Einzelbild herunterladen
 

FuldaerZertung

Anzeiger für die Stabt und den kreis Fulda. Amtliches Krelsblakt.

Dienstag, 2. Miirr 1926.

Nr. 50

Die deutsche Aauerseier siic die Toten des Weltkrieges

will Lei

oer-

zum ersten Male jährt. Dann führte er u. a. aus:

* Die rumänische Regierungskrise. Wie die Agentur Orient-Radio mitteilt, entbehren die Pariser Blöttermeldungen über den Rücktritt des Minister' Präsidenten Bratianu jeder Grundlage.

Erscheint sechsmal wöchentUL. Wochenbetlagen: »Illustrierte Bei­lage' und .BuchenblLtter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer ltrlieudruckerei in Fulda. Fernlvrecher Re. 9. WD«otn*er BeruaSdrelS! Mk.

Anreigen-Preis-- «leinreile «loloueU wkai O.lS «Soldinari I

aurwL-rr 0.20 Soldmart: Reklameteile lokal 0.60 «oldmark I 3nhtQ* auswärts 030 Soldmar'. «I J ) 3

Bel Wied-rSolunaen Rabatt. «osti»eckkonto FranNnrt a. 4W>1__|____________ _

Die kritische Stunde für den Völkerbund vor einer neuen Erklärung des englischen Kabinetts. Tin zweites Locarno notwendig. Die öffentliche Meinung in England und Chamber- lain. Lateinischer Block und nordeuropSische Kationen.

tages an. ,

Neber Wesen und Bedeutung des Volksirauer- tägs haben di« Vertreter der verschiedenen Glau­bensbekenntnisse, so Fürstbischof Bertram von Breslau, Dr. Blumenthal, Rabbiner der jüdischen Gemeinde Berlin, Dr. Steinweg, Direktor des Zentralausschusses für die innere Mission der Deutschen Evangelischen Kirche Geleitworte veröf­fentlicht, in denen sie die ungezählten überwältigen­den Beweise an Tatkraft und Selbstaufopferung und die Heldengesinnung derer rühmen, die ihr Leben für das Vaterland dahingaben, und gleich­zeitig auf die untilgbare Dankesschuld des deutschen Volkes gegenüber seinen gefallenen Kriegern hin- weifen. vi-

Im gleichen Sinne gehaltene Geleitworte ver­öffentlichten Oberbürgermeister Mitzloff für den Deutschen Städtetag, Geheimrat Dr. Schnee, Gou- vemeur z. D. für den Bund der Ausländsdeutschen, Oberlandesgerichtsrat Andres für den Bund der Saarvereine, Prälat Dr. Ereutz für den Deutschen Caritasverband, Staatssekretär a. D. Dr. Wais- Wien für das österreichisck)eSchwarze Kreuz', Siems für den Dolksbund Deutsche Kriegsgraber- fürsorge und Auguste Schnell für die sächsische Kriegsgräberfürsorge in Siebenbürgen. Auch der österreichische Gesandte Dr. Frank, der bulgarische Gesandte Dr. Popoff und der türkische Botschafter Kemal Edin Sami gedenken des deutschen Volks- trauertages mit besonderen Kundgebungen.

Der Volkstrauertag wurde in Groß-Berlin mit sieben Trauernfeiern zum Gedächtnis der Ge­fallenen des Weltkrieges begangen. Der Feier im Reichstage wohnte das Reichskabinett fast vollzählig bei, ferner Delegierte der verschiedenen Kirchengemeinden und konfessionell Organisatio­nen, unter ihnen im Ornat der fürstbischöfliche Dele­gat WeihbischofDeitmar. Die Gedenkrede hielt der Präsident des Volksbundes, Siems. Er begrüßte den Re ich sP r äsid enten v on Hin­denburg und erinnerte daran, daß der Todes-

Desier als schwächliche Sentimentalität ist wahre echte Trauer, aber auch mutiges Vorwärtsschreüen. Unsere Gefallenen geben uns durch ihren Tod eine Macht, die wir nützen, aber auch vergeuden können. Di« Millionen Gräber in aller Welt sind Zeugen für alle Welt dafür, was das deutsche Volk ge- leistet hat. Ein Volk, das solche Söhn« hat, hat ein Recht, an sich zu glauben. Wir haben den Volkstrauertag nicht in den Herbst, das Symbol der Vergänglichkeit, gelegt, sondern in die Zeit des Frühlingsahnens und der Ostergewißheit, denn das ist die letzte Mahnung unserer Gefallenen, durch Läuterung und Selbstbesinnung vorwärts zu schrtr-

Umrahmt wurde die Gedenkfeier von Darbie­tungen eines Dläserbundes und eines Männerge­sangoereins. die den erhebenden Eindruck der Feier erhöhten. Den Vortrag des TrauermarschesIch hatt' ein Kameraden" hörte die Trauergemeinde in Mem Gedenken an die Toten des Weltkrieges stehend an.

Trauerfeier der Reichswehr.

Sonntag vormittag fand in der Garnison, kirche in Berlin ein Trauergottesdienst für die Gefallenen des Weltkrieges statt, an dem Reichs- wehrminister Geßler, Generoberst von Seeckt, Ad­miral Zenker, der Kommandant von Berlin Gene, ralmajor Severin mit ihren Stäben teilnahmen. Wehrkeispfarrer Inner ermahnte die Reichswehr den Geist der Gefallenen in sich zu tragen und fein Hüter zu fein.

Hm Grabe Friedrich Eberts.

In stiller Trauer gedachte das deutsche Volk am Sonntag seiner Brüder, die in dem größten aller Kriegs ihr Leben gaben für die Verteidigung der Heimat. Auf allen amtlichen Gebäuden und zahl­reichen privaten Häusern wehten die Flaggen halb­mast. G«neinsames Geläute aller Glocken m Stadt und Land kündete den Beginn des Gedenk-

Am Grabe Friedrich Eberts auf dem Bergfried- Hof bei Heidelberg wurden cm Sonntag, dem ersten Jahrestag seines Todes zahlreiche Kränze niedergelegt, darunter der große Lorbeerkranz der Reichsregierung mit einer Schleife in den republi­kanischen Farben. Des weiteren Kränze der preu­ßischen, der hessischen und der badiscben Regierung, der Stadt Heidelberg und anderer. Am Nachmittag fand auf dem Bergfriedhof eine Gedächtnis­feier statt, an der das Reichsbanner Schwarz- Rot-Gold, das Kartell der Republikanischen Stuben- tenschast mit Abordnungen in vollem Wichs nut Fahnen und der Reichsbund der Demokratischen

Zur Fürstenabfindung äußert sich dieKölnische Volkszeitung" in bemer. tenswerter Weife. Sie schreibt:

Bei der Auseinandersetzung mitdenfrühe- Tcn Fürsten besteht die Gefahr, daß die Ge- llenisätze sich verschärfen, je länger sich «e Regelung hmzieht. In der ganzen Sache wäre swt größter Ruhe und Sachlichkeit verfahren roor» oen, wenn die Rcchtsbeistände der Für- Wt kedes Maß verloren haben würden. Wer die ? 11 s ft i m m u n g genau kennt, wird finden, ciefe Maßlosigkeiten gerade bei dem Teile un­seres Volkes Anstoß erregen, die einen wohlfuid- , Erten Eigentumsbegriff haben und durch die 3 n - Va um die Früchte ihres Fleißes und ihrer Sparsamkeit gebracht worden sind. Es ist etwas «unz Selbstverständliches und außerhalb jeder Er- Stehendes, daß die Fürsten dem Zu- L der allgemeinen Verarmung genau so tragen müssen, wie jeder andere Staatsbürger auch. Und wer sich etwa der For- widersetzen wollte, daß Privateigentum und 0e«gentum haarscharf auseinander» n werden müssen, würde-einen schweren

As begehen, Ks ist gar nicht jo schwer, den

Aus London wird gemeldet: Das Gerücht, Chamberlain wolle wegen Meinungsverschieden­heiten mit seinen Kollegen in der Frage der Ueber- tragung eines ständigen Ratssitzes a n P 0 l e n zu­rücktreten, wird in Regierungskreisen als lächerlich bezeichnet. Der Kabinettsrat am Samstag über diese Angelegenheit, an dem fast alle Minister teil­nahmen, dauerte sechs Stunden. Am Abend hatten Baldwin und Chamberlain eine Unter­redung. *

" Die Frage der Vermehrung der ständigen Sitze hn Völkerbundsrat nimmt in der englischen Presse weiterhin den größten Platz ein. Die Blätter spre­chen von einer Krisis.

Der poliüsche Berichterstatter desObserver" schreibt: Es ist für das Kabinett Baldwin der ernsteste Augenblick feit seinem Bestehen. Zwischen Chamberlain und der Mehrheit des Kabi­netts besteht eine moralische K r i s i s, die fast einer praktischen Krisis gleichkommt. Der Ministerpräsident und Chamberlain stimmen in dieser Frage nicht überein. Das Land verlangt, daß die Locarnopolltik fortgesetzt und daß Deutsch- ftnb zu allererst im Rat aufgenommen wird sowie daß die anderen Länder ihre Ansprüche ver­tagen muffen. Chamberlain hat sich bei seiner Durchreise durch Paris zu sehr mit Ansichten ein« Gelassen, welche die enAische öffentliche Meinung foroie die Dominions entschlossen verwerfen. Er

schon Politik, dafür zu sorgen, daß die in Locarno eingegangenen Verpflichtungen bis auf den Buch­staben erfüllt werden.

China unb die Ratsfrage.

Der bisherige stellvertretende chinesische Gesandte in London, der sich auf seinen neuen Ge- sandtschaftsposten nach Rom begibt, hielt im Presse- klub eine Abschiedsrede, in der er auf die Frage der Erweiterung des Völkerbundsrates Bezug nahm. Er führte u. 0. aus, China sei berechtigt, einen ständigen Sitz im Völkerbundsrat wegen der großen Zahl seiner'Bevölkerung und seiner 5000 Jahre alten Kultur zu beanspruchen. Der Völkerbund dürfe nicht von der europäischen Politik be- berrscht werden, er muffe alle Nationen der Welt umfassen. Der Gesandte schloß mit dem Bemerken, er fei von seiner Regierung angewiesen worden, nach Genf zu gehen und den chiniest. scheu Anspruch auf einen ständischen Sitz im Dölker- bundsrat vorzubringen. Wenn aber kein anderer Antrag in Betracht gezogen werde und die März­versammlung nur die Aufnahme Deutschlands er­wäg«, so wünsche China nicht den Einklang der Sitzung zu stören und es sei bereit, seinen Anspruch zurückzuziehen, vorausgesetzt allerding, daß die in seiner Stelllmg begründeten Vorrechte bei der näch­sten Wahl der nichtständigen Mitglieder des Rats angemeffen anerkannt würden.

Macdonalö.

In einer Rede in Carnavon sagte Macdonald, er könne sich keinen schädlicheren diplo­matischen Schritt oorstellen, als den Vor­schlag, als Gegengewicht gegen Deutschland gleich- zeitig andere Mächte in den Völkerbundsrat aufzu­nehmen. Dies zerstöre dos Werk von Locarno und es sei zu befürchten, daß er bereits viel Schaden angerichtet habe.

Die englische öffentliche Meinung.

Der diplomatische Berichterstatter derMvr- ning Post" schreibt, während der letzten Woche em­pfange der Premierminister Abordnungen und zahlreiche Briefe aus allen Kreisen der Oeffent- lichkeit, die g e g e n eine sofortige Vermehrung 'der ständigen Ratssitze Einspruch erheben.

Der Genfer Berichterstatter derMorningpost" erklärt, inGenf werde einzweitesLocarno abgebalten werden müßen, damit vor der Sonder­tagung der Völkerbundsversammlung sowie des Rates eine Vereinbarung erzielt werden könne, be­vor Deutschlands Antrag formell vorgelegt wird. Man glaube, daß Dez^chland, noch bevor es Mitglied des Völkerbunds wird, die Entschei­dung über dieses wichtigste der inneren Probleme des Völkerbundes in der Hand haben werde. Es sei die Ansicht der Dölkerbundskreise, daß der Vor­schlag, Spanien, Brasilien und Polen jetzt Sitze zu gewähren, augenblicklich ganz von Stresemann und Luther abhänge. Es verlaute jedoch von maßgebender Seite, daß Briand auf seine Forde­rungen nach einem Sitz für Polen und Spanien nicht bestehen werde, wenn Stresemann fest bleibe.

Dem diplomatffchen Berichterstatter desDaily Telegraph" zufolge ist die große Mehrheit der briti­schen Minister der Ansicht, daß die Erwägung der Ansprüche anderer Länder als Deutschland bis zur Dezemberversammlung des Völkerbundes verscho­ben werden müßte. Polen habe keine Aussicht, im März in den Rat einzutreten.

Daily News" schreibt, dis Gewährung eines ständigen Ratssitzes an B r a s i l i e n oder Polen kommenichtrnehrernstlichin Frage. Po­len werde fast sicher mit der herzlichen Zustimmung der englischen Regierung und des englischen Volkes einen nicht ständigen Sitz erhalten. Der Anspruch Spaniens, eine Großmacht zu sein, könne nicht ernstlich erörtert werden. Es sei jedoch kaum zu befürchten, daß Spanien gegen Deutschland stimme, da es immer versprochen habe, feine Stimme für Deutschland abzugeben.

Deutschnationaler Führerwechsel.

Der Vorsitzende der Deutschnationalen Volks« Partei, Landtagsabgeordneter Dr. Winkler, will, wie die ,Deutsche Zeitunch mitteilt, zurucktreten. Das rechtsradikale Blatt bestätigt ibm, dah er sich in seiner Haltung während der Locarno-Krise auch in den Streifen Sympathien erworben habe, bie ihm an sich ferner standen. r. , . . ..

Der Brief, durch den der blsberme Parteivor« sitzende der Deutschnationalen Volksparte,, Dr. Winkler, sein Scheiden von dem bisher von ihm ein­genommenen Posten anzeigt, ist, toie der «Montag meldet, vorgestern an die zuständigen Stellen abge- ganaen, und wird am Montag in den Händen der m Frage kommenden Parteimitglieder fein. Am Montag tritt der Reichstag zusammen und dann werden die ersten unverbindlichen Besprechungen über die Nachfolgeschaft Winklers ftatt- sinden. _

Der Kampf um bas Deutschtum.

Protestversammknng für Südtirol.

AuS Wien wird gemeldet:

Unter dem Vorsitz des Obmannes des Deutschen SchulvereinS Dr. Groß fand in der Bolkshalle deS Rathauses sowie auf dem Rathausplatz eine von dem Verein für Deutsch «Südtirol und vom Andreas Hoser-Buud einberufene Protestverfammlung gegen bie Unterdrückung deS Deutschtum» in Südtirol statt. ES gelangte eine Entschließung zur Annahme, in der erklärt wird, die südtiroler Frage sei eine Frage der ganzen zivilisierten Welt und gehöre vor den Völkerbund. Mit dem Absingen be$ Andreas Hofer-LiedeS und deS Deutschlandliedes schloß die Feier. In L i n z fand eine ähnliche Versammlung statt.

Gegen die tschechische« Sprachenverordnnng.

AuS Karlsbad wird gemeldet:

In einer aus dem Markiplatz von allen deutschen Parteien mit Ausnahme der Sozialisten abgehaltenen Proteswersammlung gegen die Sprachenverork nung, an der ungefähr 2000 Personen teilnahmen, wurde eine Resolution angenommen, die eine aus der Ver­sammlung gewählte Deputation der politischen Be­zirksverwaltung vorlegte. Nach Schluß der ruhig verlaufenen Versammlung kam es zu einem kleinen Zwischenfall. Etwa 50 bis 100 junge Leute sangen daS Deutschlandlied und dieWacht am Rhein". Die Polizei verbot das Weitersingen und verhaftete fünf Personen. l ________

wtb Prag, 1. März. (6lg. Funkm.). In 68 deutschen Städten der Tschechoslowakei sau- am Sonntag Protestversammlungen gegen die von der Regierung erlassenen Sprachenverord- Rungen statt. Die Versammlungen verliefen zum Teil sehr stürmisch. ' 3n Teplih ging die Gendar­merie mit dem Bajonett gegen die versammelken vor und räumten den Marktplatz. In Aussig hatte die politische Behörde die Abhaltung der Versamm­lung verboten. Trotzdem wurde von den deutschen politischen Parteien eine vertrauliche VersammlunL

» .. -l. - --- ----- - -: | rung war Jnnemmmster memmeie er ja* enen.

noch Geld zum standesgemäßen Unterhalt gegeben I haben, in linksgerichteten Kreisen einen wahren Sturm der Entrüstung ausgelöst und auch solche, die mit linksradikalen Forderungen nichts zu tun haben wollen, mit Empörung erfüllt hat. Das Zeugnis, daß sie duldsam ist, wird kein Gerecht­denkender der deutschen Republik vorenthalten wol­len, die vor kurzem noch eine Gehalts-Auswertungs- fvrderung von einem General erhalten hat, der ausgezogen war, um sie zu stürzen! Man könnte über die Dinge lachen, wenn sie nicht so unglaub­lich traurig wären.'*

Die allgemeine Verwirrung und Erregung wird noch geschürt von Organen, die ein Interesse daran haben, daß das neue Deutschland nicht zur Ruhe kommt. In einer Besprechung der Entschließung des Kölner Zentrums über die Fürstenfrage be­merkt dieTägliche Rundschau":Was heißt das: eine Rechtsfrage im Rahmen der all­gemeinen Verarmung des Volkes entscheiden? Doch nichts anderes als die Feststellang des Grundsatzes, daß es in einem verarmten Volke keine reichen Leute geben dürfe. Das Zentrum wird sich auch darüber klar fein, daß es nach diesem Grundsatz neben dem Staatsoermögen auch 311m Beispiel kein Kirchenvermögen geben darf."

Hier liegt denn doch ein Gedankensprung vor, der die Springer selbst stutzig machen müßte, wenn sie nicht so vollkommen den Blick fürs Tatsächliche verloren und nicht auch hier versucht hätten, tul« turkämpferisch sich zu betätigen. Wenn die Herkunft des Vermögens der Fürsten so klar er­kenntlich wäre wie diejenige des Kirchengutes, dann brauchten wir keine richterlichen Entscheidun- gen und keine parlamentarischen Aktionen von fol- chem Umfange. Stein, nein, den Fürsten soll bas rein private Eigentum bleiben; kein Pfennig, kein Grashalm soll ihnen von dem genommen werden, was sie rechtens privat erworben. Aber um ihnen dies zu sichern, ist es notwendig, zu klären, was dem Staate, dem Volke schon immer gehört hat, in die Hände der Fürsten aber oft auf einem Wege gekommen ist, der nicht der rechte war. Um diese Besitztümer handelt es sich. In den deut­schen Fürstenfamilien ist gewiß ein Stück deutscher Geschichte verkörpert, und man soll dafür sorgen, daß es überliefert werden kann. Aber dies kann nicht geschehen, ehe nicht Falsches richtiggeftellt ist.

Mag der in Doorn zitierte Plato in Griechen­land üble Erfahrungen mit der Demokratie gemacht haben; andere sind beim Absolutismus schlecht ge­fahren. Die Griechen haben beide Seiten mehrfach geprüft und schwanken immer noch; wir probieren eigentlich zum ersten Male den anderen Weg. Man laste uns dabei in Ruhe; wer in solchen Din­gen befangen ist, sollte sich zurückhalten, und in einer Zeit, in der um viel Geld und Schlösser und Wälder prozessiert wird, bedenken, daß Reden Pa- pier, Schweigen aber vielleicht doch noch Silber ist.

Ammen. Wenn er am nächsten Sonntag vor der formellen Eröffnung der Dölkerbundsverhandlun- gen in Genf mit den deutschen Delegierten zusam- .mentreffen wird, wird er alle Karten auf den Tisch legen. Polens Aufnahme in den Völkerbund würde in Deutschland als ein Schlag ins Gesicht, vor allem nach dem TrankausdemLiebesbecherin Guildhall, empfunden werden. Der Korrespondent tritt für den alleinigen Eintritt Deutschlands im gqgenroörtigen Augenblick ein, sowie für die Er­nennung eines Ausschußes durch den Völkerbund, der im Herbst über die Ansprüche anderer Län­der auf ständige Ratssitze Bericht erstatten soll. An einer anderen Stelle hebt derObserver" her­vor, daß niemals eine größere Uebereinftimmung in der britischen öffentlichen Meinung bestanden habe als in dieser Frage. Vierhundert Parlarnents- mitgfieber und die gesamte Preffe verlangten den energischsten Widerstand.

DieSunday Times" erfährtdaß der Ministerpräsident am Montag im Parlament eine Erklärung abgeben wird, in der er die Gerüchte über eine Kabinettskrise anläßlich der britischen Politik in der Frage der Vermehrung der Rats- sitze zurückweisen wird. Chamberlain fft der An­sicht, daß seine Rede in Birmingham mißverstanden wurde. Am Mittwoch wird wahrscheinlich über diese Frage ein Kabinettsbeschluß gefaßt werden. Aber es kann von vornherein angenommen wer­den, daß, während die Regierung das Prinzip auf­rechterhalten wird, daß Polen wie jedes andere Land berechtigt fei, einen Anspruch auf einen stän­digen Ratssitz vorzubringen, fein Anspruch nur unter der Begründung, daß Deutschland einen Sitz erhalte, angenommen werden kann. Dem Blatt zufolge hat Chamberlain das Kabinett selbst ersucht, zu einem Beschluß über die britische Politik zu ge= langen.

Der diplomatische Berichterstatter derSun­day Expreß" schreibt, es bestehe kein Zweifel mehr, daß der Völkerbund einer Spaltung zwischen dem lateinisch e n B l0a und oen nordeuropäischen Nationen ein­schließlich der britischen Dominions gegenüberfteht.

DieSunday Times" wendet sich erneut gegen den Gedanken einer Aenderung des Völker­bundsrates im Augenblick des Eintritts Deutsch­lands. Das Blatt weist darauf hin, daß dies eine Fortsetzung der diplomatischen Ein­kreisung spoli ti k Frankreichs fein würde und schreibt: Es widerspricht dem Fair Kap, daß der Völkerbundsrat plötzllch geändert «ird. Es ist deshalb unbedingte Pfllcht der briti-

rechten Weg zu finden; man muß nur wollen. Die­sen Willen können nun diejenigen nicht haben, die die Rückkehr der Fürsten wünschen.

Man sollte meinen, daß die Fürsten selbst Zu­rückhaltung üben in einer Sache,in der sie doch re i ch- lich befangen sind. Sie tun dies nicht, wenig­stens nicht alle. So wich neuerdings von einem Vorfall berichtet, der doch ein bedenkliches Schlag- licht auf die Ahnungslosigkeit gewisser Herren wirst. Was soll man dazu fagen, daß Wilhelm II. dem Stadtarchiv von Mühlhausen in Thüringen ein Blatt mit folgender eigenhändiger Widmung zu- gehen ließ:Die Demokratie zeichnet sich durch unersättliche Gier nach Reichtümern und materiel­len Dingen aus unter Vernachlässigung alles kleb­rigen um des Geldes willen. Plato. Wilhelm T. R. Doorn, 17. 1. 1926.

Die Meinung Platos, die einem besonderen Fall gilt, steht hier nicht zur RÄke; man hat zu be­achten, daß Wilhelm iL diesen Ausspruch zu einer Zeit wählt, in der feststeht, daß die früheren deut­schen Fürsten maßlose Forderungen erheben und in der die deutsche Demokratie, die Den verlorenen Krieg liquidieren muß, arm ist wie eine Kirchen­maus. Kein Wunder, daß diese Widmung des früheren Kaisers, dem sogar die Volksbeaustragten