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KlMMMNlSW. sMlk 15

Anzeiger für die Skadk und den Kreis Fulda.

Nr. 107.

Erscheint sechsmal wöchentlich- Wochenbe'Iage«: „Illustrierte Vel­lage" und .BuchenblLtter". Rotationsdruck und Verlas der Fuldaer Actiendruckeret in Fulda. Fernkvrecher Rr. 9- Monatlicher BeruaSvreiS: 150 Mk.

Sonntag, 9. UTal 1926.

Amtliches Kreisblakt.

An teigen» BreNe: ikleinrelle (Colonel) olal 0,15 Soldmar auswärts 0.20 Soldmark. Reklame,eile: lokal p.6 Soldmar! auswärts (WO Soldmark.

Bei Mederbolunaen Rabatt. VoVch-ckkonto Frankfurt a- M. 4051.

Zahrg. 53.

w Wenfrift für die Kauzlerschast Luthers.

Die mnerpolitische Lage.

Wie aus Berlin gemeldet wird, haben am Frei­tag im Reichstage interfraktionelle Besprech un- gen zwischen den Regierungsparteien stattgefunden, an denen auch der Reichsminister des Innern Dr. Külz teilnahm. Wenn auch die Besprechungen, die die verschiedenen Möglichkeiten eines Ausgleichs der Gegensätze unter den Re- gierungsparteien zum Gegenstand hatten, zu kei­nem greifbaren Ergebnis führten, so wurde in ihnen doch, wie die „lägt. Rundschau" mitteilt, betont, daß an der gegenwärtigen Regierungs­koalition festgehalten werden müsse. Keine Re­gierungsfraktion könne die Verantwortung dafür übernehmen, wegen des Flaggenerlasses eine Krisis von unübersehbaren Folgen heraufzubeschwören. Auch die „Germania" sieht die Lage nicht mehr so kritisch an. Das Blatt schreibt: Eine Erklärung der Regierung, die der Stimmung in sämtlichen Regierungspar­teien entgenkommt. könnte nach der Auffassung parlamentarischer Kreise vielleicht die Grundlage zu Verhandlungen bieten, die einen Ausweg aus der Krise zeigen. In der demokratischen Fraktion, die im Anschluß an die interfraktionel­len Besprechungen gleichfalls unter Teilnahme des Reichsministers des Innern zusammentrat, soll man jedoch, laut „Voss. Ztg.", den Versöhnunas- aktionen sehr skeptisch gegenüberstehen. Reichs- Minister des Innern Dr. Külz, der nach Düs­se l d o rf abgereist ist, trifft dort mit dem Reichs­kanzler Dr. Luther zusammen und wird diesen über den Fortgang der Parteibesprechungen in Berlin unterrichten.

Don unserem parlamentarischen Mitarbeiter wird uns geschrieben:

Die Frage, ob Sein oder Nichtsein, ist für das Kabinett Luther über Nacht aufgetaucht. Und zwar trägt Luther die alleinige Schuld daran durch sein Vorgehen in der Flaggenverordnung. Selbst unter den Regierungsparteien, beim Zen­trum und den Demokraten, herrscht größte Un­zufriedenheit ob des Ueberrumvelungs- Versuchs, den Luther in diesem Falle wieder mit Ei folg versucht hat. Daß auch innerhalb der Deutschen Volksvartei dieses ungeschickte Vorgehen des Kanzlers Mißfallen erregt hat, gebt am besten aus den Aeußerungen hervor, die der Pressedienst der D eu t s ch e n Volkspartei bei dieser Ge­legenheit macht. Auch er beschwert sich über, die van Dr. Luther in letzter Zeit beliebte Methode der Ueberraschung:

„Manche Aufregung wäre allerdings vermieden worden, wenn die Reichsregicrung sich nicht auf die einmütiae Zustimmung der Vertrauensmänner der Par­teien im Kabinett beschränkt, sondern enge Fühlung mit den Fraktionen selbst ausgenommen hatte, um sie rechtzeitig über die wirkliche Bedeutung der Der- vrdnung zu informieren. Der Sckluh, daß auch die Fraktionen ausnahmslos denselben Standpunkt cinnehmen würden, wie die ton ihnen ins Kabinett ge­sandten Minister hat sich, wie die Kritik der Demokra­tischen Partei und des Zentrums zeigt, als irrig er- wiesen, Hoffentlich zieht die Reichsregierung daraus die Lehre, daß die von ihr häufiger beliebte Methode der Ueberrafchunoen doch nicht immer die richtige ist rmd zu Schwierigkeiten führen kann, die bei rechtzeiti­ger und engerer Fühlungnahme mit den Regierungs­parteien vermieden werden könnten. Das hat sich ja schon gczeiot, als vor Monaten der demokratisme Finanzminister das Parlament mit der Ankün- digung seiner Steuerreform überraschte. Das par­lamentarische Regierungssystem verlangt nun einmal die ständige enge Fühlungnahme zwischen der Regierung und den Parteien."

Diele hat Luther, wie es scheint, nicht gewollt und sich daher das Vertrauen gründlich verscherzt. Die Entscheidung über die Krise, die durch das Vor- hallen des Kanzlers — denn er trägt die volle

Dr. (Eugen Jager t.

Ein bewährter katholischer Politiker ist mst Dr. Eugen Jäger in die Ewigkeit gegangen. Dr. Jager, der Herausgeber und Verleger der „Pfalzer Zei­tung" in Speyer, ist im 8 3. Lebensjahrs ge­storben. Jäx^r war viele Jahre als Redakteur der „Pfälzer Zeitung" tätig. ■ Schon früh beteiligte er sich am politischen Leben, und es war fast sewswer» stündlich, daß ihn das Vertrauen seiner Pm:trl z^ nächst in den Landtag seines Heimatlandes und dann in denrReichstag entsandte. Der Ver­storbene war von 1887 bis 1911 als Zentrums- abgeordneter Mstglied des Bayerischen Landtags. Vom Jahre 1898 bis zur Revolution vertrat er ,m Reichstag den Wahlkreis Dillingen (Schwaben). Jägers Spezialgebiet war die Wohnungs­frage und die Bodenreform. Hier entfal­tete er eine umfangreiche praktische und auch lite­rarisch erfolgreiche Tätigkeit. Seiner Feder ent» stammt ein wertvolles Werk über die Wohnungs­frage, eine andere Arbeit behandelt Agrarstagen der Gegenwart. Verschiedene Werke aus der Fe­der des Verstorbenen beschäftigten sich mit brennen­den Tagesproblemen, so sein Werk über den S o - z i a l i s m iu s und seine verschiedenen Schriften über Steuerfragen. Im Reichstag galt er gerade auf diesem Gebiet als Fachmann, und häu­fig hat er von' der Tribüne des Reichstags den Standpunkt des Zentrums in diesen Fragen ver­treten. Der kenntnisreiche Mann, der durch weite Reisen seinen Blick erweitert Halle, erfreute sich weit über die Reihen des Zentrums hinaus großer Anerkennung. Die Trennung der Bayerischen Volks­partei vom Zentrum führte auch die äußerliche Trennung Jägers von der Zentiumspartei herbei. Er gehörte nach der Revolution der Bayerischen

Verantwortung für die Flaggenverordnung des Reichspräsidenten durch seine Gegenzeichnung, da sicherlich auch er mit seinem Rate zum Erlaß die­ser Verordnung beigetragen hat — hervorgerufen ist, fällt am kommenden Dienstag, wenn durch die Sozialdemokraten die Jnterpellallon über die Flaggenfrage vor den Reichstag gebracht wird. Es wird sich ja dann zeigen, ob das durch die sozial­demokratische Fraktion eingebrachte Mißtrau- e n s v ot u m eine Mehrheit im Reichstag fin­det. Das hängt lediglich von der Haltung der De­mokraten ab, die. soweit bis jetzt feststeht, für das Mißtrauensvotum eintreten wollen. Alsdann müßten die demokratischen Mini st er, gleichviel ob die Regierung im günstigen Falle eine kleine Mehrheit erhält, die politischen K o n- seguenzen ziehen und ihren Austritt aus dem Kabinett erklären, wodurch der Rücktritt des ge­samten Kabinetts sich ohne weiteres vollziehen würde. Das letzte Wort wird am Montag fal­len, wenn der demokratische Parteivorstand sich mit dieser Angelegenheit befaßt. Aber selbst im günstigsten Falle handelt es sich bei der großen Unzufriedenheit, die mich im Zentrum herrscht, und die dieses veranlassen wird, sich der Abstim­mung am Dienstag zu enthalten, nur um eine Gnadenfrist für die Kanzlerschaft Luthers.

*

—Ser' Bundesvorstand des Reichsbanners ruft für Sonntag den 9. Mai feine Gefolgschaften im ganzen Reich zu Massenkundgebungen auf.

Bayern und Reich.

Denkschrift der bayerischen Staatsregierung „über fortschreitende Aushöhlung der Eigenstaatlichkeit der Länder unter der Weimarer Verfassung-.

Die bayerische Staatsregierung veröffentllcht eine Denkschrift, die es als ihre Aufgabe bezeich­net, auf Grund der Entwicklung der letzten Jahrs zu zeigen, wie das Reich in Gesetzgebung und Verwaltung die nach der Weimarer Verfassung den Bundesstaaten verbliebenen Rechte zum Teil unter Durchbrechung der Verfassung, mehr und mehr verkürzt und damit die Eigenstaatlichkeit der Länder in fortschreitendem Maße aushöhlt.

Die Denkschrift zerfällt in 3 Hauptteile. Der erste allgemeine Teil, der sich mit der Verfassungs­frage überhaupt befaßt, hält die Forderungen der bayerischen Denkschrift vom Januar 1924 auf­recht. Die Reichseinheit mache kein Einheitsrsich erforderlich. Der stärkste Kitt sei vielmehr die bundesstaatliche Verfassung.

Der zweite besondere Teil der Denkschrift bringt die Einzelheiten, aus denen die Verwirklichung der unitaristischen Entwicklungstendenz hervorgeht. Von seinem Rechte für sonstige Gesetzgebung mache das Reich vornehmlich aus verfassungspolitischen Gründen Gebrauch.

Der dritte Teil der Denkschrift enthält einen konkreten Vorschlag für eine Aenderung der Reichsverfassung,. Bayern fordert Der-'' fasiungsfrieden, statt Verfassungskawpf. Umwand­lung der labilen Grundlagen der Weimarer Ver­fasiung in eine stabile. Klare Ordnung in der Ver­teilung der Zuständigkeit zwischen Reick und Län­dern und zu diesem Zwecke eine stärkere verfas­sungsrechtliche Sicherung der Länderrechte. Ver­fassungsänderungen, die eine Verkürzung der ver­fassungsmäßigen Landesrechte bedeuten, sollen nur mit Zustimmung des Reichsbeirats beschlossen werden können und als absolut gelten, wenn sich mehr als ein Viertel der Stimmenzahl des Reichs- rates dagegen ausspricht.

Landesversammlung als Mitglied der Bayerischen Volkspartei an. In seinem Herzen ift er aber im­mer ein echter Zentrumsmann geblieben.

Eugen Jäger hatte, was auch den Politikern von heute dringend zu wünschen ist, Zivil­courage. Er war es bekannüich, der 1913 beim 25jährigen Regierungsjubiläum Wilhelms II., als das derttsche Volk mtt seinen Wortführern in Wonne ganz strahlte und keinerlei kritischen Bück fftr die Ge­fahren unserer Lage mehr ausbrachte, ohne Scheu vor dem Verdammungsurteil der Mehrheit tn der Presie nüchterne Betrachtungen anstellte und auch auf die Schattenseiten der damaligen Dinge hinwies. Eugen Jäger hatte nur zu richtig ge­sehen. *

In der Hedwigskirche in Berlin fand am Freitag einSeelenamt für den verstorbenen Führer der Zentrumsfraktion, Reichskanzler a. D. Feh- re n b a ch, statt, das von Weihbischof Deitmer zelebriert wurde, und bei dem Domkapitular Leicht assistierte. Der Feier wohnten Reichsminister Marx, Brauns, Stingl unb fast sämtliche Mitglieder der Zentrurnsfraktion bei. Vor dem Altar hatten die Chargierten der katholischen Verbindungen (C. D.) mtt ihren Fahnen Aufstellung genommen.

Die Leiche des verstorbenen deutschen Gesandten in Wien, Dr. Maximilian Pfeiffer, traf Freitag vormittag auf dem Bahnhof in Speyer ein. Nach der kirchlichen Einsegnung der Leiche wurde der Sarg, der mtt kostbaren Kränzen bedeckt war, nach der Leichenhalle des allen Friedhofs über- führt, wo er aufgebahrt wurde. Die Beisetzung fand nachmtttags 3 Uhr statt.

Mmisterbesuch in Düsseldorf.

wtb Düsseldorf, 8. Mai. (Eig. Funkm.) Reichskanzler Dr. L u t h e r ist heute vormittag von Darmstadt kommend zur Teilnahme an den Er­öffnungsfeierlichkeiten der ® ef oI ei hier eingetrof­fen. Aus Berlin sind hier angekommen der preu­ßische Ministerpräsident Braun, Reichsinnenmini­ster Dr. Külz, Reichsjusttzminister Dr. Marx und der preußsiche Wohlfahrtsminister Hirtsiefer.

Zur Eröffnung der Gesolei hielt der preußische Ministerpräsident Braun eine Rede, worin er auf den Zusammenhang der Ausstellung mit der Bei­behaltung unb dem Ausbau der Sozial- Politik hinwies.

Es sprach dann Reichskanzler Dr. Luther. Er wirs in einer längerem Rede auf die Wichtigkeit der Leibesübungen hin. Am Schluß seiner Ausführungen sagte der Reichskanzler: So dient die Aufstellung tn ihren drei Richtungen dem einem großen Ziel der Pflege des deutschen Men­schen. Der deutsche Mensch hat die Nöte der Kriegs- und Nachkriegszeit überstanden. Er wird feinen Weg noch fortsetzen, desien Ziel nur dis Wiedergewinnung eines wirklich freien Vaterlandes fein tarnt. Nur ein solches freies Vaterland wird über den eigenen Nu­tzen hinaus desien große kulturellen und schaffenden Kräfte mtt voller Wirksamkeit in den Dienst der Menschhett stellen können. Durch eine Kulturtat, wie es diese Ausstellung ist, verwirklicht Deutsch­land in besonders ergreifender Weise die Worte des großen Geschichtsschreibers Leopold von Ranke: Das größte, was dem Menschen begegnen kann, ist es, in der eigenen Sache die Allgemeinheit zu verteidigen. Im Zeichen dieses Wortes eröffne ich die Düsseldorfer Ausstellung und gebe ihr den Wunsch der Reichsregierung auf den Weg, daß sie dem deutschen Volke von reichstem Nutzen sein möge.

• Der deutsch - spanische Handelsvertrag ist in Madrid unterzeichnet worden.

Die Offensive in Marokko.

Nach einer Meldung aus Rabat hat das fran­zösische Fluazeuggeschwader die Beschießung gegne- rischer Truppenansammlungen wieder aufgenommen. Die Abteilungen der Gegend Wed Äert haben ihre Vorwärtsbewegung begonnen. General Boickut ist in Rabat eingetroffen, um von dort aus die Opera­tionen zu leiten.

Blutige Kämpfe in Damaskus.

wtb. Paris, 8. Mai. (Eig. Funkm.) Havas meldet aus Damaskus: Im Laufe einer militärischen Ak'ion im Stadtviertel Midan sind etwa 50 Auf- ständi'cke getötet und eine große Anzahl verdäch­tiger Personen verhaftet worden.

* Der Reichspräsident an die Gesolei. Anläß­lich der Eröffnung der Düsseldorfer Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen bat der Reichspräsident das nach­stehende Glückwunschtelegramm an den Oberbürger­meister von Düsseldorf gerichtet: Zur Eröffnung der Düsseldorfer Gesolei sende ick herzliche Grüße. Ich wünsche der Ausstellung gute Erfolge und hoffe, daß sie den Bestrebungen zur Gesundung und Er- tigung unseres Volkes die erwünschte Förderung bringen möge. v. Hindenburg, Reichspräsident.

* Neues aus Mecklenburg. Aus Schwerin wird gemeldet: Zur Verhandlung gelangte im Land­tag ein völkischer Antrag auf Herabsetzung der Zahl der Abgeordneten, die zur Zeit 64 beträgt. Nach diesem Antrag soll auf 10000 Ein­wohner ein Abgeordnetensitz entfallen. E-n Vorschlag des Rechtsausschusses geht dahin, die Berteilungs- zahl auf 6000 zu vermindern. Danach sind 30 Ab­geordnete zu wählen. Dieser Antrag wurde an­genommen. — Der mecklenburgische Landtag hat die Bürgschaft des Staates für einen 5 Mil­lionenkredit der m ecklenb urgi scheu Do­mänenpächter bei der Preußischen Zentralge- noffenschaft bewilligt.

Der englische Generalstreik zeigt scharsere Formen.

Aus London wird gemeldet: In Hüll mußte die Polizei auf dem City Square mit erhobenen Knüppeln gegen streikende Arbeiter vorgehen. Stteikposten zeigten sich gegenüber Freiwilligen feindselig. > Berittene Polizei mußte einschreiten, um die Menge von 3000 bis 4000 Mann zu zerstreuen. Sieben Personen wurden verletzt. Polizeiverstär- kungen fäuberten den City Square und nahmen einige Verhaftungen vor. Marineleute wurden für den Schutz von Freiwilligen, die Lebensmittel lösch­ten, aufgestellt. Andere Mattosenabteilungen wur­den nach einem Dock zur Beschützung der für das Löschen anderer Schiffe bestimmten Leute ent­sandt. Wie weiter gemeldet wird, sind die Indu­strien in Hüll so gut wie stillgelegt. Die Bevöllerung ist ruhig. In Lincoln arbeiten die Fabriken, in Derby dagegen ist die Sage wenig be­friedigend. Hier sind die bekannten Rolls Royce Automobilwerke geschlossen. Man erwartet, daß auch noch andere Werke schließen müssen. In Shef­field ift die Lage kompliziert. Alle stahlerzeugen- den Arbeiter stteiken. Obgleich die Gesamtzahl der streikenden Arbetter weniger als 50 000 beträgt, handelt es sich hierbei um sogenannte Schlüssel­industrien, sodaß wettere Industriezweige in Mitleidenschaft gezogen worden sind.

*

Verschiedene Baumwollfabriken im Be­zirk von Presttn haben ihre Betriebe geschloffen. Es wird erwartet, daß andere folgen werden. Die Angestellten der Elektrizitätswerke von Fullharn (London) haben die Arbeit niedergelegt. Die ge­samte Stromversorgung einschließlich der Straßen­beleuchtung ift infolgedessen eingestellt.

In Glasgow verhaftete die Polizei 48 Personen.

Aus der Sttecke Berwick—Newcastle wurde ein Schnellzug von 3—400 Streikenden an einer Stelle, wo er zum langsam Fahren gezwungen war, mit Steinen beworfen. Mchrere Fenster wurden zertrümmett. Der Zugführer und der Hei­zer wurden leicht verletzt.

3m englischen Unterhaus

haben die Hausdiener die Arbeit eingestellt und sich dem Streik angeschloffen. Der Sprecher ver- sichette dem Hause, er werde nicht zulassen, daß das Haus durch eine Aktion irgend einer Gruppe von Leuten daran gehindert werde, feine Arbeit fortzusetzen. Wenn es sich als notwendig erweisen sollte, so werde er das Haus ohne Druckerei und ohne elektrische Beleuchtung weiter tagen laffen.

Die Auffassung der Regierung.

Das von dem Regierungsblatt The British Ga­zette veröffentlichte amtliche Communique besagt u. a.: Keine ernsten Unruhen sind m irgend einem Teile des Landes vorgekommen, aber, wie zu er­matten war, wird die Sage gespannter und der Höhepuntt ift noch nicht erreicht. Die Führer der Eisenbahner- und Transpottarbeiter-Gewerffchaften haben Befehle erlassen, das äußerste zu tun, um die Versorgung mit Lebensrnitteln und Lebensnot­wendigketten zu lähmen und stillzulegen. Ein- schüchterungSversuche seitens Ausschreitungen begeh­render Mengen, alS auch seitens Stteikposten haben an vielen Otten stattgefunden und werden vielleicht bald an vielen anderen vorkommen. Die Regierung hat alle Behörden angewiesen, dieses verbreche- . rische Treiben zu unterdrücken und zu verhindern.

Es ist beabsichtigt, die Zahl der besonderen Schutzleute in London, sobald wie möglich, auf 50000 zu erhöhen. Andere wichtige Maß­nahmen, um die zur Verfügung der Regierung stehenden Kräfte zu vermehren und umfassenden Schutz zu ermöglichen, werden ebenfalls getroffen. Ein organisierter Versuch wird unternommen, um das Volk auszuhungern und den Staat zu stürzen.

(Eine Erklärung der Generalrats.

Eine vorn Blatt „The British Wörter" veröf­fentlichte Erklärung stellt nachdrücklich in Abrede, daß einzelne Arbeitervertreter oder der Generalrat zwecks Verhandlung an die Regierung herangette- ten sei, betont jedoch, daß der Generalrat bereit sei, jeden Augenblick in (Erörterungen be­züglich der Zurückziehung der Aussperrungsankün- digung und bezüglich der Beendigung des Generalstreiks einzutteten, wenn die Wieder­aufnahme der Verhandlungen eine ehrenhafte Regelung des SBergarbeiterftreits sichere.

Zriedensmahnungen des Erzbischofs.

wtb London, 8. Mai. (Eig. Funkm.) In einer vom Erzbischof von Canterbury namens der Ver­treter der ch r i st l i ch e n Kirchen Englands veröffentlichten Erklärung heißt es, die Parteien in dem gegenwärtigen Konflikt sollten sich bereit erklären, die Verhandlungen wieder aufzu­nehmen. Eine Regelung der Schwierigkeitea durch Kampf fei nicht erreichbar.

Internationale Auswirkungen.

Auf Grund deS Befchluffes der freien Gewerk­schaften ist in Hamburg die Versorgung englischer Schiffe mit Bunkerkohle von den Hafenarbeitern verweigett icutben.

Das Exekutivkomitee der dänischen Gewettl- schasten kündigt eine Sympathiestreik zugunsten der englischen Arbeiter an.

Die belgische TranSpottarbeiterzenttale hat grundsätzlich beschlossen, alle eintreffenben Güter, gleichviel welcher Art, die in normalen Zeiten nicht für Antwerpen bestimmt gewesen wären, nicht ausladen zu lassen.

Die spanische Regierung hat die spanischen Hafenbehörden angewiesen, den englischen Schiffen zur Versorgung Englands mtt Kohlen alle Erleich­terungen zu gewähren.

Die Abteilung Schriftsetzer des Verbandes der Arbeiter des Buchdruckgewerbes in Frankreich hat durch Anschlag in Patts den Schriftsetzern verboten, sich an der Herstellung von sürEng- land bestimmten Zeitungen zu beteiligen.

Der Solidatttätsteilstteik der russischen See­leute und Hafenarbeiter in den russischen Häfen er­griff alle Häfen am Schwarzen und Äsowschen Meer. Auch die in Leningrad liegenden englischen Dampfer, welche gerade gegenwärtig fast den gan­zen ausländischen Schiffsbestand in den Sowjet- Häfen darstellen, wurden betroffen. Augenblicklich stteiken 8000 Mann.

Ein Aufruf der kommunistischen Par- tei in Newyork fordert die Hafenarbeiter auf, die Beladung und Löschung der nach England be­stimmten Schiffe zu verweigern.

Der Generalrat der kanadischen Gewerk­schaften hat nach einer erregten Aussprache beschlos­sen, den streikenden englischen Arbeitern lediglich „moralische Unterstützung" zu gewähren.