung erfolgte die Ernennung des früheren Reichsfinanzminister v. Sch lieben zum Präsidenten

des Lande-finanzamteS in Sachsen. Gleichzeitig wird offiziell mitgeteilt, daß der Reichspräsident dre Ernennung des Geh. Regierungsrats Karl Werner, bisher Abteilungsleiter im ReichSjustizmimsterium, zum Oberreichsanwalt vollzogen hat. Wie der Reichsdienst der deutschen Presse meldet, wird der Leiter der Abteilung VI, der sogenannten Kultur- abteilung des Auswärtigen Amtes, Mimsterialdrrektor Heilbron, demnächst einen Auslandsposten, wahr- kcheiulich das Generalkonsulat in Zurich, erhalten. Au seine Stelle tritt der bisherige Gesandte in Bukarest, Herr Freitag, der durch den bisherigen Generalkonsul in Barcelona, Herrn v. Hassel, der Schwiegersohn beS Großadmirals v. Tirprtz ist, er- setzt werden soll. Weiter verlautet, daß der jetzige Direktor der Personalabteilung, v. Stohrer, als Nachfolger des für den Wiener Posten ausersehenen Gesandten Mertens nach Kairo gehen wird.

* Reform- und Ersparnismatznahmen in Oester­reich. Aus Anlaß der Genfer Verhandlungen wird eine amtliche Uebersicht über die wichtigsten Reform- und Ersparnismaßnahmen veröffentlicht, dre tm Rahmen des Genfer Programms bereits d urch- geführt wurden, u. a. wurde die Zahl der Mini­sterien von 10 auf 7, die der Ministeriumchektwnen 68 auf 20, die der Abteilungen von 376 auf 125 verringert. Die Zahl der Mitglieder des National- rotes wurde von 183 auf 165 herabgesetzt. Es wird ferner eine lange Reihe von Aemteru, Behörden und Anstalten aufgezählt, die bestehen gelassen tour- den, während bei ante,en durch Vereinigung vorher getrennter Stellen, wesentliche Ersparnisse erzielt wurden Die Organisation der Bundesbahnen, des Post-, Tetegraphen- und Fernsprechwesens, sowie an- derer staatlicker Verwaltungen hat zu großen Er- sparniffen geführt. Ter Per i o n a l a bb au umfaßt nach dem Stande vom 31. Mar d. I. rnsgesamt 96430 Angestellte. __________

Gasvergiftung einer ganzen Familie.

wtb. Leipzig, 7 Juni. (Gig Funkm.) Wie bie Morgenblätler melden, wurde Samstag morgen tn der Pariser Straße in L e i p z r g - GohlrS d,e ganze Familie des Kaufmanns Herne, bestehend aus dem 46 Jahre alten Mann, der 40 Jahre alten Frau und den beiden 5 und 7 Jahre alten Kin­dern, in der Küche in Betten liegend, durch Gas vergiftet aufgefunden. Schlechte wirtschaftliche Lage und Krankheit scheinen die Familre rn den Tod getrieben zu haben.

Kabinettskrisen überall.

Auflösung des portugiesischen Parlaments.

Wie Havas aus Lissabon berichtet, hat die Re- I gterung durch Dekret bas Parlament und sämtliche Parlamentsausschüsse aufgelöst.

Das neue schwedische Kabinett.

Das neue schwedische Kabinett hat folgende Zu» I fannnensetzung: Ministerpräsident und Finanzmini- fter: das Mitglied des Reichsbankdirektoriums C. | G. Ekmann, Ministerium für Auswärtige Ange­legenheiten: Rechtsanwalt E. Loefgren, Justizmui!- sterium: Professor I. Thyrim, Verteidigung: Re­dakteur G. Rosen, Soziale Fürsorge: Bürgermeister I. Pettersen, Derkehrsministerium: Oberdirektor v. Msurling, Kultusministerium: Schilumspektor I. Almkvist, Landwst-tschastsministerlum: Professor Professor P. Hellstroem, Handel und Gewerbe: F. Hamvin.

Das neue ägyptische Kabinett.

Nach Besprechung mit Zaghlul Pascha hat der Führer der Liberalen Adly Pascha das Kabi­nett gebildet, in dem er selbst das Ministerprasidium und das Ministerium des Innern übernimmt, wah­rend der ehemalige Premierminister Sarwad Pwcha dos Ministerium des Aenßern und Kemal Bey Kashaba das Kriegsministerium erhält.

Rücktritt des persischen Kabinetts.

Reuter meldet aus Teheran, das persische Ka- frtnett sei zurückgetreten.

* Veränderungen in der Reichswehr. Der am 31. Oktober 1925 zum Befehlshaber im Wehrkreis 4 und zum Kommandeur der 4. Division ernannte Generalleutnant von Pawelsz wurde am 1.Juni behufs weiterer Verwendung als Reichskommissar zur Vertretung der deutschen Regierung gegenüber der Interalliierten Militärkontrollkammi'sian von seiner Stelle als Kommandeur der 4. Division ent­hoben und zur Heer sfriedenskommission versetzt. Mit dem gleichen Tag wurde Generalleutnant Woll- Warth, ber bisher Jnsanteriesührer und Landes- kommandant in Württemberg war, zum Kommandeur der 4. Division und Befehlshaber im Wahlkreis 4 ernannt

In einer öffentlichen Versammlung m Schwerin äußerte sich Reichsminister Dr. Külz aus­führlich zu den Problemen der Reichsvolstik. Jede deutsche PolM werde sich folgend« Siete zu setzen haben: Festigung des Staatsgefüges, Wiederein- flihruna Deutschlands als gleichberechtigter Faktor in die Mächtekonstellativn der Welt, Wiedereinvrd- nung ber deutschen Wirtschaft in bie Weltwirtschaft, Neuordnung und Festigung der eigenen Staats-und Volkswirtschaft und Förderung der Deuffchen Kul­tur. Dae Staatsgefüge der deuffchen Repu­blik fei ernstlich nicht gefährdet. Die Repu­blik habe keinen Anlaß nervös zu roerben, wenn Fantasten und Narren mit irgendwelchen un­möglichen Angriffen gegen die Staatsordnung sich beschäftigen. . ,

Die Bemühungen der deutschen Reg-erung auf Wiedereinkügung Deutschlands in die Mächte-Kon- stellativn der Welt wurden trotz der Ereignisse in Genf mit allem Nachdruck fortgesetzt. Der Mv- nat September werde zeigen, ob mit der Aufnahme in den Völkerbund die endgültige A b - kehr vom Geiste von Versailles sich auch äußerlich erweise. ,, . ,

Der Organismus der Weltwirtschaft sei durch den Krieg und die Nachkriegszeit aus ferner frühe­ren Bahn geworfen worden. Wirtschaftsabkommen und Handelsverträge müßten die Grundtendenz haben, für Deutschlands Fertig- und Halbfabrikate den W e g z u m E x v o r t zu öffnen und die Ein­fuhr der benötigten Rohstoffe zu erträglichen Be­dingungen zu, gewährleisten.

Die innere Wirtschaft Deutschlands leide noch stark unter der Erwerbslosigkeit. Man werde sich mit den Gedanken vertraut machen müs­sen, eine Zahl von etwa % Million Erwerbsloser für längere Zeit zu ertragen. Diese Er­kenntnis zwinge zu einer beschleunigten Regelung der Erwerbslosenversicherung. Die be­schlossenen Steuerermäßigungen bedeuten für das Reich eine Mindereinnahme von mehr als einer halben Milliarde. Dies fei nur

I erträglich, wenn größte Sparsamkeit obwalte.

Zum' Schluß erklärte ber Minister, daß eine Zusammenfassung Wer auf Ausbau und Aufbau des I Staates gerichteten Kräfte nur möglich fein werde, I wenn im Reichstag und in den einzelstaatlichen Par- I lamenten die Parteien sich zu sicheren Mehr- I heitsbildungen zusammenfinden, die eine I ruhige und stetige Arbeit zum Wohle Aller ermög- I lichen.

Der Hochmeister enthüllt.

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