FuldaerZertung
Anzeiger für die Skadk und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.
Nr. 73.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagea: .Illustrierte Sei« läge' und .BuchenblStter". Rotationsdruck und Verlag der Nuldaer M ctiendruckerei in Stulto. Nernivrecher Rr- S. ""onatlicher BeruaSoreiS? 1.50 Mk.
Sonntag, 28. IHärz 1926.
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53. Zahrg.
Konstantin Fehrenbach gestorben
Keine preußische Kabinettskrise.
wtb Berlin, 27. März. (6ig. Funkm.) Der preußische Mlnisterpräsidenk Offo Braun verlätzl, der „B. Z." zufolge, heule mit Urlaub Berlin und begibt sich nach der Schweiz. (Et kehrt erst am 16. April wieder nach Berlin zurück.
Am Samstag vormittag begann die Sitzung wieder mit Lärmszenen der Kommunisten, die den Rücktritt der Regierung verlangten und mit den Sozialisten in heftige Zusammenstöße gerieten. Die Sozialisten riefen den Kommunisten zu: „Ruhe auf der Idiotenbank!"
vr. Ramek in Berlin.
Bundeskanzler Dr. Ramek ist Samstag vormittag 9 Uhr auf dem Anhalter Bahnhof eingetroffen. Zum Empfang waren erschienen der Reichsminister Dr.- Stresemann, in Vertretung des Reichskanzlers der Staatssekretär von Kempner, ferner der österreichische Gesandte Dr. Frank und der tschechoslowakische Gesandte Dr. Krofta. Nach kurzen Be- grüßungSworten und gegenseitiger Vorstellung begab sich Dr. Ramek nach der österreichischen Gesandtschaft.
Der Reichspräsident gab im Laufe des Samstag vormittag zu Ehren des österreichischen Bundeskanzlers ein F r ü h st ü ck, an dem der Apostolische Nuntius, der österreichische Gesandte, Reichspräsident Löbe, Reichskanzler Dr. Luther, Reichsminister des Auswärtigen Dr. Stresemann und Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius teilnahmen.
China.
Wie die Agentur Indo-Pacific aus Honkone, meldet, übt der Chef der Kankoner Regierung Schang-Kai-schek eine wahre Diktatur aus. Er laste alle Personen, die eine oppositionelle Haltung zeigen, fest nehmen. Vier Russen seien erschossen worden, und dreißig habe man ausgewiesen.
Eine bedeutsame Massnahme -er ReiWank.
Herabsetzung der Diskonts auf 7 Prozent. — vr. Schacht über die Lage der Reichsbank. — Finanzminister Reinhold zum Steuerkompromiß.
deutschen Mannes, reißt eine u nausfüll- bare Lücke nicht nur in die Reihen des Zentrums, sondern darüber hinaus in die des d e u t- fchen politischen Lebens. lieber vier Jahrzehnte hat er seine staatsmännischen Fähigkeiten und seinen großen Schatz an Wissen und Erfahrung in den Dienst der Allgemeinheit gestellt. So würde er zu den höchsten Slemtern berufen, die das. deutsche Volk zu vergeben hat, und leistete Unvergeßliches im Dienste des Vaterlandes. Im Namen der Reichsregierung wie in meinem eigenen spreche ich den Parteifreunden Fehrenbachs unser aufrichtiges und tiefempfundenes Beileid aus."
Zahlreiche andere Kundgebungen des Beileids liegen vor.
Luther am Grabe Fehrenbachs.
wtb. Setlitt, 27. März. (Erg. Funkm.)Reichskanzler Dr. Luther begibt sich morgen nach Freiburg, wo er Montag anläßlich der Beisetzung des ehem. Reichskanzler Fehrenbach am Grabe sprechen wird.
Wie wir hören, wird ein eigener Sonderzug aus Berlin die Trauergäste aus der Reichshauptstadt nach Freiburg bringen, die an dem Begräbnis Fehrenbachs teilnehmen. Die Reichsregierung wird durch den Reichskanzler, den Reichswehrminister sowie den Reichs- arbeitsminister vertreten sein. Außerdem werden noch andere Persönlichkeiten aus den Reichsministerien teilnehmen. Vom Reichstag wird der Reichstagspräsident L o e b e und der Vizepräsident Dr. Bell nach Freiburg kommen, von der Zentrumsfraktion die drei stellvertretenden Vorsitzenden von Guörard, Stegerwald und Becker, ferner etwa 25 bis 30 Fraktionsmit- glieder, außerdem werden von fast sämtlichen Reichstagsparteien Abordnungen zugegen sein. Auch die Regierungen einzelner Länder werden vertreten sein. Ferner werden zahlreiche Persönlichkeiten, die engere Mitarbeiter Fehrenbachs in seiner Tätigkeit als Reichskanzler waren, ihm das letzte Geleite geben.
Am Samstag früh halb 9 Uhr fand bereits in der katholischen Invalidenkapelle in Berlin eine Trauermesse, veranlaßt von der Zentrumsfraktion des Reichstages, statt, die zelebriert wurde von dem Reichsarbeitsminister Dr. Brauns.
Rn die Schwarzhemden!
Mussolini an die ikalienifchcn Faschisten.
Anläßlich des 7. Jahrestages der Gründung der Faschistischen Partei richtete Mussolini an die italienischen Faschisten folgende Erklärung:
Der 7. Jahrestag der Gründung des Faschismus findet eure Scharen so bereit und kriegstüchtig wie nie zuvor, und darum würdig, in der strengen Manneszucht der Starken den denkwürdigen Tag zu begehen. Nach sieben Jahren voll scharfer und blutiger Kämpfe ist die Lage in ihren Grundlinien deutlich bestimmt. Im Innern wird die Regierung, die ungeheure Probleme löste, immer stärker von der Zustimmung des Volkes unterstützt, während außerhalb des Landes Widerstand aller Art zunichte gemacht wurde. Das faschistische Italien wird überall geliebt, gefürchtet oder geachtet trotz der ohnmächtigen Manöver der alten politischen Kräfte, die wir endgültig zersplitterten. Schwarz- h e m d e n I Sieben Jahre voller Kämpfe bedeuten Ruhm für Euch. Die schwerste Aufgabe steht Euch aber noch bevor. Die Parole bleibt dieselbe. Unsere Ziele erfordern wie immer aufrichtige Brüderlichkeit von den Kameraden, eine bewußte und eiserne Manneszucht von den Führern und allen Untergebenen und den Geist glühender Opferbereitschaft von jedermann. Es ist ein strahlendes Verdienst, die Nation vor der Entartung bewahrt zu haben. Unter dem unbesiegbaren Wahrzeichen des Fascio gilt es jetzt, ungesäumt die materielle Stärke des italienischen Volkes vorzubereiten. Schwarzhemden! Mit allen Mitteln und gegen alle Hindernisse werden wir unser Ideal verwirklichen.
Worte, nichts als Worte!
Der Zentralausschuß der Reichsbank hat ziem- sich überraschend beschlossen, den Reichsbankdiskont von 8 auf 7 Prozent vom 27. März ab herabzusetzen. Eine Ermäßigung war bisher erst für Anfang April in Aussicht gestellt worden. Der Lombard-Zinssatz wird von 9 auf 8 Prozent herabgesetzt. Gleichzeitig wird der Diskontsatz der G o ld- diskontbank von 6 auf 5H Prozent reduziert.
*
In der Sitzung des Zentralausschusses der Reichsbank gab Reichsbankpräsident Dr. Schacht einen Ueberblick über die Lage der Bank im neuen Jahre, deren befriedigende Gestaltung das Reichsbankdirektorium veranlaßt hat, schon jetzt eine Diskontermäßigung vorzunehmen, da nach Sage, der Verhältnisse der bevorstehende Monatsschluß keine über das normale Maß hinausgehende Anspannung bringen wird. Nach der am 12. Januar erfolgten letzten Diskontsenkung hat die Entlastung der Bank weitere Fortschritte gemacht. In den letzten beiden Monaten ist die Anlage in Wechseln, Lombards und Wertpapieren von 1588 Millionen RM. auf 1340 Millionen RM. zurückgegangen. Der Notenumlauf und der gesamte Zahlungsmittelumlauf haben sich zwar noch ein wenig ausgedehnt, indessen ist die Deckung der um- laufenden Noten durch effektives Gold von 53,4 Proz. auf 57,6 Proz. und die Deckung durch Devisen von 69,6 Proz. auf 76,9 Proz. gestiegen. Am Geldmarkt hat die Senkung der Zinssätze seit der letzten Diskontermäßigung besonders in letzter Zeit Fortschritte gemacht. Der Privat- diskontsatz fft von sechsdreiachtel Prozent am 11. Januar auf 5 Proz. gesunken. Der Zinssatz für tägliches Geld wurde am 11. Januar mit 6—8 Prozent und jetzt mit 4—6 Prozent notiert. Der
Vor unseren geiftigen Augen steht Fehrenbach, der Heimgegangene Parteifreund, in der Frische und Lebendigkeit, die er auf der erst kurz vergangenen Masjeler Partei-Tagung gezeigt hat. Mit jugend- cUchem Schwung hat dort die imposante Gestalt Änbo(f)5, ein echt deutscher Mannestyp aus dem .vuden unseres Vaterlandes, die Ziele der deutschen '^/"^umspartei festgestellt, die Hörer, auch die kri- rrjch eingestellten, reftios in seinen Bann gezwun- Jen und alle überzeugt, daß der Führer, der da Mrach, in innerstem Herzen für das Volk erglüht zwar und aus tiefen Kraftquellen den Mut zu feiner schweren polittfchen Arbeit schöpfte. So soll fern Andenken in uns fortleben.
f Fehrenbachs Werdegang ist folgendes zu sa- Anstantin Fehrenbach wurde am 11. Ja- ’n Wellendingen im Badischen Schwarz- Bezirksamt Bonndorf, als Sohn eines i « k llehrers geboren. In Freiburg suchte er zunächst das Gymnasium und oann d-e Universität, wo er sich zuerst dem Studium SfAf Theologie und bann der
fiA V” V lenschaft zuwandte. 1882 ließ er n. tfrctbnrg als Rechtsanwalt nieder und be- ftehpnh6ar*ouf &.eJ” 580060 der Zentrumspartei 3un& & Leben zu beteiligen.
Sütaer in U^.rte^n Vertrauen der Freiburger m £h" f62abtn orftanb und bald auch m den Badischen Landtag. Dort galt er fcas be& Zentrumsführer und das Ansehen, im5 3e'gte sich am besten darin, daß er
Vrzl 1007 als erster Zentrumsmann zum
6 n t e n dieser Kammer gewählt wurde. er ^it 1903 als Vertreter des 0.
8ahr m ^lchstagswahlkreises für Ettenheim— er L,®!?in den Reichstag eingezogen, dem nn ununterbrochen angehörte.
.cr sich fast ausschließlich der großen STuct und war bald in allen wichtigen
«usichussen des Reichstags tätig. Am 8. Juli 1918 .
Aus Freiburg i. B. meldet W. T. B.:
Der frühere Reichskanzler Konstantia Fehrenbach ist Freitag mittag, wenige Minuten vor drei Uhr, sanft entschlafen, ohne daS Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Im Sterbezimmer weilten sämtliche Angehilrige des Verblichenen.
* Als die Nachricht vom erfolgten Tode des früheren Präsidenten des deutschen Reichstages, des Präsidenten der Nationalversammlung, des früheren Reichskanzlers und derzeitigen Vorsitzenden der ^Zentrumsfraktion des Reichstages in Berlin eintraf, ^wurden die schwarzrotgoldenen Fahnen an den vier Türmen des Reichstages auf H a l b m a ft gesenkt. ,!Dte Führer der Fraktionen begaben sich sofort zu dem stellvertretenden Vorsitzenden der Zentrums- ■frattion, um ihm ihre Teilnahme zum Ausdruck zu bringen. Ein allgemeines Bedauern kam zum Ausdruck um Fehrenbach, den prächtigen Menschen. Die Zentrum.sfraktion selbst hielt um vier Uhr in ihrem Fraktionszimmer eine kurze Trauersitzung ab, in bet der stellvertretende Vorsitzende, Herr von Elfter ard, den Gefühlen der Zentrumsangehöri« gern Wsdruck gab und die Verdienste des früheren Reichskanzlers und Fraktionsvorsitzenden um Volk und Vaterland hervorhob.
Der Reichstag selbst ehrte den Toten in besonderer Weise. Um 5Vs Uhr läuten dir Glocken. In wenigen Minuten hat sich der Sitzungssaal des Reichstages gefüllt. Nur ganz wenige Lücken. Die , Bänke der Regierung sind überfüllt. Der Reichskanzler erscheint im schwarzen Rock, mit ihm sämtliche Reichsminister. Auf den Plätzen der rechten Tribüne, die für die preußischen Abgeordneten reserviert ist, erscheint der betagte Vorsitzende der Zentrumsfraktion des preußischen Land- tages, Vizepräsident Geheimrat Dr. P o r f ch. Der Platz des verstorbenen Abgeordneten Fehrenbach ist mit einem großen Strauß weißer Lilien geschmückt und mit einer Trauerschleife. Neben dem leeren Platz sitzt der stellvertretende Vorsitzende des Zen- trums, Abgeordneter Becker (Arnsberg). Dahinter Herr v. Guexard. Tiefer Ernst beherrscht das Haus. Am Präsidentenpult nimmt Reichstagspräsident Löbe Platz. Die Abgeordneten erheben sich, auch die Tribünenbesucher. Reichstagspräsident Löbe ergreift das Wort zum Nachruf. Er spricht tief bewegt. Man fühlt es, daß ihn der Tod seines Vorgängers auf dem Präsidentenftuhl des Reichs- lages innerlich betroffen hat. Der Reichstagsprä- lident spricht der Zentrumsfraktion die Teilnahme »des Reichstages aus. Er weist darauf hin, daß .Fehrenbach sich zu den Großen feiner Partei versammelt hat, zu Spohn, Gröber, Hitze, Trimborn .Mid Burlage. Dann weist er darauf hin, daß dos Hinscheiden Fehrenbachs nicht nur ein Verlust für l”16 Zentrumsfraktion, sondern für den Reichs- ag und für das Vaterland bedeutet. Er ^gedenkt der Tatsache, daß Fehrenbach ein Mann des Kolkes fein wollte, und nichts anderes im Auge chatte, als d e m V o l k« z u d i e n e n. Ein kurzer Abriß feines Lebens folgt, dem sich ein Hinweis aus die schweren Tage Fehrenbachs als Reichskanzler anschließt. Dann eine Schilderung feiner menschlichen Eigenschaften. Schließlich der Dank an das Haus, das sich von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken der Trauerkundgebung angeschlossen hat. Die Trauerfeier ist zu Ende Der Reichskanzler geht hinauf zum Präsidentenpult und spricht im Namen der Reichsregierung dem Relchstagspräsidenten die Teilnahme aus. Die Sitzung nimmt ihren Fortgang.
Nach dem Wiederzusammentritt des Reichstags wird auf Veranlassung der Reichstagsfraktion ein Requiem in der Hedwigski rche in Bersin abgehalten werden. Cs wird voraussichtlich zelebriert von dem Bischof von Berlin unter Assistenz der geistlichen Herren der Reichsfagsftaktion und des Abg. Dr. Leicht, des Führers der Bayerischen Volkspartei.
Eine eigene Trauerfeier wird die Zentrums- frattion sofort nach Wiederzusammentritt des Reichstages im Reichstag veranstalten und zwar am Sonntag den 2. Mai. Bei dieser Gelegenheit wird auch der Reichskanzler sprechen.
Fehrenbachs Nachfolge im Reichstag.
wtb. Freiburg. 27. März. (Eig. Funkm.) Fran Klara Philipp in Karlsruhe wird an Stelle Fehrenbachs in den Reichstag eintreten.
Maximilian Pfeiffer schwer erkrankt.
Wie den Blättern zufolge verlautet, liegt der deutsche Gesandte in Wien, der bekannte langjährige frühere Zentrumsabgeordnete Max Pfeiffer, zurzeit an einem Herzleiden schwer krank in Lugano darnieder. Sein Befinden gibt zu ernsten Be- sorgnissen Anlaß.
Zinssatz für Monatsgeld wurde damals mit 9 bis 10 Proz., jetzt mit 6—7 Proz. genannt.
Die Reichsbank hat also mit ihrer Diskontpolitik in erheblichem Maße die Fühlung mit dem Markte verloren. Bemerkenswert ist allerdings, daß immer noch eine sehr scharfe Divergenz zwischen kurzfristigem und langfristigem Leihgeld besteht, wenn auch auf diesem Gebiet die Verhältnisse zweifellos günstiger geworden sind, was auf die Aktion der Golddiskontbank zugunsten der Landwirtschaft und sonstigen Maßnahmen der Reichsbank mitzurückzuführen ist. Bei den Banken und anderen Geldinstituten sind die Kreditoren nach wie vor im Ansteigen begriffen, wenn sich auch diese Entwicklung in den letzten Monaten verlangsamt hat. Der Präsident sprach die Hoffnung aus, daß die weitere Diskontsenkung der Reichsbank ein weiteres Herabgehen drs Zinsniveaus nach sich ziehen und damit der notleidenden Wirtschaft einige Erleichterung verschafft werden würde.
Der Zentralausschuß billigte den Beschluß des Reichsbankdirektoriums.
3um Aeuerkompromitz.
Der Reichsfinanzminister gab vor Vertretern der Berliner Presse einen Ueberblick über die Entwicklung des Reichssteueretats seit seiner Etatrede bis zu dem in zweiter Lesung angenommenen Steuerkompromiß. „Nach meiner Etatrede", so ührte Dr. Reinhold aus, „machte sich zunächst eine tarfe Opposition gegen das Steuer- enkungsprogramm geltend. Nachdem es gelungen war, die einzelnen Parteien davon zu überzeugen, daß die solide Etatsgebarung des Reiches damit nicht in Gefahr gestellt wurde, galt cs die Frage der Steuerverteilune a;i löien.
wählte ihn der Reichstag mit großer Mehrheit zu feinem Präsidenten und diese Präsident- schäft bekleidete er auch in der verfassungsgebenden deutschen Nationalversammlung in Weimar und später in Berlin. Dieses Amt leitete er unter den schwierigsten 23er- hältmssen mit außerordentlichem Geschick und wußre dabei stets sowohl als Parlamentarier wie als wahrer Volkmann den richtigen Ton zu treffen. Im Juni 1920 übernahm er in schwierigster Zeit das dornenvolle Amt des R e i ch s k a n z l e r s, als die Sozialdemokraten nach dem Wahlsieg der Rechten die weitere Beteiligung an der Regierung ablehnten. Damals stand die Konferenz von S p a a vor der Türe und ihm fiel als erste Ausgabe zu, auf dieser Konferenz zum ersten Male mit den ehemaligen Gegnern Auge in Auge zu verhandeln. Dann kam die Konferenz tn London im Frühjahr 1921, die ebenfalls schwere Verhandlungen mit sich brachte und doch nicht zu einer Klärung der Reparationsfrage führten. Da die Entente abermals mit einem Ultimatum kam, trat Fehrenbach zurück, weil er es für feine Person und fein Bewußtsein als echter Deutscher nicht über sich zu bringen vermochte, sich diesem Ultimatum zu unterwerfen. Zwei Jahre später zeichnet ihn die Zentrumsfraktion des Reichstags dadurch aus, daß sie ihn zum ersten Vorsitzenden wählte, ein Amt, das viel Takt und Umsicht erforderte, und das er bis zu feinem leider jetzt erfolgten Tode bekleidete.
In all den verschiedenen Ausgaben hat Fehrenbach sich glänzend bewährt. Die schwierigste vor allem war die oben schon erwähnte Kanzlerschaft in der politisch ungünstigsten Zeit, zu der er sich nur mit großem Widerstreben und auf härteste Bedrängnis seiner Parteifreunde bewegen ließ. Spaa und London waren keine Glückssterne der deutschen Außenpolitik, well beide Ereignisse noch unter den starken Einwirkungen des verlorenen Krieges und der gehässigsten Stimmung gegen Deutschland standen. Als Präsident des Reichstags wie auch der Nationalversammlung hat Fehrenbach sich unbestritten große Verdienste erworben. In dieser schwierigen, von Revolutionswirren durchzitterten Zeit die Weimarer Nationalversammlung zu leiten, war ebenso ehrenvoll wie schwierig. Man kann ruhig sagen: Er war einer der tüchtigsten und geschicktesten Präsidenten, die das deutsche Parlament gehabt hat und einer der besten Kenner der Geschäftsordnung. Wie Fehrenbach bei seinen Landsleuten sich ungeheurer Beliebtheit erfreute, so auch im Reichstag. Seine natürliche Frische, seine glänzende Auffassungsgabe und grcße Rednergewandtheit befähigten ihn besonders in kritischen Lagen sowohl auf die Fraktion bestimmend zu wirken, wie auch in den Verhandlungen mit anderen Parteitagen Konfsiktsfragen zu ordnen. Dabei war der Grundton seines politischen Wollens ehrlich demokratisch und national. Er war lebensfroh, humoristisch und stets Optimist. Mit diesen drei Eigenschaften hat er in mancher kritischen Lage seinen politischen Freunden über schwierige Dinge hinweggeholfen.
Auch das katholische Deutschland verliert in ihm einen feiner treuesten und besten Kämpfer. Von tiefernster kirchlicher Gesinnung und lauterstem Charakter erfüllt, hörte er feit Jahrzehnten mit zu den führenden Persönlichkeiten auf den Generalversammlungen der deutschen Katholiken. Ganz besonders aber schätzen ihn die katholischen Studenten, die in ihm einen herzlichen Freund mit seiner ewigjungen lebensfrohen Art einen aller- besten Führer hatten. Fehrenbach gehörte dem C. V., dem Verband der farbentragenden katholischen Stu- I dentenverbindung an.
Das katholische Deutschland und vor allem die I Deutsche Zentrumspartei stehen trauernd an dem I Grabe einer ihrer besten Kämpfer und Freunde I mit der Zuversicht, daß ein reiches selbstloses Leben und Schaffen, das nie den eigenen Interessen, fon- I bern stets der Allgemeinheit gatt, den wohlverdien- | ten Lohn finden werde.
Das Verleid k)mdenburgs.
Der Reichspräsident v. Hindenburg hat anläß- I -uh des Ablebens des Reichskanzlers a. D. und I Reichstagsabgeordneten Fehrenbach der Zen- I trumsfraktiondes Reichstages folgendes Te- I legramm zugehen lassen:
„Zu dem schweren Verluste, der Sie durch den I Tod Ihres Vorsitzenden betroffen hat, spreche ich Ihnen mein herzlichstes Beileid aus. Ich werde bern trefflichen Mann, der stets vom besten Willen beseelt dem deutschen Volke in führenden Stellen I treu gedient hat, ein ehrendes Andenken bewah- I ren. gez. v. Hindenburg." I
*
Aus Anlaß des Ablebens des Reichskanzlers I a. D. und Reichstagsabgeordneten Fehrenbach hat I Reichskanzler Dr. Luther an dessen Toch- I ter, Frau Rosset, folgendes Telegramm gerichtet: I „Soeben erhalte ich die Nachricht von dem Hin- I scheiden Ihres Herrn Vaters. Empfangen Sie und I Ihre Angehörigen der Reichsregierung und mein inniges Beileid zu dem schweren Verlust, der Sie, I sehr verehrte gnädige Frau, betroffen hat. Der I Verstorbene hat in schweren Zeiten seinem Vaterlande in bedeutungsvollsten Stellungen mit Hin- I gäbe seiner ganzen Persönlichkeit und seiner großen I Fähigkeiten bis zu seiner Erkrankung gedient. Die I Reichsregierung wird dem Heimgegangenen stets eine treue und dankbare Erinnerung voll aufrich- I tiger Verehrung bewahren."
An den Vorsitzenden der Fraktion der Zentrumspartei drahtete der Reichskanzler: „Der Tod Konstantin Fehrenbachs, dieses aufrechten *