Einzelbild herunterladen
 

M» ElmMWtt 10 Hk M W ffr. BgFgnp 15 W)

FuldaerZeUung

Anzeiger für die Stadt und den kreis Fulda. Amtliches kreisblatt.

53. Zahrg.

Mittwoch, 10. Mürr 1926.

Nr. 57

Zur Fürstenabfindung.

zur Fürstenabfin im. Die Fraktion stimmte bar

wtb warschau, 9. März. (Lig. Funkm.) In hiesigen polilischen Kreisen scheint man die Aus­sichten auf Anweisung eines Ratssihes iw. März fei es nun ein ständiger oder ein nicht ständiger durchaus pessimistisch zu beur­teilen.

Die Zentrumsfraktion des Reichstages hielt am Montag abend nach der Plenarsitzung eine kurze Fraktionssitzung ab, in der sie den Bericht über den Kompromiß zu r Fürstenabfln-

d u n g entgegennahm. Die Fraktion stimmte dar­auf dem Krompromiß ohne weitere Aussprache zu. Die Fraktionen der Deutschen Volkspartei, der Bayerischen Volkspartei und der Wirtschaftlichen Vereinigung werden am Dienstag abend zu dem Kompromiß Stellung nehmen.

Amerika und der WeltaerichtShost Aus Was­hington wird gemeldet: Der Rechtsanwalt Benjamin CatchingS hatte beim Obersten Gerichtshof den An­trag gestellt, den Beitritt der Bereinigten Staaten znm Haager Internationalen Gerichtshof für ver­fassungswidrig zu erklären. Dieser Antrag wurde abgrlebnt.

* Norddeutscher Lloyd contra Vereinigte Staaten. Der Oberste Gerichtshof hat in Washington die Klage de- Norddeutschen Lloyd gegen den amerika» nischen Staat wegen der Uebernahme der Docks der Norih German Lloy) Dock Co. in Hoboken durch den Seüuester.abgewreseu.

Am 7. März haben sich in die Listen für das Volksbegehren in Berlin 164 952 Personen ein- getragen: am Samstag den 6. Marz betrug dre Zahl der Eintragungen 56 358. Insgesamt haben sich bisher in Berlin eingetragen 307 292 Personen. (In Fulda betrug die Gesamtzahl der Eintra­gungen am Montag abeird 1090.)

Wische BeunruWung 06er öle Lüge in Gens.

per Ablauf -er ersten Sitzungen -es Lates und dervölkerdundsversammlung

Sttoeiüt sechsmal wöchentlich. Wochenbeilage«: .Illustriert« Bei­lage' und .BuchenblStter'. Rotationsdruck und Verlag der Fvldaer ? ctievdruckrrei in Fulda. Fernwrecher Rr. 9.

Monatlicher Beruasvreis: 1.60 Mk.

«nrrigen-Breike JHetaseile (Oolonel) lokal aiö ®oibmari aaswikrs 0L0 »oldmark: Reklameseile lokal 0.60 »albmarl auswärts 0.80 Sold mark. «

Bei Wiederbolmtgen Rabatt. «oVcheckkimt- Franklmet a. M. ml

Was wird?

Unser Vertreter in Genf schreibt uns: Offenbar befindet sich ein Kompromiß im Werden. Die Linien dafür sind auch schon zu erkennen. Sie be­wegen sich dahin, daß bei der jetzigen Tagung nur Deutschland aufgenommen wird, daß aber zu gleicher Zeit Deutschland die grundsätzliche Bereitschaft zur Erörterung der Frage her Ratserweiterung zugibt und sich damit einverstan­den erklärt, daß bei der September-Ta­gung diese Frage auch unter spezieller Berück­sichtigung der polnischen Ansprüche behandelt wird. Ferner wird Deutschland erklären, daß es von sich aus der Erledigung dieser Angelegenheit keine Schwierigkeiten bereitet.

Die Vertreter der deutschen Delegation sind bei den offiziellen Verhandlungen des Rates und der Vollversammlung des Völkerbundes solange noch nicht zugezogen, als nicht die Aufnahme Deutsch­lands und die Zutellnng eines ständigen Rms- sitzes^entschieden wird. Für diese Entscheidung ist g k e i t und in der B o l l-

sitzes entschieden wird. Fi

i m R a t e Einstimmig_________________

Versammlung Zweidrittelmehrheit notwendig. Die Tagung nimmt offenbar nicht den anfänglich erwarteten glatten Verlauf. Man muß vielmehr mit einer mehrtägigen Verzö­gerung rechnen, sodaß das Erscheinen der beut- schen Delegation in der Völkerbundsversammlung voraussichtlich erst Ende dieser Woche statt- findet. Bei dieser Gelegenheit wird übrigens, wie wir hören, der Reichsaußenminister Strese- mann in deutscher Sprache eine Rede halten. Es verdient auch noch bemerkt zu werden, daß ge­genwärtig die Verhandlungen darüber schweben, daß neben den offiziellen Verhandlungssprachen Französisch und Englisch, auch Deutsch künftighin zugelassen.wird.

* Die Zeppelin-Eckener-Spende. Von den ins­gesamt erforderlichen rund vier Millionen sind be­reits 2 300 000 Mark durch das bisherige Ergebnis der Sammlung gesichert. Die Sammlung wird mit aller Energie fortgesetzt. Es wurde beschlossen, der Luftschiffbau Zeppelin G. m. b. H. Friedrichs- Hafen, die bereits mit dem Bau begonnen hat, 500000 Mark als erste Baurate zu überweisen.

* Die Lösung der holländischen Kabinettskrise. Aus dem Haag wird gemeldet: Die Königin hat die Minister des neuen Kabinetts de (Seat verei­digt. Darauf fand in den einzelnen Ministerien die Ueberfragung der Amtsgeschäfte an die neuen Minister statt.

* RegiernngserNärnng in Norwegen. Aus Oslo berichtet WTB: In der im Storting abgegebenen Regierungserklärung wird ausgeführt, die Regierung betrachte es als ihre Pflicht und ihre wichtigste Auf­gabe, für die Besserung der Wirtschaft des Staates und der Kommunen zu sorgen. Die Ar­beiten zur Vereinfachung des Verwaltung sollen fort­gesetzt werden, um die Verwaltungsausgaben herab- zusetzen. Es sei notwendig, die Ausgaben schärfer als bisher zu kürzen, nm eine Erhöhung der Schulden zu verhindern, den Steuerdruck zu mildern und die Möglichkeit für eine vergrößerte Produktion zu schaffen. Der ^Regelung der Geldverhältnisse werde die größte Aufmerksamkeit gewidmet werden. Die Regierung rechne mit der sachlichen Mitarbeit des Storting. Zum Präsidenten des Storting wurde der bisherige Präsident Lagthing Jahren (Rechte) gewählt.

* Zwölf bulgarische Revolutionäre in contumacia zum Tode verurteilt. HavaS berichtet aus Sofia: Das Gericht hat auf Grund des Gesetzes zum Schutz des Staates 12 im Aus lande lebende Führer der revolutionären Organisation derEinheitsfront" in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Der ehem. Mi­nister Santo Bakaloff ist freigesprochen worden.

* Volkszählung in China. Wie die Agentur Indo-Pacific aus Tokio berichtet, hat die Volkszäh­lung in Chma ergeben, daß das Land 436 059 000 Einwohner zählt. Davon entfallen auf Peking vier Millionen und ans Schanghai 51/» Millionen.

* ParteigrLndnng in Japan. Nach einer Mel­dung der Agentur Indo-Pacific aus Tokio ist in Osaka unter dem NamenLandarbeiter Partei" eine neue proletarische Partei gegründet wo i den.

wirtschaftliche ttanrpfbervegirnaen.

Bevorstehende Aussperrung in der englischen Ma- fchinenindustrie. Die Aussicht auf die Verhütung einer Aussperrung von einer halben Million Arbeitern der Maschinenindustrie hat sich dadurch wesentlich verrin­gert, daß die Arbeiter des Londoner Bezirks, die im wilden Streik stehen, es abgelehnt haben, entsprechend den Forderungen des Arbeitgeberverbandes und den An­weisungen ihrer Gewerkschaften die Arbeit wieder auf«u- nehmen.

die Wahl zweier Kommissionen vorsieht, die über das Aufnahmegefuch Deutschlands und die mit dem Eintritt Deutschlands zusammenhängen­den Dudgetfragen prüfen sollen. Der letzte Punkt der Tagesordnung betrifft die Wahl der sechs Bize- Präsidenten der Versammlung.

Die Bölkerbundsversammlung wählte den eng- lischen Außenminister Chamberlain zum Vor­sitzenden des ersten Ausschuffes, der über den Auf­nahmeantrag Deutschlands zu entscheiden hat, und den früheren ffanzösischen Handels- und Finanz­minister Loucheur zum Vorsitzenden des Budget­ausschusses. Chamberlain und Loucheur sind gleich­zeitig Vizepräsidenten der Völkerbunds- versämmlung. Außerdem wurden folgende sechs Delegierte zu weiteren Vizepräsidenten aewählt: Scialoja (Italien), Ishii (Japan), Allee (Neu-See- land), Caballero (Paraguay), Titulesco (Rumä­niens, Morales (St. Domingo). Die beiden Aus­schüsse nehmen am Dienstag ihre Beratungen auf. Die Versammlung vertagte sich darauf. Der Zeit­punkt der nächsten Sitzung ist noch nicht be­stimmt.

Aus Berlin wird gemeldet: Eine längere ©enter Betrachtung der deutschen diplomatischen Korrespondenz kommt auf irrige Auffaffun- gen auswärtiger Presseorgane über die Stellung Deutschlands zu einigen schwebenden Fragen zu sprechen. So sympathisch es der Regierung un­zweifelhaft wäre, wenn Spanien oder eine andere Macht, die wertvolle Mitarbeit am Völker­bund leiste, bei Besetzung ständiger Ratssitze be­rücksichtigt werden könnten, so unmöglich sei es, einen Anspruch gutzuheißen, ohne einen anderen unter anderen Gesichtspunkten ebenso erwägens­werten damit zu disqualifizieren. Deutschland fühle sich nicht berufen, bevor es noch dem Rot selbst angehöre, eine derartige Angabe zu treffen.

Polen ausgeschieden!

Reuter meldet aus Genf: Polen scheine vor­läufig au§ dem Rennen ausgeschieden zu sein. Bezüglich Spaniens und Brasiliens sei man der Ansicht, daß sie vielleicht nachgeben werden, um den Eintritt Deutschlands zu erleichtern. Beide Länder wurden vielleicht darauf bestehen, daß die Frage der Erweiterung des Rates während der augenblicklichen Tagung des Rotes in der Versamm­lung erörtert und nicht bis September verschoben wird. In einigen Kreisen werde zwar der Befürch­tung Ausdruck gegeben, daß Spanien und Bra­silien, wenn ihre Bestrebungen erfolglos bleiben sollten, vielleicht gegen Deutschland stimmen könnten, aber in verantwortlicheren Kreisen werde dies für ausgeschlossen gehalten.

Aus London wird gemeldet: Mit Ausnahme sonDaily News", deren Genfer Korrespondent sich nach wie vor optimistisch äußert, spiegeln die Gen­fer Meldungen der Blätter den E r n st der dor­tigen Lage wieder. Uebereinstimmend melden die glätter, daß die Vertreter der Dominions bei der Konferenz mit Chamberlain sich ausdrücklich g e - gen die jetzige Zulassung weiterer Staaten außer Deutschland zum Bölkerbundsrat ausgesprochen haben.

Der Genfer Korrespondent derDaily New" schreibt: Die Aussicht, daß jetzt Deutschland zugelas­sen werde und einen ständigen Ratssitz erlangen werde und daß ferner alle anderen Fragen bis September vertagt werden, verstärke sich langsam aber stetig, besonders da Schwedens ab­lehnende Haltung durch eine feste Gruppe kleiner europäischer Staaten unterstützt werde.

Der Genfer Korrespondent derWestminster Gazette" meint, die Lage fei sehr ernst und gibt nicht die leiseste Aussicht auf Lösung.

Der Genfer Korrespondent desDaily Chro- nicle" meldet, bei den Vorbesprechungen sei ein sehr starker Druck auf Deutschland aus­geübt worden. Don den Unterzeichnern des Rhein­land-Pakts habe sich nur Belgien n i cht daran beteiligt. Auf indirekte Weife fei Deutschland an­scheinend zu verstehen gegeben worden, daß ein bestimmter Staat seine Zusttmmung zu Deutsch­lands Eintritt verweigern werde, wenn es nicht nachgebe. Demgegenüber aber fei die deutsche Haltung fest. Deutschland werde und könne auch tafföchlich nicht nachgeben.

Der diplomattsche Korrespondent desDaily Te­legraph" schreibt, unter den nicht im Völkerbunds­rat vertretenen Rationen wachse die Bewegung ge­gen das von den Westmächten gewählte Verfahren, welches mit dem Geist und Buchstaben der Dölker- bundsfatzung nicht in Uebereinftimmung stehe. Die schwebenden Fragen gingen die Völkerbundsver- fammhmg und den Rat in feiner Gesamtheit an und dürsten nicht von einzelnen Mächten vorher behandelt werden.

Rach dem Genfer Sonderberichterstatter des Echo de Paris" soll sich der b e l g i f ch e Außen­minister Vandervelde vertraulich gegen das spanische Verlangen nach Zuteilung eines ständigen Ratssitzes ausgesprochen haben. Bel- men fürchte, daß es bei der Zulassung Spaniens als ständiges Mitglied selbst aus dem Rat würde a u s s ch e i d en müffen.

Die Sitzungen.

Entgegen den Gerüchten, die wissen wollten, daß wegen der unentschiedenen Sage in der Frage der Ratssitze die für Montag angesetzte Rats- und Vollsitzung verschoben würden, fanden doch diese beiden Sitzungen programmäßig statt. Vor­mittags 11 Uhr trat der Rat unter dem Vorsitz des Japaners Ishii zusammen, die Beratungen wa­ren g e h e im. Heber diese Geheimsktzung, über die keine amtliche Mitteilung ausgegeben wor­den fft, verlautet von zuverlässiger Seite, wie das Wolff-Büro berichtet, daß Chamberlain, Scialoja und Vandervelde den übrigen Ratsmitgliedern von den wichttgsten Besprechungen mit den deutschen Delegierten Kenntnis gegeben haben. Im An­schluß daran wurde das Verfahren über die Auf­nahme Deutschlands in den Völkerbund besprochen. Es wurde dabei besonders auf den Absatz im Ar­tikel 1 des Dölkerbundspaktss Bezug genommen, der die Frage behandelt, ob die militärischen Verhältnisse eines Staates bei seinem Ein­tritt in den Völkerbund den Bestimmungen beste­hender internationaler Abkommen entsprechen. Um im Falle Deutschlands diese Frage zu entscheiden, wird der Bölkerbundsrat, wie seinerzeit bei der Aufnahme Bulgariens, Oesterreichs und Ungarns, ein Gutachten des ständigen militärischen Ausschus­ses des Völkettrundes einholen, der sich seinerseits vor Bekanntgabe feines Urteils an die Botschaf- terkonferenz wenden wird.

Nachmittags gegen 3 Uhr begann die erste Vollsitzung. Sie wurde eingeleitet durch eine srockene Ansprache des Ratspräsidenten Ishii, m der lediglich ein kurzer Passus bemerklich war, ur welchem auf die sehr hohe Bedeutung des Ein- vrttts Deutschlands in den Völkerbund hingewiesen wurde. Man kann nicht sagen, daß e Eröffnungsansprache bei Beginn dieser histori­schen Tagung in besonderer Aufmerksamkeit von oen Mitgliedern dieses Weltparlaments angehört worden wäre. Nach der Eröffnungsansprache wurde die Kommission zur Prüfung der Vertre- wngsvollmachten der Delegation gewählt. Um ihr ^eu zur Erledigung ihrer Aufgaben zu (affen, ®ttrbe die Sitzung gegen halb 4 Uhr auf eine stunde unterbrochen. 4.30 Uhr begann der z w e i te

m ,e,r Siftung. Er wurde eingeleitet mit er Verlesung des Berichts der Kommission zur Allmächten. Es folgte die Wahl des P asidenten der Tagung, die mit großer Mehrheit <r 1 et c-Pf° r * 91 e f if <h e n Delegierten Alfonso snerhonx" begrüßt nahm nach Bskannt-

oenffiL »-^Mmmungsergebniffes der neu- SntoS, "ach einer kurzen Glückwunsch- «eS Ratsprasidenten Ishii den Präsiden- seine ffw-k ft°vter. Betonung verlas er dann »or U?ran«>5rc?e m her er temperamentvoll m , n\^e.m Büerk von Locarno und dem neuen aemnhnr^'®' «. &er dieser Tagung ihre außer- e Bedeutung gab, dem G e i st v o n L o-

j?,etn Geiste, der Deutschland hierher führte, °mer heute möglichen Brüderlichkeit, |en J^^ifunft unter allen Völkern der Erde wach-

dieser Rede wurde in die Verhandlung der »eren Punkte der Tagesordnung eingetreten, die

von den ttriegsschauplätzen.

Marokko

Ruch dein offiziellen spanischen Äommuniquee aus Madrid haben im Frontabschnitt von Tetuan spanische Truppen das Massiv Be Seitung besetzt, von dem aus die Geschütze der Rifleute Tetuan bom­bardiert haben. Es sei zu einem lebhaften Kampf gekommen, in dem die Spanier sechs europäische und 20 eingeborene Mannschaften ver­loren hätten.

Oberst Astray, der Gründer und Führer der spanischen Fremdenlegion, der bei einer Offensive vor Tetuan verwundet wurde, ist, wie dieB. Z." berichtet, gestorben.

Die Kampfe in Syrien.

wtb Bonbon, 9. März. (<Eig. Funkm.). Rach einer in den Morgenblättern veröffentlichten Mel­dung aus Beirut haben die Angreifer in der Gegend von Damaskus 156 Take und 103 Verwun­dete gehabt. Sultan Akrafch, der Führer der An­greifer, fei durch eine Fliegerbombe verwun­det worden.

Die chinesischen HHcren

Wie die Agentur Indo-Pacific aus Schanghai berietet, scheint die Koalition Wu-Pei-Fus mit Tschang-Tfolin gegen Kuo-Ming Tschun sowie Honan und in der Gegend von Tientsin Fort- s ch r i 11 e zu erzielen.

Wie aus Peking gemeldet wird, beschossen die Kanonenbovle der verbündeten Streitkräfte die Ta k u - F o r t s, die das Feuer erwiderten. Die ausländffchen Frauen und Kinder flüchteten nach Tientsin. 5000 Mann Schantungtruppen landeten in Peitang und traten den Vormarsch am Sanho- Fluß landeinwärts an, um der Rattonalarmee die Eifenbahnoerbindnug abzuschneiden. Sie Meßen mit einer Kuo-Tschung-Brigade zusammen. Es kam zu einer Schlacht, über deren Ausgang nichts bekannt ift In den Abendstunden trafen zahlreiche Verwundete in Tientsin ein. In Jung Ping-fu sind 20 000 Mann verbündete Truppen ein- getroffen. Man erwartet, daß es bei Lantschau zu einem Zusammenstoß kommen wird. Südlich von Tientsin nähert sich die Kavallerie von Lu Tschung-lin der Stadt Tsangtschung, wo die Haupt- macht Li Tsching lins steht.

* Reue Wiuzerdemonstcationen. In Kreuznach hat ein großer Demonstrationsumzug der Nahe- wiuzer fiahgefunben, an der sich eine Versammlung anschloß, in bet gegen die Verfügung des Landes­amts, keine Steuerstundung bis zum 15. Juli zu gewähren, schärfster Protest erhoben wurde. Die Ordnung wurde in keiner Weise gestört und die Schutzpolizei hatte keinen Anlaß zum Eingreifen. Auch in Cochem an der Moiel hat neuerüings eine Temonstrationsversammlunq der Mo^elwinzer statt­gefunden, die ohne jede Störung verlies.

Dir französische Minifterkrisir. I

Die radikale Kammerfraktion hat ihre Bespre­chungen über die durch die Ministerkrise geschaffe­nen Lage fortgesetzt. Zwei Strömungen machten sich bemerkbar, eine für die Bildung eines Ministeriums mit kartellistischer Tendenz, eine andere für die Bildung eines Konzen­trationskabinetts. Eine Entscheidung ist noch nicht getroffen worden, sondern soll auf der Dienstag vormittag stattfindenden Vollversamm­lung der Partei getroffen werden. Uebrigens hat der Abg. Huguet seinen Antrag, diejenigen Par­teimitglieder, die ge g en die Regierung Bria ad ge- sttmmt hätten, von einer neuen Ministerkombina- tion auszunehmen, zurückgezogen. Dienstag halten außerdem auch andere Fraktionen Sitzung ob, tun zur Lage Stellung zu nehmen. So die Sozialisten und die kleine Fraktion Le Troquere. In den Wan­delgängen der Kammer macht sich, wie Havas be­merkt, eine Strömung zugunsten der Regierungs­bildung durch Briand geltend. Sollte Briand ablehnen, dann würde man in erster Linie Her- r i o t gerne an der Spitze des neuen Kabinetts sehen.

Besprechangen bei Doumergue.

Der Präsident der Republik hat dem üblichen Brauch gemäß die Vorsitzenden und Berichterstatter des Finanzausschusses der Kammer und des Senats nacheinander empfangen, um mit ihnen, da das Ministerium über eine Fmanzfrage gestürzt ist, zu verhandeln. Wie Havas erfährt, ist man allgemein feer Ansicht, daß angesichts der Bölter- bundstagung man raschestens zur Lösung der Krise gelangen muffe. Um das zu erreichen, halte man es für wünschenswert, Briand als Ministerpräsident beizubehalten, der wie man glaubt die meisten seiner ehemaligen Mit­arbeiter in sein Kabinett aufnehmen könnte. Als Ersatz würden besonders zwei Politiker, nämlich C a i l l a u x und R a o ul Peret genannt. Rach demJournal des Debats" soll Briand übrigens zu Freunden, die davon sprachen, unter ihm ein neues Ministerium zu bilden, erklärt haben,man habe einen Teller auf seinem Kopf zerschlagen, und nun solle er die Stücke wieder zusammenflicken." Diese Worte würden so gedeutet, daß er zwar nicht die Bildung eines neuen Ministeriums übernehmen werde, dagegen gerne das Portefeuille für Aus­wärtiges beibehalten wolle.

Bus den Parlamenten.

Deutscher Reichstag.

In seiner Sitzung am Montag beschäftigte sich der Reichstag ausschließlich mit der Fortsetzung der Beratung des Haushalts des Reichsfinanz­ministeriums in Verbindung mit einem Gesetzent- wurf über

Steuermilderungen

zur Erleichterung der Wirtschaftslage.

In der ausgedehnten Debatte, an der sich Red­ner aller Parteien beteiligten, ergriff auch der Reichsfinanzminister Dr. Reinhold das Wort und betonte, daß die Steuersenkungen nicht isoliert betrachtet werden dürften, sondern lediglich ein Teil des Regierungsprogramms zur Wiederbele­bung der Wirtschaft seien. Neben den Steuersen­kungen müsse eine ausgedehnte Kredithilfe und die Wiederbelebung der

Bautätigkeit

Hand in Hand gehen. Nicht zu entbehren seien auch durchgreifende Sparsamkeitsmaßnahmen durch Arbeitsvereinfachunq und Verwaltungsform. Der deutschnationale Abg. Oberfohren wünscht Vereinfachung des Beamtenapparates der Finanz- Verwaltung sowie eine organische Reform der Steuergesetzgebung mitden Blick aufs Ganze". Dr. Brüning (Z.) fordert für den Fall, daß eine innere Anleihe zur Deckung des außsrordent- llchen Etats nicht zu erreichen fei, Abänderung des Reichsbankgesetzes zur Sicherstellung der notwen­digen Summen. Die Maßnahmen der Regierung zur Unterstützung der Landwirtschaft und zur He­bung des Wohnungsbaues würden vom Zentrum freudig begrüßt. Der deutschvolksvarteiliche Red­ner, Abg. Keinath, sieht eine Möglichkeit zur Befferung der Wirtschaftslage nur in der Wiedsr- beschaffung des Eigenkapitals der Betriebe. Die Deutsche Volkspartei stehe im Ganzen genommen dem Grundgedanken des Regierungsentwurfs durchaus zustimmend gegenüber. Dr. Fischer (Dem.) wünscht eine Neugestaltung des Reichs­finanzetats und weitgehender Verminderung der Forderungen für Personal und Neubauten.

Das Haus vertagte sich aus Dienstag den 9. Marz: Fortsetzung der Beratung des Finanzetats.