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Nr. 74.
Anzeiger für die Stabt und den Kreis Fulda.
Erscheint 'echSmal wöchentlich. Wochenbeilagen: .Illnstrierte Beilage" und .Buchenblätter". Rotarwnroruck und Berlag der Fuldaer V rtiendrvckerei in Pttlbo. llernlvrecher Rr- 9.
Dienstag, 30. IHärz 1926.
Amtliches Kreisblakt.
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53. Zahrg.
Deutschland und Deutsch-Oesterreich
Der Besuch des österreichischen Bundeskanzlers in Berlin.
des Deutschen Reichs trug. Wenn wir von jenem für Oesterreich so erfreulichen Datum zurückdenken, an die beängstigenden und bedrückenden Sommertage von 1922, als Dr. Seipel vor Einleitung des Genfer Same- rungswerkss zu Dr. Wirth nach Berlin kam, als Oesterreichs Privatwirtschaft niedergebrochen schien, als Deutschlands Lage sich immer schwieriger gestaltete, und wenn wir dann mit dieser Erinnerung die heutige Situation unserer beiden Staaten vergleichen, dann glaube ich, dürfen wir wohl, den zurückgelegten Weg überblickend, eine gewisse Genugtuung empfinden. Unsere Staatshaushalte sind in Ordnung, unsere Währungen gesichert; unsere Wirtschaften haben den Tiefpunkt einer schweren Genesung und Anpassungskrise bereits durchschritten: unsere Beziehungen zu den fremden Staaten haben sich bedeutend gebessert, und wenn die Hoffnung nicht trügt, nähern wir uns unaufhaltsam einem von „allen guten Europäern" ersehnten Zustand, einem auf wahrer Volksoersöhnung verankerten europäischen Frieden.
Die ganze Welt legt nunmehr Wert darauf, der deutschen Mitarbeit auf dem Wege zu diesem herrlichen Ziele teilhaftig zu werden. Ist es nicht ein Zeichen und vielleicht das schönste, dafür, daß jahrelange Finsternis dem Hellen Lichte zu weichen beginnt, und wenn auch noch zögernd und schwankend ein neues Europa im Werden ist.
Es geht vorwärts auf allen .^bieten des Lebens in unseren beiden Staaten. ..
Wer ist es, der dies bewirkt, den. Re Ehre gebührt, diese gewaltige Aenderung in der internationalen Stel- lunq unserer Staaten vollbracht zu haben? Es ist das deutsche Volk, das in den Werkstätten u. Laboratorien, in den Kontors und auf den Aeckern Deutschlands und Oesterreichs mit Hammer und Meisel, mit Feder und Pflug, die Geschichte seines Wiederaufstieges aus tiefster Not verzeichnet.
Jeder Stamm des deutschen Volkes schreibt ein eigenes Kapitel dieser Geschichte. Der Rhythmus ist verschieden, aber die Sprache ist gleich und gleich ist der Glaube an eine bessere, freie deutsche Zukunst.
Auf diese Zukunft erhebe ich mein Glas. Ich trinke auf das Wohl Ew. Exzellenz und Sr. Exzellenz des Herrn Reichsaußenministers, auf das Wohl Sr. Exzellenz des altverehrten Herrn Reichspräsidenten v. Hindenburg und auf dos Blühen und Gedeihen des Deutschen Reiches.
Zu Ehren des österreichischen Bundeskanzlers fand in der Staatsoper eine festliche Aufführung der Oper „Fidelio" statt, die einen glänzenden Verlauf nahm. Von der Staatsovsr begab sich Bundeskanzler Dr. Ramek in die österreichische Esesandtschost,
Der österreichische Bundeskan^er Ramtzk machte am Montag vormittag in Begleitung des Reichsaußenministers Dr. S t r e s e m a n n, der Staatssekretäre von Schubert und Dr. Meißner, des bayerischen Gesandten Dr. von Preger und der Gesandten Morath und Köster mit ihren Damen einen Ausflug nach Potsdam. Dort wurde das Schloß Sanssouci, das Stadtschloß und das neue Palais besichtigt. Die Rückreise nach Wien erfolgt um 1 Uhr.
Paris über die Berliner Reife Dr. Ramels.
Der Besuch des österreichischen Bundeskanzlers Ramek in Berlin veranlaßt den „Temps" zu der Aeußerung, daß dieser nicht ohne Grund es für nützlich gehalten habe, von vornherein den Charak- ter und das Ziel seiner Reise zu umschreiben Ramek erwidere einen Besuch und wolle seinen Aufenthalt in Berlin dazu benutzen, um gewisse Fragen der österreichisch-deutschen Handels b e z ieh u n gen zu besprechen, wie er auch seinen Besuch in Prag benutzen wolle, um die Ver- Handlungen für den Abschluß eines Handesvertrages vorzubereiten. Ramek wollte offenbar dadurch bekunden, daß die gesamte Politik seiner Regierung sich von rein wirtschaftlichen Fragen leiten lasir, und er wolle zweifelsohne jed v anderen Interpretierung seiner Demarche dadurch Vorbeugen, daß er bestätige, daß die Regierung von Wien den Friedensverträgen treu bleibe und dos Ziel, das er zu erreichen suche, einfach und klar sei, nämlich die Anstrengungen zu verdoppeln, um die wirtschaftliche Notlage des österreichischen Volkes zu erleichtern, und es in den Stand zu setzen, ehrenhaft von seiner Arbeit zu leben.
Aus Anlaß des Besuches des österreichischen Bundeskanzlers Dr. Ramek in Berlin fanden eine Reihe von Empfängen und Besprechungen statt. Reichskanzler Dr. Luther gab am Sonntag abend zu Ehren des österreichischen Bundeskanzlers Dr. Ramek ein Esten, an dem die Reichsminister Dr. Stresemann, Stingl, Haslinde, Dr. Marx, Dr. Brauns und Reinhold teilnahmen. Von österreichischer Seite waren neben Bundeskanzler Dr. Ramek und dem österreichischen Gesandten Dr. Frank noch Gesandter Iunkar, Generalsekretär Dr. Peter, die Sekttonschefs Dr. Schüller und Hoiicky, mehrere andere Herren des österreichischen Gefolges und der österreichischen Gesandtschaft sowie der Vorsitzende de? deutsch-österreichischen Klubs, Schmidt, erschienen. Unter den Gästen befanden sich u. a. ferner Reichsbankpräsident Dr. Schacht, preußischer Kultusminister Dr. Becker, Gesandter von Keller, die Staatssekretäre von Schubert, Kemper und Meißner und verschiedene Mitglieder des Reichsrates. Im Laufe des Estcns hielt Reichskanzler Dr. Luther folgende Ansprache:
Herr Bundeskanzler! Lasten Sie mich mit einigen Worten den Gedanken Ausdruck geben, die uns alle in diesen Tagen beseelen, indem Sie als Vertreter des uns so herzlich befreundeten Nachbarstaates bei uns weilen. Wie immer, wenn Vertreter der beiden Staaten in größeren Veranstaltungen zusammenkommen, werden in uns dis gemeinsamen Erinnerungen und die Gefühle treuer Freundschaft lebendig, die unzerstörbar zwischen dem Deutschen Reiche und Oesterreich bestehen. Wir gedenken besonders der starken und wechselseitigen kulturel- ilen Strömungen, die seit alter Zeit verbindend und be- ffruchtend zwischen den beiden Staaten geflossen sind. Wir gedenken in Deutschland Wiens, als einen der fruchtbarsten Ausgangspunkten deutscher Kultur. Wie sich aus literarischem und künstlerischem Gebiete die schöpferischen Kräfte Oesterreichs und des Reichs gegenseitig fördernd ergänzen, so ist es auch auf dem Gebiete der Wissenschaft und des praktischen Lebens. Ich darf insbesondere an den Gedanken der Rechtsanglei- ,'chung erinnern, die Handel und Wandel in den beiden Staaten möglichst unter die gleiche rechtliche Norm stellen will. Bei alledem wird'es uns zur Tröstung und festen Gewißheit, daß unsere geistige Einheit ein unverlierbares Gut ist, was auch immer die politische Entwicklung den Staaten sonst bringen mag.
Seit vor zwei Jahren mein Herr Vorgänger der Herr Reichsaußenminister in Wien festlich empfangen worden, hat sich für Ihr Larrd, wie für das unsere, die allgemeine Lage zweifellos gebessert. Sie hatten damals gerade die erste Stufe des schweren finanziellen Wiederaufbauwerkes unter der weisen Führung Ihres Herrn Vorgängers, des Bundeskanzlers Dr. Seipel, hinter sich. Wir unsererseits steckten noch mitten im ersten Ringen um die Selbstbehauptung auf dem glücklich wiedergewonnenen Boden einer festen Währung. Es ist unverkennbar, daß seit der damaligen Zeit sich die wirtschaftlichen Verhältnisse sowohl in Oesterreich als auch im Reiche wesentlich gebesiert haben. Doch auch heute noch bedrängt auch hüben und drüben wirtschaftliche Not und stellt höchste Anforderungen an das vaterländische Pflichtgefühl aller Volksteile. Allmählich hat .auch in Europa nach den starken Gegensätzen der Kriegs- Aeit die Erkenntnis der Notwendigkeit verständnisvoller kZufammenarbeit an Boden gewonnen.
| , Lasten Sie mich der Hoffnung Ausdruck geben, daß jdiese Entwicklung sicher und stetig fortschreitet, wenn sie sich auch langsamer vollziehen mag, als wir es wünschen. Sie wird zum Heile sowohl Oesterreichs wie des Reiches Iwerden, und ich bin gewiß, daß sich unsere beiden Länder dabei stets in gemeinsamer Front befinden werden. I In diesem Sinne bitte ich Sie, die besten und herzlichsten Wünsche des Reiches für Oesterreich entgegen« tzunehmen. Ich erhebe mein Glas und trinke auf Ihr Wohl, Herr Bundeskanzler!
Hierauf erwiderte Bundeskanzler Dr. Ramek:
Herr Reichskanzler! Ich danke Ihnen von Herzen für die freundlichen Worte der Begrüßung, die Sie an mich zu richten die Güte hatten und für all die Liebenswürdigkeiten, die mir hier in der lebenskräftigen Hauptstadt des großen Deutschen Reiches in so überwältigendem Maße zu teil wird.
Sie haben, Herr Reichskanzler, in Ihrem Trinkspruch on den Wiener Besuch Ihres hochverehrten Amtsvor- Srs, des Herrn Dr. Marx und des ausgezeichneten es erinnert, der heute an Ihrer Seite schon damals die Last der Verantwortung für die Außenpolitik
Aus Öen Parlamenten.
Preußischer Landtag.
Nach Erledigung kleiner Vorlagen beschäftigte sich der Landtag am SamStag mit der zweiten Beratung des Fnitiativgesetzes zur Aenderung des Gewerbe- und Mandelsledrerdiensteinkommengesetzes. Danach kön- |nen zur Deckung der Schulunterhaltungslosten die Gemeinden
Schulbeiträge
erbeben. Der gesamte Betrag der Schulbeiträge darf die Hälfte der veranfchlagmäßigen durch Zuschuß aus öffentlichen Mitteln und sonstigen Einnahmen der Berufsschulen nicht gedeckten laufenden Unterhaltungskosten sämtlicher Berufsschulen der Gemeinden nicht übersteigen. Unter Ablehnung aller Ab« anderungsanträge der Opposition wurde diese Vor- ™fle ™ zweiter und dritter Beratung sowie in der vchlußabstimmung angenommen.
, 7?^ne Tratte fand der Antrag des Hauptaus- fucht d Z«s"mmung, der das Staatsministerium er»
Preußischen Zentralgenosf-enschäft gegenüber für die Zeit bis zum 1. April 1927 bie Ausfallbürgjchaft bis zu 15 Millionen Mark zu übernehmen für den Fall der Nichteinziehbarkeit von «redrten, bie_ die Zentralgenofsenschaft zu Beschaf- fung von Düngemitteln bis zum 1. Juni geneben 9Qt. Tas Haus vertagte sich sodann bis nach Ostern
Deutscher Reichstag.
Das Haus fehle am Samstag zunächst die dritte «Beratung des Reichshaushaltsplans beim Haushalt
des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft fort. Nach kurzer Debatte wurde der Haushalt gebilligt und die
Getreidehandelsvorlage
gegen die Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen. Diese Vorlage will aus Mitteln der Reichsgetreidestelle an ein unter Mitaufsicht der Reichsregierung stehendes berufständiges Organ einen Kredit von 30 Millionen gewähren, um durch ge- einnete Maßnahmen Schwankungen des inländischen Roapenpreises entgegenzuwuken.
Mit der dritten Beratung des Haushalts der allgemeinen Finanzverwaltung wurde die zweite Beratung des
Steuermilderungsgesetzes
verbunden. Gegen Vs 10 Ubr abends wurde die Steuermilderungsvorlage in der Schlußabstrmmung in der Ausschußfassung
angenommen.
Desgleichen wurde der gesamte Etat in dritter Lesung gegen die Stimmen der Kommunisten und Völkischen bewilligt. Nach Annahme einer Reche weiterer Entschließung'N
vertagte
sich das Haus auf Dienstag, den 27. April.
* Verlobung des italienischen Kronprinzen. Dich „Popo'o dr Roma" berichtet aus Brüffel, daß der O terbetuch der Prinzessin Mari« von Belgien in San Rossore, roobtn sich das italienische Königspaar begeben hat, als Vorspiel der Verlobung mit dem italientjchen Kronprinzen betrachtet wird.
W WetzunBeierlichkeitev in Freiburg.
Samstag nachmittag vereinigten sich die Mitglieder des Reichskabinetts zu einer kurzen Gedenk- feier für den verstorbenen Reichskanzler a. D. Feh- renbach.
Reichskanzler Dr. Luther widmete dem Dahm- aeschiedenen folgende Worte:
„Mit tiefem Schmerz haben wir die Kunde von dem Heimgang des früheren Reichskanzlers, Herrn Fehren- bach, vernommen Wir bedauern nicht nur den Verlust eines gütigen Menschen, eines opferbereiten und pflichtbewußten Patrioten, eines hervorragenden Führers, er war für uns noch mehr: em selbstloser gütiger Freund, der uns stets mit feinem Verständnis, mit klugen Rat und mutiger Tat zur Seite stand, so oft wir in schwieriger Lage seiner Hilfe bedurften. Er selbst hat ja einst hier in diesem Hause gewirkt zu einer Zeit, als die Bürde des Kanzleramtes sicher nicht leichter drückte als heute. Er war der erste Kanzler des Deutschen Reiches, der mit den ehemaligen Kriegsgegnern zu persönlichen Verhandlungen kam. Daß sie nicht zu dem heiß ersehnten Ziele führten, das er erhoffte, lag in der Macht der Verhältnisse, die Zeit war damals für Verhandlungen unter dem Zeichen wirklicher Gleichberechtigung nicht reif. Seine
ganze Kraft, fein reines und edles Wollen hat er ein«,«. sitzt für das deutsche Volk und das deutsche Vaterland. Damals wie stets vorher und nachher bis zu seinem Ende. Sein Andenken wird unvergessen bleiben."
Im Anschluß an die Feier fand eine Kabinettssitzung statt, in der laufende Angelegenheiten er- ledigt wurden.
Reichskanzler Dr. Luther ist Sonntag abend in Begleitung des Reichsministers Dr. Marx zur Teilnahme an den Beisetzungsfeierlichkeiten für den verstorbenen Reichskanzler a. D. Fehrenbach nach Freiburg i. Br. abgereist.
Bei den Trauerfeierlichkeiten werden u. a. sprechen ReichskanAer Dr. Luther, Reichstagspräsident Lobe und Reichsjustizminister Dr. Mar x. Ferner werden sprechen für die katholischen Studenten Deuffchlands Dr. Steiger und für die Demokraten Dr. H a a s. Außer dem Reichskanzler werden von der Reichsregierung noch Dr. G e ß l e r und Dr. Brauns erwartet.
Zentrum und Fürstenabfindung.
Der Reichsparterausschutz.
Der Reichsparteiausschuß des Zentrums trat am Sonntag unter dem Vorsitz des Reichsjustizministers Dr. Marx im Reichstag zu einer Tagung zusammen, die aus allen Teilen des Reiches gut besucht war. Vor Eintritt in die Verhandlungen widmete der Vorsitzende dem verstorbenen Ehrenvorsitzenden der deutschen Zentrumspartei Fehrenbach einen warmen Nachruf. Minister Dr. Marx hielt dann ein mit großem Beifall aufgenommenes Referat über die politische Lage. Dann sprach der General- sekreter des Volksvereins über das katholische Deutschland, Dr. Hohn über die Frage der Fürstenabfindung. Reichstagsvizepräsident Dr. Bell erläuterte die Einzelheiten des Komvromißgefrtzentwur- fes. An die Referate knüpfte sich eine sehr eingehende Aussprache, die sich bis in die späten Nachmittagsstunden hinzog. Sämtliche Redner erkannten die von der, Reichstaasfraktion geleistete Arbeit an. Das Ergebnis der Aussprache war die einsttm- mige Annahme folgender Entschließung:
„Der Reichsausschuß der Deutschen Zentrums- Partei stellt nach eingehender Verhandlung der
Pom Völkerbund.
Einladung Deutschlands zur Teilnahme an der Studienkommission.
Vom Generalsekretariat des Völkerbundes ist — wie eine Berliner Korrespondenz berichtet — nunmehr an den Reichsaußenminister eine Mitteilung über die Bildung der Studienkommiffion zur Frage der Ratserweiterung eingegangen.
Gleichzeitig wurde die Reichsregierung ersucht, dem Generalsekretär ihren Vertreter zu benennen, der an der am 10. Mai in Genf beginnenden Arbeiten der Studienkommiffion teilnehmen soll.
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wtb Berlin, 29. März. (E'g. Funkm.) Das Reichskabinekt hak der „K I." zufolge zu der Aufforderung, sich in der Genfer Studlen- fiomtniffion für die Ratserweikerung verkre- len zu lassen, noch nicht Stellung genommen. Die das Blatt wissen will, scheint eine Rücksprache darüber notwendig zu sein, welche Art von Stellung den deutschen Vertretern in der Studien-Kommission zugedacht ist.
* Reichspräsident von Hindenburg ist auf dem Rittergut des Freiherrn v. Marenholtz in Groß- Schwülper (Braunschweigs eingetroffen, wo er die Ost er tage zu verbringen gedenkt.
* Das Befinden des Gesandten Pfeiffer ist nicht so ernst, wie er nach der Mitteilung vom Samstag erscheinen konnte. Zutreffend ist nur, daß Pfeiffer wegen seines Herzleidens vom Arzt strenge Schonung auferlegt worden ist.
* Aus der Diplomatie. Havas berichtet au8 Lissabon: Der neue portugiesische Gesandte in Berlin, Battalla Frertas, hat sich auf seinen Posten begeben. ____ _________
Die wirren in China.
Japanischen Meldungen zufolge will Tscheng Tso-Lin nach der Einnahme der Hauptstadt nicht mehr weiter kämpfen. Wu Pei-Fu beabsichtigt jedoch, eine antibolschewistische Expedition gegen Kalgan, das Hauptquartier Kuomint- schuns und gegen Kanton zu unternehmen.
Mit dem Vorrücken der verbündeten chinesischen Armeen von Tientsin auf Peking kam, wie Reuter meldet, der Bürgerkrieg in ein sehr w i ch- tiges Stadium. Die Absicht der Kuomint- schun-Führer gehe dahin, dem Vormarsch der Verbündeten sich stark zu widersetzen, während die Friedensverhandlungen fortgesetzt würden. Inzwischen würden die unaufhörlichen Anstrengungen fortgesetzt, um Geld zur Bezahlung der um Peking ' zusammengezogenen Kuomintschün-Trup- pen zü erlangen.
Die Lage in Kanton.
wtb. London, 29. März. «big. Funkm.j „Times“ berichtet aus Hongkong: Die Lage in Kanton ist unverändert ernst. Die Bewegung gegen aus- ländische Einrichtungen nimmt an Umfang zu. Ein Hospital in Wutschau sowie die Daptisten-Mission in Kweilin sind bedrohst Britische und amerikani- lcke Kanonenboote sind abaefandl worden.
Frage der Auseinandersetzung über die Fürstenvermögen einstimmig fest, daß die Reichstagsfrok- tion als zunächst berufene Instanz der Partei in die- fer Frage den Weg gegangen ist, der den Grundsätzen der Partei entspricht. Der Gesetzentwurf, der dem Volksbegehren zugrunde gelegt worden ist, steht zu diesen Grundsätzen in schroffem Widerspruch. Der Reichsausschuß spricht daher der Fraktion fein volles Vertrauen aus. Er ist mit ihr darin einig, daß in dieser schwierigen Frage eine Lösung gefunden werden muß, die die allgemeine Verarmung des deutschen Volkes und die Pflicht aller Volksgenossen, die Folgen des verlorenen Krieges mitzutragen, in vollem Maße berücksichtigt, aber auch den in der Verfassung der Deutschen Republik gewährleisteten Schutz des Privateigentums und den christlichen Rechtsgrundsätzen Rechnung trägt. Der Reichsausschuß ist überzeugt, daß die Fraktion mit allem Nachdruck dahinstreben wird, -ine beiden Notwendigkeiten entsprechende Löjung zum schleunigen Beschluß zu bringen."
(Eine Reformierung des Kalifats?
wtb. London, 29. März. (CEig. Funkm.) „Daily News" meldet aus Kairo: 3m 3slam ist die Bewegung zugunsten der Errichtung eines nach modernen Gedanken radikal reformierten Kalifats der Oberinstanz des Rkohammedanismus. ständig im Wachsen begriffen. Der Hauptgedanke ist, das Kalifat zu einer Vertretung ordnungsmäßig akkreditierter Delegierter der ganzen mohammedanischen Welt umzugestalten. Den Vorsitz dieser Versammlung soll ein Titular-Kalis führen. Hinter dieser Organisation soll als Realmacht ein Bund der mohammedanischen Staat en stehen. Ein ständiger Kalifsrat in Mekka werde ein Faktor der Weltpolitik darstellen, der für alle am Orient interessierten Großmächte In erheblichem Maße von Bedeutung sein werde. Der vom Al Azhar Kalifats-Komitee für Monat Mui noch Kairo einberufene mohammedanische Kongreh, der über die Dahl eines neuen Kalifen beraten soll, könne rasch zu Ereignissen führen, deren Folgen noch nicht abzusehen seien.
* Das Kabinett Bcatianu in Rumänien hat demissioniert. Der König von Rumänien begann die Verhandlungen übet die neue Regierungsbildung mit Manin, dem Führer der gegenüber der bisher regierenden liberalen Partei mehr linksgerichteten Nationalparrei.__________
Gedenkfeier in Oppeln.
In der mit Tannengrün und Flaggen reich geschmückten Stadt Oppeln fand am Sonntag unter Beteiligung der Spitzen der Behörden aus der ganzen Provinz Oberschlesien und Tausenden von Ein- wohnern aus ullen Schichten der Bevölkerung die Gedenkfeier anläßlich der fünften Wieder» kehr des Abstimmungstages in Oberschlesien statt. Als Vertreter der Reichsregte- rung waren erschienen Reichsinnenminister Dr. Külz, als Vertreter des Reichswehrministers Generalleutnant von Kayser. Die preußlschr Re-- gterung entsandte Innenminister Seoering. Minister Dr. Külz und Minister S e v e r i n g sprachen über die Bedeutung der Ostmark. Severing mahnte in seiner mit Begeisterung aufgenommenen Rede die Männer und Frauen Oberschlesiens, den Kampf nicht als ausgefochten zu betrachten. Ich spreche hier nicht von einem Kampf mit dem Rüstzeug der Gewalt, sondern von einem Kampf mit den Waffen des G e i st e s, in dem wir siegen müssen, wenn jeder auf seinem Posten steht. Sie hier in der Grenzmark haben eine schwere Aufgabe für das ganze deutsche Volk zu erfüllen. Sie sind das Bollwerk im Osten. Sie sollen darüber wachen, daß nicht ein Finger breit deutschen Bodens verloren geht, und daß deutsche Sitte und^Kultur unversehrt dem Deutschtum erhalten
Gegen Abend verließen die Minister Oppeln. Unter den eingegangenen Glückwunschtelegrammen befindet sich auch ein solches vom Ob er Präsidenten der Rheinprovinz.