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Anzeiger für die Skadk und den Kreis Fulda. Amlliches Kreisblakk.

Nr. 70.

EriL^nt teckrma! wöchentlich. Wochenbeilase»! Illustrierte Set- läge" und .SuchenblLtter". Slot«,-aooruck und «erlag der Nuldaer t rt endirüerei in Pulda. Nerntdrecher Nr. 9.

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Donnerstag, 25. Marr 1926.

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53. Zahrg.

VilligUg her Genfer Politik in Berlin uni) Lonksn.

Die Opposition in Deutschland und England in der Minderheit.

Driand, der französische Außenminister hat zu* erst die parlamentarische Gutheißung seiner Aal* tung in Genf erzielt. Am Dienstag hoben nun auch in Berlin der Reichstag und in London da» Unterhaus, schließlich in Brüssel der Auswärtige Ausschuß über die Haltung der Delegationen der betreffenden Länder eine Abstimmung gehalten. In allen drei Fällen ist den Vertretern Billigung erteilt worden.

Der Abschluß der Reichstagsdebatte.

Was dem ersten Derhandlungstag über die Genfer Vorgänge an innerer Spannung und De* lebung fehlte, besaß in gehäuftem Mähe der zweite Derhandlungstag. Hatte man bis dahin erwartet, daß die parlamentarische Debatte sich ziemlich glatt und reibungslos vollziehe, und als ob der Reichs­regierung ein leichter parlamentarischer Sieg zu- teil werde, so hatten sich die Verhältnisse am DienStag doch stark gewandelt. Die Deutschnatio- nalen haben alles aüfgeboten, um der Regierung Schwierigkeiten zu machen. Während sie bis dahin nur einen Antrag eingebracht hatten, wonach Deutschland sein Gesuch zum Eintritt in den Völ­kerbund zurückziehen soll, so ist nunmehr ein An­trag eingebracht worden, daß nicht etwa dem gan­zen Reichskabinett, sondern lediglich dem Reichs­kanzler und dem Reichsaußenminister das Vertrauen entzogen wird. Das wurde natürlich von den beiden Persönlichkeiten als eine scharfe persönllche Attacke empfunden, die den Reichskanzler auf den Plan rief.

, Zuvor aber gab eS noch stürmische Sensationen. Die Rede deS Völkischen, Graf von Revent- lo w, ließ das Haus als ein unabwendbares Schick- sal über sich ergehen, größeres Interesse fand schon der fozialdemvkrattsche Abgeordnete Y r «i t s ch e i d, der sehr scharf mit den Deutschnationalen abrech­nete, und dabei sich der größten Aufmerksamkeit erfreuen konnte. Mit Heiterkeit vermerkt wurde die Vermutung Dreitscheids, daß die Deutschnatto- nalen nur deshalb so unangenehm von Genf berührt find, weil damit die Aussichten der Deutschnatio­nalen, alsbald wieder in die Regierung zu kommen, geschwunden seien.

Während der Rede BreitscheidS ging an der Rednertafel eine merkwürdige Veränderung vor sich. Es war zunächst nur noch ein Kommunist ge­meldet. Run aber wurde der bis dahin im deut- scheu Reichstag überhaupt noch nicht als Redner aufgetretene drutschnattonale Abgeordnete von Ti r- p i ß, der 77 jährige frühere Großadmiral, gemeldet.

UeBer die Beauftragung deS Abgeordneten von Tirpitz durch die Deutfchnationalen gingen verschie­dene Gerüchte im Hause um. Die Deutschnattonalen hielten um dieselbe Zett Besprechungen ab, in denen es sehr erregt zugegangen ist. ES handelt sich da- bei, auch unter anderem um die Frage deS Par- teiv orsitzeS. DaS Dorschicken Tirpitz im Reichs- tag stand nun in engem Zusammenhang mit diesen Erörterungen innerhalb der Partei. Tirpitz war aber der Vorwand, um die augenblicklich in der deutschnattonalen Partei bestehenden drei oder vier Separatrichtungen wieder auf eine einheit­liche und zwar nach der verschärften Oppo- lition eingestellten Linie zu Bringen. Man sah in dem Dorschicken von Tirpitz unter anderem aber mich die Tendenz der Deutschnattonalen, hier den kommenden Kanzlerkandidaten ru präsen- «eren. Freilich wollten andererseits böse Zungen wissen, daß man Tirpitz vorgeschickt habe, damit « als Kanzlerkandidat em für alle Mal u n m ö g- llch gemacht würde.

Als Tirpitz zur Rednerttibüne schrettet, ruft man stm auf der Linken entgegen: Jetzt werden sich die Balken biegen! Tirpitz klammert sich ängstlich an «n wohlvorbereitetes Manuskript, daS er mit As«, immer wieder stockender Stimme vorlieft.

spricht von einer Niederlage unserer politischen Methoden und fordert ,daß Deutschland seine Hand- kungsfreiheit Wiedergewinne. Dazu soll daSEin- trittsgesuch zurückgezogen werden. Don der Linken ruft man ihm zu: So redet man am Stammtisch. Ee sehr die Deutschnationalen Tirpitz zu' Agi- tatwnszwecken benötigten, bewiesen sie dadurch, daß sie am Schluß seiner Ausführungen demonsttativ Beifall klatschten.

^5ft>rt springt Luther auf und meldet sich »um Wort. Anfänglich ruhig, dann aber immer er­regter, wendet er sich gegen Tirpitz und die Deutsch- nationale Partei, wirst ihnen Treulosigkeit, ja ge- «ftnermafeen Mißachtung vaterländischer Notwen­digkeiten vor. Er bekennt sich ausdrücklich zu der --ocarnopolitik, und weist die deutschnationalen Dar- .EMngen, daß Locarno nicht wirksam gewesen sei, enftafieden zurück. Heute sähen wir Dinge im ckfyemlande, die sich ohne Locarno nicht ergeben av 't?5 HuuS spendete lebhaften Beifall, die ^eutfchnationalen lärmen. Geradezu stürmisch wird & Lutger sich ausdrücklich dazu bekennt, daß her a n'ct Derabredung wegen der Fortführung dauf eine Anregung der g> u. Jchen Delegation zurückzuführen ist. Die TeRF frrteien und die Sozialdemokraten rufen

Bravo, während die Deutschnationalen sich ?e°en diese Feststellung wenden. Luther Ha'1 » -5' toie ausspricht, als eine persön- «je Kränkung, daß gerade diejenige Partei, h?» o er an9e zusammengearbeitet hat und welche

• catn?':PoIitit mit vorbereitete, * em persönlich gefärbtes Mißtrauensvotum chu eingebracht hat. Der Kanzler spricht Grenzen, die hier gegenüber den Vater- -n» sch empfindenden Elementen im Lande ge- lJenT werden. Stürmische Heiterkeit findet der Kanzler. aI5 er lagt: ich habe noch niemals

eine bestimmte politische Stellung eingenommen. Er betont, daß er aber jetzt mit aller Entschieden­heit für daS Locarnowerk sich einsetzte und eS ver­teidige.

Zwischendurch hat sich fetzt noch Müller- Franken melden losten, der der Tirpitz'schen Auf­forderung, nun alle Zerklüftung der Parteien bei­seite treten zu lasten, entaegenhätt, daß gerade Tir­pitz es gewesen sei, der in der schwersten Zeit des Krieges durch die Gründung der fog. B a t e r • landspartei die stärkste Zerklüftung des Vol­kes verursacht habe. Diese Feststellung findet einen stürmischen Beifall bei der gesamten Linken. Im übrigen nimmt Müller-Franken die gesamte Tätigkeit des Abgeordneten von Tirpitz im Kriege vor, der es fertiggebracht habe, zu ollen anderen Feinden uns a u ch n o ch A rn e r i k a auf den Hals zu hetzen, und damit den unglückseligen Ausgang des Krieges zu besiegeln.

Da die Ausführungen de» greifen Admirals von Tirpitz beim Reichskanzler das Mißverständnis her- üorgerufen hatten, die Deutschnationalen rechneten fetzt mit Locarno als gegebener Tatsache, so mußte Graf Westarp die Ausführungen des Fraktions­genosten dahin richtig stellen, die Deutschnationalen täten dar nicht. Der Kanzler nahm von der Klar», stellung Kenntnis.

Damit ist die Aussprache erledigt und man kommt schon um die dritte Mittagsstunde zur

Abstimmung.

Die Völkischen batten einen Vertrauen santrag eingebracht, wobei sie kaikulirrten, daß von der ge­samten Rechten dieser Antrag abgelehnt würde und daß auch sie selber gegen ihren eigenen Antrag stimmen. Da» war, um ein Wort Graefes zu ge­brauchen, das er tags zuvor dem Reichsaußenmini- fter entgegnfchleuderte, ein „Taschensvielerkunststück- cherck, dem da» Hous die verdiente Mißachtung zu­teil werden ließ. Al» Graefe die Berechtigung die­ser Antrages noch verteidigen wollte, wurde er durch den allgemeinen Unwillen des Hauses hin- wegaefegt.

Eine sehr feine Abfuhr lleß der Roichstagsprä- sident Loebe dem Abgeordneten van Graefe zuteil werden, indem er bemerkt, daß Graefe den Antrag der Regierungsparteien, über feinen Antrag zur Tagesordnung überzugehen, als einen Verfaf- fungsbrud) hingestellt sehen will, während er selber über seinen Antrag über alle anderen Anträge zur Tagesordnung übergegangen misten will.

Cs kommt zunächft ein kommunistischer Miß­trauensantrag zur Abstimmung. Cs ist dabei sehr interestant und ruft lebhafte Bewegung im Hause h»rvor, daß außer den Kommunisten und den Völ­kischen auch die Deutschnationalen für diesen kommunistischen Avftag stimmen. Die im ^rei.SisKen Landtag wiederbüt hervoraettetene deutschnationale-nölkische-kommunistisch» Einheits­front ist also auch im Reichstag zur Tat geworden.

Run kommt der von den Deutschnattonalen ein- "^brachte Mißtrauensantrag, der lediglich dem Reichskanzler und dem Reichsaußen­minister das Vertrauen entziehen will, zur Ab- stimmung. Diese Abstimmung ist auf Antrag der Deutschnationalen namentlich.

Da» Ergebnis der Abstimmung ist folgendes: Don 400 Abstimmenden haben nur 141 deutsch- nationale, kommunistische und völkische Stimmen mit 5a gestimmt, während 259 Abgeordnete der Regierunosvarteien, also der Deutschen Dolkspartei, der Bayerischen Dolkspartei, des Zentrums und der Demokratischen Partei, zu denen dann noch die Wirtschaftliche Vereinigung und die gesamte So­zialdemokratie stieß, mit Rein stimmten. Mit einer erdrückenden Majorität ist also das Mißtrau­ensvotum vom Reichstag abgelehnt worden.

Die Tortur der Abstimmungen geht aber noch weiter: Die Deutschnationalen bringen es fertig, namentliche Abstimmung über einen reinen ®e- fchäftsorchnungsantrag der Regierungsparteien zu beantragen, dahingehend, daß über die anderen Anträge, unter anderem auch über den, der Zurück­ziehung des Eintrittsgesuche, verlangt, zur Tages­ordnung übergegangen werden soll. Sei 404 Ab­stimmenden gibt es eine Enthaltung, 139 stimmen mit Sein, 264 mit 5a, sodaß der Antrag ange­nommen ist. Cs gibt aber noch eine weitere na­mentliche Abstimmung über einen von der wirt­schaftlichen Partei gestellten Antrag, der ganz be­stimmte Formulierungen für die Fortführung der Außenpolitik feftftertt. Abgeordneter Schultz-Brom- berg erklärte für die Deutschnationalen, daß sie für diesen Antrag stimmen, wenngleich er „verwässert" fei. Abaeordneter ®u6rarb stellt fest, daß dann die Deutschnattonalen für die Billigungsformel sel­ber stimmen müßten. 3m übrigen fei doch dieser Antrag angesichts des klaren Wortlautes der Dil- liaunasformel vollständig überflüssig. Die nament­liche Abstimmung ergab: Der Antrag wird mit 250 gegen 153 Stimmen abgelehnt.

Es kommt jetzt nur noch die Billigungs­formel in der ursprünglichen Fassnna zur Ab­stimmung. Eine auch hier von den Völkischen be­antragte namentliche Abstimmung wird von den Deutschngtionalen nicht unterstützt, sodgß in ein­facher Abstimmung mit den Stimmen der Regie­rungsparteien und der Sozialdemokraten die Bil­ligungsformel unter lebhaften Beifallskundgebun­gen glatt angenommen wird.

Damit ist also die Außenpolitik des jetzigen Ka­binetts, die ja im Grunde auch gar nichts anderes i’t, als die Fortsetzung der schon früher unter ver­antwortlicher Mitbeteiligung berSeuffthnatio- nalen eingeleiteten L o c a r n o p o l i t i k, bestä- tigt. Vie Reichsregierung wird ihr Eintrittsgesuch in den Völkerbund zunächst nicht zurückzishen, sie befindet uch aber au<4 im SReijiv ny*r u«14-

I freiheit, um gegebenenfalls neue Entschließungen treffen zu können. Andererseits hat der Reichstag die Auffassung der Reichsregierung gebilligt, die da- hingeht, daß man aus Genf nicht ohne eine Siche­rung der Locarnopolitik und der mit ihr verknüpf- ten Rückwirkungen weggehen konnte. Wie sich Die Dinge im Herbst stellen. Ist also nach offen. Es wird auch von der Entwicklung der innen- und außenpolitschen Ereignisse bis dahin abhängsn, ob und mit welchen neuen Instruktionen eine deutsche Delegation sich bann wieder nach Genf begeben wirk».

Regierung und Völkerbund.

Die Reichsregierung wird, wie wir hören, nun­mehr, nachdem sie die 'parlamentarische Debatte im Reichstag zu ihren Gunsten bestanden hat, mit den in Frage kommenden Mächten, namentlich den im Völkerbundsrat vertretenen, sofort auf diplo­matischem Wege in Verbindung treten, um die Vorbedingungen für die weitere Behandlung des deutschen Aufnahmegesuches zu klären. Die deutsche Reichsregierung wird dabei auf bestimmte Sicherungen bestehen müssen, die solche Zufällig­keiten ausschließen, wie sie jetzt in Genf hervorgetre­ten sind.

Das englische Unterhaus.

3n der Sitzung des Unterhauses, die bei stärk­stem Besuch durch die führenden politischen Kreise vor sich ging, griff der Führer der Liberalen Lloyd George den Außenminister Austen Ehamberlain wegen seiner Haltung vor und während der Völ- kerbund'tagung in Genf aufs heftigste an. Eham­berlain setzte sich in einftünbiaer Rede zur Wehr. Chamberlain sagte, die Instruktionen, mit denen er nach Genf gegangen sei, gründeten sich aus folgende Prinzipien: 1. Daß keine Aenderung im Völker­bundsrat vorgenommen werden sollte, die die Wir­kung haben würde, den Eintritt Deutschlands zu verhindern ober zu verzögern; 2. daß es am besten fei, wenn Deutschland als Mitglied des Völker- bundsrates die volle Verantwortlichkeit für irgend- welche weitere Veränderung im Rai außer seiner eigenen Zulassung hoben sollte; 3. daß die Regel, wonach nur Großmächte ständige Mitglieder fein sollten, im Prinzip aufrechterhalten werden sollte; 4. daß Spanien in einer Sonderstellung sei und eine Ausnahmebehandlung beanspruchen könne; 5. daß weder Polen noch Brasilien gegenwärtig stän- bige Sitze haben sollten, daß aber Polen sobald wie möglich einen nichtständigen Sitz gegeben werben sollte.

Chamberlain führte weiter aus, kein Druck k« genwelcher Art fei auf Schweden ausgeübt wor­den, damit es so handle, wie es gehandelt hat. Die privaten Besprechungen und das Verfahren in Genf im allgemeinen seien di« einzige Methode gewesen, bei der die Würde und die Gefühle Deutschlands in angemessener Weise hätten berück, sichtigt werden können. Oeffrntlichkeit der Erörterungen während der ganzen Konferenz hätte Deutschland in eine unmögliche Stellung ge­bracht.

Rach Chamberlain ergriff Arbeiterführer Mac- donald das Wort. Macdonald erklärte, Cham­berlains Haltung habe zu dem jämmerlichsten Mißerfolg geführt, dem die britische Diploma­tie gegenüberzutreten hatte. England habe sich ein­gelassen mit einer Diplomatie, die dem Völkerbund selbst feindselig sei und habe den Völkerbund in Verwirrung und Trauer zurückgelassen, während in Europa ein Zynismus herrsche, wie man ihn seit dem Kriege nicht gekannt habe.

Der Konservative Lord Hugh Ceekl sagte, er sehe nichts in dem, was in Genf geschah, was vom Standpunkt der Aufrechterhaltung des Frie­dens schädlich sei. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich schienen freund­schaftlicher geworden zu fein. Was in Genf geschehen sei, zeige kein Zurückwrichen vom Ge­danken der Einheit unter den Natio­nen, aber der Wunsch der Nationen, Mitglied des Dölkerbundsrates zu werden, die höchste Anerken­nung feiner Bedeutung.

Premierminister Baldwin, der die Debatte im Unterhaus abschloß, erklärte, die neue Komis- sion zur Beratung der zukünftigen Zusammen­setzung des Dölkerbundsrates werde sich der neuen

Lage frei von jeglichen Verpflichtungen gegenüber befinden. Deutschland sei eingeladen worden, einen Sitz in der Kommission unter gleichen Bedingungen mit den gleichen Rechten der Aussprache und der Abstimmung einzunehmen. Er hoffe, daß Deutsch» land die Einladung annehmen werde.

Da» Unterhaus hat die Entschließung Lloyd Georges, in der Chamberlains Vor­gehen in Genf kritisiert wird, mit 235 gegen 138 Stimmen abgelehnt. , ' v

Billigung für vandervelde.

Havas meldet aus Brüssel: Der Kammer- aurschuß für airroärtige Angelegenheiten hat, nach­dem Außenminister Vandervelde über die Konfe- renzverhandlungen und die auf der September­tagung zu erörternden Fragen Bericht erstattet hatte, sich einstimmig für die von Vandervelde in Gens verfolgte Politik ausgesprochen.

preußischer Landtag.

Da» Haus setzte am Dienstag die zweite Berg, tung des Haushalts de, Staatsministeriums und des Ministerpräsidenten fort. Ministerpräsident Braun hob in der Frage der Minderheitenrege, lung hervor, daß die Polen ein hochstehendes Schul­wesen vorgefunden hätten, dos sie jedoch aus natio­nalen Gründen abbauten. Mit Dänemark fei eine Regelung gesunden worden. Der Minister äußerte sich bann über die Frage der Einbeziehung kleinerer deutscher Länder. Wenn in einer Reihe kleinerer deutscher Länder die Auffassung Platz greife, daß diese Kleinstaaten sich besser einem größeren Staat, besonder, Preußen, anschließen würden, so könne man das nur begrüßen.

Die Ausführungen der übrigen Redner befchäf- bigten sich größtenteils mit der Außenpolitik des Reiche». Bis auf die Abstimmungen über verfchis- bene angefochtene Titel, die am Donnerstag statt- finiten sollen, wurde die zweite Beratung de, Etat, erledigt. Der Landtag vertagte sich auf Mittwoch.

China.

Blättermeldnngen zufolge bat der Militärgouver» neue von Schanatung eine Belohnung von einer Million Dollar auf den Kopf deS Führers der Nationalarmee, Feng Du-bsiana, ausgesetzt.

Marschall Feng Do-bsiang ist in Begleitung seiner Familie in Urga eingetroffen.

* Der Reichspräsident hat nach seiner Rückkehr an, dem Rheinland an den Oberpräsidenten der Rheinprovinz ein Handschreiben gerichtet, in dem er für die überaus freundliche Aufnahme, die er bei den Behörden und in allen Kreisen der Senol- ferung des befreiten rheinischen Gebietes fand, fei­nen herzlichsten Dank ausspricht. Ebenso hat der Reichspräsident in persönlichen Schreiben den Ober- bürgermeiftern der Städte Köln, Bonn und Krefeld und dem Rektor der Rheinischen Friedrich Wilhelm- Universität gedankt.

* kommunistische Demonstrationen. Der von den Kommunisten am Dienstag veranstaltete Reichserwerbslosentag ist in Berlin ruhig verlaufen. Nach einer Blättermeldung aus H a n- nover ist es dort zu einem Zusammenstoß zwi­schen der Polizei und den demonstrierenden Er­werbslosen vor dem Gebäude des Provinzialland» tage» gekommen. Angesichts der drohenden Hal­tung der Mengs mußten die Beamten von dem Gummiknüppel Gebrauch machen. Ein Arbeitsloser wurde festgenommen. Auch in München schritt die Polizei gegen Demonstranten ein und zerstreute sie-

* Die deustch-spanischen tzandeksvertrags^er- handlungen. Aus Madrid meldet Havas: Der spanische Außenminister erstattete im Kabinettsrat über den gegenwärtigen Stand der Handelsver­tragsverhandlungen mit Deutschland Bericht. 5m Anschluß daran wurde eine offizielle Note ausge­geben, in der erklärt wird, daß Spanien keineswegs ! ein Einfuhrverbot für Farbstoffe plane, sondern die (Einfuhr einzuschränken wünsche, damit sich auch die spanische Farbindustrie entwickeln könne.

BisherigesErgebnis des Volksbegehrens

, Beim NeichSwahlleiter lagert am 23. März nach­mittags die vorläufigen Ergebnisse deS Volksbe­gehrens aus weiteren zwanzig Wahlkreisen vor, nämlich: Wahlkreis 3 (Potsdam 2), 4 (Pots­dam 1), 5 (Frankfurt a. O.), 6 (Pommern), 8 (Liegnitz), 9 (Oppeln), 11 (Merseburg), 12 (Thü- ringen), 13 (Schleswig-Holstein), 14 (Weser-Ems), 15 (Osthannover), 16 (Südhannover-Braunschweig), 17 (Westfalen-Nord), 19 (Hessen-Nassau), 21 (Kob­lenz Trier), 24 (Oberbayern Schwaben), 30 (Chem­nitz Zwickau), 31 (Württembera), 32 (Baden) und 33 (Hesien-Darmstadt). Insgesamt sind bisher in 29 Wahlkreisen 10 936 852 Eintragungen gezählt worden. Es stehen noch sechs Wahlkreise, nämlich 1 (Ostpreußen), 7 (Breslau), 10 (Magde­burg), 25 (Niederbayern), 34 (Hamburg) und 35 (Mecklenburg), ferner 24 Bezirksämter des Wahl- kreises Franken aus.

Vergleicht man die Zahl der Eintragungen in den nett gemeldeten 20 Wahlkreisen mit der Zahl der Stimmberechtigten der letzten Reichstagswahl vom 26. Avril 1925 (2. Wahlgana zur Reichspräsi- dentmwahl) und der Zahl der Stimmen, die bei der letzten Reichstagswahl am 7. Dezember 1924 auf Sozialdemokraten, Unabhängige S o - zialdemokraten und Kommunisten in die­sen Wahlkreisen entfallen find, so ergibt sich fol- aendeS Bild: (Es bedeutet die Ne.ihenfolge der

Zahlen: 1) Zahl der Eintragungen, 2) in Hundert- fätzen der Stimmberechtigten vom 26. April 1925, 8) in Hundertsätzen der Zahl der Stimmen, bie. aus Sozialdemokraten, Unabhängige Sozialdemokraten und Kommunisten am 7. Dezember 1924 entfallen sind:

Wahlkreil

8 Potsdam 2

614034 43 7

145 6

4 Potsdam 1

4"7O 420 40 7

122«

B Frankfurt a. O.

244 578 23 6

89 6

—

6 Pommern

204 559 17.8

74 09

—

8 Liegnitz

268 121

34.8

120 3

—

9 Ovpeln

147 330 186

143 6

w

11 Merseburg

309 045

84.5

102.1

—

13 Thüringen

562 523

39.8

121.3

ff

13 Schlerw -Holst.

296 707 28.9

103 2

—

14 Weser-EmS

20 074

22 3

98.1

e*

15 Osthannover

153900

23.5

930

■

16 Tüddann. Braunschw. 441099

35.4

107.2

17 Westfalen,Nord

358081

26.9

1161

er

19 Heffen-Nftsau

538 038

34.3

121.4

■

21 Koblenz-Trier

119056

15 8

144.2

gj

24 überbot). Schwaben

209 088

136

74.3

■

30 Chemnitz-Zwickau

577.65

495

1291

■

31 Württemberg

4S0 032

29 4

142 4

ee

32 Baden

499233

-4.6

184.7

■

83 Hesien-Darmstadt

325 756

37.5

126.7

In Berliner politischen Kreisen wird mit einem Gesamtergebnis von über 13 Millionen ge­rechnet.