M 78.
Sonntag, 4. April 1926.
Fuldaer Zeitung
2. Blatt.
*** Druck der Fuldaer «cNeudruckerei, Fulda.
Rund um die Woche.
Ostereier uwh Hühner. — Und der Nachbar? — Osterglaube und moderne Katechismen — Alleluja im grauen Eiend.
Kikeriki, so rufen alle Hühner, mit ganz besonderem Jauchzen in die Osternacht. Es soll eigentlich Alleluja heißen, aber jeder singt halt, wie ihm der Schnabel gewachsen. Es hat mit diesem Ruf eine besondere Bewandtnis, denn in den Tagen vorher, wenn die so überaus traurige Geschichte von dem Hahnenschrei und St. Petrus auf den Menschen lastet, dann sind alle Hähne gedrückt und wehmütig bis auf diese Stunde. Wenn es dann aber vorüber und wenn es wieder gut ist mit dem Petrus, dann steigen sie auf den höchsten Gipfel ihres Herrfcherbereiches und krähen, daß man meinen sollte, es müßten ihnen die Bänder platzen. Und die Hühner gackern ringsum und erzählen, wie sie sich abgemüht, die alt« Schuld, die nun einmal auf ihrem armen Geschlechte laste, wieder gut zu machen. Sie legen Eier um dir Wette, damit doch allen Menschen ein« rechte Osterfreude werde.
Lächle nur nicht überlegen, als ob das alles nur Dummheit aus dem Reich von Hinkel, Gockel und Gackeleia wären, denn einmal find das überhaupt keine Dummheiten, sondern es ist ein wunderschönes Märchen vom seligen Elrmens Brentano, und zweckens sagt schon St. Paulus, daß auch die Natur sich nach der Verklärung sehne, und da sind doch die Hühner auch dabei. Das versteht nur, wer Ostern in der eigenen Brust als eine große Sehnsucht nach heiliger Freude, nach Auferstehung und nach ewigem Leben verspürt. Ja, der versteht es, daß solches auch die Knospe träumt, die vor- sichtig ihre Aeuglein aufsperrt, und daß jedes Blatt« lein davon etwas ahnt, das sich mit seidenen Fin- gerchen leise ins Dasein tastet, daß die Vöglein es wittern, die mit den Winden des Lenzes fahren, daß dies der geheime Klang ist, der andächtig durch die kahlen Wipfel der Kastanien weht und als tiefe, geheimnisvolle Melodie in all dem Raunen ist, das in Wald und Flur den Frühling anzeigt. Du klei- ner Mensch, denk einmal einen Augenblick nicht an dich. Denk einmal an die Freude, die um dich herum blüht. Denk an die Freude des Auferstandenen. Vergiß dich ganz. Stürz dich wenigstens heute in dieses Meer von Frühling und Alleluja.
Wenn du aber weißt, daß der Nachbar ein armer Mann ist, dessen Haus so klein, daß der Osterhase am Ende vorbeigelaufen, dann pfeiff ihn einmal her. Er hat lange Ohren — ich meine der Hase — und hört dich gewiß. Pack ihm etwa» in die Kiepe und schicks hinüber. Dann wird dein Alleluja noch viel vergnüglicher werden. In Rußland küssen sich zu Ostern vor lauter Erlösungsfreude olle Menschen. Sie tun das sogar in der Kirche, so daß es offenbar wird, wie hecktg dieser Kuß der christlichen Gemeinschaft ist. Im bolschewistischen Rußland wird das etwas schwieriger geworden sein, aber im Stillen tun sie es dennoch. In der Hinsicht möchte ich wirklich, es wäre heute überall wie in Rußland. Aber da fehlt es. Wir leben so in Klassen und Vorurteilen eingesperrt, daß wir es fertig bringen, auch das fröhliche Ostern zu feiern, während beim Nachbarn, weiß Gott, sozusagen ein ewiger Karfreckag ist. O dieses Kastenwesen, das selbst der Osterfreude widerstrebt. Gralsworthy, der große englische Romanschriftsteller, den man augenblicklich 'm Deutschland feiert, läßt einmal eine gewisse Klasse ihr Glaubensbekenntnis aussprechsn. Es lautet aber also: „Ich glaube an meinen Vater und an meines Vaters Vater, den Schöpfer und Erhalter meines Besitzes; und ich glaube an mich selbst und an meinen Sohn und an meines Sohnes Sohn; und ich glaube an die Bildungsstätte, die mich erzog. Und ich glaube an die gesellschaftlich mir Gleichstehenden unb an mein Haus — in alle Ewigkeit. Amen." Da lautet es doch ein wenig anders in dem Katechismus der wahren Osterfreude, die eine Freude der Gemeinschaft aller in Christus Erlösten ist, aller überhaupt, die guten Willens sind. Es gibt auch einen Katechismus mancher Nationen, der nicht mit der Osterbotschaft sich reimt. So lesen wir wörtlich im Katechismus des Fa
schismus, und italienische Kinder müßen das so lernen: „Ich glaube an das ewige Rom, das die Mutter meines Vaterlandes ist; und an Italien, seine älteste Tochter; die Gott in seiner Gnade geschaffen hat; die gelitten hat von dem Einfall der Barbaren, gekreuzigt und gestorben ist; die niedergefahren ist in das Grab, und im 19. Jahrhundert von den Toten wieder auferstanden ist; aufgefahren ist zum Himmel feines Ruhmes im Jahre 1918 und 1922; die herniedersteigen wird zu richten die Lebendigen und die Toten; ich glaube an das Genie Mussolinis, an den Heiligen Vater, den Faschismus und die Gemeinschaft der Märtyrer; an die Auferstehung des Reiches. Amen." Christus aber sprach: „Der Friede sei mit euch!" Mit den frommen Frauen, mit dem Petrus, mit dem Thomas, mit den Jüngern, die nach Emmaus gingen, mit allen seinen Aposteln und Freunden, immer wieder: „Der Friede sei mit euch!" Und das hat er ehrlich gemeint.
Wenn dergleichen die Staatsmänner sagen, hört man oft nachher wunderliche Statistiken. So sind zum Beispiel in England seit dem Mai 1923, also in der Zeit der großen Friedenskonferenz, an 2183 Tieren Experimente mit giftigen Gasen vorgenommen worden. 447 Tiere wurden sofort getötet, 1132 mußten infolge schwerer Verletzung gleich getötet werden, 345 Tiere überstanden die Quälerei. Das paßt nicht eben gerade zu Friede und Völkerbund. Bester man redet nicht von Frieden, wenn man heimlich den Krieg bereit-t. Ehrlich ist das Evangelium. Es weiß von dem notwendigen Kampf des Lebens. Aber es weiß auch von jenem Frieden des Herzens, der allen braven Kämpfern zuteil wird. O, schöne Osterbotschaft: Der Friede'sei mit euch!
Wollte die Menschheit nur einsehen, was es ist um die Wundermacht dieses Friedens. Es ist näin- üch ein Friede, der aus der Liebe wächst, so wie der Lenz aus der Sonne. Wäre wirklich diese Sonne richtig in den Herzen und wäre das Eis nicht so dick, das oft sogar bei Christenmenschen darum liegt, so stände es wahrlich bester. Es gäbe gewiß noifc viel Elend, aber zweifellos kein solches n:'hr, nie heute in mancher deutschen Stadt. Nach- dem vor kurzem Meldungen über Sagan durch die Presse gegangen, hörten wir wieder Niederschmetterndes über die Verhältnisse im niederschlesischen Steinkohlenrevier. Soll man zu Ostern davon erzählen? Ja, gerade. Denn was nützen mir alle Osterlieder, wenn sie nicht das helfende Mitleid in den Herzen der Christen wecken. In der Stadt Waldenburg gibt es 13 OOO Haushaltungen. 32C0 Wohnungfuchende „beherbergt" diese ein« Stadt allein, wenn man das noch beherbergen nennen kann. Jede vierte Familie hat eine unzureichende oder überhaupt keine Wohnung. Im Kreise selbst bestehen 75 bis 80 Prozent der Wohnungen aus nur einem einzigen Nimm. Die Löhne bleiben weiter als irgendwo unter den reinen Ernährungs- f offen. Monatelang haben manche Bergarbeiter dort Nachtschicht und immer nur Nachtschicht. Am Tage aber können sie ausschlafen in einem Zimmer, das außer ihnen noch 10 bis 20 Familienmitglieder bewohnen, wo man kocht unb ißt, wäscht, sich streitet, kehrt, putzt, plaudert . . wo nicht selten Tuberkw lose und Kranke etter Art ihr Dasein fristen. . . Hunderte von Kindern haben nicht Hemd, nickst Strümpfe. Hunderte müssen verdienen, obwohl sie noch nicht 12 Jahre zählen. Hunderte schlafen auf Bänken und Dielen, Hunderte zarter, schwä hl-cher Kinder . . . Gott, wie schwer wird das Alleluja, wenn ich dies iehs. Und die Ostrrsonn* scheint, und überall suchen die Kinder Ostereier, und die Knospen treiben, und die Blättlern wachsen unb die Vögel wandern . . . Lieber Gott, gib er den Christen ein, daß sie nicht Alleluja singen dürfen, wenn sie die Liebe nicht haben, die mitleidige, die helfende Liebe...
Der Mann im Mond.
Kampf gegen -en sittlichen Sumpf!
Bischof Dr. Paul Wilhelm von Keppler erließ letzter Tage bei der Canisius-Feier der schwäbischen Bischofsstadt den dringenden Appell, auszuharren tm Kampfe gegen die Sittenverderbnis unserer Tage. Im Winter hat sich diese mehr bet den gesellschaftlichen Veranstaltungen, zumal bei der Fastnacht, ausgewirkt. Im nahen Sommer aber wird wieder im Bade- und Sportwrsen, in der Mode und sonstwie an ein« verheerende Schlammflut über unser Volk dahingehen. Und wir sollen tatenlos bleiben? Kein Wunder, taten sich in Stuttgart 120 katholische Organisationen und Vereine zusammen, um dem katholischen Lebensstil und der kath. öffentlichen Meinung wenigstens in etwa Geltung zu verschaffen. Es muß in der Tat eine Gegenwehr einsetzen Sn darf es nicht weiter gehen. Dre Stuttgarter Arbeitsgemeinschaft macht« schon im Januar dieses Jahres eine Eingabe an die Stadtver- wackung, um den skandalösen Ausfchreckungen bet den Neckarstrandbädern ein Ende zu machen. Ein Erlaß des verstorbenen Zentrumsministers Graf bietet der Polizeibehörde eine enffprechende Unterlage. Eine große Kundgebung gegen die sittliche Not im Stuttgarter Kunstgebüude gab der Eingabe Resief und Nachdruck, wobei Medizinalrat Graßl aus Kempten und Frau Ministerialrat Weber aus Merlin sprachen.
Man kann nur wünschen und mahnen: Gründet ßiberall solche Arbeitsgemeinschaften, die an Ort und d«lle ein Auge auf die Dinge haben und mutig den fKampf aufnehmen gegen die furchtbare Sittenver- Wüstung in den Badeplätzen und sonstwo. Erließ nicht unlängst ein Gefftlichrr auch einen Notschrei vorn Bodensee, den Ruf nach der rücksichtslos allen Ausschreitungen und Schamlosigkecken entgegen- 'tretenden Uferpolizei? Haben sich nicht die ober- bayerischen Volkstrachtenverbände an Regierung -und Landtag gewendet, um der erneut drohenden öffentlichen S).... eine Paroli zu bieten? Enthielten führende katholische Blätter nicht Schilderungen über das Treiben in den Nordsee-Bädern, die mit Trauer und Entrüstung zugleich erfüllen? Beklagte nicht auf dem Zentrumsparteitage des Iagfttreifes der würtfembergifche Innenminifter Bolz die öffenliche Unsittlichkeit und das, was sich tÄe Welt von heut« an „Vergnügungen" leistet?
Aber auch Minister Bolz erklärte, polizeiliche Verfügungen tun es nicht allein. Die öffentliche Meinung muß zu Hilfe kommen. Unsere katholische Presse hält sich wacker m diesem Punkt.
Aber auch jeder von uns, jeder kath. Verein muß mithin. Die Bischöfe haben gesprochen. Ihre Leitsätze gelten, mag es sich nun um Tanz ober Sport oder um Baden handeln. Aber die Leitsätze müssen Gestalt und Leben gewinnen. Dazu genügt meber das Wort von der Kanzel noch das Verlesen der Hirtenschreiben. Die Partei der Anhänger der Nacktkultur muß fühlen, daß di« Pattei der anständigen Menschen auchnochda und nicht gewillt tft, länger tatenlos zuzusehen.
Niemand verwehrt Pflege der Gesundheit hn Strandbad, ckn Licht- und Luftbad, im Spott. Aber diese Pflege darf nicht Formen annehmen, die unrettbar zum Untergang von Famckie und Volk fiih- ren. Suchen wir, wo angängig, Fühlung mit gleichgerichteten Organisationen auf evangelischer Seite. Auch im evangelischen Lager steht man den Dmoen besorgt gegenüber.
Sodann aber lasten wir uns in unserer Initiative nicht beschämen vom Ausland. In Italien wer- den die öffentlichen Tanzlokale und Tanzschulen behördlich kontrolliert und minderjähttges, allein «rschienes Volk beimbefördert. In Nr. 21 von Eber- les „Schönere Zukunft" ist Aehnliches zu lesen, und zwar aus New Port. Hören wir die kath. Kultur- krast erhärtende Notiz: „Meldungen kath. Blätter zufolge hat jüngst der zwecke Bürgermeister von Dero Bork der Protestant Adoo in einer Ver- mmmlung erklärt, die Abnahme der öffentlichen Un- fittlichksit in New Uork fei zu einem guten Teil dem Einfluß der Katholiken zuzuschreiben". Mc. Adoo sagte u. a.: „Oft kommen hervorragende, auch behördliche Perfönlichkeifen aus London, Da- eis, Berlin, Tokio, Australien, aus anderen Stcwfen «mb Teilen der Welt zu mir, um mich zu fragen, wie wir es zustande gebracht hätten, daß die Straßen von New York so überaus rein von auffallender und «grestiver Prostitution und dadurch frei von der sittlichen, geistigen und physischen Bedrohung des Dolles seien; wie es uns gelungen sei, die öffentlichen Häuser vollständig auszurotten und zu verhin- vern, daß arme Leute ihre Zimmer an schlechte Frauen vermieten. Trotzdem ich kein Katholik bin, zögere ich niemals einen Augenblick, ihnen zu ja-
Frauenhaß.
Geschichtliche Erzählung ans dem 15. Jahrhundert von Felix Rabor.
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Der Wandersmann betrachtete mit Freuden dies« Heiligtum, ohne über feine Entstehung nachzudenken; von Jugend auf kannte er dieses Kirchlein; und oft hatte er an der Seite seiner Mutter dott Einkehr geholten.
Rüstig schritt er aus, dem Otte zu, wo ihn heilige Stille, Rast für seine müden Glieder und Kühle gegen die heißen Sonnenstrahlen erwartete; eine roh geznm inerte Bank, von der aus er das Innere der Kapelle, das in geheimnisvoller Dämmerung lag, übersehen konnte, lud zur Rast ein. Wie wohl tat ihm die Rast nach dem langen Marsche im Sonnenbrände; den Rosenkranz, der an seinem Gürtel hing, ergreifend, begann er leise zu beten.
So mochte er eine Zeit lang geruht haben, als eine Frauengestalt in dunklem Gewände' an ihm vorüber- ichtttt; ihr Haupt war geneigt und ihr Gesicht verhüllte ein dichter Schleier. Sie betrat die Kapelle, benetzte sich mit dem geweihten Master, das in einem steinernen Betten an der Wand sich befand, und verschwand im Dun- tel der Kapelle.
Eine andere Frau in grünem Kleide, mit einer großen, weihen Kugelhaube, die um das Kinn befestigt war, kolgre ihr, kniete auf der Schwelle der Kapelle nieder und verrichtete ein kurzes Gebet, worauf sie stch um- wandte und der Bank zuschritt, um sich niederzusetzen. Als sie den Mönch sah, wollte sie wieder umkehren, doch Vieser sprach:
„Nehmet immerhin Platz, gute Frau, es reicht wohl für mehr als zwei."
Scheu nahm die Frau, die dem Bürgerstande an- Sugehören schien, auf der Ette der Bank Platz und zog ihren Rosenkranz aus der Tasche; allein sie kam nichr zum Beten, denn sie betrachtete verstohlen von der Seite
Mönch, der trotz seiner bescheidenen Kleidung etwas Kittertirfjes an sich hatte. Sie schien gern ein Gespräch
gen, baß bas meiner Ueberzeugung nach nicht zuletzt dem Umstande zuzuschreiben ist, daß bei der New Dorker Polizei und bei den Stadtbehörden in hohem Grade jene ttaditionelle unnachgiebig« Hoch- Haltung der sexuellen Reinheit tätig ist, die auf den Einfluß der katholischen Kirche zurückgeführt werden muß. Denn der kath. Glaube fft nicht nut in der
mit ihm anknüpfen zu wollen, aber es fehlte ihr der Mut hierzu. 1
Der Mönch bemerkte dies und sprach freundlich zu rhr: „Ihr kommt wohl oft hierher zu dieser frommen Stätte, gute Frau?"
„Ach, ehrwürdiger Herr, es ist unser täglicher Gang", versetzte sie mit einem Seufzer.
„Ja, es läßt stch hier gut beten an dem stillen Platze, im Schatten der ehrwürdigen Bäume."
„Das meint meine gute Herrin auch. Darum komme sie täglich zu dem stillen Ort, um stch die Sorgen und den nagenden Kummer von der Seele zu beten."
„So ist Eure Herttn wohl unglücklich, gute Frau", fragte der Mönch mitleidig.
„Ach ja. Ehrwürdigster", sprach die Frau, „ich sollte es eigentlich nicht sagen, aber Euch, dem frommen Klostermann, darf ich es schon vertrauen. Ja", fuhr sie gesprächig fort, als sie bemerkte, daß ihr der Mönch aufmerksam zuhörte, „wir tragen schweren Kummer. Denn der Gemahl meiner guten Herrin — ach es ist traurig, es sagen zu müssen — hat sie von sich gestoßen, und das drückt ihr beinahe das Herz ab. Sie trauert seitdem wie eine Witwe und trägt den Witwenschleier: keinLächeln erhellt mehr ihr edles Gesicht. Und sie konnte so lustig lachen, als sie noch auf ihres Balers Schloß zu Sulz fröhlich »mhcrsprang wie ein junger Hirsch. Wäre sie dort geblieben, es wäre besser für sie gewesen!"
„Wie", fragte der Mönch betroffen, „Eure Herrin stammt von dem Grafen von Sulz?"
„Ei freilich!" entgegnete die Frau beinahe cermun» bett, daß ihre Herrin nicht von jedermann gekannt wurde. In ganz Schwaben war ehedem ihr Name be- könnt, denn man hieß sie allenthalben das »schöne Aenne- lein von Sulz".
Wie erschrocken zuckte der Mönch zusammen, als er den Namen hörte; die Frau schief dos aber nicht zu bemerken. Sie erzählte weiter, wie das gnädige Fräulein von Freiern umschwärmt gewesen sei, wie der ritterliche Graf Friedrich von Zollern sie gefreit und aus seine ttolze Burg als Ehewirtin geführt hätte. „Ach, ehrwürdigster Herr", fuhr sie fort, »das hättet Ihr sehen
Bevölkerung der Stadt sehr stark vertreten, sondern auch ganz besonders in den Reihen der New Iorker Polizeibeamten und Schutzleute."
Nochmals, soll Amerika uns beschämen? Heraus zur Abwehr! Die öffenttiche Meinung har das Wort und der Wille, dem Volke, der Jugend, das Heiligste zu erhalten, die sittliche Reinheit!
sollen! Das war ein Leben in den gastlichen Hallen des Schlosses! Die Festgelage und Turniere wollten kein Ende nehmen. Von allen Seiten strömten die Edelherren und Dienstmannen des Grafen Friedrich herbei: die tapferen Herren von Lichtenstein, von Jungingen, von Weitingen, von Bubenhofen, die stolzen Schenken von Andeck und Stauffenberg, die Truchsess» von Ringingen mit Knappen und Reisigen, daß bet weite Schlotzhos einem Heerlager glich. Unter allen der Fröhlichste, aber auch der schönste und ritterlichste, war doch unser Fritz! Wer hatte damals gedacht, daß bas Glück des jungen Paares jemals ein Ende nehmen würde! Unb doch gings zu Ende. Als Graf Friedrich bei einem Bankett, das ihm die Mösfinger gaben, die schöne Lmasia sah, da wars aus mit dem Frieden auf dem Schlosse.
Es war, als ob ein böser Geist in ihn gefahren wäre; täglich ritt er durchs Steinlachtal und traf die Dirne, deren schwarze Augen ihn behext hatten; meine arme Herrin litt unter seiner rohen Behandlung und als sie endlich die Wahrheit erfuhr, da war sie geknickt wie eine Blume und ihre Wangen wurden bleich wie Linnen. In stillem Leid verzehrt wandelte sie wochenlang umher. ohne zu sprechen, die Augen von Tränen gerötet; Friedrich sah es nicht — oder wollte es nicht sehen. Mit ihrer schwindenden Schönheit schien seine Liebe zu tfjr zu erkalten und er beachtete sie nicht mehr; verlassen laß sie in ihrer Kemnate, in trübes Sinnen versunken. Und endlich — ich vergesse den schrecklichen lag nimmer — als er, erhitzt von Wem und gereizt von schlimmen Ratgebern, sie auf der Freitreppe traf, wo sie bleich und kummervoll zur Seite trat, als et mit feinen Trinkkumpanen erschien, fuhr er zornig auf; „Aus dem Wege, verdammtes Heiligengestcht! Habe rch eine Norm» geheiratet? Oder ein Gespenst mit klappernden Gliedern und hohlen Dangen? Nein, zum Teufel! Anders müssen die Weiber beschaffen fein, die ich liebe. Wenn sie mir nur wenigstens einen Erben geschenkt hatte! Aber auch das nicht! ' Die Unfruchtbare!"
„Da aber loderte der Stolz in der Herrin empor und hochaufgerichtet, mtt flammenden Augen schleuderte | sie ihm seine Treulosigkeit ins Gesicht, Wie ein wilder
Der Fall Jürgens.
Die Voruntersuchung gegen den Landgerichtsdi« vektor Jürgens ist neuerdings auch auf einen Betrugsversuch gegenüber dem Reichsfiskus ausgedehnt worben. Im Anschluß an den letzten fingierten Einbruch in seiner Stargarder Wohnung hatte Jürgens in seiner Eigenschaft als Untersuchungsrichter des Staatsgerichthofes, als welcher er dem Reichsjustizminisferium untersteht, bei dieser Behörde Antrag auf Schadenersatz für die ihm angeblich geraubten Wertgegenstände gestellt, unb der Reichsfiskus hatte auch bereits die entsprechenden Schritte eingeleitet. Weiterhin hat der Untersuchungsrichter hn Hinblick auf die in der Oeffentlich- keit gegen Jürgens erhobenen Vorwürfe wegen feiner Tätigkeit bei dem Generalkommando in Hannover während des Krieges nunmehr die Akten der Staatsanwaltschaft in Hildesheim und Eell« angefordert.
Schule und Volksbildung.
— Am Technikum Lemgo in Lippe fanden am 11. 12. und 13. März die Abschlußprüfungen für das Wintersemester unter dem Vorsitze der Staatskommissare statt. Von den an der Prüfung teil, nehmenden Kandidaten wurden 93 von der mündlichen Prüfung befreit. Es bestanden mit Auszeichnung 4, mit sehr gut 28, mtt gut 111, mit „bestanden" 26. Das Sommersemester beginnt am 29. April 1926.
Neues aus Frankfurt.
= HidfttmisbriefMUex i« .frankfurter haupfeabnhsf. Damit die Postbenutzer noch kurz vor Abfahrt eines Postzugek ohne Lösung einer Bahnsteigkarte Briefsendungen, auf deren Abbeförderung mit einem bestimmten Postzuge Wert gelegt wird, auSIiefern können, find jetzt an verschiedenen Stellen der Sperre des Hauptbahnhofs in der Näh« bei Abfahrtsgleises fünf RichtungSbrieflästen aufgestellt worden. Diese besonderen Briefkästen werden 30 Minuten vor Abgang aeleert und wieder geschloffen. Die Briefsendunne« gelancen ohne Durchsicht unmittelbar in die Bahnpostwagen der abgehenden Züge, wo sie gestempelt und werter behan. beit werden.
— Südwestdeutscher Druckertag In Frankfurt tu HL Am Sonntag, den 4. und Montag, den S. April, findet in Frankfurt a. M. der 2. Südwe st deutsche Druckertag statt. Die Empfangs- und Auskunftsstelle befindet sich m den Räumen des Frankfurter Berkehrsver- ein am Bahnhofsplatz 8.
= Frühling im Zoo. Der Garten hat fein österliches Gewand angelegt. Die durchgreifenden gartentechnischen Arbeiten stehen unmittelbar vor dem Abschluß. Ueberall grünt und blüht es und an den Weiherufern find die ersten Geflügel-Nachzuchten den Eiern entschlüpft. Die Vergrößerung der Robbenanlage mit an- chließendem Dressurplatz ist beendet. Die neuen, chönen nud zweckmäßigen Vergitterungen sind aufge- tellt. Alle Tiere, die sich bisher noch in den Winterquartieren befanden, wie tropische Raubvögel, Stolzvögel und andere sind wieder tn ihren sonnigen Frei- gehegen untergebracht. Große neue Tiertransporte sind soeben aus Hamburg-Stellingen elngetrof« fen, darunter außerordentliche, z. T. hier noch nie gesehene Seltenheiten. Während der Dftertage bei günstiger Witterung Reit- und Fährbetrieb mit den neuen Wagen im Wäldchen.
— Autofahrten des Frankfurter Derkchrsvereins. Die vom Frankfurter Verkehrsverein mit Beifall aufgenommenen alljährlichen Rund- und Fernfahrten mtt den großen Luxusautobusfen werden an den Dfterfeiertagen wie folgt ausgeführt. Am 1. und 2. Feiertag norm. 1054 Uhr: Stadtrundfahrt, nachm. 2 Uhr Feldbergfahrt über Cronberg-Königstein-Rotes Kreuz-Feldberg-Hohe- mark-Oberurfel-Ffm.; ferner nachm. 2 Uhr: Bad Hom- burg-Saalburg (Besichtigung des Römerkastells)-Bad Nauheim und zurück durch tza, Ufatal nach Ffm. Abfahrtsstelle für alle Fahrt« Frankfurter Berkehrsver. ein, Bahnhofsplatz 8.
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Eber fuhr er da auf, Schamröte auf den Wangen. Aber statt sein Unrecht einzusehen, verharrte er in Trotz und wahrlich — « hätte sein Eheweib mit Fäusten gepackt und die Treppe hinuntergeschleudert, wenn die Ritter, die um ihn standen, ihn nicht daran gehindert hätten. „Fort!" brüllte er, wie ein Wahnsinniger, „betritt nie wieder die Hallen meiner Burg! Ich will dein Gesichk nicht mehr in diesen Mauern sehen."
„3a, ich gehe", sprach di« arme Frau bebend, „ich mache einer andern Platz! Dich aber, Graf Friedrich von Zollern, treffe der Fluch des Himmels für deine schlechte Tat, dich und deine stolze Burg, aus der du mich heute verstößest."
Zur selben Stunde noch verlieh meine Herrin die Burg; ich war ihre einzige Segletierin. 3m Steinhause zu Mössingen, das ihr mit einem kleinen Leibgeding verschrieben ist, lebt sie seitdem zurückgezogen wie eine Witwe; Tag für Tag lenkt sie ihre Schrttte zu diesem kleinen Heiligtum, um durch inbrünstiges Gebet den Fluch von dem Haupte ihres Gatten zu lösen, den Fluch, der ihr in einem unseligen Augenblicke der Erregung unb der Bitterkeit über die Lippen geglitten war. Jetzt aber, wo ein Heer von Feinden die Burg ihres Gatten um- schwärmt, betet sie stundenlang in der Kapelle, Gott möge ihren Gatten, dem sie die am Traualtar geschworene Treue ihr Leben lang zu halten entschloflen ist, beschützen und fein verstocktes Herz auf den Weg der Gnade lenten „Glaubt Ihr, ehrwürdiger Mann, der hohe Himmelsherr werde ihr Flehen erhören? Ich kann es nicht glauben, denn allzusehr hat der böse Graf seine Gattin beleidigt und gekränkt. Ist bas nicht die Strafe", flüsterte sie scheu, „die den unseligen Mann trifft*
„Des Herrn Dege sind wunderbar", sprach der Rio- fterbruber ausweichend, „und Gottes Barmherzigkeit ist unerschöpflich wie das Meer." Er schämte sich für den Mann, der fo schmählich gehandelt hatte, unb der ihm so nahe stand; aber ein fester Entschluß stieg in seiner Seele auf: er wollte das ©einige dazu beitragen, daß diese gekränkte Frau zu ihrem Recht« kam.
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