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FuldaerZerlung

Anzeiger für die Sfabf und den kreis Aulda. Amtliches kreisblatt.

53. Zahrg

Mittwoch, 31» Hlärz 1926

Nr. 75

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagenr .Illustrierte Bei­lege' und .Buchenblütter'. Rotationrvruck und verleg der Nuldaer t ctxndrvüerel in Ftslba. llernsdrecker Nr- 9.

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Iie Veziehllvge« zwischen Jeutschland und Polen.

Vie Liquidation des deutschen (Eigentums.

' Lei den deutsch-polnischen Liquidotionsverhand- lungen war das Ziel der deutschen Regierung, zu einer Vereinbarung zu gelangen, nach der die pol­nische Regierung gegen eine entsprechende deutsche Gegenleistung aus eine Fortsetzung der Liquidation des noch vorhandenen deutschen Eigentums ver­zichtet. Nach längeren Erwägungen hatte die pol­nische Regierung erklärt, daß sie sich mnf auf Ver­handlungen über d a s s e n i g e Eigentum einlas­sen könnte, das noch nicht von der Liquidation er­griffen sei. Sie lehnte daher ab, über die Einstel­lung der bereits im Gange befindlichen Liquidatio­nen zu verhandeln. Die im Februar bei den Kom­missionsverhandlungen in Warschau von der polni­schen Delegation übergebene statistische Aufstellung ließ bereits erkennen, daß das von der Liquidation noch nicht ergriffene deutsche Eigentum kaum noch ein Berhandlungsobsekt bilden könnte. Die polnische Delegation stellte jedoch neue Listen über das freizupebende Eigentum in Aus­sicht, die den deutschen Wünschen mehr entsprechen würden, und erklärte sich gleichzeitig zu einer be­friedigenden Regelung der zahlreichen Fälle bereit, bei denen es zweifelhaft ist, ob wegen der Staats­angehörigkeit der Eigentümer im Hinillick auf die Wiener Konventionsbestimmungen eine Liquida­tion überhaupt stattfinden darf.

In dieser Hinsichl sieß sich ein b e s r i e d i g e n - des Ergebnis gleichwohl bisher nicht errei­chen. Die in Aussicht genommenen neuen Listen über das freizugebende Eigentum wurden am 4. 3. übergeben. In der Sitzung der Liquidationskom­mission am 25. 3. hat nunmehr die deutsche Dele- qation das Ergebnis der von ihr veranlaßten Prü­fung dieser Listen mitgeteilt. Nach Ausschaltung derjenigen Objekte, die nach deutscher Auffassung überhaupt nicht liquidierbar sind, verbleiben nur zwei Rittertümer, etwa 1500 Hektar an kleinem ländlichen Grundbesitz und außerdem nur wenige städtische Grundstücke und kleinere gewerbliche Unternehmungen. Ueber alles andere liqui­dierbare Eigentum ist das Liquidationsoerfah­ren schon e i n g e l e i t e t. Es schweben zurzeit solche Verfahren über 60» bis 70 000 Hektar länd­lichen Grundbesitzes, eine große Anzahl wichtiger Unternehmungen, wie Elektrizitätswerke, Handels­firmen, deutsche Zeitungen usw. Der angebotene Rest ist im Verhällnis dazu so gerina, daß seine irreiqabe die deutsche Gegenleistung nicht rechtfertigen, und weder in wirtschaftlicher noch politischer Beziehung die Wirkungen der bisherigen Entdeutschunaspolitik abschwächen könnte.

Die deutsche Delegation hat daher erklärt, daß sie auf das polnische Angebot nicht eingehen könne und hat mit aller Dringlichkeit ihren ursprünglichen Antrag auf vollständige Einstellung der Liquidation wiederbolt. Sie hat dabei auch darauf hingewie­sen, daß das v.on Polen bei Liquidationen beobach­tete Verfahren mit den Bestimmungen des Ver­sailler Vertrages nicht im Einklang sieht. Na­mentlich bleiben die bisher als Liquidationserlüs gezahlten Summen hinter dem wahren Wert der enteigneten Güter soweit zurück, daß alle von der Liquidation betroffenen Personen genötigt waren.

von der Ausnahmebestimmung Gebrauch zu ma­chen, die die Klage auf Z u s a tz e n t s ch ä d i g u n g vor einem gemischten Schiedsgerichtshof gestattet. Die auf diese Weise gegen die polnische Regierung eingerlagten Summen belaufen sich auf insgesamt 30 0 Millionen Goldmark. Das Schieds­gericht hat bereits ein Deweisurteil erlassen, aus dem heroorgeht, daß es die polnischen Schätzungs- Methoden nicht fürzulässig hält und daß mit der Zubilligung von Entschädigungen zu rechnen ist, wenn auch deren Höhe noch nicht feststeht. Gleichwohl werden diese Methoden von den polni­schen Liquidationsbehörden weiter angewendet, so­daß sich bei der Durchführung der schwebenden Ver­fahren die Entschädigungsverbindlichkeiten noch weiter um sehr beträchtliche Summen erhöhen müß­ten. Die deutsche Regierung hätte ein Recht darauf zu verlangen, daß Polen sich bei der etwaigen Fort­setzung der Liouidationen an die Bestimmunaen des Versailler Vertrages hält. Sie hofft aber, daß sich die polnische Regierung nunmehr entschließen wird, auf die völlige Aufhebung der Liquidation einzugehen, und damit eine Quelle dauernder Schwierigkeiten und Verstimmungen zwischen den beiden Staaten zu beseitigen.

Die polnische Kabinettskrise.

Die Meinungsverschiedenheiten innerhalb des polnischen Kabinetts sind durch ein kurzfristi­ges Kompromiß überbrückt worden. Der Ministerrat hat sich über das Budgetprovisorium für den Monat April geeinigt. Hiernach erhalten nur die fünf niedrig st en Beamtenkategorien die Dezemberaehälter. Alle anderen bekommen vorschußweise bis zum Inkrafttreten eines in näch­ster Zeit einzubrinaenden Besoldungsgesetzes die gekürzten Gehälter.

Der deutsch-schwedische Vergleichs­vertrag.

In dem deutsch-schwedischen Schiedsgerichts- und Vergleichsvertrag vom 14. März 1925 ist bekannt­lich für die Behandlung etwaiger politischer Konflikte zwischen den beiden Ländern die Bildung eines ständigen Vergleichsrats vorgesehen. Jede Partei ernennt zwei Mitglieder, von denen sie eins von ihrer eigenen Staatsangehörigkeit wählen darf, während der Vorsitzende im gemein­samen Einverständnis berufen wird. Der Vor­sitzende muß eine andere Staatsangehörigkeit be­sitzen als die anderen Mitglieder. Die Ernennung aller Mitglieder erfolgt auf die Dauer von drei Jah­ren. Die Deutsche Regieruna hat ihrerseits den Reichsgerichtspräsident Dr. Simons und den Vrofesior an der Universität Leyden, Ionkheer, Dr. W. I. M van Eysinga, die schwedische Regierung den früheren schwedischen Staatsminister Trygger und den früheren finnischen Ministerpräsidenten Tulenheimb zu Mitgliedern des Dergleichsrates gewählt. Zum Vorsitzenden ist im Einverständnis mit der schwedischen Regierung der Professor an der Universität in Genf, Dr. Eugen Borel, ernannt worden.

Rardinalstaatssekretär und Reichs­präsident.

Der Reichspräsident hatte dem Kardinalsstaats- sekretär G a s p a r r i in Anerkermung der Ver­dienste der Kurie um die Fürsorge für die deut­schen Kriegsgefangenen durch den Bot- schafter von Bergen die Große Denkmünze für Kriegsgefangenenfürsorge über­reichen lassen. Der Kardinalstaatssekretär hat nun» "lehr an den Reichspräsidenten ein Dankschrei­ben gerichtet, das in Uebersetzung wie folgt lautet.

»Die große Verdienstmedaille, die Ew. Exzellenz mir gütigst am 9. ds. Mts. übersandtest, ist mir außerordentlich willkommen, sowohl wegen der auserlesenen Wendungen der Höflichkeit, mit denen Sie dieselbe zu begleiten die Freundlich, keit hatten, wie auch in noch höherem Grade wegen der dankbaren Gesinnung, die darin zum Ausdruck kommt und die das edle deutsche Volk dem Heiligen Stuhle gegenüber hegt.

Dieser Akt Ihrerseits ist mir eine umso lebhaf- tere Genugtuung, als ich mir bewußt bin, daß der Heilige Stuhl, einzig und allein von der Liebe Ehrffti beseelt, alles tat, was in feiner Macht starch, um das Leid der Kriegsgefangenen und die darauf folgenden Nöten der Nachkriegszeit SU lindern, und ich kann versichern, daß er noch weit Ahr getan hätte, wenn die Mittel in höherem M."ße seinem Wunsch und Willen entsprochen hätten.

, Die Versicherung Ew. Exzellenz, daß mein be- Icheidenes Werk der Nächstenliebe und noch mehr oa^enige des Apostolischen Stulstes ewig im Ge- oachtnts der deutschen Nation fortleben werde, rr-

E höchster Zufriedenheit und lohnt über- etchlrch jenes Werk, von dem ich wünsche, daß es mit Gottes Segen alle feine Früchte tragen werde.

Ich bitte deshalb Ew. Exzellenz, den Ausdruck .aufrichtigen Dankes und meiner böchsten Wertschätzung entgegenzunehmen."

. ?! Abreise Dr. Rameks nach Prag. Ter öfter» «Wfäe Bundeskanzler Dr. Ramek ist am Montag Mag von Berlin zunächst nach Prag gereist. Zum Abschied hatten sich u. a. der Reichsaußen- Minister Dr. Stresemann und der österreichische Gesandte Dr. Frank und der tschechische Gesandte Dr. Ärofta eingefunden.

Gsterarbett der Reichsregierung.

wtb Berlin, 30. März. (<Eig. Funkmeldg.i. Der Reichskanzler ist laut B. Z. heule früh aus Freiburg wieder in Berlin eingetroffen. Osterpläne hat Dr. Luther noch nicht gefaßt, wahr- jcheinUch dürste er während der Feiertage in Berlin bleiben. Auch Dr. Stresemann hat sich noch nicht entschlossen, wie und wo er die Ostern verbrin­gen wird, da die Gcschöfslage des Auswärtigen Amtes einen fo frühzeitigen Entschluß nicht gestattet.

Vie Fürstenabfindung.

Am Montag abend fanden in Berlin sechs i roße Kundgebungen für die entschädigunaslose Enteignung der vormals regierenden deutschen Fürsten statt. In allen Versammlungen wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der von der Reichsregierung die sofortige Zuleitung des im Volksbegehren mit so überwältigender Stimmenzahl angenommenen Gesetzentwurfes für entschädigungSlose Enteignung der Fürsten an den Reichstag gefordert wird.

* Tas deutsche Eigentum in Amerika. Aus Washington wird gemeldet: Im Repräsentanten­haus wurde die Vorlage über die Rückgabe des deutschen Eigentums eingebracht.

* Besuch Doumergues in Belgrad? Eine in der „Chicago-Tribüne" veröffentlichte Meldung ans Agram besagt, in gut unterrichteten Kreisen spreche man davom daß der Präsident der französischen Republik, Doumergue, der südslawischen Hauptstadt Belgrad einen offiziellen Besuch abstatten werde.

Hus dem Semen Osten.

Der Rückzug der chinesischen Nationalarmee.

Der Oberbefehlshaber der Pekinger Kuomiu- tschun-Truppen, Lutschunglin, gibt bekannt, daß er den Rückzug der Nationalarmee auf der ganzen Linie angeotbnet habe, weil er glaube, ohne weiteren Kampf zum Frieden gelanaen zu können. Die Armee werde sich während der Fliedensverhandlungen ruhig der- halten. Bis dahin übernimmt Lutschunglin die volle Verantwortung für die Aufrechterhaltung der Ord­nung in Peking. Lutschunglin erklärte, durch die Verkürzung der Verbindungslinie sei die Stellung der Nationalarmee stärker geworden«

aus den Reiche Mussolinis.

Der bisherige Generalsekretär des Fascismus, Farinacci, kündigte in einer Rede, die er in Mailand gehalten hat, an, daß er sein Amt als Generalsekretär niederlegen werde. Farinacci wird nach Rom zurückkehren, um zusammen mit der bisherigen Parteileitung Mussolini seinen Rück­tritt einzureichen. Ueber die Nachfolge sind sich die Blätter noch nicht einig. Die einen glauben, daß Unterftaatsfefretär Italo Dalbo die Parteileitung übernehmen werde, während andere von einem Drei- oder Fünfmännerkollegium reden, an dessen Spitze der Abg. Augusto Turati stehen wird.

Die Blätter, und zwar auch die offiziösen, besprechen die Eventualität einer Verlobung des Kronprinzen mit der Prinzessin Mariavon Belgien.

*

Auf dem Landesparteitag der Groß- deutschen Volkspartei wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, die besagt, daß die Großdeutsche Partei einem Desinter es fernem an Südtirol niemals zusttmmen könnte und auch niemals darauf verzichten werde, daß die Ange­legenheit der deuffchen Südttroler als ein Mnder-

heitsprodlem vor den Völkerbund gebrachl werde.

Amerika und Ztalien.

wtb Conbon. 30. März. (<Eig. Funkmeldg). Bläftermelbungen aus Washington zufolge brachte Senator Reed im Senat eine Lntschließuna ein, die den Senatsansschuß für auswärttae Angelegen- Heiken ermächtigt, eine neue Untersuchung der Regelung aller auswärtigen Schulden zu veranstalten. Senator Smoot er­hob Einwände gegen die Enlfchl'eßnng. Senator Reed erklärte, der Friede Europas fei be- droht durchrNusfolini. Einer Rentermel- dung zufolge traten die Senatoren Reed und Robin­son für eine Dertagungder enlaültigen Entschei­dung über diese Frage bis nach der Zusammen­kunft der geplanten Abrüstungskonferenz ein. um Italiens tatsächliche Haltung gegenüber der Frage des Weltfriedens festzustellen.

Rumänien.

Betrauung Averescus mit der Kabinettsbildung.

wtt Bukarest, 30. März. (Eiq- Funkm.) Der König hat den General AvereScus mit der Bildung der neuen Regierung bettaut.

Am Grabe Constantin Fehrenbachs

Aus Freiburg f. Dr. schreibt unser Mitar­beiter:

Marx den Kranz der Partei und Fraktion an der Bohre nieder.

Aus allen deutschen Gauen, so führt Marx aus, sind Männer und Frauen hierhin gekommen, um unserem toten Konstantin Fehrenbach das letzte Geleit zu geben. Die Zentrumspartei trauert ganz besonders um >hn, deren Vorsitzender er seit Jahren war Seit Zwei Jah­ren war er der Vorsitzende der Zentrumsfraktion. Nächst Gott und feiner Familie gehörte seine ganze Kraft, sein warmes Herz, seine reichen Kenntnisse der Parier, un­serem Vaterlande und unserem Volke. Marx schildert dann eingehend die polittsche und parlamentarische Tätig­keit Fehrenbachs. seinen Kamps für die Rechte des Vol. kes, für die Rechte der Kirche, für das Wohl des Reiches. Wo Fehrenbach stand, da war Recht, da war Wahrheit, da war Freiheit. Das wußte das Volk, und darum war er allseits verehrt. Er hat die Gerechtigkeit geliebt und alles Unrecht gehaßt. Der Frattion war er ein Führer und die Fraktion stand hinter ihm. Er war uns in der Frattion ein Vater und ein Freund. Sein warmes, echt badisches Gemüt und fein gutes Herz hatten ihm immer wieder alle Schwierigkeiten überwinden helfen. Wir werden unserem Führer stets ein überaus ehren­volles Andenken bewahren, wir werden feiner im Gebet gedenken. Aber wir würden nicht im Sinne Fehren- dachs handeln, wenn wir uns nur darauf beschränkten: Wir wollen ihm folgen in der Pflichterfüllung. Ale katholische Ehristen sprechen wir in Ehrfurcht: Herr gib ihm die erotge Ruhe!

Als Vertreter der Reichsregierung spricht so­dann der Reichskanzler Dr. Luther:

Das ganze Volk, so führt er aus, trauert um einen feiner Besten und treuesten Söhne Wir tragen den letzten Präsidenten des alten Reichstages, den Präsiden­ten der verfassunggebenden Deutschen Nationalversamm­lung, den Vorsitzenden der Deutschen Zentrumspartei zu Grabe, beffen Eigenschaften ihn besonders dazu beriefen, ausgleichend, und gerade dadurch im Parlament schaffend zu wirken. Der Kanzler fchtldert, wie schwer Fehrenbach unter Deuffchlands Zusammenbruch gelitten und wie schwer er fpäier, mit der Bürde des Kanzleramtes be­lastet, in Spaa und London erkennen mußte, daß all fern heißes Streben, vom Gegner leichtere Bdingungen für Deutschland zu erzielen, vorerst noch ergebnislos blieb. Aber er verzagte nicht. Unermüdlich stellte er sich in den Dienst am deutschen Volke. Wir danken es nicht zuletzt ihm, wenn wir gerade im vergangenen Jahr über manche kritische Lage hinweggekowmen find. Die Volksgemeinschaft war für ihn fern leeres Wort, sie war eine Herzenssache, sie war ein Lebens­plan. Ein Kampier finkt mft Konstantin Fehrenbach ins Grab, ein Kampfer für des deutschen Reiches Freiheit und Recht, für des deuffchen Volkes Ehre und Wohl. Ein Kämpfer, den nicht nur feine politischen Freunde, den auch die deutsche Regierung schmerzlich entbehren wird. Nun ruht der Tote in seiner badischen Heimaterde, wo­hin den Lebenden so oft die Sehnsucht zog. Gott gebe ihm Frieden!

Für die badische Regierung sprach dann der Staatspräsident Trunk, für den deutschen Reichs­tag der Reichstagspräsident ß o e b e, für den badi­schen Landtag dessen Präsident Dr. Baumgart» ner, ferner der Oberbürgermeister der Stadt Frei­burg Dr. Bender. Weiter legten Kränze nieder und hielten Ansprachen Prälat Dr. S ch o f e r für die Zentrumspartei Baden und die Landtagsfrak­tion, ferner die hessische Zentrumspartei Dr. Nuß, Dr. K o p f für die Zentrumspartei der Stadt Frei­burg, ferner die Vertreter der einzelnen Reichs­tagsfraktionen, der Fraktionen des badischen Land­tages, Vertreter der Universität Freiburg, der Be­hörden, der Gemeindeverwaltungen, der Anwalts­kammer, der Studentenverbindungen, parlamenta­rische Vertreter des In- und Auslandes, Vertretun­gen von Vereinen und dergleichen.

Nach den Ansvrachen wurde der Sarg unter Dorantritt des Erzbischofs und der Geistlichkeit zum Grabe gebracht. Unmittelbar hinter dem Sarge gingen die Angehörigen des Verstorbenen, der Oberdürgermeffter der Stadt Freiburg, der Reichskanzler, die Reichsminister, die Vertreter der badischen Regierung, die Vertreter des badischen Landtags, die Mitglieder der Zentrumsfraktion, sowie dis Vertreter der Fraktionen des Reichs­und Landtags, sodann die Bürgermeister, der Stadttat, die Ehrenbürger, die Stadtverordneten, die Vertreter der Universität Freiburg, Reicks- und Staatsbeamte, die Geistlichkeit, Städtische Beamte, die katholischen farbcntragenden und übrioen Stu­dentenverbindungen, dis Vereine und Tausende der Trauergäste. A:n offenen Grabe nahm der Erzbischof die Einsegnung vor, woraus mit einem Ehor des Freiburger Männercieiangvereins die Feier obschloß

Der Sonderzug der Reichslagssraktton des Zen­trums und der Reichsregierung traf pünktlich um die zwölfte Mittagsstunde ein. Dem ersten Wagen entstiegen der Reichskanzler Luther, der Reichs- wehrminffter Geßler, der noch besonders vom Reichskabinett als Vertreter der Wehrmacht dele­giert wurde, ferner der Rsichsjufttzministsr Dr. Marx, der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns, der Minister a. D. Giesberts, Dr. Bell, der württemberaische Jufttzminifter Dr. Bolz, der preußffche Landroirischaftsminffter Dr. Steiger, der ehemalige Reichsjustizminister Emminger. Ferner kamen mit dem gleichen Zuge an die stell­vertretenden Vorsitzenden der Zenttumsftaktion von GuLrard und Stegerwald, ferner sämtliche Vorstandsmitglieder der Fraktion und annähernd dreißig Fraktionsmitglieüer, außerdem der Vor­sitzende der Bayerischen Dolkspariel und mehrere Mitglieder dieser Partei und Vertreter der Zen­trumspresse. Der Reichskanzler mürbe durch Den Staatspräsidenten Trunk und den Präsidenten der badischen Kammer Dr. Baumgartner sowie dem Oberbürgermeister von Fre-ourg begrüßt.

Die Sttaßen, die zum Friedhof führten, waren schon viele Stunden vor der Trauerfeier mit einer dichten Menschenmenge besetzt. Der Aufzug der Korporationen uub Vereine, u. c. auch des Reichs­banners, ferner der ftudentffchen Korporationen bet ein eindrucksvolles Bild. Dis Zahl der auswärtigen Trauergäste, die auf dem Friedhof sich sammelten, zählte nach vielen Hunderten. Fast sämtliche Ver­eine von Freiburg waren mit ihren Dannern er­schienen.

In der Friedhofekapelle war der Sarg Fehren- bachs aufgebahrt, umgeben von Hunderten Pracht- voller Kränze, unter anderem des Reichstages, der Reichsregierung, des Reichsrats, der Zentrumsfrak­tion des Reichstags, der gesamten Zenttumspartei, der badischen Zentrumspartei, der deuffchen Zen- tnunspresse und vieler anderer Vertretungen. Un­ter Führung des Reichskanzlers Luther fanden sich hier die Vertreter der Reichsregierung ein, ferner die Mitglieder der Zenttumsftaktion des Reichs- tages und Der Länder, Die Vertreter der Fraktio­nen der einzelnen Reichstagsparteien, die Delega­tionen der Zentrumsorganisationen, die Dertteter der hohen Gefftlichkeit, der Erzbischof von Freiburg Dr. F r i tz, der Weihbischof von Freiburg Dr. Bur- ger, die Vertreter der Universitäten ftr großem Or­nat, die Stadtverwaltung usw.

Die Trauerfeier gestaltete sich in ihrer Einfach­heit und Schlichtheit würdig des Dahingeschiedenen und voll tiefer und ergreffender Eindrücke für die Traueroer sammlung. Ein wundersam vorgrirage- nes Quartett des Stadtorchesters und ein stim­mungsvoller Dorttag des Freiburger Männer ge- sangvereins leitete die Feier ein. Die kttchlichen Zeremonien wurden von Sr. Exzellenz, dem Hoch- würdigsten Herrn E r z b i s ch o f, unter Assistenz der Geistlichkeit vorgenommen. Erzbischof Dr. Fritz hielt auch dann die Gedenkrede auf den Toten, er schilderte seinen Lebensgang, sein Lebenswerk und legte dar, wie Fehrenbach seine ganze Kraft immer wieder unter den schwierigsten Verhältnissen dem ganzen Volke widmete. In dieser, wie in den Reden der übrigen offiziellen Vertteter der Reichsregte- rung, die Siaatsregierung und der Parteien kam immer wieder zum Ausdruck, welch« ungeheure Bürde Fehrenbach als Kanzler auf sich genommen, und wie er in der Not des Vaterlandes, wenn auch schmerzgebeugt, seine Pflicht dem Volksganzra ge­genüber erfüllte. In dankbarer Liebe und in ver- Härter Hoffnung übergeben mir das, was an Feh- renboch sterblich ist, geweihter Erde. Der Erzbischof sowohl wie der Kanzler und andere Redner priesen übereinstimmend Fehrenbach als den Monn des Aus­gleichs, der dem Dürgerfrieden im Lande und im Reich zu dienen besttebt war. Im Sinne Fehren- dach? richtet Der Erzbischof Die Mahnung an Die Trauerversaminlung: Bruder seid einig und haltet Frieden!

Als Erster legt der Vorsitzende der Zentrums­partei für das deutsche Reich, Reichsminister Dr. |