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Anzeiger für die Stabt und den Kreis Fulda. Amtliches kreisblakt.

Samstag, 27. Februar 1926. I

Nr. 48

Überraschungen in Genf?

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: Illustriert« Bei­lage' nnd .Bnchenblätter'. Rotationsdruck und «erlas der

Fuldaer S ctiendruckerei in ltulda. Nernivrecher Nr. 9.

Monatlicher BemaSvreiS! 1.50 Mk. ____________

* Einführung der Sommerszeit in Frankreich. In Frankreich wird die Sommerszeit am 17. April einaeführt.

* Die englisch-französische Schnldenregrlung. Churchill erklärte im Unterhaus auf eine Anfrage, daß die mit Caillaux vereinbarte englisch-französische Schuldenreaelung von der britischen Regierung weiterhin für beide Teile als bindend angesehen werde. _____

aegeben, daß Japan im DölkerbundSrat gegen jede I Vermehrung der ständigen Ratssitze über Deutschland hinaus stimmen werde. Brasilien hat gleichzeitig erklärt, daß es seine Kandidatur auf einen ständigen Raissitz fallen läßt, wenn ihm von den ständigen Ratsmitgliedern die Zusicherung gegeben wird, daß mit Deutschland kein Abkommen getroffen werde, dos geeignet sein könnte, die Wiederaufnahme seiner (Brasiliens) Kandidatur zu einem späteren Zeitpunkt unmöglich zu machen.

Italien und Jugoslawien.

Eine Meldung der Agentur Stefani aus Rom besagt: Donnerstag nachmittag 5 Uhr sand zwilchen Nintschitsch und Mussolini eine Unterredung im Palazzo Chigi statt. Die Besprechung ergab die Nützlichkeit einer im gemeinsamen Interesse liegenden wirksameren Zusammenarbeit, wie sie in dem seit zwei Jahren zwischen den beiden Ländern bestehenden Freundschaftsvertraa vorgesehen ist.

Die italienischen Blätter behandeln eingehend die Zusammenkunft des jugoslawischen Außen­ministers mit Mussolini. Die Tribuna greift die Minderheiten- und Anschlußpolitik Deut sch land S an und erklärt, beide Fragen sollen mit Nintschitsch besprochen werden. Eine Ausnahmestellung nimmt Tevere an, der gegen die Blätter polemisiert, die Deutschland für die neue Trübung der internationalen Lage verantwortlich machen wollen und schreibt, Deutschland habe lediglich den Vorteil benutzt, den ihm die auf die internationale Politik ange­wandten Prinzipien geboten hätten.

Chinas Anspruch.

” wtb Paris, 26. Febr. (Eig. Funkm.) Der Vertreter der „Chicago-Tribüne- in London will erfahren haben, daß auch China einen ständi­gen Sih im VSlkerbuadsrat verlange. Der Vertreter Chinas in Genf fei beauftragt wor­den, die notwendigen Schritte z« unternehmen.

preußischer Landtag.

Der Landtag setzte am Donnerstag die zweite Beratung des Etats der Handels» und Gewerbe­verwaltung fort, wobei sich das Hauptinteresse auf tzie Rede des preußischen Handelsministers Dr. Schreiber konzewrierte. Der Minister wies zunächst darauf hin, daß der Gefamtzuschuß der Handels- und Gewerbeverwaltunq sich von 28,6 auf 35,8 Mill. Mk. erhöht habe. Gegen den Ge­setzentwurf der ehemaligen Reichsregierung über den Preisabbau habe er Bedenken. Mit behörd­lichem Zwang sei in dieser Richtung nicht viel zu erreichen. Eine Besserung der Wirtschaftslage werde sich nur durch die Hebung der Kauf­kraft im Innern und durch eine Absatzver­mehrung nach dem Ausland erreichen lassen. Zur Hebung der ftmchtbaren Arbeitslosigkeit werde die Regierung u. a. dem Baumarkt möglichst schnell reichliche Mittel zuführen. Das Washingtoner Ab­kommen müsse ratifiziert werden, wenn auch die übrigen Staaten den gleichen Schritt unternehmen. Das Haus vertagte schließlich die Weiterberatung auf Freitag.

Die Verhandlungen über die seitens der Eold- diskontbcmk zum Zwecke der Aufnahme langftistiger Uebergangskredite für die Landwirtschaft gegebe­nen Gelder sind beendet. Die Erörterungen in der Presse haben über die Bedingungen weitgehende Kenntnis verbreitet. Neben der Herabsetzung des Zinsfußes, die für die landwirtschaftliche Detriebs- führung eine große Erleichterung bedeutet, gibt diese Aktion durch die Langfristigkeit der Gelder eine greifbare Uebergansmöglichkest vom kurzfrsstt- gen Personal- in den langfristigen Realkredit. Das finanzielle Geschästsgebabren der Landwirtschaft er­hält größeren Raum und größere Bewegungsftei-

Näheres Studium der Bedingungen, die durch die Derteilungsstellen im Lande, — Hypothekenbanken, Landesbanken und andere öffentliche Verteilungs- inftitute, — herausgegeben wurden, ließen eine hin­reichende Berücksichtigung des Parzellenbesitzes vor allem im Kleinbauerntum vermissen. Schon die Festsetzung eines Mindestsatzes von 1200 Mk. bedeutet eine autzewrdentliche Härte. Die Aktion soll vor allen Dingen auch dem Klein- und Mittel­besitz die Möglichkeit geben, in seine Personalver­schuldung eine gewisse Ordnung zu bringen. Die mir vorliegenden Anträge aus den gebirgigen Ge­genden des Westens zeigen, daß 90 Pr^ent den Satz von 1200 Mark nicht erreichen. Me diese Antragsteller können nach den jetzigen Bestim­mungen nicht berücksichtigt werden. Der Jnitiaüve des Zentrumsabg. Petry ist es zu verdanken, daß die Zenkrumsftaktion des preußischen Landtages sich dieser Dinge angenommen hat. Die westgehende Kenntnis der mittel- und lleinbäuerlichen Verhält- Nisse des Westens und des Südens hat die Frak­tion veranlaßt, sowohl bei der Rentenbankkreditan- stalt unmittelbar, als in Form von Anträgen mittel- bar, die Abhilfe in die Wege zu leiten. Verein, iachuna der Beibringung der Unterlagen, Herah-

- WMvMer 10 W. lmk Mskr. 1 -r.)

FuldaerZertun

Marokko.

Spanische Angriffsvorbereitungen.

wtti Paris, 26. ffcbr. (Eig. Funkm.) Die dem „Journal“ aus Madrid berichtet wird, ist der spanische Oberkommsssar für Marokko. General San Jvrjo, gestern in Tetuan eingetroffen und hat mit dem spanischen Kommando der westlichen Zone einen Plan für die sofort zu beginnende mi­litärische Operation ausgearbeitet. Der Gebirgs­stock von Beni Osmar, von dem aus die Bifteute mit schweren Geschützen Tetuan bombardierten, soll von dem Gegner befreit werden.

Kommunisteuverhafiung in Tunis.

Wtb Tunis, 26. Febr. (Eig. Funkm.) Der kommunistische Agitator Lech al, der hier heim­lich eingetroffen ist, wurde verhaftet.

Üusbau der englischen Luftflotte.

Bei Beanttagung der Kredite für die Luftflotte teilte Sir Samuel Hoare im englischen Unterhause mit, daß 25 von 52 besonderen Luftgeschwadern zur Verteidigung Englands bereits gebildet und daß drei weitere Geschwader im Laufe des Finanz­jahres hinzukommen würden. Obwohl Großbrr- tannien unter Außerachtlassung Rußlands unter den großen Luftmächten der Welt an zweiter Stelle stehe, entsprächen seine Eesanttluststreitkrafte dieser Stellung noch nicht. Seinem nächsten Nachbarn ser England im Verhältnis 2:1 unterlegen. Im Hin­blick auf die leichten Angrssfsmöglichkeiten, die Eng­land für Luftfahrzeuge biete, dürfe die Fortdauer dieser Unterlegenheit trotz der zwischen ihm und seinen Nachbarn bestehenden fteundfchastltchen Be­ziehungen nicht geduldet werden. Hoare betonte, die Regierung habe stn Hinblick auf die Ver­träge von Locarno beschlossen, das Pro­gramm nicht mit der ursprünglich geplanten Schnelligkeit durchzuführen. Er erklärte, dre Schaf- fung von Hilfsgeschwadern zum Schutze der Jn- dusttiezentten des Landes mache beftiedigende Fort­schritte. Außerdem seien fünf private Lustfahrt­vereinigungen mit etwa 1000 Mitgliedern gegrün- bet worden.

setzung der Minimalgrenze auf 500 Mark sind bie Folgerungen, bie bet Antrag in bet Hauptsache enthält. In vielen Fällen, wo bie Anträge auf Summen unter 2000 Mark lauteten, verursachte die Beibringung der Unterlagen, besonders in Form von Katasterzeichnungen, beim Parzellenbesitz betartige Unkosten, daß, wenn man diese Unkosten auf die Verzinsung umlegt, letztere eine höhere wird als die außerordenllich hohe Verzinsung des amerika­nische Kredites. Bei Krediten unter 5000 Mark fordert der Arstrag Erleichterungen in der Bei- Nutzen bringen soll, muß erwartet werden, daß den wirtschaft sind von der Kreditaktion ausgeschlossen.

Da aber die Konsolidierung für diese beiden Be­rufszweige genau so wichtig ist wie für die Land­wirtschaft an sich, fordert der Antrag die Aus­dehnung der Rredstaktion auch auf Weinbau und Forstwirtschaft.

Die Zuwendung der verfügbaren Gelder an die einzelnen Landesteile hat gezeigt, daß mancherorts bie Zuwendung in keiner Weise den tatsächlichen Verhältnissen entspricht. Der Slntrag verlangt in­folgedessen, daß vor allen Dingen in Gebieten mst kleinbäuerlichen und reichlich parzellierten Besitz­verhältnissen hinsichtlich der Zuweisung besondere Rücksicht genommen wird. Es soll auch dem Um­stand Rechnung getragen werden, daß in diesen Ge­bieten die Beibringung der Unterlagen eine viel schwierigere ist als in den Gebieten mit abgerunde­ten Besitzverhältnissen. Wenn bie Aktion, die für die gesamte Landwirtschaft eingeleitet worden ist, auch der gesamten Landwirtschaft der erwarteten Nutzen bringen soll, muß getragen werden, daß den oben angeführten Gesichtspunkten Rechnung getra­gen wird. Wir können an der Feststellung nicht vorbeikommen, daß, wie bei manchen Kreditaktw- nen der Vergangenheit, auch bei dieser die klem- und mittelbäuerlichen Verhältnisse des Westensund »übens benachteiligt sind.

Don einem besonderen politischen Mitarbeiter wird uns aus Berlin geschrieben:

Der Entschluß des Reichskanzlers Luther, selbst mit nach Genf zu gehen und dort die Füh­rung der deutschen Delegation zu übernehmen, hat in weiteren parlamentarischen und politischen Kri­sen überrascht. Es war anfänglich nicht beabsich­tigt, daß neben dem Reichsaußenminister auch der Reichskanzler sich nach Genf begebe.

Für die Entscheidung des Kanzlers sind sehr gewichtige Gründe maßgebend. Sie liegen m der Zuspitzung der sogenannten Ratsfrage. Es muß damit gerechnet werden, daß, falls me we- qenseite von ihrem eigenartigen und im ®r,un°2 i als illoyal zu bezeichnenden Standpunkt nicht ab- aeht und gar den Versuch macht, diese ihre Auffas­sung durchzufetzen, in Gens von Seiten der deut­schen Delegation Entscheidungen von ganz außer­ordentlicher Tragweite getroffen werden müssen.

Die Dinge liegen so: Als der Vertrag von Lo­carno unterzeichnet wurde, hat die deutsche Dele­gation zugestimmt, den Beitritt Deutschlands zum Völkerbunde zu vollziehen unter der Voraus­setzung, daß Deutschland auch einen Sitz im Rat erhalten solle. Dieser Ratssitz sst zwar zugestan­den worden, aber in der Zwischenzeit und nament- sich in den letzten Wochen wird, von Paris aus­gehend, eine heftige Agitation nach einer Erwei­terung des Rates und zwar zunächst durch Hinzunahme von Polen betrieben. Dabei wird dahin taktiert, daß Polen gleichzeitig mit Deutsch­land diesen Ratssitz zugesprochen erhalten solle. Briand hat sich diese Forderung zu eigen gemacht und außerordentlich stark auf Chamberlam emge- wirkt, um ihn zur Unterstützung des französischen Standpunktes zu bewegen. Chamberlain hatsich zwar noch nicht festgelegt. Die öffentliche Mei­nung in England ist fast durchweg gegen diese französisch-polnischen Ansprüche, aber er hat an­dererseits noch nicht unumwunden die französische Auffassung abgelehnt.

Bei diefer Sacksiage können sich sehr peinliche Verwicklungen ergeben. Deutschland wird selbst­verständlich nicht jede künftige Ratserweite­rung ablehnen und es verlangt auch keineswegs, daß nach der Zuerkennung eines Ratsfitzes für Deutschland nun andere Machte hn Rate nicht mehr oertreten sein sollen. Aber das Entscheidende ist doch, daß mit einer Zuziehung einer anderen Macht die ganze Sachlage für Deutschland bezw. zu Ungunften Deutschlands sich verschiebt.

Deutschland hat das Aufnahmegesuch an den Völkerbund gestellt unter der Voraussetzung, daß die Machwerhältniffe im Rate die gleichen blei­ben, wie zur Zeit der Locarno-Abmachunaen, daß also der deutsche Einfluß im Rate sich entsprechend betätigen kann. Würde Polen oder eine andere Macht noch einen besonderen 'Ratsvertreter erhal­len, so wäre das Kräfteverhältnis zu Ungunften Deutschlands verschoben. Das könnte die derttfche Regierung nicht hinnehmen, und sie würde bei die­ser ihrer Auffassung auch die gesamte deutsche Oeffentlichkeit hinter sich haben. Eine Aenderung in der Zusammensetzung des Rates noch bevor Deutschland in den Rat aufgenommen sst, aber auch eine Aenderung gleichzeitig mit der Aufnahme Deutschlands würde von der Reichsregierung als untragbar angesehen werden müssen.

Jedenfalls wären mit der Verfolgung und Ver­wirklichung solcher Bestrebungen diejenigen Vor­aussetzungen erschüttert, unter denen die Reichs­regierung die Anmeldung in Genf vollzog. Daraus würden sich wichtige Folgerungen ergeben, unter Umständen also die Z urü ck zieh un g d e s A n- meldegesuchs und die Abreife der beusschen Delegation. ' .

Weil es sich nunmehr darum handelt, daß sei­tens der Vertreter der Reichsregierung sehr rasche Entschließungen getroffen werden, deshalb hat auch das Reichskabinett einmütig zugestimmt, daß der Reichskanzler selber sich nach Genf begibt und dort unter voller Verantwortung seine EnsscUte- ßungen trifft

Diese Dinge erhöhen jedenfalls die außerordent­liche Bedeutung, die der Genfer Tagung ohnehin schon zugekommen wäre. Es wird sich ensscheiden muffen, ob man Deutschland gegenüber wirklich eine offene und faire Haltung einzunehmen beab­sichtigt, oder aber, wie es mit dem Vorschlag der Gewährung eines Ratssitzes an Polen gleichzeitig mit DeutWand ganz unzweifelhaft der Fall ist, von vornherein der Versuch gemacht werden soll, Deusschlands Einfluß zu beschneiden. Die Dinge haben deswegen eine so überragende Bedeutung, weil gerade die polnischen Ansprüche, die Frank­reich geflissenüich unterstützt, den Zweck verfolgen, das gesamtpolttische Bild'des Völkerbundes we- fentllch zugunsten der „Sieger"-Gruppen zu beein­flussen und damit politische Zwecke zu verfolgen, gegen bie wir mit aller Entschiedenheit Stellung nehmen müssen, um bie feierlich zugesagte Gleich­berechtigung uns von vornherein zu sichern.

Die Vorbesprechung in Genf.

Zwischen bem deutschen Reichskanzler und dem beusschen Außenminister einerseits und dem fran­zösischen Außenminister Briand und englischen Außenminister Chamberlain andererseits ist vereinbart worden, daß am Sonntag den 7. März eme Vorbesprechung über die Rats- und Völker- ounbstagung und insbesondere über die Frage L" Ratssitze stattfinden soll. Die deutsche m!“f>5re9ierung hat ihre Auffassung bezüglich der Aatssitze, namentlich dahingehend, daß die in So« gxrno gegebene Sage auf keinen Fall eine 23er» anoerung erfahren dürfe, noch einmal den Mcich- nutgeteilt. Es wird gar kein Zweifel darüber

Golddiskontkredite und Parzellenbesitz

Von Abg. Dr. Graß (Coblenz)."

♦ Die nächste britische Reichskonferen;. Im Unterhaus teilte Premierminister Baldwin mit, die nächste Tagung der britischen Reichskonferenz sei für Oktober anberaumt worden.

* Erledigung dcS Kanioner Zwischenfalles. Wie Reuter auS Peking erfährt, ist der Kanloner Zoll- konflikt beigelegt worden.

Der Zusammenbruch des Lredit Zoncier d'5lnver§.

Wtb Paris, 26. Febr. (Eig. Funkm.) Zürn Zusammenbruch des „Credit Foncier d'Anvers berichtet Havas noch folgende Einzelheiten: Gestern abenb sind noch weitere Personen ver» haftet worben, barunter ein Kaufmann C rane, ber für eine fiktive Summe von 32 Millionen — nach dem „Slatin* sollen es allerdings nur 14 Millionen fein — Schuldner ber Bank ist. Wei­tere Verhaftungen stehen bevor. Die Passiva be­laufen sich nach Havas auf 32 Millionen. Der Zu- sammenbrnch ber Bank hat in weiten Kreisen große Erregung hervorgerufen, namenttich in ber kleinen Geschäftswelt, der Landwirtschaft und dem kleinen Bürgertum, das besonders schwer be­troffen ist. Gestern hatten den ganzen Tag die Gläubiger vor. dem Hause Posten gefaßt. Das Haus mußte von ber Polizei geschützt werden.

Genf aus ber vorherigen oder gleichzeitigen Hin­zuziehung Polens zum Rat des Völkerbundes schwerwiegende Folgerungen ziehen würden, die in der Zurücknahme des Aufnahmegesuches bestan- den.

Die Seteifigung des Reichskanzlers an der De­legation, wie die Einzelzusammensetzung dieser Delegation läßt erkennen, daß die Reichsregierung Gewicht darauf legt, daß in Genf genau dieselben Persönlichkeiten vertreten sind, wie in L o c a r n o. Damit soll auch nach außen hin kundgetan wer­den, daß die Reichsregierung die Lage, wie sie sich in ßocarno barstellte, als bie maßgebende und entscheidende ansieht.

Strefemann an Cecil.

Zu der gestern mitgeteilten Rede Cecils im englischen Oberhaus schreibt Dr. Stresemann in der Tägl. Rundschau:

„Wie fast alles, was Chamberlain zur Frage der Ratssitze gesagt hat, so sst auch bie Rede des Savonarola des Völkerbundes, rote man Lord Ce­cil genannt hat, weder Fisch noch Fleisch, und nur dies geht aus ihr deutlich hervor, daß er ebenso wie Chamberlain einer Umformung des Völkerbundsrates im Sinne der französische« Wünsche nicht abgeneigt ist. Lord Cecil h-i sich recht unwirsch über bie ßänber geäußert, in denen man erklärt hat, was geschehen würde, wenn in Genf dieses oder jenes geschehe. Damit hat er doch wohl Deutschland gemeint, bas sehr deutlich erklärt, welches für uns die Konsequenzen aus einem etwaigen Beschaffe über bie Verteilung ber Ratssitze fein müßten, der den Voraussetzungen nicht entspräche, unter denen wir uns zum Ein­tritt in den Völkerbund bereiterklärt haben. Wir nehmen von den unwilligen Steuerungen Lord Cecils Kenntnis, müssen aber mit aller Entschieden­heit betonen, daß mir an unseren gestrigen Aus­führungen nichts zu ändern vermögen:

Nach wie vor steht fest, baß Deutschland füreineLösungniezu haben ist, die den Charakter des Bolkerbundsrates grundlegend verändert. Es steht England und Frankreich frei, den Völkerbundsrat durch soviele Mächte zu erwei­tern, rote sie wollen, nur auf eine Erweiterung durch Deutschlands Zuwahl werden sie in diesem Falle verzichten müssen.*

Die Stimmung in London.

Der Londoner Berichterstatter des WTB. erfährt, daß die Lage bezüglich der Erweiterung des Völker- bundSrates durch andere Mächte als durch Deutlch- land, keine Veränderung aufroeift. Ein Be­schluß des britischen Kabinetts übet die Haltung, die der britische Vertreter in der Sitzung des Völker­bundsrates in dieser Frage einnehmen soll, ist bisher nicht gefaßt worden. Es darf jedoch nicht übersetzen werden, daß die öffentliche Meinung Englands geschlossen gegen eine Aufnahme anderer Mächte als Deutschland in den DölkerbundSrat im gegen­wärtigen Zeitpunkt ist und daß die Haltung der britischen Regierung durch diese Tatsache nicht unbe­rührt bleiben kann. Andererseits scheint es, nach der in hiesigen politsschen Kreisen herrschenden Auf» faffung unvermeidlich, daß die allgemeine Frage der Erweiterung des Völkerbundsrates in der Sitzung des Rates im März erörtert werden wird und daß dabei die deutschen Vertreter Gelegenheit haben werden, ihre Ansicht in dieser Frage zum Ausdruck zu bringen. Im großen und ganzen scheint jedoch der allgemeine Eindruck hier dahin zu gehen, daß der Gang der Ereignisse Deutschland kaum einen Grund zu Enttäuschungen bieten wird.

(Eine geheime Verpflichtung?

wtb C 0 n b o n, 26. Febr. (Eig. Funkm.) Der diplomatische Korrespondent des Lloyd George- Blakte», «Daily Chronicle* schreibt: Chamberlain habe, nrie erzählt wird, am Mittwoch das eng­lische Kabinett durch die Mitteilung von einer geheimen Verpflichkvag gegen­über Brianb überrascht nnd diese Verpflichtung habe sich auf die Gewährung eines ständigen Sitzes an Spanien und eines nicht stündigen Sitzes an Polen bezogen. Der Derichterstatler fragte, ob Polen als Lob für die viermalige Verhöhnung des Völkerbundsrates einen Ratssih erhalten solle. Die Mitglieder aller Parteien seien über diesen frappanten verkrauensbruch gegenüber Deutsch­land enfrüftef. Das Kabinett trete heute wieder zusammen und hoffe, d«ch das nahezu einstimmige Gefühl des Landes und des Parlaments, wonach der Geist des Locarno-Vertrages gewahrt werden muß. Kn Kabinett ein Echo finden würde.

Maedonald.

In einem Artikel der „Revue Socialiste" rrklärte Macdonald, eine Erweiterung des Völkerbundsrates wäre bedauerlich. Spanien habe zwar ein gewisses Recht auf einen Ratssitz. Aber auch dieses Recht nicht ausreichend, um einen Anspruch zu be­gründen. Polen habe überhaupt keinen Anspruch. Wenn man sich endgültig über eine Erweiterung des Völkerbundsrates schlüssig werbe, solle man in erster Linie die Rechte der baltischen Staaten be­rücksichtigen.

Iapan und Brasilien.

Die „Voss. Ztg.* weiß aus Loudon zu melden: Die japanischen diplomatischen Vertreter bei den der Alliierten.hüben bie. Erklärung ab»

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