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Samstag, 13* IHärz 1926,

Nr. 60

E3

Genfer Entscheidung erst in acht Tagen?

bringen.

dnektor Bombe auf dem Wege der Dienstaufslcht ^L-tS-LLLtlrll. weil LandaerichtHdirettor Bombet

Das Berliner Tageblatt will erfahren haben, voh im preußischen Justizministerium beschlossen worden sei, gegen den Vorsitzenden in dem Prozeß wegen des Fememordes cm Pannier Landgerichts­

Mit der Rückkehr Briands noch Genf setzten dort am Donnerstag bewegte Verhandlungen ein, die zei- aen, welche Schwierigkeiten auch innerhalb des Völ­kerbundes selbst bestehen. Die Delegierten der ver­schiedenen Nationen verbandelten bei Besuchen und bei offiziellen und inoffiziellen Zusammenkünften. Als gegen 7 Uhr abends am Donnerstag die Bespre­chungen zu Ende gingen, gab per Belgier Vander- velde den wartenden Pressevertretern seine Ansicht dahin kund, daß man einen Schritt vor­wärts gekommen sei. Freitag vormittag wessen die Vertreter der am Rheinpakt beteiligten Machte und Freitag nachmittag sämtliche Ratsmitglieder «wiederum Besprechungen haben.

*

In seiner öffentlichen Sitzung geneh­migte der Völkerbundsrat die Berichte über die Finanzlage in Oesterreich und Ungarn, fer­ner beauftragte die Versammlung den General­sekretär, die Regierungen nochmals zur baldigen Meinungsäußerung über den im Dezember 1925 zugestellten Entwurf einer internationalen Kon­vention gegen die Sklaverei aufzufordern, damit der Rat in seiner Sommersession den Ab­schluß dieser Konvention vorbereiten könne. Schließ­lich stellte der Rat fest, daß die zwischen England und dem Irak neu abgeschlosienen Verträge den in der Entscheidung des Dölkerbundsrates vom 16. Dezember 1925 aufgestellten Bedingungen für die Zuteilung des Mossulgebietes an den Irak ent­sprechen, womit diese Entscheidung endgültig ge­worden ist, und daß Irak für die nächsten 25 Jahre unter das Mandat Englands ge­stellt wird. Die Entscheidung über die endgültige Grenzziehung wurde auf eine der nächsten Rats­tagungen verschoben.

Zu den Besprechungen der Delegierten der im Dölkerbundsrat vertretenen Mächte meldet die Schweizerische Depeschenagentur: Briand und Chamberlain erklärten, daß die seit Sonntag dauernden Beratungen nun zum Abschluß ge­bracht werden sollten. Es gelte zu einer Verstän- diguna zu gelangen und eine Vereinbarung zu tref­fen, die allen Interessen einigermaßen gerecht werde. Wie wir vernehmen, sind Spanien und Brasilien von ihrem intransigenten Stand- vunkt abgekommen. Briand meinte, daß man für Polen mindestens einen nicht st ändigen Sitz auf eine längere Zeitdauer hinaus sicherstellen müsse. Weiter verlautet, daß die Sitzung ziemliche Fortschritte gebracht hat, und daß vor allem Cham­berlain mit Erfolg bemüht war, eine Dermitt- l e r r o l l e zu spielen.

dem neubestellten Verteidiger des Fememörders Aschenkamp die Sprecherlaubnis mit fernem Klienten verweigert habe.

* Kein Verkauf englischer Kreuzer an Portu­gal. „Havas" berichtet aus Lissabon: Man er­klärt in offiziellen Steifen über den Verkauf von acht englischen Kreuzern an Portugal noch nichts zu willen*

Vie Fememorde.

Einschreiten des preußischen Justizministeriums ge­gen Landgerichtsdstektor Bombe.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: .Illustrierte Set läge' und .BuchenblStter". Rotationsdruck und «erlag oei Fulbaer retiendruckerei in Inlda. Iernivrecher Nr. u.

Monatlicher «ernaSvreiS: 1.50

prügelscenen

im japanischen Parlament.

wtb Toklo, 12. Mär,. (Lig. Funkm.) (Seu­fer). Eine Nachkfihung des Parlaments endigte mit stürmischen Szenen. Es entspann sich eine all­gemeine Schlägerei zwischen den Anhängern der Regierung und der Seiyukai-Parlei. Die P o l i j ei mußte zu Hilfe gerufen werden, um die kämpfen­den zu trennen. Die Ursache zu den Sturmszenen war eine Debatte, in der man sich gegenseitig die Beteiligung an politischen Skandalafsä- ren zum Vorwurf machte. Wabricheiulich wird das Parlament verlast tverdeq»

Prälat vr. llAguft Pieper.

Zum 60. Geburtstag.

Ganz im stillen, an feinem gewohnten Arbeits. platz, wie es der ernsten tiefen Natur entspricht, eiert Prälat Dr. Aug. Pieper, der langiahnge Ge­neraldirektor des Bolksvereins für das katholische Deutschland, am 13. März seinen 60. Geburts­tag. Das katholische Deutschland, Katholiken aus aller Welt, angesehene Vertreter anderer Welt- anschauungsgruppen und Arbeitszirkel m der so­zialen und volksbildnerischen Bewegung Mrden an diesem Tage dieses hervorragenden Volkssuyrers in Ehren und Dankbarkeit gedenken.

Kaum eine Führerpersönlichkeit in der katholisch- sozialen Bewegung steht so scharfkantig, so fest- geprägt vor uns, wie Dr. Pieper. Kaum eine durste sich auf dem Felde praktisch sozialer Tätig- leit an Erfahrung und an Reichstum des Erfolges mit dem Jubilar messen. Als Dr. Pieper an den Volksverein berufen wurde, war die Gründung noch jung, ihre Arbeitsziele noch verschwommen, der katholische Volksteil noch unter den Nachwirkun­gen des Kulturkampfes etwas abseits von der Ent­wicklung, die im wirtschaftlichen, sozialen und po­litische Leben allenthalben voran trieb. Die von d'en^Fesseln befreite Sozialdemokratie trug ihre Fahnen in die noch unerweckten Jndustrierevirre des Westens. Die großen Gedanken der Arbeiter. Enzyklika Leos XIII. lagen noch ungenutzt und die sozialen Erlasse des damaligen Kaisers verlangten Zugriff und Gestaltung. Aus dieser Sachlage formte der schaffensfreudige und zielklare junge Priester und Sozialpolitiker nach dem Beispiel und unter Führung seiner großen Vorbilder Franz Brandts und Franz Hitze die Aufgabe, die organisatorischen Maßnahmen und Methoden des Volksvereins. Dem katholischen Volksteil den Blick zu öffnen für die neue Zeit, ihre Bedingungen und Erfordernisse, die in ihnen schlummernden ei­gentümlichen Kräfte zu entwickeln und einzufetzen, ihnen Führer zu erziehen, das nahm er sich in apo­stolischem Eifer vor. Das hat er in Verbindung mit all den Freunden, die er im Laufs der Jahrs an dis Zentralstelle des Bolksvereins zog, in harter Pflichterfüllung, allen Hindernissen zum Trotz, mit dem zähen Fleiß und der Ausdauer einer unge­brochenen Westfalennatur geschafft. Die Arra der sozialen Kurse für Geistliche, Arbeiter, Mittelstand, leute, Landwirte, die sich später mehr und mehr spezialisierten und verfeinerten, waren eine un- erbörte Neuheit. Wenn wir heute reichgegl'ederte kaThölisch-soziale Standesorganisationen Haden, wenn, wie in keinem Land der Welt, die katholische Kirche Deutschlands breite Massen von Arbeitern in treuer kirchlicher Anhänglichkeit erhalten konnte, und wenn die Energien des katholischen Dolstrils in steigendem Maße im öffentlichen Leben unserers Volkes wirksam geworden sind, so ist es nicht zuletzt mit das Werk von Dr. Pieper. Unter seiner Lei­tung hat der Volksverein für das katholische Deutsch- lond Weltruf erlangt und ist ein Beispiel für die Katholiken aller Länder geworden.

Die unbedingte Sachlichkeik, der Gerechtigkeits­sinn und die Weite der Auffassung haben dem fpä- teren Prälaten Dr. Aug. Pieper nicht bloß dis Anerkennung im katholischen Volksteil, sondern auch die Verehrung der Andersdenkenden gebracht. Ihm war es vergönnt, in der sozial-praktischen Arbeit Verbindungsbrücken zu den Bewegungen Anders- gläubiger zu finden. Er schuf dawir Inseln eines aufrichtigen Friedens unter Konfessionen und Par­teien. Er lenkte damit auch die Aufmerksamkeit Außenstehender auf die ernsten kulturellen Be­mühungen der deutschen Katholiken hin.

Das Unglück der Nation im Weltkrieg und im Zusammenbruch hat eine neue Quelle reicher gei­stiger Energien in dem Jubilar angeschlagen und zum Fließen gebracht. Nun erst recht, da die inne­ren Lebensgesetze im Wachstum unseres Volkes ge­stört, Ueberlieferungen zerbrechen und aus schwe­rer Verwirrung Raum für organisches Leben aus dem Innersten der Volksseele heraus geschaffen werden muß, da verbindet sich in Dr. Aug. Pieper gesundes Dolksgefühl mit einem reichen Leben der Erfahrung. Nun ist er der feinsinnige Begründer des Gemeinschaftsgeistes im Wiederaufbau des deutschen Volkes geworden. Und wiederum gelingt es ihm hier, katholisches Erbgut fruchtbar zu ma­chen für das Gefamtvolk. Dr. Aug. Pieper war vorübergehend im Parlament. Er hat diesen Ar­beitsplatz bald wieder verlassen, um in das Volks­leben im Lande einzutauchen. Am lebendigen Menschen will er arbeiten, ihn will er erschüttern, bewegen, vorantreiben, erheben. Er ist ein Men- schenführer und ein Führer des Volkes.

Mögen dem 6'chährigen Jubilar, der heute noch in ungebrochener Kraft, in mmmermüber Hingabe wie ein Gärtner im Garten Gottes Volksleben pflegt, noch erfolgreiche Arbeitsjahre im Kreise zahlreicher Freunde und Mitarbeiter beschieden fein.

abwartend verhalten hatte. Er soll, tote man m den Delegiertenkreisen erzählt, eine sehr erregte Aussprache mit Scialoja gehabt haben. Die Franzosen wollen jetzt die dekorative Rolle der fetter des Völkerbundes spielen, indem sie erklären, daß ihnen gelungen sei, dre t-reitenden Parteien wieder einander naher zu

Zwischenfall im Reichstag

DeulfchuaNonales Mißtrauensvotum gegen den Innenminister.

In der Sitzung am Donnerstag beschäftigte sich der Reichstag mit der zweiten Beratung des Haus­halts des Retchsinnenrninistenums. Die Aussprache brachte keine besonders bemerkenswerten kritischen Ausführungen, abgesehen von einem Marsen An­griff des völkischen Abgeordneten Kube, der dem Reichsminister Dr. Külz eine von diesem früher als Bürgermeister gehaltene Kaisersgeburts- rede vorhielt. Gegen die Ausgrabung dieser Rede wandte sich Minister Kiilz in seinem Schlußwort. Niemals habe er feine frühere monarchistische Ge­sinnung geleugnet. Es sei aber eine Geschmack­losigkeit, ihm durch Vorhalten früherer Aeußerun- gen seine Staatsqesinnung und seine „derzeitige republikanische Gesinnung diskreditieren zu wollen. Die Rechte, Völkischen und Deutschnationalen, bra­chen in Gelächter und Geschrei aus, als Külz das „derzeitig" aussprach und damit offenbar einem fal­schen Zungenschlag zum Opfer gefallen war. ^n dem öärm, während sich die Abgeordneten von rechts und links an die Rednertribüne drangen, fährt dann der Minister fort:

„Ich habe dem Kaiser ziemlich nahe gestanden. Aber wenn ein Kaiser, der von Mistionen von Deutschen ver­langt hat, daß sie ihr Leben einsetzen sollen ur d,e Mon- archie, in dem Augenblick, wo die Geschichte erstmcllig von ihm selbst ein Einsetzen für den monarchischen Ge- danken verlangt, nach Holland fahrt, so ift bas Band innerlich zerrissen. Das Grab der Monar­chie wird von der Geschichte nicht auf deutschem Boden, sondern aus dem Wege nach Holland gesucht werden. Ich könnte mir denken, daß der monarchische Gedanke eine Wiederaebutt erfahren hätte, wenn der Monarch oehondelt hätte etwa wie F r i e d r i ch o e r Große, der bei Tornau vom Morgen bis mm Abend, mit Blut und Dreck bespritzt, mit feinen Grenadieren kämpfte und dadurch die Monarchie rettete. Für mich liegt die Monarchie auf der Totenbahre. Man kann Toten, wenn man Anlaß dazu hat, ein verehrungswur- bifles Gedenken bewahren, aber die Arbeit gehört den Lebenden. Und leben geblieben ist das deutsche Bolt und der deutsche Staat."

Es folgen neue Lärmszenen, Völkische und Deutschnationale rufen „Pfui" und verlassen den Saal, während von sozialdemokratischer Seite ihnen der Ruf „Stuf nach Holland" nachtönt. Der Minister ist zu Ende, und während die Rechte in den Saal zurückkommt, erteilt Diz-vräsident Dr. Dell dem Grafen Westarv das Wort mir Ge­schäftsordnung. Dieser bringt folgenden

Mißtrauensantrag

gegen den Reichsinnenminister Dr. Külz zur Ver lefung:

„Die Auffassungen, die der Minister als derzeitiger Republikaner (Gelächter rechts) hier vorgetragen hat, nötigen uns zu folgendem Antrag: Der Herr Minister besitzt nicht das Dettrauen des Reichstages."

Die Beratung über den Haushalt des Innen­ministers wird am Freitag fortgesetzt werden. Dank dem Vorgehen der D e u t s ch n a t t o n a l e n ist damit zu rechnen, daß die Linie sachlich-nthtaer Parlamentsarbeit, die im Interesse des notleidenden "deutschen Volkes so überaus dringlich wäre, letzt wieder verlassen wird, um unfruchtbare Streitig­keiten zu pflegen, die für die große Mehrzahl der hart bedrängten deutschen Dolksgenossen keine we­sentliche Bedeutung haben.

Hessischer Landtag.

In der DonnerstaaS-Sitzung des Hessischen Landtags erklärte der Arbeit-» und Wirtschafts» Minister Raab, daß für die Enischädimma von Ueberschwemmunasgeschädigten in Hessen 60000 M. zur Verfügung ständen. Mit der Auszahlung könne demnächst begonnen werden. Als Winzerkredite wären dem Lande Hessen, wie Mtnisteralrat Uebel mitteilte, etwa Zwei Millionen Mark vom Reich zur Verfügung gestellt worden. Wenn die Richtlinien für die Gewährung der Kredite festge- stellt wären, könne mit der Verteilung begonnen werden. _ _________

* Dienstentlassung eine- Regierungsrates. Wir eine demokratische Zeitungskorreiponvenz mitteilf, hat in dem Disziplinarverfahren gegen den Beamten de! StaatskommissariatS für öffentliche Ordnung, Regie- rungsrat FuhrmanS, der preußische DiSziplinav Hof auf Dienstentlassung ohne Gewährung der Pension erkannt. FuhrmanS war u. a. beschuldigt, einem früheren Offizier eine Stelle verschafft zu haben, woftir er sich monatlich einen Teil des ,Ge. halte- deS Stelleninhabers auSzahlen ließ.

In den e n g l i s ch e n D l ä t t e r n findet man über den Ablauf des Donnerstag folgende bemerkenswerten Aeußerungen: Der Genfer Kor­respondent des „Daily Telegraph" bemerkt tn einer Meldung an fein Blatt, es fei nahezu sicher, daß die Völkerbundsversammlung ihre Mission am Samstag nicht beenden werde und daß Deutsch­lands Aufnahme in den Völkerbund nicht vo r Ende nächster Woche erfolgen werde. Man vermutet, daß das Vorgehen Brasiliens von Spanien inspiriert sei. - Der Vertreter der „Morningpost" schreibt, in schwedttchen Kreisen habe man eine sehr bittere Kritik an dem Vor­gehen gegen den f rf) ro e b t f ch e n JB e r t r fi ­ter geübt. Dieser habe erklärt, das Erlebnis set das unwürdigste, das er jemals gehabt bade. Der Genfer Berichterstatter der ..Daily News" berichtet, Chamberlain habe mitgeteilt, zu feinem größ­ten Bedauern fei er durch feine Instruktionen ge­zwungen, gegen Spanien zu stimmen, wenn ©rmien ein entscheidendes Hindernis für die Zu­lassung Deutschlands bilden solle. Der Genfer Der- tretet ber „Times" hebt im besonderen die ru h, ge Haltung hervor, die die d e u t s ch e D e l e g a - t i on bisher oezeiat bähe. In einem Leitartikel be­merkt bas Blatt, bis Zurschaustellung ber nationalen Animositäten in einer so r o H e n F o r m, wie in Genf ist mehr als enttau- schenb. Es wirb offenbar ber ganzen Ueherredungs- kunst Chamberlains und Brianbs bedürfen, um den notwendigen Zusammenhang zwischen Genf und Locarno wieberherzustellen.

Die haltuny Schwedens.

Wbt Conbon, 12. März. Amikm) Dem Genfer Korrespondent der „IBefhninifler Gazelle" zufolge suchten gestern abend die Vertreter Bel­gien«, Frankreichs und bet Tschechoslo- wakei den schweblschen Außenminister Anden aus und ersuchten ihn. eine Anlage dahingehend zn ge­ben, baß er gegen eine Vermehrung der Ratssihe keinen Widerspruch erheben werde, wenn diese Sragc im September wieder jur Verhandlung käme.

Schwedischer Protest in Madrid.

wbt Stockholm, 12. ffiärj. (Eig. Funkm.) Anläßlich einer spanischen Demarche In Stockholm, bei der die Haltung der schwedischen Regierung in der Rakssrage als unfreundllch be- zeichnel wurde, ist schwedischerseits entschiedener Protest unter wiederholter Betonung des prinzi­piellen Grundes für die Haltung ber schwedisch-» Regierung in Madrid erhoben worden.

Frankreich und der deutsche Wehr-Etat.

Aus Paris wird gemeldet:

Der Senatsansfchutz für auswärtige Angelegen­heiten hat nachmittags eine Sitzung abgehalten, m ber Senator General Dou r g eo is über das Budget des deutschen Reichswehr. Ministeriums Bericht erstattete. Nach seiner Ansicht hätten sich die Ausgaben ber anderen Bud­gets verringert außer dem Bubgettitel für Heer unb Marine. Bei einem Budget von insgesamt 9232 000 Golmark überschreite bas Budget für nationale Verteidigung mit 676 Millionen Gold­mark das Budget des Vorjahres um 116 Millionen. Außerdem seien eine Anzahl mllttärifcher Ausgaben auf andere Titels verteilt worden, zum Beispiel 196 Millionen Goldmark auf das Innenministerium für die Schutzpolizei.

Nach einem Vergleich mit den Heeres- und Marineausgaben des Jahres 1913 soll nach dem Havasbericht General Bourgeois zu den Schluß­folgerungen gekommen fein, daß die Aus­gaben für das Heer in Deutschland 11 Prozent ber Gesamtausgaben aus- machte. Frankreichs Budget ettifchließlich sämtlicher militärischer Ausgaben im Innern wie in Syrien, Marokko irfro. verhalte sich zu dem deutschen Bud­get wie 5:4. Wenn man nur bas Heer in Frank­reich selbst einschließlich der Ausgaben in Algerien unb Tunis in Erwägung ziehe, so gebe Deutschlanb mehr für sein Heer als Frankreich aus, ohne die Ausgaben Deutschlanbs für seine Rüstungen unb ferne Munition in Rechnung zu stellen, die viermal größer feien als in Frankreich. An der daraus folgenden Debatte beteiligten sich u. a. Poincarä unb Caillaux. Am Mittwoch tritt der Ausschuß wieber zusammen, um den Bericht über die Rati­fizierung brr Abkommen von Locarno zu prüfen.

Die Budapester Frankenfalscher.

Der ftanzösische Detektivinspektor Royers pro testiert gegen bas in ben Budapester Slbenbblat tem verzeichnete Gerücht, wonach die beschlag nahmten 6644 Stück Frankenfalsisikate nod feucht unb bie Farbe frisch gewesen wäre, sk baß sie abgefärbt hätte. Weber er noch fein Kolleg, hätten ähnliche Aeußerungen vor Journalisten ge ton. Die Zeitungsgerüchte seien Ausgeburte bei Phantasie, denn die falschen Noten wären gan; trocken unb ber Farbenbruck vollkommen fixier gewesen. Royers habe ben Einbruch daß bie jüngf beschlagnahmten Noten gleichartig mit bene» seien, die von Winbisch-Graetz und Ge­nossen hergestellt worden seien.

Graf Emmerich Karoly hat unter Be rufimg auf bie Strafprozeßordnung, welche be stimmt, daß niemand zu Zeugenaussagen gezwun gen werden kann, wenn hieraus ihm oder ieinen Angehörigen Schaden ober Schaube erwächst, vw dem Untersuchungsrichter eine sachlich? Aussage n der Frankenangelegenheit verweigert. War er in ber Sache wisse, fei ihm unter ber ehrenwort licken Verpfticktuna der Geheimhaltung miigetetl wordev-

Das westfälische Vvlksblakk bringt Mitteilungen ttu§ Genf, die Einblicke in die Kulisse ge­statten: Chamberlain unb Boncvurt kannten wohl für England und Frankreich sprechen, aber sie be­fanden sich in einer geradezu ohnmächtigen Situ- ation gegenüber den Vertretern Drasiliensund Spaniens, bie hartnäckig auf ihren Ansprüchen bestanden unb die sogar mit dem kühnen Gedanken spielten, es auf eine Krise des Völkerbundes an» kommen zu lassen. Sehr merkwürdig war auch die Haltung der italienischen Delegatton, die den Kampf bet beiden Opponenten teils offen, teils hinter den Kulissen unterstützt. Arn Donnerstag schien man endgültig die Verschwörung aufgedeckt zu haben, die angeblich von Mussolini an- gezettelt sein soll und die darauf ausging, einen Konflikt von unübersehbarer Tragweite innerhalb des Völkerbundes zur Austragung zn bringen. In einer sehr schwierigen Lage befand sich die deut­sche Delegation, von der gefordert wurde, sie möge auf einen hundertprozentigen Sieg verzich­ten unb ben sich um Ratssitze bewerbenden Mächten im Voraus gewisse Zugeständnisse machen. Der brasilianische Vertreter besuchte nacheinander Briand unb Dr. Luther, wobei er Anscheinend auf den Rat des französischen Ministerpräsibenten hin eine Loyalitätserklärung gegenüber Deutsch­land abgab und den deutschen Kanzler in sehr dringlich« Form ersuchte, ber brasilianischen For­derung entgegenzukommen. Dr. ßntijer hat aber abgelehnt. Damit war der Anstatt für ben letz­ten hochdramatischen Akt des großen Dölkerbunds- dramas gegeben. Die italienische Delegation, die sich immerhin bis zuletzt der größten Zurück­haltung befleißigt hatte, unternahm jetzt ben ent­scheidenden Vorstoß, indem sie erklärte, daß auch Italien gezwungen sei, bei einer weiteren kon­sequenten Weigerung Deutschlands bie ber deutschen Regierung erteilten Zusagen über den deutschen Ratssitz zu revidieren. Einen Augenblick schien es, als ob die italienische Sprengmine zur Explosion kommen und den enbgültigen Abbruch aller Be­sprechungen herbeiführen würde. In diesem kri- ttschen Moment traf eine geheimnisvolle Mitteilung aus London ein. Don dort aus war ein reger diplomatischer Verkehr mit Rom im Gange, und obwohl sich nicht übersehen ließ, was dieses diplvmattsche Telegramm enthielt, trat doch eine lebhafte Entspannung ein. Nun­mehr trat auch Briand in Aktion, ber sich fast »iS in bie Nachmittagsstunden hinein vollkommen

Anzeiger für die Stabt unb ben Kreis Fulba. Amtliches kreisbtatt.

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