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uldaerZertung

Anzeiger für die Sfabf und den kreis Fulda.

Nr. 105.

Freitag, 7. Mai 1926,

Erscheint sechsmal wöchentlich Wochenbe^Iagen! ^Illustrierte Bei­lage" und .BuchenblLtter". Rotationsdruck und Verlag der

Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsvrecher Rr 9- Monatlicher Berugsvreis: 1 50 Mk-

Amtliches Kreisblakk.

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Zahrg. 53.

CchiWsstunden für das Kabinett U Luther.

Die Neuordnung des Zlaggengebrauchs.

Flaggen werden nur gezeigt an F e st t a g e n. Deshalb sind sie für den realpolitisch denkenden Bürger, der mit der Not des Lebens kämpfen muß, eine Frage zweiter Ordnung. Ihn beschäftigt in erster Linie der Alltag, nicht der Festtag. Er muß um das Lebensnotwendige für sich und die Seinen kämpfen. Der Kampf um die Flagge liegt im wesentlichen jenen Kreisen sehr stark am Herzen, die durch hohe Reoenüen vor der Nut geschützt, sich in Ermangelung nützlicherer Aufgaben Tag aus, Tag ein mit Farben, Flaggen und sonstigen Attributen der Romantik befassen. Das Volk in seinen breiten Massen urteilt kühl in der Flaggenfrage. Man weiß, daß in der Weima­rer Verfassung schwarz-rot-gold als Reichsflagge be­stimmt worden ist, weil damals durch das Ver­sagen der bisher herrschenden Kreise im Handumdrehen zur Macht gelangten sozialistischen Massen die rote Fahne als Symbol eines Sow­jetstaats forderten und die Farben Schwarz-rot- gold als Kompromiß zwischen Bürgern und Arbei­tern erschienen. Ferner sollte die neue Flagge den Anschluß Oesterreichs erleichtern. Man kann daran denken, in ruhigen Zeiten durch eine Volksabstim­mung die Farbenfrage zu lösen Es ist eine Ange­legenheit politischer Feiertagsstimmung. Aber jetzt, wo Fürstenabfindung, Riesen-Arbeitslosigkeit, englischer Generalstreik, außenpolitische Krise unser Volk seelisch stark in Anspruch nehmen, wo die Reichsregierung sich nur auf eine höchst unzuver­lässige parlamentarische Gefolgschaft stützen kann, ist ein Aufrollen des Flaggenstreits mehr als un-' angebracht.. Aber die Frage ist aufgerollt. Der Reichspräsident hat die neue Flaggenver­ordnung unterzeichnet, wonach außer der offiziellen schwarz-rot-goldnen Reichsflaqge bei be­sonderen Anlässen künftig auch die Handel s- flagge aufgezogen werden soll, und zwar bei den sämtlichen überseeischen Missionen und den euro- räischen Missionen, die auf dem normalen Seewege zu erreichen sind. Der Reichspräsi­dent hat dabei zugesagt, daß er eine heraldische R eu­re a e l u n a der Handelsflaaae, d. b. eine Ver­größerung der schwarz-rot-goldnen Göich in der sichwarz-weiß-roten Fabne ins Auge fassen wolle. Das Kabinett bat in einer mehrstündigen Sitzung

Verordnung zugestimmt. Durch die Verord­nung ist in Ergänzung der Verordnung über die deutschen Flaaaen nom 11. Anril 1921 bestimmt worden, daß die gesandtschaftlichen und konsulari­schen Behörden des Reiches an außereuropäischen Plätzen, die von Seehandelsschiffen anaelaufen werden, künftia neben her Dienstflagge der Reichs­behörden zu Lande (Schwarz-rot-gold mit dem Reichsschilde) auch die verfassungsmäßige H a n- d e l sf l a g g e führen. Gleichzeitig ist die Dienst- stagge der Reichsbedörden zur See, um eine stär­kere Betonung der Reichssorben zu erzielen, durch eine schwarz-rot-goldene Gösch noch Art der Han­delsflagge ergänzt worden.

Dazu wird vom Wolst-Vüro bemerkt: Die vor­stehend gekennzeichnete Verordnung hat keinerlei nolitische, sondern n u r eine praktische Be­deutung. Sie schränkt die Verwendung der Reichsfarben bei den Auslandsbehörden nicht ein, bringt sie vielmehr durch Einführung der sckwarz- rot-ooldenen Gösch in die Dienstflagge der Reichs­behörden zur See verstärkt zur Anwendung.

Die Verordnung ist veranlaßt worden durch den Umstand, daß nach den übereinstimmenden Berichten der in Frage kommenden deutschen Aus­landsstellen die bestehende Verschiedenheit in den Flaggen der deutschen Handelsschiffe und der amt­lichen Reichsvertretung als unerträglich emp­funden wird. Sowohl von amtlichen wie von pri­vaten Kreisen wird es als geboten bezeichnet, diese Verschiedenheit, die zu vielen Mißverständnilsen und Unstimmigkeiten Anlaß gegeben hat, auszugleichen. Diesen Ausgleich will die Verord­nung in erster Linie erreichen. Ferner soll aber die Verordnung dazu beitragen, die verständnis­volle Zusammenarbeit der Ausländsdeutschen mit den amtlichen Vertretungen des Reiches im Aus-

lande, namentlich in Ueberfee zu fördern. Hier sind wegen dieser Flaggendisferenz vielfach Gegen­sätze aufgetreten, die den Interessen des Reiches und dem Ansehen des Deutschtums im Ausland ab­träglich sind. In dieser Beziehung soll die Ver­ordnung eine Brücke bilden zu einer besseren Verständigung und einer engeren Zusam­menarbeit am wirtschaftlichen Wiederaufbau.

Das Echo.

In Berlin hatte das Reichsbanner schwarz- Rot-Gold schon am Mittwoch auf dem Gen­darmenmarkte eine Protest Versammlung gegen die neue Flaggenverordnung einberufen. Der Aufmarsch der verschiedenen Abteilungen — es mögen etwa 10 bis 12 000 Menschen an der Kund­gebung teilgenommen haben — sowie die Ver­sammlung selbst vollzogen sich in größter Ruhe. Nach kurzen Ansprachen einiger Abgeordneter der Demokratischen, Zentrums- und Sozialdemokra­tischen Partei löste sich die Ansammlung wieder auf. Der Abmarsch ging in vollster Ordnung vor sich.

Die Zentrumssrattion des Reichstages hat fol­genden Beschluß gefaßt: Die Zentrumsftaktion des Reichstages bedauert den Erlaß in der Flaggen­frage und lehnt jede Verantwortung für die politischen Folgen ab.

Die Flaggenverordnung findet die Billig ung der beutfdjnationalen Zeitungen, wenn diese auch bemängeln, daß sie gegenüber dem ur­sprünglichen Plane insofern eine Konzession anbiere publikanischeParteien barstellt, baß sie nur für die außereuropäischen Plätze die von Seehandelsschiffen angelaufen werden, Geltung haben soll. t ,

Die „Tägliche Rundschau" hebt hervor, baß Reichsjustizminister Marx und Reichsarbeitsmini- Brauns ebenso fest zu dem Kabinettsbeschluß über die Verordnung standen wie die demokrattschen Minister Dr. Külz und Dr. Reinhold. Zur Cnt- tüfhmg liege auch nicht der geringste Grund vor, da die Handelsflagge in der Reichsversas- fung ebenso fest verankert ist, wie die Reichs­farben Schwarz-rot-gold. Durch die Verordnung werde sogar den Anhängern von Schwarz-weiß- rot insofern ein Zugeständnis zugemutet, als auch die schwarz-weiß-rote Dienstflagge der Reichsbe­hörden zur See in Zukunft mit der schwarz-rot- goldenen Gösch versehen werden soll.

Das Berliner Tageblatt spricht von einer Re­gierungskrise, die über Nacht in einer Frage entstanden sei, deren Aufwertung in diesem Augen­blick völlig sinnlos und überflüssig ge­wesen lei. In der demokrattschen Reichstagsfrak­tion sei eine äußerst starke Mißstimmung gegen­über der Regierung zum Ausdruck gekommen und einstimmig sei die Ansicht vertteten worden, daß die Verantwortung für diese Art der Geschäfts­führung nicht länger getragen werden könne.

Der „Vorwärts" schließt seine Ausführung mit den Worten: Diese Regierung ohne Mehrheit hat in die hochgespannte innerpolitische Situation die Flaggenfrage hineingestellt. Sie hat durch die machtvolle Demonstratton des Reichsbanners die erste Antwort erhalten. Im Parlament, wo sie Rede und Antwort zu stehen und ihre Mehrheit zu prüfen hat, wird sie bie endgültige Antwort erhalten.

Die „Germania" setzt ihre scharfe Kritik ander Verordnung fort und richtet ihre Angriffe haupt­sächlich gegen den Reichskanzler. Das Zentrumsblatt schreibt: Das Verttauen des Zen- ttums für den Reichskanzler Dr. Luther hat einen Stoß erhalten, der nicht ohne Einfluß bleiben kann auf das Verhältnis der Pattei zu dem gegen« wärttgen Chef der Regierung. Sieben Jahre lang hat sich das deutsche Volk eingebildet, unter par­lamentarischem Regime zu leben. Dr. Luther ist gerade dabei, dem deutschen Volke zu zeigen, daß wir nach wie vor unter dem Re­gime der Geheimr äte leben.

Strenges Strafgericht in Moskau.

wtb Moskau, 6. Mai. (Eig. Funkm. Tele- graphen-Agentur der Sowjetunion.) Durch Beschluß des durch Regierunosverordnung vom Jahre 191.3 mit be anderen Vollmachten zur Bekämpfung von Amtsverbrechen mtSgeftatieten Kollegiums wurden heute drei höhere Beamte der Valuta-Ab- teilungdesFinanz-Komissariatsers ck o s s e n- Sie standen an der Sp tze einer Truppe von Boryen- Spekulanten, bie durch Herbeiführung einer ge» steigerten Nachfraae- nach Gold und ausländychrr Valuta auf bie Senkung des Kurses der Staats- Papiere hinarbeiteten.

* Blutige Zusammenstöße bei einer Dahlver- sammlung. Wie aus Herne gemeldet wird, kam es während einer Wahlversammlung der Na­tionalsozialisten im Handelshof in W a nne- Eickel zu einer blutigen Auseinandersetzung zwi­schen Angehörigen der Nationalsozialisti­schen Partei und Linksradikalen. Wie verlautet, wollte ein Nationalsozialist seine Pistole, die er in der Tasche trug, entsichern, wobei sich die Waffe entlud und ihn verletzte. Darauf setzte eine allgemeine Schlägerei und Schießerei ein, in bereit Verlauf es mehrere Schwer- und Leicht- verletzte gab. Fünf der Verletzten mußten ins Krankenhaus gebracht Horden. Dir Polizei flellts die Ruhe wieder her.'

Die Verhandlungen in Udschda.

wtb paris, 6. Mai. (Eig. Funkm.) Wie „Havas" aus Udschda meldet, werden die Rifdele­gierten heute, Donnerstag 9 Uhr, in Udschda fein. Sie führen keine Kriegsgefangenen mit sich. Im Gegensatz hierzu meldet der Berichterstatter des „TOatin" aus Udschda, daß der französische Damp­fer „Hamelin" mit 50 französischen Kriegsgefange­nen im Laufe der Nacht in Namour eintreffen werde. Bei ihrer Landung in Namour weigerten sich Aserkan und Haddu, wie „Havas" weiter be­richtet, irgend eine Erklärung abzugeben. Sie be­schränkten sich darauf, zu sagen, es geht alles gut. Es scheint, daß man in französischen und spantschen Konferenz-Kreisen mit der Möglichkeit des Ab­bruchs der Verhandlungen rechnet, da die französische und spanische Delegation gestern abend 10 Uhr zu einer Beratung zusammengetrs- ten sind.

* Weitere Ausschlüsse aus der K.P.D. Wie eine Korrespondenz erfährt, hat das Polittsche Büro der Kommunistischen Partei Deutschlands am Mittwoch nachmittag den Beschluß gefaßt, zwei weitere Ab­geordnete. nämlich L o f f a u und Bedingen, die beide rheinische Wahlbezirke vertreten, auszuschlie­ßen. Als Grund für diese Maßnahme wird an­gegeben, daß beide zusammen mit Iwan Katz ge­gen die Zentrale gearbeitet hätten.

Jas deM-jcanzöWe

Havas verbreitet offiziell folgende Nachricht: Die Konferenz bettefsend bie deutsche Luftfahrt steht vor ihrem Abschluß. Man erwartet, daß ein Abkommen unmittelbar erfolgt. Die Agen­tur glaubt, in der Lage zu fein, mitteilen zu können, daß dieses Abkommen sehr wahrscheinlich am Donnerstag paraphiett werde.

*

Der deutsch-schwedische: Handels- und Schiffahrtsvertrag ist von den Delegierten der bei­den Länder paraphiert worden. Der Vertrag soll nach Genehmigung durch die beiden Regie­rungen demnächst in Berlin unterzeichnet werden.

Von unserem besonderen römischen Korres­pondenten wird uns geschriebenr

Nachdem bie erste Aufregung -über den deutsch- russischen Vertrag sich etwas gelegt hatte und besonders, nachdem man tron Paris erfahren haben will, daß Rußland auch einen ähnlichen Vertrag mit Frankreich zu schließen sich an­schickt, werden die Urteile der. öffentlichen Mei­nung Italiens allmählich objektiver.

Während man unter dem ersten Eindrücke des „Allianzvettrages" — wie man ihn zuerst bezeich­

nete — französisch-italienische und englisch-italie­nische Sympathiekundgebungen veranstaltete, wozu die Anwesenheit der früheren ftanzösischen Minister­präsidenten Barthon in Rom und der italie­nische Flottenbesuch in Malta Gelegenheit boten, hat jetzt das maßgebende Verhalten von Dowing- street auch hier veranlaßt, eine besonnenere Haltung einzunehmen, und etwas besonnere Leit- arttkel in der Tagespresse zu schreiben.

Die nicht gedruckte und zensiette öffentliche Mei­nung bewachtet den Abschluß des Verttages als einen sehr gelungenen diplomatischen Schachzug Stresemanns, an dem Wirth, der Urheber des Rapallo-Vettrages, den man in Moskau wissen will, mitgewirtt habe. Nicht ohne Humor wird hier das hinterhältige Verhalten Chamberlains in Gens mit dem eines Bräutigams verglichen, welcher, nachdem er feine heißumworbene Brau — Deutsch­land — endlich auf das Standesamt des Völker­bundes in Genf gebracht hat, sich plötzlich drei skandalmachenden früheren Lieben gegenüber sieht, denen er alle die Ehe versprochen hatte, und der sich deshalb nicht wundern dürste, wenn die be­wogene Braut sich schließlich einen anderen Bräuti­gam — Rußland — ausgesucht habe.

im englischen Streik.

Der „Vorwärts" meldet aus London: Um Mit­ternacht verlautet, daß M a c d. o n a l d soeben zu einer Konferenz zu dem Prewüerminister Bald- w i n berufen wurde, um mit ihm über eine etwaige Beilegung des Streiks zu verhandeln.

Auch eine Wolff-Meldung aus London besagt: Tie Besprechungen zwischen ben gegnerischen Par­teien wurden wieder aufgenommen. Wie verlau­tet, hat Macdonald mit dem Vorsitzenden Smith nd dem Sekretär Cook des Bergarbeiterverban­des konferiert. Es wird erj^ihtt, daß Lloyd George die Rolle eines Vermittlers übernom­men hätte.

Das Regierungsorgan „Brhtifch Gazette" gibt ein offizielles (Kommunique über die Lage am 2. r ö i r e t tt a g e heraus, in dem es heißt: Ein w c - fentlicher Teil des Wrtschaftslebens des Landes ist lahm gelegt worden. Die Unbe­quemlichkeiten für alle Bevölkerungsklassen nehmen weiter zu. Es sind beträchtliche Vorkehrungen zur Aufrechterhaltung der Orb mm« getroffen worden. Die Belieferung mit Brennstoffen und Lebensmit­teln ist ausreichend zum Lehen, wenn auch nicht genügend, um die Wohlfahrt des Landes für viels Wecken aufrecht zu erhalten. Die Verteilung von Milch und Lebensrnitteln werd methodisch fort­gesetzt. Die Ration bleibt vuhig und vertrauens­voll.

Das vom Generalrat des Gewerkschafts­kongresses als Gegenstück zum offiziellen Or­gan gedachte Blatt „Britisch Worker" umfaßt 8 Seiten und enthält Sweikbei ichte aus allen Teilen des Landes. Auf der ersten Seite ist eine Bot­schaft an alle Arbeiter abgedruckt, die hervorhebt, daß es fick um einen industriellen Kamps handelt und alle Mitglieder ermahnt, eine vorbild­liche Haltung zu zeigen, un* der Polirei keine Ge­legenheit zum Eingreifen zu. geben. Die Botsckast sagt: Der Ausdruck irgend welcher Unruhen würde dis Aussichten auf eine erfolgreiche Beendigung des Streiks wesentlich schädigen.

Baldwins Soivderbotschaft.

Ministerpräsident Baldwin veröffentlicht in der Regierungszeitung „Bttttsh Gazette" eine Sonder­botschaft, in der es heißt, die verfassungsmäßige Re- aierung fei Angriffen ausgesetzt. Mögen alle guten Bürger, deren ßebensunterhplt und Arbeit auf diese Weise in Gefahr gebracht seien, mit Tapferkeit und Geduld das Ungemach ertragen, dem sie sich fo plötz­lich gegenübersehen. Mögen sie sich hinter die Re­gierung stellen, die ihre Pflicht tut im Verttauen darauf, daß sie bei den Maßnahmen, die sie zur Wahrung der Freiheiten uieb Privilegien des Volkes dieser Inseln ergriffen habe» von den Bürgern un­terstützt werde. Die Gesetze England feien des Vol­kes angestammtes Reckt. Die Aufrechterhaltung die­ser Gesetze liegt bei Euch! Ihr habt das Parla­ment zu deren Hüter gemacht. Der Generalsweik ist eine Herausforderung geigen das Parlament und ein W e g zur Anarchie und zum Ruin.

Die Arbeiter»internationale.

Aus Amsterdam wird gemeldet: Das Sekre­tariat der Internationalen Transvottarbeiterfoede- ratton hat für den 8. Mo» eine Sitzung des Vor­standes der 3nternationafen Transportarbeiterfoe- beration sowie die Vorstände der bedeutendsten dem Verbände angeschlossenen nationalen Gewerkschafts­organisationen zu einer Besprechung der Lage in England nach Ostende eingeladen. An der Si­tzung sollen auch Vertreter der englischen Gewerk­schaften teilnehmen. Zu gleicher Zeit wird in Ost­ende wahrscheinlich auch ejne Vorstandssitzung der Bergarbeiterinternationale ftattfinben.

Der Präsident des Verbandes der Bergarbeiter von Illinois, Farrimstvn, hat in einem Tele­gramm an die ^Bereinigung der englischen Berg­arbeiter die finanzielle und moralische Unterstützung feines Verbandes zugesagch

Der Generalsweik der amtlichen Arbeitergewerk­schaft in Mexiko teilt mit daß die organisierte Ar­beiterschaft der Stadt Mexiko mit den in Streit befindlichen englischen Arbeitern sympathisiere. Es

würden Untersuchungen darüber angestellt, um fest- zulegen, in welcher Weise den englischen Arbeitern am wirksamsten geholfen werden könne.

Zwischenfälle.

Die Londoner Streikenden haben drei L a ft- tr aftroagen in Brand gesteckt. Bei Zu­sammenstößen wurden mehrere Leute verletzt.

In Manchester wurde ein Mann wegen Auflehnung gegen die Staatsgewalt zu 2 Mona - t e n Gefängnis verurteilt. Die Polizei zer­streute einen Zug Streikender.

In Südengland schreitet die Besserung des Eisenbahnverkehrs fort. Die Zeitungen der größeren Provinzstädte sind handgcdruckt er­schienen, zum Teil in verkleinertem Format.

Die deutschen Bergarbeiter.

In einer in Essen stattgefundenen gemein» famen Sitzung der vier Bergarbeiterver­bände des Ruhrbezirks wurde ein Aufruf an die Bergarbeiterschaft des Ruhrbezirks aericktet, in dem es heißt: Die englischen Bergwerksbesitzer wollen die seitherige Arbeitszeit von 7% Stunden auf 8% Stunden erhöhen und die Tariflöhne um 13 Prozent herabsetzen. Ein Sieg der englischen Unternehmer würde katastrophale Folgen für die Entwicklung des Weltkohlenmarktes sowohl als auch für die Bergarbeiter aller Länder haben. Darum haben die englischen Kaniervden unsere volle Sym­pathie und unsere Unterstützung, soweit es in un­seren Kräften liegt. Zunächst kommt es darauf an, die Einfuhr von Brennstoffen nach Großbritannien zu verhindern. Das Fahren von nicht dringend notwendigen Ueberfchichten ist deshalb unter allen Umständen zu unterlassen. Wenn nicht im weiteren Berlauf des Kampfes schärfere Schritte sich als not­wendig erweisen, werden die Bergarbeiter recht­zeitig dazu Stellung nehmen und ihre Entscheidung treffen.

Die deutschen freien Gewerkschaften.

wtb Berlin, 6. Mai. (Gig. Funkm.) Der Vor­stand des Allg. Deutschen Gewerkschaftsbundes hat auf Freitag den 7. Mai den Bundesausschuß einberufen, um zu dem aus dem Kampf der eng­lischen Arbeiter für die deutschen Gewerk- rh-’ften sich ergebenden Maßnahmen Stellung zu nehmen.

Wirkungen in Frankreich.

wtb Paris, 6. Mai. (Gig. Funkm.) Die Nach» nirtungen des englischen Streiks machen sich auf den französischen Eisenbahnen bereits bemerk­bar. So war die Nordbahn gezwungen, von den 12 zwischen den Kanalhäfen und Paris ver­kehrenden Schnellzügen 8 einzustellen. Was den Luftverkehr anbetrifft, so hat er gestern zwischen Cherboury und England eine Steigerung so­wohl des Personen- wie auch des Warenverkehrs um 40 Proz. erfahren. Im übrigen wird aus Cherboury berichtet, daß die englischen Koh. l e n, die zu Beginn der Woche mit 165 Francs ccfr.uft wurden, jetzt mit 220 Francs verkauft wer­den.

Die Streiftlage am Donnerstag.

wtb London, 6. Mai. (Reuter.) Die Eisen­bahnen und andere Verkehrsmittel verkehren im ganzen Lande, insbesondere in der Gegend von London wieder reichlicher, wenn man auch noch nicht vcn einem normalen Betrieb sprechen kann Um Mitternacht sind die Chauffeure her Autodroschken in London in den Streit getreten. Die Börse ist weiterhin ruhig. Zu ernst- lichen Störungen der Ordnung ist es nicht gekom­men. Tausende haben sich gls freiwillige Helfer gemeldet. — Als erstes und bisher einziges dob den Londoner Morgenblättern ist heute früh in dritter Stunde les „Time s" wieder im alten Format herausgekommen, wenn auch nur 4 Seiten arf.

Reuter verbreitet Donnerstag mittag folgende Mitteilung: Die Lage ist im wesentlichen unoer-