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M 49.

Sonntag, 28. Februar 1926.

Kuwaer Zeitung

2. Blatt.

Druck der Fuldaer AcNeudruckerel, Fulda.

Vie Kundgebung der Moselwinzer.

von einem besonderen Mitarbeiter wird uns in xrgänzung des gestrigen Berichtes aus Bernkastel schrieben:

Als im November 1918 die staatliche Ordnung gelöst war und hemmungslos die Herrschaft der Straße waltete, haben wir Plünderungen und Aus­wüchse ungezügelter Leidenschaft erlebt, die dem Dolksganzen tiefe Wunden schlugen. Arrch m schwe­ren Tagen, als die Inflation ihren Höhepunkt er­reichte, haben verführte und urteilslose Menschen durch Zerstörung wirtschaftlicher Werte sich schwer am Vaterlands versündigt. Heute liegen die Der- hAtnrsse so, daß im unbesetzten Deutschland dank der straffen Ordnung solche von falscher Einstellung ge­genüber der Wirklichkeit ausgehende Untaten zum Wohle des einzelnen und der Gesamtheit wrmög- lich sind.

Das deutsche Volk steht in einer Wirtschafis- trffe, dis schwerer ist, als man noch vor Jahresfrist »hnte. Alls Unternehmungen, die auf solider Grundlage aufgebaut, von tücWgen Fachleuten ge­leitet wurden, stehen in hartem Kampf um ihre Exi­stenz. Hunderitausende von Menschen, die arbeits- iwMg und arbeitsfähig sind, leben in bitterer Sorge ahne Beschäftigung, Not und Elend sind eingekehrt und lähmen die sonst so straffen Muskeln.

Diese große allgemeine Not, die Industrie und Handel bedrückt, hat auch in schwerster Weise den Weinbau betroffen. Die letzten Jahre brachten seine schlechte Ernte. Dazu kam die Absatzkrisis. Heute werden für Weine, die vor dem Krieg 6—700 Mark das Fuder kosteten, oft kaum 500 Mark ge­boten. Die Unkosten an Düngemitteln, Ausgaben stir Schädlingsbekämpfung find" gegenüber der Dor- kriegszeit sind wesentlich gesteigert. Ein kleiner Winzer erntet oft nur 3—4 Fuder (das Fuder hat etwa 1000 Liter). Die ganze Familie ist während Des Jahres hn Weinberg vollauf beschäftigt. Wird der Wein abgesetzt, so bekommt der Winzer dafür vielleicht 1500 Mark, die hohen Unkosten sind noch abzurechnen. Landwirtschaft ist in den engen Tä­lern der Mosel kaum zu betreiben. Die Einfuhr ausländischer Weine hat weiterhin dem Absatz der heimischen schwer geschadet.

So ist die Lage vor allem der kleinen Wein­bauer zurzeit trostlos zu nennen. Das Zentrum hat in mehreren Anträgen an die Reichsregierung dringende Maßnahmen zur Linderung der Not ge­fordert. Am Donnerstag, den 25. d. Mts. fand in Derkastel-Cues eine große Zentrumsver- sammlung statt, in der mehrere Abgeordnete u. a. Prälat Dr. Kaas über die Maßnahme zur Beste- rung der Lage sprachen. Di« Versammlung war Pehr gut besucht und es trat hier der entschloßene Wille des Winzerstandes zutage, mit allen gesetz­lichen Mitteln Abhilfe zu erreichen. Während der Versammlrmg, die in dem jenseits der Brücke ge­legenen Eues stattfand, erlebte das gegenüberlie­gende Bernkastel schwere Stunden. Gegen 3 Uhr mittags trafen große Menschenmasten aus den um- Legenden Ortschaften ein, die in geschlossenem Zuge rnä Plakaten und Fahnen in die Stadt zogen. Dor dem Finanzamt wurde Halt gemacht, einige punge Leute zogen voran, und nun begann

der Sturm auf das Finanzamt. ""

Dor diesem befand sich zwar ein größeres Auf­gebot von Landsägern, das aber gegenüber der ge­waltigen Menschenmenge, die eine drohende Hal- tung einnahm, machtlos war. Die Beamten des Fi­nanzamtes mußten flüchten. Die Fenster wurden Amtlich zertrümmert. Aus allen Stockwerken wur­den die Gegenstände auf die Straße geworfen. Schreibmaschinen, Stühle, Regale, Kleider und sämt- Rche Akten wurden herausgeworfen und angezün­det. In einer Höhe von einem halben Meter lagen diese weithin auf der Straße zerstreut. Neben den Steuerakten sickd dabei auch zahlreiche Aufroer- Alngspapiere und Kriegsanleihen vernichtet wor­den. In gleicher Weise rourbe in der Finanz­kasse, die kn einem etwa zehn Minuten entfern» ten Gebäude untergebracht war, gewütet. Meh­rere Meter weit war die Straße auch hier hoch mit Papieren bedeckt. Als drittes Objekt hatte man das Zollamt ausersehen; dieses befindet sich in der Nähe des Bahnhofs und war erst vor einigen Wochen nach dem Wegzug der stanzösischen Sta- titm, die dort untergebracht worden war, neu ein- tzerichtet worden. Auch hier wurden sämtliche Akten vernichtet, indem man sie auf die Straße warf und anzündete. Das Feuer brannte noch lange und Wchte später durch die Feuerwehr gelöscht-werden.

In dem sonst so ruhigen Städtchen war wäh­lend des ganzen Tages lebhaftes Treiben. An Een Ecken, in allen' Gasten standen Menschen, die hem Zerstörungswerk zusahen. Hunderte standen vor dem Finanzamt, schritten über die vernichteten

Mr aus dem Moospalast.

Line Aoblnforurde aus der Lriegszeik.

von Fr. Donatus Pfannmüller.

24s ---------

In den Argonnen wars, dort, wo der schreck­liche Minierkrieg so unheimlich betrieben wurde. Es war erkannt oder verraten worden, daß der Feind einen »chr tiefen Minenstollen anlegte. Nun galt es, sich da- Mgen zu wehren. War es noch möglich, mit aller Kraft

Feinde entgegen zu arbeiten, um seine Arbeit durch eme Ouetschsprengung zu zerstören? Oder muß der gefährdete Graben aufgegeben werden? Dor allem, rote M hatte sich der Feind schon in die Erde gearbeitet? Em Pionieroffizier, ein Geologe, dem die Erdschichten ll^au betannt waren, stieg als Begleiter eines Flieger- EfZiers auf. Trotz rasenden Abwehrseuers gingen die c£r>en ganz tief auf die Erde herunter, dort, wo der •trrarij" die aus dem Schacht gehobene Erde abschüttete.

der dort über Nacht aufgehäusten Erde konnte der Plonter seine Schlüsse ziehen. Nun bohrten und wühl- n sich unsere Mineure in die Erde in steilem Winkel

Stollen des Feindes. Tag und Nacht wurde ge­ltet und bald zertrümmerten sie dem Feinde durch $ Sprengung sein großangelegtes Werk. Und wo

Lrbe 5inmal durch mehrere Sprengungen zermürbt erschüttert ist, hat die Minierarbeft keinen Wert 6eft^$ ™ Veziers hatten wir fefjr unter Flieger»

,ru leiden. Nächte mit vier bis fünf »Aus- »rbentr “,n ®eCer waren keine Seltenheit. Einen in jjcr sicheren Heldenkeller hatten wir leider nicht

gan, sicher eigener Keller roa» —.u Backsteinen

berftonh gewölbt und hätte einer Bombe kaum Wi- Kvstnu» steift61- Doch wir flüchteten hinein in der

wenn eine Lowbe das Haus träfe, sie

Rund um die Woche.

Mujjoliniblaarage — Jndiansetanze im SchriWeUerjchntzverband. —- Internationales Setrnec nach Polsterftühlen. — Der schwarze Nikolaus.

Der Mussolinispektakel ebbt langsam ab. Ro­mani tollunt equintes peditesque cachinmn . . . . So würde Horaz sagen. Zu Deutsch: Es endet int Gelächter der Welt. Wie froh war ich doch, daß man alles in allem bei uns die Sache nicht so tra­gisch nahm. Wütenden Stieren gegenüber Ist nidjts bester als Ruhe. Fanatismus ist stets Ersatz man­gelnder Vernunft durch Leidenschaft. Darum zieht der Fanattker auf die Dauer immer den kürzeren. Freilich kann man aus der Sache doch noch Einiges lernen. Im Zorn plaudert der Mensch allerlei aus, was er sonst nicht sagt. Es sind doch wohl manche Deutsche in Italien irgendwie aufgefallen. Man hat es doch nicht überall verstanden, so aufzutreten, wie das nun einmal in der großen Welt von heute Sitte ist. Es mag ja bei uns hingehen, wenn man in der Kluft des Jugendbewegten durch die Wälder .schweift. Ganz schön, aber nichts fürs Ausland. Wir Deutsche sind verständig genug, den Sinn sol­ch«! Tuns bei den Jungen zu verstehen. Es ist ihnen ein Protest gegen die Unnatur in der Mode, gegen den Luxus einer überzivilisierten Zeit echter Ueberwindung. Und obendrein ein großer Teil Vernunft. Durch die hergebrachte Otte schützt die Gesellschaft den Einzelnen. Man hat es ja wie­der auf Fastnacht gesehen. Solange alles die For- men bewahrt, ist es gut. Sobald die Stunde der Formlosigkeit schlägt und die Schere nach den Blu- senbändern der Frauen zuckt, so schlägt auch nicht selten bte Stunde des Lasters. Der Mensch ist em» mal so angelegt. Er soll leben in «nem gesell­schaftlich geordneten Ganzen. Löst er sich da her­aus, so verläßt er damit den sicheren Weg und was Wunder, wenn er strauchelt? Ich weiß nicht, aber es will mir Vorkommen, daß ein Mensch, der stän­dig sub spezie aetemitatis lebt, wie Spinoza es ausdrückt, sagen wir, vor dem Antlitz Gottes, nach und nach feie edelsten Formen gewinnen wird, die es überhaupt gibt. Wir haben in Deutschland da­für zu wenig Sinn. Wir schätzen noch sehr Ge­brüll und Auffehen und unterschätzen dafür stille, innerlich erfüllte Art.

Em typisches Beispiel für diese, echt deutsche Un­gezogenheit war die vor einiger Zrtt in Berlin ab­gehaltene Versammlung des Schutzverbandes der deutschen Schriftsteller. Ich laste es noch gelten, daß bei einer solchen Gelegenheit ernste Töne geredet werden. Dr. Arthur Eloestcr hatte wirklich recht, wenn er es beklagte, daß der große Preußische Staat für Kunst und Wissenschaft pro Jahr ganze 3 000 Mark extra zur Verfügung stellt. Nachdem die Fürstenhöfe nicht mehr sind, die doch wenigstens zum Teil ein Mäzenatentum großen Sills für chre Pflicht gehalten haben, wäre es natürlich notwen­dig, daß die staatliche Na hfolgsfchaft dieser Fürsten sich der Künstler und Schriftsteller annähme. Als aber dann die Ernst Toller und die Johannes R. Becher in feie Arena sprangen und in die hilturei­len Erörterungen ihre wüste kommunistische Partei- Politik warfen, da wurde es finster: „Der SMuß war beschämend", so schreibt ein Teilnehmer. „Eine Anzahl wildaewordener Kaffeehausliteraten und bysterlscher Frauen führten unter wahnsinnigem Gebrüll wahre Jndianertanze auf . . .* Wir dür­fen sicher sein, daß dergleichen etwa in der Fran­zösischen Akademie unmöglich ist. So etwas kommt nur in Deutschland vor. Was sollte man aber das

Akten und maßen die Höhe des versengten und zerristenen Papiers. Hier und da hob einer ein Blatt auf, man sah oft noch Zahlen und Aufftel- lungen, nicht weit davon verschweften die letzten Stücke. -

Im Laufe des Abends traf von Trier ein grö- ßeres Polizeiaufgebot ein, und schon während der Nacht wurden die ersten Verhaftungen vorgenom­men.

Eine Befferung der Lage wird durchs diese Wohnsirmstat nicht erreicht werden. Das oberste Gesetz des Staates ist Ordnung. Wer diese fre- ventlich verletzt, versündigt sich an der Volks­gemeinschaft: nur durch Ordnung kann ein Staats- wesen gesundem Deshalb ist es weiter erste Pflicht des Staates, Friedensbrecher der Ordnung m die Schranken zu weisen. eg.

Im Zusammenhang mit den Win.zerausschrei- tungen in Bernkastel sind 14 Verhaftungen vorgenommen worden. Vermutlich wird gegen sie ein Verfahren wegen Landfriedensbruchs eingeleitet werden. Augenblicklich herrscht in Bem» kastel und Umgebung infolge des energischen Ein- greisens der Polizei Ruhe.

schon in den oberen Stockwerken platzen würde. Unser Keller war nur mittels einer Falltür vom Hofe aus zu- gänglcch, sodaß wir immer erst das Haus verlassen muh­ten, roenn wir hinein wollten. Feuchter Kohlengrus und allerlei Gerümpel machten den Aufenchaü darin nicht angenehm, besonders wenn man nur seine „Schlap» pen' an den Füßen hatte. Eines Nachts, als ich die Kellerkriecherei müde und darum hn Bette geblieben war, krachte richtig eine Bombe nt der Nachbarschaft nieder. Sie war sicher für das Stabsgebäude berechnet gewesen, fiel aber in ein leeres Nebengebäude des Feld­lazaretts Iecnne d'Arc. Der Feind war ja durch feine Spione genau darüber unterrichtet, wo eine höhere Kommandostelle längere Zett im Quartier lag. Durch Brieftauben und kleine Ballone, die feindliche FNeger herüberb nickten und abwarfen, ebenso durch kühne feindliche Offiziere, die sich von ^luggeugen absetzen und nach Tagen wieder abholen Netzen, verschaffte sich der Feind Kenntnis von dem, was für ihn wichtig war lind die Landesbewohner unterstützten diese Spionage ja so gern. Daher auch kam es, daß die Zivileinrooh» ner unter so strenger Aufsicht gehalten wurden. —

Sines Tages stürmt Bleich herein, unser Mitgenosse aus der Mooshütte, der Inhaber von vier Bräuten, jetziges Mitglied des hiesigen Sturmbatoillons. Paule Hai ihn schon einmal im Städtchen getroffen, aber Bleich hat flch anscheinend bis jetzt noch nicht hereingettaut, weil et mir noch zehn Mark schuldig ist von der Moos­hütte her ober weil er den Registrator scheut. Zur Zett ist er Ordonnanz im Offizierskasino des Sturmbatail­lons. 'Diesen Umstand hat Paule schon beim ersten Zu­sammentreffen auf der Straße benutzt, um Bleiche um Brot anzubetteln. Wir haben das gar nicht so nötig, weder Paule noch ich. Beide haben wir anderthalb Brote als Reserve im Schrank. Aber Paule hamstert, wo etwas zu Hamstern ist. Dies Reseroebrot werden wir vielleicht mituehmen, wenn wir einmal in Urlaub

Volk anklagen, wenn feine Schriftsteller, iAe man doch in etwa als geistige Führer ansprechen kann, solche Beispiele geben? Auch hier war es wieder der Fanatismus, der alles durcheinander brachte. Und das 'm einer Zeit, die durch Ruhe und Ver­nunft wieder zu sich selbst kommen tarnt.

Kein Geringerer als Dostojewski erzählt einmal von gewiflen Erfahrungen, die er beim Roulette­spiel gemacht habe. Er hatte sich ein gutes System ausgedacht und er gewann auch, wenn er dieses System in aller Ruhe anwandte. Aber da war ein Haken bei der Sache. Wenn nämlich die ersten Ge­winne gefallen waren, dann packte ihn die Leiden­schaft. Dann meldete sich der Fanatismus des hab­süchtigen Spielers. Und fo wurde alles immer wieder verloren. Ein großes Spiel hat in der Wett angshoben. Zu interesiant lesen sich die Er­örterungen über die Dölkerbundssitze in Genf. Bei diesem internationalen Stuhlgang wird der am sichersten zu seinem Sitz kommen, der die größte Ruhe bewahrt. Leicht ist das nicht. In allen Ecken wird einmal wieder gezischelt und intregierr. Die Diplomaten haben zu tun. Es gibt Eiertänze und Glatteis und alles, was man will. Nur feie Ruh- behalten. Wir haben eine sichere Position. Wir haben Trümpfe in der Hand, die zweifellos entscheiden. Man hat uns ja nicht eingeladen un­serer schönen Augen wegen. Als hatte man wieder begonnen, der lieben Jungfer Germania den Hof zu machen. Ach nein. Man muß. Cs geht nicht ohne uns. Und so sagt man: Ditte Platz nehmen. Man kann doch sehr höflich grüßen, auch wenn man nn Herzen denkt: Der verfluchte Kerl. Wir sind tatsächlich weiter gekommen. Man muß das zertretene, in aller Welt verleumdete Deutschland wieder auffordern, m den Kreis der Nationen heim zu kehren. Man hat kein Interesse daran, daß im» ssr Schwergewicht in die östliche Wagschals falle. Das ist alles zum Greifen klar. Wir brauchen uns nicht auf^uregcn. Der Sitz kommt. Ach. wenn doch die Fanatiker bei uns sehveigen wollten.

Hab da eben den in vieler Hinlich: fo lehrrei­chen 9toman von Nikolaus Schwarzkopf gelesen. Das Buch heißt: Der schwarze Nikolaus. Dieser Nikolaus ist ein fanatischer Weltverbesserer, der die Rheinländer lehren will, keinen Wem mehr zu trinken. Er hat auch sonst den Kopf voller Ideen. Aber fchließlich rolrfe er klug. Er sieht ein, daß die Welt fo groß ist und unser Hirn so klein, als daß eines rm anderen aufgehen könnte. Bescheiden dienen, das ist bester, als alles korrigieren zu wol­len. Der Dichter entbüllt uns auch noch em Stück Psychologie, feie sich alle Fanatiker merken sollten. 3n dem Augenblick nämlich, wo feer Schulmeister heiratet, wird er vernünftig. Als man ihm ein Weingut schenkt, da senkt er seine Wurzeln hinein. „Da er nämlich kein Erdreich besaß, all- wohm er seine langen Wurzeln hatte senken können, fo mußte er halt wie der Efeu Luftwurzeln trei­ben und mit den Armen und mit den Gedanken fuchteln geben.* Das ist das Geheimnis. Lasten rote unter Volk einmal wieder geftmber werden, dann hören die Fanatismen von selbst auf, und es beginnt wieder eine Zeit nüchterner deutscher Arbeit am stillen heimisch» Herd. Das gebe Gott.

' ~ Der Mann im Monde.

Wissenschaft und Forschung.

— Ern Welt-Verzeichnis ber roistenschafiNchen Zeit­schriften. Ein aus verschiedenen roiflenschaftlichen ®e- sellschaften Englands und den Bibliothekaren des Briti­schen Museums bestehendes Komitee hat mit Hilfe der Carnegie-Stiftung ein Weltverzeichnis der wissenschaft­lichen Zeitschriften zusammengestellt. Der erste Band, der vor kurzem erschienen ist, entbäQ ht alphabetischer Ordnung die Namen von 24 028 Zeitschriften, die von 1900 bis 1921 erschienen sind. Der zweite Band, der bald folgen soll, wird die Abkürzungen bringen, unter denen die Zeitschriften zttiert werden.

---- Der farbige Mond. Prof. Dr. Mietke ist es gelungen, den Mond mit unsichtbaren Strahlen zu photo­graphieren. Das Bild des Vollmondes erscheint da­durch nicht in dem gewohnten Gelbroeiß, sondern völlig bunt: die flachen Teile geLlich, die Meere rötlich, die Krater grünlich mit allerlei zarten Uebergängen. Diese merkwürdige Verschiedenheit in der Entsendung von Lichtenstrahlen erklärt Professor Mietke aus der Ver­schiedenheit der Gesteine an der Mondobersläche.

= Menschen, die elektrische Wellen aussenden. Tele­psychische Versuche von Prof. Cazzamali in Mai­land haben ergeben, daß Psychopathen in (Erregungsgu- ständen Wellen elektrischer Natur ausfenben. die im Telephon hörbar gemacht werden können. Die Mehr­zahl dieser Ergebniste wurde auf Wellenlängen von 90

fahren. Heb eigens ist es eine merkwürdige Tatsache, daß man kaum rechten Hunger bekommt, wenn man weiß, daß tm Schrank noch ein ganzes Brot liegt. Aehnlich ergebt es auch den Leuten, die fasten wollen ober müssen. Sobald sie misten, daß Fasttag ist, haben sie den ganzen Tag Hunger, während pe an andern Tagen kaum ans Esten denken. -

Bleich brachte also in einem Sandsack ein ganzes Kommißbrot angeschleppt, bas er sich, weil er hn Kasino Kost bekam, erspart hatte. Er verteilte es unter uns und mir gab er abschlagsroeife noch .fünf Mark von feiner Schuld. Die übrigen fünf Mark schenkte ich ihm, weil ich ihm tm Geiste die ganze Schuld schon längst geschenkt hatte, in der Annahme, daß ich doch nichts mehr von ihm bekäme. Er erschien übrigens noch oft bei uns mit Brot und einmal sogar, als ihm Paule fürs Kasino und für eine besondere Gelegenheit einmal Speisekarten gedruckt hatte, mit einer Flasche eines al­koholischen Getränkes, das ein Mittelding zwischen Wein und Branntwein darstellt. Obwohl wirs nicht zu klassi­fizieren wußten, haben mir es doch getrunken. —

Unser Registrator ist ein Teufel, ein richtiger, bos» ■ Hafter Teufel. Da waren wir beide, Paule und ich, heute in so prächtiger Stimmung und die hat er uns nun verdorben. Wie bas kam? — Nun, kommt da vor einer halben Stunde der Gefrette Grüter herüber und meldet:

«Paule, du sollst zum Registtator kommen."

.Wat soll ick denn nun schon wieder? Ick war doch vorhin erst drüben bei ihm." .

„3a, cch weiß es nicht." —

Paule zieht seine reine Drillichjacke an und knöpft sogar sämtliche Knöpfe zu. Für gewöhnlich steht näm- lich die Hälfte offen. Dann geht er brummend ab.

Fünf Minuten spater kommt er wieder und zwar in höchster Wut. Er schlägt die Türe zu und schreit: „Nun wollt ick doch, ick könnte dem dämlichen LejchögL >L

MAGGI8 FleischbrQhwQrfel

sind mit bestem Fleischextrakt und fein­sten Gemüseauszügen auf das sorrtäl- tigste hergestellt. Ein Würfel, in g it V« Liter kochendem Wasser aufgelöst, gibt sofort eine kräftige Fleischbrühe. Der Name MAGGI bürgt für Qualität. Man achte auf die gelb-rote Packung.

1 Würfel 4 Pfennig.

Leidende Liebe.

Bon St Joerger, Generalsekretär des Deutschen EaritaSverbandeS.

Mlld schimmert das Licht des Mondes durch das dunkle Grün und die knorrigen Aeste der alten Oelbäume, die sich am linken Ufer des Kidron» bäches gleich einem weihevollen Hain hinziehen. Es ist, Äs hätte die NÄur selbst dieses Fleckchen Erde dazu erkoren und gestaltet, der Schauplatz einer denkwürdigen Weihestunde im Leben der Menschheit zu werden. Dom nahen Oelberg weht ein kühler Luftzug durch die Wipfel, die wie im geheinmisvollen Raunen erzittern. Sonst unter» bridtt nur das leise Plätschern der Wellen die hei, lige Stille.

Da nähert sich von der andern Seite des Ufers eine kleine Schar dem Oelgorten. Nachdem sie eingetreten sind, lagert sich die Mehrzahl der zwölf Männer, von Müdigkeit erschöpft, im Grase. Nur vier schreiten weiter vor bis zur Mitte des Gar­tens, der ganz allmählich ansteigt am Fuße de, Ortbergs. Sie knieen nieder zum Gebete. Bald darauf steigt der Führer noch etwas höher, fällt auf fein Angesicht nieder und betet laut: „Vater, wenn es möglich ist, laß diesen Kelch an mir vor» übergehen: aber nicht rote ich will, sondern wie Du!* (Matth. 26,39). Flehend hebt er die Hände empor; das bleiche Mcmdlicht fällt auf sein Antlitz, auf feem sich ttefste Traurigkeit ausdrückt.

Der Erlöser der Menschheit ringt mit seiner gottgesetzten Aufgabe. Schon der bisherige Le­bensweg mar reich an Entbehrungen, Kummer und Enttäuschung. Jetzt aber steht das Schwerste be­vor. Er soll den Kelch des Leidens ttinken bis zur Hefe. Die ganze Größe des verlangten Opfers steht vor feiner Seele. Gemartert und gepeinigt am ganzen Leibe wird er todesmatt sein eigenes Kreuz nach Golgatha hinaustragen und dort aus klaffenden Wunden blutend zwischen Him­mel und Erde hangen. Alles, selbst den letzten Blutstropfen wird er hingeben für die Menschheit. Uebersteigt es nicht Menschenkraft, unschuldig und aus freiem Willen all dieses Furchtbare auf sich zu nehmen? Nur die mit der Gottheit vereinigte Seele unseres Herrn war zu einem solchen Ent­schluß völliger Selb st Hingabe fähig: Zum Opfer alles Besitzes, selbst der Kleider; zur Trennung von allen Freuden und von der innig gs- liebten Mutter; zum Verlust der Ehre am Schänd- pfähl des Kreuzes inmitten zweier Verbrecher; zum Set^itbt selbst auf jede Tröstung der Seele in einer schrtnbar völligen Gottverlasienheit.

In den Wochen, da wir des Leidens und fees Todesopfers Christi gedenken, ruft uns die Kirche daher mit Recht gleichfalls zu Opfern auf. Wir sollen dem Herrn nachfolgen durch eigenes Entsagen und Opferbringen. Wir wer­den hierbei Christus umso ähnlicher, je mehr wir unsere Opfer zugleich in den Dienst unserer Mitmenschen stellen. In besonders wirksamer Wrtse kommt dieser urchristliche Gedanke zum Aus­druck in der C a r i t a s o p f e r w o ch e . die in feen meisten deutschen Diözesen jeweils zu Beginn der Fastenzeit stattfindet. Je mehr rorr aus Barm­herzigkeit mit anderen eigene Opfer bringen, je mehr wir aus Liebe leiden, trmfo treuer werden wft den Pfaden der leidenden Liebe des Gottessohnes folgen vom Ortberg bis zum Kreuze.________

Ss§ Nkederheffev.

— Homberg. Wie die Direktion der städtischen höheren Bürgerschule mitteilf, findet die Auf­nahmeprüfung am 17. März statt. Anmeldungen werden bis zum 10. Mörz erbeten. Das Reifezenanis kann an der hiesigen Aufbauschule oder an ber Ober« reakschule I in Kassel, mit der die höhere Bürgerschule verbunden ist, erworben werden.

ne Handgranoteanst Stuhlbeen binden und fe von die Tür her abziehn. — So'n elender Schustersohn!" —

„Schustersohn? — Was soll bos heißen, Filler?"

„Dissen |e bet noch nicht? — Feldwebel Gerstns» hat doch, mn rauszukrlejen, von wat für ne hochjebornc Abstammung ber hochnäsige Kerl abstammt, nach sein, Heimat jeschrieben. Undt hat sich rausjefteHt, daß a der Sohn von 'nem versoffenen Flickschuster is."

„So? — Deshalb tut er so vornehm? — Aber war hat es denn eigentlich wieder gegeben, baß Sie so such» tig sind?"

„Sa soll eener ntch fuchtig werden? — Da schickt er den Grüter rüber unb ich muß 'nüber, um ihm bet Blatt vom Abreißkalenber zu zupfen. Set muß id onft immer machen unb hatte es heute versessen. Unb dieser Kujon sitzt davor unb braucht bloß die Hand wus- zustrecken, unb zwei Manu müssen nun hundert Schritte loofen um bet dumme Blatte."

Ach. wer bie Macht hätte, solche Quälereien zn stra» en! Aber wenn ich die Sache an zuständiger Stelle anzeige, erhält der Registrator wohl seine „Nase", allein Paule wirb bann seines Lebens nicht mehr froh. Ser Registtator würbe bald eine Gelegenheit finden oder Paule eine Falle stellen, um ihn ablösen zu lasten. Also chroeigen unb diesen Fall, wie so viele, der „ausglei- chenben Gerechtigkeit" überlasten. —

Soch auf Regen folgt Sonnenschein. —

Kaum hat sich unser Grimm ein wenig gelegt, h kommt Wachtmeister Sommer herein unb sagt: „Filler! Heute Mittag, wenn ber Hauptmann auf Abteilung II< kommt, melben Sie sich bei ihm. Aber ’n bißchen ar» tänbig!"

„3a roat soll beim bas nun wieder?"

„Sas werben Sie schon erfahren." — Unb der Wachtmeister geht.

(Fortjeßung folgte