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der seit Jahren bestehende Munich der saarländische" Bevölkerung auf Ausscheiden Raoults endlich erfüllt werden. Wieweit die übrigen Wünsche der saarlän« bischen Bevölkerung, insbesondere^ hinsichtlich der baldigen Zurückziehung der französischen Truppen aus dem Saargebiet, bei den Verhandlungen vor dem Rat int Sinne der Saarländer entschieden werden, läßt sich noch nicht sagen.
Vriands Ankunft in Paris.
wtb Paris, 18. Mär;. (Eig. Iunkm-l TRini- skerpräsident Briand ist heute vormittag in P a r t s eingetrofsen. Den Journalisten erklärte er: Die alle Politik wird fortgesetzt und wir hoffen, baldigst zu einer Lösung zu gelangen.
Schon am Mittwoch abend war der französische Ministerrat zusammengetreten, um sich mit der am Donnerstag im Parlament zu verlesenden Re- gierungserklärung zu beschäftigen.- Diese Erklärung wird vom Parlament die unverzügliche Annahme der Gesetzentwürfe für die Finanzierung und den Budgetausgleich fordern, ferner Rückkehr zur Arrandissementswahl, Annahme des Gesetzentwurfes für das Wohnungswesen, Reorganisation des Heeres, soziale Versicherungen ufm. Hinsichtlich der auswärtigen Politik wird die Erklärung den Willen der Regierung bestätigen ,die Politik der Entspannung und der durch die Abkommen von Locarno eingeleiteten Versöhnung fortzufetzen und gleichzeitig auch ihr volles Vertrauen in den Völkerbund zum Ausdruck bringen.
„Daily Mail" meldet aus Paris, in positischen Kreisen gelte Bricmds Stellung durch das Stocken der Verhandlungen über Deutschlands Eintritt in den Völkerbund ernstlich erschüttert. Herriot und seine Freunde {ollen die Absicht haben, bei der ersten Gelegenheit die Regierung zu übernehmen.
Die Kriegsschulden.
Zur Stage der amerikanischen Ersatzforderungen.
Die Preß Asiociation meldet, in britischen amtlichen Kreisen fei nichts davon bekannt, daß die Vereinigten Staaten von England eine Entschädigung für die Wirkungen der britischen Blockade vor dem Eintritt Amerikas in den Krieg zu fordern beabsichtigten. Es werde darauf hingewiesen, daß die Blockade die Wirkung gehabt habe, die Dauer der Feindseligkeiten einzuschränken. Man glaubt nicht, daß Amerika eine solche Forderung offiziell vorbringen werde.
Im englischen Unterhaus kam Lloyd George während der zweiten Lesung der Ersparnisvorlags auf die alliierten Schulden zu sprechen und erklärte unter Heiterkeit des Hauses, die Franzosen hätten eine neue kluge Methode entdeckt, die Zahlung ihrer Schulden zu umgehen. Jedesmal nämlich, wenn die Rechnung vorgelegt werde, wechselten sie ihren Kassierer. Es bestehe keine Aussicht, daß Churchill von Frankreich etwas bc» kommen werde.
Die Ersparnisvorlage wurde dann in zweiter Lesung mit 322 gegen 142 Stimmen angenommen.
Gefahren im Osten.
Drohende Haltung Japans ?n China.
Die Agentur Jndo Pacific berichtet aus Tokio, der japanische Ministerrat habe beschlossen, bei der chinesischen Regierung energisch wegen der Beschießung der japanischen Zerstörer bei Taku vorstellig zu werden und die chinesischen Gegenoorschäge n i cht anzunehmen. Dem japanischen Gesandten sei Weisung erteilt, worden, das Protokoll, das die Mächte China übermitteln werden, mitzuunterzeichnen. In diesem Protokoll werde angekündigt die Mächte würden nötigenfalls mit Gemalt die Freiheit Pei- hos sichern, wenn die chinesischen Behörden nicht unverzüglich die ausgelegten Minen wiÄer einsammelten und sich jeder kriegerischen Handlung in dieser Gegend enthielten. Außerdem seien Weisun. gen ergangen, um Entschuldigungen der chinesischen Regierung die Bestrafung der Schuldigen und volle Wiedergutmachung zu erreichen.
Der chinesische Oberkommandlcrende hat das Aliimatum angenommen.
wtb Poris, 18. Akar;. (Eig. Junfm.) Rach einer vom „Newyork-Herald" wicdergegebenen Meldung aus Peking hat der Oberkommandierende der chinesischen Rokionalarmee das Ultimatum der auswärtigen Mächte angenommen.
Marokko.
Der französische Kriegsminister gibt einen lieber, blick über die Lage in Marokko, in dem u. a. hervorgehoben wird, daß die Linen, die die franzosentreuen Eingeborenen zurzeit in Wirklichkeit desctzr halten, weit über die hinausgehen, die die Franzosen Ende des Winters 1924 vor dem ersten Angriff der Rifleute gehalten haben.
Die Budapester Frankenfälschungen.
Die Entscheidung des Anklagesenats in der Frankenfälichungsaffüre hält die Anklage gegen die beiden Hauptschuldigen, den Prinzen W t n d i s ch- grätz und Nadossy, in dem von der SiaatSan- wal:jchast in der Anklageschrift festgesetzten Maß unverändert aufrecht. Abgesehen von den auf freien Fuß gesetzten wurden die übrigen auch gegen das Angebot einer Kaution nicht entlassen, mit der Begründung, daß sie eine führende Rolle ipielten, bezw. ihre Handlungen io schwerwiegend sind, daß die voraussichtliche Höhe ihrer Strafe eine zeit- weilige Haftentlaffung ausschließe. Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Beschluß des AnkiagesenatS Berufung eingelegt.
Nr. 65.
Anzeiger für die Stadt und den kreis Fulda.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: .SHiiftrierte Sei« läge" nnd .SucheublLtter". Rotationidruck nnb Verlag der
Fuldaer i ctiendruSerei in Fulda. Ferulvrecker Rr. 9.
Monatlicher 8etnfl!6ref8: 1.50 Mk. ._______
Freitag, 19. IHärz 1926.
Amtliches Kreisblatk.
53. Zahrg
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W Rückkehr her StaatNanner doh Gens.
Stresemann bucht neue Freundschaften.
Die Mittwochsitzung des Völkerbundsrats, über die wir schon berichteten, endete mit der e i n st i m- migen Annahme der von Briand vorgeschlagenen Erklärung, worin die Hoffnung ausgesprochen wird, Deutschland im September in ben Völkerbund aufnehmen zu können. Unser Mitarbeiter, der während des ganzen Verlaufs der Tagung in Genf weilte und mit den verschiedenen Kreisen, die an den Verhandlungen teilnahmen, in enger Verbindung stand, faßt seine Eindrücke in folgendem abschließend zusammen:
Die Vertagung von Genf wird mehr innerpolitische als außenpolitische Schwierigkeiten Hervorrufen. Die Gegner des Völkerbundes und der Locarnopolitik werden nun Oberwasser gewinnen und alles daran setzen, um doch noch zu ihrem Ziel zu kommen. Das wird n i ch t n u r i n S e u t f fa= Iandso sein, diese Tendenzen werden sich in allen übrigen Ländern durchsetzen, und wer weiß, welche Männer im September, wenn es überhaupt dazu kommt, bei der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund Pate stehen.
Rein äußerlich betrachtet ist Brasilien sicher- sich das Karnickel. Aber es sind doch auch noch andere Kräfte, die sich hinter Brasilien versteckten, teils Brasilien zum Verfechter ihrer eigenen Interessen vorschoben. ■ Spanien hielt sich in den letzten Tagen etwas im Hintergrund, aber auch Spanien wünschte ganz zweifellos Im gegenwärtigen Augenblick eine Sabotierung der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund. Dazu kamen die Intriguen aus Polen, und hinter allen dreien steht — Mussolini! Musiolinis Ziel ist nun einmal die Diskreditierung des Völkerbundes und die Schwächung der internationalen Diplomatie.
Wo aber auch immer der Schuldige gesucht und gefunden werden mag: Ein längeres Verbleiben der deutschen Delegation in Genf vertrug sich nicht mit dem vielgerühmten Locarnogeist, in dessen Zeichen die Deutschen nach Genf gerufen worden waren. Briand selber hat diesen Gedanken in ähnlichen Worten ausgesprochen. Er hat ausdrücklich erklärt, daß an den Schwierigkeiten von Genf Deutschland ganz und gar unschuldig fei, daß es sich oiekmehr um eine innere Krisis des Völkerbundes handele, die auch, ohne daß jetzt Deutschlands Aufnahme in den Völkerbund zur Debatte gestanden märe, hätte ausbrechen müssen, deren Ausbruch nur jetzt mit der Debatte über Deutschlands Eintritt akkut geworden fei.
Diese Auffassung trifft durchaus zu, damit ist aber auch die Stellungnahme der deutschen Delegation zu der ganzen Ratssitzfrage als durchaus berechtigt selbst von der gegnerischen Seite anerkannt worden. Es hat in allen Phasen der Verhandlungen in Genf nicht einen einzigen Augenblick gegeben, in welchem nicht von der Gegenseite der deutsche Standpunkt formal-juristisch und sachlich als durchaus berechtigt anerkannt wurde. Bricnd und Chamberlain haben oft genug den Deutschen ausdrücklich gesagt, daß sie sehr wohl einen hundertprozentigen Steg erringen könnten. Es sei durchaus zugegeben, daß von Briand und Chamberlain als den Vertretern Frankreichs -md Englands alles getan wurde, um die inneren Schwierigkeiten des Völkerbundes aus dem Wege zu räumen und trotzdem den deutschen Auffassungen gerecht zu werden. Aber schließlich tragen gerade diese beiden Staatsmänner ein gerüttelt Maß von Schuld, an dem, was sich jetzt ereignet hat. Nicht nur daß die Vorbereitung dieser Tagung ganz außerordentlich unglücklich und ungenügend war, auch die Bindungen, mit denen die beiden Staatsmänner nach Genf ka
men, mußten ihre Bewegungsfreiheit von vornherein einengen. Es hat sich herausgestellt, daß in Locarno in einer schwachen Stunde den Polen doch weitergehende Zusicherungen gegeben wurden, als es zunächst, nachdem die Ratsfrage einmal in die öffentliche Debatte geworfen war, schien, und daß andererseits sich auch Spanien auf bestimmte Zusicherungen berufen konnte, von denen die Deutschen keine Ahnung hatten. Es ist Briand und Chamberlain nicht gelungen, diese Schwierigkeiten zu beheben, und die Art, wie die Deutschen i n - nerhalbder Völkerbundsmächte in Eens geführt worden find, hat nachgerade gezeigt, daß es mit dem Geist von Locarno und mit dem echten Ge- weinschaftsgeist, wie er dem Völkerbund eigen sein wll, nicht weit her ist. Gerade diese Erkenntnis, daß der Geist fehlt, der erst ein Uebereinfommen lebendig macht, hat schließlich die Staatsmänner veranlaßt, die Frage der Vertagung aufzuwerfen.
Und doch ist Genf, insbesondere für die deutsche Politik, nicht erfolglos geblieben: Die sämtlichen 7-ocarnomächte also einschließlich Deutschland ha- sich auf eine Erklärung geeinigt, wonach Jf'cr Vertagung keineswegs der Charakter eines Abbruchs oder etwa eines Verlassens der Linie von mrC«rn? sileichkommt. Im Gegenteil ist man ein» » bei den Locarnomächten dahin übereinge- mmen die Abmachungen von Locarno noch ein« 3» bestätigen und Deutschland so bandeln, als wäre jetzt der Eintritt in den lkerbund erfolgt. Mit anderen Worten: Die ..„^"overträge werden ratifiziert und tre- sanri°u4> tatsächlich in Kraft, ohne daß die D->»Ir^?°"LEsehene Voraussetzung des Eintritts fnr^'^IaiLb5.in den Völkerbund erfolgt ist. Die Aikrastsetzung wird dann nur noch eine Formsache fein, die mit der Aufnahme Utzchlands in den Völkerbund perfekt würde.
Znt«.Iele- Tatsachen sind für die Beurteilung der l0IlS.en Verhältnisse von ganz außeror- tnir?» r JS^tigfeit und geeignet, ! eruhigend zu »nru-rk Etwas anderes bleibt es, was nun Innen« mtA r geschieht, und da muß man, namentlich wwest die deutschen DerhältMe. in Frage
kommen, die allerschwer st enDesorgnisse hegen. * -v ..
Die Vorgänge in Genf werden sehr nachhaltige Rückwirkungen auch innerhalb des B ö l k e r b u n- des selber haben müffen. Es ist unerträglich, daß eine außereuropäische Macht es in der Hand hat, die ganze Europapolitik durch ihren Einspruch zu stören. Es hat sich aber auch herausgestellt, daß das Prinzip der Einstimmigkeit, wie es jetzt im Rate besteht, zu den wllsten Verwickelungen und Absonderheiten führen kann. Der unbedeutende Staat kann die Politik der Großmächte durch sein Veto glatt zerschlagen. Das kommt, auf, einen Terror hinaus, der umso peinlicher wirkt, je größere politische Fragen auf dem Spiel stehen, und je weniger an sich diese betr. Macht an den Dingen selber, die sie zerschlägt, interessiert ist. Wie die Dinge jetzt liegen, ist durch die Verschiebung einer solchen Macht es bestimmten Gruppe i jederzeit möglich, ihre eigenen Interessen durch Strohmänner vertreten zu kaffen und eine Jntriguenpolitik ins Werk zu setzen, die alles sabotieren kann.
Es hat sich aber weiter gezeigt, daß der Völkerbund in seiner jetzigen Gliederung ein Unding ist. Wir müffen zu einer kontinentalen Gliederung dahin kommen, daß die Europamächte sich zu- sammenschließen, und es nicht mehr einer außereuropäischen Macht gestattet und möglich sein kann, rauh und roh in die Dinge einzugreifen. Sc war es erklärlich, daß die Vertreter der Locarnostaaten es mit dem Locarnogeist als unverträglich und dieses Geistes als unwürdig erachteten, den Schluß« ftern unter Locarno und damit den Beginn einer neuen europäischen Friedenspolitik im Zeichen solcher häßlichen BegleUerscheinunaen vollziehen zu lasten. ■ ’ '
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Reichskanzler Dr. Luther erklärte vor der Abreise den Pressevertretern n. a.: Die völlige Einigkeit der Locarnomächte, die einmütige Zustimmung der übrigen ergibt für uns die Aufgabe, auch in der Völkerbundsrichtung entichieden weiter zu arbeiten und den Stand der Dinge so zu betrachten, daß wir uns bemühen, zum Segen für das deutsche Volk eine Entwicklung zu fördern, die uns im weiteren Verlaufe doch noch als Mitglied in den Völkerbund und in den Rat führt.
Kurz vor seiner Abreise von Gens gab auch Reichsautzenminister Dr. Stresemann dem Genfer Vertreter der „Daily News" eine Erklärung ab, in der es heißt: Das Scheitern des deutschen Eintritts in den Völkerbund bedeute, daß ein großer Teil der Arbeit.der letzten sechs Monate vergeblich gewesen sei. Es könne sein, daß die deutsche Delegation, wenn sie nach Hause zurück« kehre, finde, daß ein großer Teil der Begeisterung für den Völkerbund geschwunden ist. Die zerstörte Strbeit müsse nunmehr wieder begonnen werden. Der Aufenthalt der deutschen Delegation in Genf sei jedoch nicht vergeblich gewesen. Neue Fühlungen seien hergestellt worden. Es könne sogar vielleicht gesagt werden, neueFreund schäften seien gebildet worden.
London und die Genfer Krife.
Reuter erfährt, in zuständigen Kreisen Londons werde darauf hingewiesen, daß das Schlimmste vermieden worden sei, nämlich daß die Dölker- bundsversammkung mit Gefühlen der Erbitterung auseinandergeht rmd daß der Eindruck herrscht, irgendeine Nation fei zurückgesetzt worden ober die Locarnovereinbarungen seien in der einen oder anderen Form verletzt worden. Reuter fährt fort: Die Genfer Desprechungen hätten das vor der Zusammenkunft des Rates entstandene Gefühl zerstreut, daß der Vertrag von Locarno nicht dem Buchstaben getreu ausgesührt werden sollte. Die Locarnvmächte hätten jetzt endgültig erklärt, daß sie an den Grundsätzen der Verträge festhalten. Was die Erfüllung bet Locarnoverträge verhindert hat, seien die völlig natürlichen nationalen Aspirationen gewisser Mächte gewesen, imb diese Aspirationen zu befriedigen, habe man in der kurzen in Genf den Staatsmännern zur Verfügung stehenden Zett keine Möglichkeit gefunden.
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Ans dem Unterhause berichtet Reuter: Bei der Arbeiterpartei und bei den Liberalen werde zwar Sympathie für Chamberlain ausgesprochen. Es erscheine aber sicher, daß beide Flügel der Opposition bei Gelegenheit der Debatte in der nächsten Woche der Regierung kritisch entgegentreten werden. Die Opposition habe die Erklärungen Chamberlains vor feiner Abreise nach Genf nicht vergessen. Die Opposition könne allein ein Mißtrauensantrag nicht durchbringen. Es sei eine Abstimmung wahrscheinlich.
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Die Londoner „Daily News" schreibt in einem Leitartikel über „Das Verbrechen von Genf" u. a.: Kein Vernünftiger wird durch den Versuch der Hauptverschwörer in Genf getäuscht werden, die gesamte Schuld auf Brasilien zu schieben. Briand und Chamberlain sind g e - meinfam verantwortlich für die Schmach der letzten 10 Tage. Der Genfer Berichterstatter des „Daily Expreß" schreibt, Deutschland verlasse Eens starker, als es bei seiner Ankunft gewesen fei. „Times" berichtet aus Genf, - man erwarte, daß Deutschland an der Kommission zur Erörterung der künftigen Verfassung des Völkerbundes teilnehmen werde. In einem Leitartikel schreibt das Blatt, die seit vielen Tagen ins Werk gesetzte
Intrigen hätten sowohl die Anhänger als auch die Gegner des Völkerbundes angeekelt.
M a c d o n a l d, der englische Arbeiterführer, bezeichnet in einer Unterredung die Verschiebung der Genfer Verhandlungen als einen Fehlschlag erster Größe. Es sei noch zu früh, um zu sagen, welches die Rückwirkungen z. B. in Deutschland sein werden. Das Ansehen Englands sei in Genf vermindert worden. Pflicht des Unterhauses fei es, das Ansehen wieder zu heben. In dieser Frage dürfe es keinen Parteikampf geben.
Die Stimmung im Reichstag.
^a^^ einer Mitteilung einer demokratischen Zei- tungskorrespondenz beurteilen die Regierungsparteien das Ergebnis der Genfer Tagung wesentlich anders als die Deutschnationalen. Durch die gemeinsame Erkürung der Locarno-Mächte sei die Sicherheit für die Fortführung der einmal eingelei« teten europäischen Friedenspolitik gegeben. Im einzelnen würde noch festzustellen sein, ob und in welchem Umfange die Auswirkungen der Locarno- oerträge weiterlaufen. Die Regierungsparteien glaubten mit guten Gründen eine geschlossene Front zur Verteidigung der bisherigen außenpolitischen Linie einnehmen zu können. In dieser Beziehung würden sie, wie es in der Mitteilung der Korrespondenz heißt, auch mit der Unterstützung der Sozialdemokraten rechnen können.Dor der außenpolitischen Debatte tin Reichsplenum müßten vertrauliche Besprechungen der Parteiführer mit dem Kanzler und dem Außenminister ftattfmben, in denen die Fraktionen über die Einzelheiten der Genfer Verhandlungen unterrichtet werden sollen.
Im Gegensatz zu der Auffassung der demokratischen Korrespondenz steht eine Mitteilung der „Deuffchen Allgemeinen Zettung", wonach die Stirn« mung nicht einheitlich fei. Auf dem rechten Flügel des Zentrums, bei der Deutschen Volkspartei und bei der Bayerischen Volkspartei herrschte Verstimmung über die Genfer Vorgänge. Auch Das Blatt kündigt Besprechungen der Parteiführer mit der Delegation an.
Der deukschnakionale Parkeivorsih.
„Deutsche Allgemeine Zeitung" und „Berliner Tageblatt" wollen wiffen, daß Reichsminister a. D. Schiele erklärt Haden soll, die Wahl zum deutsch- nationaten Parteivorfitzenden nicht anzunehmen, und daß jetzt als Nachfolger für den Parteivor- sitzerrden Winkler in erster Linie der Vorsitzende der Reichstagsfraktion, Graf Westarp, in Frage komme. “ Graf Westarp vertritt die radikale Richtung in der Partei.
Amerika und Europa.
Nach der In gut unterrichteten amerikanischen Regierungskreisen vorherrschenden Ansicht wird der Zusammentritt des vorläufigen Abrüstungsausschusses bei dem Völkerbund angesichts der Verschiebung der Aufnahme Deutschlands bis zum September weiter vertagt werden. Die vorherrschende Stellungnahme zugunsten einer Beteiligung Amerikas an der Abrüstungs-Tagung würde nachteilig beeinflußt werden, wenn die Erörterungen der Abrüstungsfrage weiter verschoben werden. In den Sitzungen des geplanten Abrüstungsausschusses mürben weitgehende Meinungsverschiedenheiten unter den europäischen Delegierten zu Tage treten, was eine Erörterungsdauer von mindestens einem Jahr wahrscheinlich machen würde. •_
Nach Meldungen des Newyork-Herald aus Washington hat Präsident Coolidge beschlossen, dm Zusammentritt der maritimen Ab- rüstungskonferenz vorläufig zu verta« g e n. Im April steht die Veröffentlichung einer Erklärung des Präsidenten Coolidge über die fortan von Amerika gegenüber Europa zu befolgende Politik bevor.
Frankreich und die Loearnovertrage
Wie der Havasberichterstatter auS Genf meldet, hätten sich Strefemann und Briand bei ihrer letzten Begegnung in Genf mit drei Puntten der künftigen Außenpolitik befaßt. In der Frage des Einttitts Deutschlands in den Völkerbund würden England und Frankreich beantragen, daß Deutschland in die auf Vorschlag des japanischen Delegierten Jshii zu bildende Kommission zur Prüfung der Reorganisierung des Dölkerbundsrats aufgenommen werden, da das das sicherste Mittel sei, die Wiederkehr von Ereignissen wie der der letzten Tage zu vermeiden. Außerdem scheine es, daß sich Briand und Stresemann übet das ausgesprochen hätten, was die deuffche Presse die Rückwirkungen von Locarno norme. Es sei kein Grund vorhanden, diese Politik der wirtschaftlichen und politischen Rückwirkungen des Abschlusses der Ver- ttäge von Locarno nach den Ereignissen von Genf nicht fortzusotzen. Da die Bestimmungen der Abmachungen von Locarno nun nicht so früh wie gewünscht in Kraft treten könnten, hätten Briand und Sttesemann schließlich Mittel gesucht, Abhilfe gegen die Nachteile dieser Verzögerung zu schaffen. Sie seien, so scheine es, entschlossen, nicht länger zu warten, die Schicdsgrundsätze, die den wesentlichen Bestandteil der Abmachungen von Locarno bildeten, auf die Beziehungen der beiden Länder in Anwendung zu bringen.
Die Saarfrage.
In unterrichteten Kreisen des Völkerbunds« sekretariats gilt die Wahl des Kanadiers Stephens, der bereits feit mehreren Jahren der Regie- rungskominission für das Saargebiet angehört, an« stelle des anSscheidenden Präsidenten der Regie« rungskommission Raoult als sicher. Damit wird