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2. Blatt.
Druck der Juldaer Arkiendruckersi, Fulda.
Palmsonntag.
Der Herr bedarf ihrer.» (?t>.
Hosanna! Das Volk von Jerusalem scheint viel für den Herrn übrig zu hoben. Aber es hatte am Freitag ter gleichen Woche, da es „Kreuzige" rief, wohl noch dieselben Kleider an, die es am Sonntag zuvor auf den Weg gespreitet hatte. Genau gesehen. hatte es nur einen Esel für ihn übrig, was darunter hinaus ging, das Geschrei nämlich, war nicht Gabe, sondern Forderung. „Sei unser Brot- und Magenkönig", sollte das heißen. Darum weint der Herr in den Jubel des Volkes hinein.
So könnte also das Palmzweigle'm dem, der es hält, gar wohl ein eindringlich Sprüchlein sagen, wenn er es verstehen und hören wollte. „Schau mich an, würde es sagen, und denk an Deine Eitelkeit. Wie oft hast Du Dich von ihr auf einen Esel setzen lassen, ohne daß Du es wußtest und ohne daß Deine Absicht war, sanftmütig und demütig zu sein. Und Du hast das Hosanna geschluckt, wie etwas, das ganz und richtig daher gehört. Wenn Du das Kreuzige noch nicht gehört hast, das immer darauf folgt, so liegt das nur daran, daß Du taube Ohren hattest. Und schau, da steht im Evangelium das Wörtlein „Der Herr bedarf ihrer". Das dürf- Zest Du ruhig auf Dich beziehen. Jawohl, der Herr bedarf Deiner, und vor Deiner immer sprung- berester Eitelkeit kannst Du Dich nur retten, wenn Du Dich entschließest, ganz und gar Gottes zu werden. Das für eilte Ehre haben wir denn auch, wenn trn: von Gott keine Ehre haben? Dann erst würdest Du auch, seist Du, was Du seiest, für die Menschheit etwas bedeuten, sähest ungeblendet immer nur das Rechte und tätest es auch, ganz gleichgültig, ob die Menschen Dich loben dafür oder nicht. Und wenn sie drum selbst Kreuzige riefen, Du ständest stark wie der Heiland, weil Du neben ihm stän- test. Käme dann auch Deine Ehre erst hinter dem Grabe, gleich wie bei'm Auferstandenen, was verschlüge das denn? Verderbt ihr Menschlein euch nicht immer alles dadurch, daß ihr Eure Ehre vor» zeitig pflücken wollt?"
So etwa würde das Palmzweiglein predigen, wenn wir Zeit für es hätten. Iodokus.
Wissenschaft und Forschung.
--- (Eine fechzehnsäkirlge üllmaschwankuna. In neue -■rtr Zeit hat man vielfach versucht, gewisse Perioden in den Klimaschwankungen nachzuweisen, doch sind diese Berechnungen nicht immer ohne Widerspruch geblieben. Nun hat A. W a g n e r in den Sitzungsberichten der Aka- diemie der Wissenschaften in Wien berechnet, daß sich in der langen Temperaturreihe 1776 bis 1919 in Wien tme 16jährige Klimaschwan' ■ nachweisen läßt, d. h. baß die Unterschiede zwischen ■ Temperatur des Sommers und des vorhergehenden Winters mit einem 16- jährigen Rhythmus hin und her schwanken. Bemerkens- wert ist, daß die Periode auch an einer Reihe anderer Stationen in Mittel- und Südeuropa gefunden wurde. Die Amplitude (Schwingungsweite) scheint in Mittelruropa am größten zu sein und von dort nach Norden u. Süden allmählich abzunehmen. In der Linie Stnkkis- holm auf Island, Stockholm, Petersburg ist sie erloschen, um dann nordwärts wieder deutlich, aber mit entgegengesetzter Pbase, aufzutreten. Im Maximum der Periode treten in Mittel- und Südeuropa strenge Winter und warme Sommer auf, während gleichzeitig in den höberen Brerten sich milde Winter und küble Sommer gegenüberstehen. Das besagt, daß in Mitteleuropa dann die Kon- tmentalität verstärkt wird, im hohen Norden sich dage- am mehr ozeanische Einflüsse geltend machen. Beim Minimum ter Periode liegen die Verhältnisse umgekehrt.
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Sterbefälle vom 19. bis 26. März 1926.
20 Ehefrau Martina Kalb, geb. Kapp, 56 J„ 11 M., 19 T. Kind Thomas Waloch, Maberzell, 2 M., 15 T. Kind Maria Hildegard Gärtner, ans Neuenberg, 10 M„ 17 T. 21. Haushälterin Luise Rübsam, aus Niederrode, 29 I., 3 M., 16 T. 23. KaufmannS-Witwe Luise Schmidt, geb. Hüldenitein, 83 I., 2 M., 18 T. DWküsterS-Witwe Anna Eleonore Hülsmann, aeb. Mberger, 59 I., 3 M., 21 T. 24. Privatin Witwe wteggteiir Waider, geb. Gchleichrrt, 80 I„ 6 M., 13 T. ckß. Kind Karl Kurt Scbliher, 6 M, 21 T.
Rund um die Woche.
Völkerbund und Taubeufchwarm. — Die Heimkehrenden. — Der sichtbar gewordene Doppelboden. Anarchie. — Das Garstem und d e Laube. — Spatzen.
Das ist nun der Völkerbund. Ausgeflogen wie ein Taubenschwarm. Ach, daß es nur ein Taubenschwarm gewesen wäre. Nein, so unschuldig Harm» los scheint dies Gefieder doch nicht zu sein. Allerdings sagt man von den Tauben, daß sie untereinander gor nicht so friedlich lebten, wir es von weitem ausfieht. Sie schauen einander ins Nest. Sie fressen einander die Jungen weg. Sie sind bissig, sie sind unverträglich. Sie sind neidisch. Und so paßt der Vergleich denn doch, zumal wenn man bedenkt, daß sich die Tauben nach außen hin so betragen, daß man davon gar nichts merken soll. Also aufgepslo- gen. Was nun?
Zunächst sind die Herren einmal in chre Heimat gereist. Der Deutsche kam füll nach Haus. Er hat feine Pflicht getan. Zu Ovationen ist kein An. laß, und dann ist das im Deutschland von heute überhaupt eine gefährliche Sache. Es endet halt zu oft kn einer allgemeinen Keilerei. Briand kommt von Genf nach Paris sozusagen vom Regen in dle Traufe. Die Steuern find den Franzosen wichtiger als der Völkerbund. Und dann, wer kann es wissen. Sie sind am Ende ganz zufrieden, daß Deutschland seinen Triumph nicht so billig bekommen hat. Eine Huldigung, wie sie da am Schluß in Genf vor sich ging, wird doch von vielen in Frankreich immer noch als eine Beleidigung der großen Nation empfunden. Und Chamberlain? Es geht nichts über ein Land mit großer Tradition. Da könnten wir von den Engländern lernen. Er hat fein Land vertreten, und das Land hält darauf, daß man wenigstens vorerst solidarisch zu ihm stehe. Selbst die Arbeiterpartei verzichtet auf jegliche Dsmonstri-- tion. Vornehm geht die Welt zugrunde. Wir in Deutschland könnten uns ein Beispiel nehmen nicht nur an der Art, wie man in England unbedingt das Land über die Partei stellt, sondern auch, wie man die Form achtet. Selbst wenn der Inhalt faul ist, man zerb rittst nicht die Sache. Denn in jedem Falle duftet es bann noch mehr. Am Ende aber war man mit Chamberlain ebenfalls zufrieden. Wer kann es wissen? Treibt man einmal Politik mit doppeltem Boden, dann muß man genau achtgeben, daß man die beiden Böden nicht miteinander verwechselt. Aus dem einen lacht man, auf dem ante ren wird gemeint. Unten Fluch und oben Segen. Unten das Silberzeug und oben das Blech. Ich kannte einen Herrn, ter feinen Gästen stets Zigarren anbot aus einer erstklassigen Kiste. Aber die obere Schicht wurde immer ersetzt durch eine geringere Sorte. Bis eines Tages bei einer fröhlichen Runde das Geheimnis entdeckt wurde. Das war nun allerdings Enttäuschung und Vergnügen in einem. Ich fürchte, daß man in Genf doch zu viel in die tiefere, sorglich verhüllte Schicht hinein- schauen kann. Der italienische Vertreter hat gewußt, daß die Tagung ergebnislos endigen würde. Auch Benesch, ter Unvermeidliche, hat es vorher bereits ausgeplaudert. Darum auch fein ruhige» Spielen am Samenbrett. Warum auch zuhören, wenn man doch weiß, was bis zum Amen noch kommt. Kein Mensch glaubt doch, daß es an dem Einspruch Brasiliens gelegen. Woher denn? Wenn schon, dann steht die Welt auf dem Kopf. Dann kann Brasilien, das Land der großen Sklavenhalter, sich einbilden, nun auch Europa prügeln zu dürfen. Das ist Unsinn.
Wir stehen vor einem großen Panamaskandal ganz großen Stiles. Vielleicht waren die Deutschen allein ehrlich. Aber auch das weiß ich nicht. Ich weiß gar nichts mehr. Nur allerdings das Eine: Daß wir fortfahren muffen, gegen bie Unehrlichkeit ber geheimen Politik zu k ä mp f e n. Daß wir fortfahren müssen, die Augen aufzuhalten. Gefährlich wäre der Glaube angesichts solcher Tatsachen, es werde die weitere Entwicklung der Welt eine friedliche fein. Man kann
pazifistisch bis ins Innerste seiner Seele fühlen, in der praktischen Politik darf immer nur mit Tatsachen gerechnet werden. Daß bie Völker friedlicher werden, darf ein Diplomat hoffen. Aber rechnen kann ein Diplomat so wenig wie ein Kaufmann nicht mit Hoffnungen. Er muß sogar die schlechteste Möglichkeit voraussehen. Und das ist eben die, daß ein europäischer Krieg von ungeheuren Ausmaßen heraufzieht. Es wird bei uns eine schlimmere Anarchie kommen als im fernen China. Diese Völkerbundstagung ist wahrlich ein schwarzer Tag in der Entwicklung aller Gedanken und Wünsche, bie auf Frieben gehen.
Ich falte still die Hände und schaue nach oben, wo die ewigen Sterne ziehen. Er lenkt die Herzen der Könige und er bestimmt die Schicksale der Völker. Ohne seinen Willen fällt kein Sperling vom Dach. Grübeln wir nicht zu viel. Nur immer bie Augen offen. Nur nicht glauben an das Phäaken- land im Tals ter Tränen. Kämpfer ist der Mensch. Bis ans Ente ter Tage wird der alte Job Recht behalten: „Ein Kriegsdienst ist des Menschen Leben hier auf Erden." Und bester Freund, und wärest du auch noch so friedlich, du kannst doch nicht in deinem Erbenleben um bie Welt herumgehen. Mitten hindurch mußt du. Und da steht halt mancher im Wege. Du ober ich . . . Weißt du, schön ist es doch. Nur nicht sich verliegen, wie der mittelalterliche Ritter es nannte, wenn er allzulange zu den schönen Augen feiner holden Same emporgeschmachtet hatte. . . Immer wirken und schaffen wie ter liebe Lenz. Ach wie man die jungen, fiebrigen Knospen so ganz anders liebt, wenn man fühlt, wie schlecht bie Welt ist. Man möchte alles streicheln, was liebend unter Gottes fünftem Hauch heranwächst. Hast du auch deinen Garten nicht vergessen? Wie steht es mit dem Flecklein Erbe da draußen vor ter Stabt, wo deine Bretterlaube steht. Wenn man jetzt mit der Eisenbahn sich den großen Städten nähert, bann sieht man überall dieses muntere Treiben. Ser Vater gräbt manch- mal in den heiligen Sonntag heinein — gibt es doch viele Menschen in Deutschland, bie nicht mehr wissen, warum es eigentlich einen Sonntag gibt Sie Frau breitet gerate etwas Eßbares dahin. Natürlich Butterbrote, einen ganzen Hausen. Uno bie Kleinen springen herum. Hans hat fein Beuchen und Lisbeth auch. Mit kleinen Gießkannen sprudeln sie alles naß. Sas ist das Hauptvergnügen. Und Samen wird gelegt zu Rankwerk an der Laube. Steine werden gesammelt. Furchen werden fein ausgezogen. Auch wohl etwas Bohnen und dergleichen sorgsam in die Erde gesenkt. O Menschen, wie schön könnte die Erde sein. Wie freut sich ter Großstädter, daß er doch einmal etwas essen wird, was er selber gepflanzt. Wie erquickt ihn eine Arbeit, die wieder vermählt mit dem Boden, mit der Pflanze, mit dem lebendigen Leben. Das ist doch etwas Anderes, als die ewige Feter- fuchferei. Das läuft doch nicht auf Schienen. Da liegt doch nicht alle paar Meter eine Starkstromleitung. Da drohen doch nicht jeden Augenblick die Autos. Da tarnt man doch Mensch fein. Da spricht man auch nicht nach jeder kleinen Hantierung von Trinkgeld und Tarif. O faba, o terra, o rus. . , So rief ber glückliche Horaz, wenn er auf fein Land- güteten zog. O Bohne, o Boben, o Land. Unb das muß ich sagen, die Spatzen, die da scharenweise herumschwirren, auf die Beute wartend, die doch abfällt, das ist mir viel interessanter als bet ganze Völkerbund. Da ist doch noch Wahrheit. Sie pfeifen: Räuber sind wir, gebt acht! Ein ganzer Schwarm oon' Räubern, steckt alles gut in den Boden! Warum es leugnen? Das ist doch unser Leben. Völkerbund und Spatzenheer, sie haben wirklich etwas Verwandtes. Allerdings ehrlich sind nur die Spatzen.
Der Mann im Monde.
Hus dem Zuldaer Land.
— Bad Salzschlirf. Das am Sonntag, den 21. März hier mit grohem Erfolg aufgeführte Passionsspiel „Je- rusalem" von Heinrich Hauben wird auf mehrfachen Wunsch am Sonntag, den 28. März im Gasthaus zur Krone wiederholt. Mit Rücksicht auf die auswärtigen Gäste, die hiermit freundlichst eingeladen werden, beginnt das Spiel um SVt und ist bis zur Abfahrt der letzten Züge in der Richtung Fulda—Gießen—Schlitz be- endet.
— Oberufhauien. Gottlieb Sreinw achs von h'er hat sich am staatlichen Gymnasium in Hadamar, Kr. Limburg, als Externer der Reifeprüfung unterzogen und sie beftanten. Steinwachs wird feine Studien an einer ausländischen Universität fortsetzen.
— Poppenhausen (Rhön). Metzger Emil Mihm, Bei Leo Schönberg hier, bat vor der Prüfungskom- Mission zu Fulda feine Meisterprüfung nut Mtontert.
— Hünfeld. Im ganzen Kreise Hünfeld haben sich 2770 Personen für das Volksbegehren auf Fürstenenteignung eingetragen. Bei der letzten Reichstagswahl hatten im Kreise Hünfeld 1531 Wähler sozialistisch ober kommunistisch gewählt. In der Stadt Hünfeld haben sich nur 78 Wahlberechtigte eingetragen. Die meisten Eintragungen verzeichnet Mansbach (203); es folgen Steinbach (166), Schwarzbach (119), Buchenau (110), Rothenkirchen (106) und Dammersbach (102). In Gruben. Müsenbach, Sev-ibach unb Treischf-ld haben sich nur je ein Wähler eingetragen. — An der hiesigen Lateinschule sand unter dem Vorsitz des Studiendirektors Sr. Müller vom Staat!. Gymnasium in Fulda, des Kommissars des Provinzialschulkollegiums, die mündliche Abschlußprüfung statt. Alle Prüflinge erhielten das Zeugnis für Untersekunda einer Vollanstalt: drei waren von der mündlichen Prüfung befreit. Die abgehenden Schüler werten an den Staatlichen Gymnasien in Fulda und Hersseld, z"w Teil an der Staatlichen Aufbauschule in Fulda in die Untersekunda ohne weitere Aufnahmeprüfung eintreten.
— Gelnhausen. Der B^zirksverband des Regierungsbezirkes Kassel hat das Schloß Gertenbach im Kreise Gelnhausen, das dem Grafen zu Iirnburg-Büdinaen in Meerholz gef-n*-». gemietet. Das Schloß soll als Erholung - ratte für Kriegerkinder Verwendung finden.
--- Kasiel. Da? Eifenbahnb"triebsamt H teil, mit: Mittwoch früh entdeckte das Lokomotivpersona! eines Güterzuges zwischen Niedervellmar und FH ring bauien eine von einem Zuge überfahrene Leiche. Wie später festaestellt wurde, handelt es sich um einen 17jäbrigen jungen Mann au8 Kassel- Offenbar liegt Selbstmord vor.
wie wird das Wetter?
An der Oitseite des vor -Frankreich liegenden Tiefdruckwirbels bilden sich schwache Druckstörunaen aus. bk unser Gebiet erreichen werden. Bei der aufkommen- den Bewölkung ist daher mit stärkerer Bewölkung, aber nur vereinzelt mit Niederschläaen zu rechnen. Die Temperaturen werden besonders nachts etwas höhei liegen.
Auksichten für S onn tag: Meist bewölkt, vereinzel! auch leichte Regenfälle, Temperaturen wenig verändert
Säuglings-Wäsche muß nicht nur weiß sein, sondern sie muß vor allem der Hygiene entsprechen. Bel gleichzeitigem Waschen und Bleichen Ist diese notwendige Sauberkeit nicht zu erzielen Waschen mit .Dr. Thompson» Seifen- pulver* und Bleichen mit .Dr. Thotnp- sons Selftx* bietet Gewähr für gesunde heitfördemde, peinlichste Sauberkeit
Der heutigen Ausgabe unterer ZeUuna Feat ein Prospekt der F'rma Theophil Ziegler, Erfurt über Sämereien bei, worauf wir unsere Leser hiermit besonders aufmerksam machen.
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