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FuldaerZertung

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Nr. 83.

Anzeiger für die Stadt und den Kreis Fulda. Amtliches kreisbtakk.

1 Sonntag, 11. April 1926. |

53. Zahrg

Erscheint sechsmal wöchentlich- Wochenbeilagenr „Illustrierte Bei­lage" und „Buchenblötter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Rr 9- Monatlicher Betugsbreis: 150 Mk-

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Neue SWierigkeiten in her deutschen Autzenpolitik.

Vor dem Abbruch der deutsch-polnischen Liquidationsverhandlungen. — Der deutsch-spanische Handel. — Deutschland und Frankreich.

Die deutsch-polnischen Liquidationsverhandlun­gen sind wieder durch die Schuld Polens aus n e u e Schwierigkeiten gestoßen. In der letzten Sitzung vom 25. Februar 1926 hatte Deutschland «rneut die Frage gestellt, ob die polnische Regie­rung gewillt sei, während der Dauer der Verhand­lungen alle Liquidationen einzu st eilen. Die­ser Wunsch ist im Hinblick auf den schleppenden Gang der Verhandlungen nur zu berechtigt, denn Polen suchte erneut während dieser Zeit weiteres deutsches Eigentum zu liquidieren. Die Antwort auf die deutsche Frage sollte bis zum 15. April er­folgen. Inzwischen hat aber der Führer der pol­nischen Delegation erklärt, daß die Verhandlungen tatsächlich als abgebrochen anzusehen seien. Sie deutsche Forderung lief darauf hinaus, nicht nur das vorläufig der Liquidation noch nicht an­heim gefallene deutsche Eigentum vor polnischen Eingriffen zu schützen, sondern darüber hinaus auch eine Anstellung aller Liquidationsverfahren her­beizuführen, und zwar wollte Deutschland, daß dis polnische Regierung auf die Fortsetzung der schon schwebenden Liquidationsverfahren verzichtet, bei denen es sich um 60 bis 70 000 Hektar ländlichen Grundbesitz, um umfangreichen städtischen Grund­besitz und um viele bedeutende Industrieunterneh­mungen handelt.

Sollte Polen auf seinem ablehnenden Stand­punkt beharren, so würde das natürlich auf den Gang aller weiteren deutsch-polnischen Verhand­lungen von größtem Einfluß sein und ein Schei­tern der Liqüidationsverhandlungen müßte die üb­rigen deutsch-polnischen Verhandlungen in höchstem Maße ungünstig beeinflussen. Ob Polen die Verantwortung hierfür übernehmen will, muß ihm anheim gestellt bleiben.

Unerfüllbare spanische Forderungen.

Wenn nicht in letzter Stunde eine neue Wen­dung zum Besseren eintritt, so müssen die Wirt­schaftsverhandlungen zwischen Deutschland und Spanien als gänzlich gescheitert angesehen werden. Die Entscheidung ruht jetzt beim Reichs- kab i nett, das üch in kürzester Frist mit dieser Angelegenheit befassen wird, nachdem der auf Wunsch aller beteiligten Kreise eingesetzte Aus­schuß der Vertreter des Handels, der Industrie, der Landwirtschaft, des Weinbaues und der Gewerk­schaften nach sorgfältiger Prüfung der Sachlage zu einer entschiedenen Ablehnung der spani­schen Vorschläge gelangt. Dr. Luther wird in den nächsten Tagen mit den Vertretern des Aus­schusses verhandeln, um festzustellen, ob es einen Zweck haben würde, deutsche Gegenvor- s ch l ä ge nach dem spanischen Angebot auszuarbei­ten.

Nach Informationen des „Wests. Volksbl." hat die spanische Regierung bei den ganzen Verhand­lungen keinerlei Zugeständnisse ge­macht, sondern sie hat vielmehr im Großen und Ganzen den seinerzeit von Deutschland gekündigten Handelsvertrag-in seinen wichtigsten Punkten, na­mentlich was die Zollerleichterungen für den svani- schen Weinerport nach Deutschland betrifft, aufrecht erhalten wissen wollen.

Für die deutsche Erportwirtschaft wäre es außer­ordentlich bedauerlich, wenn kein Weg zur Ver­ständigung mit Svanien geknnden werden sollte, da

• Handelsverkehr mit Spanien für den deut­schen Export sehr wichtig ist. Immerhin wird es kaum au vermeiden sein, daß auch das Reichskabi­nett zu dem Beschluß gelangen wird, die spani­schen Vorschläge in ihrer gegenwärtigen Form als unannehmbar abzulehnen. Die Konsequenz dkeses Beschlusses würde voraussichtlich darin bestehen, —.......

Ueber Buguft Thyssen den jetzt verstorbenen Großindustriellen, schreibt K. Broermann in der K. V.:

August Thyssen, der bescheidene bürgerlich ge­sinnte Mann, ist einer der größten Bahnbrecher der Eisenindustrie, auch ein Katholik, der das Märchen von der katholischen Rückständigkeit Lügen straft und mit seinen Spenden und Wohl­taten an katholische wie an evangelische Ge­meinden und Gemeinschaften als Kronzeuge echter Toleranz auftrat. Er hat es selbst aufs tiefste bedauert, wenn in den Kreisen des deutschen Volkes immer das hervorgehoben wird, Mas uns trennt, mag es in konfessioneller, poli­tischer oder sozialer Hinsicht sein: „denn wir haben doch vieles gemeinsam als Deutsche, was uns emt, und dieses zu betonen und mehr hervorzu­heben ist wohl richtiger, als nur von dem zu reden, Mas uns scheidet. Die Hauptsache ist, daß wir uns als deutsches Volk fühlen und eine Volksgemein- sthaft bilden, die ohne kleinliche Eifersüchteleien und stetige verärgernde Hervorhebung der Gegensätze das Bewußtsein pflegt, daß wir alle zusammen em Volk bilden, einerlei, ob hoch oder niedrig, ob arm oder reich, ob Hand- oder Kopfarbeiter. An dem Wohlergehen dieses Volkes hat jeder einzelne mitzusorgen, denn das ist seine höchste Pflicht." Edle Worte eines deutschen Mannes, die nie ver- Lessen werden dürfen!

Durch ein rastloses und ehrliches Streben bietet Shssen in langem Leben die Bestätigung der Wahrheit, daß der köstlichste Gewinn des Lebens m Mühen und Ringen besteht und daß der Mann zum Erfolge gelangt durch Schweigsamkeit und Ueberleaung vor der Tat. schnelles Zufassen in

daß Spanien die Wirtschaftsverhandlungen mit Deutschland abbricht und verschärfte Zoll­maßnahmen gegen Deutschland ergreift. In den deutschen Regierungskreisen gibt man aber nicht die Hoffnung auf, daß es möglich sein werde, einen deutsch-spanischen Zollkrieg zu vermeiden, der für beide Länder schwere Schäden mit sich bringen müsse. Die Situation ist zweifellos sehr ernst und man muß zunächst auf a l l e E v e n t u a- litäten gefaßt sein, da die Ablehnung der spanischen Vorschläge für die nächste Zeit nichts anderes bedeuten würde als den Verzicht auf einen deutsch-spanischen Handelsvertrag.

Der Handel mit Frankreich.

Zwischen der deutschen und der französischen Regierung ist am Donnerstag in Paris ein kleines Zusatzabkommen zu dem deutsch-französischen Teil­abkommen vom 12. Februar vereinbart worden. In diesem früheren Teilabkommen war Frankreich bekanntlich neben anderen Artikeln auch für ein Kontingent von 27 000 Doppelzentner Gemüse die' zolltarifliche Meistbegünstigung für einen Zeitraum von drei Monaten zugesagt worden, während Frankreich umgekehrt Deutschland zu einer Anzahl von deutschen Ausfuhrwaren Zollermäßigungen gewährt hatte.

Da das Kontingent von 27 000 Doppelzentnern Gemüse bereits 14 Tage nach dem Beginn der Laufzeit (1. März) erschöpft war, hat die franzö­sische Regierung sich vor kurzem mit dem Wunsche an die deutsche Regierung gewandt, Frankreich während des dreimonatigen Laufes des Teilabkom­mens noch einmal ein meistbegünstigtes Gemüse­kontingent zu gewähren. Deutschland hat sich im Hinblick auf den Widerstand, den schon das Teil­abkommen vom 12. Februar beim deutschen Ge­müsebau gefunden hatte, nur widerstrebend auf diesen französischen Wunsch eingelassen, hat aber schließlich das gleiche Kontingent von 27 000 Doppelzentnern, Gemüse (außer Blumenkohl und sonstigen Kohlarten) dann doch nochmals ge­währt, nachdem die französische Regierung für eine Reihe von deutschen landwirtschaftlichen Erzeug­nissen, namentlich Käse, Milch, Gemüse, Sämereien, Kartoffelstärke und Kartoffelstärke-Erzeugnisse und Holz sowie für eine Anzahl wichtiger industrieller Ausfuhrerzeugnisse neue Zugeständnisse an Deutsch­land gemacht hatte.

Das Zusatzabkommen wird dem R e i ch s r a t und dem Reichstag nach seinem Wiederzusam- mentritt am 27. April zur Genehmigung vorge­legt, wird aber schon vom 16. April ab vorläufig angewandt werden. Die Reichsregierung hat sich zu dieser vorläufigen Anwendung entschlossen von der Erwägung ausgehend, daß einerseits der Wett­bewerb des französischen Gemüses für den deutschen Gemüsebau umsoweniger schädlich ist, je früher das Frankreich gewährte Gemüsekontingent aus­genutzt wird und daß anderseits dann auch der deutschen Landwirtschaft und der deutschen In­dustrie ein umso längerer Zeitraum zur Verfügung steht, um die französischen Zollzugeständnisse aus­zunutzen.

Die drei Monate laufen bekanntlich für die an Frankreich gemachten Zollzugeständnisse vom 1. März bis 31. Mai, während die drei Monate für die Deutschland gewährten Zollermäßigungen vom 1. April bis 30. Juni laufen. Frankreich hat danach also noch 6 Wochen Zeit für die Aus­nutzung seines neuen Kontingents, während für die Ausnutzung der Deutschland gemachten neuen Zu­geständnisse noch 2% Monate zur Verfügung stehen.

Die Verhandlungen über den Hauptvertrag gehen weiter.

der Tat und zielgerechte Erweiterung des Er- rungenen nach der Entscheidung.

Es war ihm trotz seiner alten Tage bitter, füh­len zu müssen, wie ihm das Leben sank. Doch fand er Trost in Gott. Er war katholischer Christ nicht nur dem Namen nach; noch in den letzten Wochen, im Düsseldorfer Krankenhause, ging er wiederholt zu den Sakramenten . Einige Monate vor seinem Tode schrieb er einem alten Vertrauten: „Was das Ster­ben der alten Freunde anbelangt, so mache ich mir das Wort zu eigen, daß uns kein anderer Trost ge­geben ist als der, den die Religion gibt: Sie sind nur eine kleine Weile vor uns den Weg gegangen, den wir alle betteten müssen, und wir sollten Gott danken, daß er die Lieben solange für uns und für die Welt erhalten hat." —

Nun ist auch August Thyssen den Weg geschritten. Er ist dahingegangen gleich der Sonne, die nach langem und heißem Tage sich hinuntergesenkt unter der Purpurfahne ihres Nachglanzes.

* Massenflucht aus dem Saargebiet. Seit einigen Wochen hat aus dem Saargebiet eine allgemeine Flucht nach dem unbesetzten Gebiet eingesetzt. Hun­derte von Arbeitern, die vor drei und vier Jahren durch den hohen Frankenstand angelockt als Berg­arbeiter in das Saargebiet zogen und vielfach auch die Familien nachkommen ließen, kehren jetzt «n die alle Heimat zurück, da der schlechte Stand des Franken es nicht mehr gestattet, auch nur einiger- mdßen auskömmlich zu leben. Die Leute führen ein wahres Huvdeleben. In der alten Heimat fallen sie bei der großen Arbeitslosigkeit der allgemeinen Für­sorge zur Last.

Deutschlands koloniale Ansprüche.

Von einem unserer außenpolittschen Mitarbeiter wird uns geschrieben:

Die Erörterungen über Deutschlands koloniale Ansprüche sind in letzter Zeit wieder stark in den Vordergrund getreten, und zwar in Deutschland selbst als auch im Auslande. Das hat vornehmlich zwei Gründe, einmal ist es für Deutschland eine Prestigefrage und zum anderen eine Nütz­lichkeitsfrage. Durch den Friedensvertrag Deutschland die Kolonien genommen worden, hat Deutschland für unwürdig erklärt, die Ko­

lonien verwalten zu können und hat ihm sozusagen die moralischen Fähigkeiten abgesprochen. In einem Teil des Friedensvertrages von Versailles und im Völkerbundsvertrag hat man im Arttkel 22 die Vor­mundschaft über unsere Kolonien an die „Nationen übertragen, die auf Grund ihrer Hilfsmittel, ihrer Erfahrung oder ihrer geographischen Lage, am be­sten imstande und bereit sind, eine solche Verant­wortung aus sich zu nehmen" und zwar hätten sie, wie der Absatz 2 des Artikels 22 schließt, „die Vor­mundschaft als Beaufttagte und im Namen des Bundes zu fuhren". Selbstverständlich ist das ganze Vorgehen durch den Friedensvertrag und diese Mandatsübertragung nichts anderes als eine Be­mäntelung der Machtansprüche der Siegerstaaten, die auf solche Weise ihre Eroberungs- und Bereiche­rungsabsichten mit einem moralischen Mantel um­hüllen wollen.

Nun ist durch den bevorstehenden Eintritt Deutsch­lands in den Völkerbund auch diese Kolonialfrage wieder akut geworden, denn durch den Eintritt Deuts-'' nds in den Völkerbund wstd Deutschland moralisch für vollwertig erklärt und damit hat es automatisch einen Anspruch, als Großmacht mit einem Kolonialmandat beauftragt zu werden. Nun gibt nicht nur der bevorstehende (Eintritt Deutsch­lands in den Völkerbund Anlaß zur Erörterung dieser Kolonialfrage, sondern es hängt damit auch

zusammen die jetzt angetretene Kolonialreise Mus­solinis nach Tripolis. Denn gerade die ita- lienische Presse war es, die diese Frage ins Rollen brachte und die Deutschland ein Mandat auf Kolonien absprach, solange nicht „Italiens An­sprüche alle befriedigt seien". Italien ist ja bet dieser Mandatsübertragung für Kolonien am schlech­testen weggekommen. Das lag in der Natur der Sache, weil Italien in den Zonen und Regionen, wo Mandatsüberttagungen ftattfanben, bisher ko­lonial noch nicht vertreten war.

Abgesehen von diesen Prestigegründen ist es für Deutschland auch eine Nützlichkeitsfrage, sich wieder kolonial zu betätigen. Um die deutsche Wirtz schäft rentabel zu machen, und vor allen den großer Reparationslasten, wie sie durch das Dawes-Ab­kommen aeregeTt sind, pflichtgemäß nachkommen zu formen, 'bedarf Deutschland billigerer Rohstoff, quellen als bisher, und solche Rohstoffquellen bie­ten Deutschland bei seiner jetzigen Sage lediglich Ko- Ionien. Diese Frage hat vor wenigen Wochen schon Reichsbankpräsident Schacht angeschnitten, der da­mals ebenfalls betonte, um den Anforderungen des Dawes-Abkommens nachkommen zu können, Deutsch­land sich wieder kolonial betätigen müsse. Aller- dings sind die Aussichten für eine derartige koloniale Betätigung Deutschlands oder für eine Mandats- überträgung Deutschlands durch den Völkerbund zur Zeit nicht glänzend. Es bedarf hier noch man­nigfacher diplomatischer Vorstöße und Verhandlun­gen. Die ehemaligen Kolonien Deutschlands sind in der Hauptsache in die Hände Englands und Frankreichs übergegangen. Diese Staaten werden nicht ohne weiteres auf diese reichen Gebiete ver­zichten wollen. Die besten Aussichten bestehen in dieser Hinsicht in Süd-West-Afrika. Aber dessenun­geachtet dürfen wir deutscherseits keinen Augenblick vorübergeben lassen, um immer wieder unsere be­rechtigten Ansprüche beim Völkerbund und den frü­heren Feindesstaaten zu erheben.

Der Nachfolger Malvys.

Im Verlaufe des Ministerrates am Freitag hat Landwirtschaftsminifter Jean Durand (radikaler Senator) das durch den Rückttitt Malvys freige­wordene Portefeuille des Innenministers angenom­men.

Der neue französische Innenminister Jean D u - raub, der den vier letzten Ministerien, sowohl den beiden von Painleve gebildeten Regierungen, wie dem letzten und dem gegenwärttgen Kabinett Bri- and als Landwirtschastsminister angehörte, ist in der großen Politik bisher wenig hervorgetreten. Als Vorsitzender der Ackerbaukommission des Se­nates ging ihm der Zug großer Sachkenntnis in allen landwirtschaftlichen Fragen voraus, und diese Kompetenz war cs, die Paiulevö seiner Zeit ver­anlaßt hat, ihm das einschlägige Portefeuille anzu- üertrauen. In großen Reformen hat ihm der rasche Wechsel der Ministerien bisher keine Gelegenheit gegeben. Wohl aber dürfte ihm die Initiative zu dem deutsch-französischen Handelsprovisorium zu­gunsten der französischen Frühgemüse zuzuschreiben sein. Die Uebernahme des durch den Rückttitt Malvys fretgeroorbenen Ministeriums des Innern stellt Durand vor neue schwierigere Ausgaben.

* Die Wirren in China. Aus Peking wird ge­meldet: Die Kuonintschun-Führer habm W u - peifu gebeten, nach Peking zu kommen, um die politische Lage wieder herzustellen. Zugleich haben sie den früheren Präsidenten Saofun auf freien Fuß gefetzt. Der Oberbefehlshaber der Kuonintschun- Armee, Lutschunglin, hat sich infolge der Unzuseie- denheit über die Haltung des Generals Fengjutzsi- ang, der zugunsten Lutschunglin vom Kommando zurückttat, unter den Befehl Wupeifus gestellt. Der Präsident Tuantfchijui ist zurückgetre­ten.

Meutereien in Saloniki.

wtb Athen. 10. April. (Eig. Funkm.) Nach einem Bericht des Kriegsministeriums haben in der ver­gangenen Nacht in Saloniki 3 Offiziere Teile der Garnison von Saloniki auf gewiegelt und sind nach der Ortschaft Allattni marschiert Der Beweggrund zur Meuterei ist materieller Art. Eine Division umzingelte die Meuterer, die erklärten, die Bewe­gung richte sich nur gegen ihre Vorgesetzten und sie würden sich ergeben, wenn versprochen werde, daß diese Vorgesetzten durch andere ersetzt würden. Die Regierung stellte den Meuterern zur bedingungslosen Uebergobe eine Frist. Die Flotte begibt sich nach Saloniki. Telegramme aus allen Städten Maze­doniens, Graziens und ans Epiros sowie aus dem übrigen Griechenland berichten, daß überall voll­kommene Ruhe herrsche.

Nach späteren amtlichen Meldungen aus Athen haben sich die Führer der Meutereien in Saloniki und ungefähr 200 Soldaten, die sich ihnen ange- schlofsen hatten, dem Kommandeur des Armeekorps von Saloniki bedingslos ergeben. Die Rädelsführer werden vor ein Kriegsgericht gestellt werden. ______________

* Nuntius Pucelli ist in Rom eingetroffen.

* Abg. Dr. Schreiber in Rom. Kardinalstaats, sekretär Gasparri empfing den Reichstagsabgeord­neten Prälat Dr. Schreiber und den Geifüichen Botschaftsrat Prälat Steinmann in längerer Audienz. Gegenstand der Unterredung waren die aktuellen kircheyvolitischen Fragen.

flmunbfens Nordpolreise,

wtb. Rom, 10. April. (Eig. Funkm.) Das Lust, schiff „Rorge" ist heute stütz um 9.10 Uhr zu seiner Nordpolreise aufgeftiegen.

* Auf den russischen Jnnenkommisiar ist in Mos­kau ein Attentat verübt worden. Ein unbekannter Student gab einen Revolverschuß auf Boloborodow ab und verletzte ihn an den Schultern. Nach leb­hafter Verfolgung wurde der Täter festgenommen, der ein Sohn etneS früheren Schlotzau gestellten ist. Das Attentat wird noch vor der Oeffentlichkeit ge. heim gehalten.

Vulkanausbruch.

wtb. Moskau, 10. April (Eig. Funkm.) Der grotzi Ausbruch des 30 Kilometer von Petropawlowsk (Kamtschatka) entfernten Awatschlinsky-Vulkan, der am 28. März einsetzte, erreichte gestern seinen Höhepunkt. Glühende Lava bedeckt die Abhänge des Vulkans. Die ganze Umgebung ist nachts erhellt. Aus dem Krater schießen Flammengarben. DaS ausgeworfene vulkanische Gestein und die Asche be­deckt die Umgegend biS auf etwa 9 Klm. Entfernung. Der Ausbruch ist von unterirdischem Grollen und Erderschütterung begleitet. Opfer an Menschenleben sind bisher nicht zu beklagen.

* Deutschland hat den größten Postscheckverkehr. Der deutsche Postscheckverkehr ist der größte, den es überhaupt gibt. Das Weltpostbüro berechnet den deutschen Umsatz im Postichcckverkehr für 1924 auf über 93 Milliarden Goldfranken. An zweiter Stelle steht, wie das „8 Uhr Abendblatt" meldet, Frankreich mit 87 Milliarden Goldfranken. Es folgen die Tschechoslowakei mit 23, die Schweden mit 20, Deutsch-Oesterreich mit 10, Japan mit 4, Ita­lien mit 1,8, die Niederlande mit 1,4, Dänemark mit 1,3, Ungarn und Belgien mit je einer Milliarde. Auch die Zahl bet Postscheckkunden ist mit 808 000 in Deutschland weitaus am größten.

Handwerkersragen.

--- Vie Äonkurren; der Sefaugenenardett. Mit Rück­sicht auf die Interessen des Privatgewerbes und bet freien Arbeit haben die Reichsministerien jetzt, der Wohlfahrtskorrespondenz zusolge, Richtlinien über die Vergebung von Aufträgen der Reichsbehörden an Gefangenenanstalten aufgestellt. Danach darf die Be­hörde von Gefangenenanstalten nur höchstens den halben Jahresbedarf einer Ware beziehen, wenn die Ware auch tm freien Gewerbe zu beziehen ist. Der Behörde bleibt eS überlassen, den Anteil des freien Ge- werbes an der Herstellung noch zu erhöhen. Aufträge sollen an Gefangenenanstalten nur erteilt werden, wenn sie von ihnen ,u Bedingungen ausgeführt wer» den, die nicht ungünstiger sind als die des freien Ge­werbes. Bei öffentlichen Ausschreibungen dürfen An- geböte von Gefangenenanstalten nicht berücksichtigt werden. Sind bestimmte Arbeiten bisher an ch a r i • tative Anstalten und Unternehmung-n, an gemein- nützige Werkstätten und Einrichtungen zur Beschäftigung Erwerbsbeschränkter, insbesonders an Blmdenwerk- stätten, vergeben worden, so behält es hierbei sein'Be­wenden.

Gewerkschaftliches.

— Eine Tagung der GewerkschaftsverbSuLe iir die besetzten Gebiete. Am 12. Apnl findet tn Koblenz eine Tagung der Gewerkschaften für die besetzten Sc­hiefe statt, an der auch der Relchsminister für die be. setzten Gebiete Dr. Marx und der neue Reichskom- miffar Freiherr Langworth von Simmern teilnehme« werden.