FuldaerZertung
Anzeiger für die Sfabf und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.
Nr. 63.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbetlage«: .Jllnstrierte Beilage' und .BuchenblLtter". RotatwnLvruck und «erlag der Fuldaer Nctiknirnckerei In finita, fiernivrecher Nr- 9. Monatlicher BernaSUreiS, 1JS0 Mk.
Mittwoch, 17. märz 1926.
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53. Zahrg.
Polen voll Rumänien als Ratskandiäaten.
wtb SSln. 16. Mörz. (Eig. Funkm.) Der Genfer Derichterflakter der „kölnischen Zeilung" meldet um 1.30 Uhr nachts. Für die geplante Lö- mng^ daß polen und Holland die Ralssitze von Schweden und der Tschechoslowakei übernehmen tollen, besteht die letzte Schwierigkeit, abgesehen von Brasilien, in dem Wunsch der Steinen Entente, «ich für den September eine Vertretung im Völker- vundsrat durch Schaffung eines?. uichkstSn-
k Hedin in Hamburg. Auf Einladung
er Deutschen Kulturfilm-Gesellschaft hielt Sven <?fötn Mei Vorträge über seine Reisen durch ^Itturkestan und die asiatischen Wüstengrbiete. Am «amStag abend veranstaltete die Deutsche Kulturfilm- ^eiellschaft zu Ehren ihres Gastes einen Bierabend Hotel „Atlantiks an dem führende Vertreter am ^'^nschaft teilnahmen. Sven Hedin wird sich m Montag nach Kiel begeben, wo ein Empfang im
marhaus und in der Universität vorgesehen ist.
digen Ratssihes für Rumänien zu sichern. Würde diese Forderung angenommen, so wäre da- mit dec ganze Sinn des ohnehin schon kaum tragbaren Sompromisies umgeworsen. Deutschland würde sich durch Annahme dieser neuen Forderungen jetzt bereits trotz aller feiner Zugeständnisse ausdrücklich dazu verpflichten müssen, der von ihm bekämpften Erweiterung des Rates zuzustimmen.
Die Meldungen aus Genf widersprechen sich immer noch. Klar ist nur, daß ein z ä h e s d i p l o - matisches Ringen stattfindet. Schweden wollte angeblich zurücktreten von seinem nichtständigen Ratssitz. Es hieß auch, daß die Tschechoflowakai ihren nichtständigen Ratssitz frei machen werde, damit Polen für einen solchen Sitz gewählt werde. Der deutsche Standpunkt, daß ein neuer Ratssitz vor seinem Eintritt nicht geschaffen werden. könne, wäre auf diese Weise anerkannt und gewahrt worden. Aber sind wir so weit? Einer von London verbreiteten Agenturmeldung zufolge wachse die Opposition gegen Schwedens Rücktritt zu gunsten Polens.
Die nichtoffiziellen Ratsbesprechungen, die während des ganzen Montags stattfanden, gingen erst spät abends zu Ende. Formelle Erklärungen wurden der Presie nicht abgegeben. Dagegen teilten verschiedene Ratsmitglieder auf Anfrage mit, daß es zu einem Ergeebnis nicht gekommen fei, daß man sich noch „in Seenot" befinde und daß die Besprechungen Dienstag vormittag fortgesetzt werden sollen.
Der Schweizerischen Depeschenagentur zufolge sagte Driand, daß die Angelegenheit noch nicht geregelt sei und Benesch habe durchblicken lasten, daß die Sache schlecht stünde.
In den Wandelgöngen des Dölkerbundspalais wurden verschiedene Gerüchte verbreitet. Es handelt sich wieder einmql um den Verzicht Undens imd Beneschs und die Neubesetzung der freiwerdenden Sitze, zum anderen um erneute An- sprüche des brasilianischen Vertreters Mello Franco. Letztere habe verschiedene Großmächte veranlaßt, sich unmittelbar mit der brasilianischen Regierung in Verbindung zu setzen, um sie zur Herausgabe von Direktiven an ihren Vertreter zu veranlasten, die einer Störung etwaiger Entwicklungen von dieser Seite vorbeugen.
Wie der Sonderberichterstatter des W. T. B. berichtet, haben alle diese Kombinationen, deren Prüfung nicht möglich ist. da es sich um vertrauliche Besprechungen von Ratsmitgliedern unter sich handelt, und die schon deshalb mit Zurückhaltung aufzunehmen sind, eine gewiße Bedeutung als Symptom für eine Entwicklung, wie sie bereits gekennzeichnet wurde. Irgendeine greifbare Wei- terentwicklung der bei den Ratsmächten im Gange befindlichen Neuerwägungen bringen sie nicht.
. Die Schweizerische Depeschenaqentur meldet von einer Sitzung der Vertreter der Kleinen En- tente, in der sich diese bereit erklärten, auf den von Benesch innegehaltenen Sitz im Völkerbundsrat ezu verzichten, damit dieser von der Völ- kerbundsversammlung gegebenenfalls Polen qe- währt werden könne. Die Mächte der Kleinen En- tente erwarteten jedoch, daß im Sevtember wieder eines ihrer Länder, wahrscheinlich Jugoslawen gewählt wird. An die Steife Schwedens, das ebenfalls, wie bereits gemeldet wurde, zurücktritt, soll Holland oder ein skandinavisches Land treten
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In der öffentlichen Ratssitzung am Montag nachmittag wurden nur unwesentliche Punkte verhandelt.
Der Anspruch Brasiliens.
Eine Meldung aus Genf besagt, die Atmosphäre von Genf würde jetzt klarer geworden sein, wenn nicht eine neue Krise der inneren Organisation des Völkerbundsrates gefolgt wäre. Diese Krise rühre m Wirklichkeit nicht von heute her, denn sie fei auf den Antrag zur Schaffung ständiger Sitze zu- ^lckzuführen, den vor mehreren Wochen bereits Spanien und Brasilien eingebracht hätten. Aber zu der Stunde, als man geglaubt habe, daß diese Schwierigkeit zum mindesten etwa behoben worden sei, habq, sie auf einmal wieder einen schar- len Charakter angenommen, als der brasllianische Vertreter die Kandidatur seines Landes aufs neue ausgestellt habe. Bis jetzt feien die Bemühungen des Völkerbundsrates, den brasilia- nstchen Vertreter umzustimmen, nicht von Erfolg gekrönt gewesen. Jede Hoffnung dürfe jedoch nicht aufgegeben werden. Eine Anzahl südamerika- nischer Delegationen, so berichtet der Havasvertreter. und zwar darunter Columbien, Uruguay, Venezuela, Paraguay, San Salvator, Guatemala, Nicaragua uttd San Domingo, hätten bereits beschlossen, sich stark für die Entwick- lung der Demarche der brasilianischen Delegation zu interessieren und ihren Einfluß dahin auszuüben, daß diese Demarche nicht den Bemühungen des Völkerburtdsrates zuwiderlaufe.
wtb Kopenhagen, 16. MScz. (Eig. Funkm.) Zwei dänische Heeresflugzeuge unter Führung von Bolved und Herschend sind heute zum Flug nach Tokio auf« gestiegen. Die erste Landung, soll in Berlin erfolgen. ____
* Hotelbrand in Amerika. Nach einer Meldung des,New-Aork Herold' aus Shreveport (Louisiana) sind einem Hoteibrande mehrere Personen zum Opfer gefallen. Fünf Leichen sind bereits geborgen.
Reuter berichtet aus Genf, die Verschiebung der Versammlung auf M i t t w o ch sei erfolgt, um Zeit für eine Regelung der Krise im Zusammenhang mit Deutschlands Eintritt in den Völkerbund zu gewinnen, bezüglich deren dec französische Vertreter Bonour dem Reuter-Korrespondenten erklärte, daß alles gut gehen werde. Die Staaten der kleinen Entente sollen über die Aussicht, daß die Tschechoslowakei ihren Sitz im Dölkerbundsrat auf» gebe, um Platz für Polen zu machen, unzufrieden sein.
„Times" berichtete aus Genf, im Völkerbundskreisen werde der geplante Rücktritt des schwedischen Vertreters Unbens mit tiefem B e - dauern angesehen.
Der deutsche Standpunkt.
Der Sonderberichterstatter des „SB. T. B. meldet aus Gens: Angesichts der verschiedenen Projekte, die für eine Lösung der Ratskrise im Verlaufe der letzten Woche aufgetaucht sind, ist hier stets vor verfrühtem Optimismus gewarnt worden. Wie berechtigt das war, zeigt auffallend die Entwicklung am HRonLg. Der bekannte Gedanke, der unter Umständen einen Ausweg aus der Sackgaste hätte eröffnen können, stellte einen freiwilligen Verzicht zweier Nationen auf ihre nicht ständigen Ratssitze dar, der dann Neuwahlen für diese Sitze gestattet hätte. — Dadurch wäre die Entscheidung darüber, ob Polen jetzt in den Rat hineinkommt oder nicht, auf die Ab- fttmmung durch die Vollversammlung des Völkerbundes abgestellt gewesen entsprechend der deutschen These, wonach durch den Völkerbund und nicht im Wege von Abmachungen verschiedener Großmächte untereinander über diese Frage zu entscheiden war. Das wesentliche am Plan war überdies, daß dann Schweden wieder gewählt würde ober ein Land gleicher politischer Selbständigkeit und Zielrichtung, wie z. B. H o l l a n d, an seiner Stelle in den Rat käme.
Die Regelung der ganzen Angelegenheit war eine Sache derjenigen, die sich durch ein Versprechen an Polen die Hände gebunden hatten und wurde dementsprechend nach langen schwierigen Erörterungen innerhalb der Ratsmächie auf dem erwähnten Wege gefunden. Dabei ist nun aber offenbar neben dem einen Versprechen an Polen, dessen Einlösung die Mächte der ganzen Welt in diese Schwierigkeiten hineinzog, plötzlich e i n neues Versprechen aufgetcmcht. Dieses der Kleinen Entente gegebene Versprechen bezieht sich auf die Gewährung eines nicht ständigen Sitzes im Rat an Rumänien für die ausscheidende Tschechoslowakei. Es wird mm anscheinend Deutschland angefonnen, sich mit den übrigen Großmächten an einer bündigen Zusage in Be-mg auf die Wahl Rumäniens für die nächste Session zu beteiligen. Wie der Sonderberichterstatter des W. T. B. erfährt, kann von einer solchen deutschen Erklärung, sollte sie in der Tat der deutschen Delegation angefonnen werden, keine Rede sein. Das oberste Grundprinzip, das die deutsche Delegation seit ihrem (Eintreffen in Genf vertritt, geht dahin, daß Deutschland sich vor seinem Eintritt in den Völkerbund und in den Rai zugunsten keiner Macht oder Mächtegruppe in seiner fünftigen Handlungsfreiheit beschränken lassen kann. Wenn bisher rein theoretisch deutscherseits auf den Gedanken eines doppelten Revirements innerhalb des Rates in Anlehnung an die schwedische Anregung eingegangen worden ist, so handele es sich dabei ja um keine Erweiterung des Rates und es war zudem die Beibehaltung des gegenwärtigen politischen Kräfteverhältnisses nach erfolgter. Neuwahl Voraussetzung.
Auch das bedeutete schon für die deutsche öffentliche Meinung eine außerordentliche Belastung und wird als Ergebnis eines politischen Manövers der Gegenseite und somit als Jnloyali- tät Deutschland gegenüber betrachtet. Voraussetzung dabei war aber, daß mit einer solchen Lösung bas französische Versprechen an Polen, von dem alles Unheil ausging, definitiv angegolten sei- Zu einem gegebenen unb vorausschließlich auch eingelösten Versprechen an Polen kommt aber nun heute ein neues Versprechen für bie Kleine Entente, in Bezug auf bas der deutschen Regierung zuge- mutet wird, sich bindend zu verpflichten, bei der nächsten Wahl sich für Rumänien einzufetzen.
Jedenfalls steht fest, daß die deutsche Regierung ebenso wenig für Rumänien wie für Polen sich vor Eintritt in den Völkerbund in irgend einer Weise binden kann; das ist von Anfang an, sämtlichen in Genf versammelten Mächten bekannt gewesen und der Grundsatz für dieses Verhalten wird zweifellos von ihrer großen Mehrheit geteilt.
Konferenz für die
In der Londoner Konferenz für die Regelung ter Arbeitszeit führte der deutsche Reichsarbeits- minifter Brauns über bie Entwicklung und ben Staub der Arbeitszeitfrage in Deutsch- land aus:
Nach bem Kriege war ber uneingeschränkte Acht- stunbentag bis Ende 1923 in Geltung. Schon im Jahre 1922 hatte bie deutsche Regierung einen Gesetzentwurf zur Ratifizierung des Washingtoner Abkommens ben gesetzgebenden Körperschaften unterbreitet. Durch den völligen Ruin der Währung und den Zusammenbruch ber Ernährung und Wirt- schast im Jahre 1923 mußte, um das Wirtschaftsleben einigermaßen in Fluß zu bringen, leiber auch unter großen Opfern für bie Sozialpolitik, bie noch heute in Geltung befindliche Verordnung über die Arbeitszeit vom Dezember 1923 erlassen werden. Die deutsche Regierung erblickt in dieser Verordnung nur eine Notgesetzgebung, bie sie fobalb wie möglich wieder abzuschaffen bestrebt ist. Heber bie unter biefent Gesetz tatsächlich übliche Arbeitszeit in Deutschland herrschen im Auslände falsche Dor- fteIIungen. Dor mir liegt eine neue amtliche Statistik, die von ber Reichsarbeitsverwaltung auf- gestellt worden ist. Der Statistik unterliegen 7099 Tarifverträge, von denen 785 945 Betriebe mit rund 11,9 Millionen Arbeitnehmern erfaßt werden. 6506 von diesen Tarifverträgen, die rund 10.9 Millionen Arbeitgeber, also über 90 Prozent ber Verträge erfassen, enthalten Angaben über die Arbeitszeit.
Don diesen 10,9 Millionen Arbeitnehmern hatten 1295 636 eine regelmäßige Arbeitszeit von weniger als 48 Stunden vro Woche. Die regelmäßige Wock^narbeitszeit von 48 Stb. hatten 8 432 421 Ar. bettnehmer. Eine Arbeitszeit von mehr als 48 Stb hatten nur 1190 635 Arbeiter, also nur einzehntel ber von ber Statistik erfaßten Arbeitnehmerschaft. An diesem Zehntel haben ben größten Anteil die landwirtschaftlichen Betriebe; erst in weitem Ab- stanb dahinter kommt bie Metallindustrie Die Tarifverträge lasten naturgemäß Ueberfhmfoen zu, die ja auch nach dem Washingtoner Abkommen grundsätzlich gestattet sind.
Auf diesem Bilde ergibt sich, daß bie Rückkehr zu einem N o r m a l a rb e i t s t a g von acht Stunden für Deutschland keineswegs eine Unmöglichkeit darstellt. Infolgedessen ist bie deutsche Regierung insbesondere seit der Besprechung mit vier ber auch hier vertretenen Staaten m Bern unausgesetzt an ber Arbeit gewesen, um ein neues Arbeitszettgesetz zu entwerfen, das roieber zu bem Normalarbeits-
, ’ „ her Arbeitszeit.
tag von acht Stunden zurückkehrt. Ein neuer Gesetzentwurf wird noch im Sommer bem Reichskabinett zugehen. Er ist so gestaltet, baß auf feiner Grundlage bie Ratifizierung bes Washingtoner Ab- kommens durch Deutschland erfolgen kann. Wir wollen jedoch auch dann bas Gesetz ergehen lassen, wenn, was wir nicht wünschen, aus irgendwelchen Grünben eine Ratifizierung bes Abkommens burch bie westeuropäischen Staaten nicht gleichzeitia ?rfc>l, gen sollte.
Vie Arbeitgeber.
In Essen fand eine große Tagung der Industrie- unb Handelskammer des westfälischen In» dustriebezirks in Verbindung mit der Bereinigung von sübwesffälischen Industrie und Handelskammern statt, an der etwa 2 bis 3 000 führende Persönlichkeit tetln ahmen. Der Regierung sollen nach dem Willen der Versammlung folgende Forderungen unterbreitet wenden: 1. Steuermil. berungen, bie eine birette Entlastung für bie Produktion bringen unb bie Kapttaldilbung wieder ermöglichen. 2. Durchgreifende Finanz- und Verwaltungsreform, Abbau der öffent- lichen Ausgaben der Behörden, klare Aufaabentei» lung zwischen Reich, Ländern und Gemeinden, bei- des als Voraussetzungen und in Verbindung mit einer vernünftigen Regelung des Finanzausgleiches und darüber hinaus eine Verfassungsreform, bie unter Wahrung berechtigter Stammes« unb Ländereigentümlichkeiten bie Dreialiederung des gesamten polltischen unb verwaltungsmäßigen Apparates in ihrem heutigen Ausmaße und bamtt eine Fülle unnötiger Doppel- und Nebenarbeit, sowie bie Hauptguelle ber unerträglichen gesamten steuerlichen Belastung beseitigt. 3. Sofortige Rückkehr zu einer wirklichen gesunden Sozial, p o l i ti k, Beseitigung aller Besttrnmunaen, bie pro» buktionsbemmenb wirken, und den Arbeitswillen unb bie Selbstverantwortung des Einzelnen zunichte macht, sowie Anpassuna ber sozialen Lasten an bi« Leistungsfähigkeit ber Wirtschaft. 4. Aushebung jeglicher Zwangswirtschaft, Beseitigung bet staatlichen Schlichtungswesens, Aufhebung ber bestehenden Demobilmachungsverordnungsvorschriften unb ber noch vorhandenen Reste zwangswirt- schaftlicher Gesetzgebung. 5. Verzicht aller öffentlichen Körperschaften, insbesondere auch des Staates, die durch Mißbrauch der Wirffchaft in Form von Steuern entzogenen Mitteln zu volkswirtschaftlich unberechfigten Erwerb gewerblicher Unternehmungen und Beteiligungen zu verwenden.
Belgische valuta-Lorgen.
Die belgische Presse meldet, daß seit Mittwoch viele Millionen belgische Franken in Dollar und Pfunden umgetauscht würden, weil das Vertrauen der Frankbesitzer auf das Gelingen der Sanierungsanleihe zu annehmbaren Bedingungen und somit auch ihr Vertrauen auf die Stabilisierung des Franken stark erschüttert sei. „Vingtieme Siede" weiß zu berichten, daß angesichts dieser panikartigen Frankenverkäufe der Finanzminister den bisherigen Kurs von 107 nicht mehr halten werde. Das Blatt fordert strenge Maßnahmen gegen bie belgischen Spekulauten.
Zu ben umlaufenben Gerüchten über bie finanzielle Krise hat, nach dem .,Soir" ber Finanzminister erklärt, baß er mit den Danken in vollem Ein- oerftänbnig sei, um bie durch bie Sage geforberten Maßnahmen zu ergreifen. Der Kurs wirb gestützt werben. Nach dem gleichen Blatt find Maßnahmen in Aussicht genommen, um ber Spekulation gegen den Franc Einhalt zu tun. Die Devisenkontrolle soll verstärkt werden.
Wie Havas aus Brüssel berichtet, soll nach ber „Nation Beige" Außenminister Vandervelde in Genf und Arbeitsminister Wouters, der sich gegenwärtig in London aufhält, von der durch den plötzlichen Devisenfturz verursachten Finanzkrise benachrichtigt worden sein. Es sei möglich, daß beide Minister so schnell wie möglich nach Brüssel zurückkehren.
Briaitö
will am Mittwoch abend von Gens nach Paris zurückkehren. Am Donnerstag wird die Erklärung des neuen französischen Kabinetts vom Ministerrat geprüft unb am nachmittag im Parlament verlesen werben.
♦ Deutschland nimmt an der Jnterparlamen- tarffchen Handelsunion teil. Wie Havas aus Brüsiel berichtest hat ber Präsibent deS Reichstages dem Generalsekretär der Interparlamentarischen Handelsnnion, Eugene Bähe, mitgeteilt, daß der Reichstag die Einladung zu der am 25. Mai in London ftattfinbenben 112. Vollversammlung an- nehme.
* Die Kommunisten in Polen. Aus Warschau wird gemeldet: Die politische Polizei bat in War- schau eine Geheimdruckerei aufgedeckt, in ber in großen Mengen kommunistische Flugschriften her- gestellt worden waren. Gegen 30 Personen wurden verhaftet unb zahlreiches Propagandamaterial beschlagnahmt.
* Ersatzwahlen zum Unterhaus. Aus London wirb gemeldet: Der durch das Ausscheiden des liberalen Abgeordneten Hal Fisher freigetoorbene Sitz der englischen Universitäten wurde von den Konservativen gewonnen. Der konservative Ab- geordnete Alfred Hopkinson wurde mit 2345 Stimmen gewählt, während ber liberale Gegenkandidat 2000 Stimmen erhielt.
Der Matteotti-prozetz.
Aus Rom wird gemeldet, daß der Prozeß gegen die faszistischen Mörder des sozialistischen Abaeord« neten Matteotti seinen Anfang nimmt. Die Römischen Blätter sollen Anweisung erhalten haben, nur kurz und ohne sensationelle Ausmachung zu berichten. Die faszistischen Blätter berichten, daß nachgewiesen werden soll, daß das patriotische Gefühl und die Faszistische Partei schwer herausaefordert morde« seien, und daß die Faszisten sich nicht an Matteotti in seiner Eigenschaft als Abgeordneter vergriffen hätten, sondern nur an dem Urnstürzier und Sozialisten Matteotti. Außerdem habe man nicht die Absicht gehabt, Matteotti zu töten, sondern ihm nur eine Lektion erteilen wollen.
Rach ber „Tribuna" sollen von ber ausländischen Presie nur drei Berichterstatter, eine Schwedin, ein Amerikaner und der Vertreter einer französischen illustrierten Zeitschrift, zum Matteottiprozeß zuge- laffen sein.
Deutsch-russischer Handel.
Durchführung der Lieferungsgeschäfie mit Rußland.
Aus dem Reichswirtschaftsminifterium in Der- lin wird mitgeteilt: Die seitens des Reiches zur Erledigung des Abschlusses von Lieferungsgeschäften mit Rußland zu treffenden Maßnahmen sind noch Gegenstand eingehender Beratungen zwischen ben beteilgten Stellen. Das Ergebnis btefer Beratungen wirb seinerzeit in der Tagespresse betannr gegeben. Schon jetzt steht fest, baß eine Gewährung von Krediten fettens bes Reiches nicht erfolgen wiich, vielmehr lediglich bie Uebernahme einer Aus- fallgarantie für bie Durchführung der beab« fidjtigten Maßnahmen zum Teil durch einen interministeriellen Ausschuß zu richten fein. Auch hier- über werben' noch nähere Bekanntmachungen in ber Tagespresie erfolgen. Eine Vormerkung von Anträgen zur späteren Berücksichtigung kann nicht erfolgen. * ,
aus dem Fernen Osten.
Aus Peking wird gemeldet: Nach einer aemein- samen Besprechung übet die Blockade von Tientsin durch die chinesischen Truppen in Taku haben Großbritannien, Amerika, Frankreich, Italien und Japan ihre Flottenkommandanten in Tientsin angewiesen, den Befehlsstellen der Takuforte amtlich mitzuteilen, daß sie, sofern nicht die Störung ber fremden Schifffahrt innerhalb von drei Tagen aufhört, sich das Recht Vorbehalten, bie nötigen Maßnahmen zu ergreifen.
*
Nach einer Meldung ber Agentur Indo-Pacific aus Peking hat die japanische Regierung wegen der Beschießung japanischer Zerstörer durch die Forts von Taku energisch Protest bei der chinesischen Regierung erhoben. Nach Nachrichten auS Peking soll sich China beim japanischen Gesandten ent- schuldigt haben, doch erwarte dieser weitere Nachrichten aus Tokio, um zu bet Demarche Chinas Stellung nehmen zu können.