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M 85.

Sonntag, 11. April 1926.

Elternhaus unö §chu!e.

Ein neues Schuljahr beginnt! Weit haben sich hie Tore unserer Schulen geöffnet, um junge Men­schenkinder aufzunehmen, die unterrichtet und er­zogen werden sollen. Im warmem Schoße der Familie ist das Kind, umsorgt und behütet von treuer Mutterliebe, herangewachsen, und nun, nach­dem die schönsten Jahre sorgloser Kinderzeit dahin sind, müssen die Eltern ihre Lieblinge mehrere Stun­den des Tages der Sck>ule überlassen. Lehrerinnen und Lehrern ist keine Mühe zu groß, um ihren Zög­lingen das Beste in Erziehung und Unterricht zu geben.

Aber trotz aller Mühen und Sorgen ist es ein gar köstliches Werk, Kinder zu tüchtigen Menschen und dereinstigen Bürgern des Himmels heranzu­bilden. Da müßte es eigentlich auf der Hand lie­gen, daß sich Elternhaus und Schule — schon des gemeinsamen Zieles wegen — zusammenfinden und sich gegenseitig unterstützen. Doch, wie sieht es in dieser Beziehung in der Wirklichkeit aus? Fremd, teilnahmslos, wenn nicht gar feindlich, steht so man­ches Elternpaar vielfach den erziehlichen und unter­richtlichen Maßnahmen der Schule gegenüber.

Leitgedanke und Ziel der alten Schule war es, den Kindern ein ziemlich großes Maß von Kennt­nissen und Fertigkeiten beizubringen. Es war aanz einerlei, wie dieses erreicht wurde. Welche Rolle spielte doch in meiner Jugend noch der Stock; ge­wöhnlich wunde bei dem Lehrer am meisten „ge- lernt", der es meisterlich verstand, den Stock zu schwingen. Die neue Schule will mehr: sie will wohl unterrichten, ober auch erziehen! Diese dop­pelte Aufgabe ist schwer und darum bedarf die Schule zur Meisterung ihres Zieles der tatkräftigen Hilfe des Elternhauses.

Erziehen soll und will die Schule! Wozu sollen die Kinder erzogen werden. Ich sage: Für Gott und den Himmel! Es gibt nur eine Schulart, in der dies erhabene Ziel erreicht werden kann, und das ist die christliche Bekenntnisschule, für uns K a t h o li k e n also die k a t h o l i s ch e Bekenntnis­schule. Wir müssen alles ausbieten und tun, um uns diese Schule zu erhalten. Fördert die katho­lische Schulorganisation, die den Schutz der katho­lischen Bekenntnisschule übernommen hat! Mitglie­der und Förderer erhalten die gediegene und in- baltsreiche Monatsschrift „Elternhaus, Schule und Kirche". Weiterbauen will die Schule auf dem Fundamente, das in der Familie geschaffen wurde. Das kann sie freilich nur, wenn die Lehrpersonen über die Schwächen und Talente, über die körper- lchen und geistigen Fehler, über die gesundheitlichen Verhältnisse der ihnen anvertrauten Schüler unter­richtet werden. Manche verfehlte Maßnahme, manche Enttäuschungen blieben beiden Seiten er­spart, wenn die Eltern öfters den Weg zur Schule fänden.

U n t e r r i ch t en und Bilden ist das zweite Ziel der Schule. Darin steht sie keineswegs, hinter der alten „Lernschule" zurück, wenn sie auch in der brei­ten Oeffentlichkeit als die „Arbeitsschule" gekenn­zeichnet wurde. Das Ziel ist geblieben, nur der Weg ist ein anderer geworden. Während in der „alten" Schule die Lehrstoffe als fertige Tatsache an die Schüler herangebracht wurden, wird in der „neuen" der Schüler angeleitet, mit allen sei­nen Sinnen an der Erarbeitung neuer Erkenntnisse mitzuwirken. Darum spielt sich der neuzeitliche Un­terricht nicht mehr einzig und allein in den oft allzu engen Schulräumen ab. Es geht hinaus in Gottes freie Natur; nicht mehr werden ganze Berge von Pflanzen entwurzelt, zerpflückt und dann fortgewor­fen. Wir beobachten die Blumen, Pflanzen und Tiere in ihrer natürlichen Umgebung und machen dadurch den Schüler mit ihnen vertraut. Die hei­matlichen Berge werden erstiegen und die heimischen Wälder durchwandert. Augen werden so geweitet und Sinn geschärft. Diesem Beispiel sollten auch die Eltern^olgen und mit ihren Kindern die Heimat durchwandern. Dann müssen freilich neugierige und wißbegierige Kinderfragen gerne und freudig be­antwortet werden. Und wenn die Eltern am Abend vielleicht ermüdet sind von des Tages Last und Hitze und Sorgen, auch dann noch sollen sie sich ihrer Pflicht bewußt sein und sich erinnern, daß sich die großen und kleinen Erlebnisie der Kinderhrrzen über die nimmermüden Kinderlippen drängen. Solche abendliche Feierstunden werden unversieg­bare Freudengvellen und machen das Sprichwort wahr: Geteilte Freude — doppelte Freude!

Und nun zur Schularbeit! Biel ist schon geschrieben worden über den neuzeitlichen Lese­unterricht und doch hört man immer wieder, daß die Eltern dieser köstlichen Lehrweise mißtrauisch gegenüberstehen, namentlich dann, wenn der Schul-

Frauenhaß.

Geschichtliche Erzählung aus dem 15. Jahrhundert von Felix Nabor.

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Hinter einem hohen Holzgitter stand die alte Pfört­nerin, die die knarrende Türe eilig wieder schloß und den starken Riegel vorschob, als die Ankömmlinge eingetre- ten waren.

An ihrem unfreundlichen Gesicht konnte die Gräfin sehen, daß sie bei den Klosterbewohnerinnen nicht im besten Rufe stand. Und das war kein Wunder! Halt» sie doch die frommen Nonnen aus ihrer beschaulichen Ruhe aufgestört und sie aus den liebgewordenen Zellen verscheucht, so daß sie jetzt, eng zusammengedrängt, mit einem Winkel des Klosters vorlieb nehmen muhten.

»2ch fürchte", sprach Henriette besorgt zu Wöll- tvorth, „wir kommen in einen Bienenschwarm und ver- lassen ihn nicht, ohne scharfe Stiche empfangen zu ha­ben."

„Bah!" erwiderte Wöllwarth, „es werden wohl keine Hummeln darunter sein. Wenn sie stechen, stechen wir wieder!"

... Eine niedere Pforte, schwer mit Eisen beschlagen, luhrte in ein dämmeriges Gemach, dessen Mitte ein mnglicher Tisch einnahm. Hier saß auf rotgepolstertem ^«ssel mit hoher Lehne die Aebtissin, eine ehrwürdige urau mit blassem Gesicht, aus dem zwei helle Nutzen ernst und streng auf die Gräfin blickten.

. -Verzeiht, edle Gräfin", begann sie, „wenn ich Euch outen ließ, Euch zu mir sich zu bemühen. Ihr wißt, wie em tiefes,Fuhjeiden mich oft wochenlang an den Stuhl !efrclt. Allzuselten schenkt Ihr mir die Ehre eines Be» .uches. obwohl ich schon manchmal ein Anliegen hatte. aB ich Euch nur persönlich vortragen konnte."

.. ^Verlegen schlug die Gräfin die Augen nieder bei «esem Dorwurfe. Nachdem sie und ihre Begleiter auf

Fuldaer Zeitung

für das Kind recht schweren Erkenntnissen. Erste Arbeit ist uns heute, dem Kinde die Freude an Unterricht und Schule zu vermitteln und es zu be­fähigen, dem Unterricht mit Erfolg beizuwohnen. Fragt nur einmal die Kleinen, ob sie gerne zur Sckule gehn und ihr werdet staunen über die Be­geisterung, mit der Gernegroß von all dem neuen

Es ist fast, als wäre der Kalender für die Kirchenfeste eigens für unser nördliches Klima zu­sammengestellt worden. Jedenfalls hat er es uns leicht gemacht, unsere Liebe zur Natur mit der Liebe zur Religion zu verbinden. Muß nicht Schnee, ganz weicher, blendend weißer und vom klaren Mond und einer Million von Sternen be­schienener Schnee liegen, wenn der Deutsche Weih­nachten feiert? Ist Ostern nicht ein Frühlingsfest, in dem die ganze Natur auferfteht mit dem Auf­erstandenen? Müssen nicht zu Pfingsten die Früchte reifen und die Felder sich schon ein wenig färben, so daß alles von Reichtum strotz, um der Gnade Himmelsgeschenk in seinem Ueberfluß an­zudeuten? Es paßt sogar auf den weißen Sonn­tag. Wenn es nämlich der wetterwendische April gut meint, dann beginnt um diese Zeit schon die erste Blüte Die Bäume in unfern Gärten legen die weißen Kleidchen an, just wie auch unsere Kinder. Und da heute die Kinder ganz und gar die Hauptsache sind, so beherrschen sie gleichsam das Feld. Die Alten erscheinen als etwas, das so mit dazu gehört, aber den Ton dürfen sie heute nicht angeben. Sie versetzen sich auch in die Zei­ten, wo sie so jung gwesen und so rein und so fromm.

O, du Gotteswunder, wie kann doch die böse Welt in einer Nacht zum Paradiese werden! Wo Menschen, blühende Kinder, wandeln unter pran­genden Bäumen. Als wäre es immer so gewesen und als sollte es immer so bleiben. In den Häusern sammelt man sich zu kleinen, stillen Feiern, und jeder Gast, der kommt, muß das Tisch­lein besehen, wo ein paar Geschenke aufgestellt sind. Wenn etwas gesprochen wird, bann geschieht es mit einer Art Weihe, als wäre man mitten im heiligen Land. Und erst in der Kirche, solche Andacht gibt es sonst nicht mehr. Wie mäuschen­still wird alles, wenn heute der Herr Pfarrer spricht. Sonst ist er vielleicht ein gestrenger Herr, aber heute schmilzt ihm alles Herbe fort, und er spricht so weich, wie eine Mutter. Ja, er weint sogar eine Träne und kann vor Rührung nicht weiter. Und dann geht ein Schluchzen durch die ganze Kirche. Das gehört einmal zum Weißen Sonntag. Sieh, wenn der Tau an warmen ,Früh­lingstagen die weißen Blüten netzt, wo sie am frühen Morgen eben ihre Aeuglein öffnen, dann ist das, als weinte der Lenz selber, der frohe, lustige Lenz, dem sonst die bunten Bänder am Hute wehen und der mit Blumensträußen durch die Lande fährt. Er weiß wohl, warum er weint, ja, das weiß er, wenn es dir jungen weißen Blü­ten auch noch nicht miffen. Und so weiß es der Herr Pfarrer denn auch...

Während nun die fromme Gemeinde im Lande sich selig freut, denken die Politiker langsam wieder ans Geschäft Wir beneiden sie nicht darum. Und wenn man mir die Fahrkarte erster Klasie in die Hand drückte und mir auch ein richt- tiges Sehnen nach den weichen Polstern käme, und wenn man mir die Diäten zehnfach gäbe, ich täte nicht mit. Aber ich schimpfe auch nicht auf sie, denn ich meine, wer da wirklich aushält und an feinem Posten ist, der verdient sich wahrlich den Himmel teuer genug. Natürlich nur, wenn er dabei ist und nicht etwa durch Abwesenheit glänzt, wenn die große Abstimmung kommt. Durch­aus begreife ich, daß meine Haltung in diesen Fra­gen nicht ganz die richtige ist. Es hat eben an der Schule gefehlt. Mir ist nie gesagt worden, daß ich mitregieren soll, sondern immer nur, daß ich zu parieren habe. Dem ganzen Volke ist durch Jahrzehnte so gesagt worden, trotzdem es doch schon lange einen Reichstag gibt. Darum rafft es sich auch nicht auf, um nun die Zügel kräftig in die Hand zu nehmen. An Regierung und der­gleichen denkt es nur, wenn es ans S t e u er­zählen geht. Und doch, wie ich sagte, das ist nicht richtig. Wir sollen das Haus des Vaterlandes als unser Heim betrachten. Wir sollen uns lebendig in­teressieren. Wir sollen frohgemut dabei schaffen. Dann erst können wir ein freies Volk werden. Ich

fügte sie mit Spott bei, „Gute frommen Nonnen die Knie wund knien und für uns verworfene Sünder beten lassen. Es wird uns nichts schaden — aber auch nichts nützen."

„Laßt den Spott!" sprach eine ernste Männer­stimme, und aus der Tiefe des Gemaches erschien die hohe Gestalt eines Mönches, desien Gesicht marmorweiß aus der dunklen Kapuze hervorleuchtete. „Laßt den Spott und lästert nicht das Heilige! Denn jeder Frevel an dem Herrn rächt sich. Wenn einmal der Herr seine Zuchtrute über dem Haupte schwingen und mit zischen- dem Streiche auf den Rücken des Sünders niederfallen läßt, dann wird auch das stolzeste Gemüt zaghaft und wirft sich demütig in den Staub und bittet und bettelt unter Seufzen und Zittern: Halt em, o Herr, deinen strafenden Arm und deinen Grimm nimm weg von mir! Vielleicht kommt auch für Euch diese Stunde, Gräfin Henriette, die Ihr Euch jetzt in dünkelhaftem Stolze brüstet, da Ihr die Hand hilfesuchend nach dem Retter ausstrecket und ins Leere greift, wo Eure Seele sehn­süchtig, verlassen, trostlos dem Erlöser entgegenfliegt, aber ihn nicht findet und in vezweiflungsvollem Aus- schrei zufammenbricht unter der schweren Last des drü­ckenden Gewissens."

„Mer ist der Freche?" schrie die Gräfin in ihrem Stolze aufs tiefste verletzt, „der es wagt, mir ungeheißen öiefe nach Mönchszelle riechende Litanei anzustimmen und ungerufen und unbegehrt vor mein Angesicht tritt, um Wermuttropfen in den Becher zu gießen, der wahr­lich schon vordem mit bitterm Tranke gefüllt ist."

Ihre Augen blitzten und ihr Herz pochte in unrnuti- gern Zorn; aber der Mönch hielt ihre wie Dolchspitze geschärften Blicke gelassen aus und stand so feierlich und ernst vor ihr wie ihr Richter. Ihr ganzer Stolz brach vor diesem Blicke.

Wahrlich, es ekelte sie vor dem hohlen, gleißenden Leben, das sie führte, etwas wie Abscheu vor sich selber überkam sie, wenn sie der glatten Schmeichelreden ge»

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Acttendruckerei, Fulda.

liebe es nicht, wenn junge Menschen, die vom Leben noch nichts wissen, sich aufspielen, als hatte lhnen jemand die erste Geige gleich in die Wiege gelegt und als wären alle Konzerte nur darum etnge- richtet, damit sie dabei die erste Geige spielen können. Aber ich liebe es auch nicht, wenn freu I Bürger dahergehen, als wäre der Staat eine Me- 1 nagerie und sie darin eingesperrte Bestien und als müsse man immer nur nach der Peitsche chauen. als welche man sich die Regierung vor- teilt. Nein, freieBürger sollen den Kops hoch tragen und sich im Herzen fühlen wie Könige. So war es einst in der römischen Republik, als noch Zucht und Ordnung herrschten In Deutsch­land wird viel von Freiheit geredet, aber nur wenigen sieht man es an, daß sie sich roirtlid, frei fühlen. Es ist diese Freiheit nicht em blöder Stolz, nein, es ist das Wissen um heilige Ber- antmortung. Gar nichts hat sie zu tun mit dem I Gebrüll der Gasse, die da meint, um so freier zu sein, je lauter sie brüllen darf. Nein, der freie Bürger gleicht einem Könige oder wenigstens einem alten Senator der Hansestädte, vor dem Bte Wachen präsentieren, wenn er voruberschntt. I Wir brauchen nur in unsere eigene Geschichte zu- rückzugehen, um wahrhaft bürgerliche Freiheit zu finden. So las ich neulich zu meinem eigenen Staunen bei Johannes Janssen in seiner „Ge­schichte des deutschen Volkes feit dem Ausgange des Mittelalters" von den landständischen Be­fassungen früherer Tage. Es heißt da wörtlich: „Sie sicherten dem Volke bis zum Ausgang des Mittelalters eine so ausgedehnte persönliche und bürgerliche Freiheit, wie man sie kaum in irgend­einer Republik des Mterturns oder der ^eu^11 antrifft." Das ist doch eine eigentümliche Sache. Wer denkt daran noch in dem Deutschland, das sein altes Wesen so ganz und gar verloren hat, seitdem man von Frankreich her die Despotenlaune des Sonnenkönigs als Regierungsgeheimnis der neueren Jahrhunderte eingeführt hat. Das mußte das Rückgrat einem Volke brechen, von dein Görres sagt, es habe nur immer dann etwas ge­leistet. wenn es wahrhaft frei gewesen sei. Darum kämpfte Görres auch m" solcher Wucht gegen Na- voleon und gegen alle Willkür. Ja, Freiheit, die ich meine, die mein Herz begehrt. Sie auch im Unglück bewahren, das heißt die Wege zu neuem Glück bereiten.

Nun aber genug von der Freiheit, sonst fängt man noch an, mich für einen Jakobiner zu halten, weil man immer noch denkt, es könne keine re in guter Christ sein, wenn er den Kops hoch halte und k e i n T r o d d e l sei. Gerade umgekehrt möchte ich aber, daß wieder ein frischer G-ist echten Christentums bei uns einkehrte, denn unser öffent­liches Leben wird in erschreckendem Maße heid­nischer. Da liegt gerade noch eine Zeitung vom Samstag vor mir. Quer über die Seite hm steht in großen Buchstaben: Sport, Spiel und Turnen. Man sollte meinen, am Tage nach Karfreitag wäre darüber nichts zu berichten. Da bist du aber stark im Irrtum! Da lese ich — wieder sind es große Lettern — 15 000 Zuschauer. Untertitel: Karsrel- tag-Fußball der Berliner Vereine. Und dann wei­ter über Pferderennen, Boxer und sogar Totschlag. Was aber die Zeitung durchaus nicht hindert, nebenbei eine rührend andächtige Skizze über den Ernst dieses Tages zu bringen. Nun ist es mir noch sympathisch, wenn jemand dis Religion ver­folgt, weil ich denke, es fei nur versteckte Liebe. Und fo schön ist es, wenn jemand für seine religiösen Ideale auch öffentlich eintritt. Aber dieses, daß man die Religion so neben Fußball, Hokey und Tennis setzt, als sei es nur eine andere Art, Ball zu spielen, das ist schon der Abgrund. Da empfinde ich, was jener empfand, der da sagte: O, daß du kalt wärest oder lau . . . Und die Christen? Natürlich ist ein gut Teil von ihnen unter den 15000 gewesen. Natürlich! Ach, es ist wohl auch darum, wenn am Weißen Sonntag mancher Pfarrer meint . . .

Der Mann im Monde.

Rund um die Woche.

Deutsche Freiheit. — Karfreitag und -pari. — Paradiesische Landschaft. — Weitzer Sonntag — Des Pfarrers Träne.

berichtet. Wir arbeiten nicht nur mit dem Grift und der gefürchteten Fibel; wir arbeiten mit. stab’ dien Knetmasje und bunten Bildern Mag sem, daß mancher diese schwere Arbeit als SMeroi beze^ net. Er darf aber versichert fern, daß nichts Lehrperson mehr anftrengt a s möglichst kindlich zu denken, zu fühlen und zu sprechen. Wer daran zweifelt, mag die Gegenprobe machen!

' Auch im Religionsunterricht wird dem Kindr fein Recht' Anschaulich und kindlich 'M Ausdruck werden die Geschichten unserer ^lswahrheiten den Kindern nahe gebracht. Und ist nicht mehr d Auswendiglernen das erste Ziel, vielmehr richten wir das Hauptaugenmerk auf die reltatofe Urbung ^d den religiösen Geist. In ilebendigerr Bg nehmen wir am Ablauf des Kirchen,obres teil. So erleben mir zum Beispiel das Allerseelenfest indem wir die Kinder anleiten ^d ermahnen, für dl« armen Seelen zu beten; Weihnachten mahnt uns an die Heidenkinder und den Eintritt m den Kind- beit-Jesu-Verein; Ostern weist uns bmaufbre eigene Auferstehung, an das Gericht und d fletz^n Dinge des Menschen; im Marrnonat

uns besonders der lieben Gottesmutter, mahnenzur Ausschmückung des Ttutteraottesattares, muhen vielleicht in einer Ecke des Schulzimmers e n » rienaltärchen, das in edlem Wetteifer Tag für Tag geschmückt und gepflegt wird. Die kirchlichen Zero monien bilden in vielen Stunden Stoff zu anregen, der Belehruna. So soll sich au* tn der Familie das religiöse Leben obspielen; Pflege des aemein- famen Gebetes am Morgen, Mittag und Abend. Kinderherzen sind für alles, Gutes und Boses, empfänglich. Arbeitet im Sinne eines sollen Un- terridjtes schon vor der beginnenden Schulzeit, nehmt die Kinder fleißig mit zum Gotteshause, lehrt sie den Hausaltar schmücken. Nur bann, wenn fij das Gotteshaus kennen, wenn sie mit bunten Blumen den schlichten Hausaltar schmücken dürfen, senkt sich Siebe zum Heiland und zur Gottesmutter ins Kinderherz hinein.

Auch im Rechenunterrichte ist der Weg sm an- derer geworden! Da wird gezählt mit selbst ge­fertigten Stäbchen, gezeichnet und geformt Wir zählen und klatschen dabei in die Hände und kleiden die angewandten Aufgaben in selbsterfundene Er- Zählungen. Könntet ihr nur einmal die leuchten- den Kinderaugen in einer solchen Rechenstunde se­hen; das Herz würde euch aufgehen!

Und so freudig spielt sich jede andere Unter- richtsstunde bei uns in der neuen Schule ab. Lust und Freude hat in ihr eine Heimstatt. Farben- frohe Bilder sollten auch von den Wanden leuchten und den Kindern künden von deutschem Märchen- leid und deutscher Märchenfreude.

Ich weiß genau, was in unseren Tagen Vater- und Mutterherzen zu tragen, zu schaffen und zu sorgen haben. Darum erst rocht müssen wir jebe | sich bietende Gelegenheit ergreifen, unseren Kindern und uns das so ernste Leben zu erleichtern durch fröhliche Stunden im trauten Familienkreife, durch die wir das vielleicht so kurze Leben und ihnen zum Himmel auf Erden machen. Ein einfaches und I erprobtes Mittel gibt es dazu, das Schefer in die I schönen Worte kleidet:

I „Geh' fleißig um mit Deinen Kindern;

hab' sie Tag und Nacht um Dich und liebejie und laß' Dich lieben einzig schöne Jahrs!

I Carl Walter.

von den Hochschulen.

— Eine starke Vermehrung der akademiscken Stu­diums in der Schweiz madd sick bemerkbar Wahrend sich die Wobnbevölkeruna von 19fl0 bis 1925 um 18,2 Prozent vermehrte, hat die akademische Jugend um 125.4 Prozent zugenommen! Im Jahre 1850 kam auf 17440 Einwohner ein schweizerischer Student. Deute trifft eS schon auf 5332 Einwohner einen immatriku- lierien Studierenden. Im Verhältnis wird da» aka­demische Studium in der Schweiz doppelt so häufig er- griffen wie in Deutschland. Die .Wirtschaftsberichte des Schweizerischen .Handelsamts" weisen denn mich auf die ausgesprochene Ueberfüllung der akademischen Berufe hin.

Wie wird das Wetter ?

Von der Rückseite des Ostseewirbels her ziehen immer noch flache Ausläufer über unser Gebiet hinweg und verursachen zeitweise stärkere Bewölkung und auch vereinzelt Niederschläge. Bei westlichen bis nordwest- lichen Winden sind die Temperaturen noch etwas zurück­gegangen. Da im Westen sich eine neue Druckstörung auszubilden scheint, wird der Windursprung sich wieder in südlichere Gegenden verlegen, sodaß die TageS- temperaturen wieder etwas stärker ansteigen dürsten.

Aussichten für Sonntag: Meist trocken, tagsüber mild, westliche Winde.

dachte, die sie umschwirrten und die sie mit Lächeln an­hörte oder gar erwiderte.

Ihre Begleiter saßen stumm neben ihr; sie mochten fühlen, was in dem stolzen Herzen der Gräfin vorging und hielten es für das Beste, zu schweigen. Der alte Wöllwarth schüttelte bedächtig bas graue Haupt, als könne er nicht begreifen, wie die sonst so herrische Grä­fin sich vor dem schlichten Klostermanne beuge.

Graf Eitel war bei dem Klange der metallenen Stirn- me des Mönches zusammengezuckt und hatte auf seinem Stuhle sich so klein als möglich gemacht. Er kannte diese Stimme, er kannte diesen beredten Mund, der wie feurige Zungen zu sprechen vermochte, er kannte diese dunklen Augen, die bis auf den Grund der Seele dran­gen und hier lasen, was in dunklen und hellen Buch- ftaben dort geschrieben stand. Am liebsten wäre er in die Erde gesunken, um diese zürnenden Blicke nicht aus- halten, um diesen Mund, der so niederschmetternd zu re- den verstand, nicht anhören zu muffen. Aber es ging nicht: er muhte bleiben, und heiß stieg ihm das Blut zu den Schläfen empor, weil er ahnte, daß für ihn eine noch schlimmere Stunde angebrochen fei, als die, welche er eben auf dem Sandwege des Gartens erlebt hatte. ,O weh, der Bruder!" flüsterte er leise und senkte den Blick auf den Boden des Gemaches.

Eine feierliche, bange Stille herrschte in dem däm­merigen Gemache; man hörte nur das leise Rauschen der Linde, die ihre Aeste bis zu den Fenstern des Ge- maches herniederneigte und den süßen Duft ihrer glän­zenden Blüten als frischen Morgengruß durch die ge­öffneten Scheiben hereinsandte.

„Sprecht!" sagte die Gräfin leise, stockend, „sprecht, ehrwürdiger Dater! wer gab Euch die Worte in den Mund, die meine Seele erschüttern und mein Gehirn zermartern? Berdammt mich, denn ich glaube selbst, ich bin verdammungswürdig."

LFortsetzung folgt.)

neuling nicht schon am ersten Tage das „i" und in den ersten Wochen die gesamten Kleinbuchstaben beherrschen gelernt hat. Um den neuen Unterrichts« gang zu werten, darf man freilich nicht die ersten Wochen, vielleicht auch nicht die allererften Monate der Schulzeit heranziehen. Denn wir beginnen nicht mehr sofort mit der Aneignung von solchen

die Einladung der Aebtissin auf den harten Stühlen Platz genommen hallen, fuhr diese fort: „Allzulange säumte ich, gegen das tolle, sündige Leben, durch das Euer Hof die geheiligten Friedensräume unseres Klo­sters entweiht, zu eifern!"

„Meinen Hof laßt in Ruhe. Frau Aebtiffin!" fuhr Henriette zornig dazwischen, „ich weih, was sich ziemt und will keine Nonnen um mich haben. Wie mögt Ihr es nur den jungen Leuten verdenken, wenn sie sich ihrer Jugend freuen und lieber Minnelieder zur Laute fin­gen als dumpfe Psalmen murmeln und den Rosenkranz beten.“

„Alles zu seiner Zeit!" sprach ruhig die Aebtissin. „Laßt Ihr den Klosterleuten Brevier und Rosenkranz; wir gönnen Euch Euren Singsang und das kindliche Sailenzupsen. Aber den Frieden unseres Hauses Tag für Tag durch das lärmende Festieren Eurer übertriebe, neu Hofleute zu stören, ist mehr, als schwache Kloster- frauen zu vertragen vermögen. Kommt dazu noch das wilde Treiben des wüsten Heidenpacks, das Ihr gefteru zugeführt habt, so ist das auch für das aus­dauerndste Gemüt zu viel. Ich möchte Euch allen Ernstes bitten, Frau Gräfin, dem zuchtlosen Treiben Einhalt zu tun; denn es wird mir in dieser Lage schwer, die Klo- sterzucht und unseres Ordens heilige Regel aufrecht zu erhalten.

„Ehrwürdige Mutter", versetzte Henriette, „Ihr tut mir Unrecht! Wie vermöchte ich die ungebundene Ju­gendlust der Ritter zu unterdrücken. Lagerleben ist nach Eurem Begriff eine fortdauernde Sündenlifte, nach un­serem aber eine notwendige Erholung nach schweren Kämpfen, bei der sich der Ritter neuen Mut und neue Begeisterung holt, um andern Tages frisch und froh den Speer zu werfen und das blanke Schwert zu schwingen. Sumpfes Brüten lähmt die Spannkraft des Mannes und macht zweifelhaft den Sieg. Geduldet Euch noch etliche Zett; wenn wir Glück haben, fo wird die stolze Burg dort oben bald fallen und Ihr werdet der unge­betenen Gäste ledig. Bis dahin mögt Ihr immerhin",