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Anzeiger für die Siadf und den kreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

53. Zahrg

Donnerstag, 11. HTärz »926.

fir. 58

UrffevabfiOmg und öffentliche Meinung

es wo

das tägliche Brot hunderttausende m Deuttchland bedrückt, die deutschnationale „Kreuzzeitung" fol. gendcs bekannt gibt: „Seine kaiserliche Hoheit, der deutsche Kronprinz, ist gestern in Minusio «Schweiz) eingetroffen, wo er die Villa „Roccabella" gemietet bat. Der Kronprinz gedenkt für einige Monat« Aufenthalt in Minusio zu nehmen." Aehnliche Urb geschicklichkeüen ließen sich in großer Zahl auffüh ren. Solche Vorgänge haben die Stimmung geger dir Fürsten geschaffen, aus der Tagungen, wie di« im Fuldaer Stadtsaal, zu verstehen sind. Aber im-

Die türkische Regierung Hai dem Generalsekre­tär des Völkerbundes telegraphisch mitgeteilt, daß sie bereit ist. zur Behandlung der von Griechen­land beim Dölkerbundsrat anhängig gemachten G r en z st r e i tf r a g e an der Maritza den frühe­ren türkischen Außenminister Schükry Bey nach Genf zu entsenden, wo er spätestens am 15. März eintreffen könne.

sonst zu verstehen, daß gerade in diesen Tagen, Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Sorge um Brot hunderttausende in Deutschland

mer wieder muß betont werden, daß für den po­litisch denkenden Teil des deutschen Volkes eine Fov derung deswegen noch nicht gerechtfertigt ist, weil sie populär ist. Vor anderem muß gefordert wer- den, daß der Einklang mit dem christlichen Sitten­gesetz bestehen bleibt. Don berufener Seite ist biet wiederholt dargelegt worden, daß nur die von der Regierungs-Parteien anoefttebie Regelung bei Fürstenabfindung dieser Forderung gerecht wird Die Anhänaer des Zentrums misten deshalb, wo rar sie sind. Sie werden sich durch Entschließungen und Kundgebungen solcher Streife, die von Zen trumsfeite nicht als zuständig anerkannt merbet können, in keiner Weise beirren lassen.

Erkcb-int ’eSStttal wöchentlich. Wochenbrilagen: „Illustrierte Bei­lage" und .Buchenblätter". Slotat-oniBnidt und Berlag der Nultaer ? ctikndruckerei in Fniba. Nerntvrecher Nr. 9.

^anefTiifiet 8eiu«$BrH8r 1.50 Mt.

Die Budapester Frankenfalschungen.

Neue Noken-Funde.

Aus B u d a p e st wird gemeldet: Bei einer auf anonyme Anzeige bei der Staatsanwaltschaft eingeleiteten Untersuchung roinbe in einem Koffer, der in der Garderobe d es Westbohnhofes auf- bewahrt war, 667 4 Stück falsche Tausend- frankrnnoten aufgefunben. Das Protokoll wurde in Gegenwart der französischen Emissäre ausgenommen. Die Falsifikate wurden beschlag­nahmt. Neber den sensationellen Fund wirb noch gemeldet: Der Präsident der Staatsanwaltschaft er­hielt ein anonymes Schreiben des Inhaltes, die von den Franzosen gesuchten restlichen Tausendfranken- noten befänden sich in einem Koffer in der Gar­derobe des Westbohnhofes. Dem Briefe lag ein Gepäckschein bei. Der Präsident verständigte sofort die entsandten ftanzösischen Herren, während sich zwei Staatsamvälte zum Westbahnhof begaben, wo sie den Koffer übernahmen. Der Koff-r mit drei Bündeln Noten wurde beschlagnahmt Die Staats­anwaltschaft erließ Weisungen, um den wmnnmen Brieffchreiber und den Hinterleger des Koffers zu ermitteln.

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Die „Dvstifche Zeitung" meldet aus München, daß dort ein Delegierter der Bank von Frankreich und ein französisc^r Polizeiinspektor von Budapest eingetroffen find, um Erhebungen in der Frankenfälscherangelegenheit vorzu­nehmen. Die Nachforschungen sollen dem Blatte zufolge aufklären, ob das für die falschen Franken­noten verwendete Papier aus München ftommt. oder durch eine Münchener Persönlichkeit beschafft worden ist. ___

* Der .Kampf nm die rumän sche Wahlre'orm. Aus Bukarest wird nemelbet: General Avare^cn hat im Namen der Volkspartei den ihm von der Nat'onalvartei und der Bauernpartei aemach'en Vorschlag zum Zweck der gemeinsamen Bekämpfung deS von der Regierung in d<-r Kammer eingebrachten Wahlgesetzentwurfes ein Abkommen zu treffen, ab- geleimt.

• Italienische Anleihe an Griechenland. Einer Timesmeldung aus Rom zufolge sind zwischen dem griechischen Derkehrsminister und der italienischen Regierung Verhandlungen über die Gewährung eines Kredites von 10 Millionen Dollar an Grie­chenland im Gange, um Griechenland bi« Möalich- teit von Ankäufen in Italien zu geben. Mussolini soll ferner geneigt sein, di« Sperre gegen griechische Schiffe aufzuheben.

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i|t, nachdem Herriot die Kabinettsbildung abgelehnt hatte, wieder mit der Bildung des Kabinetts betraut toorben. Er hofft die Politiker aus- neue zu ge­winnen, die bisher dem Kabinett angehörten. Nur «nrge neue Männer sollen heraugezogen werden, «-aillaux kommt als Finanzmintster nicht in Frage.

Der Havasvertreter in Genf berichtet, vor sei­ner Abreise habe Briand Paul Boncour und Lou- cheur alle Vollmachten übertragen, um sowohl mit den Signatarmächten der Abkommen von Locarno als auch mit den übrigen Ratsmitgliebern die am Sonntag nachmittag beaonnenen offiziösen Bespre­chungen fortzusetzen. Briand, der seit seiner Rück­kehr nach Paris alle Schwankungen der Krise vom internationalen Gesichtspunkt aus verfolge, habe von Paris aus seine Kollegen Louchenr und Bon­cour an die Instruktionen erinnert, die er ihnen gegeben habe. Im gleichen Augenblick habe Chamberlain den Gedanken angeregt, die unterbrochenen Verhandlungen wie­der a u f z u n e h m e n. Er habe es für wünschens­wert gehalten, daß sobald wie möglich die Bespre­chungen nicht nur auf die Signatare der Abkom­men von Locarno, sondern auch auf alle Mit­glieder des Völkerbundsrates sich er­strecken, um bas Terrain für die vom Völkerbunds­rat einstimmig getroffenen Entscheidungen vorzu­bereiten. Es sei vereinbart worden, daß die deut­schen Vertreter selbswerständlich aufgefordert wür­den, an den neuen offiziösen Zusammenkünften teilzunehmen. Man könne also damit rechnen, daß spätestens Mittwoch die Mitglieder des Dölker- bundsrates unter Beteiligung von Luther und Strefemamt offiziös zusammentreten, um zu ver­suchen, einen Verständigungsmodus zu finden, wo­bei man die Hoffnung habe, baß einige Stunden später Briand s el b ft an den Beratungen wie­derum werde teilnehmen können.

Vor der Wiederkehr Briands nach Genf wichtige Verhandlungen.

ee flfintfignng des Lohnabkommens im rtjeinW wefkfälifchen Davgewerde. Wie die Deutschs Bergwerks- zertung erfährt, ist von den Vereinigten Arbeitaeberver- bänden des Baugewerbes von Rheinland und Westfalen beschlossen worden, die augenblicklichen Löhne der Bauarbeiter zum 31. März zu kündigen. Es soll ein Abbau der Löhne ab 1. April gefordert werden.

Der österreichische Bundeskanzler Ramek hatte in Genf mit Reichskanzler Dr. Luther und Reichsaußenminister Dr. (Strefemann eine län­gere Besprechung. Ramek sprach ferner mit dem tschechischen Außenminister Benesch über die Auf- nähme neuer handelsvertragsverhandlungen zwi­schen Oesterreich und der Tschechoslowa­kei. Ferner batte der Bundeskanzler mit dem südslawischen Außenminister Rintschiisch und Ge­neralsekretär Zimmermann Besprechungen.

Schlaganfall des Abg. Hampe. Der Reicks- wgsabg. Hampe, Senatpräsident in Braunschweig, M, wie das „Berliner Tageblatt" meldet, von einem schweren Schlaganfall getroffen worden. Ter Abg. vampe gehörte der Wirtschaftlichen Bereinigung an.

* Deutsche Mrtschafis-Parlamenkarier. Wie das -Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zeitung-»- "erleger erfährt, sind vom Reichstag als Vertteter Deutschlands auf der Internationalen Parlamentarischen H anbels-K onfe- £*n 3. die am 26. Mai in London beginnt, die 5*9- Br. Lojeune - Jung (Deutschn.), v. Raumer s-LVP.), Lammers (33, Meyer-Berlin (Dem.) Dr. Hilftrding (Soz.) bestimmt worden. . .

Deutschlands gegenüber dem Völkerbund beseitigt wurden. Die in einigen Kreisen gemachte Andeu­tung, daß Deutschlands Aufnahmeanttag auf A b* lehnung gestoßen fei, entspricht, wie Reuter weiter erfährt, in keiner Weise den Tatsachen.

Die Ratsfrage.

Einer Reutermeldung aus Genf zufolge hat dort infolge der kategorischen Anweisungen fin­dens, sich jeder Vergrößerung des Dölkerbundsrats, abgesehen von der Aufnahme Deutschlands, zu wi­dersetzen, eine viel ruhigere Stimmung ge­herrscht. Es wird als sicher angesehen, daß Deutsch­land bet der augenblicklichen Gelegenheit allein ausgenommen wird.

Belgien und die (frage der Ratssitze.

wtb Paris, 10. März. (Gig. Funkm.) Der Korrespondent der „Chicago Tribüne" in Genf be­hauptet, Belgien habe gestern seine Kandidatur für einen ständigen Sitz im Völkerbundsrat ausgestellt. Der belgische Delegierte, Rollin, habe bemerkt, die Brüsseler Regierung würde auf ihrem Anspruch auf einem Ratssitz bestehen, wenn außer Deutschland irgend einem sicheren Lande ein Sitz eingeräumt werde.

Das völkerbimdssekretariat.

Der Budgetausschuß des Völkerbundes, der über die Erweiterung des Büros des General­sekretariats und über die Neuschaffung verschiede­ner Stellen für Beamte deutscher Staatsange­hörigkeit zu entscheiden hat, trat unter dem Vor- Sl Loucheurs (Frankreich) zu seiner tonftituieren» n Sitzung zusammen.

Das von dem Generalsekretär vorgelegte Zusatz­budget sieht die Schaffung von 20 größeren Posten und eines neuen Üntergeneralsekretärs vor. In dem Bericht wird jedoch nicht gesagt, daß die neuen Posten alle durch deutsche Staatsangehörige besetzt werden. Etwa 300 000 Franken entfallen auf die Gehälter der höheren Beamten einschließlich des Gehalts des Üntergeneralsekretärs, der für die neun Monate des laufenden Rechnungsjahres etwa-:, noch 65 000 Franken beziehen soll. Rund 100 000 Franken sind für untere Beamte und Büropersonal eingesetzt. Unter den neu zu schaffenden Stellen befinden sich außer der des Untergeneralsekretärs u. «. noch je eine Stelle in der politischen Abtei­lung, in der Mandatsabteilung, in der Hygiene- abteilung, in der sozialen Abteilung und in der Wirtschafts- und Finanzorganisation. In der In- formationsabteilung sollen drei und in der Rechts- abteilung sieben neue Stellen geschaffen werden. Ein großer Teil des Zusatzbudgets entfällt auf Dü- roamagen und Derwaltungsspesen und eine Quote von rund 275 000 Franken soll an das Internatio­nale Arbeitsamt abgeführt werden.

weitere Völkerbundsaufgaben.

Wie die Blätter aus Prag melden, wird in Genf voraussichtlich auch die C n t e t fl n u ng M a- rtenbabs zur Verhandlung kommen. Eine von deutschen Parlamentariern der Tschechoslowakei ge- machte Eingabe ist laut „Voss. Ztg." vom Bölter* bundssekretariat als besonders dringlich er­klärt und einem aus fe einem Vertteter Schwe­dens, Englands und Italiens bestehenden Rechts- komitee zur Behandlung ,zugewiesen worden.

der Fürstenabfindungsfrage eine gerechte Lö­sung herbeigeführt werden soll, dann muß, das zei­gen gerade solche Versammlungen, ein S o n d e r - ‘ ' -eschaffen werden, bas nach fest umrisse- sätzen die ganze Angelegenheit zu prü-

Es ist zweifellos nicht schwer, heute in den brei­ten Kreisen des Volkes, bei Arbeitern, Landwir­ten, Handwerkern und namenüich bei den durch den Krieg und die Kriegsfolgen um ihr sauer er­spartes Geld gebrachten Sparern und Kleinrent­nern den Standpunkt zu vertreten, daß die ehe­maligen deutschen Fürsten restlos und ent­schädigungslos enteignet werden sollen. Mt derartigen Forderungen kann man sich populär machen. Mit derartigen Forderrmqen kann man in Volksversammlungen, wie eine solche Dienstag abend auch im Fuldaer Stadffaal vom Reichs­banner Schwarz-Rot-Gold veranstaltet wurde, all­gemeine Zustimmung ernten. Aber ein Problem gerecht und sachlich richtig zu lösen, auch dafür zu sorgen, daß aus einer rein gefühlsmäßig ge­troffenen Entscheidung für die Zukunft sich nicht schwerwiegende Folgeerscheinungen entwickeln, das ist eine andere Sache.

Im Stadtsaal, wo etwa 1300 Menschen ver­sammelt waren, sprach zunächst ein Lizentiat der ev. Theologie Dr. Meißinaer aus Frankfurt, der nach seinen Angaben ein Anhänger der Zentrums­partei ist. Befugnisse, als offizieller Sprecher der Zentrumsorganisafion aufzutreten, hat Dr. Mei» ßinger natürllch nicht . Er kann nur seine Privat­meinung vorbringen, wozu schsießlich jeder andere Anhänger der Zentrumspartet auch berechtigt rst. Für die Zentrumsanhänger bedeutsam ift die klare Parole, die von der Z e n t r u m s f r a k t i on des deutschen Reichstages ausgegeben worden ist und die dahin lautet, daß die Zentrums­anhänger das sozialistisch-kommunistische Volks­begehren nicht unterstützen, eine Unterschrift für dieses Volksbegehren nicht leisten.

Soll dieser Beschluß der Zentrumsfraktion, für den alle von dem Wert der Parteidisziplin über­zeugten Stellen der Zentrumspartei eintreten, nun bedeuten, daß das Zentrum und seine Wähler­kreise mit den Fürstenforverungen weniger kritisch ins Gericht gehen als diejenigen Gruppen, die zur Unterzeichnung des Volksbegehrens auffordern? Mit Nichten! In den Zentrumskreisen hat man sich längst freigemacht von jenen kühnen Legenden, die in früheren Jahrzehnten vielfach zur Derherr- lichung der Fürstenhäuser verbreitet wurden. Aber ebenso vorsichttg wie der denkende Mann gegen­über nationalistischen und liberalen GeschichtsNit» terungen ist, sollte er auch gegenüber den Verdre­hungen und Uebertreibungen sein, die sich sozial­demokratische Redner und Journalisten über die Fürstenfrage in Vergangenheit und Gegenwart ge­rade jetzt wieder in großem Ausmaße leisten. Volks­versammlungsredner dürfen nicht als Geschichte- quelle angesprochen werden. Die Erfahrung fan­den wir im Stadtsaal wieder bestätigt. Wenn in

gerid neu G.—„------------ .

fen und nach Recht und Billigkeit zu entscheiden hat. Wir zweifeln nicht, daß in dem Fall, daß der Reichstag mit überwältigender Mehrheit die Schaf­fung eines solchen Gerichtshofes beschließt, die Für- stmansprüche auf das Maß zurückgeführt werden, das sich aus der allgemeinen Verarmung des deut­schen Volkes ergibt. Die Fürsten werden dann in ihrem Besitz genau so wie die weiten Kreise der Sparer und Rentner die Folgen des Krieges ver­spüren. Das erwarten auch die Zentrumsanbän- ger und in der festen Erwartung, daß das Son­dergericht zu einer derartigen Regelung führt, ver­zichten sie darauf, sich an dem Volksbegehren zu beteiligen. _

Nicht aus Sympathie für die Fürsten trift die Zentrums-Partei offiziell mit allem Nachdruck die­ser Beteiligung entgegen. Die Sympathien für die Fürsten sind bei uns nicht größer, als bei denen, die für das Unterschreiben des Dolksbegehrens ein- treten. Die Fürsten und ihre Freunde und Rat-

Obige Auffassung des Havasvertreters hat sich bestätigt. Auf Vorschlag Chamberlains beschloß das Büro der Völkerbundsoersammlung für die näch­sten zwei bis drei Tage keinePlenarfitzung der Versammlung anzuberaumen. Im Laufe des Dienstag fanden zwischen den Delegationsfuhrern der Hauptmächte wiederum Besprechungen statt. Außerdem fand eine Unterredung zwischen Strefemann, ßoudjeur und Paul Bon­cour statt. Chamberlain hat Dr. L u t h e r einen längeren Besuch abgestattet. Es handelte sich um eine längere freundschaftliche. Aussprache, die VA Stunden dauerte. Auch Strefemann war crnwe- len^"«v.,^.nter &en Vertretern der Signatarmächte des Rheinlandpaktes ist vereinbart worden, Mitt­woch vormittag die Unterhandlungen, die am Sonntag vormittag begonnen wurden, fortzusetzen.

Die Aufnahme Deutschlands.

Reuter berichtet über den Stand der Genfer Verhandlungen, das Verfahren für die Aufnahme Deutschlands gehe glatt vonstatten. Die ganze Maschinerie des Bundes fei jetzt bereit, sodaß, so­bald die Regierungskrise in Frankreich beigelegt ist, keine weitere Verzögerung notwendig sein werde. Das Berfahren sei jedoch noch lang und mühsam und werde wahrscheinlich mehrere Tage erfordern. Nach dem Zusammentritt * der Versammlung und der Wahl des Präsidenten müßten verschiedene Ausschüsse und Unterausschüsse ernannt werden. Diese würden die Ansichten der deutschen Delegierten entgegennehmen. Man sei der Ansicht, daß die bekannten Drohungen des Austritts aus dem Völkerbund seitens der Natio­nen, die ständige Natssitze beanspruchen, nicht ernst genommen werden sollten.

Der „Preß Association" zufolge erwarten die britischen diplomatischen Kreise in London keine dramatische oder überraschende Entwicklung der Genfer Verhandlungen in unmittelbarer Zukunft. Die Andeutung, daß die Behandlung des deutschen Antrages verschoben sei, sei hinfällig, da es sowieso unwahrscheinlich sei, daß die notwendige Formalitäten vor Donnerstag erledigt werden kön­nen.

Der deutsche Aufnahmeantrag liegt zurzeit bei einem Unterausschuß, den der erste Ausschuß lChamberlain-Ausschuß) gebildet hat. Auch der ständige militärische Ausschuß des Völkerbun­des beschäftigte sich mit dem Aufnahmeantrag Deutschlands. In unterichteten Kreisen erwartet man bei der Ausarbeitung des Gutachtens des stän­digen militärischen Ausschusses des Völkerbundes keine Schwierigkeiten, da es sich dabei ledigfich um kleine Formalitäten handelt.

Wie Reuter erfährt, hatten die am Sonntag in Genf gepflogenen Besprechungen insofern eine große Bedeutung, als die Befürchtungen

Äms den Parlamenten.

Deutscher Reichsfag.

In der Dienstag-Sitzung wurde die zweite Be­ratung des Haushalts des Reichsfinanzministe­riums fortgesetzt. In der Debatte wurde Beschwerde geführt über das schleppende Verfahren bei der Regelung der Dorzugsrenten in Aufwertungsverfahren sowie übet das rücksichts­lose Vorgehen mancher Finanzämter gegen die klei­nen Landwirte bei Steuerrückständen. Ferner wurde die Wichtigkeit des Buchprüfungsdienstes be­tont, durch den allein im Jahre 1924 eine Mebr- eirmahme von Steuern und Geldstrafen im Be­trage von 94 Millionen erzielt worden fei. An­genommen wurde

ein Zentrumsantrag, wonach die Vorzugsrenten ohne Rücksicht auf den Termin der Antragstellung mit Wirkung ab 1. Ja­nuar 1962 ausgezahlt werden sollen, ebenso eine Zentrumsentschließung, die ein besonderes Re­ferat über die Buch- und Betriebsführung ver- langt. Der Finanzetat wurde bewilligt und der Gesetzentwurf über die Steu^rmilderungen dem Steuerausschuß überwiesen. Das Haus vertagte' sich sodann auf Mittwoch.

Hessischer Landtag.

Der hessische Landtag nahm am Dienstag seine Beratungen des Staatsvoranschlags für 1926 wie­der auf. Ministerialrat Bornemann gab auf eine Kleine Anfrage hin die Antwort, daß in Hessen keine Bestrebungen der Ortsbehörden festzustellen feien, die das Volksbegehren zur Fürstenabfindung sabotierten. .

MSrzmond—Marsmond.

Marokko.

N^ch dem offiziellen spanischen Kommunique aus Marokko ist es im Frontabschnitt von Ajdir zu einer kleinen militärischen Operation gekommen, durch die die Operation SbasiS erweitert und die Srcher- heit erbödt toerb.n sollte. Diele Operation sei nach einem Gefecht, in dessen Verlaut die Spanrer drel- zehn Mann verloren hätten, geglückt.

Die Lage in Syrien.

Nach einer Meldung ans Beirut soll General Gamelin mit 25 000 Mann im Begriff stehen, die Ätieg8banblunaen in der Umgebung von Damaskus wieber zu eröffnen, um alle Aufstänbische und Räuber zu umzingeln. Die Verwundung des Snl- tanS El Atrasch rührt nach einer amtlichen Dar- slellung von einer Fliegerbombe her.

Die Kampfe in China.

Die an der Mündung des Peiho gelegenen Taku- forts beschiessen unterschiedslos alle Schiffe, die den Fluß befahren. Die Kuo- Mintschun-Truppen haben die Signalstation bei Taku besetzt und die wichtigsten Seezeichen ausgelöscht. Die Vertreter der Mächte in Peking beraten über diese Angelegenheit.

Die Fememorde.

Der Untersuchungsausschuß des Reichs« tages über die Fememorde wirb Mittwoch feine Beratung beginnen. Die Sitzung wird nicht öffentlich fein. Eingegangen ist eine Denkschrift vom Reichsministerium deS Innern und eine vom Reichswehrministerium, die inhaltlich, tote die „Voss. Zeitung" hört, nicht viel Neues bieten. Eine dritte Denkschrift, nämlich die vom Preußischen Minister deS Innern, von der man dagegen neues Material erwartet, ist dem Ausschuß noch nicht zugegangen. ,

* Amerikareise Dr. ScipelS. Aus Wien wird gemeldet: Wie in politischen Kreisen verlautet, wird der ehemalige Bundeskanzler Dr. Seipel demnächst eine große Voriragsreise nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika unternehmen.

* Belgisch.südslavische HandelSvertragSoerhand- Inngcn. Nach einer HavaSmeldung aus Belgrad sind die Verhandlungen zwischen Südslavien und Belgien zwecks Abschluß eines Handelsvertrages ayJu’YW 20. März augesetzt worden.

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