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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stabt und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakt

53. Zahra

Donnerstag, 18. Hlärz 1926

Nr. 64

lieber die Auffassung, zu der aus dem amtlich vereinbarten Kommuniquee sich ergebenden Lage erfuhr am Dienstag abend der Sonderberichterstat­ter des W. T .58. aus Kreisen der deutschen Dele­gation, daß es für die Beurteilung des Nickttvoll- Mgcs des deutschen Eintritts wichtig sei, daß dieser negative Ausgang aus einer Schwierigkeit des Ver­fahrens resultiere, die nicht vorbergesehen werden konnte. Es wird dabei ausdrücklich festgestellt, daß 016 vorher, bestehenden Hindernisse beseitigt ?"ven. Die Ursachen des negativen Ausganges und daher außerhalb der Locarnomächte bei einem amerikanischen Ratsmitglied zu lachen. Die deutsche Delegation vermeidet es je= 0"ch, ihrerseits die Verursachungsfrage näher zu erörtern und überläßt es der Meinung der Welt, ure Schlüsse zu ziehen, auf denen ihre Entscheidung beruhen wird. Wesentlich ist die unter den Signa- . kvvrnächten von Locarno getroffene Feststellung, das Werk von Locarno mit seinen Voraussetz- ungen. Rück- und Auswirkungen unter ihnen be= . «tehen bleibt und daß sie es als ihr gemeinsames

TrkÄeint sechsmal wöchentlich. WoSenbeilagen: .Illustrierte Bei- läge' und .BuchenblStter'. Rotationsdruck und «eriaa der Fuldaer S'ctierbriiderei in Fulda. Fernsvrecher Rr. 9.

Rlonatlicher Betuasvreis! 1.50 Mk.______________

Frankreich und der Grient.

Abänderung des französisch-kürklschen Vertrages?

Die Londoner „Morningpost" betont, daß die Anwesenheit des Konstantinopeler britischen Botschafters in London mit gewissen Besprechun­gen zusammenfalle, die augenblicklich in Paris über das französisch-türkische Abkom­men geführt würden. Einzelne Bestimmungen des Abkommens über Neutralität und über den Transport türkischer Truppen auf der Bagdadbahn seien von britischer Seite kritisiert worden, und es verlaute, daß die Franzosen auch zu ihrer Abände­rung bereit seien.

Die syrischen Aufständischen drohen mit der Zer­störung von Damaskus.

„Daily Mail" berichtet aus Beirut, der Natio­nalrat der syrischen Austtändischen forderte alle Euroväer in Damaskus auf, die Stadt sofort zu verlassen, da die Austtändischen beabsichtigten, D a- maskus zu zerstören und die Franzosen zu vertreiben. ___________________

Neue Beschießung von Tetuan.

wtb Tanger. 17. März. (Eig. Funkm.) (Reuter.) Vorgestern abend beschossen die Geschütze der Rif- Kabylen wieder Tetuan aus größerer Nähe als bisher.

Havas meldet aus R a b a t: Der spanische Ober­kommissar General San Jurgo hat besck'ffsen, sich nach Rabat zu begeben, um dem französischen Generalresidenten Steeg einen Besuch abzustatten. Don der Deröstentlichung militärischerKom- muniquees wird von seht an abgesehen werden, außer während der Periode der Opera» tionen.

Das deutsche Oberschlesien.

Wtb Oppeln, 17. März. (Eig. Funkm.). Der Oberpräsidenk der Provinz Oberschleslen veröffent. licht einen Aufruf, in dem es u. a. heißt:

„Oberschlesieri Die bevorstehende 5. Dieder- kehr des Abstimmungstages drängt dis oberfchle- ische Bevölkerung dazu, in den nächsten Tagen der Volksabstimmung ganz besonders zu gedenken. Da die aus dem Abstimmungssieg als selbstverständlich gegebene Folge des ungeteilten Verbleibens von ganz Oberschlesien bei Deutschland uns doch nicht zugestanden worden ist, wird über jeder Abstim­mungsfeier ein Trauerschalten liegen. Angesichts )er Zerrissenheit, von der Oberschlesten durch dieses Sonderschicksal in vieler Deziehung helmgesucht wor­den ist. wird die Erinnerung an die gemeinsame Rot auch eine Mahnung, ein Ansporn sein zur Ueberwlndung der verschiedenen Gegensätze. Dir wallen uns stets als würdige Angehörige des gro­ßen deutschen und preußischen Rechts- und Kultur- fiaakes zeigen, halten wir in diesem Geist treu zu­sammen zum Wiederaufbau, zum Neuaufbau, zum Schuh unserer Heimat!"

Ultimatum an China.

Reuter meldet aus Peking: Die dem chine­sischen Auswärtigen Amt überreichte Note der Vertraqsmächte besagt: Wenn bis Donners­tag den 18. März keine befriedigenden Zusicherun­gen wegen der erwähnten Forderungen einge­gangen sind, werden die Marinebehörden der frem­den "Mächte die Maßnahmen ergreifen, di« sie für nötig erachten, um alle hindernisse für freie und sichere Schiffahrt auf dem Kanal zwischen Tientsin und dem Meere zu beseitigen und zu unterdrücken.

Ein Pakt gegen Grotzdeutschland?

Wtb London, 17. Mörz. Gig. Funkm.). Der Seufer Sonderberichterstatter der »Times" erfährt, daß Frankreich. Italien und Jugosla­wien die Grundlage eines Paktes bezüglich der Fragen Mikkel-Guropas geschasfen haben. Die in Genf versammelken Delegierten der drei Staaken legten schrifklich die rlebereinstimmung ihrer An­sichten in der Frage der D e s ei t i g un g der Mög- lichkeik einer politischen Anion zwischen Oesterreich und Deutschland nieder. Die Einzelheiten des Vertrages sollen später anderswo ausgearbeitet werden.

Briand erklärte in einer Unterredung mit dem Genfer Verichterflatter des „Daily Expreß", Frank­reich schmiede keinerlei ko mplotte gegen Deutschland. Frankreich, Großbrilannien und Deutschland befänden stch in voller Uebereinstim- mung.

* Schließung rumänischer Universitäten. Havas meldet aus B u k a r e st: Der Senat der Unwerft. tat hat wegen des StudentenstreikS beschlossen, die Universitäten von Bukarest und Iassv bis zum 15. April zu schließen.

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kerbundes als Folge dieser schmerzlichen Ereignisse. Es handle sich um eine Entwicklungskrank­heit.

Mit großer Bewegung erllärte der französische Premierminister weiter: Ich empfinde es im höch­sten Maße als eine Grausamkeit des Schicksals, daß die Zusammenarbeit mit Deutschland mir heute noch versagt ist, aber wir sind alle auf Initiative der deutschen Delegierten (Starker Applaus) dahin übereingekommen, daß der ehrliche und aufrichtige Friedenspakt, den wir in Locarno geschloffen haben, darunter nicht leiden darf.

Briand forderte zur

Reformierung und Veränderung des Völkerbundes

auf und pries unter stürmischem Beifall den Herzensadsl der deutschen Delegierten, der dazu geführt hat, daß das Werk von Locarno in dieser Krise intakt und unantastbar erhalten blieb. Briand forderte als unerläßliche Handlung des Völker­bundes gegenüber Deutschland eine Art

moralischer Aufnahme Deutschlands in das Werk des Völkerbundes durch Annahme folgender

Erklärung.

„Die Versammlung bedauerk, daß die bis jehk aufgekauchken Schwierigkeiten es nicht ermoglich- fen, das Ziel zu erreichen, für welches Deutschland nach Genf eingeladen worden war. Sie Versamm­lung drückt den Wunsch aus, daß diese Schwierigkei­ten bis zur o r d e n t l i ch e n S e p t e m b e r-S e s- sion der Völkerbundsversammlung überwunden fein werden, damit dann zu diesem Zeitpunkt die Aufnahme Deukschlands in den Völkerbund voll­zogen werden kann."

Die Versammlung wird nach der Diskussion zu dieser Erklärung Stellung nehmen.

Iapan und Schweden.

Rach Briand sprach der gegenwärtige Vor- sitzende des Völkerbundsrats, Jshii-Iaxan, der den von der deutschen Delegation zur Debatte gestellten Vorschlag auf sofortige Schaffung einer besonderen Studien-Kommission

zum Antrag erhob. Diese Kommission solle bis zur September-Tagung der völkerbundsversammlung ihre Aufgaben beendet haben.

Der schwedische Außenminister, Anden, be­dauerte In ebenso kurzen wie entschlossenen Dorten, daß in der Hauptsache durch nationalistische und Einzel-Interessen das einzige Ziel der Märztagung des Völkerbundes gescheitert sei, nämlich die Aufnahme Deutschlands in den Völker­bund und in den Rat.

Lateimsch-KmeriKa.

Eaballero-Peruguay verlas im Hamen von Ehile, Columbien »Cuba, Guatemala. Nicaragua. Panama, der dominikanischen Republik Venezuela und Aruguay eine verhältnismäßig scharfe Er­klärung gegen die Haltung des bra­silianischen Delegierten, deren Inhalt bereits gestern vormiktag zur Kenntnis Mello Francos gebracht worden ist. Darin wird Bra- fifien ersucht, mit Rücksicht auf die gegenwärtige schwierige tage sich den Beschlüssen der Mehrheit anzuschließen, denn die amerikanischen Völker müß­ten zur Befriedung Europas beitragen.

Schweiz und Holland.

Motta erklärte u. a., daß es die lebenswichtige Aufgabe des Völkerbundes sei. die Aufnahme Deutschlands bis zur Septemberlagung sicher zu stellen, da sonst ein Zusammenbruch des Völker­bundes unter dem Dutgeschrei der Völker erfolgen werde, Loudon-Holland verschärfte diese Bemer­kung, indem er darauf hinwies, daß die Versamm- hing, in der die Vertreter von 48 Ländern zufam- mengekommen seien, nur einige Brocken von dem, was in den vergangenen 10 Tagen vorgegangen sei, erfahren hätten. Die tiefe Mißstimmung der für die einstimmige Ausnahme Deutschlands begei­sterten Vollversammlung sei deshalb begreiflich. Es sei zu befürchten, daß eine Herabminderung des Ansehens des Völkerbundes mindestens aber ein Prestigeverlust, die Folge des Scheiterns der Auf­nahme Deutschlands sein werde.

Die Sitzung dauert fort.

Der Reichstag und Genf.

Das Berliner Tageblatt berichtet, daß die Völ­kischen und die kommunistischen Reichstagsabgeord­neten beabsichtigen, in der Plenarsitzung des Reichs­tages am Mittwoch Anttäge auf sofortige Be­sprechung der Vorgänge in Genf zu stellen. Auch in deutschnationalen Kreisen des Reichstages soll dem genannten Blatt zufolge eine gleiche oder ähnliche Absicht bestehen.

Rückkehr der deutschen Delegation aus (Senf.

Wtb Genf, 17. März. (Gig. Funkm.) Die deutsche Delegation reift heute abend um S Uhr mit einem Sonderzuge nach Berlin zurück«

Seit Wochen richtet sich die Aufmerksamkeit der ganzen Kulturwelt auf die Völkerbundstagung in Genf, die jetzt ergebnislos zu Ende gegangen ist. Ehe noch die Staatsmänner der ganzen Welt nach Genf fuhren, setzte überall in der Presse und- in den Parlamenten der lebhafte Meinungsaustausch über dis Genfer Tagung ein, die den Eintritt Deutsch­lands in den Völkerbund bringen sollte. Von An­fang an nickte die Frage der Ratserweiterung in den Vordergrund und es begann ein lebhafter Streit um die Zuteilung neuer Ratssitzs. Was die Auseinandersetzungen vor dem Beginn der Genfer Tagung erwarten ließen, ist eingetroffen. Länger als eine Woche hat der Kampf um die Ratssitze auch in Genf getobt. Dieser Kampf zeigte einen fortgesetzten Wechsel der Lage. Immer wieder tauchten andere Bewerber für neue Ratssitze auf, um bald darauf in der Versenkung zu verschwinden. Und nun erfährt staunend dis Welt, daß an dem Einspruch der südamerikanischen Republik Bra­silien die Ausnahme Deutschlands in den Völker­bund gescheitert ist, auf den Herbst vertagt wurde. Diese Vertagung der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund ist die bedeutsame Tatsache, die heute zu verzeichnen ist. Um diese Tatsache nicht in ihrer ganzen brutalen Bedeutung zur Auswir­kung kommen zu lassen, haben am Dienstag abend die Locarno-Mächte einschließlich Deutschland eine Kundgebung erlassen, worin die Fortsetzung des Werkes von Locarno mit Nachdruck betont wird. Auch die Erklärungen, die Chamberlain und Briand am Mittwoch vormittag in der Voll­sitzung des Völkerbundes dem Veto des brasiliani­schen Vertreters folgen ließen, dienten diesem Zweck. Wie weit sie ihre Aufgabe erfüllen, muß abge­wartet werden. Deutschland wird erst von seinen Genfer Vertretern, dem Reichskanzler und dem Außenminister, über alle Einzelheiten der letzten Woche aufgeklärt werden müsien, bevor zu der neuen Lage Stellung genommen werden kann. Jede Uebereihm, kann jetzt verhängnisvoll werden. Dor cttem gilt es jetzt, festzustellen, wie weit Brasilien aus eigener Initiative bei seiner folgenschweren Stellungnahme gehandelt hat. Es fehlt nicht an Andeutungen, daß der Vertreter des südamerikanischen Landes mit den unergründlichen Urwäldern und Moskito-Sümpfen nicht auf eigeneFaust gehandelt hat. Die internationale Diplomatie wird dir Aufgabe haben, Zusammen­hänge in dieser Beziehung bloßzulegen. Es ist nicht schwer zu begreifen, daß man als Drahtzieher für die Schwierigkeiten, die jetzt Deutschlands Aufnahme unmöglich gemacht haben, vielfach Mussolini nennt.

Der Abschluß von Genf kann «mch in der eng­st s ch e n und französischen Inn enpoli - t i k erhebliche Folgen haben.

Die Locarno-Mächte.

Am Dienstag abend wurde folgende amtliche Verlautbarung ausgegeben: Die Vertreter Deutschlands, Belgiens, Frankreichs, Groß­britanniens und Italiens haben sich heute vereinigt, um die Lage zu prüfen, wie sie sich aus den aufge­tauchten Schwierigkeiten des Verfahrens ergibt, die sich der Verwirklichung ihrer gemeinsamen Ziele entgegenstellen. Sie stellen fest, daß sie im Be­griffe waren, zu einer Uebereinstimmung zu gelangen und die Hindernisse zu überwinden, die zu einem gegebenen Zeitpunkt unter ihnen ent­standen waren. Falls, wie zu befürchten ist. die eingangs erwähnten Schwierigkeiten fortbestehen sollten, würden die Vertreter der sieben Signatar­mächte des Protokolls von Locarno hedauern, daß sie im gegenwärtigen Augenblick das von ihnen an« gestrebte Ziel nicht erreichen können. Sie stellen jedoch mit Befriedigung fest, daß das Friedenswerk, welches sie in Locarno verwirklichten und wel­ches in seinem ganzen Werte und in seiner ganzen Kraft bestehen bleibt, dadurch nicht berührt wird. Sie halten daran fest heute wie gestern und sind fest entschlossen, sich gemeinsam dafür einzusetzen, es aufrecht zu erhalten und fortzuentwickeln. Sie bleiben bei der Ueberzeugung, daß bei der nächsten Bundesversammlung die gegenwärtigen Schwierig, feiten überwunden sein werden und daß die Ver­ständigung, die hinsichtlich der Voraussetzun­gen für den Eintritt Deutschlands in den Völker­bund erzielt worden war, verwirklicht werden wird.

Auf Anfrage Macdonalds im englischen Unter­haus wegen der Meldung über ein Ultimatum an die chinesischen militärischen Führer erklärte Bald­win, der britische Vertreter in Peking habe Auftrag, eine Aktion nur in Verbindung mit den anderen Verttagsmächten zu unternehmen. Ebenso sei der Vertreter verständigt worden, daß Waffenge­walt nur alsletztesMittel zum Schutze de,r Sicherheit der Ausländer angewendet werden soll. ßs werde keine unabhängige Aktion zum Schutze britischer Sntereffen unternommen werden.

Ziel betrachten, die jetzt bestehenden Schwierigkei­ten bezüglich des deutschen Eintrittes in den Völker­bund bis zur nächsten Vollversammlung zu beseiti­gen. Aus dieser Auffassung wird von mancher Seite in Genf der Vorwurf hergeleitet, daß bei den Genfer Besprechungen Locarno über den Völker­bund gestellt worden sei. Indes erscheint es für die Behandlung der gesamten öffentlichen Meinung der Welt und sicherlich nicht nur vom deutschen Stand­punkt aus, das wichtigste Erfordernis, daß bei der nun erfolgten Entwicklung keinerlei fehlerhaftes Verhalten'Deutschlands mitspielte, daß aber dies durch die Form, in der im vereinbarten Kommuni­quee auf die Beziehungen zwischen den Ereignissen und der Erhaltung des Werkes von Locarno Bezug genommen ist, unzweifelhaft klargestellt.

Die Sitzung am Mittwoch.

Am Mittwoch vormittag trat die Vollversamm­lung des Völkerbundes zur entscheidenden Sitzung zusammen, um sich mit dem Aufnahmeantrag Deutschsands zu beschäftigen. Chamberlain trug die Entscheidung des Aufnahme-Ausschusses vor. Dann nahm der Vertreter Brasiliens das Wort. In der späten Nacht am Dienstag war noch die Meldung verbreitet worben, der Vertreter Bra­siliens werde nachgeben. Er habe Verhaltungsmaß­regeln seiner heimatlichen Regierung erbeten. Das Gerücht war falsch.

Brasiliens Beto.

wtb. Genf, 17. März. (Eig. Funkm.) In der Vollsitzung des Völkerbundes verlas der Vertreter Brasiliens, Mello Franco, offenbar sehr er­regt, eine längere Erklärung, aus der hervorgeht, daß er die cm 1. Dezember 1324 der deutschen Regierung gegenüber abgegebene schriftliche Erklä­rung nur in so weit als bindend ansieht, als diese im Einvernehmen zwischen allen Rätsmitgliedern über alle im Zusammenhang bamtt aufgeworfenen Fragen möglich sek. Dem Berttagswerk von Lo- earno stehe Brasilien sympathisch gegenüber, aber dieses Vertragswert müsse sich in den Völkerbund einfügen und nicht umgekehrt. BrasUien bean­spruche als Dertteter amerikanischer Interessen eine stärkere Beteiligung der amerikanischen Mächte am Rat. Eine Umformung des Dölker- bundsrates dürfe nicht mit Rücksicht auf egoistische Einzelinteressen und übrrellt vor sich gehen. Sein Veto gegen ehe Veränderung des Rats im gegen­wärtigen Augenblick und in der geplanten Weise sei unwiderruflich und endgültig.

Die Rede Chamberlains.

Genf. 17. März. (Funkm. der „Fuld. Zkg.") Auf die Ausführungen Mello Francos folgte eine von sichtbarer innerer Bewegung getragene Erklärung Chamberlains. Dieser stellte fest, daß der Ausnahme-Ausschuß auf alle Fragen über den deutschen Ausnahmeantrag besahende Antworten abgegeben und die Annahme des deut­schen Ansnahmeantrages e i n st i m m i g em psoh- len hat. Deutschland habe von Anfang an eine natürliche und vernünftige Bedingung an feinen Eintritt geknüpft, die Erlangung eines ständi­ge n R a t s s i h e s, der ihm mit Rücksicht auf feine große Bedeutung in der Delk unbedingt zukomme. Es fei eine Pflicht der Loyalität, gegenüber Deutsch­land zu erklären, daß die bedauerlichen Mißver­st ä n d n i s s e und Schwierigkeiten, die sich bei den Verhandlungen in Genf auf beiden Seilen gezeigt hätten, durch das Zusammenwirken aller Beteilig­ten aus dem Dege geräumt worden seien.

Es erhob sich lebhafter Beifall, der sich zu einem Sturm steigerte, als Chamberlain den Edelmut von Schweden und der Tschechoslowakei pries; die durch ihr Opfer die Beseitigung aller Schwierigkeiten er­möglicht hätten. Das Derk von Locarno sei da­durch gerettet und die Gefahr vermieden worden, daß Europa von neuem in zwei Lager gespalten wurde. Er sei bitter enttäuscht, daß t r o h d i e s e r erzielten Uebereinstimmung die Aus­nahme Deutschlands nicht setzt vollzogen werden könne. Er schloß mit dem Ausdruck der festen Ueberzeugung, daß die Vertagung zur Sicher- stellung des deukschen Eintritts in den Völkerbund bei der nächsten Session dienen werde.

Brianös Ausführungen.

Die Erklärungen Chamberlains machten sichtlich tiefen Eindruck auf die Versammlung. Nach der Uebersetzung der Erklärungen Chamberlains schloß sich Briand unter starkem Beifall der Versamm­lung Chamberlains Worten, auch dem Dank an Schweden und die Tschechoslowakei, an.

Auch Briand erklärte, die Mißverständnisse zwischen den Vertretern Deutschlands, Frankreichs und der anderen Ratsmächte schienen durch eine vollständige gemeinsame Verständigung beseitigt, die durch die Vollversammlung und den Rat die Weihe hätten empfangen sollen. Er sei tief von der Empfindung durchdrungen, daß man aus der heiklen Situation herauskommen werde und daß dabei weder das Ansehen irgend eines Landes noch ins­besondere das des Völkerbundes auch nur im ge­ringsten leiden werde. Briand warnte vor einer öffentlichen Herabminderung des Döl-

Deutschlands Aufnahme auf Eeplembcr bertagt.

Das Ende der Genfer Völkerbundstagung. — Das Veto Brasiliens. — Der Verlauf der Mittwoch - 5 tzung der Völkerbundsversammlung. — wichtige Erklärungen Chamberlains und Vriands.