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Anzeiger für die Sfabf und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.

Nr. 51.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: Illustrierte Bei­lage" und .BuchenblLtter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer ? ctiendrvckerei in Fulda. Fernlvrecher Nr. 9.

Monatlicher BeinaSvrei«: 1.50 Mk.

Mittwoch, 3. Mär- 1926.

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53. Zahrg.

vor Senf.

Nach einer Meldung der Schweizerischen De­peschenagentur istderGeneralsekretärdes Völkerbundes, Sir Eric Drummond, am Montag von seiner Reise nach London nach Genf zurückgekehrt, nachdem er auf der Rück­reise in Paris Aufenthalt genommen hatte. Die Reise hatte keine politische Bedeutung. Der General­sekretär legte aber Wert darauf, mit Vertretern der wichtigsten Regierungen vor den Tagungen des Lölkerbnndsrates und der Völkerbundsversamm­lung Rücksprache zu nehmen, wie er dies im allge­meinen zu tun pflegt. Der Generalsekretär hat keine Erklärungen über die von ihm gepflogenen Besprechungen abgegeben.

*

Wie die englischen Blätter melden, wird am Sonntag Abend in Genf eine inoffizielle Zusammenkunft zwischen Chamber­lain, Lord Cecil, Dr. Luther und Dr. Stresemann stattfinden, bei der die infolge der polnischen Forderung entstandene Lage erörtert werden soll. In britischen diplomatischen Kreisen verlautet, daß man alle Anstrengungen machen würde, um eine Lösung dieser Frage durch eine Vereinbarung zu erreichen. Man erkläre, daß der Sieg der einen oder anderen Seite nur geringen Wert haben würde, da die ursprüngliche Verstimmung bestehen bleibe. Es heißt, Großbri­tannien werde als einzig angemessenes Verfahren zur Behebung der Schwierigkeiten vorschlagen, daß man sich gemeinsam umdenBeratungstisch versammle und die Locarnomethoden zur Anwen­dung bringe.

Ministerpräsident B r i a n d reist am kommen­den Samstag nach Genf, damit er, wie der Temps erklärt, Gelegenheit habe, am Sonntag an den Vorbesprechungenteilzunehmen, die zwischen den Vertretern Frankreichs. Englands, Italiens, Belgiens und Deutschlands über den Ein­tritt Deutschlands in den Völkerbund, die Gewäh­rung eines ständigen Sitzes an Deutschland und eventuelle Zuteilung ständiger oder nicht ständiger Ratssitze an andere Mächte stattfinden würden.

In der Unterhaussitzung erklärte der engsische Ministerpräsident Baldwin in Beantwortung einiger Anfragen in Bezug auf die Sitze im Völker- bundsrat, er bitte die Erklärung abzuwarten, die er über diese Frage im Laufe der Woche, wahr- scheinlich am Donnerstag, abzuaeben hatte. Macdonald richtete hierauf an ihn die Frage, ob er nicht möglich sei, die Erklärung bereits am Mitt­woch abzugeben. Baldwin antwortete: ich will mich bemühen, die Erklärung bereits am Mittwoch abzuaeben. Sie wird entweder am Mittwoch oder am Donnerstag erfolgen, wenn möglich am Mitt­woch.

In Beantwortung einer Anfrage sagte Cham- berltttn: Ich sehe nicht ein, wie der'Völkerbund jemals zu einem Einvernehmen gelangen könnte, wenn irgendeine Regierung die Politik, die sie zu verfolgen beabsichtigt, im voraus bekannt macht, und sich zu keinem Entgegenkommen bequemen will.

* Kommunistenkrawalle in Chemnitz. Dem Lokalanzeiger" zufolge fanden in Chemnitz Montag abend große von den Kommunisten inszenierte Demonstrationen statt. An einigen Stellen kam di« Polizei wiederholt in bedrängte Soge und mußte gegen die anstürmende Menge Vorgehen. Mehrere Verhaftungen wurden vorge­nommen. Gegen Abend gelang es, die Ruhe wieder herzustellen.

Aus den Parlamenten.

Deutscher Reichstag.

Der Reichtsag beschäftigte sich am Montag le­diglich mit der Fortsetzung der zweiten Ser a« tung des Haushalts des Reichsarbeits- Ministeriums. In der Aussprache gab der Abg. Thiel (D. Dp.) seiner Genugtuung Ausdruck, daß eine Einheitsfront von links bis rechts be- stehe in der Forderung der Einführung der deut­schen Sprache als offizielle Amtssprache des In­ternationalen Arbeitsamtes. Von sozialdemokrati­scher Seite wurde besonders ein gesetzlicher Schutz derKindervor Ausnutzung bei der Handarbeit gefordert. Der deutschnationale Abg. Dr. Spuler wünscht, daß an die Stelle der Invalidenrenten auf Antrag der Versicherten eine Kapitalabfindung ge- Zahlt werde. Der Sprecher der Kommunisten kürchigte einen Antrag an, der die Zurückziehung des deutschen Eintrittsgesuches iv den Völkerbund verlangt.

Die Weiterberatung wurde dann auf Dienstag vertagt.

Preußischer Landtag.

Lor Eintritt in die Tagesordnung der Montag- beantragte der kommunistische Abg. Pieck, I. auf die Reichsregierung dahin eingewirkt T7"e, daß alle Verfahren vor dem Staats- fJV' chtshof zum Schutze der Republik, an nen Landgerichtsdirektor Jürgens »n*etD^r. habe, wiederaufgenommen und einer aaiprufung unterzogen werden. Dieser Antrag "ach kurzer Debatte dem Rechtsausschuß S»rflEte'en,K worauf sich das Haus der zweiten tnans. nfl ~es Etats des Innenministeriums zu- ^lus dem Verlauf der Debatte ist eine enrink^t5 beutschnationalen Abg. Baecker her- «mL k ' ber sich so scharfer Redewendungen Link» Juister Severing bediente, daß die Än S9ef$ Pfui- und Schlußrufe er- auf 2ienstüa^ert^gtter^era^Un8 mUr$e schließlich

Der Reichspräsident in Leipzig.

wtb. Leipzig, 2. März. ((Eig. Funkm.) Der Herr Reichspräsident traf mit den Herren seiner Begleitung heute vormittag fahrplanmäßig um 9.45 Uhr hier ein. Deir Reichspräsident machte einen sehr frischen Eindruck. Don der in der Bahnhofs­halle dicht gedrängt stehenden Menge wurde er mit immer wiederholten Hochrufen begrüßt.

Reichspräsident von Hindenburg wird begleitet von Reichsjustizminister Dr. Marx. Reichswirt- schastsminister Dr. Lurkins, Reichsfinanzmini­ster Dr. Reinhold, Slaaksfekretör Dr. Meißner, Major von Hindenburg und dem sächsischen Ge­sandten hi Berlin, Dr. Gradnauer. Der Besuch gilt der Leipziger Messe und dem Reichsgericht.

Die Fahrt durch die Stadt nach dem Aus- stellungsgelände erfolgte in einem blumengeschmück­ten Auto, dem eine Abteilung der Polizei voran­ritt. Neben dem Reichspräsidenten hatte der sächsische Ministerpräsident H el d tPlatz genommen, während die Minister und sonstigen Begleiter des Reichspräsidenten sowie der Leipziger Oberbürger­meister Dr. Rothe in drei weiteren Wagen folgten. Während der Fahrt wurde der Reichspräsident von der Bevölkerung, die die Straßen umsäumte, aufs Herzlichste begrüßt. Ein Flugzeuggeschwader kreuzte über den Straßen, durch die die Fahrt ging, sowie über dem Ausstellungsgelände. Nach Veil Uhr traf der Reichspräsident auf dem Ausstellungs­gelände ein, begrüßt von einem Tusch der Reichswehrkapelle, sowie von den Hochrufen einer vieltausendköpfigen Menge.

Die französische Snanzkrise.

wtb Paris, 2. März. (6ig. Funkm.). Ls sind Bemühungen im Gange, eine Einigung zwi­schen dem Finanzausschuß der Sammer und dem des Senats und Finanzminister Doumer über die Skeuergesehe herbeizusühren. Dieses Kompromiß soll aus folgender Grundlage erfolgen: Der Finanz, ausschuß der Sammer ist bereit, den abgelchnken ob- ligakorischen Zahlungsstempel in Höhe von l1/. Prozent, dm der Senat bewilligt hak, anzunehmen, wenn er nicht l1/» Prozent, sondern nur oder *A« Prozent beträgt, lieber dieses Kompromiß soll heute verhandelt werden. Denn es zustande kommt, so heißt es, dürste jeder weitere Konflikt ausgc- fchkoffen sein, da man übet die wenigen noch zu er- roartenben Meinungsverschiedenheiten zwischen Kammer und Senat bis Ende dieser Woche sich zu e i n i g e n hofft. Die endgültige Ver­abschiedung der Skeuergesehe soll spätestens am Samstag möglichst vor der Abreise Briands nach Senf erfolgen.

Offensive in Marokko.

Wie Hovas aus Rqbat berichtet, erscheinen die Rifleute die Initiative zu Operationen gegen das M' Tinu Gebiet, das die Franzosen auf ihrem letzten Vormarsch besetzt hatten, zu ergreifen. Das Ziel des Feindes sei das Tal des Iahet Flusses. Gegenwärtig versuchten zwei Rifabteilungen gegen die dort ansässigen Stämme vorzudringen, die mit Unterstützung französischer Flugzeuge und französischer Truppen lebhaften Widerstand leisteten. Beträcht­liche französische Streitkräfte befänden sich im Abschnitt Frunat» Ain Aisha-Quezziat.

Zum Haushaltsplan.

Aus Berlin wird uns geschrieben:

Die Oeffentlichkeit hat bereits Stellung genom­men gegen den ungesund aufgeblähten Ver­waltungsapparat mancher Reichs-, Staats­und Kommunalbehörden. Diejenigen, die es angeht, scheinen allerdings das, was sie bei anderen als selbstverständlich voraussetzen, bei sich selber nicht wahrhaben zu wollen. So wurde vor kurzem vom Reichs tag nach densachlichen Begründungen" des Reichswehrmrnisteriums der Etat für Reichs­wehr und Marine von 465 Millionen Mark auf 560 Millionen Mark erhöht. Dagegen wäre an sich nichts einzuwenden, wenn es sich um sach­lich e Notwendigkeiten gehandelt hätte. Tatsächlich schemen die Mehraufwendungen zur Vergröße­rung des Verwaltungsapparates be­nutzt zu werden, da das Reichswehrministerium erklärt, eine endgültige Regelung der Organisation der Verwaltung sei noch nicht erfolgt. Nun sitzen im Reichswehrministerium bereits 39 Ministerial­räte, 12 militärische Abteilungsleiter, 9 Chefs der Stäbe in der Heeresleitung, 180 Referenten und Hilfsreferenten, sowie 378 beamtete Hilfskräfte. Die Marineleitung verfügt über 26 Ministerialräte und zirka 50 in die Marineleitung abkommandierte Marineoffiziere. Insgesamt ver­walten bei der Marine 15400 Verwal­tungsleute 150 000 Mannschaften und Offiziere. Das entbehrt doch sicherlich jeder sachlichen Begründung, zumal das preußische Innen­ministerium, dem 75000 Polizeibeamte unterstehen, mit 26 Verwaltungsbeamten in Gruppe 13 aus­kommt. Den 65 Ministerialräten des Reichswehr- Ministeriums stehen 16 Ministerialräte des preußi­schen Innenministeriums, 14 Mnisterialräte des Ernährungsministeriums, 21 Ministerialräte des Reichswirtschaftsministeriums, 25 Ministerialräte des Reichsarbeitsministeriums gegenüber.

Die Zahlen sprechen so für sich, daß den Volks­vertretern im Reichstag anzuraten ist, hier einmal nach dem Rechten zu sehen.

Dr. Luther in Hamburg.

Reichskanzler Dr. Luther ist in der Nacht zum Dienstag 12 Ubr 15 Minuten auf dem Bahnhof Dammtor eingetroffen. In seiner Begleitung be­fanden sich der Hamburgische Gesandte in Berlin, Senator Standes, Geheimrat Zechlin, von der Prefleabteilung der Reichsregieruna, und Rittmeister Blank von der Reichskanzlei. Der Reichskanzler wurde im Auftrage des Senats am Bahnhof von Regierungsrat Dr. Meyer empfangen. Der Reichs­kanzler hat im HotelZu den vier Jahreszeiten" Wohnung genommen.

Deutsch-französischer Wirtschaftspakt

Am 1. März trat bekanntlich das proviso­rische Wirtschaftsabkommen in Kraft, durch das einerseits Deutschland Frankreich für die Einfuhr französischer Frühgemüse nach Deutschland die Meistbegünstigungsklausel ge­währt, andererseits Frankreich Deutschland für die Einfuhr gewisser Kontingente und Kategorien che­mischer Produkte und landwirtschaft- licherMaschinenden Mindestzolltarif zubilligt.

Havas erklärte hierzu offiziös, man beglück­wünsche sich in ftanzösischen Kreisen zmn Abschluß dieses Abkommens, das trotz seiner Beschränkung den Interessen einer gewissen Anzahl französischer Exporteure diene. Es stelle eine glückliche Etappe in den deutsch-französischen Handelsvertragsver­handlungen dar, die dank des auf beiden Seiten bekundeten Willens zur Zusammenarbeit umso leichter sortgeführt würden.

Wien und Prag.

Veneschs Reise nach Wim.

wtb IBien, 2. März. (<£ig. Junfrn.). Die ursprünglich für Samstag in Aussicht genommene Reise des teschechoslowaksschm Außmministers, Dr. Benesch, nach Wien wird, wie die Rmestm Rach, richkm erfahrm, bereits Donnerstag erfolgen. Das offizielle Programm sieht einen Empfang beim Bundespräfldmkm Dr. Hainisch vor. Die Verhand- kvngen über dm österreichisch-tschechi­schen Schiedsgerichtsvertrag in Prag sind so weit gediehen, daß bei der Anwesenheit Be- neschs in Wien dieUnkerschrisldes Vertrages erfolgen dürfte. Wie weiter verlautet .wird Dr. Benesch Freitag abend Wim wieder verlassen, um sich zur Völkerbundstagung nach Genf zu begeben.

Lin Zwischenfall in Innsbruck.

Die Amtliche Nachrichtenstelle in Wien berichtet: Eine Abteilung italienischer Eisenbah­ner, die in Innsbruck dienstlich beschäftigt sind, ließ sich auf dem dortigen Hauptbahnhof photogra­phieren, wobei als Hintergrund eine aufge­pflanzte italienische Trikolore mit dem Bilde Mussolinis benutzt wurde. Alle Teilnehmer hatten das Zeichen des Fascio angelegt Gegen­über dem ruhigen Einspruch deutsch-österreichischer Eisenbahner erfolgte eine scharfe Crwide- run g der Italiener, doch gelang es dem besonne­nen Eingreifen des Stationsvorstandes, einen tät­lichen Zusammenstoß zu verhindern.

* Der Parteivorsitz der Deutschnationalen. Wie dieKreuzzeitung" hört, wird der Parteivorstand der Deutschnationalen Volkspartei am 24. März zusammentreten, um die Wahl des Parteivorsitzenden vorzunehmen. Gleichzeitia soll, wie das Blatt zu wissen glaubt, über eine Umbildung des Varteivor- standes im Sinne einer verstärkten Einflußnahme der Provin zvertretungen beraten werden.

* Maßnahmen zur Hebung des Bildungsgrades französischer Rekruten. Aus Paris wird gemeldet: Das Kriegsministerium hat kürzlich den Unterrichts­minister davon in Kenntnis gesetzt, daß unter den ausgehobenen Rekruten ein sehr großer Teil festge­stellt worden sei, dessen Bildungsgrad zu wün­schen übrig lasse. Auf Vorschlag des Unterrichts­ministers sollen nun Vertreter dieses Ministeriums gemeinsam mit dem Generalsiab die Maßnahmen prüfen, die geeignet sind, den Bildungsgrad der in Frage kommenden Rekruten durch Kurse zu heben.

* Unterzeichnung des amerikanischen Steuer- ermäßigungsgesehes. Das Gesetz über die Steuer­ermäßigungen ist vom Präsidenten Coolidge un­terzeichnet worden und damit in Kraft getreten.

Zur Zrankenfälschung.

Aus Budapest wird gemeldet: Zu dem Besuch des französischen Gesandten in Budapest beim Ministerpräsidenten Grafen Bethlen er­fährt derPester Lloyd" aus zuverlässiger Quelle, daß die französische Regierung in erster Linie genaue Aufschlüsse über die Tätigkeit der ungarischen Regierung seit dem 17. bezw. 22 September 1925 zu erhalten wünsche. Sie wünsche ferner eine genaue Aufklärung der Frage, wieso die ungarische Gesandtschaft in Berlin mit den.Frankenfälschern in Verbindung gekommen sei, die aus den Aussagen von Windisch- grätz, Nadossiy und Rabar hervorgehen soll. Auch wünsche man in Paris eine Ausdehnung der Unter- suchung auf gewisse Mitglieder der diplomatischen Vertretung in Berlin.

* Ehrung derWestfalin" Helden. DerLokal- anzeiger" meldet aus Hamburg: Mit Zustimmung der preußischen Regierung hat der Senat den acht Freiwilligen der Mannschaft des Rettungsbootes der Westsalia" die preußische Staatsangehörige sind, wie die Blätter berichten, die Hamburoische§ Rettungsmedaille verlieben.

Die Mstenabfindung.

In der Frage der Fürstenabfindung fanden im Reichstage Besprechungen der Vertreter der Re­gierungsparteien untereinander und mit Vertretern der Reichsregierung statt. Die Besprechungen hatten, wie dasBerl. Tage­blatt" schreibt, einen durchaus unverbindlichen Charakter und werden in den nächsten Tagen fort­gesetzt. Erst nach Abschluß dieser Besprechungen sollen die Besprechungen mit der Sozialdemokratie aufgenommen werden. "

*

Die demokratische Reichstagsfraktion hielt am Montag nachmittag eine Sitzung übet die Frage der Fürstenabfindung.ab. Eine darüber aus- gegebene Mitteilung besagt, daß die bis jetzt erreich­ten Verbesserungen des ursprünglichen Kom­promißentwurfes den demokratischen Forderungen noch nicht gerecht werden. Wenn nicht aus den im Gange befindlichen Verhandlungen wesent­liche Verbesserungen hervorgehen, so werde sich bi« Fraktion in einer ihrer nächsten Sitzungen darüber schlüssig werden, ob sie ihren Anhängern eine B e« teiligung am Volksbegehren empfehlen soll.

In einer Versammlung des KreiSverbandes München der Bayerischen Volkspartei nahm man eine Entschließung gegen das Volksbe­gehren über die völlige Enteignung der Vermögen der deutschen Fürstenhäuser ao, worin die Wähler­schaft der Bayerischen Volkspartei aufgefordert wird, sich bei diesem Volksbegehren der Stimme zu enthalten. _

M* Um das Besoldungssperrgesetz. Die Reichs- regierung hat demVorwärts* zufolge dem Reichs­rat einen Gesetzentwurf vor gelegt, der die Ver­längerung des Besoldungssperrgesetzes bis zum 31. März 1927 vorsieht.

klnleihen für den Wohnungsbau.

Bon Stadtrat Treffert-Berlin.

Das Zentrum hat in seiner bekannten Denkschrift Vorschläge zur Belebung des Baumarktes gemacht. Zur Durchführung des Wohnungsbauprogramms wird es für notwendig erachtet, eine Anleihe aufzunehmen, zu deren Verzinsung und Amor- ttsation ein Teil der Hauszinssteuer verwandt wer­den soll. In der Oeffentlichkeit wird gegen die m Vorschlag Stellung genommen. DasMagazin der Wirtschaft" vorn 28. Januar 1926 hat erklärt, daß ehre Belebung des Baumarktes gar nicht notwen­dig fei; im Gegenteil,daß Wohnungsbauten im gegenwärtigen Zeitpunkt zu den unerwünsch­ten Taten wirtschaftlicher Betätigung gehören". Es wird gesagt, Brot sei wichtiger als Wohnung. Der Wohnungsbau schaffe einer bestimmten Anzahl von Unternehmern und Arbeitern nur einmalig Arbeit und Verdienst. Würde das Geld angelegt in der Industrie und Landwirtschaft, bann erziele es dieselbe Wirkung dauernd. Wörtlich heißt es: Wir möchten nicht dazu raten, das Bauen zu ver­bieten . , aber jede künstliche Anregung der

Bautätigkeit durch Kapitalzuwendungen aus öffent­licher Hand und gar mit besonders verbilligten Zinssätzen ist eine offenkundige F e h lp 0 l i t i k".

Nun sind wir also bald soweit, daß das Bauen öffentlich verboten werden soll, weil es an­geblich nicht produktiv ist. Ist es nicht produktiv, wenn Millionen von Arbeitslosen und Kurzarbei­tern durch die Ingangsetzung der Bautätigkeit Ar­beit und Brot finden? Die Bauindustrie ist Schlüs­selindustrie. Erhält der Baumarkt Beschäftigung, so wirkt sich das auf fast alle anderen Industrie­zweige aus. Dann könnten Millionen Goldmark Erwerbslosenunterstützung gespart werden, die man gewiß nicht als produktiv bezeichnen kann.

Maschinen, Scheunen und Ställe sollen produk- ttv fein. Aber doch nur in der Verbindung mit der menschlichen Arbeitskraft. Erst dann können sie Werte schaffen. Somit ist notwendig, gesunde, leistungsfähige Menschen zu haben, die die Ma­schine bedienen imb in der Landwirtschaft tätig sind. Es dürste doch hinreichend bekannt fein, wie groß der Einfluß der Lebensumstände auf die Leistungsfähigkeit des Arbeiters ist. Wohnungs­lose Familien oder solche, die dicht zusammenge­drängt in Löchern Hausen, können nicht Lebens­freude haben. Menschen, die in dunklen, licht- und lustlosen Räumen zusammengepfercht sind, mit an­steckenden Kranken, mit Erwachsenen verschiedenen Geschlechts, können nicht so leistungsfähig sein als gesunde Menschen, die eine Wohnung haben, in der sie sich wohlfühlen können. Was nützt also dw Maschine ohne den qualifizierten Menschen, roa» nützt das Fabrikgebäude ohne Wohnung für Ar­beiter und Angestellte, was haben Scheune und Ställe für einen Zweck, ohne dem landwirtschaft­lichen Arbeiter die Möglichkeit zum Wohnen zu geben. Deshalb darf der Bau von Wohnungen als produktiv angesprochen werden.

Es ist auch nicht richtig, daß der Wohnungsbau nur einmal Arbeit schafft, die Industrie und Land­wirtschaft dagegen dauernd. Saat, Dünger und Ar­beit müssen auch fortgesetzt in den Boden gesteckt werden und geben nicht wiederholten Ertrag. Ma­schinen sind in kurzer Zeit verbraucht. Häuser da­gegen bleiben nach der Amortisation Wirtschaftsgut und vermehren das volkswirtschaftliche Vermögen. Deshalb dürfte die Forderung, eine Anleihe für den Wohnungsbau aufzunehmen, berechtigt sein. Das Geld kommt direkt und indirekt den Menschen und unserer Wirtschaft zugute. Man suchr nach Mitteln, die Wirtschaft in Gang zu brin­gen Wende man das vorn Zentrum vorgeschlagene Mittel an. Aber recht bald, bevor die Bauperiode vorüber ist. Es ist keine Zeit mehr zu verlieren.