suloaer Zeitung
Sonntag, 7. März 1926
Kleine Schritte, aber in derselben Wegrichtung, das ist das Geheimnis allen Erfolges. Der Natur, o Mensch, sollst du das ablernen. Horch einmal hin, was sich nunmehr hinter der rauhen Rinde der Bäume verbirgt. Das ist ein Steigen und Fallest, ein Strömen und Zurückströmen von Säften und Kräften, ganz still, ganz leise, und doch, nachdem di« ersten Schneeglöcklein verblüht und nachdem scho» die Veilchen duften, was für eine Millionemnasie von Blättchen und Blüten wird dieses geheime Weben in unendlich vielen Zellen und Zellchen hervor- bringen! So soll auch dein Tun sein. Laß dich nicht irre machen durch die „grandes Passus", durch die großen Schritte von allerlei Leuten. Wie ost sind sie „grandes passus extra Di am", wie der kluge Augustinus es sagte, „große Schritte, aber vom Wege ab".
Ehre allen Männern mrd Frauen, die in Wirtschaft und Politik die Wege des Friedens wandeln. Noch habe ich nicht an die Rede erinnert, die Strefemann vor der Studentenschaft der Tech- nischen Hochschule in Dresden gehalten hat. Sie berührt das Berhästnis des Gebildeten und des Akademikers zum neuen Deutfchlarch. Sie haben die Revolution nicht gemacht. Sie kamen bald nachher sogar ganz besonders in Not. Sie mußten einer Entwicklung zusehen, die ihnen so vielfach wider den Strich ging. Was Wunder, wenn sie einige Zeit brauchten, um ihren Aerger zu vergessen . . . Aber es gibt ein höheres Gesetz, dem sich das Fühlen des Einzelnen unterzuordnen hat, das Gesetz des Staates und der Gemeinschaft. „Der deutsche Staat und seine Verfassung sind ein Reifen, der das deutsche Volk zusammenhält." Da hat Strefemann eine gute Wahrheit gesagt, eine vollkommen durchschlagende. „Unser größter Fehler wäre ein Zurücksallen in die alten Klassengegensätze oder die Entfesselung konfessioneller Kämpfe", das ist auch sehr richtig gesehen und, obwohl von einem Polistker ausgesprochen, doch ganz unpolitisch. Ruhige Mitarbeit wird auch im neuen Staat den Gebildeten bald wieder an die Stelle bringen, die der Bildung eben naturhast zukommt. Als in Rußland die Revolution begann, machte man in dieser und jener Stadt den Hausdiener zum Dank- direktor und setzte den Direktor hinunter in die kleine Stube unter der Treppe. Aber natürlich änderte man das Verhältnis bald wieder um, well es in sich unmöglich ist und weder dem Hausdiener noch dem Bankdirektor paßt.
Ein mächtiges Toben hat bei uns eingesetzt in Sachen der Vermögensabfindung der Fürsten. Lange Feuilletons mit spritzendem Witz werden über die Art geschrieben, wie bte großen Vermögen zustande gekommen sind. Nun, wo es sich um Geld handelt, sind im allgemeinen die Menschen einer wie der andere, und man könnte diesen Mammon sozusagen einen Kunstdünger nennen für Verbrechen, Mord, D'"bstabl, Raub und Ehebruch und was es immer ist. Dr. Eberle schreibt indessen in der „Schöneren Zukunft" einen Artikel nach dem andern über die moderne Plutokratie und zeigt, wie und wann unb wo denn ihre Nie- senvermögen zustandegekommen. Das ist Weste wie Jacke. Pharisäer sitzen immer rm Glashaus und sollten darum nicht aufeinander mtt Steinen roet- fen. Im anderen Falle gibt es eben Scherben, und in Scherben gehen dabei nickt bloß die Glashäuser der Pharisäer, was ihnen allen wohl zu wünschen wäre, sondern auch die freundlichen Scheiben von Glück und Frieden in unferm Volke.
Ich nehme es schließlich einem Menschen nicht übel, wenn er über all dem Elend, das der falsche Gebrauch des Besitzes der Menschheit bringt, das Eigentum überhaupt verwirft und sich eine ent- forschende Ueberzeugung bildet. Wie gesagt, das könnte man schließlich als eine persönliche Angelegenheit betrachten. Daß aber Kommunisten
Amerikanische Hetzfilme. — Zephyr von der Seine. — Der Frühling kommt. — Gebildete und Volks- ftoaf. — handel-Alazetlis deutsche Passion.
behördlichen und freien Wohlfahrtspflege bat begonnen, um dem verarmten und auch seelisch zermürbten und vereinsamten Staatsbürger zu helfen. „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe: diese drei — die größte aber von ihnen ist die Liebe!" 1. Kor. 13. 13.
bin nun einmal da, habe die Sache mit Euch besprochen, das langt doch!"
Biere», der den überall angesehenen Meister schätzte, unterdrückte seinen Aerger ob dieser scharfen Worte und kam mit einem vermittelnden Vorschlag:
„Das schriftliche Gesuch wird nicht zu umgehen fein. 2ch schicke Euch gegen Abend meinen Kanzlisten Hecht. — Hecht!"
„Herr Stadtfchreiber wünschen?" flötete es aus dem Hintergrund.
-Hör' Er zu. — Er wird Euch bas Gesuch aufsetzen mit allen nötigen Floskeln, auf vorschriftsmäßigem Sa- pter, mit der vorschriftsmäßigen Anrede und auch in vorschriftsmäßiger Anordnung des Textes. Ihr wißt nach einem bestimmten Schema lassen sich die Dinge leichter bearbeiten ..."
„ ... und auch schneller ab acta legen." werf Mei- fter Hornung ein. Egidius Viereck schien diese Worte zu überhören und wollte gerade eine Lobhymne auf den vorschriftsmäßigen amtlichen Weg anftimmen, als -hm Meister Hornung mit einem energischen Bitte lieber Herr Stadtfchreiber'" abermals ins Wort fiel und ihm aus seiner unvorfchriftsmäßig großen Tabaksdose eine Prise anbot. Mll Behagen sog Viereck das Pulver ein und vergrub dann feine 9tafe in einem wundervollen seidenen Taschentuch — ein Pracht-Exemplar eigener Art. Der Stadtfchreiber hatte es zum vorjährigen Na- menstage von seiner Tochter Amalie erhalten Har- nung erhob sich, fchüttelte Viereck die Hand, Hecht stürzte zur Tür und unter vielen Verbeugungen zog der Meister von bannen.
Viereck nahm sogleich feinen Platz mieber ein, ver- beste sich in Aktenstücke unb Verordnungen aller Art bis ihn die Glocke der nahen Pfarrkirche ermahnte, zum Namenstagskaffee nach Haufe zu gehen — eine Gewöhn- heit, die der sonst sehr pflichteifrige Egidius sich nur einmal im Lahre und zwar an seinem Namenstage „aus eigener Machtvollkommenheit" erlaubte. Viereck ordnete feinen Putt und verschloß die Akten. Darauf öffnete er ein Fenster, benutzte den zurückgeschlagenen Fensterflügel als Spiegel unb zog mit Kamm und Bürste eine widerspenstige Haarlocke etwas in die Stirn — so, wie er es auf den neuen französischen Stichen beim Hofbuchhändler gesehen hatte. Dann knüpfte er mit großer Sorgfalt feine Krawatte, gab jeder seiner ftatteen einige Tropfe« Wasser, naiyn feine« Hut. «lickte ihn mit dem
Cine lehrreiche Statistik katholischer Liebestätigkeit.
Ein Buch, auf jeder Seite mit vielen Spalten unb Tabellen, die ausgefüllt sind mit Namen und Zahlen, Notizen und Daten liegt vor mir. Was kündet es dem sinnenden Leser? Das hohe Lied der Liebe, der glüheriden Gottes- und der opferwilligen Nächstenliebe. Dis Liebe höret nimmer auf (1- Kor. 13, 8). Das Senflein der katholischen Caritas, vom Herrn selbst gepflanzt, treu gehegt und gepflegt von den Aposteln und Jüngern und deren Nachfolgern ist zu einem vom himmlischem Lebenssaft durchströmten Baum cmporgewachsen. Tief und stark hat sich die katholische Kirche mit ihren caritativen Anstalten und Einrichtungen hx das deutsche Volk hineingebaut. Sie stehl mit ihren 3382 karitativen Anstalten und insgesamt 67 000 katholischen Schwestern unb Brüdern, die sich der Liebestätigkeit widmen, mindestens ebenso chrftirchtgebietend und machtvoll da wie mtt ihren mittelalterlichen Domen oder ihren neuzeitlichen Or- aanisattonen. Dis zusammenfassende Darstellung der gesamten katholischen Anstalten der geschloffenen Fürsorge Deutschlands läßt darüber keine Zweifel auflommen. Das Wachsen des wohlsahrispflegeri- jchen Gedankens innerhalb des Reichs und der s:n- zelnen Länder, vor allen Dingen die Umstellung des deutschen Reichs unb seiner Länder auf die Ides d-s Wohlfahrtsstaates einerseits, die starke organffa- torikbe Durchdringung speziell der katholischen Dohlfahrtsvflege durch den deutschen Caritasver- band anderseits, machten eine immer eingehendere Kenntnis der Wohlfahrtspflege überhaupt, rote auch der konfessionellen insbesondere notwendig. Der deutsche Caritasverband nahm die opfervolle Arbeit einer nach einheitlichem Plan geordneten vollständigen Statisttk der gesamten katholischen Wohlfahrtspflege in Angriff. Als erster Band erschien: die katkmlischen Einrichtungen der geschloffenen Fürsorge Deutschlands von Dr. Else Peeren- boom, Freiburg i. B. 1924.
Wie eine Heerschau der Earitas ziehen die Namen der Ordenshäuser, bis Anzaksi ihrer Mit- glieter, deren vielgestaltige Wirksamkeit und ihrer Arbeitsfelder am Auge des Lesers vorüber. Trockene Zahlen — und doch pulst stisches Leben in ihnen! Aneinander gereihte Nottzen — sie teben eine laute Sprache! Sie erzählen von den Karitas gebieten, auf denen die helfende Liede ihre Kräfte auswirkt: Kinderbetreuung, Jugenderziehung, Krankenpflege, Fürsorge der Gebrech- llchen, Schwachsinnigen und Krüvpel sowie neuerdings die Familienpflege. Da steht zu lesen vom Sorgen, Pflegen, Helfen, Organisieren — überall — auf dem flachen Lande, rote mitten zwischen den Mietskasernen der Großstädte — in rein katholischer Geoend und auf Außenposten der Diaspora. Die Caritas ist das eigenste Gebiet der Frau und mehr noch der Ordensfrau; sie wird wohl stets den Vorrang bshauvtsn, well die Hingabe fast ihr Wesen bedeutet. Die gewaltige Ausdehnung der Schwesterncaritas fällt in die Augen, wenn man die Mutterhäuser der Schwestern mit benen der Brüder vergle'cht. Wir besitzen in Deutschland 150 Mutterhäuser weiblicher kirch- ncher Genossenschaften und nur 19 von männlichen. Sie Statistik läßt erkennen, daß die alten Orden and Genopenschasten, von denen manche, wie die Kellitmnen, Dominikanerinnen, einige Franziskanerinnen, die Magdalenerinnen und Zfftsrzien- strinnen ins 13. und 14. Jahrhundert zurückrstch-n, dem Gedanken der Caritas ebenso nahestehen wie dte neuen und neuesten GrÜndunaen, von denen einige selbst nach 1921 noch erfolgt sind. Ein Jahrhundert hat es den Angaben Peerenbooms zufvlae geoeben, das alle anderen an christlicher Siebes- tätiakstt weit übertrifft. Es ist das 19. Jahrhundert, dos man das Zeitalter der Caritas nennen könnte, denn in diesem Zeitabschnitt sind, besonders seit 1849 die meisten Kongregationen entstanden.
Wie betätigt sich die katholische Liebestätigkrit fn der Diözese Fulda? In 74 karitattven Anstalten zählt sie 522 Pftegekräfte bei einer Setten- zakfl van 3474. Jede Landeskrankenpflegerin, jede Armenschwefter, erst recht jede Ordensfiliale und jeder karitative Verein ist gleichzeitig ein bewaffneter Posten, eine Festung des Caritas, auf den die Kirche und auch der Staat im Kampfe gegen Not und Elend, gegen Verführung unb Sünde sich stützen kann. Ein edler Wettbewerb zwischen der
blätter bei uns fortgesetzt Werte und Personen beschimpfen, die andern Leuten heilig sind, das wird beinahe unerträglich. Man lese nur die Stilblüten, die Tag für Tag in der „Roten Fahne" etwa gezüchtet werden. Wie widerlich diese neuesten Kämpfe um die Bibel. Bekanntlich hatte der ÄDGB.-Vorstand das Verhalten seines Hauptverlages gebilligt, der die Heilige Schrift auch für die Arbeiter neu herausgegeben hatte und sie in den Streit gezogen, daß auch die Sowjetunion Bibeln dulde. Dagegen wettert nun die „Rote Fahne", das deutsche Sprachrohr des russischen Kommunismus: „Sie vergeffen dabei nur eines, nämlich, daß die Gewerkschaften der Sowjetunion keine Bibeln verkaufen, daß sie dem Chrfftentum nicht mit Ehrfurcht begegnen und für den Gedanken der Toleranz mit dem gescheitelten und geschorenen Pfaffengeschmeiß keine Verwendung haben." Spräche in Rußland irgendeiner über Lenin, wie hier in Deutschland die kommunistischen Organe über die Religion, er säße morgen im Zuchthaus und hätte wohl schon übermorgen seine Kugel im Kopf. Möchte sich doch jeder vernünftige Arbeiter gegen derartige Verhetzungen wenigstens taub verhalten. Es ist Gift für unsere Wunden, die des Baltfams bedürfen.
Wir werden es auch nicht überschätzen, wenn in Amerika neuerdings eben ein Film läuft, wie er schlimmer in der übelsten Kriegszeit nicht möglich war. Jeder Deutsche erscheint wieder einmal als eine Bestie in Menschengestalt. Zwei deutsche U= Boot-Kommandanten werden kahlgeschvren, blutgierig, feige, monvkelbehängt und geradezu abstoßend selbstsüchtig dargestellt. Jedesmal, wenn wieder eine saftige Gemeinheit wider die Deutschen kommt, spielt die Kapelle auf: „Ich bin ein Preuße!" Sollte man es glauben? Und das sieben Jahre nach Kriegsende? Und das in Amerika des Philanthropen Wilson? . . . Nur nicht den Mut verlieren, deutsches Volk. Nur nicht vom einmal erkannten Wege dex füllen, vertrauenden Arbeit abweichen. Wie auch die Wasser gießen und wie auch die Stürme drohen, was ist das alles gegen die unerhört stärkeren Kräfte, die da heimlich und sicher unter der harten Rinde am neuen Frühling wirken.
„Wir stehen an der Morgenröte einer neuen Zeit. Wir versuchen ein neues Europa zu zimmern. Die Völker müssen sich einander nähern. Dabei farm Frankreich nicht beiseite stehen. Wenn Frankreich die Verträge unterzeichnet, dann bleibt es sich selbst treu. Es zeigt sich als das Frankreich von gestern, von heute und von morgen." Nun ja, das hat B r i a n d gesagt. Wir lesen dergleichen nüchtern. Wir kennen gewiß auch andere Seiten im Frankreich von gestern und heute. Aber wir begrüßen das Wort, das uns trotz allem lenzhaft anmutet. Freilich weder Zephyr von der Seine noch der Eiswind vom Brenner macht uns hoffen oder fürchten. Wir miffen es heute: In deiner Brust sind deines Schicksals Sterne! Alles Reden und Haffen der Welt bricht schließlich zusammen vor der ernsten Würde und der werkftohen Arbeit eines 60 Millionenvolkes, das im Leid gereift ist.
Mit solcher Freude hab ich den süngstsn Roman der herrlichen Handel-Mazetti gelesen: Die deutsche Passion. Das ist ein Buch, nicht nur mit unvergleichlicher unb ungebrochener Künstlerkraft geschrieben/sonßem auch voll des Glaubens, voll der Siebe zum Volke, ein Ruf zum Frieden unter den Konfessionen, eine Botschaft der idealen Kräfte, die in uns schlummern, ein neues Volksbuch, wie wir roeniqe haben. Abgründe der Tragik tun sich darin auf, aber dunkel und eroigfehön erblüht aus oufgertffener Scholle das neue Deutschland, die mystische Mume Hölderlins.
Der Mann im Monde.
Das paulustor.
von Ferdinand Cammetjer.
Der Satrlermeister Karl Klitsch trat aus feiner Werkstatt in den Garten, legte zwei Finger in den Mund, schöpfte Atem und ließ einen seiner bekannten Psisse vom Stapel, der alle Hunde der Nachbarschaft aus dem Mittagsschlafe weckte. 3m Hause nebenan öffnete sich gar bald die Tür, eine große Dampswolke erschien und mtt ihr der Metzgermeister Rudolf Lorey: „Karl, Du hast gerufen?" •
„3a," antwortete Meister Klitsch, „daß Du mir den Namenstag vorn Egid nicht vergitztl Wie verabredet lleffen wir uns alle um sieben Uhr am Paulustor. Zum ®eorg habe ich auch schon geschickt, er weiß Bescheid."
„Ra, den Tag von heute habe ich schon lange im Kalender angekreuzt. Ehe Du zum Paulustor gehst, kannst Du wieder pfeifen. Wir machen den Weg zusammen."
„Gut, ich rufe Dich, wenn's Zeit ist," versprach Karl ^llsch und ging in seine Werkstatt, während Rudolf ?ore9 »uf die Wurstküche zutrat, die Tür öffnete und m der Dampfwolke verschwand.
Das Ramenstagskind, der Stadtfchreiber Egidius T^ck, faß um dieselbe Zeit in seiner Amtsstube im Rathaus; ihm schräg gegenüber der Schreinermeister f)°rnung. gm Hintergründe des Zimmers arbeitete ver Kanzlist Hecht. Schreinermeister Hornung verhan- «n-5 E dem Stadtschreiber über den Ankauf einer
•efe im Lerchenfeld, die der Stadt gehörte. Der Meide» aIte Bedenken des Stadtschreibers, die gegen . _~nDerb der Wiese standen, zu zerstreuen und fragte, «per Weg nun einzuschlagen sei, damit er sein Ziel Dek?diese Frage straffte sich Vierecks kleine
f fa* U E’ner Größe, die man ihr nie zugetraut hätte, ton»»/ -e'.nc Amtsmiene auf und mit gewichtiger Be- g erteilte er Meister Hornung feine Ratschläge:
wicht .sich die Sache überschauen läßt, glaube ich den irgend welche Bedenken des Rates gegen bod) des betreffenden Grundstückes vorliegen;
liebe« m , $ Euch laut Vorschriften bitten, ein schrist-
S»ne,Uv Rat einzureichen . . ."
den *ier wurde er in seiner feierlichen Rede durch ^k'lter unterbrodxm:
’-Übh- mad,en? Ist das unbedingt nötig? 3hr sm an solche Fisematente« «ut)t gewöhnt; ich
= Dom süddeutsche« Luftverkehr. Dem ,Darm- städier Tageblatt- zufolge ist es der Hessischen Flug» betriebS-A.-G. gelungen, Darmstadt eine Hauptlinie im innerdeutschen Flugnetz zu sichern unb zwar die Strecke Darmstadt. Mannheim -Kar l-ruhe- Stuttaart-München. Ab 6. April wird täglich ein Paffa-ierflugzeua um 8 Uhr in Darmstadt ab- Aermel ab, griff zu seinem Stock mit dem (Elfenbein* knöpf und begab sich, von Hecht unter vielen Bücklingen zur Türe geleitet, nach Hause.
Die Domuhr schlug gerade die siebente Stunde, als der Stadtschreiber, begleitet von seiner Frau und der Tochter Amalie, aus dem Schloßgarten trat, um nach alter Gewohnheit in der Nähe des Paulustores seine drei Freunde zu erwarten, ihre Glückwünsche entgegenzunehmen und darauf mit ihnen am Leipzigerhos den Tag zu feiern.
Viereck, leicht auf seinen Stock gestützt, blickte in die Runde. Es zeigte sich niemand. Nach einiger Zeit griff er unwillig in die Tasche, zog seine Hornbrille heraus, fpähte über den Domplatz unb entdeckte endlich feine beiden Freunde Karl und Rudolf, ferner die Meisterin Lorey und einen jungen, baumlangen Menschen in Uniform; es war dies Meister Rudolfs Reffe, Heinrich Geriach, Stadtleutnant in der zweiten Kompanie. Unterdessen hatten Amaliens junge Augen den noch fch- lenben Gerbermeister Georg Hohmann erspäht, der durch die Schmiedgasse gekommen und jetzt in die Pau- luspromenabe eintrat
Alle trafen zu gleicher Zett bei der Stadsschreibers- familie ein. Man begrüßte sich herzlich, nur Biere» war mißgestimmt über die Berfpätung feiner Freunde. Unpünktlichkeit war ihm verhaßt Unerhört, ihn eine geschlagene Diertelftunde warten zu lassen! Viereck wollte gerade feinem Aerger Lust machen, als Rudolf Lorey, der Aelteste der Freunde, an den Stadtfchreiber beranfrat, ihm feierlich die Hand drückte und ihm in wohlgefetzten Worten zum Namenstage gratulierte. Er Überreichte ihm einen riefenhaften Schwartemogen als Geschenk, den des Metzgers Kunst in einen Globus verwandelt hatte. Die einzelnen Erdteile waren darauf weniger deutlich dargestellt, desto klarer aber der Aequo- tot und die Meridiane, die durch Ringe von Knobttnen gebildet wurden.
Der Gerbermeister Hohmann überraschte das Ra- menstagskind mit dem weichgegerbten Fell einer Wildkatze und erntete damtt den wohlverdienten Dank unseres Stadtschreibers, den manchmal, besonders an kalten und feuchten Tagen, wenn der Wind über die Rhön fegte, das Zipperlein plagte.
x Als letzter Gratulant befreite der Sattlermeister Kari Klitsch einen prächtigen Kaktus aus ferner Umhüllung
2. Blatt.
Druck der Fuldaer «cttendrnckerei, Fr Iba.
fliegen und abends 7 Uhr in München eintreffnt. Zwischen Darmstadt und Frankfurt soll ein Pendelverkehr aufrechterhalten werden
Das Neichsschulgesetz.
Im Reichsinnenm'nisterium wird gemäß einer Erklärung deS neuen RricksinnenministerS Dr. Külz neuerbinaS ein neuer Entwurf zu einem Reicks chul» aesetz auSgearbeitet. Das wird der vierte Ver'uch zur Vorlage eines derartigen Gesetzes fein, alle drei vorangegangenen waren schon bei ihrer Bekanntgabe als gescheitert anzusehen. Schon daraus ergibt sich, welche Schwierigkeiten sich der Bewältigung dieser Materie immer wieder entgegenstellen. Man wird sehr darauf gespannt fein können, wie das nunmehr in Borbereituug sich befindliche neue Werk sich darstellt.
Die Geschichte des ReichsschulgefehentwurfS wird einmal geradezu eine parlamentarische Leidensgeschichte selber sein. Die geistigen ©Krönungen inner» halb der Parteien kommen bei keiner anderen Materie so ausgeprägt zum Vorschein, als gerade in dieser Frage- Bei der gesamten geistigen Einstellung der Parteien zueinander und zum Staats- und Volksleben überhaupt ist im gegentoäi tigen Augenbl'ck noch garnicht abzuseben, in welcher Gestalt ein Reichs-- schnlgesetz zur Tat werden soll.
* Die Zenlrumsftaklion an Fehrenbach. Die Reichstagsftaktion des Zentrums hat an ihren Vorsitzenden, den erkrankten Reichskanzler a. D. Feh- renbach folgendes Schreiben gerichtet: Sehr geehrter Herr Fraktionschef! Die unterzeichneten Mit- glieter der Fraktion, zur Beratung wichtiger Tages- fragen versammelt, gedenken m herzlicher Verehrung ihres zur wohlverdienten Erholung in der Heimat weilenden Vorsitzenden und senden Ihnen kollegiale Grüße mit den besten Wünschen für eine baldige völlige Genesung. Die täglich bei uns ein« geheimen, aus warmer Anteilnahme veranlaßten Anfragen der Mitglieder aller Parteien nach Ihrem Befinden geben uns einen Beweis für die hervorragende Stellung, die Sie, verehrter Herr Frak- tionschef, sich im Deutschen Reichstag errungen haben. Möge Ihnen bald befdritten fein, in alter Gesundheit mch Frische zu uns zurückzukehren zum Segen alles dessen, dem Sie Ihre Lebensarbeit gewidmet haben, ganz besonders zum Wohle unserer Fraktion. In verehrungsvoller Ergebenheit (folgen die Unterschriften). Wie wir vernehmen, ist im B e f i n b e n tes Abgeordneten Fehrenbach eine kleine Besserung eingetreten, wenngleich bei dem hohen Alter des Kranken gewisse Besorgnisse immer noch obwalten. Dem Wunsche ter Zentrumsfraktion auf baldige Wiedergenesung ihres Vorsitzenden schließ sich die gesamte Partei des Landes von ganzem Herzen an.
* Koblenz statt Koblenz. In der letzten Stadt- berorbnetenteriammlung in Coblenz wurde ein An- trag, statt Coblenz nunmehr Koblenz zu schreiben, angenommen und der 1. April als allgemeiner Ein- führungStag bestimmt.
* Feuersbrunst in einer australischen Pflanzung. Im Staate Viktoria iAuffralien) iff durch eine Feuersbrunst m einer Vo-elbeerbaumpflanzunq ein Schaden von einer Million Pfund Sterling anperidjtet worden. DaS Feuer bedroht noch eine ebenso wertvolle benachbarte Nadelholzpflanzung.
Continental * Regenmantel, Regenhöte ued Sportbekleidung g« saniert und imprägniert, tiüt Dteca, Hearn a.Kx»der.
— ein großes, gut gewachsenes Exemplar, das, nament« Nch bei der Stadtschreiderin, laute Bewunderung, bet Viereck, dem Kenner, aber höchstes Erstaunen und große Freude hervorrief. In seinem Geiste sah Viereck schon den Notar Zwenger vor Neid platzen, denn mtt diesem Kaktus hatte er die Kakteensammlung des Notars fii» immer aus dem Felde geschlagen.
Die Zeit war inzwischen vorgeschritten, und ine Freunde drängten zum Aufbruch. Piereck übergab den Kaktus feiner Frau: „So, lieb« Minna, hier hast Du den Kaktus, nimm ihn bitte mit nach Haufe. Ach nein — halt! Für was ist denn die Jugend da? Matthen, meine Tochter, wo steckst Du?"
Frau Viereck unterdrückte mit Mühe einen Seufzer. Egidius hatte inzwischen seine Tochter erspäht und zwar In angeregtem Gespräch mit dem Stadtleutnant. Ein Blick genügte ihm, um festzustellen, daß es sich bei der UMerhalwng der Beiden nicht gerade ums SSetter drehte und er polterte los: „Himmel, was stte tth- dieses Frauenzlnnner kommt kaum aus bem Snftttut tnw steht heute schon bei Mannsbildern. Gleich kommst Du her!" Molchen wagte einen Versuch zur Rechtfertigung, doch der Stadtfchreiber verbat sich mit einer scharfen Handbewegung jedes weitere Wort: „Schweig, tmr rech- nen morgen ab. Und Dein Kavalier, der kann sich gratulieren!" ,
Daraufhin trat der Leutnant einen Schritt vor. griff salutierend an den Helm und sprach, nicht ohne leisen Spott:
„Dar freut mich sehr. Herr Stadtschreiber.
Diese Geste entfachte Vierecks Wut:
„Das nenne ich meinen Zorn herausfordern! Komnu auch noch näher und tut so als ob nichts geschehen wäre. Hier, lieber Rudolf, steht Dein Neffe, scharwenzelt am hellen Tage vor dem Paulustor mit meiner Tochter."
Meister Lorey antwortete gelassen: „Du sprichst bü Wahrheit."
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