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Fuldaer Zeitung

sa

spendet und bunte

Zahlreiche freiwillige Anerkennungen

und Mutter, die Erde, Die uns ernährt und verpflegt Und mancherlei Früchte uns

Blumen und Kräuter."

Die nützliches Wasser uns spendet, bescheiden, kost­bar und keusch.

Gelobet seist du, mein Herr, durch unsere Schwester

die Pfarrers Thres „Es muß was getan

Und die Ärgend, welche an den Pfingsttagen hinauswandert und noch nicht m diesen Weltgeist gekettet ist, die Freuden nicht in öden Vergnügun­gen sondern in Gottes herrlicher Natur sucht, die wird ter Heilige von Assisi, dem dir Natur die Quelle reinster Freuden war, begleiten, damit sie durch alles, was sie draußen sehen und hören, was grünt und blüht, was fliegt und kriecht, was singt und zirpt, an Gott gemahnt werden und von den Gefühlen durchdrungen werden, die der seraphische Heilige in seinem Svnnengesang empfand:

„Gelodet seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen, .

Mit der edlen Frau vornehmlich, unserer Schwester, der Sonne,

Die Licht uns spendend den Tag erneut.

Wie schön und strahlend ist sie! Gewalrig an Pracht, Spieglt sie dich, o Höchster, uns nieder.

Gelobet seist du, mein Herr, durch unfern Bruder, den Wind,

Und durch die Luft, das Gewölk, das Wetter, ob heiter, ob trübe.

Womit zum Gedeihn du bringest alles, was du erschaffen.

Gelobet seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, hie Quelle.

2. Blatt.

Druck der Fuldaer «ckiendruckerel. Fulda.

Oetker»

Marmeladen

als Geburtstagsgeschenk besonders geeignet

Auf der Erde leben 566 221 000 Menschen, welche I den NameN desjenigen tragen, der das größte getan hat, was jemals auf Erden getan werden kann. Aber der Geist, der den Sohn Gottes vom Herzen des Vaters losriß und ibn unter die Men­schen trieb, der Gei st der Liebe, „die da Tonnen rollt und Sterne" (Dante), den finden mir selten unter dieser halben Milliarde Menschen, die sich Christen nennen. Eine ungeheure Zaht — und doch, wie viele aus dieser großen Familie klagen mit dem Manne im Evangelium: „Ich habe keinen I Menschen!" Das christliche Leben ist teils aus Nach- I läffigrfelf in nicht geringen Verfall geraten, dar- über kann die vielfach vorhandene äußere Frömmig- I kett nicht Hinwegtäuschen. Wenn der Geist noch diejenigen erfüllte, die seinen Namen tragen, müßte I auch nach den Worten Leos XIII. Nachlassen diese I maßlose Gier nach dem Vergänglichen. Geeint durch I das Land der brüderlichen Liebe würden die Men- I scheu sich untereinander gern haben und den Armen I und Unglücklichen, die das Ebenbild Christi sind, I Ehrfurcht erweisen. Außerdem haben jene, die von I der christlichen Religion wahrhaft durchdrungen I sind, eine feste Ueberzeugung von der Pflicht des I Gehorsams gegenüber der rechtmäßigen Gewalt und I der Unverletzbarkeit des Rechtes eines jeden, eine I solche Gesinnung aber bewahrt vor allen Sünden, I die in dieser Hinsicht begangen werden: Gewalttat, I Ungerechtigkeit, Feindschaft zwischen den verschie- | denen Ständen der Gesellschaft. Auch dies» soziale 1 Frage findet ihre Lösung, wenn die Ueberzertgung I allgemein geworden, daß die Armut keine Schande I fei, daß der Reiche barmherzig und mildtätig, der I Arme mit seinem Los und seiner Arbeit zufrieden I sein soll, und da bettle nicht für don Genuß der I vergänglichen Güter bestimmt sind, der eine durch I Geduld, der andere durch Freigebigkeit in den Him- I mel kommen soll. Das ist der Geist Christi, der Geist Gottes, und der Menschengeist, der aus ihm fernen Ursprung hat, verlangt nach ihm.

„Denn der Mensch", sagt Foerster, „ist em so­ziales Wesen und kein Hund, der feinen Knochen im Dinkel verzehren mag, Lebenslust aller eigenen Freude ist ihn: die Zustimmung des anderen. Er muh Frieden haben mit seinem tiefsten Wissen und Gewißen, wenn er lachen soll, denn dar wirkliche Lachen stammt aus der Tiefe, aus getrockneten Tränen, aus gebrochenen Ketten, aus erlöster Selbst- sucht. Wir zweifeln an unserem Lachen, wenn die anderen stumm bleiben. Freude ist Chorgesang."

Ja, das war echte, tief-, menschenwürdige I Freude, als der Geist Gottes am ersten Pfingstfeste über die erste Christengemeinde herabkam, als sie jubelte und sann, fo daß die anderen glaubten, sie seien voll des süßen Weines. Sie waren ein Herz und eine Seele. Don ihnen sagte keiner: „Ich habe keinen Mensche:!" Wird das Pfingstfest den Geist Gottes in alle Menschenherzen gießen? Wieviele werden auch noch nach Pfingsten mit Bismarck kla- gon müssen: „Man ist immer am einsamsten in gro­ßen Städten, im Parlament, unter seinen Kolle­gen!" ---Und wieviele werden auch noch

nach Pfingsten an Chamissos Worte denken:

„Allein zu fein! Drei Worte, leicht zu sagen» Und doch so schwer, so endlos schwer zu t-tagen .

Einer, der vor 700 Jahren gestorben ist, und dessen Geist fortlebt in jenen, die noch heute feinen Namen tragen, der heilige Franz von Assifi, will 'm diesem Jahre die Pfingstpradigten halten, den Armen und Bedrängten zum Tröste, er, der die Ar­mut zur Braut sich auserwählte und zum Bruder Leo sagte: „O, Bruder, unter allen Gnadengaben des heiligen Geistes ist die schönste die, sich selbst zu überwinden und aus Liebe zu Gott Beschimp­fungen zu ertragen". Und ferne Pfingstpredigt an das übrige deutsche Volk lautet so:

Liebe deutsche Brüder und Schwestern! Eine große Not ist über euch gekommen. Aber es scheint, als ob ihr vom guten Geiste des Rates, der Weis­heit und des Derstarrdes verlassen wäret, denn ihr vergrößert die Not ja selber dadurch, daß ihr euch Sur Abwehr nicht zusammenschließt, sondern die unchristlichen Klassengegensätze noch vergrößert. In Stadt und Land, überall sehe ich Haß und Zwie­tracht. Euer Kampf geht um irdischen Genuß, und den sucht chr auf Kosten anderer. Ihr sucht Lebens­freuden und habt vergessen, was wahre Freude siu Ihr hört den Schrei von Millionen nach Menschlichkeit und Liebe, denn Gottes Geist ruft aus ihnen, ihr nennt das ein Verbrechen, und das schlimmste ist, daß die Verlangenden selbst die Trieb­kraft ihrer Sehnsucht gar nicht kennen. O möge ^uch der Geist Gottes erleuchten, damit ihr erkennt, 8,05 euch zmn Heile gereicht.--

Die Vaste Katharine und in dem Roman sagten immer: roerben!" Das sahen die Männer auch ein, welche durch das gewaltige Brausen an das Haus der ersten Christengemeinde gelockt wurden, und sie fragten: „Männer, Brüder! was sollen wir tun?" Und die Antwort, welche Pettus gab, beutet für unsere Zeit Biscbof von Keppler so: Zurück zum Christentum, zu Redlichkeit, Treue und Liebe. Ein­stellung bes wahnsinnigen Kampfes gegenein­ander. „Nicht durch Untersuchungen und Erhebun- gen, welche nur Oel ins Feuer gießen. Nicht indem wir fragen: Wer hat angefangen? sondern indem wir sagen: Wir wollen aushoren. Nicht indem wir den eigenen Glauben verleugnen und die eigene Pflicht vernachlässigen, sondern indem wir niemals den Nebemnenfchen wegen seines Glaubens und

M US.

Sonntag, 23. Mai 1926.

feiner Pflichterfüllung verachten und befehden. Nicht indem wir unser Recht preisgeben, sondern indem wir nie unsere Brüder in ihrem Rechte kränken und beeinträchtigen.--Nicht indem wir die Anders-

aläubigen tolerieren, sondern indem wir sie lieben. Dann wird der Heilige von Assisi freubtg seinen Sonnengesang wiederholen und singen:

„Gelobt seist du, mein Herr, durch die, fo ver- " geben aus Liebe zu dir

Und geduldig ertragen SchwaclcheN und Trübsal. Selig sind die, welche harren m Frieden: Denn du, o Höchster, wirst sie einst fronen.

pfingstgedanken.

Don Alfons Agricola-Johannesberg.

Es wunde viel von ihr gesprochen, aber crst nadjbem sie schon lange tot war, die „l^ste Katha- rine". Aber über die Grenzen des Dorfes ist wohl kaum ihr Ruhm hinausgedrungen. Heinrich Luh- mann hat ihr unbewußt ein Denkmal gefetzt in dem Roman: „Der Narr in der Liebe". Wie die „Pfar- ter5 Threfe" in dem Roman, so war sie eine, die nicht viel sprach, aber umsomehr tat, so daß niemand über ihr Gewohnheitswort lachte: „Es muß was ge­tan werden". Und fo sagte sie immer, wenn sie einen Menschen in Not sah, und dann kam die Tat. Was der Dogelküster Meister Poggel von der Pfarrers Thres sagte, hätte er auch von ihr sagen können. „Anton, mein Sohn", sagte er „glaub mir's, an der versieht sich mancher, der sich auf die tt-f- iten Unterscheidungen versteht. Er hält sie für einen vmesit gewöhnlichen Feldsperling, oder für einen unscheinbaren Fliegenschnäpper. Und doch sage ich Dir, sie gehört zu den Ebelsängern erster Klasse und in die Familie der Nachtigallen."

Eigentsich ist sie gar nicht tot, die Baste Katha- rtne. Was tot ist, das sind ihre ehrlich blickenden Augen, ihre schwieligen Hände und der Mund, der so vielmal sagte: „Es muß was getan werden!" Das ist tot, und darum ist es jammerschade, aber bas schönste an ihr, ihr hilfsbereites Herz und ber Ville zur Tat, das ist noch ba, bas lebt heute noch tn dem Dorfe. Ihr Geist lebt weiter in ihren Kindern, und ganz besonders in ihrer Tochter, bis heute noch in dem Dorfe lebt unb einen Mann mit anderem Namen geheiratet hat, aber man nennt nt chcht anders als bi« „Baste Katharine". Unb njetf ich mir nicht erklären konnte, warum bie Ma- rie---biefen Namen hatte, erzählte man mir

auf meine Frage von ber Mutter, unb daß die Ma­rte die „zweit' Kathrine" fei.

Wenn es die Sonne gut mit uns meint, dann werden an diesem Pfingsttage, wie es auch sonst gewesen, die Menschen sich in Feierkleider Hullen. Zwischen die Scharen, die sich im Jubel der Glocken zu den Kirchen drängen, werden sich Ausflüger mischen, die plaudernd, singend unb spielend m Gottes schönen Frühling wandern. Alles wirb Jein, wie Goethe es im ersten Gesang seines Reineke Fuchs schildert:

Pfingsten, bas lieblichste Fest, war gekommen; es grünten und blühten

Feld und Wald; auf Hügeln unb Höh'tt, in Düsc^n und Hecken Uebten ein fröhliches Lied die neuermunterten

Vögel;

Jede Wiese sproßte von Blumen in duftenden Gründen, Fesüich heiter Münzte der Himmel unb farbig die Erde.

Das wäre die Außenseite. Unb wir steht es innerlich? Eure große Trostlosigkeit hat sich der Ge­müter der Menschen bemächtigt. Wohin nur schauen in Handel und Wandel, in Geschäfte unb Wohnungen, in Staat unb Kirche, es macht den Ein- druck von etwas Gelähmtem Immer hatte man gehofft, es werde langsam wieder in Gang kommen. Aber wie mühsam schreitet dieser Prozeß voran. Eine entsetzliche Wohnungsnot will sich nicht be­heben. Die Zinslast der Kredite lastet nach rote vor schwer auf dem mittleren und kleineren Manne. Das Heer der Arbettslosen zählt immer noch nach Hunderttausenben, wenn nicht Millionen.. Der Kon­kurrenzkampf auf dcm inneren Markt wie auf dem äußeren fordert nach wie vor Opfer unb Brutalnat. Das Gefühl, es gehe nun endlich der Staat wieder gefestigteren Zuständen entgegen, will nicht recht wachsen. Das Verttauen in die Weisheit ,der Füh­rer liegt unter schwerem Druck. Nagt nicht heim­liche Skepsis an all den Werten, an die man einst geglaubt? Redet nicht lauter dis Kritik an Kirche unb Religion selbst, weil man auch hier sich ent- täuscht fühlt? Wie gleicht dir Stimmung ber Welt jenen Empfindungen, die dunkel und trüb in den Amren jener keinen Schar sich spiegeln, der vom Her­land ber Paraklet versprochen würbe!

Der greise Bisckpf Dr. Paul Wilhelm von Kepp­ler, der gleiche, der uns bas Buch von der Freude geschenkt, hat uns auch eine Gabe gewidmet: „Un­seres Herrn Trost." Eine Meisterhand schildert uns dort den ganzen Schmerz ber Jünger, bie ben Absched bes Herrn zu begreifen beginnen. Ein mitfühlendes Herz versenkt sich in eine Trauer, bie auch unsere Trauer ist. Ein starkes gläubiges Ge­müt findet aber auch in ben letzten Reden des Herrn einen Trost unb eine Kraft, die uns im Innersten erquicken. „Unb wenn jener gekommen ist, dann wird er bie Welt überführen von ber Sünde, von ber Gerechtigkeit unb vom Gericht."

Dunkel erscheinen zunächst diese Worte, die doch I gewaltig hmeinleuchten in die Gründe und Ab- I gründe ber Geschichte. Aber sie gehören zu jenen Dunkelheiten, bie nach Scherbens schönem Wort für ben Gläubigen strahlenden Lichtes voll find. Ist es I nicht aller Sorgen tiefste, wenn man Ru gewahren glaubt, es sei einem Geschlechte der Sinn für Gut unb Bös, für Recht und Unrecht, für Reinheit unb I Laster, für Himmel unb Hölle abhanden gekom- Lmen? Ein solches Geschlecht wäre nicht mehr im Besitze ber königlichen Gabe ber Freiheit, es wäre in ihm jede Möglichkeit für Heldentum erstarrt, es I wäre tiefer gesunken als das Untermenschliche, dem I das Gesetz im Triebe und im Blute liegt .... Daß I wir nicht soweit sinken, das ist bas Werk des Geistes, I ber auch heute noch bie Welt der Sünde überführt. I Solange von ben Kanzeln, über denen die Taube I schwebt, noch die heilige Religion unb die herrliche I Sittlichkeit des Evangeliums verkündet werben, fo I lange kann bie Menschheit nicht versinken 'm den I Tod ber Seele. Solange wird jemand sein, ber sie I erinnert an die Sterne in ihrer eigenen Brust. , So I lange wird der Stachel der Gewissen nicht schweigen I können. So lange wirb bie göttliche Weltordnung ihren Anwalt haben. Eine jede christliche Familie, I bte dem Gebot der Natur getreu trotz aller Not ihrem ®otte dient, bleibt eine dauernde Anklage gegen alle unb jeden, ber sich der hemmungslosen Gewalt ferner Genußsucht überläßt. Eine jede I barmherzige Schwester, bie still unb rein ihrem schweren Berufe nachgeht, mir einer heimlichen himmlischen Liebe hingegeben, ist in all ihrer Tau- I beneinfait eine Anklage wider ben Egoisten, wider | ben Lieblosen, wider ben Unsozialen. In jedem I Treuen überführt der Geist die Welt ihrer Untreue, | in jedem Keuschen ihrer Unkeuschhett, in jedem Sanftmütigen ihrer Zornwut, in jedem Entsagen- ben ihrer Wollust. Noch ragt bie Stabt auf bem Berge, in ber die Dinge ihren rechten Namen behal- I ten, unb es muß sein, daß ber Haß der Ueberfähr­ten zu chren lichten Mauern hinaufbegehrt.

Unb er wirb sie überführen ber Gerechtig- feit. Sehen mir nicht und greifen wir nicht mit I Händen diesen Triumph des ©elftes in unseren Tagen? Man sagt es fo daher, es fei nun alles I Gewalt. Es siege immer der Stärkere. Es gebe I nur noch dis Macht des Mammons. In ber Tat

Die Feierlichkeiten bei der Eröffnung der pädagogischen klkademie zu Bonn

Don stud. phil. Otto Abel.

Feierlich läuteten am Morgen bes 16. Mai die Mo- cken des Bonner Munsters. Dicht gedrängt standen die Gläubigen und warteten auf den Beginn des feierlichen Amtes. Als Kardinal-Erzbischof Dr. Schulte von Köln die Stufen zum Altäre hinaufschrttt, setzte der stattliche Münsterchor ein und die C-Dur-Messe von Beethoven drang zu den Ohren der andächtig lauschenden Menge.

Nach Schluß des Pontifikalamtes war die Eröff­nungsfeier in der Aula ber Friedrich-Wilhelm-Unwer- sitüt. Den Eingang bildete eine Motette, bte unter Leitung bes Musikdozenten ber Akademie vom Bonner Lehrergesangverein must-rgülig ooi getragen wurde. Darauf bestieg Staatsminister Dr. E H. Becke r den Rednerpult und legte in seiner Eröffnungsrede Die Pro­bleme der neuen Lehrerbildung bar. Er gedachte ehren- voll ber Verdienste des alten Seminars und fetzte! bte Grünbe für bte Notwendigkeit einer akademischen Aus­bildung ber Lehrer auseirtanber. Der Vorschlag, bte Ausbildung ber Universität anzuvertrauen, sei undurch­führbar, da bte Differenziertheit dieser Anstalt der für ben Lehrer notwendigen einheitlichen Ausbildung wi­derspräche. Daß die Universität nur Gelehrte, aber ferne Erzieher hervorbringt, ersähe man klar aus der Ober­lehrer-Ausbildung. Was diese trotzdem an erziehen schen Werten schufen, taten sie aus eigener Kraft um nutzt dank, sondern trotz ihrer Universitatsbildung Dann ging ber Minister ein auf bie Landlehrerfrage $5 sei aus Lehrerkreisen bie Befürchtung laut gewor­ben, daß die neue akademisch gebildete Lehrergeneratton auf dem Lande sich nicht glücklich fühlen werde und daß aus diesem Umstande eine allgemeine Landflucht der Lehrer in die Stadt folge. Der Minister war ganz anderer Meinung; er sähe in der akademischen Ausbil­dung durchaus kein Hindernis, den künftigen M>lks- lchullehrer auf bem Lande anzustellen, denn die Geist- lichen seien ja auch Akademiker und würden einen Leh­rer, bei von der Akademie kommt, mit Freuden be­grüßen.

Aus bie Ministerrede folgte ein Streichquartett von B> ethooen, vorgetragen vorn Grümmer Quartett des Pädagogischen Orchesters zu Bonn. Als die herrlichen Melodien verrauscht waren, nahm Herr Kardinal-Erz- bischof Dr. Schulte das Wort und drückte den Dank und die Freude der katholischen Kirche über die glücklich« Lösung des schwierigen Problems der Lehrerbildung aus. Er sprach von der Derantwortlichkeit des Lehrers, in besten Hand die tonweiche Kindesseele gelegt ist, ii der jeder Eindruck hastet und dem Kinde entweder zun i Cegen ober zum Fluche gereiche. Als Ideal des Er- I ziehers stellte er Christus den Studierenden vor Auges und ermahnte die zukünftigen Erzieher, stets treu zv ihrer Kirche zu stehen, bann sei ihm nicht bange uw die Zukunft des Werkes, das heute begonnen worden fei.

Dieser Rede folgten Glückwunsch-Ansprachen des Oberbürgermeisters Dr Falk von Bonn, des Geheimrats Dr. Dyroff, Rektor der Frtebrich-Wilhelm-Untversiiäi, des Lehrers Kellermann im Auftrage des katholischen Lehrerverbandes und Dr. Ezenmaes als Vertreter der höheren Schulen. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß in Zukunft der Spall.zwischen Dolksschullehrer und Lehrer an Gymnasien und Oberrealschulen überbrückt werde dadurch, daß nun beide infolge des erworbenen Reifezeugnisses gleichberechtigt nebeneinander stehen.

Zum zweitenmal ergötzte ber Männerchor unter Lei­tung bes Herrn Ben Esten bie Anwesenden durch einen vom Dirigenten selbst komponierten Chor: Einttacht imb Liebe", bann ergriff Herr Dr. R a e b ersch e i bt, I Direktor der neuen Akademie, das Wort und dankte im I Namen ber Dozenten unb ber Studierenden allen, welche I zum Gelingen des Werkes beigetragen hatten, besonders I Herrn Staatsminister Dr. Becker, ber in fünsjahrelan- I gern Kampfe sich für die notwendig gewordene Hinge. I Haltung der Lehrerausbildung eingesetzt hatte. Das Ziel I ber neuen Akademie drückte Herr Direktor Raederscheidt I in den Worten aus: Unser Ziel ist nicht. Wissenschaftler I zu bilden, sondern pädagogisch geschulte, im Gegenwarts- I misten beschlagene und den Problemen der Wissenschaft I ausgeschlossen gegenüberstehende junge Männer zu er- I ziehen, die aus dem Bolte kommend, verbunden durch I den Besuch der höheren Schule mit der »allgemeinen I Kultur unseres Volkes, wieder zum Dolke streben u*b I als Teile des großen Ganzen sich fühlend, bewußt deufi-te bewußt katholisch, bewußt als Dolkslehrer denken

I empfinden.

| Das gemeinsam gesungene Deutschlandslied bild« I den Abschluß der Eröffnungsfeier.

Um 2 Uhr begab sich Herr Minister Dr. Decker t I die in ber Dorotheenstraße gelegene Karlsschule, die i I Zukunft Äs Uebungsschule der Studierenden bienet soll Hierselbst fand eine Ehrung bes Herrn Minister!

I durch ein zweistimmig gesungenes Lied und Ueberrei- I chung eines Blumenstraußes fettens ber Kinder statt.

Am Nachmittage waren die Gäste noch einige Stun- I den tn ungezwungenem Verkehr durch eine Autofahrt I ins Siebengebirge vereinigt. In Heisterbach, ber allen I Kulturstätte ber Zisterzienser, folgte nach gemeinsam I eingenommenem von der Stadt Bonn gestiftetem Kaffee I ein' Beitrag über die alte Kloster-Ruine, ein herrliches I Fragment aus dem Uebergang bet Spät-Romantik zur I Frühgotik.

3m Lehrerheim des katholischen Lehrerverbandes zu I Rhöndorf am Rhein fand bas Programm seinen Ab- I schloß. Es muß dankend der reichen Bewirtung gedacht I werden, bte ber katholische Lehrerverband seinen Gästen I zutetl werden ließ.

Trotz bes währenb bes ganzen Tages anhaltenden I Regens waren es doch schöne Stunden, welche den I neuen Studierenden stets in Erinnerung bleiben wer- I ben und deren Andenken sie anfpornen wird, mitzuar- I beiten am Wohl der Gesamtheit, am Wohl unseres Ile« I ben deutschen Volkes.

ind diese Tyrannen da und in der Tat schwingen I ie ihr« Peitsche über die in Verzweiflung ,arn- mernde Menschbeit. Aber es liegt auch einer, der sie überführt. Es gibt noch eine SA-, wo das Wort Gerechtigkeit m ungeschmälerter Wahrheit ge- prochen wird. Solange der Statthalter Chrisn mit seinen Bischöfen unter dem Beistände des Gei­stes seines Amtes wallet, fo lange rotrb es eine Stimme auf der Welt geben, die es mit unerhörter I Majestät ausfpricht: Es ist dir nicht erlaubt. Alle die großen Enzykliken vom Syllabus Ins zu Rerurn novarurn und bis zu treu Kundgebungen der I jüngeren Zotten sprechen ein solches m-opyeufch ge- 1 wattiges: Cs ist dir nicht erlaubt Dort, roo ue I Apostelfürsten schlummern, dort wacht das Recht, | das göttliche, das menschliche zugleich. Und die Welt I muß sehen, und der Unglaube selbst muß es bi« kennen, daß dieses Recht nicht untergehen kann auch I in noch so rechtlosen Zeiten. Mag es noch wett fein von Gens bis zum Vatikan, aber es ist eine Huldigung an jene Ideen, die durch IahrhunMrte I vom Vatikan vertreten worden, wenn beute m GJenf die Vertreter aller Völker der Welt zusammenkom­men ttn Namen des Rechts und der^Gerech.igreit. I Mögen sie fluchen dem Statthalter Christi, ihr Da- I fein selbst ist doch nut ein Kind fernes Se­gen s. Freilich, wir erleben heute den blöden Triumph der Gewalt, und Coudenhove-Kalergi hat reckt, wenn er den Völkern der „Friedenspertode von Versailles ins Gesicht sagt, daß sie me dem Kriege so nahe gewesen, rote heute. Es gibt S.aa- I ten in der modernen Welt, in denen weniger Recht I zu finden ist als in den Dörfern der Neger und als zwischen den Wigwams der Indianer. Uber es gibt keinen mehr, der nicht die Stimme des Rechts hören müßte, keinen einzigen, ten der Geist nicht immerfort überführte der Gerechtigkeit.

Und er wird sie überführen des Gerichtes. Wenn man sieht, rote heute das Unrecht sich brü­stet, wenn man sieht, was im sozialen Leben an Unverständnis und Roheit bis heute noch leben darf, wenn man überlegt, was die Häuptlinge der Bolschewiken einem frommen und einfachen Volke haben zufügen dürfen, wenn man lieft, rote em Kirchenverfolger in Mexiko unschuldige Nonnen, jungfräuliche Lieblinge Christi, in öffentliche Hauser I zu überführen versuchen durfte, und wenn man dann bedenkt, wie ter Himmel schweigt, wie die Berge schweigen, wie die Meere schweigen, wie die Sterne ruhig scheinen, rote die Flüsse strömen, wie die Men­schen ihrem Handwerk nachgehen, als wäre nichts geschehen, wenn man zu diesem ungeheuren Verbrechen dieses Schweigen betrachtet, dieses wüstenhafte, unendliche Schweigen, dieses Schweigen aller Herrschaften, aller Parlamente, aller Organisationen, tiefes Schweigen aller derer, die sich nicht genug rühmen können ihrer Humani­tät, dieses unerhörte Schweigen Gottes und der I Menschen, man möchte verzweifeln. Aber ruhig, meine Seele. Einer schweigt nicht. Es lebt der Geist! Er spricht nicht nach Mrnschenart. Aber er läßt das Gesetz sich vollziehen. Er läßt dem Elend seinen Lauf. Er läßt der Wettgeschichte ihr Gesetz der Rache. Er läßt der Welt fias Schauspiel eines Inferno, wir niemals eine Zett es durchlebt bat. Das ist fein Gericht auf Erden, das erste Ge- richt, aar nicht vergleichbar jenem zweiten zu dem seine Engel mit ihren Posaunen rufen werden.

Noch lebt der Geist, ber Heilige Geist, und noch fährt sein Odem wie ein Sturm über tie' Welt! Wir haben Trübsal und Sorge, rott Christen wie alle anderen. Das Christentum hat niemals sein- Aufgabe darin gesehen, künstliche Paradiese zu schaffen, eine Fata morgana von kommenden dritten Reichen, von Menschenverbrüderungen, von Utopien. Wir nehmen Gottes Welt, wie sie von dem unendlichen Geiste gedacht worden ist, über >lle Ge- bauten der Menschen hinaus. Es ist eine Well der Spannungen, der Widersprüche, des Kampfes, der Vorbereitung und der Versuchung. Aber dafür hat der Ettt.ye gesorgt: Ungebrochen wird ewig in dieser Well stehen der Triumph der Göttlichkeit, das Ideal der Tugend, die Leuchte der Gerechtigkeit und der Schrecken des Gerichtes. Keinen leichten Trost senden uns die Pfingstglocken von ihren grauen Türmen herab. Aber den Trost des Volkes, das im Geheimnis lebt. Unsere Lieder sind nichr eure Lieder. Unser Trost ist nicht euer Trost. Entrückt sind wir in Wellen, die in ungeheurer Geheimnistiefe alles Sinnen und Be­tracht überragen, aber auch in Welten, die ein Gluck geben schon hienieden, das ihr nicht kennt, ein Glück, größer als der Tod und gewaltiger als die Tiefe der kleinen Menschenbrust.

Christrnvolk, wenn du dastehst in Reinheit, in Gerechtiskest, ehrlich, rote vor dem Gericht, dann bist duoes Heiligen Geistes Volk. Besinne dich, heut» am Pfingsttage, der uns mehr ist als „Pfing­sten, das liebliche Fest", ob du dieser deiner Sendung eingedenk geblieben. In dir, in deinem heiligen Wandel vollzieht sich das Werk des Heiligen Geistes und fein säkularer Kampf gegen bie Geister ter Welt und des Unterganges. Tempel des Heiligen Geistes bist du. Vergiß es nicht. Hier ist dein Stern, dein Schickfalsstern....

Zum heiligen Pfingstfeste 1926

Bon Friedrich Muckermann S. J.