Fuldaer Zeitung
Sonntag, 6. Juni 1926.
Rund um die Woche
fein
Der Mann tm Monde.
D vr
^ffrctuiaiür
&• o
* L
Staffelei stand. Ein Freudenschrei entrang sich seiner Brust, er griff mit beiden Armen nach dem Kunstwerk _ aber _ — was war das, — war die Leinwand
so schwer? Er konnte es nicht von der Stelle be- wegen. Mit starren Augen sah er, wie die Madonna lebendig wurde, wie sie aus dem Bilde trat, mit ge- bieterischer Gebärde nach dem Kinde wies und dann in den Rauchwolken verschwand. Er ergriff das Kind, flog die Stiegen hinab, den bewutzilosen Knaben an sich gepreßt. Unten begegnete er wieder der Frau, warf ihr seine Bürde in den Arm und kehrte um.
Als das Feuer gelöscht war, fand man ihn tot auf der Treppe liegen, unversehrt aber stand d«s Bild auf der Staffelei. Und man gab es der Welt.
__ Dom Lebensalter der Bäume und Tiere. Man schätzt das Lebensalter der großen Waldbäume aus hundert bis dreitausend Jahre. Der Zypresse schreibt man eine Lebensdauer von 350 Jahren zu, dem Walnußbaum eine solche von 60, der Zeder 800, der Eiche 1000 bis 1500 und der Eibe 2500 Jahre zu. In der Tierwelt kennt man hundertjährige Elefanten, Krokodile und Schildkröten, auch Hechte imb Karpfen sowie Adler, Krähen und Papageien übersteigen diese Grenzen.
— Allerlei Weisheit. Die ältesten Lampen wurden aus Muschelschalen hergestellt. — Der Vollmond besitzt bloß den 570 000. Teil der Leuchtkraft der Sonne. — In Preußen bestanden bis 1818 62 Zollgrenzen und Zolltarife. — 30 Prozent der englischen Sprachwurzeln sind französischen Ursprungs. — In ägyptischen Gräbern, die bis in das 17. vorchristliche Jahrhundert zurück- reichen, hat man auch Figuren aus Glasmasse gesunden. — Das Pslanzenleben im Meere hört in einer Tiefe von 300 Metern vollständig auf, weil das Licht nicht tiefer eindringen kam»-
Wichtige Dinge wären heute zu erzählen. Pu- fudski sitzt sinnend im Belvedere und summt vor sich hin: Noch ist Polen nicht verloren... Die Franzosen machen sich mehr und mehr aus schwere Jahre gefaßt und üben sich mit schon gefesselten Händen im Gestus der Freiheit. . . Gloria, vic- toria . . . , es kostet einige Anstrengung, die Melodie wetterzusingen, wo man doch faktisch bei aller Glorie bankerott ist. . . Mussolini duckt sich wie zum Sprunge. Man kann doch den beiden toeft« lichen Nachbarn nicht allein die Beute des Ris- krieges überlasten. Mussolini hat zu tun, und das Denkmal Walters von der Vogelweide in Bozen hat einstweilen Ruhe. In der Tschechoslowakei schwingt auch schon ein Diktator den Degen, obwohl gerade dort das teschechische Nationalregime in den letzten Zügen liegt. IiHwitzhen geht die Prinzessin von Mecklenkmrg-Strelitz zum Pariser Advokaten Paul Boncour und klagt auf Grund des Versailler Vertrages auf 14,5 Millionen Mark, die das arme Deutschland einer seiner vielen früheren Fürstinnen zahlen soll. Wie ich das hörte, stand mir für einen Augenblick der Verstand still. Ich bin doch nun der Mann aus dem Monde, wußte aber nicht, daß diese gute Jutta wahrscheinlich auch auf dem Monde lebt. Will sie in Deutschland Stimmung machen für den Volksentscheid? Sollen wir wirklich moralisch gezwungen werden, , bolschewiststch zu werden? Bin ich verrückt oder ist sie verrückt oder sind kvir es beide? Ist das Leben ein Rar-
Kopfschmerz Migräne Neuralgie Zahnsdimevi
dessen Weltruf in der Verwendung nur allerbesten Materials und sorgfältigs er Arbeit beruht. Trotz- dem Ist Brennabor nicht teurer als jedes andere Fahrrad unbestimmter Herkunft u. deshalb kauft der Kenner nur Brennabor
auf den Kreis entfallen. Zu den Beratungen über den Lahndurchstich sind alle in Frag« kommenden Geldgeber herangezoqen worden. AuS der tm von- gen Jahre genehmigten Anleihe für werbend« De- Wiebe in Höhe von 2 500000 Mk. wurden D-w- lchen von 75000 Mk. für Arbeiten an der Kreisbahn, ferner 22000 Mk. Darlehen aus der Krets- sparkasse für Instandsetzung d«S Kreishauses bewilligt. Der ordentliche Voranschlag wurde mit 1301 658 Mk., der außerordentliche mit 349 000 Mk. genehmigt. Zur Deckung des Fehlbetrages von 406 220 Mk. werden 46 benv 52 Proz. Zuschläge zu den Steuern erhoben. Himugefügt sei. daß der Wohlfährtetat mit 858770 Mark abschließt. '
--- Marburg. Mittwochabend gegen 9 Ubr hat sich auf der Landstraße Marburg-Kassel em schweres Autounglück ereignet. Zwischen Josback und Halsdorf stieß an einer sehr unübersichtlichen Straßenkreuzung em.leichter Kraftwagen der Firma Schneider Gottfried, Kassel nut einem Personenauw zusammen. Durch die Wucht des Zusammenpralls wurde der Personenwagen zur Seite geschleudert und umgeworfen. Emer der bei- den Chauffeure wurde tödlich verletzt; die Insassen des Personenauws, eine Frau und ein Herr, er- litten schwere Knochenbrüche und Kopfverletzungen.
-- Morsberg. Dieser Tage starb die Besitzerin des hiesigen Hotels Klothe-Prellmann. Ihre sämtlichen Gebäude vermachte sie dem katho- lisch en Gesellenverein.
„Was wißt Ihr von Kunst!" schrie 6r den jäh Der- stummenden zu. — „Gaukler und Jahrmarktskrämer seid Ihr! Feilschen und Handeln könnt Ihr und habt keine Ahnung von der Gotthett, deren Namen Ihr nicht ein- mal kennt! Kunst ist Gottesdienst, Kunst ist Offen- barung, — demütig müffen wir sein, wenn wir von ihr | als Handwerker erkoren wurden. Selig, so Werkzeuge zu sein, — dann sind wir Vermittler des Ewigen und helfen mit am großen Werk der Erlösung. Selig, wem einmal im Leben so Großes widerfuhr, — glücklich der, der dann sterben darf,---glücklich — er ver
stummte und starrte zur Decke. Die Mauern schienen sich geweitet zu Haden, Sterne blinkten hinein, — ein Ltchter Schein zitterte einen Augenblick lang vor seinen ver- zückten Augen und verschwand.
Er stürmte hinaus, als habe ihn jemand gerufen. Verdutzt sahen ihm die Kameraden nach, — keiner sagte em Wort — allen war es, als habe eine Stimme aus einer anderen Welt zu ihnen gesprochen. Keiner folgte ihm auch, der zielsicher durch die Straßen lief, ohne darauf zu achten, daß er Leute anstieß, die ihm böse nachsahen. Geschickt bog er allen Fährniffen aus dem Weg und verdoppelte, verstehend vor sich hinlächelnd, seine Geschwindigkeit, als er Feuerlärm vernahm. Er staunte nicht, als er eine große Menschenmenge vor sei- nem Hause versammelt fand. Mit keuchender Brust bahnte er sich brutal den Weg durch das Gedränge; — als er in die Naustür sprang, wollte man ihn zurück- reißen. Er schlug mit Fäusten um sich, — hörte noch das Wimmern einer Frauenstimme: „Mein Kind, mein Kind" — und stürmte die Treppe empor. Netzender Rauch benahm ihm die Lust, doch er keuchte aufwärts. Auf dem letzten Treppenabsatz vor seiner offenstehenden Tür sah er einen bewußtlosen Knaben liegen. Er sprang über ihn hinweg und stürzte auf sein Bild zu, das, vom Fe'ieriLein ar«Ü beleuchtet, noch unverfehtt auf der
Aus dem Nachbargebiei.
----- Hersfeld. Nach dem in her, Hauptver- fammlung des Chorvereins erstatteten Jahresbericht hat der Verein 2200 Mark Vermögen imb 1900 Mark Schulden. Die Veranstaltungen haben sämtlich bis auf die Gustav Adols-Aufsuh- rung einen Ueberschuß gebracht, letzterer ein Defizit von 800 Mark. Als nächste Veranstaltung ist em Konzert im Kurpark vorgesehen. Im Winter so.l wieder ein größeres Chorwerk angeführt werden. — In Gegenwart von Vertretern des KrÄses und der Stadt fand hier die Eröffnung der unlängst gegründeten Landwirtschaftlichen Mäd- chenschnle statt.
— «Isfeld. Ein hiesiger Steuersekretär fand HÄm Angeln in der Schwalm im Wasser eine Leiche, di« schon bis zur Unkennilichkert verwest Mar. Nach den polizeilichen Ermittelungen handelt '-es sich um di- Leiche eines GelegenheitSarherterS au» Schwabenrod. Die Leiche hat bereits etwa 2 W 3 Monate im Waffrr gelegen,
---Friedberg. Der hessische Landtagsabgeordnete Rechtsanwalt Sturmfels-Gr.. Am stad t versuchte Sonntag abend auf der Ruck» zhchrt von dem Gießener Reichsbannertag bei Ober- Moßbach ein Fahrzeug in schneller Fahrt zu überholen. Dabei geriet er mit seinem Wagen aus den .«Fußweg und überfuhr den Landwirt Peter Georg, aus OberroSbach, der lebensgefährlich ver»
Bus dem Suldaer Land.
=■ Rasdorf. Unter größter Beteiligung nahm die Fronleichnamsprozession einen herrlichen Verlauf. Die Straßen, vor allem das Geisaer Tor, waren prächtig geschmückt und reich beflaggt. Bort, wo die Altäre errichtet waren, hatten die Anwohner keinerlei Kosten, keine Opfer und keine Zeit gescheut, ihr Tell zum Gelingen des Ganzen beizuttagen. Erhebend waren die klangreichen Weisen der Musikkapelle Schwanenberger- Ilnteralba. Alles in allem: Die Prozession war ein wirklicher Triumphzug des eucharistischen Heilandes! — Am Nachmittag veranstaltete die Gemeinde ein Kin- derfest, dos einen sehr harmonischen Verlauf nahm. Fast restlos hatte sich die Einwohnerschaft auf der Festwiese eingefunden. Es war alles aufgeboten, um den Kindern einige Stunden frohen Erlebens zu schenken, Dielen Anklang fanden die Spiele der Kinder, von denen besonders die von der hiesigen Lehrerin Fraulein Pendzialek mühevoll einstudierten und von der Musik- kapelle wirkungsvoll begleiteten Reigen viele Freude bereiteten. Ein schönes Konzett im Stark'schen Saale beschloß den Tag, der einzig und allein dem erstrebenswetten Gedanken der Volksgemeinschaft diente.
2. Blatt.
*"♦"* Druck der Fuldaer Acklendruckerel, Fulda.
Bei
■itrovanille
D.R.F» . -------—
Jn Apotheken ««KK
fernen Kern. s
Ich weiß nicht wie es kam. Aber m all dem Ernst sah ich doch auf einmal etwas, was mich Mm Lächeln brachte und was eigentlich nur eine dumme Zerstreuung war. Abd el Krim, Mussolini, Pilsudski, Jutta, Luther, den Generalresident von Algerien, englische Koblenarbeiter, Sowsetfunktio- näre, Wiener Hofräte, Wupeifü, vertriebene entert« konische Nonnen, Frankenfälscher, Parlamentarter, alles das schien mir auf einmal da oben zu fAretten. Alles mit viel Spektakel, mit großartigem Aufzug, mit Tanz und Musik: Das große Welttheater von heute ... Sie spielen ihre Rolle. Zwischen Wiege und Grab. Auch du spielst deine Rolle. Stimm « nicht zu wichtig. Paßt auch das Kostüm nicht gmy, trage ruhig, wie es dir einmal beschieden für das Schauspiel des Lebens. Don der W'ege kommst du, zum Grabe gehst du . . . Ra, also, «h rate
Die gesunden Großstädte.
Sinken der Sterbeziffern um zehn Prozent.
Nach den soeben fertig gestellten Statisttken ist das Jahr 1925 ein besonders gesundes gewesen. Woran das im einzelnen lag, ist natürlich ferner festzustellen, man mag es auf günstigere Witterung (wenig naßkalte Tage, milder Winter usw.) oder auf den Fortschritt der medizinischen Behandlung und Ausbau der gesamten sanitären Anlagen zurückführen, Tatsache ist, daß 1925 zehn Prozen. weniger gestorben sind als 1924, und zwar ist die Sterblichkeit auf dem flachen Lande dieselbe geblte. ben, dagegen hat sie besonders in den Großstädten stark nachglassen.
Die mit Erkältung zusammenhängenden Krankheiten haben am wenigsten Tote (im Vergleich zu 1924) gefordert, so sind z. B. an Keuchhusten nur 970 Menschen gegen 1017 gestorben. Es wird man. chen überaschen, daß überhaupt derart Leute dem Keuchhusten zum Opfer fallen. Die Todesfälle m- folge Magen- und Darmkatarrh, gingen von 4000 auf 3700 zurück, davon waren 2600 Kinder unter einem Jahr. An Lungenentzündung sind 14 000 (statt 16 500) Menschen gestorben, derselbe Prozentsatz findet sich bei Influenza, die 2400 und bei Er. krankungen der Atmungsorgane, die 5800 Tote for.
: Werten.
Sehr stark sank die Sterblichkeit bei Tuberkulose- kranken und zwar von 22 000 auf 19 800, was besonders zu begrüßen sein dürste. Die Säuglingssterblichkeit hat etwas nachgelassen im Verhältnis von 100 : 93, in erster Linie ist ein Nachlassen der Todesfälle infolge von Krämpfen festzustellen, roo- I ran 1800 Kinder im Gegensatz zu 2100 im Jahre 1924 starben. Die am wenigsten erkannte und darum I am meisten gefürchtete Krankheit ist zweifellos der | Krebs, tuer mehr Menschen hinrasfft, als man glau- I ben sollte. Täglich erliegen in Deutschland mehr als I 60 Menschen dieser heimtückischen Krankheit und es I ist nur ein facher Trost zu wissen, daß im Dor- I jähre statt 23 000 „nur" 22 000 daran gestorben sind.
Wenn auch in der Gesamtheit der Todesfälle das Jahr 1925 um zehn Prozent hinter dem Jahr I 1924 zurückbleibt, fo gibt es doch eine ganze Reihe I von Krankheiten, bei denen eine Steigerung fejtzu- I stellen ist. Vor allem die Masern, die bei 14j6 I entgegen 274 ein Mehr von 1182 Todesfällen am< I weifen! Auch Diphterie und Scharlach haben er, I höhte Ziffern, doch prozentual nicht ganz so stark, I An Herzerkrankungen starben 21600 Personen, I was ein Mehr von 3700 gegenübre 1924 bedeudet, I während die Alkoholvergiftung 155 statt 128 erlagen/ I Der immer häufiger auftretenbe Gehirnschlag fot« I bete mit 12 600 ebenfalls erheblich mehr Opfer.. I Don Interesse mag sein, daß sich die Zahl oer I Todesfälle viel mehr als früher auf die Jahre zwi- I fchen 30 und 45 verteilt, während der Personen I zwischen 15 und 20 besser weggekommen sind, sogar I noch besser als die Säuglinge.
letzt wurde. _ _
= Offenbach. Professor Franz Etzel von der hiesigen Lechnischen Lehranstalt wurde Montag abend von einem Motorfahrer überfahren und da- beb derart schwerverletzt, daß er nach kurzer Zeit verstarb. — Die achtunddreißig)ahr,ge Ar- beiterin Auguste Schüßler erlitt durch einen Un- glücksfall, der auf mangelhafte Konstruktion der GaSmefferS zurückzuführen sein wird, den —od durch Gasvergiftung.
-- Mrlchstein. Im benachbarten Dorf« Bob en- Hausen hötte «in Gastwirt und Metzger nachts in feinem Schlachthaus «in E^äusch. Da er annahm, daß Zigeuner ihm einen nächtlichen Besuch abstatten wollten, weckt« er fernen ©obn und rief einen Nachbar herbei. Da in dem Schlachthaus die Schlachtmesser usw. lagen und man auf Rufen keine Antwott bekam, gab der Sohn des Wirtes einen Schutz ab, durch den der Eindringling am Deckenknochen schwer verletzt wurde. Kurz nach seiner Einlieferung unSmi- hacher Krankenhaus ist der Mmm em Landwirt aus dem nahen Dorfe Höckersdorf, seinen Der- letzungen erlegen. Der Sohn mürbe festgenommen, aber nach seiner Vernehnmng wieder ft«- gelassen. Nach einer anderen Mewung soll dn Mmm in der Trunkenheit rn das Schlachthaus hineingeraten sein. Er habe lange g^echt und ser fnftarE angeheitertem Zustande nach Hause gegangen. Unterwegs sei ihm eingefallen, daß er fern
Sb-' XI*,®**1“ keine Antwort erhalten und ser deshalb in baS Schlachthaus eingedrungen, um das Rad^ zu holen. Dabei1 sei der vermeintliche Einbrecher m der Dunkelheit erschossen worden.
-- Seligenstadt. Zwischen S e l i g e n st a d t und iZellhausen ereignete sich am Sonntag nach- mittaa ein schw erer Autounfall, dem em blühendes Menschenleben zum Opfer sirl. Drer junge Mädchen aus Zellhausen wolltengerade^die
renispiel? .
Kurzum, ich hab mich auf die Bahn gesetzt und bin an der Gesolei vorbei nach Godesberg gefahren. Was mich dahinzog, war der Titel des Stückes: Caldervns großes Welttheater. Ich mußte hin, denn wenn ich fortfahren wollte, alles, was heute so vorgeht, ganz ernst zu nehmen, dann bliebe mir nur noch der Weg zur Rervenheilan- stakt. Ein einziger Abend vor dieser Bühne im Maienwald hat mich gerettet. So etwas kann man nickst beschreiben. Man setzt sich und staunt. Einfach entrückt ist man in eine andere Welt. Die mächtige gotische Faffade, die mit ihren mystisch beleuchteten blauen Fenstern bis ins 30 Meter hohe Kreuz steigt, diese herrliche Bühne, von ebensolchen stilreinen als ausemanderwachsende Kulissen sich vor- türmenden Bauten umgrenzt, vorn sich herabsen- tenb und dehnend bis zu 60 Meter Brette, alles das in feltfame Lichter getaucht, auf Ebenen, die sich zum Thron« Gottes hinaufftufen, Himmel und Erde vereinigt, von wohlgeordneten Chören in mal- lenden Gewändern überbauscht, ganz «ingesponnen m Farbe und Musik, erhaben und gewaltig, und doch wieder über die Maßen lieblich und märchenhaft, trunken wird dein Auge, trunken dein Ohr, dein Herz, deine Seele, du bist in einen Bannkreis gezogen, der dich nickst läßt, und du verstehst auf einmal das leise Rauschen der Bäume ringsum und ahnst ben geheimen Sinn der Botschaft von den goldenen Sternen bei? W ernst imb ItÜff zum Feste der Mitternacht heravWchen.
Dunkel regen sich im Vordergründe Ne Schatten der Menschen, die des Schöpferwortes Harrer, für
Straße überschreiten, als ein Auto baherraste, bie 17 fahrig« Stieftochter des Eisenbahnbebiensteten Rachor erfaßte und überfuhr. Das Mädchen war sofort tot. Auch der Vater be8 Mädchens ist vor einigen Jahren gewaltsam ums Leben gekommen. Er wurde auf der Braunkohlenzeche „Gustav" von glühender Asche überschüttet und ist dabei lebendig verbrannt. , _
-- Mainz. ReichSverkehrsmin ister Dr. Kröhne wird Mittwoch vormittag zu einer Besprechung im engeren Kreise mit Vertretern her Wirtschaft hier eintreffen und um 1 Uhr mit dem Dampfer die Reise nach Koblenz fortsetzen.
Gberheffen und den hessischen kremier«.
- Marburg, 3. Juni. Der Kreistag des Kreises Marburg hielt am Mittwoch int Fürstenhaus eine Sitzung ab, bie von morgens um 10 bis abends um 10 Uhr dauerte. Wie der Dor- sitzende, Landrat Schwebel, vor der Beratung d«S Kreishaushaltsvoranschlages mitteilte, konnten aus Mttteln der neuerrichteten Kreissparkasse, die am 1. Mai 263000 Mk. Einlagen hatte, bereits viele größer« und kleinere Darlehen gegeben werden. Bei Besprechung der LahnregulierungS- Arbeiten bei Fronhausen und dort vorgekom- mener Mißhelligkeiten zwischen den Notstandsarbeitern und dem Unternehmer wurde eine Schlichtungsstelle bestimmt. Die Arbeiten sind mit rund 320 000Mk. veranschlagt, wovon etwa 130 000 Mk.
tete feinen Blick in brünstigem Gebet zum Himmel empor. Ein unsagbares Glück durchjubelte ihn und diese Fülle schien fein He^ sprengen zu wollen, er streckte die Arme wie Hilfe suchend in die Lust, — die Wände drückten ihn,--er mußte hinaus, ergriff seinen
Hut und lief die dämmrigen Treppen hinab! Ohne auf feine Umgebung zu achten, durcheilte er die Straßen, der Lärm des Alltags berührte kaum fein Ohr. MU einem Male blieb er, hoch aufatmend, wie erlöst, in einem einsamen Park stehen. Die Sterne waren am Firmament hervorgekommen, ein lichter Schein verriet das Kommen des Mondes. Verloren, dumpf schollen die Laute der Stadl an sein Ohr. Schwer hob und senkte sich seine Brust, — er fühlte sich plötzlich einsam hier, seine Seele schrie nach Menschen, denen er sein .üerz -kusschütten könnte, die teil an dem Jubel feines Her- zens nehmen würden. Nie war es ihm quälender zum Bewußtsein gekommen, daß er keine Gefährten hatte, als in dieser seiner großen Stunde. Einem Impuls fol- gend wandte er sich wieder, durcheilte den einsamen Park und die belebten Straßen und trat hastig in ein kleines Gasthaus ein, in dem er gewöhnlich zu Abend
Dicke Rauchwolken trübten ihm zuerst die Augen — dann sah er, daß fast alle Tische besetzt waren: schon wollte er umdrehen, — da gewahrte er noch eine stille Ecke und setzte sich dort nieder. — Hungrig aß er das einfache Mahl. — Unangenehm berührte ihn dabei der Lärm, den eine größere Gesellschaft am Nebentisch verursachte, — sie waren alle Maler gleich ihm, schienen ein Fest zu feiern, und einer hielt eine Ansprache.
Nur verlorene Brocken der Rede klangen an das Ohr des Einsamen, aber sie rissen ihn aus seinem Himmel; er horchte näher hin, warf die Eßgeräte klirrend auf den Tisch, seins Zaust ballte sich und schlug bart auf den Tisch.
Das wunder der Madonna.
Skizze von Hilde Brand. , Mfatmend trat er von der Staffelei zurück und sah sich erschrocken im Zimmer um. Er hatte es gar- nicht bemerkt, daß es dunkel geworden war, — verwirrt fuhr er sich nach dem Kopse, — wo war er, — wo kam a Ws wollte sie ihn weisen, brach noch einmal die Sonne mit lichtem Schein durch die Abendwolken, ftr.ch ihm über die Stirn und huschte bis zu dem Bilde. J.>re ganze goldige Fülle strahlte sie über die Mutter, die nut überirdischer Liebe lächelnd das göttliche Kind an sich tnmeftd. .. -
Langsam, zitternd zog sich der Abendschein Zurück, es flimmerte wie ahnender Schmerz in den Äugen der Ma- donna, — noch einmal leuchtete ihre Geitall m unter- irdischer Schönheit auf, um dann mit dem entetlenöen Lichte zu entschweben. Schatten sielen herab und trennten die Heilige von der Welt.
Es war dunkel im Zimmer und so still, daß der verwirrte Maler seine eigenen Atemzüge hörte, — und noch immer befangen in feinem Rausch, sank er mit einem sehnsüchtigen, leidenschaftlich gestammelien „Mutter, m die Kniee. _ ,,
Seme verzückten Augen bohrten sich m das Dunkel, als müsse sich ihm noch einmal bas beglückende Wunder offenbaren. Doch die Sonne war untergegangen und kein Strahl verirrte sich mehr in das Atelier.
Langsam kam er zu sich, stand auf und entzündet Licht. Da stand er nun vor seinem Werk und staunte es an wie ein Wunder Trotzdem er nun wieder ganz in der Wirklichkeit war, konnte er sich keine Erklärung darüber geben, wie er bas Bild vollendet batte. Es erschien ihm wie eine Offenbarung, und im Gefühl , seiner Unzulänglichkeit saftete er die Hände und ttdu
Pilsndjki. — Jutta. — Rach Godesberg. — CalderonS großes Welltheater.
bas Spiel des Lebens. Links ist die Pforte der Geburt und rechts fft die Pforte desGrab«-,Zw,- fchen ihnen liegt dieser Spieler Schtcksalzwischen Wege und Grab. Dort wird ihnen dieRolle zu- getellt: König ist der eine, Bettler, der artore. D, weltliche Schönheit kommt daher, mit Blumen geschmückt, und bie heilige Weisheit schrecket vorüber im Chor ber Nonnen. Der Bauer ist ba, derrerche Mann unb das noch nicht zum Dolleben enoachte Kind. Sie spielen ihr Spiel, das ewige Spiel der menschlichen Leidenschaften. Es rauscht daher mck feinen Tänzen unb Aufzügen mit ferner PrE unb feinem Elend, mit fernem Leichtsinn und^fernem mönchischen Ernst. Es fft immer bas Gleiche unb immer etwas Neues. Wenn der Tod Schenck emen nach dem anberen mit feiner Knochetchanb ] schlägt, bann geht ein Schrei des Enffetzens durch die ganze, wirr und wild auseinixrstiebenbe Schar. Alle Lichter werden fahl. Aus Hohlen und Grab- gewvlben bringt unheimliche Marschmusik Rach dem sich aber die Pforte des Tobes wieder geschloffen, zucken die Lichter von neuem auf, rennt alles an feinen alten Platz unb ruft ber reiche Mann: „Ei, wir plaudern einfach weiter!
Im Hintergrunbe aber trohnt hoch und majestätisch der Schöpfergott. Sein Gesetz ruft über die Bühne hin: „Tue recht! Gott über euch! Dort fallen die Lose über Leben und Tod, über Gericht, Strafe und Seligkeit. In die Tiefe dieses ewigen Hintergrundes versinkt das Spiel der Zeck. Was kommt auf die Rolle an, bie du zu spielen W für die kurze Weile, solange bas Theater dauert. Am Schluß nimmt doch Frau Welt dem König die Krone, ber Schönhett den Kranz, dem Bauern den Spaten — nur der Weisheit ihre guten Werk« lastend, das einzige, was man nntnehmen darf. Ls mar ja alles nun für das Stück Theater, das wir Menschen spielen. Nur verschiedene Rollen sind bte so wichtigen Unterschiede, die wir wachen, immer wieder ob der Kostüme vergeffend den gemein-