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Zahrg. 53.

Nr. 120

Die Genfer Anregungen zur Abrüstung

I

Nischen Roten-Kreuz-Kongreß führte Prä- . sident Coolidge in seiner Ansprache aus:

In den letzten Jahren ist viel über die inter­nationalen Beziehungen gesprochen worden, Bedürfnis nach solchen Erörterungen liegt aus der Hand. Die Anwendung der Ergebnisse wlssen- schastlicher Forschung auf dem Gebiete der Nach- I richtenübermittlung, des Verkehrs und der Industrie hat die Einzelländer der Welt in so enge Verbrn- dung zueinander gebracht, wie die menschliche Vor­aussicht sie niemals hat ahnen können. Mn der angespannten Tätigkeit der Menschheit auf dem Gebiet der Wissenschaft, Industrie und Hmrdel hält die soziale Organisation selten Schritt. Die Probleme, mit denen eine moderne Regierung sich zu befassen hat, sind von einer Derwickeltheit, die für diejenigen erschreckend ist, die an der Verant­wortung teilhaben. Angesichts des Anwachsens die­ser Probleme müssen die internationalen Dezre Hungen und die internationale Zusammenarbeit zwischen den Völkern der Welt auf der breiten Basis gegenseitiger Verständigung ru- hen. Sympathie und Toleranz müssen bei den Völkern aus sich heraus entstehen; sie können ihnen nicht aufgedrängt werden. Wenn die Volker lernen werden, ihre Anstrengungen lieber diesen Aufgaben zuzuwenden, als sinnlosem bruder- mörderischem Streit, werden die internatio­nalen Beziehungen in zunehmendem Matze den Charakter gemeinschaftlicher Arbeit und weniger den der Gegensätzlichkeit annehmen.

befindet.

* Handelsvertrag zwischen Frankreich und Spanim,. Havas meldet aus Madrid, die Zeitung »ABC berichtet, daß die Note, die die Grundlage für die Verhandlungen über den Handelsvertrag zwischen Frankreich und Spanien enthalte, an die französische Regierung abgegangen sei.

Ertibemt sechsmal wöchentlich. SBo4enbe'Iageti: .Illustrierte Bei­lage" und BuchenblLtier" Rotatcknsdruck und B-rlag der Fuldaer Actiendrnckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.

Monatlicher BetuarvreiS: 150 Ml.

pilsudskis plan.

Marschall Pilsudski antwortete gegenüber Ver­tretern linksgerichteter Blätter, ob er gewillt sei, die letzten Ereignisse in Polen durch die lieber« nähme der Staatspräsidentschaft zu legalisieren, ausweichend. Der Marschall er­wartet die öffentliche Anmeldung mehrerer Kandidaturen, mit denen er sich dann ins Einver­nehmen setzen wolle. Die Präsidentschaftsbewer­ber sollten bei ihm zusammentreffen und eine Er­klärung abgeben, wonach sie sich verpflichteten, weder mit den Sejmparteien, noch mit den Privatbanken oder Konzernen ir­gendwelche Vereinbarungen zu schließen, denn der Präsident müsse alle Schichten der Bevölkerung ver­treten und als solcher sei er von vornherein zur Isolierung verurteilt.

Schlägereien in Lemberg.

Wie der „Przeglond Wieczorny" aus Lemberg meldet, kam es dort zu Schlägereien zwischen An­hängern der Rechts- und Linksparteien, wodurch mehrere Personen, darunter drei Polizisten, Ver­letzungen erlitten.______________________

♦ Die englisch-türkischen Verhandlungen. Die englisch-türkischen Besprechungen verlaufen g ü n st i g. Die türkische Regierung zeigt sich von dem Wunsch erfüllt, zu einer Einigung zu kommen.

* Ter preußische Kultusminister Dr. Becker ist nach Ungarn gereist. Der Besuch stellt die Er­widerung des seinerzeitigen Besuches des ungarischen Kultusministers Grafen Klebelsberg dar.

* Tagung für Gewerbehygiene in Düsseldorf. In der Sitzung des Verwaltungsrates des Internatio­nalen Arbeitsamtes kündigte der Direktor Albert Thomas an, daß der Ausichuß für Gewerbehygiene im September in Düsseldorf anläßlich des Kongresses für Gewerbekrankheiten zusammentreten solle.

* Bevorstehende Ernennung neuer Kardinale. In einem auf den 21. Juni anberaumten geheimen Konsistorium werden der Assessor der Kongregation des Sank Officio, Monsignore Carlo Peroir, und der Affefsor der Kongregation der Sakramente, Monsignore Luigi Capo sti, zu Kardinalen ernannt werden.

politischer Mord in Paris.

In Paris ist der frühere Gounerneurder Ukraine, Petljura, Direktor der in Pans er­scheinenden Zeitung .Le Trident", von einem ter- ner Landsleute erschossen worden, angebcich deshalb, weil er in der Ukraine eine große Anzahl von Israeliten unterdrückt haben soll.

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A»,.i«e«-Pr-tke- «lein,eile -Caian-l) »rat 0,15 Reick-mar anSvLrt» 0.20 Reichsmark. Reklamer-ile: lokal fi RelckSmari au-wLrtS 0.80 Reick-mark.

Bei Wiederbo'unaen Rabatt. Dostickeckkonto Frankiur a.

Der Bericht des Redaktionskomitees, dem der Wortlaut der Erklärung des Grafen Bernstorff und die Denkschrift der jugoslawischen Regierung über das Abrüstungsproblem als Anlagen beige­geben sind, enthält ohne verbindenden Text im wesentlichen die in den letzten Tagen bekannt ge­wordenen Beschlüsse über die Arbeitsteilung, fer­ner die beiden von Lord Cecil und de Brouckere eingebrachten Anträge gegen den chemischen Krieg bezw. über die Kontrolle der R ü st u n g. s - i n d u st r i e n und des Rüstungsstandes und schließ- lich den zwischen Karl Boncour und Cecil zustande gekommenen Vergleichsantrag, durch den der Völ- E«rbunüsrat srbucht Lttte Methoden rur raichrren.

ürrmika und der Dawesplan.

In einem Leitartikel mit der Ueberschrift: „Was «ach dem Dawesplan?" führt das Newyorker ^Journal of Commerce" aus:

Nicht nur in Europa, sondern auch in gut unter­richteten amerikanischen Kreisen setzt sich die lieber - zeugung immer mehr durch, daß der Dawesplan nützliche Dienste leistete, daß er aber, um weiter­hin von Nutzen zu sein, eines gänzlichen Umbaues oder einer gründlichen Ueber- arbeitung bedarf. Der Dawesplan leistete recht gute Dienste, aber wie es nicht anders sein konnte, hat er die Frage der Einziehung und der lieber» tragung der Reparationszahlungen nicht lösen kön­nen. Diese Tatsache wird heutzutage ziemlich all-, gemein anerkannt. In mancher wichtigen Be­ziehung unterscheidet sich die heutige Lage von der, die die Aufmerksamkeft der Sachverständigen 1924 in Anspruch nahm. Vor zwei Jahren bestand Frankreich noch hartnäckig darauf, datz Deutschland alles, was ihm aufgerechnet worden war, mit Leichtigkeit zahlen könne, und datz Deutschland die Inflation schuf, um der Zahlung aus dem Wege zu gehen. Jetzt ist die deutsche Währung stabi­lisiert und seine Finanzverhältnisse sind genügend geklärt, um jedermann zuftieden zu stellen. Selbst in französischen Köpfen bestehen anscheinend keine Zweifel mehr an dem auftichtigen Bestreben Deutschlands, sein Wirtschaftsleben wieder aufzu­bauen. Trotz allem ist die Tatsache, daß Deutsch­land, wenn die Daweszahlungen ihren, höchsten Grad erreichen, nicht fähig sein wird, sie in vollem Umfange zusammenzubringen — gar nicht zu reden von der Aufgabe des Transfers — zu offensichtlich, daß sie selbst in Frankreich nachdrücklich bestritten werden könnte. So kann man vielleicht darauf rechnen, baß ,wenn man an die Aufgabe heran­geht, einen neuen Versuch zur Glattstellung dieser Angelegenheit zu machen, dieser Versuch sich inmitten einer durchsichtigeren Atmosphäre mit einem grö­ßeren Maß von Ä u f r i ch t i g k e i t vollziehen wird. Die Zeit rückt rasch heran, wo der Dawesplan entweder abqebaut oder qründM umgebaut wer­den muß. Wenn dieser Zeitpunkt kommt, können wir es uns nicht leisten, lediglich interessierte! Zuschauer zu sein.

Präsident Coolidge über die internationalen Beziehungen.

A«3 Washington wird gemeldet: Bei der Begrüßung der Delegierten zum 2. panamerika-

Streit der englischen Liberalen.

Briefwechsel zwischen Asquith und Lloyd George.

In politischen Kreisen Englands erregt ein j Brief, den der Führer der Liberalen Partei, Lord O x f o r d (Asquith) an den Führer der liberalen Parlamentspartei des Unterhauses, Lloyd George, richtete, großes Aufsehen. Oxford spricht sein Bedauern darüber aus, daß Lloyd Ge­orge feine Abwesenheit von der Zusammenkunft der liberalen Führer am 10. Mai während des kri­tischsten Augenblicks des Generalstreikes unzurei- chend begründete und als Hauptgrund angab, daß er nicht in der Lage sei, sich den Erklärungen an­zuschließen, die den Generalstreik verur­teilten sowie gleichzeitig auf die Kritik der Re­gierung verzichtete, die in gleicher Weise, wenn nicht noch mehr, verantwortlich sei. Oxford er­klärte, er betrachte die Abwesenheit Lloyd Georges von dieser Zusammenkunft als eine sehr ernste Sacke. Sie fei unvereinbar mtt seiner (Oxfords) Auffassung von Verpflichtungen politischer Kame­radschaft. Ferner kritisiert Asquith einen Artikel, den Lloyd George in einer Reihe amerikanischer Blätter veröffentlichte und bedauert, daß eine solche Darstellung der Außenwelt unter dem Namen des vormaligen Premierministers und Dorsitzenden der Lberalen Parlamentspartei gegeben wurde.

Lloyd George hat am 21. Mai eine kurze Empfangsbestätigung auf den Brief Lord Oxfords gesandt, in der er diesen Brief als ohne Vorgang bezeichnet und sagt, da seine Ent­scheidung das Schicksal der liberalen Partei ernsüich beeinflussen und ihre Zerrissenheit vermehren müsse, wolle er die Angelegenheit zwei bis drei Tage erwägen, bevor er ausführlich antworte. In seinem sehr langen Brief vom 24. Mai verteidigt Lloyd George eingehend seine Hal­tung während des Generalstreiks und führt aus, wenn es eine neue Spaltung in der liberalen Par­tei geben solle, so werde man wissen wollen, um was es gehe. Lloyd George fährt fort:. Soweit ich weiß, üben wir in der liberalen Partei keine Zen­sur über unsere gegenseitigen Bücher und Auf­sätze aus. Ich brauche kaum zu «agen, daß ich be­reit bin, mit JKien und den übrigen Kollegen zu­sammenzukommen, um die ganze Lage zu erörtern, wenn Sie der Ansicht sind, daß eine solche Erörte­rung der Partei zum Nutzen gereichen wird.

* Zunahme des französischen Heeres-Analphabeten. t Nach "einer Statistik, die tm französi'chen Senat zur Verlesung kam, gab es 1913 im französischen Heer 7694 Rekruten, die weder leien noch schreiben konnten, [ im 1924 war diele Zahl auf 13 054 aeftwaen.

Das Redaktionskomitee hat den Bericht von der Broukere nach einigen textlichen Aenderungen und Einfügung eines Auszuges einer Erklärung des Grafen Bernstorff einstimmig genehmigt. Der deuchche Vertreter erklärte: „Wenn die euro­päischen Staaten, die bereits ihre Rüstungen in einigem Umfange herabgesetzt haben, in der Lage sein sollen, einen anderen Staat, der von einem im Besitz überlegenener militärischer Machtmittel befindlichen Staat angegriffen wird, wirksame Hilfe 3U bringen, so ist es selbstverständlich, daß ihre ver­einigten Rüstungen der Kraft eines jeden eventuel­len Angreifers überlegen sein müssen. Deshalb wird nach meiner Meinung die Prüfung jener Fra­gen nur dann ein befriedigendes Ergebnis haben, wenn von dem Stande einer in sich ausgeglichenen allgemeinenAbrustungausgegangen wird. Die von dem französischen Vorschlag ange­regten Maßnahmen würden lediglich vorläufige Ergebnisse zeitigen, die meiner Ansicht nach kaum geeignet sein würden, die endgültige Lösung, näm- uch die allgemeine Abrüstung, zu beschleunigend

Dendramis (Griechenland) und General Tanc- zos (Ungarn) erstatteten dem Ausschuß Bericht übet zw ei Denkschriften, die von ihren Re­gierungen zur Abrüstungsfrage ausgearbeitet wor­den sind. Die griechische Denkschrift unterstützt sehr stark die französische Auffassung, indem sie eine unbedingt und praktisch gewährleistete Si­ch e r h e i t als erste Voraussetzung jeder Mrüftung bezeichnet, die Aufstellung eines genauen Planes für die rasche Durchführung der militärischen und wirffchastlichen Hilfeleistung fordert und verlangt, daß im Falle von kriegerischen Konflikten sämt­liche Bündnisverträge >ntt dem Angrei­ferstaat als n u l l und n i ch t ig betrachtet werden. Der Ungar Tanczos übergab die Denkschrift feiner Regierung, ohne sie inhaltlich bekannt zu geben, wies aber aus den engen Zusammenhang zwischen den technischen und politischen Fragen beim Abrüstungsproblem hin.

Es mußte auf Mittwoch nachmittag eine wei­tere Sitzung des Vollausschusses zur Besprechung dieser beiden Denkschriften angesetzt werden. Zum Schluß der Sitzung bestimmte Der Ausschuß den spanischen Vertreter Cobian zum Borsitzenden des militärischen und den Vertreter Uruguays Duero zum Vorsitzenden des wirtschaftlichen Ausschusses.

Der unterbliebene putsch

Bon unserem Berliner Vertreter.

Putsche, die angekündigt werden, finden nicht statt. Das konnte man auch von öer schen Pfingstdemonstration in bet Reichshauptstadt sagen, die der Rote Frontkämpferbund veranstattet hat. Allerdings ist die PutschankundMing nicht von kommunistischer Seite, pudern von sehr ausg ' regten Blättern der Rechten erfolgt. Man wollte wissen, daß 100-120 000 Kommunisten nach Berlin kommen, denen nur 14 000 Sicherheitsbeamte ge- genüber ständen, daß die Reichswehr kampfbereit zur Verfügung gehalten würde, daß auf den Platz von Berlin Maschinengewehre, ,a sogar Artil­lerie aufgefahren würde und dergleichen. Wenn auch tatsächlich ein paar hundert Berliner N) ms Bockshorn jagen ließen und aus Furcht vor ub.en Dingen die Stadt verlassen haben, so hat doch der Hauptteil der Berliner Bevölkerung völlige Ruhe bewahrt. Das Preußische Innenministerium hat durch das Berliner Polizeipräsidlum bte entsprechen­den Vorkehrungen zur Aufrechterhaltung der Ord­nung treffen lassen. Und es ist auch vollkommen gelungen, die Kommunistentagung m absoluter Friedlichkeit durchzuführen. Nur d reifer« sonen mußten wegen R a d a u-M a ch e n m Haft genommen werten. Das ist nicht ter Rete wert, wenn man sich erinnert, daß bei arideren Radau-Demonstrationen Hunderte zur Dampfung ihrer Gefühle in Gewahrsam genommen werden

mußten. , . w ,

Aus den 120 000 ist nichts geworden. Auch nicht aus den 80-100 Extrazügen. 3m ganzen sind drei Extrazüge in Bersin emgetroffen. Die Mehrzahl der Leute kam mit Lastwagen aus den Jnduftriebezirken der Magdeburger, Hallenser und Leipziger Gegend und die auswärtigen -teil* nehmer haben noch keine 15 000 Mann ausgemach. Das war ganz gut so, daß man den Kommunisten einmal Gelegenheit gab, ihre Starke zu zeigen. Der Rote Frontkämpferbund hat m ganz Deutschland noch nicht einmal 80 000 Mitglieder« Wenn auch die durch die Teilnahme der organisier­ten Berliner Kommunisten, die ja auch schon m bw Zehntaufende sich belaufen, und durch die Neugierte ter Berliner Bevölkerung, die ja überall dabei sem muß, die Kundgebung den Charakter einer Massen- Semonftration erhalten hat, so hat sie doch anterer- seits aber auch den Beweis geliefert, daß ter Kom­munismus als aktiver reoolutaonärer Fat- t o r heute nichts mehr zu bedeuten hat.

Es gab einmal eine andere Zelt, in der unter viel günstigeren Verhältnissen der Kommunismus und ferne Betätigung in Deutschland tatsächlich be- sorqniseinflößend war und in dieser Zeit hatte eine putschiftische Aktion von Seiten der Kommunisten sicherlich Erfolg gehabt. Daß die mit, soviel Tarn- Tarn von rechts und links angetüntegte Pflngsb- demonstration der Kommunisten in der Reichshaupt« stadt so glimpflich, beinahe so spießbürgerlich ver- lies, zeigt uns doch, daß wir in der Wieder- Herstellung der Sicherung ter off ent- liehen Ordnung in den letzten Jahren wesent­lich vorwärts gekommen sind.

Wir haben nunmehr gesehen, daß die öffent­lichen Gewalten in Deutschland und namentlich tn der Reichshauptstadt gerüstet sind zur Ge-wahrle,- stung ter öffentlichen Sicherheit. Das festzustellen, ist nicht unnötig, nachdem wir in der letzten Zeit so mancherlei ernste Dinge über die Pläne der Rechtsputschisten gehört haben. Was sich m Berlin zutrug, war gewissermaßen die Probe aufs I Exempel, die gewissen Elementen auf ter rechts- I radikalen Seite eine heilsame Lehre fein wird. | Es ist nicht ganz unnötig, das heute zu sagen. I nachdem man weiß, mit welchen Plänen man 'ich I immer noch in diesen Kreisen trägt. Ein in Berlin I wohnhafter General, ter von ter Republik eine I jährliche Pension von nahe 20 000 Reichsmark b*» I zieht und seine Einkünfte benutzt, um als völkisch»? I Agitator im Sinne des Umsturzes der gegenwär- I ttgen Staatsordnung sich zu betätigen, hat vor für« I zem in einem engeren Kreis, den er für vertrauens- I würdig hielt, die Pläne ter völkischen Putschisten | ausgeplautert. Er behauptete, daß die Völkischen I eine ganze Menge von Waffen hätten, und daß, I wenn es losginge, man hoffe, zum mindesten die I Deutschnationalen und die hinter chnen stehenden I Kreise und gegebenenfalls auch die Deuffche Volks­partei zu sich herüberzuziehen. Der Führer muffe I Ludendorff werden, denn Kapp wäre ferner« zett ein „schlapper Kerl" gewesen. Ludendorff hätte I aus seinen Erfahrungen hin zugelernt und er würde, I wenn es zum Klappen käme, vor nichts zurückschrek- I ken. Beispielsweise würde jederzehnte Strei­kende erschossen werden, dann würde max | die anderen schon von selber pfusch" bekomme:».

In dieser Tonart wird in völkischen Kreisen, die j tatsächlich ernst genommen sein wollen, phantasiert. I Es kann nicht blutig genug der kommende Umsturz I geschildert werden. Und diese Kreise sind es, die I sich aufregen, wenn die Vertreter der Gegensei:« I auch einmal auf die Straße gehen und ihre Kehl« I üben. Hüben und drüben sollte man diesen I Spuk verbieten. Das wäre das Richtige. I Aber das Vorgehen der Völkischen und anderer 1 radikaler Putschisten könnte tatsächlich zu der Auf- I fassung führen, daß man nicht ungern sehen würde, I wenn man sich auf ter linken Seite zu Unvorsichtig- I feiten herausfordern ließe, um dann den Vorwand j für das eigene Zuschlägen zu haben. In diesen I Kreisen wird nicht mehr die Suppe verdorben als I dadurch, daß die Organe der öffentlichen I Sicherheit und Ordnung sich den ihnen zug-- I wiesenen Aufgaben vollkommen gewachsen I zeigen. Und das war jetzt in Berlin der Fall I und wir haben das Zutrauen, daß es auch ander- i töärts io ist Je mehr die DdtcnÜidifelt von teo

Anzeiger für die Stabt und den kreis Fulda. Amtliches kreisbiatt.

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Donnerstag, 27« Hlai 1926. |

und wirksameren militärischen und wirffchastsichen Hilfeleistung gemäß Art. 16 feststellen zu lassen.

In diesem Zusammenhang wird auch der eben­falls bereits bekannt gegebene belgische Anttag aufgeführt, der die Aufstellung eines realen Sy­stems von militärischen und wirffchastlichen Hilfe- lei st uugen anstrebt. Außerdem enthält der Be­richt im Auszug den Vorbehalt der deut­schen Delegation und besagt über die Stel- lungnahme der Delegation der Vereinig­ten Staaten, datz diese Delegation jede auf Abrüstung gerichtete Bestrebung unterstützen will, daß sie jedoch selbstvefftäudlich in keiner Hinsicht durch diese Debatten gebunden werden könnte, an denen teilzunehmen ihr nicht zustand. Diese Be­merkung, so heißt es in dem Bericht, bezieht sich hauptsächlich aus gewisse Punkte der Änttäge über die Kontrolle der Rüstungsindustrien und über die an den Rat überwiesenen Fragen.

Zu dem Abschnitt 2 und 3 des Fragebogens, welche die Abrüstung selbst betreffen, erklärt der Ausschuß, daß eine Einschränkung der gesamten eventuell möglichen Kriegsrüstung eines Landes im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht möglich ist, da­gegen stellt der Ausschuß die Möglichkeit fest, die Friedensstärke des Landheeres, der Flotte und der Luststteitkräste bei einzelnen Staaten und auch jene Kräfte einzuschränken, die sofort ohne vorherige Mobilisierung eingesetzt und Mr An­wendung gebracht werten können.

Dieser Grundsatz soll jedoch die Voraussetzung für eine Einschränkung ter Rüstungen, wie in Bezug auf die potentielle Rüstungsmöglichkeit usw. nicht präjudizieren.

Nach einer Anmerkung des Berichts wurde in diesem Zusammenhang im Nedakttonskomitee u. a. angeregt: Verringerung der großen Friedenseinheiten, ihrermllftärischenStärke und chres Rüstungsmaterials, ferner Herabsetzung der sofort mobilisierbaren Mannschaften, Ver­kürzung der militärischen Dienstzeit und Verringerung des Kriegsmatettals. Schließ­lich wurde auch noch die Frage aufgeworfen, ob durch die Herabsetzung oder Einschränkung der Ausgaben für die Landesvertei­digung eine Einschränkung ter bewaffneten Macht durchgeführt werden tarnt.

Russische Mitteilungen cn den Völkerbund.

Das russifche Kommissariat für auswärtige An­gelegenheiten hat am 20. Mai an das Generalsekre- tariat des Völkerbundes fünf von Litwinow unter­zeichnete Telegramme gesandt, in denen mitgeteilt wird, daß sich die russische Regierung zu dem Fragebogen des Völkerbundes über bte Kon­trolleber privaten Rustungsinbu- ftr i e nicht äußern unb ferner an den Arbeiten zur Kodifikation des internationalen Rechts und der internationalen Paßkonferenz, bte in­zwischen abgeschloffen ist, nicht teilnchmen will. Da­gegen ist die russische Regierung bereit, sich bet den Arbeiten des Komitees für die Prüfung ter Frage der Aichung der Seeschiffe oertieten zu lassen, vorausgesetzt, daß der Konferenzott unter vorherigen Fühlungnahme mit der russischen Re- aieruna feftaefe&t wirb. --

wib Paris, 26. Mai. (Gig. Funkm.). Ter Ur« h-ber des Attentats auf General Petljura, Sa­muel Schwarzbarth erklärte nach dem Ma- tin" bei feiner ersten Vernehmung folgendes: .1917 hörte ich in Petersburg und Odessa von äuden- Massakres in der Ukraine, dessen provisorischer Re- gierungschef Petljura war. Als Petljura m Pelen und der Tschechoslowakei fortfuhr, bte pidtsche Rasse , mit seinem Haß zu verfolgen, entschloß ich :mcy, dte- rzie- fen Mann zu töten. In Paris, wo sich Petlp.tra 'bett I inzwischen niedergelassen hatte, begann ich Petljura zu suchen. Heute habe ich ihn endlich wieder erwischt und ich habe ihn nicht rerfebft.'“ Die Polizei hat übrigens gestern in der Wohnung Petljuras Siegel angelegt, da sich dort angeblich eine ganze Anzahl wichtiger diplomatischer Dokumente