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IM M-

Samstag, 15. Mai 1926.

Fuldaer Zeitung

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Acttendruckerel, Fulda.

Brief aus Rom.

Don unserem römischen Mitarbeiter.

Em hochanaesehenes Mitglied d« hl. Kolle­giums, der einstige Vertraute unid bester Mitarbei­ter von Pius X., Kardinal Gaetano De Lai, hat kürzlich fein SOsäbriges Priestersubiläum ge­feiert. Der hohe Jubilar ist der Präfekt der hl. Kongregation der Consistorien und gehört zur Rangstufe der Kardinalbischöfe. Sein Bistum ist in den Sobinerbergen imb heißt Sabina-Poggio- Mirteto. In dieser kleinen, sebr malerisch, hoch oben in den Bergen gelegenen Stadt, wurde das Jubiläum des hochverehrten Bischofs mit allem Glanze gefeiert. Dem feierlichen Pontifikalamte folgte der Festakt auf der größten Piazza des Ortes und die HuMmmg der gesamten Einwohnerschaft und aller Behörden vor dem Jubilar. Jur steten Erinnerung an das Jublläum wurde am Rathauie eine Marmortafel mtt einer entsprechenden In­schrift angebracht und abends sand ein Fackelzug und große Beleuchtung des Städtchens statt. Kar­dinal De Lai wurde vom Hl. Vater durch ein sehr huldvolles Handschreiben ausgezeichnet, in dem dis großen Verdienste des ehrwürdigen Kirchenfürsten «ngehend und gebührend gewürdigt werden.

Das Kreuzauffindungsfest ist in die­sem Jabre, cüs am XVI. Tentenarium, hier beson­ders festlich gefeiert worden. Zu diesem für die panze Christenheit sehr wichtigen Feste erließ der Hl. Vater ein besonderes Handschreiben, welche« an den Titelkardinal von Santa Croce in Gerusalemme, wo sich der arößte Kreuzvartikel befindet, gerichtet ist Dieser Dtelkardinal ist der Präfekt der Pro­paganda Fide, der Holländer Kardinal W. v a n Ross um, welcher tn der überaus ehrwürdigen Basilika am 3. 8. M. ein feierliches Pontifikalamt zelebrierte, wobei ihm die im Kloster nebenan, das Heiiatum pastorierenden Zisterzienser und die Prämonstratenser assistierten. Es fand dann die Aussetzung der Kreuzrelique statt, mit der Kardinal van Rosium den Segen erteilte . Am Nachmittag war sodann Prozession und Schlußsegen, den der Dekan des hl. Kollegiums, der bereits OOjährtge, aber noch ungemein rüstige Kardinal Vincenzo Danutelli, erteilte.

Mit besonderem Glanze wird hier allfährlich der Festtag der hl. Katharina von Siena ge- feiert, da sie eine der römischen Stadtpatrone ist. Sie war es sa, die einst die Päpste aus dem viel- sährigen Exil wieder in ihre von Gott erwählte Hauptstadt zurückführte und daher genießt diese große HeMge tn Rom und in ganz Italien eine besondere große Verehrung. Diese ist so sehr in das italienffche Nationalbewußtsein übergegangen, das man neullch an der Universität Siena, der Ge­burtsstadt der Heiligen, einen besonderen Lehrstuhl für katbarininanffch» Wissenschaft errichtet hat, wo- sMst die besten Profesioren vor einer ganz be­sonders zahlreichen Zuhörerschaft unterrichteten. Hier ist der hl. Katharina eine besondere Kirche ge­weiht, welche sich gleich neben dem soaenannten Turm des Nero, am Abhang« der Dia Nazionale, bei der Piazza Magnanapoli, befindet. Allein die Hauptverehrung der Heiligen ilt in der ehrwürdigen Dominikanerkirche in Santa Maria sopra Minerva. Hier ruht unter dem Hochaltäre der Leib der Heili­gen, die sa im Leben Terzi arrn des Dominikaner­ordens war. Das große ReUquarium, worin eine kunstvolle Statue der Heiligen ist, wird zum Feste sehr sinnig mit Rosen und Lilien geschmückt und ist tagelang das Ziel unzählioer Andächtigen. Ne­benan, im Erdgeschoß des Klosters, wovon leider nach 1870 der beste und größte Teil den Mön­chen abgenommen und in ein Ministerium verwan­delt wurde, befindet sich die Sterbezelle der hl. Ka­tharina. In dem kleinen, enaen Kämmerlein, was zur Kapelle umgewandelt wurde, folgen sich am Fest, morgen ununterbrochen hl. Meßen, und feder echte Römer wird es sich nicht nehmen lassen, feiner großen Stadtpatronin hier zu huldigen. _ In der Vorhalle eilen die weißen Mönche geschäftig bin und her, da nebenan die große Sakristei der Ba­silika ist, und geben freundlich und bereitwilligst Auskunft m allen Sprachen. Ein wunderschönes, überaus stimmungsvolles Bild echt römischen Klo­sterlebens i . .

Rom hat es nW nötig, Neues einzufuhren, hier Ift man in der glücklichen Lagr an große, uralte Traditionen immer wieder anknüpsen zu können Eine der zahlreichen Traditionen ist die Wall­fahrt zu den 7 Hauptbasiliken, in den

tim den Erchen.

Roman von Julia Jobst

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,5a, der Doktor hatte mal wieder dos Richtige ge­trosten. Wer hätte gedacht, daß Ulrich mit der jungen Frau schon einige Wochen später abreifen konnte."

.Auch die sonnigen Herbsttage halfen dazu." Der alte Herr nickte bedeutsam. „3n Annas Briefen spielt die Sonne eine große Rolle. »Wir fahren der Sonne entgegen, waren ihre letzten Worte."

»Er wird gesund werden. An diese Hoffnung wollen wir un« gläubig hallen."

Zärtlich strich sie über die gebräunte Hand ihres Sohnes, der sich neben ihrem Seffel niedergelaffen hatte.

.Anna ist eine treue Pflegerin. Sie wird für Ul- rich alles tun, was möglich ist Sie ist treu und stark."

„5a. Sie ist mutiger und stärker als ich", bestä­tigte Steinbach. »Er hätte keine bessere Frau wählen können."

„Jutta!" Steinbach lachte schneidend auf. „Sie sah sich schon als Herrin aus Steinbach."

„Karli"

«Ich habe den Ausdruck ihrer Augen nicht vergessen; ich sehe deuüich den Bück, als sie von der Schwelle der Kapelle dem fortfahrenden Paar nachschaute. Ich blickte bis in ihr Herz: Ulrich war für sie ein Sterbender; sie hoffte auf seinen Tod, um Otto heiraten zu können." versündig« dich nicht an dem armen Kind", mahnte Frau von Steinbach.

„Rein, Mutter, ich bin mir bewußt, kein Wort zu viel gebraucht zu haben. In den Augen der beiden war in jenem Augenblick nach der Trauung von dem Mit­leid, dem Jutta später so wortreich Ausdruck gab, nichts ?u spüren. Nein, Vater hatte recht, die Ohrdrufer Stein- öachs taugen nichts."

„Laß die alte Feindschaft nicht wieder in deinem Herzen erwachen."

. »3ch weih, was ich weiß, Mama, und ich halle es jnit dem Sprichwort: Trau, schau, wem, Jutta und UtiA.hflftien. aut. den Tod Ulrichs: fie sahen stch icbon

Der Sturz des Reichskanzlers Luther.

Der Ausgang -er Reichslagsdebatte über die Mitztrauensanträge.

Die Entscheidung siel nach der Debatte am Mittwoch bei der Abstimmung über den d e- mokratischen Antrag, der seine Spitze aus­schließlich gegen Reichskanzler Dr. Luther richtet». Er hatte den folgenden Wortlaut: »Der Reichstag mißbilligt die Haltung des Reichskanzlers, der durch fein Verhalten in der Flaggenfrage eine Gesamt­lösung dieser Frage erschwert und in sorgenvoller Zeit einen neuen Konflikt ohne Not heraufbeschwo­ren hat."

Bei der namentlichen Abstimmung über diesen Antrag wurden 425 Karten abgegeben. Das Er­gebnis war: 10 3 Enthasltungen (Deutsch- nationale und Völkische), 17 6 I a (Demokraten, Sozialdemokraten und Kommunisten), 14 6 Nein (Zentrum, Deutsche Volkspartei, Bayerische Dolks- partei und Wirtschaftliche Vereinigung).

Die Abstimmung über diesen demokratischen Antrag war die fünfte. Dorausgegangen waren zwei Abstimmungen über den tn zwei Teile zer­legten deutschvölkischen Mißtrauensantrag, eine über das sozialistische Mißtrauensvotum und eine nicht namentliche Abstimmung über den demokra­tischen Antrag, der sich für die Schaffung einer Einheitsslagge ausspricht. Das Ergebnis dieser Abstimmungen hätte keine Entscheidung gegen Luther bedeutet.

Dor den Abstimmungen hatte Graf Westarp für die Deutschnationalen die Erklärung abgegeben, daß feine Fraktion gegenüber allen Anträgen Stimmenthaltung üben werde. Im Hause wußte man, daß dieser Erklärung des Grafen We­starp eingehende Besprechungen zwischen Dr. Lu­ther und den Deutschnationalen voraus- gegangen waren, und daß die Stimmenthaltung erst proklamiert wurde, als die Deutsckmasionalen die Ueberzeugung gewonnen batten, es sei auf eine sofortige Erweiterung des Kabinetts nach rechts hin nicht zu rechnen. Sonst hätten die Deutschnationalen Luther retten tonnen, indem sie bei dem demokratischen Mißtrauensantrag mit Nein stimmten.

Das Reichskabinett trat nach Beendi­gung der Abstimmungen zusammen, um über die weiteren Schritte Beschluß zu fasten. Um 6.30_Ubr bat das Kabinett seinen Rücktritt erklärt. Der Reichskanzler begab sich sofort zum Reick>s- prasidenten, um ibn von dem Beschluß der Re­gierung in Kenntnis zu setzen. Der Reichspräsident hat den Rücktritt genehmigt und das Kabinett mit der Führung der Geschäfte beauftragt, bis eine neue Regierung gebildet ist.

Reichskanzler Dr. Luther hat auf das an ihn und die Reichsminister gerichtete Ersuchen des Herrn Reichspräsidenten, die Geschäfte des Reichs- kabinetts vorläufig weiterzuführen, mitgeteilt, daß die Reichsminister zur Weiterfübruna der Geschäfte bereit sind. Gleichzeitig Hot er im Hinblick auf die Tatsache, daß der Beschluß des Reichstages, auf Grund dessen die Gesamtdemission des Reichskabi­netts erfolgt, sich ausdrücklich auf den Reichskanzler bezogen hat, gebeten ihn

selbst alsb ald vom Amte als Reichskanzler zu entbinden. *

Man teilt uns aus dem Reichstag mit:

Im „Berliner Tageblatt" vom Mittwoch, den 12. Mai Nr. 222 ist gesagt worden, daß der Ab­geordnete Scholz von der Deutschen Volkspartet mit dem Grafen Westarp von den Deutschnatto- nalen Verhandlungen führte über den eventuellen Eintritt der Deutschnationalen in dos Reichskabinett. Es heißt dann wörtlich weiter: „Darauf hat Dr. Scholz in feiner langen Unterredung mit dem Ab­geordneten von Gu^rard versucht, auf das Zen- trum dahin einzuwirken, daß an die Stelle der D e * mokr aten Deutschnationale Minister tre­ten können. Wie wir hören, hat Herr von Guerard eine beftimmte Antwort auf dieses Anerbieten nicht gegeben, er hat aber durchblicken lasten, ha&, vor­läufig jedenfalls, eine derartige Konstellation des künfttgen Kabinetts für das Zentrum kaum in Frage kommen werde."

Diese Darstellung ist, wie uns von berufener Seite mitgeteilt wird, falsch. In der Besprechung, die der Zentrumsabgeordnete von Guerard mit dem Führer der Deutschen Dolkspartei, Dr. Scholz, hatte, rft über den Eintritt der Deutschnationalen m die Regierung überhaupt nicht gesprochen wochen. Diese Besprechung hat sich lediglich mit den Möglichkeiten der künftigen Regierungsbildung be­faßt. Der Abgeordnete Scholz machte dabei den Vorschlag, aus der Zentrums-, der Deustchen und der Bayerischen Dolkspartei die neue Regierung zu bilden. Zu diesem Vorschlag hat Herr von Guer­ard, nachdem über diese Dinge noch nicht in der Fraktion gesprochen werden konnte, noch keine Stel­lung nehmen können, und er gab dazu keine Er- flarung ab.

Herr von Guerard hat dabei betont, daß nach seiner Austastung bei der gesamten politischen Lage ein Eintreten der Deuffchnationalen in das Kabinett überhaupt nicht in Frage kommen könnte.

Rach der Absttmmung int Reichstag hafte Svrr von Guerard, einem Wunsche des Führers der So­zialdemokraten, Müller- Franken, entsprechend, eine Desprechnug mit diesem, in welcher die neue Lage behandelt wurde. Auch diese Tatsache läßt schon erkennen, daß die Mitteilungen des „Ber­liner Tageblatts" über die Stellungnahme des Zen­trums zur Frage der Einbeziehung deutschnationaler Minstter in ein Kabinett unrichtig sind. Das Zen­trum ist nicht verantwortlich für diese Krisis. Es wird aber selbstverständlich anderer­seits auch alleMöglichkeitenzurWieder- herstellung einer geordneten politischen und parlamentarisc^n Arbeit nutzen. Die Bereitschafts, erklärung der Sozialdemokraten zur Mitarbeit bei der Bildung der Regierung konnte deshalb vom Zenttum nicht außer acht gelosten werden und es entspricht nur der Mittelstellung, die das Zenttum im Reichstag einnimmt, daß es sich über alle Mög­lichkeiten der Beseitigung der Regierungskrisis voll­ständig unabhängig nach beiden Seiten hin orientiert.

ersten Maitaaen. welche einst der hl. Phllivpus Neri, der große Aovstel Roms, nach der Renaissance einaeführt hat. Aber auch der hl. Karl Boromäus wollfahriete gern zu den 7 Hauntkirchen, wenn wie- der die Herrlichen Blütentage des Ma! gekommen waren. So gingen also auch hier die Wallfahrer, die sich in einer über 1000 Personen zählenden Schar eingefunden hatten, auf den Svuren des Sei­figen! Am 1. Mai war zunächst St. Peter das Ziel der Pilger, denn vom Grabe des Avostestürsten soll jede echt katholische Wallfahrt ausgehen, wie sie auch wieder dorthin zurückkehrt. Am 2. tn der Frühe, nahm sodann der Pilgerzug von der Basilika von St. Paul seinen Ausgang, um zunächst nach San Sebastiano zu gehen. Der fernere Weg führte zum Lateran, urtb nach Santa Croce, während am Nach- mtttag Santa Maggiore und San Lorenzo vor den Mauern, erreicht wurden. Jede der großen Basiliken begrüßte die Wallfahrer mit ganz spe­ziellen, noch vom hl. Phil'vvus stammenden Ge- beten und Hymnen. Um sich nun ganz genau an die Tradition zu holten, wurde zur Mittagszeit

als Erben. „Was dem einen ist fein Tod. ist dem an­dern sein Butterbrot" Jagte Hansen dieser Tage zu mir; wir blickten uns an und verstanden uns. Hoffentlich macht das Schicksal einen herben Strich durch diese De- redjnungen."

„Das wolle Kott!" fügte die alte Dame feiernd) hinzu.

„Da kommt die Post!" ries Steinbach fröhlich. „Ge­ben Sie her, Friedrich, stt was Ausländisches dabei?"

„Hier ist ein Brief mit fremder Marke."

Der Diener verschwand. Mutter und Sohn sahen dicht nebeneinamder und lasen: . ... ...

Meine Lieben! '

Sturm und Regen begleitete uns bei unserem Ein­zug ins gelobte Land. Ein Arzt in Kairo, den meine geliebte Frau an mein Bett rief, schickte mich sofort ins Innere des Landes. Zuerst sollte ich in ein Sanatorium gebracht werden, aber ich wehrte mich dagegen. Ich wollte allein sein. Der Doktor meinte, das sei hier nicht durchzuführen. Wenn ich alle Bequemlichkeiten haben wollte, die nun einmal für Europäer nicht zu entbehren seien, richtige Ernährung und ärztliche Fürsorge, die mir so nötig wären wie das tägliche Brot, bann müsse ich in Kairo bleiben. Wollte ich aber darauf beharren, einsam zu leben, so müsse ich damit rechnen, von allem das Gegenteil zu finden. Als ich darauf bestand, trotz allem abgesondert von jeder europäischen Gesellschaft leben zu wollen, nannte er uns eine Reihe von Orten, die ich nun aufsuchen will, bis ich irgendwo einen Win­kel finde, in dem ich das Dasein hier erträglich verbrin­gen farm. Ich bin, zu meiner Schande gesagt, ein recht ungeduldiger, launischer Kranker, und wenn Anna nicht bei mir wäre, ich würde längst umgekehrt fern. Ein Mensch, der wie ich die grüne Dämmerung unserer Wälder liebte, erträgt nur schwer diesen Sonnenglast, das grelle Gelb und Rot der Wüste, die ich heute mit Schaudern zum erstenmal gesehen habe. Rur nachts ist es hier schön, wenn wie jetzt das Mondlicht über allem liegt. Die Farbe der Landschaft hat nichts von dem glitzernden, kallen Schimmer unserer Mondscheinnächte.

Doch einstweilen genug davon, ich will im nächsten Brief mehr übreiben. - - - -

aus Körben «in kleines Mahl verteilt, welches b*e Pilger im Freien, in den herrlichen Gärten der Villa Celimvntana, wo einst der liebenswürdige Dolkshellige und Freund der römischen Jugend so gerne geweilt, zu sich nahmen.

Wer einmal über den Monte Pincio gewandelt ist, und sich dort an der herrlichen Aussicht und an den schattigen Anlagen mit dem rei hen Blumen­schmucks erfreute, hat gesehen, daß rrng-um an den Wegen Mamorftaiuen stehen. Hier wurden von jeher Italiens große Künstler, Dichter, Gelehrte, Musiker und Feldherrn aufgestellt. Unter all dielen Männern befindet sich nur eine Frau, die hoheitsvolle Dittoria Colon na, Michelangelos Seelenfreundin und Vertraute. Auch bedeutende Staatsmänner haben auf dem Pinro ihre Stand­bilder, und unter diese hat man am letzten April­tage bk Büste des großen Staatssekretärs von Pius VII., des Kardinals Ercole CrnfaIvi, ausgenommen. Die Einweihung der Düste rfclgte unter großen Feierlichkeiten, w'bei i»rTtf)?ehcne Reden gehalten wurden, die die Person des großen

Euch muß Ich bekennen, daß mein Glück, non mei­nem Leiden abgesehen, vollkommen ist. Ich darf das holdseligste, reinste Weib auf Erden mein eigen nen­nen. Anna begleitet mich auch in die Trostlosigkeit gel­ben Wüstensandes, in dem mm mal der arme Leib ge­sund werden soll. Ich soll und muß der Sonne meinen Tribut zahlen oder sterben. Ich leide noch unter den Nachwirkungen der Reise, und ich will gern genesen, da ich die sorgenvollen Augen meiner geliebten Frau wieder heiter und fröhlich sehen möchte. Annas Augen sind mir viel strengere Hüter als alle Aerzte der Welt. Es muß fein — also durch!

Ich gebe Euch die postlagernde Adresse an, da ich ja noch auf der Suche nach meiner selbstgewählten Ein­siedelei bin. Anna lacht mich zwar aus wegen meines krankhaften Absonderungswillens, aber ich sehe doch auch ihr an, daß sie diese gesellschastshungrigen Men- scheu, die sich aus Langeweile in unser junges Glück zu drängen suchen, nicht um sich wünscht. Ich sehe in jedem Blick, in allen Steuerungen herzlicher Teilnahme für die Frau das Bedauern, daß sie sich einem siechen Menschen zu eigen gab. Das höre ich aus jeder Frage nach meinem Befinden, daß ich manchmal schon nahe daran war, die Haltung zu verlieren. Ich muß allein fein, um innerlich ruhig bleiben zu können.

Werde ich meine einstige Gesundheit nicht wieder er­langen, so möchte ich lieber nicht mehr heimkehren. Der Tod wäre mir Erlösung aus meinem Siechtum.

Anna hat mir heimlich über die Schulter gesehen und die letzten Worte gelesen; dann hielt ich ein schluch­zendes Weib in meinen Annen. Was hätte ich ihr und auch Euch anderes versprechen können, als daß ich leben wolle — leben in ihrer Liebe. Sie hat mein Wort, Vater, vielleicht belohnt mich ein gütiger Gott und läßt mich an ihrer Zuversicht gesunden.

Ich sehe Steinbach vor mir, frische, kühle Winde wehen dort, ich höre die bunten Wälder rauschen und die Hirsche schreien. Dürfte ich die Heimat wiedersehen und auf der eigenen Scholle wirken und schaffen in wieder gewonnener Kraft, so würde ich über nichts mehr klagen. An Annas Seite und mit Euch, Ihr Lie­ben, wäre bann mit feinem Geschick wieder versöhnt

Euer getreuer Ulrich."

-.Der arme..arme Steril" .

Staatsmannes gebührend erläuterten. Senator Crernonesi, der römische Governatore, kegke einen großen Lorbeerkranz unter der Büste nieder, wel­che mit einer Schleife ht den Stadtfarben Roms ge­schmückt war. Zahlreiches Puhlikn-n aus allen Krei­sen hatte sich zu der Feier eingefunden.

Kürzlich wurde berichtet, daß nun auch die ita­lienischen Frauen das Stimmrecht .ekom» men, was hier aber an oeroiffe Bedingungen ge­knüpft ist. Man muß zeigen, daß man lesen und schreiben kann und nachweffen, daß man über eine gewiße Bildung verfügt. Diele Voraussetzung, die uns nnHirlifh sehr sonderbar anmutet, ist hier aber sehr nötig, denn es gibt auch jetzt noch in Itasi-.n, besonders im Süden des Landes, eine große An- zahl Anafvhabeten, speziell unter den Frauen des Volkes. Inzwischen sind die Resultate der Em- schreibelisten in Rom veröffmtticht worden und er- aibt sich für die Hauptstadt a-mz ungemein m^noe Zahl von 2032 Frauen, die sich eintruaen. Hier W man wieder deutlich, wie die italienischen Feaucn fast gar nichts auf ihr Stimmrecht geben und die Männer noch viel weniger. Denn es steht test. Latz viele Frauen auf Wunch ihrer Manner dar Em- zeichnung unfer(affen hib-m Die ganze Frauen­bewegung m Italien ist lediglich eine rel-gwle und hat fairin einen Einsthkag ns Dfi“nttt<h? $~<'hen, soweit es Parlament und Polittk angeht. Diesen Ein- druck bekam man ja nach im letzten ssvt.mcer auf dem großen, hier ab wh cl'enen, fnfernattrma. en katholischen Frauenkongreß. auf dem nur di- aus- ländischen Delegierten, vor allem die englnmcn, nordamerikanischen und denistzen die vmi ricnen Frauenrechte behandelten. So. wie nun die Dmze hier liegen, und wie nun emmal das lla' enllwe Volk denkt mtb fühlt, scheint es unzwetfelygft vfta> Veste, wenn sich die Itali>n-nin auch weiterh.n aus dem öffentlichen Leben )e ne hkst.

Wie neulich aus den Bilanzabschlüssen zu er- sehen war. steht Deutschland für den Au- ßenbandel Italiens an erster Stelle, wogegen Deutschlands Einfuhr nach Italien erst an werter Stelle kommt. Das gibt zu denken und tmrfte es interessant fein, zu diesem für uns so wichtigen Thema einen holländischen Kommentar M Horen. Dabei muß zunächst noch bemerkt werden, daß deute Jralien viel eher in der Laae ist, viele und beson­ders Qualitätsware einznführen als es vor dem Kriege der Fall war. — Dor einiger Zeit hatte nun Italien em- große Samtlieferung zu vergeben, für die Neupolsterung seiner Eisenbahnwagen. Diesen Möbelsamt hat 'seit vielen Jahrzehnten immer Deutschland hierher aeliefert. In diesem Jahre aber kam es anders. Außer den deutschen waren auch andere Angebote eingelaufen, darunter das Angebot einer großen holländischen Firma. Tw6 war in der Lage, eine tadellose Dualität Mobei­samt zu liefern, aber um 10—15 Brozent teurer, als das deutsche Angebot. Die zuständigen Bevor- den entschieden sich für das holländische Angebot. Nach dem Grunde befragt, fei geantwortet worden, man wolle so wenig wie möglich aus Deutschland beziehen!! Traurig, aber wahr! Wir fehen aus dieser Angelegenheit deutlich, wie sehr heute Poli­tik und Wirtschaft zusammen hängen und wie vor- sichtig die leitenden Männer eines Staates in ihren Reden über fremde Länder sein müßen. Beson- ders barm, wenn dieser Staat, wie Deutschland, so sehr auf Ausfuhr angewiesen ist.

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Schriftleiter: Dr. phil. Johannes Kramer. Verantwortlich für Politik und Heimatliches Dr. Kramer, für den Roman und die .Buchenblätter" An ton W e tz l e r, für den übrigen Text und die Unterhaltungs- beilagt Dr. ter. pol. Karl Austermann, alle in Fulda. DerantwortNch für die Anzeigen: Direktor der Fuldaer Actiendruckerei I. Parzeller.

Steinbach rief es so laut, daß die alte Dame, die sich verstohlen die Augen wischte, jäh zusammensuhr.

„Verzeih, abera ich mußte mir Luft machen. Mein Junge, mein lieber, lieber Junge . . ."

Steinbach erhob sich und eilte aus dem Zimmer; langsam verhallte der Klang seiner ungestümen Schritte in dem stillen Witwenhaus. Die Mutter lauschte ihnen — dann seuszte sie schwer; die weißen, welken Hände griffen wieder nach dem Strickzeug. Die Sonne schien noch immer keine Lust zu haben, den grauen Dezember- tag, der durch die Mullvorhänge in das gemütliche Wohnzimmer drang, zu erhellen, der Kanarienvogel saß geduckt auf der Stange, und die Stille der Alterseinsam­keit drückte heute schwer auf bas Gemüt der alten Frau.

„Ich werde ihm schreiben", murmelte die Greisin vor sich hin. „Er mutz stch zusammenraffen; allein der Wille zum Leben mutz ihm die Genesung erleich. tern."

Sorglich wickelte sie die Strickerer zusammen und ging an ihren Schreibtisch. Vorher blieb sie vor den Blumen stehen, die in einer tiefen Nische des Zimmers in reichem Flor blühten. Kosend strich ihre Hand die blühende Rose, als das Tuten eines Kraftwagens, der auf der Schloßrampe vorfuhr, ihr nachdenkliches Sinnen unterbrach.

Wer konnte das fein? Frau von Steinbach liebte diese Fahrzeuge nicht. Diese Dinger kamen herange- flitzt, flüchtig wie der Wind, um mit den Insassen wie- der davonzustieben, kaum daß die Gäste warm gewor­den waren.

„Heute hat fein Mensch mehr Zeit", pflegte sie zu sagen. „Wie anders war das früher. Da kam man zum Kaffee und blieb bis zum Abend." Sie zog die Uhr. Knapp eine Stunde vor Mittag. Verrückte neue Sitten; das war gewiß ein Besuch au» der nächsten Stadt, der Karten abwarf, wenn ihr Sohn sich nicht zum Empfang bereit finden ließ, was in feiner augenblick­lichen gedrückten Stimmung anzunehmen war. Bald darauf kam der Diener Friedrich auf ihr Haus zu. so eilig, wie man es gar nicht an ihm gewohnt war. Unruhig erwartete Frau von Steinbach den Voten, der jetzt das Zimmer betrat.