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Anzeiger für die Stadt und den kreis Fulda. Amtliches kreisblatt.

Zahrg. 53

Donnerstag, 3. 3uni 1926,

Nr. 126

reich en.

Die neue Regierung in Portugal

wirtschaftliche Nampfbewegungen.

fc= Drohender Gemelndeangestetllenstreik in Wien. Nach einer Meldung einer parlamentarischen Korrespon­denz aus Wien haben die Gemeinüeangestellten in einer Versammlung beschlossen, unter Hinweis auf ihre schlechte materielle Lage ihre vor längerer Zeit gestellte Forde­rung auf Auszahlung einer Notstandszulage zu erneuern. Die Forderung soll an die Stadtverwaltung in Form eines bis 16. Juni befristeten Ultimatums, ge­stellt werden. Inzwischen soll eine Urabstimmung dar­über stattfinden, ob nach Ablauf des Ultimatums der Streik einfetzen soll.

* Reise Dr. Seipels nach Amerika. Der frühere österreichische Bundeskanzler Dr. Seipel ist nach Paris abgereist und wird sich am 5. Juni in Cher« bourg nach Amerika einschiffen.

Erscheint sechsmal wöchentlich- Wochenbeilagen: ..Illustrierte Bei­lage" und .BuchenblLtter". Rotationsdruck und Berla« der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda- Fernsprecher Nr 9.

Monatlicher Bemasvreis: 150 Mk.

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Rommunalpolitisches.

— 7 Millionenanleihe zur Förderung des Wohnungs­baues. Der Stadtrat in Pirmasens genehmigte die Aufnahme einer Anleihe von 7 Millionen in der Hauptsache zur Errichtuna von Wohnungsbauten.

Eine polizeidedatte.

Im preußischen Landtag wurde am I Dienstag über den preußischen Polizeietat verhan­delt. Der Zentrumsabg. S t i e l e r, der bekannt- I sich Polizeipräsident in Gelsenkirchen ist, trat mit Nachdruck für die wirtschaftlichen Wünsche der Po- lizeibeamten ein. Er verlangte, daß der Beamte, I der vom Staate lebt, den Staat auch zu besahen hat. Wir können mit Stolz feststellen, daß die I preußische Polizei heute nicht die schlechteste tn I Europa ist. Der Beruf des Polizeibeamten erfor- dert außerordentlich schwere Opfer. Man solle an» I gesichts der Flut von Demonstrationszügen denen die Mehrkosten für den Polizeiapvarat auferlegen, die sie eigentlich verursachen. Wer demonstrieren I will, soll wenigstens auch bezahlen.

Der ganze Rest der Sitzung war mit der De- I batte über die Aktion der Berliner Polizei I gegen die Putschi st en ausgefüllt. Der ein- I fache Staatsbürger versteht nicht, warum über diese I Sache überhaupt noch so viel geredet werden muß. I Die Polizei hat die Pflicht, den Staat gegen Umtriebe zu schützen und sie hat diese Pflicht er­füllt. Da ist kein Wort darüber zu verlieren. Die Deutschnationalen und die Völkischen suchten die Gelegenheit zu benutzen, gegen die preußische Re­gierung Sturm zu laufen. Ministerialdirektor Dr. A b e g g, der erfolgreiche Organisator der preußi­schen Polizei, verteidigte noch einmal sehr wirksam den polizeilichen Standpunkt und ließ sich durch Lärmszenen der Rechtsopposition nicht irre machen. Das erste Material für die Polizeiaktion kam von Mitgliedern vaterländischer Verbände, die aus Ge- wiffensnot zur Polizei gekommen seien, um ihr Mitteilungen über eine drohende Gefahr zu ma­chen Die Tendenz der Rechtspreffe, den Gedanken an einen Putsch als lächerlich hinzustellen, erinnere in höchst peinlicher Weise an die Aeußerungen von gleicher Seite vor dem Kapp-Putsch, wie vor den schon lange Zeit vorher befürchteten Atien- ten auf Erzberger und Rathenau. Wenn bei bis­her bewährten und einwandfreien Persönlichkeiten eine Durchsuchung stattgefunden habe, so sei dies unvermeidlich gewesen. Die Polizei dürfe nicht zweierlei Arten von Staatsbürgern kennen. Was würde man gesagt haben, wenn vor dem Kapp-Putsch bei im Krieg und Frieden be­währten Männern wie Kapp und Ludendorff, von Jagow und von Lüttwitz Durchsuchungen vorge« .iömmen waren?' Hn5 doch waren diese damals beteiligt. Uebrigens habe eine prominente Per­sönlichkeit der Rechtsparteien die Aktion b e- grüßt und schärfstes Zufassen empfohlen. Die preußische Polizei werde auch weiter ihre Pflicht tun, unbeirrt durch haltlose Angriffe, von welcher Seite sie auch kommen mögen.

Der Polizeietat wurde an den Hauptausschuß verwiesen. In der Mittwoch-Sitzung wird über den Finanz-Etat verhandelt werden.

Regierungskrise in Schweden.

wtb. Stockholm, 2. Juni. (Gig. Funkm.s. In Verbindung mit der Regierungs-Vorlage betr. die Arbeitslosenunterstützung beschäftigte sich der Reichstag gestern abend mit der Form, tnJ°er bie Unterstützungen gezahlt werden sollen, ^er Ausschuß hatte sich gegen die Haltung der Re- gierung in einem aktuellen Falle chlsgesprochem Die sozialdemokratischen Mitglieder des Ausschußes erhoben jedoch Einspruch hiergegen zugunsten der Regierung. In beiden Kammern wurde die. De­batte durch Regierungs-Mitglieder emge- leitet, die erklärten, daß die Regierung den Vor­schlag des Ausschusses mit 84 gegen 50 Stimmen, die 2. Kammer mit 114 gegen 104 Stimmen. Die Regierung wird ihr Rücktrittsgesuch ein-

Das unvollständige Reichskabinett.

Der bisherige Seneralkommiffar für die besetz­ten Gebiete, Schmidt, ist zum Staatssekretär im Ministerium für die besetzten Gebiete ernannt wor­den. Schmidt gehört zur Deutschen Volkspartei. Don der Ernennung eines selbständigen Ministers für die besetzten Gebiete und von der Neuernen­nung eines Justtzministers soll dis auf weiteres Ab st and genommen werden. Beide Mini­sterien werden nach wie vor kommissarisch vom Reichskanzler mit verwaltet.

» Reichstag und Eisenbahn. Der zu einer besseren Fühlungnahme der Reichsbahn mit dem Reichstag und der Reichsregierung in Aussicht genommene interfraktionelle Ausschuß des Reichstags ist nach einer Mitteilung des „Vorwärts" nunmehr ge­bildet worden. Er wird sofort nach Schluß der Pfingstferien des Reichstags zu seiner ersten Sitzung zusammentreten. Den Vorsitz im Ausschuß fuhrt der Reichsverkebrsminister.

Die Lage in Paris.

Die Spannung, mit der man der Sitzung der Kammer entgegensah, ist nicht ganz auf ihre So­ften gekommen. Es lagen insgesamt drei Inter­pellationen über die Finanzpolitik vor. Bricmd selbst eröffnete die Debatte. Er erinnerte daran, daß die Regierung vor kaum einer Woche die De­batte über die Finanzpolitik aus Gründen des al- gemeinen Interesses habe ablehnen müssen, und daß sie durch die Entwicklung der Zwischenzeit in ihrer Auffassung bestärkt worden sei, daß e;ne öffentliche Debatte dieser Art die augenblickliche ernste Situation nur unnötig komplizie­ren würde. Er richte einen letzten Appell an die Kammer, sich über den Streit der Parteien zu er­heben und sich zu einer Einheitsfront zur Rettung der bedrohten Währung zu­sammenzuschließen.

Auf Briand, der in außerordentlicher Erregung sprach und von der Kammer in fast feierlichem Schweigen angehört wurde, folgten dann die ver­schiedenen Interpellanten. Briand ergriff zum zweiten Male das Wort zu einer sehr ein­drucksvollen Rede. Er wandte sich hauptsächlich gegen die Radikalen und verlangte ein für allemal eine unzweideutige Stellungnahme. „Es kann nicht so weiter gehen, daß sich die Regierung leben i Tag eine neue Mehrheit suchen muß. Nein! Ge­nug! Genug!" Die Mitte und dre Rechte, also die einstigen Gegner des Ministerpräsidenten, brachten Briand stürmische Ovationen dar. Dann ging das Haus zu den Abstimmungen über

Die von der Regierung beantragte Vertagung der Diskussion über die eingebrachte Interpellation wurde mit 313 gegen 147 bei 166 Stimmenthaltun- ^^Gegen dis Regierung stimmten geschloffen die Kommunisten und Sozialisten, sowie ein kleiner Teil der Radikalen. Die große Mehrheit dieser Gruppe sowie ein Teil der republikanischen So- zialisten haben sich der Stimme enthalten.

Die Mehrheit setzt sich also vornehmlich aus der Rechten, den gemäßigten Gruppen der Mitte und einem kleinen Teil der Radikalen zusammen.

Vriand und die Außenpolitik.

In den Wandelgängen des Senats versichert man, daß anläßlich der Diskussion über das Ab- I kommen von Locarno, das auf die Tagesord­nung vom nächsten Donnerstag gefetzt ist und bet der u. a. auch Millerand das Wort ergreifen wird, Briand über die auswärtige Politik der Regierung

I zu sprechen gedenke. Die Diskussion der Inter- vellation des radikalen Senators Gemen) über den deutsch- russischen Vertrag wird wahr­scheinlich mit der Diskussion über die Abkommen I von Locarno verbunden werden.

* Der deusch spanische Handelsvertrag Die Ra- tifikatwnsurkunden zu dem Handelsabkommen zwi­schen dem deutschen Reiche und Spanien vom 7. 5. 1926 sind in Madrid aus getauscht worden. Das I Handelsabkommen tritt am 1. 6. in Kraft.

Drei Fragen an Megg.

Wtb Berlin, 2. Juni. Die „B. Z. am Mittag" richtet an Ministerialdirektor Abegg, der sich ge« lern in der Sitzung des preußischen Landtags ge- I weigert hat, die Namen derjenigen Politiker und 1 Parlamentarier zu nennen, die im Hinblick auf die geheimen Putschvorbereitungen ein energisches I Durchgreifen der preußischen Regierung und der Polizei gefordert hatten, folgende drei Fragen:.! 1. War einer der ersten, die auf die drohende Ge- fahr aufmerksam machten, ein hervorragender Parlamentarier desZentrums ? 2. Ist es rich­tig, daß der prominente Führer einer Rechtspartei, der zu scharfem Vorgehen gegen die Verschwöre- neu aufforderte, ein führender Parlamen­tarier der Volkspartei war? 3. Ist es richtig, daß der Mann, der bei der Untersuchung erklärte: „Wenn es gegen Berlin geht, bin ich der erste, der losmarschiert", der Freiherr von j Lüninck war? (der Präsident der Rheinischen Landwirtschaftskammer).

* Der Reicksfinanzministcr erkrankt. Der Reicks- Minister der Finanzen mußte infolge einer starken Heufiebererkrankung auf ärztlichen Rat Berlin für etwa 3 Wochen verlassen, führt »aber die Amts- gejchäste weiter.

Streit um das Opium.

Im Opiumausschuß in Genf kam es zu heftigen Auseinandersetzungen, bei denen es sich um die angebliche Ausfuhr von 200 Kilogramm Morphium und Heroin vonDeutfchlandnach China handelte. Der deutsche Delegierte wres darauf hin, daß für jede etwaige Ausfuhr von Deutschland nach China ein chinesisches E i n- fuhrzertifikat notroewbig ist. Der englische Delegierte wandte sich darauf wegen angeblich u n­rechtmäßiger Ausfuhr in sehr scharfen Wendungen gegen die deutsche Regie« runa. Der chinesische Delegierte sprach eben« falls mit sehr scharfen Worten unter Bezugnahme auf die große Morphiumeinfuhr Englands n a ch C h i n a England jedes Recht ab, sich in den internationalen Handel Chinas einzumischen.

Zur llriegsfchuldsrage.

Seit dem Vertrage von Versailles hat sich I Deutschland unablässig bemüht, das ihm aufgezwun­gene Krtegsschuldbekenntnis zu widerrufen bezie- I hungsweife immer wieder erneut zu betonen, daß man deutscherseits eine Alleinschuld am I Kriege in keiner Weise anerkennen I könne. Gerade in Frankreich hat man sich bisher I gegen dieses deutsche Bekenntnis am schärfsten ge­wandt, well Frankreich mit Recht herausfühtt, daß I in dem Augenblick, wo sich die Meinung der Welt I auf Seiten Deutschlands stellt, der Versailler Bei- 'trag in den Grundfesten erschüttert ist. Denn die- ifer Vertrag baut sich lediglich auf der Tatsache auf, I Mß Deutschland allein Schuld am Kriege trage und deshalb auch die schweren Verpflichtungen, die der Vertrag von Versailles enthält, mit Recht auf- I erlegt bekommen habe.

Seinerzeit hat schon Lloyd George sich zu dem I Bekenntnis verstehen müssen, daß eine Nation an I dem Weltkrieg allein nicht schuld habe, sondern I daß die „Völker in den Krieg hineingestolpert feien". Leider hat ja Lloyd George, als er als englischer Ministerpräsident das Ruder führte und als er maßgebenden Einfluß in Versailles an den Tag I Hätte legen können, von diesem seinen Einfluß kei­nen Gebrauch gemacht lediglich aus Furcht vor dem I .französischen Druck, dem England aus außenpoliti- I scheu Gründen damals nicht in hinreichenden Maße I wDerstehen konnte.

h Seit dieser Zeit haben sich nun immer wieder gelehrte Staatsmänner und Privatmänner dahin I ausgesprochen, daß die Kriegsschuldfrage schließlich zu einer Freisprechung Deutschlands führen müßte. Man hat die Erörterung der Frage I -aber von festen der früher feindlichen Mächte immer I wieder hinausgeschoben, weil, wie gesagt, dadurch I die erste und größte Bresche m den Versailler Der- I trag geschlagen worden wäre. Nun hat neuer» dings Präsident Coolidge, wie hier schon ge« metbet wurde, bei der Gedenkfeier für die im Se­zessionskrieg Gefallenen auf dem Nationalfriedhof von Arlingion eine Ansprache gehalten, in der er sich auch über die Ursachen des Weltkrieges äußerte. Und zwar hat sich das amerikanische Staatsober­haupt hier in erfreulicher und nicht mißzuverstehen­der Weise zugunsten Deutschlands und gegen die Versailler These der deutschen Kriegs­schuld ausgesprochen. Der Präsident beschäftigte sich ch dieser Ansprache mit der Friedenspolitik der amerikanischen Regierung, die sich in der Welt durchsetzen solle zur Förderung der Wohlfahrt aller Länder. Dabei prägte er folgenden wichtigen Satz: „Kein Beobachter kann bezweifeln, daß es tn großem Maße die wirtschaftliche Lage Europas war, die jene überlasteten Völker topf« über in den Weltkrieg trieb. Sie waren mit bä Aufrechterhaltung des Wettrüstens befchäs- 'tigt."

r> Diese Stelle in der Rede des Präsidenten Coo« llidge will nichts anderes besagen, als daß der Weltkrieg durch die übermäßige Belastung der Völ« ker Europas mit militärischen Rüstun­gen entstanden ist, daß also mit anderen Worten sämtliche Staaten Europas in gleicher Weise sich von diesem Druck zu befreien suchten. Das ist ein Bekenntnis in der Kriegsschuldftage, das hier in aller Oeffentlichkeit einmal die wahren Ur­sachen des Krieges bloßlegt, und daß dem Stand- puntt der bisherigen Veröffentlichungen der vielen unparteiischen Hfftoriker beitritt und dem deutschen Standpunkt durchaus gerecht wird.

* Das Ende der christlich-sozialen Partei. An vielen O>ten des Westens haben sich die Anhänger der christlich-sozialen Partei mit dem Zentrum wieder bereinigt. Jetzt wild mitgeteilt, daß der anerkannte Führer der christlich-sozialen Partei, Redakteur Johann Doetsch, fein Amt als Partei­borsitzender niedergelegt hat und aus der Partei ausgeschieden ist. Auch der Kreisleiter der Buerschen christlich-sozialen Partei, Steiger Rhode, ist aus der Partei ausgetreten.

Danzig Vischofsstadt.

Am 1. Juni vormittags wurde in der Käthe« dralkirche zu Oliva die feierliche Inthronisation des ersten Bischofs bon Danzig, Grafen O Rourke, abgehalten. Zu dieser Feier waren eure Anzahl bon Ehrengästen u. «. der Präsident des Danziger Senats Dr. Sahm und zahlreiche Persön­lichkeiten des öffentlichen Lebens erschienen. Bei der Gratulationsfeier übermittelte Senatsprästdent Dr. Sahm die Gratulationswünsche des Senats der Freien Stadt Danzig. Durch dre Er­richtung des Bistums sei einem lang gehegten Wunsche der Katholiken deutscher Nationalität tn der Freien Stadt Danzig entsprochen. Die Mit der erfolgten Inthronisation zum Abschluß gekommene Organisation der katholischen Kirche m der Freien Stadt Danzig begrüßte der Senat als ein weiteres Zeichen für die Anerkennung von Danz rgs staatlicher Selbständigkeit und wünsche, daß das Wirken des Bischofs für den Staat tote für das Bistum gleich fegensreich sein möge. .

Dem feierlichen Akt der Jnchronifation ging, eine Prozession boraus, an deren Spitze sich der Bischof O'Rourke bewegte, unter einem Baldachin, den seinerzeit die zum Katholizismus übergetretene Kö­nigin Chri ft ine bon Schweden, die Tochter und Erbin des Schwedenkönigs Gustav Adolf, m mühevoller Arbeit für das Kloster Oliva gestickt hatte. In dem Prozessionszuge befanden sich auch auswättige Bischöfe, die von Berlin, Ermland und

Bischof O'Rourke entstammt einem der ältesten Adelsgeschlechter Irlands. Seine Vorfahren toan« betten um das Jahr 1700 wegen der Glaubens- Verfolgung nach Frankreich aus und trotten später in russische Kriegsdienste. Der jetzige Bischof ist 1876 geboren, studierte in Freiburg in der Schweiz und Innsbruck Theologie und wurde in Wilna zum Priester geweiht. Bis 1917 war er Pfarrer tn Petersburg und Ehrendomherr an der dortigen katholischen Kathedrale. Dann ernannte ihn der Heilige Vater zum Generalvikar und Offizial der Diözese Minsk und ein Jahr später zum Bischof der wiedererrichteten Diözese Riga. Dieses Amt übernahm er mit der Erklärung, daß er es für wünschenswett halte, wenn der Heilige stuhl so schnell wie möglich einen Bischof lettischer Natio­nalität an seine Stelle setzen würde. Der Papst entsprach dieser dringenden Bitte und sandte den Bischof O' Rourke dann nach Danzig.

* Aus dem österreichischen Nationalrat. Der I Nationalrat nahm das zweite Zusatzabkommen zum I öfferreichisch-deuttcheuW irtsck aftsabkommen an.

* Darmstadt. Der General der Infanterie i. R. Freiherr bon Gall ist hier im Alter von 78 Jahren gestorben. Er war früher Komman­deur der 25. (hessischen) Division. Auch wahrend 1 des Weltkrieges ist er hervorgetreten.

Die Zaszislen in Böhmen.

Zu der Sitzung des Abgeordnetenhauses in Prag lag 'bie schriftliche Antwort des Ministerpräsidenten und Minister des Innern auf die Interpellationen der beiden tschechischen sozialistischen Parteien über die Entwicklung faszistifcher Bestrebungen in der Tschechoslowakei und über die Haltung der Regie- runaSorgane gegenüber diesen Bestrebungen vor.

In der Antwort heißt es u. a., daß die Regte- rung und die zuständigen Bebörden der faszistischen Bewegung feit Beginn ihrer Entwicklung ihre stän­dige und'eitrige Aufmeiksarnkeit widmen. Jede Be­wegung habe,"solange sie sich in den von dem Geietz erlaubten Grenzen betoene, die Freiheit zu sachlicher Kritik und uneingeschränkter Entwicklungsmöglichkeit. Die Aufgabe der Regierung und der untergeordneten Behörden sei es, solchen Unternehmungen vorzubeugen, Die den Gesetzen widersprechen und die ruhige Ent- Wicklung der Verbältniffe im Staate bedrohen. Diese ihre Aufgabe erfüllen Regierung und zuständige Be- Hörden auch gegenüber der faszistischen Bewegung und sie würden dies auch künftighin tun.

Englisch-türkische Verständigung.

wtb. London, 2 .Juni. (Eig. Fun km.) Die Blätter melden aus Konstanttnopel, daß bet J>en englisch-türkischen Verhandlungen über den ^rat eine Regelung über alle wesentlichen Punkte erzielt worden sei. Diese umfasse, wie schon ftüher ge­meldet: 1. Anerkennung der Brüsseler Lime als Grenze zwischen der . Türkei und dem Irak. 2. Ab­schluß eines Sicherheitspaktes zwischen dem ^rak und der Türkei. 3. Beteiligung der Türkei an den Petroleum-Einkünsten des Irak bis zur Höhe von 10 Prozent.

Unterzeichnung des türkisch-syrischen Vertrages.

wtb. Konstantinopel, 2. Juni. (Eig. Fnnkm.) Der französische Botschafter und der tür­kische Außenminister haben gestern den turkuch- syrischen Vertrag auf gute Nachbarschan unterzeichnet. Das Abkommen ist das Ergebnis der vor einigen Wochen in Angora von dem Tran- I zösischen Oberkommissar De Jouvenel geführten Ver­handlungen.

* Asmus Landgerichtsrat. Wie dem ,B. T.' zu­folge verlautet, wird der Freiberger Oberstaatsan. walt Dr. Asmus, nachdem er in Dresden frage* ip-ochen ist, in allernächster Zeit den Posten eines Landgerichtsrates in Chemnitz erhalten. Diese Er- nennung soll auf einen Beschluß des Sächsischen (Seiamtminiiierium§ zurückzuführen fein.

(Offiziere am Ruder >

Wtb Paris, 2. Sunt. (Tel.) „Havas" berichtet aus Coimbra: Nach einer Besprechung zwischen Ge. neral Costa und Major Cabecadas ist eine pro - visorische Regierung gebildet worden. Das Kriegs-, Kolonial- itmb Ackerbau-Ministerium ist General Costa, das Marine», Finanz- und Itffttz- Ministerium Cabecadas unld das Innen-, Außen- und Handels-Ministerium Major Ochoa anoertraut worben. Major Filomeno (Tamara^ hat den Poste» eines Oberkommisfars für Angola übernommen.

Legale Diktatur in polen.

Der neugewählte Staatspräsident, Prof. Mos- dpi, der ein intimer Freund Pilsudskis ist, wird von den Parteien der Mitte und der Linken als ein Mann gefeiert, der nicht politisch be- lostet ist und der als treuer Patriot alle Maß­nahmen zur Rettung des Landes unterstützen werde. Pilfudski habe nunmehr freie Hand, als Kriegsminister die Reorganisation durch­aus ü h r e n. Der neue Staatspräsident werde un­verzüglich den Boden für eine legale Diktatur vor- bereiten. Die Presse steht unter Zensur und darf gegen den neuen Staatspräsidenten nichts bringen.

| Diejenigen Politiker sollen unverzüglich nerbaftet werden, die durch Angriffe die Autorität des Staa- ten verletzen. Man rechnet mit langer Vertagung des Sejm. ___________ ________

Deutsche Kriegsschiffe in Barcelona.

Wtb. Barcelona, 2. Juni. (Eig. Funkm.) Di« I deutschen Kriegsschiffe „Schlesw. a - Holstein und „Elsaß' sind zum mehrtägigen Besuch hier ernge- troffen. Die deutsche Kolonie und spanische Kreise I planen eine Reihe von Festen, an denen auch der I deutsche Botschafter teilnehmen wird.