StreseulM über öen Frieden der Völker.
Auf dem Festbankett zu Ehren der amerikanischen Hoteliers hielt Dr. Stresemann eine Rede, in der er u. a. ausführte:
Wir alle sind einig in unserer Freude über Ihren Besuch. Sie tragen den Ruhm der amerikanischen Tüchtigkeit in die Welt. Sie sind in der Welt führend in Ihrem Gewerbe. Wer die Schönheiten der Erde kennen lernen will, der muß reisen und wandern. Wer reisen will, der muß wohnen, und da treten Sie in Funktion, um den Menschen in Ihren großen Gaststätten das zu ersetzen, was ihnen in der Heimat das eigene Haus und die eigene Wohnung gibt. Wenn wir auf der Erde reisen sollen, dann muß Friede sein. Gebe Gott, daß in den Verhältnissen der Völker untereinander der letzte große Krieg nur als das letzte große furchtbare Märchen weiterlebt, vor dem es heißt: Es war einmal! Kein Volk hat soviel durch diesen Krieg gelitten wie das deutsche. Einst waren wir reicher und konnten mehr ausruhen. Jetzt werden wir auf lange Zeit nur e i n Volk der Arbeit sein, aber wir wollen wieder in die Höhe kommen, und wir werden wieder ip die Höhe kommen. Bei aller Arbeit wollen wir alte Freundschaften nicht vergessen. Als ich in den Vereinigten Staaten war, haben wir am Schluß eines großen Kongresses das schottische Volkslied gesungen: „Old lang syne . . ." Möge es auch über unseren Beziehungen als ein Zeichen von Frieden und Freundschaft, unter denen wir leben wollen, Grüßen Sie, wenn Sie zurückkehren, den großen Repräsentanten Ihres Volkes, den Präsidenten Loolidas. lind ioaen Sie idrn. wie lehr wir ibw
auch dankbar sind dafür, daß er uns solche Persönlichkeiten von der Bedeutung eines Houghton und Schurmann nach Berlin geschickt hat. Bewahren Sie auch dem, was Sie in Deutschland gesehen und erlebt haben, eine gute Erinnerung in ihrem Herzen. Lassen Sie uns hoffen, daß Ihr Besuch in den Ländern des alten Erdteils mit eine Basis sein möge für Frieden und Freundschaft zwischen den Völkern der Erde.
v. Hösch in Berlin.
Ter deutsche Botschafter in Paris v. Hösch ist Montag abend in Berlin emgetroffen, wo er voraussichtlich ein paar Tage verweilen wird, um mit dem Reichskanzler und dem Reichsminister des Aeußeren die Fragen zu besprechen, die der Beratungsgegenstand der am 10. Mai in Genf zusammenlretenden Studienkommission sind.
* Die Regierungsvorsane über d-.e Fürstenab- findung. Tie Vorlage ter Reichsregierung über die Entschädigung der vormals regierenden Fürsten ist an den R ei 'ch sr at gegangen, nachdem Reichsinnenminister Dr. Külz bi’e Vorlage, die vom Reichs- justizministerium ausgearbeitet war, unterzeichnet hotte.
* Ortswechsel des Exkaisers. Havas meldet aus Madrid, der Zeitung „El Sol" werde aus Palma de Maforca gemeldet, ein Sohn des früheren Kaisers Wilbelm halte sich seit einigen Monaten dort auf, um im Hinblick auf die Absichten seines Vaters, Doorn zu verlosten und in Palma de Majorca Wr>k>nv»'a ru nefirn»-*-
Mittwoch, 5. Mai 1926,
Nr. 103
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Ausbruch des Generalstreiks in England.
Am Montag abpnt) schien noch einmal Aussicht für Beilegung des praßen sozialen Kampfes zu bestehen. Im Untwhaus suchte Ministerpräsident Baldwin durch eine.«große, entgegenkommende Rede die Dermittlungsalltion aufs neue in Gang zu bringen. Nach der R/ede Baldwins ergriffen der Arbeiterführer Thovttls und Lloyd George das Wort, lieber den von diesen Reden hinterlassenen Eindruck teilte Reuber mit: Es wurde bemerkt, daß ste von irgendwejlchem Gei st der Unnachgie- öigkeit keine Spur enthielten. Es war offenbar, daß bifc Mitglieder aller Parteien den heißen Wunsch Aach einer Beilegung des Konflikts in letzter Stund« hegen.
Aber die Hoffnung war trügerisch. Den Meldungen über bestehende Verständigungsmöglichkeiten folgten diese: Das Unterhaus hat sich vertagt. Alle Verhandlungen sind gescheitert. Der Generalstreik beginnt um Mitternacht. Und etwas später: Die Eisenbahngewerkschaft ordük-te an, daß um Mitternacht der gesamte Zugverkehr e i n z n st e l l en ist. Die Ordnung sei vollständig aufrechtzuerhalten.
Die Notstand5vollmacht-6kte.
In London wurden am Montag abend die ÜBeftimtnungen der Rotstandsvollmacht-Akten bekannt gegeben, die sich auf das Recht der Behörden beziehem, Gebäude, Fabriken und Verkehrsmittel mit Beschlag zu belegen. Gle-ch- zeitig wird bekannt gegeben, daß jeder Versuch, Unruh em zu stiften, bestraft wird. Versammlungen sollen verboten werden.
Die liberale Partei unterslüht die Regierung.
Auf einer Zusammenkunft der liberalen Parlamentsmitglieder unter dem Vorsitz Lloyd Georg,« wurde beschlossen, die Regierung bei der Aufrecht erhaltung der wesentlichen Dienste zu un- terstvtzei,.
Das Arbeiterblatt „Daily Herald" schreibt lm Leitartikel: Die Regierung habe nicht nationale, somdern Klassen- und Parteiinteres- fen vertreten. Die Nation werde das endgültige Urteil fällen. Wenn die Arbeiter, bevor sie zu ihrem Sieg kommen würden, leider Leiden auf sich nehmen müßten, würden sie dies im Interesse der großen Sache, um die es gehe, gern tun. Die Opfers würden nicht vergebens gebracht fein.
„Daily Expreß" glaubt, die Arbeit würde binnen kurzem wieder ausgenommen werden. Der Generalstreik würde zusammenbrechen. aber er würde schwere finanzielle Verluste herbeiführen, wodurch die Lebenshaltung auf viele Jahre hinaus beeinträchtigt werde. Das Blatt äußert die Besorgnis, daß der Sieg der Regierung so vollständig sein werde, daß reaktionäre Einflüsseihn auszubeuten suchen würde»!, eine Möglichkeit, die ebenso gefährlich sei wie iygend eine Drohung der extremen Linken.
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Vorsichtsmaßregeln.
T ’ Zwei Schlachtschiffe haben auf der Reede von Liverpool Anker geworfen. Ein Trup- pentronsportschiff hat zwei Bataillone Infanterie in feldmarschmäßiger Ausrüstung in Stahlhelmen in Liverpool gelandet. In den Londoner Laden herrscht eine rege Nachfrage nach Fahrrädern, Petroleumöfen, Feldbetten und dergleichen Gegenständen, die bei dem ausbrechenden Streik nützlich sein könnten. In South Newsham in Northum- berland haben Bergwerksarbeiter und deren
Alle Räder stehen still.
Frauen einen Sturm auf die Vorräte an Haushaltskohle auf dem Güterbahnhof unternommen, die für sie bestimmt waren, aber erst nach Stilllegung der Schächte eingetroffen sind. In Lamark- shire hoben Bergarbeiter und die ihnen nahestehenden Verbände einen Hilfsausschuß zur Vorbereitung von Schulspeisungen gebildet.
In einer amtlichen Bekanntmachung wird das Publikum erfudit, die Bemühungen um die Sicherung einer gerechten Verteilung derLe- b e n s m i t t e l dadurch zu unterstützen, daß der Ankauf von ungewöhnlich großen Mengen unterlassen wird. Ebenso werden dis Kleinhändler um ihre Mitwirkung bei der Sicherung einer gleichmäßigen Verteilung der Lebensmittel ersucht.
Die Gewerkschafts -Internationale.
Aus Amsterdam wird gemeldet: In einer Presseunterredung erklärte der Sekretär des internationalen Gewerkschaftsbundes, Oudegeß, der internationale Gewerkschafts-- bund stellte sich mit feiner ganzen Macht und finanziellen Mitteln in Höhe von über 200 Millionen Gulden hinter die englischen Bergarbeiter und den englischen Gewerkschafts-Kongreß. Vom internationalen Gewerkschaftsbund sei bereits ein Rundschreiben an die nationalen Gewerkschafts-Zentralen abgegangen, in dem diese um die moralische Unterstützung der englischen Arbeiter ersucht werden. Es stehe fest, daß die englischen Arbeiter mindestens 4 bis 5 Wochen den Kampf ohne finanzielle Unterstützung seitens des Kontinents führen könnten. Auch werde man sicherlich von den 12 Millionen englischen Arbeitern nur 5 Millionen in den Ausstand hinein ziehen.
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Der g-efchäftsführende Vorstand des Jntsrnatiö- nalen Transportarbeiterverbandes in Amsterdam hat die Transportarbeiterverbände der wichtigsten europäischen Länder telegraphisch angewiesen, die Steinkohlenausfuhr nach England sowie jede Anmusterung für englische Schiffe zu verhindern.
In Verbindung mit dem englischen Bergarbeiterausstand hat die holländische Zentrale des Trans- portarbeiterbundes einen Aufruf an die holländischen Hafenarbeiter und Seeleute gerichtet, in dem diese aufgefordert werden, die britischen Gewerkschaften bei ihrem Kampfe soweit wie möglich zu unterstützen, deshalb keine Steinkohle nach England zu verschiffen und an die Schisse, die ursprünglich Bunkerkohle in den englischen Häfen einnehmen sollten und statt dessen nach Holland kämen, die Verladung dieser Bunkerkohle zu verweigern und sich ferner nicht für englische Schiffe anmustern zu lassen.
Die deutschen Bergarbeiter.
Der Vorstand des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands erläßt an seine Mitglieder eine Erklärung bezüglich der Stellungnahme zum englischen Kohlenarbeiterstreik, in der es u. a. heißt: „Getreu dem Brüsseler Beschluß wird der Berg- arbeiterverband alles tun, was in seinen Kräften steht, um zunächst die Zufuhren von Kohle nach England zu verhindern. Er hat sich zu diesem Zwecke mit dem Allgemeinen Deutschen Eewerkschaftsbund und mit den anderen für
diese Frage in Betracht kommenden Verbänden in Verbindung gesetzt und wird mit diesen die zu treffenden Maßnahmen beraten. Inzwischen aber müssen die deutschen Kameraden auch das ihnge tun, um den englischen Kameraden zu helfen, insbesondere, da dies auch in ihrem eigenen Interesse liegt.
Im Interesse der deutschen Bergleute liegt die Beseitigung der Ueberschichten, die gegenwärtig in großem Umfange gemacht werden, trotzdem wir in den letzten Monaten dreiviertel Millionen und mehr Feierschicbten und Halden- bestände von sieben bis acht Millionen Tonnen allein im Ruhrgebiet hatten. Kameraden! Wehrt euch gegen jeden Versuch, euch Ueberschichten aufzuzwingen. Vergrößert nicht die Arbeitslosigkeit und die Feierschichten im eigenen Lande und zugleich die Schmierigkeiten der englischen Kameraden. Beschlüsse seitens des Vorstandes sind noch nicht gefaßt worden."
Das Stödten des Verkehrs.
Ans Landon wird gemeldet: Tie Omnibusse, Untergrundbahnzüge, Straßenbahnen und die Eisen- bahnen Euiten und Waterloo-Stationen beendeten ihren regelmäßigen Dienst nach Mitternacht und wurden dann ordnungsgemäß, entsprechend den Streikweisungen, in ihre Depots zurnckaevracht. Die Morgenblätter sind envas später und mit großen Einschränkungen er schien en.
Das letzte Schiff.
Die den Verkehr mit England vermittelnde Dampfer - Linie Hoek van Holland—Har - v i ch teilt mit, daß Dienstag abend die l e tz t e A b - fahrtnach England ftattfindet und bann der Betrieb vollständig still gelegt werden wird.
Amerika und der Generalstreik.
wtb New Jork, 4 Mai. (Eig. Funkm.) Nach Ansicht hiesiger englischer Schiffahrtsvertreter und Seeleute wird der "Generalstreik in England eine groß Verwirrung im amerikanischen Touristenverkehr nach England Hervorrufen. Es wird jedoch angenommen, daß die hier liegenden englifd)en Dampfer noch abgehen werden. Die United States Lines erklärten, daß ihr Betrieb von dem Streik unberührt bliebe.
Die Lage am Dienstag.
wtb London. 4. Mai. (Eig. Funkm.) Reu- ter verbreitet folgende Mitteilung: heute vormittag spielten sich durch den Zustrom der zu Fuß, auf -Rädern und Fahrzeugen aller Act hrer Arbeitsstätte zustrebenden Angestellten unbeschreibliche Szenen auf den Straßen ab. Die Hauptverkehrsstraßen sind mit Fahrzeugen überfüllt, sodaß nur ein sehr langsames Vorwärts- kommen möglich ist. Die Eisenbahnen, Untergrundbahnen und Autobusse haben den Verkehr vollkommen eingestellt. Es bestehen zur Zeit keine neuen Anzeichen für eine Wiederauf- nähme der Verhandlungen zwischen der Regierung und dem Gewerkschaftskongreß. Aus dem ganzen Lande wird die allgemeine Stillegung der lebenswichtigen Betriebe gemeldet. Insbesondere in Manchester und in Süd-Walcs ruht der Eisenbahn- und Straßenbahnverkehr vollkommen, wo noch Verkehrsmittel im Betrieb find, wird der Dienst von Freiwilligen geleistet.
Parlamentarische Reformen.
Reichstagspräsident Lobe, der dem Aeltestenrat des Reichstages in feiner letzten Sitzung ein Programm zur Reform der Parlamentsberatungen un- terbreftet hat, erklärte einem Mitarbeiter des Berl. Tageblattes, daß die Beratungsweife des Reichstages allmählich eine Form angenommen habe, die dem Ansehen des Parlaments auf die Dauer abträglich werden müßte. Bereits jetzt fei eingeführt, daß die Plenarverhand- lungen des Reichstages um 2 Uhr beginnen und um 6 Uhr enden, also nur 4 Stunden dauern. Um für diese, beschränkte Zeit eine lückenlose Anwesenheit aller Abgeordneten zu erreichen, sollen in jeder Fraktion drei Einpeitscher bestimmt werden, die auf die Anwesenheit der Abgeordneten zu achten hätten. Bei der sozialdemokratischen Fraktion sei diese Einrichtung bereits getroffen. Das Verbot der Verlesung von Reden soll schärfer als bisher gehandhabt werden. Die Reihenfolge der Redner chll nicht mehr wie bisher nach der Größe der Fraktion bestimmt werden, sondern es sollen eine kontradiktorische Art für die Debatte eingeführt werden, so daß immer ein Redner für und ein Redner gegen den zur Diskussion stehenden Gegenstand spreche. Die Redezeit bei minder wtchttgen Themen soll noch weiter als bisher beschränkt werden und die einftün. dige Redezeit soll nur für die großen außenpolitischen Diskussionen und für grundsätzliche Fragen be- stehen bleiben. Auch sollen die großen und die kleinen Parteien nicht die gleiche Redezeit erhalten. Endlich solle die Frage geprüft werden, ob nicht wie im englischen und französischen Parlament Zwischenbemerkungen und Fragen der Abgeordneten während der Rede eines anderen eingeführt werden können.
Dr. Mx Pfeiffer t-
Der deutsche Gesandte in Wien, Dr. Maximilian Pfeiffer, ist am Montag abend um 9 Uhr in einem Krankenhaus in München an Herzlähmung gestorben, nachdem er fchon wochenlang vergeblich im Süden von einer schweren Herzkrankheit Genesung gesucht hatte.
Die Nachricht von dem Tode des erfolgrtiafeit Politikers und edlen Menschen trifft seine zahlreichen Freunde und Bekannte im katholischen Deutschland überraschend und schmerzlich. Max Pfeiffer ist nur 50 Jahre alt geworden. Freilich hat er in dieser Zeit an vielseitiger Arbeit iml Dienste der hohen Ideale, denen er sein Leben gewidmet hatte, mehr geleistet als andere, denen ein längeres Leben beschieden ist. Max Pfeiffer, dessen heißgeliebte Heimat die Rheinpfalz war (er hat sie in poetischen Werken verherrlicht) wurde schon als kaum Dreißigjähriger (1907) in den Reichstag gewählt. Die Berechtigung zu einer solchen frühzeitigen Berufung in das Reichsparlament hatte: sich Max Pfeiffer durch ernste wissenschaftliche Arbeit und gleichzeitige herzliche Anteilnahme an den sozialen Problemen seiner Volksgenossen erworben. Nur aus innerem Drang heraus, frei von jeder Berechnung und Absicht auf Karriere-Machen trat er an die Politik heran. Für ihn, den junge« Bibliothekar und Archivar (der mit 25 Jahren Bibliothekar an der bayrischen Staatsbibliothek wurde), der über feinste wissenschaftliche Bildung! verfügte und mit allem Erlesenen und Kostbaren aus der menschlichen Geistesgeschichte aufs innigste vertraut war, drängte es dazu,, aus den Bezirken des nur Aesthetischen und Geistigen herauszu- treten und im Volke zu wirken. So nahm er sich der Alltags-Nöte und Beschwernisse an, die er bei der einfachen bäuerlichen Bevölkerung seines Wahlkreises vorfand und machte sich mit allem vertraut, was dem einfachen Mann am Herzen lag. Aus dieser sozialen Gesinnung heraus hat er später als Reichstagsabgeordneter insbesondere auch aus! die Notlage der künstlerisch Schaffenden, vor allem! der Schauspieler, erstmalig hingewiesen und die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf das Elend der Bühnenkünstler hinlenkt und soziale Heilungs> maßnahmen angeregt. Max Pfeiffer hat sich stets jung gefühlt und infolgedessen auch immer die Jugend zum begeisterten Freunde gehabt. Zahlreiche junge katholische Studenten hat er entflammt für die Sterne, die ihm selbst als Zielpunkte des Lebens vorleuchteten: für Religion, Wissenschaft und Freundschaft. In dankbarer Trauer steht namentlich der Kartellverband der katholischen Studentenvereine Deutschlands (K. V.) an der Bahre eines nie versagenden Alten Herrn, der die ganze katholische Studenten-Bewegung, über den Rahmen des einzelnen Verbandes hinaus, mit innerer Wärme, mit dem notwendigen geistige« Anttieb zu fruchtbringendem Leben erfüllt hat.
Die schwerste, aber auch würdigste Aufgabe, bie Max Pfeiffer gestellt war, fiel in die Zeit nach der. Revolution von 1918. Sein Wirkungskreis war damals Berlin. Hier zeigte die Umwälzung auf ollen Gebieten dis stärkste Stoßkraft. Richt nur politisch und wirtschaftlich war hier der Brennpunkt der Revolution, auch auf geistigem Gebiete. Hier traf der Angriff des vulgären Freidenkertums unter Adolf Hoffmann, dem Zehn-Gedote-Hoffmann, die Kreise des gottesgläubigen Christenvolkes. Max Pfeiffer stellte sich an die Spitze derjenigen, die mutig und unverzagt dem Treiben der durch die Novemberereignisse übermütig gewordenen Atheisten entgegentraten. Nicht nur unterstützt von den Berliner Katholiken, sondern auch als ein Vertrauensmann der christus-gläubigen Protestanten der Reichshauptstadt trat Max Pfeiffer in Wort und Schrift, im Versammlungssaal und auf dec Straße, dem roten Terror entgegen. An der Spitze von Zehntausenden zog er unbekümmert um Spartakus und roten Soldatenbund mit seinen Freunden vor das Kultusministerium, wo der Zehn-Gebote-Hoff- mann feinen Sitz aufgeschlagen hatte, und diese Demonstrationen erreichten, daß die sozialistischen Freidenker erkannten, wo die Grenze ihrer Macht gezogen war. Damals, als sich so manche früheren Größen im geistigen Leben aus der Gefahrzone einer revolutionären Epoche still und heimlich her- ausgemacht hatten, da war Max Pfeiffer der richtige Mann, um tapfer und treu feine Person in die Schanzen zu schlagen, um das zu retten vor der Zerstörung durch irregeführte Massen, was ihm ,ür Volk und Vaterland als das Kostbarste erschien: heiliger Bäterglaube, christliche Zucht und Sitte.
1922 sandte die deutsche Reichsregierung Max Pfeiffer auf den G e f a n d t e n p 0 st e n in W i e n. Seine geselligen Talente, seine ausgeprägte süddeutsche Art, die in ihrer Geistigkeit, Hetterkeit und Herzenswärme immer einen Wiener Einschlag gezeigt hatte, machten ihn zum rechten Mann für jenen Platz, an dem cs galt, mit Geduld und Geschick den Anschlußgedanken zu hegen und zu pflegen zu langsamer Reife. Max Pfeiffer hat in Wien ohne Gräusche, aber unter Vermeidung von zerstörenden Mißerfolgen, feines Amtes gewaltet. Einen sichtbaren Sieg seiner Bemühungen sollte er nicht mehr erleben. Nach dieser stolzen männlichen Erscheinung griff schon der Tod. Schneller als man es ahnen konnte, hat er Max Pfeiffer, ihn, den immer Fröhlichen und Heiteren mtt dem Charakterkopf, den Bildhauer wiederholt in plastischen Kunstwerken nachgestaltet haben, hinweggerafft aus der Reihe der Lebenden. Im Gedächtnis feiner zahlreichen Freunde bleibt er l e b e n d i g. Im Geiste lag seines Wesens Stern. Geistigen Gütern galt fein gan- zes Streben. Sein Geist lebt fort. An feinem Grabe bleibt uns der Trost, den der Dichter in die Worte faßt: „Was wir bergen in den Särgen, ist der Erde Kleid. Was wir lieben, ist geblieben, lebt in Ewigkeit!" Dr. IobannesK r ajn e r.