Anzeiger für die Stabt und den kreis Fulda. Amtliches Kreisblalt.
Zahrg. 5Z.
Freitag, 28. UTai 1926
Nr. 121
PUsudski über Posen.
Vie wirtjchasrrlage.
Von einem wirtschaftspovitischen Mitarbeiter:
Erscheint sechsmal wSchentllch- Wochenbe lagem .Illustrierte Set- läge" und BuchenblLtter". Rotationsdruck und «erlas der
Fuldaer Actiendrnckeret ta Fulda. Fernkvrecher Rr 9.
ÄTonatlicher BsruaSvreiS: 1 50 ’Tt.
• Ein neuer itolienifrker Generalkonsul für München. Wie die Bäuerische StaalSzritung aus bester Quelle erfährt, wird der Botschaftsrat der italienischkn Botschaft in Paris, Sumonte, zum Generalkonsul in München ernannt.
• Der neue Priisi nt der Republik Libanon. Wie Havas aus B eiru l berichtet, ist der ehemalige Direktor deS orthodoxen Gerichtshofes, Dufsas, zum Präsidenten der Republik Libanon ernannt worden.
Technik und Verkehr.
= Die ersten Fahrten im nmerössneten deuksch-frau- Michen Flugverkehr. Mittwoch abend 7.05 Uhr lan-
in T (*TTtDClbof ÖQS f T CI tt $
Tlugzeug Les regelmäßigen deutsch-französischen Lust- Verkehrs. Das, wie gemeldet, am M, twochmorgen m Berlin gestartete I unk e r-G r o tz f l u g zeug der Lufthansa ist fluaplnmnnfeta um 5 Uhr m L e Bour- g e^ eingetrossen.
8b» el Krims Unterwerfung. I
Der Führer der aufständischen R i f'. u t -, Abd el im, der zeitweilig einer erfolg, iche.' Kolonialkrieg gegen Spanien und später gegen I , Spanien und Frankreich in Norgasrika füh n i’ I ; können schien, hat sich am Mittwoch freiwillig m s r a n; ö s i s ch e G e s a n g e n' ch a f t begebelu (Fr hat sich selbst vor den französischen Sin-'i em» a »künden und um den Schutz der Franzosen gebeten. Abd el Krim wird nach Taza und von dort noch. Fez gebracht werden. Kurz vorher hafte Ao" el Krim sämtliche französischen und spanische , Kriegsgefangenen entlassen und nach Targuist gesandt. , , _ .
Die Uebergabe Abd el Krims kann als Ende I de; Marokko-Aufstandes betrachtet werden. Das Sch icksal des Ritführers war mit der Erstürmung des Dschebel Hamun durch die französischen Truppen besiegelt. Unter der Führung des Geier als Boichu haben die Franzosen damit das militärische Ziel erreicht, das bei den Madrider Besprechungen zwischen Marschall Petain und dem spanischen Ge» neral Sanjurjo für die Frühjahrsoffensior m Aua» I sicht genommen war.
Der Feldzugsplan hat sich als richtig erwiesen und den Franzosen endlich den Sieg gebracht, um den sie unter Aufwendung großer Mittel fett mehr als einem Jahre gekämpft haben. Für dte Regierung B r ia n d bedeutet dieser Erfolg unmittelbar vor dem Zusammentritt des Parlaments eine wesentliche Entlastung. _ .
Erst 20 Tage sind vergangen, fett die Fr"- denskonferenz von Udjda ausemanderbrach, nachdem sie nur neun Tage gewährt hatte. Zwanzig Tage haben das Schicksal des Mannes besiegelt, I der sich noch im Dezember vorigen Jahres mächtig genug glaubte, die iflamitischen Völker zum Heilt ge n 'K r i e g gegen Frankreich und Spanien aufzurufen und in dem manche Kreise des Islams den „Befreier Afrikas" begrüßten. Abd el Kam hat I es versäumt, rechtzeitig Frieden zu schließen.
Die Haltung der Stamme in Marokko.
I Rabat, 27. Mai. (Eig. Funkm.) Das amtliche I Kommunique stellt fest, daß die Unt erwersu n- g e n z u n e h m e n. Die Hauptteile des.Stammes I der Beni Zerual und ein Teil des Bem Uriaghel sowie eine ganze Anzahl weiterer kleinerer Stämme, die bis jetzt niemals unterworfen gerne- fen feien, hätten fid) unterworfen. -M einer Hcwasmeldung aus Fez scheint es, Mi Ne oer schiebenen Stammesführer durch den Verzicht Abd el Krims, weiter zu kämpfen, ihre Unabhan- gigkeit gegenüber den eigentlichen Ntsieuien wiedergewonnen hätten und es wahrscheinlich fei, daß geroiffe von ihnen versuchen wurden, ihrerseits einen Wider st andzu organisieren, so vor allem die drei nicht unterworfenen Stamme der
I Uenl Uriaghel und einige der Beni Mestara im I Norden von Wessan. *
I Nach einer Havasmeldung aus Fez beträgt die I Zahl der von Abd el Krim frelgelasienen 0e- I f et n ae n en sechs Offiziere, acht Unteroffiziere, 2.
französische Soldaten und 112 Algerier und Sene- ■ galesen und die Zahl der Spanier 105 Soldaten, : I 19 Zivilpersonen, zwei Frauen und wer Kmder.
Zuchthaus-Meile in Budapest. ।
Der Budapester Strafgerichtshof hat das Urteil I im Frankenfälscherprozeß verkündet. Polizeichef • Nadossy wurde zu 4 Jahren Zuchthaus, 10 . Millionen Kronen Geldstrafe und 3 Jahren Amtsverlust, Prinz Windischgraetz zu 4 Jahren Zuchthaus, 10 Millionen Kronen Geldstrafe und l 3 Jahren Amtsverlust, der Kommandant des Km- I tographischen Jnstttuts HajtS zu einem Jahr Kerker und der zweite Kommandant des Karto- I graphischen Instituts Kurz gleichfalls zu einem Jahr Kerker, beide zu je 2 Millionen Kronen I Geldstrafe verurteilt. , I
In der Begründung des Urteils gegen die | Frankenfälscher, dessen Verlesung zwei Stunden I beanspruchte, heißt es u. a.: I
Es ist nicht gelungen, aufzudecken, unter welchen I Umständen die Idee der Geldfälschung gefaßt wurde. I Es wurden zwar deutsche Beziehungen erwähnt, I doch sind diesbezügliche konkrete Daten nicht fest- gestellt worden. Die Hinfälligkeit der Behauptungen, daß die Geldfälschung mtt dem Wissen der Regierung bezw. des Grafen Bechlen erfolgte, und daß höhere Kreise hmin der Aktion ständen, geht in erster Linie aus den Geständnissen bei Angeklagten hervor. Was die Zeugenaussagen des Grafen Pallavicini anbelangt, so erwiesen sich I nicht nur seine Schlußfolgerungen als falsch, sondern auch, daß er sich selbst an das, was « mtt eigenen Ohren gehört hat, schlecht erinnert. Auch die Aussagen Hirs erwiesen sich als völlig unwahr bezw. I unzuverlässig. Graf Bethlen hat in allen Fällen I die Maßnahmen getroffen, zu denen er verpflichtet I roa$ßa§ die Berufung der Angeklagten auf selbst- I lose und patriotische Momente anbelangt, so ist nicht widerlegt worden, daß sich Nadossy auS-
I schließlich von seinen patriotischen Gefühlen hatte I leiten lassen und nicht der leiseste ^>atten emes Beweises ist vorhanden, daß Wmdischgratz parteipolitische Ziele oder materielle Vorteste erstrebte. Dasselbe gilt auch fast von allen übrigen Ange- klagten. Wenn sie sich auf ihre Vaterlandsliebe berufen haben, so hat sich das Gericht nicht davor
I verschließen können, daß ihre Aussagen aufrichtig sind und glaubhaft erscheinen. Sie sind keine ge-
I wöhnlichen Verbrecher, sondern daS Opferjenes katastrophalen Unglücks, daS Ungarns Zerstückelung
I und Zugrunderichtung zur Folge hatte. Wenn der Gerichtshof also die Motive der Angellagten auch begreift, so kann er ihre Berechtigung keineswegs
I anerkennen, da ihre Handlungen ein scharfer Angriff gegen die Rechtsordnung des Staates sind. Als mildernden Umstand ckber hat der Gerichtshof bei allen Angeklagten mit Aus-
I nähme bott Raba, Mankowiez und Kowacz in Bettacht gezogen, daß sie auS patriotischem Anttieb gehandelt haben und wirllich selbstlos und frei von allem materiellen Jntereffe vorgegangen sind, sowie daß das geschädigte Bankinstitut keinen besonderen Schaden erlitten hat. Der Dertteter der
I Bank von Frankreich gab sich mtt dem Urteil I zufrieden.
Berufung gegen das Urteil.
I Gegen das Urteil im Frankenfälscherprozeß haben I sowohl der Staatsanwalt als auch die Ver- I urteilten Berufung angemeldet. Mit Ausnahme von Nadossy und Windischgraetz wurden sämtliche Angeklagte auf freien Fuß gesetzt.
Newyork, 27. Mai. (Eig. Funkm.) Rew^ott Times bringt ein längeres Warschauer Jniewiew Jules Saüerwein mit Pilsudski. Auf die Frage, was er über die Oppo sition in Polen denke, antwortete Püsudfti: »/ja, ^^osen if eine Schwierigkeit und wird es für eine.GenerMion sein. Posen zeigt zwei große Unterschiede gegen- I Über dem übrigen Polen und besonders gegenüber Ruffisch-Polen auf. Der erste Unterschied ist, daß die Posener unter einer höheren Kul- tut und unter einer von den De utschen eingeführten Ordnung aufwuchsen. Da- her haben sie eine Sinnesart, die ganz verschieden ist von der Sinnesart derer, Ne unter russischer Anarchie oder österreichischer Nonchalance lebten. Der zwette Unterschied ist der, daß sie eme west überlegene Lebenshaltung aufwelsen.
Generäle der Wftos-Negierung im Gefängnis.
Warschau, 27. Mai. (Eig. Funttn.) Die Generäle Rozwadowski, Zag orskr und In- zwinsky, die auf der Seite der Regierung Witos gekämpft haben, wurden nach Wilna ms Gefängnis gebracht, wo sie wegen verschiedener sttafbrner I Verfehlungen, Ne sie sich früher angeblich haben zu schulden kommen lassen, vor ein Kriegsgericht gestellt werden sollen.
Immer noch haben wir mehr als Mill,o-
nen Ardestslose. Trotz der Anregungen welche Ne Jahreszeit dem B a u g e w e r b e bot, trotz Inan grtffnahme großer Bauwerke durch Staat, Lan- der uM Gemeinden, trotz Vergebung großer Siedlungsbauten und trotz steigender Inan- spruchnahme von Arbeitskräften durch die L a n dwirtschaft, hat sich die gesamte Arbeitslosenzif- fer nur unwesentlich verringert. Diese Tatsache in Verbindung mit den Erscheinungen auf dem G e l d- und Kapitalmarkt in den letzten Tagen regt doch zu ernsten Betrachtungen an.
Es ist ohne Zweifel, daß Die Besserungder Wirtschaftslage nicht die noch vor wenigen Wochen erwartete Ausdehnung angenommen hat. Rur ganz geringfügig find die Auswirkungen der letzten wirt» schaftspolitrschen Maßnahmen der Rcichsrcgierung, namenllich auch nach der steuerlichen Seite hm. Jedenfalls Haden sie bis jetzt Mvßere Emwirlung im Sinne einer allgemeinen Besterung n i cht erfahren. Auch der Rückgang der Konkursziffern hat nicht das Ausmaß angenommen, das man vielfach erhofft hat. Gerade diese Ziffern zeigen dah in Handel und Gewerbe es noch außerordentlich viel zu bereinigen gibt. ..
Man muß jetzt doch einmal Ne Frage aufwerfen, ob das bisherige System der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ausreicht. Und da wird man sagen müssen, daß die Methode der Zahlung von Arbeüs- losemmterstützung auf die Dauer nicht ausreicht, mn das Usbel zu beheben. Es ist zu me ch a n l f ch, als daß es an die Wurzel des Problems heran-
I käme. Die Ausgaben, die -em Reich, den Lcm- I Hern und Gemeinden durch die Unterstützung erwachsen, stellen zudem in wachsendem Maße unproduktive Ausgaben dar, so daß man sich nachdrücklichst überlegen müßte, ob es nicht Mittel und Wege gibt, sie wenigstens zu ernem größeren Test zu produktiven Ausgaben umzuwandeln, uns das wäre nur möglich, wenn in viel größerem Matze als bisher von Reich, Ländern und Gemeinden öffentliche Arbeiten vergeben würden. Es harren außerordentlich viele Aufgaben ihrer Losung: Wir müßten Landeskulturarbeiden in größtem Ausmaße
I vornehmen, wir müßten Kanäle bauen oder oervoll- I kommnen, wir mühten Siedlungsarbetten vornehmen, brach liegende Ländereien urbar machen uns dergleichen mehr. Hunderttausende von Arbeitskräften könnten auf diese Weise beschäftigt werden, und die Ausgaben, die dafür erwachsen, wurden keinesfalls wesentlich höher sein, als diejenigen, Ne jetzt für die Arbeitslosen himgegeben werden mutzen, ohne daß eine Gegenleistung gegenüber steht. Hier werfen sich Fragen und Probleme auf, die verdienen mit allem Nachdruck non den berufenen Siel-
I len unverzüglich in Angriff genommen zu werden. Demi mit steigender Jahreszeit oer ringern sich die Aussichten, die Arbeitshofen unterzubrtngen, und ! fmd wtt erft wieder im September und gehen dann , hem Herbst und Winter zu, so wird sich auf keinen
Fall die Zahl der Arbeitslosen senken, im Segen- ■ I teil, sie wird sich wieder heben. Wenn letzt in Berlin der kommunistische Aufmarsch von Bürgerlichen mtt Sorge betrachtet wurde, so nicht zuletzt deshalb, weil man von der ungeheueren Masse der Arbeitslosen Demonsttationen befürchtete. Utiö Da es sich hier vielfach um Elemente handett, Ne schon seit langer Zett arbeitslos sind, und die vielfach schon einer gewißen Derzweiflung anheimgefallen sind, so waren sicherlich die Sorgen nicht ganz un- berechtigt. Es ist ein dringendes Pro ble m der mit der Ueberwachung unserer rmrlschastlichen Entwicklung beauftragten und für sie verantwortlichen Stellen, diesen Unruheherd, wie er sich durch die Arbeitslosigkeit in unsevem gesamten Wirtschaftsleben breitgemacht hat, auszutilgen-, und das ist nur möglich, wenn man den Arbeitslosen Beschäftigung und Brot gibt. Die Reichsregierung wirb prüfen müssen, ob und wie sie von dem mehr oder minder mechanischen System der Zahlungen von Unter« stützmigen zu unproduktiven Zwecken abkommt und Die notwendigen Ausgaben dadurch produktiv gestaltet, daß sie gleichzeitig auch mit der Hebung der Existenzfähigkest breiter Massen auch Werte für Staats- und Volkswohlfahrt fdjafft
Ein weiteres Problem, das die gegenwärtige deutsche Wirtschaftslage beleuchtet, ist das der Em- fchätzung der deutschen Wirtschaftskraft und des deut- schen Kapitalmarktes von feiten des Ausl and es. Hier hat ss in letzter Zeit -och starke Enttauschun- I gen gegeben. Wenn auch eine Reihe deutscher An- I leihen, namentlicher kommunaler, teilweife auch m- I dustrieller Anleihen, im Auslande gut ausgenom- I men worden sftid, so hat es sich doch in letzter Zett ergeben, daß die Papiere, wenn sie zur Börse tarnen, eine Anzahl von Punkten unterhalb des I Ausgabekurses notiert würben. Das ist eine Erscheinung, ber die ernsteste Beachtung zukommt, weil aus ihr sich eine V e r r i n g e r u ng der AufnatMe- I fähiqkeit des Auslandes ejegenuber deutschen 2In- I lagewerte ergibt. Da wir aber gerade 'M jetzigen Augenblick für Ne deutsche Wirtschaft im allgemeinen unb für die deutsche Industrie im besonderen noch Auslandsgelder im ftarfim Umfange benötigen, so haben wir alles Interesse daran, den Ursachen l dieser verringerten Ausnahmefähigkeit des deutschen I Kapitalmarktes nachzugehen. Die Lage ist um I deswillen von besonderer Wichtigkeit, auch für den I Stand des deutschen Geldmarktes selber, weil wir nicht damit rechnen können, daß Ne gegenwärtige Geldflüssigkeit eine Dauererscheinung ist und weil wir uns vorsichtigerweise auch auf eine Aenderung der gegenwärtigen Geldmarktverhältnifse einstellen müßen. Kommt aber eine Golbverftei- fung, dann muß man sich darauf gefaßt machen, daß in erfter Linie die Aktten, deren Renten ohne-
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FuldaerZeitung
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Deutschland und Frankreich.
v. Hösch bei Driand.
Der deutsche Botschafter v. Hösch hat den fr an- \ zösischen Ministerpräsidenten Briand aufgesucht, um < nach seiner beinahe dreiwöchentlichen Abwesenheit , in Berlin und Genf die persönliche Füh- I lungnahme mit dem Leiter der ftanzöslschen I Außenpolitik wieder aufzunehmen. Bei dieser Ge- legenheit sind eine Reihe schwebender Fragen zur Sprache gekommen, insbesondere solche, die die Lage in den besetzten Gebieten bettefsen. I Der Botschafter hat außerdem Ministerpräsident Driand von der pünküichen Ankunft deS ersten I deutschen Flugzeuges in Paris Mitteilung gemacht.
•
Unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten I Driand hatten sich die Mitglieder der Associa- I tion d e la Presse Etrangere zu einem Frühstück vereinigt, dem zum erstenMalenach dem Kriege auch die deutschen Stör re- I spondenten, die Mitglieder der Association sind, I beiwohnten. Briand hielt eine kurze Ansprache.
Um die Stützimgsaktton für den Franc noch I wirksamer zu gestalten, hat die ftcmzösische Regierung den Plan gefaßt, eine schar f e St o n t ro 11 c I der Dewisen und der Reportage durchzusühren, I und weiter beschlossen, die Ermächtigung für die I Lieferung von Franckrediten an ausländische Ban- I fen, die auf schriftlichem Wege gedeckt werden I müssen, aufzuheben. Die französische Regierung folgt hiermit dem Beispiel der italiemichen Regierung und will durch diese Maßnahmen die Spettilation zum Schaden des französischen Franc I unterbinden, die in dem Zeitraum von Tagen der Kreditgewährung bis zur Deckung möglich ist.
Schutz gegen Krieg.
Der Kampf gegen Kriegsgefahr, die Sorge für Abrüstung kann nicht von heute auf morgen zu einem idealen Ergebnis führen. Zu viel einflußreiche Mächte gibt es, die N u tz n i e ß e r von Ru- ftung und Krieg sind. Sie laßen sich nur in zähem Ringen unschädlich machen. Deshalb wäre es Torheit, von der Genfer Abrüstungskonferenz gleich ganze Arbeit zu erwarten. Es ist schon zu begrüßen, daß die Diskussion in Fluß gekommen ist. Auf dem Preßeempfang in Genf nach Abschluß der Dor- konferenz gab Lord Cecil der Meinung Ausdruck, daß man allen Grund habe, mit dem Ab- Wuß der ersten Epoche der Borbereitting der internationalen Abrüstungskonferenz zuf ri e den sein, da die Lösung dieser außerordentlich schwierigen Aufgabe des Völkerbundes, die fremd) noch geraume Zeit in Anspruch nehmen werde end- gültig auf ein p r a k t i s ch e s Gleis gebracht wor- den fei. Ws besonders wichtig hob Lord Cecrl den Beschluß hervor, daß die F r i e d e n s st ä r k e zum Gegenstand der Abrüstung gemacht werden solle und daß ferner jedes Land der künftigen Abrüstungskonferenz genaue und begründete Bor. schlage über seine eigene A br ust urig unter Netten solle. Außerdem unterstrich » Ne Bedeutung der Untersuchungen, Ne zur Verbinde rung des chemischen Krieges angestellt werden sollen und die Sanltionsmaßnahmen, Ne eine streng- Einhaltung der Destimmungen der internationalen Konvention S^gen den chemischen Krieg gewährleisten sollen. Der Abschluß von regionalen Abrüstungsabkommen erscheint, Ceci, durchaus empfehlenswert well dadurch die spatere allgemeine Abrüstung erleichtert werde. Nach ! ner Meinung kann im übrigen nicht bannt net werben, daß die zwette Tagung des Ad rüstungsausschußes vor September 1926 und Ne Abrüstungskonferenz selbst vor Ende 192 < nm mentreten werden.
• Deutschland und Ungarn. Der ungarische I Reichsverweser Horthy empfing den neuernannten I Gesandten und Bevollmächtigten Minister des I Deittschen Reiches, v. S ch ö r., zur Entgegennahme I feines Beqlaubiaungsschreibens. 3m Anschluß I daran hatte Horthy eine längere Besprechung mit v. Schön. I
Nachklang zum Putschplan.
Aus Lübeck wird gemeldet: In der Bürger. I schaftssitzung wurde ber sozialbemokratische Miß- 1 trauens antrag gegen Oberbürgermeister Dr. Neumann mit einfacher Mehrheit und zwar mit I 43 gegen 33 Stimmen angenommen. Für i den Antrag stimmten die Demokraten mit einer Ausnahme sowie die Sozialdemokraten und Korn- munisten. Nach der Lübecker Derfaffung ist eiru nochmalige Abstimmung erforderlich, die bei ein- facher Stimmenmehrheit enbgültig die Annahme des Antrages ergibt.
Dr Neumann war bekanntlich von dem Führer der Alldeutschen C l a a s als Kanzler für eine ter- roristifche Diktatur vorgesehen. Er hafte Br etc geschrieben, die verfänglich waren.
Nordischer Sicherhettspakt.
mtb Moskau, 27. Mai. (Eig. Funkm.). Die Moskauer Preße veröffentlicht ein fmisches Memorandum zu den Verhandlungen der Sowjettegierung mit den baltischen Ländern wegen eines Sicherheits. Paktes. Das Memorandum schlägt vor, den Begriff des Ueberfalls weit zu faßen. Die aus der Zuge- hörtakeit zum Bökkerbund hervorgehenden Derpflidft tmrgen sollen unberührt bleiben. Empfohlen wird Nr^Abschluß einer Konvention über em Bergleich- unb Schiedsverfahren und die »eiberfeitige Verpflichtung, keinen gegen die politische Ordnung des anderen Dertragsschließenben gerichtete Tätigkeit auf eigenem Staatsgebiet zu dulden. Der Sow,etreg,e. runq sind Memoranden des gleichen Inhalts von der estnischen und ber lettischen Regierung zuge- ! gangen. Diesen Regierungen ist ber Entwurf ber | Sowjettegierung zu einem Sicherhcüspakl bereits * übermittelt worben.
* Die bisher größte Eingemeindung Prcutzcns. Laut .Berliner Tageblatt" beschlojftn die Stadtverordneten in Langenbielau (Schlesien) den bis- I Nrigen Gntsbezirk Langenbielau in e'Utt Groh-von ttwa 1317 Hektar in das städtische Gebiet einzage meinden. .
* Die 8. Opiumkonserenz. Die Opiumlouscrenz hat in Genf unter dem Vorsitz von Boupgems- Krantteich ihre achte Tagung begonnen und Ar. Intelmono• Deutschland zu ihrem B-zepasidenten gewählt. Die Konferenz begann mtt der Prüfung! ber Frage, ob es zweckmäßig fet, bet der Einfuhr von Opium, das nicht zur H^steaung von Rauck opium bestimmt ist, eine Erklärung über den l.or pbiumgehalt zu verlangen.
(Ein neuer Zürstenprozetz.
Im mecklenburg-sttelitzischen Landtag teilte Staatsminister Dr. H u st a e d t mtt, daß Ne ® e zogin Jutta, Ne frühere Kronpr,nzess van Montenegro, das Deutsche Reich unter Heranziehung von Bestimmungen des Versailler Vertrags^ auf Zahlung von 14^ M.llwnen Mar verklagt habe. Sie beanspruche ein Viertel der Erbsc^ft des Großherzogs Adolf Friedrich y. unb beziffere das Gesamterbe auf 58 Millionen Mark. Wie ber Minister annahm, werde das Deutsche Roch im Falle des Unterliegens auf Mecklenburg- Strelitz zurückgreifen. Herzogin Jutta laße ihre Rechte durch den Pariser Anwalt PauI Boncour, den Delegierten Frankreichs beim Lol- ferbunb vertreten. Die Angelegenheit werbe vor einem Schiedsgericht verhandelt werden, das zur Hälfte durch Deutschland besetzt werde. De mecklenburgische Regierung habe vor drei Wochen dem Reichsminister Oes Innern einen Schriftsatz über» reicht, der alles Material enthalte.