Fuldaer Zeitung
Sonntag, 21, Februar 1926.
Mutterseelen-
Da ist ein
Dann verstehst du das Wort „ allein" ....
Mein Blick fällt durchs Fenster.
Herr Drewitz hat zwar versucht, die Haltung seiner Fraktion zur Regierungsbildung als richtig zu verteidigen, aber Herr Klamt betonte zum Schluß noch einmal, daß es für die Partei eine Lebensfrage sei, in die Politik hineinzugehen und sich Nicht abseits zu stellen. .
Wir sind von diesen Gärungen innerhalb der Wirtschaftspariei nicht überrascht, weil wir sie langst kommen sahen. Sinnlose Opposition ist in der Politik immer unfruchtbar gewesen; ebenso wenig schafft einseitige S.tandespolitik positive Werte. Auf die Dauer hält man mit Agitation und Kritik keine Partei zusammen. Vollends nicht eine Mittelstcmds- partei, die sich doch in der Hauptsache aus Unzufriedenen und Enttäuschten zusammensetzt. Dr. Klamt hat die großen Mängel einer politischen Orientierung nach nur wirtschaftlichen Gesichts- puntten erkannt und will seiner Parte, den Weg ins Freie weisen. Viele Tausende ihrer Anhänger werden sich aber angesichts dieser Entwicklung aufs Neue enttäuscht an den Kopf greifen und fragen: Warum haben wir uns denn nun eigentlich von unserer alten Partei getrennt?"
Haus, aus dem ein Lichtlein blinkt. Ei, ich kenne doch dieses Haus. Da war ich einmal. Richtig, das Lichtlein brennt in der Küche. Da fitzt jemand auch allein. Selbfwerständlich, die Herrschaft ist heute fort, es ist doch Rosenmotag. Die Kinder sind zu Bett gebracht, und ihre Schükflein stehen schön geputzt auf der Flurtreppe. Und sie sitzt allein. Friiher waren dort zwei Mädchen, heute kann man nur noch eines halten. Warum ist sie allein, mutterseelenallein? An der Wand reihen sich die weißen Geschirre mit den Aufschriften Satz. Reis, Grieß und was es alles ist. Sie stehen so stumm da. Sie sind heute viel stummer als sonst. Das macht, weil sie so geputzt aussehen. Es ist nichts mehr daran zu tun. Sie wollen förmlich allein sein. Wie das Mädchen am Küchentisch. Sie lieft nicht, sie strickt nicht, sie denkt auch eigentlich nicht. Sie ist nur allein. Sie fühlt das. Sie ist es ja gewöhnt. Immer, wenn der Abend kommt. Immer, wenn die Sonntagsnachmittage nicht enden wollen. Die Herrschaft ist gut. Aber das Mädchen muß doch zu Haufe bleiben. Daran denkt niemand, weil es doch selbstverständlich ist. Es ist aanz still. Ein Hejmchen zirpt. Man hört dre Schaben krappeln am Kohlenkasten, wo noch Pavierreste liegen. Was ist dir nur, mein Kind? Sie schaut mit großen Augen, nun, wohin? Eben in die Einsamkeit. Sie ist doch allein. Mutterseelenallein. Da bewegt sich etwas und würgt in ihrem Körper. Ihre Hand greift den Schürzenzipfel. Aber bald hat es keinen Zweck mehr. Nachdem die erst? Träne heraus, stürzen die andern nach. Als hätten sie nur auf die erste gewartet. Ihr Kopf sinkt auf die Arme^ Und sie weint. Lassen wir sie. Das tut ihr wohl. Es ist ja auch nichts. Sie ist nur allein. Mutterseelenallein.
ttulturbild aus Italien.,
Aus Rom wird uns von unserem Vertreter geschrieben: . _ „
Seit einiger Zeit macht in Italien em Krüppel in S. Fernando in Apulsien viel von sich reden, der nach dem Volksglauben gewinnende Nummern im Lotteriespiel „prophezeien" kann und dessen „Prophezeiungen" mehrere Male eingetroffen sein sollen. Für die letzte Ziehung hatte er nun die Nummer 33 48 als Gewinner vorausgesaA Die abergläubigen Südländer setzten alle auf diese Nummern, die Lotteriebüros wurden am letzten Tage fast gestürmt von setzenden. Insgesamt sollen fast 100 Millionen Lire an Losen eingenommen worden sein, genug, um die nächste amerikanische Schuldrate für 1927 zahlen zu können.
Der Tag dieser Ziehung kam, aber heraus kam eine ganz andere Nummer. Nun große Entrüstung der Vertrauensseligen, welche sich jetzt an dem Krüppel rächen wollen. Dieser hatte jedoch den Braten bereits gerochen und hat sich in seinem eleganten Automobil aus seinem Wohnort entfernt, um nicht gelyncht zu werden und bleibt seitdem verschwunden, von einigen Treuen beschützt, die noch an ihn glauben und auf eine Belohnung in Form einer „Prophezeiung" hoffen.
Manche der Enttäuschten behaupten schon, daß die Lotterieverwaltung die Hand im Spiele hat, bzw. die Finanzverwaltung, da das Lotto staatlich ist und der Gewinn in die Staatskasse fließt, die aus diesen stets gern gezahlten freiwilligen Siem ern mit vollen Händen schöpft.
Von Fastnacht habe ich nicht viel gesehen. Bin am Rosenmontag still nach Hause zurückgekehtt von einer sehr ernsten Sache her. Der Weg führte mich vorbei an einem Tor, vor dem sich viele Menschen drängten. Von Zeit zu Zeit riefen sie alle Hallo und quieffchten vor Vergnügen. Was ist denn das, dachte ich. Wie ich schaue, kommen da aus dem Lokal bunte Mützen und farbige Mäntel . . . Weiter nichts? . . . Doch, über einigen Köpfen schwankte eine mächtige Reiherfeder oder dergleichen. ... Da ich gerade vorher ein Stück aus der Versunkenen Mocke gelesen hatte, dachte ich natürlich an Nickelmann, Waldschrat und Rautendelein. Philosophierte weitergehend noch ein wenig, indem ich darüber nachsann, wie wohl es doch den meisten Menschen zumute ist, wenn sie einmal für eine Weile auf einer tieferen Stufe des Daseins leben dürfen. Aber es müssen alle mithin, sonst schämt man sich In dem Augenblick, wo alle ihre Verrücktheit, die doch immer in ihnen ist und sich nur in den Formen der Zivilisation versteckt, einmal herzhaft zeigen, findet man diese Verrücktheit nor» mal und fühlt sich am Ende besser dabei als im Aquarium der höheren Well der Menschlicheit..,
Einige schwere Musiktöne folgen mir und steigen mir sogar aufs Zimmer nach, und da sitze ich nun, während draußen der Brummbaß ruft. Es sind immer drei Töne, die von Zeit zu Zeit wiederkehren. Ich sehe sie deuttich als torkelnde Geister, die doch dabei noch einen mächtigen Zylinderhut tragen, zum Fenstersims heranffteigen. Sie haben lange, zikadenartige Beine mit dünnen, schwarzen Hosen darum. Jedesmal, wenn sie fast oben sind, fallen sie rückwärts ins Orchester wieder hinab. Der Zylinder fliegt an irgendeine Wand, und sie beginnen zu tanzen im Reigen der Töne . . .
Nun ist es still. Jetzt bin ich ganz einsam. Du kennst doch dieses Gefühl, was man hat, wenn man sich seiner Gesamtheit einmal recht bewußt wird? Das ist gerade dann der Fall, wenn in der Nachbarschaft die Leute an vielen Tischen zusammensitzen und schmausen und trinken und musizieren, und wenn du eben nicht dabei sein kannst.
2. Blatt.
Druck der Fuldaer Ackiendruckerei, Fulda.
vor 10 Jahren.
Also 10 Jahre sind jetzt schon vergangen, seit dem 21. Februar 1916, da auch so viele Söhne unserer hessischen Heimat, Söhne des Fuldaer Landes, im Verbaut)« der 21. preußischen Division zum Sturm auf di« vorderen Feindgräben bei Verdun mit antraten"? Wie die Zell fliegt, wenn man einen Beruf hat, der keine Langeweile aufkommen läßt. 10 Jahre, ein Dezennium! Und doch stehen noch heute deutlich, allzu deutlich die Bilder vor dem geistigen Auge, die im Februar, März, April des blutigen Jahres 1916 sich ab- gerollt haben in jener Zone des Grauens, die sich um die Festung Verdun noch heute breitet. Ende Januar kamen die Infanterie-Regimenter 80, 81, 87, in allen niete Fuldaer Landsleute, von der Somme gegen Süden heranmarschiert, auf Umwegen, um den Feind zu täuschen. Schon waren in der dortigen Etappe gewaltige Munitionsmengen für die Angriffsartillerie aufgestapelt. Die armseligen Nester in Französisch-Lothringen waren n** gemacht von der sonst dort hausenden Etappenbelegschaft. Uns Quartiermacher zeigten sich in Rupt w Othain primitive Häuser aus rohen Feldsteinen mit "«wahrlosten Räumen und halbzerfallenen Dächern. Als die Truppen darin waren, im Keller und auf den •Söben, fing es an zu regnen und es regnete ohne Un-
Tage, Wochen lang. Wir wußten ungefähr was bevorstand. Es sollte so etwas wie ein Endkampf ronnnen, der dem grausamen Kriegsspiel ein Ende zu «wdjen bestimmt war. Deshalb wurde auch die Post ^ochEnlang zurückbehalten, damit die Heimat keine Ein- ^ihellen erfahre. Nur Briefe aus der Heimat tarnen m Machten die Kunde von dem Jammer, den die mrsblechende Feldpost bei den Lieben daheim hervor- tath mk5n und Schmutz versank unter dem Regen 00 Setlel bie ganze Umwelt. Morgens, in aller Frühe
Rund um die Woche
Noch vom Rofenmontag.
wachsende Erkenntnis.
’ Don Thomas Esser, M. d. R.
Dor «ns liegt die Nummer 4 der m Köln «scheinenden Zeitung „Der Mittelstand", die einen eingehenden Bericht über die Ende Januar in Berlin stattgefundenen Tagung des Re ich saus- fchusses der Wirtfchaftspartei des deutschen Mittelstandes enthält. Unter anderem erregt folgender Satz unsere besondere Aufmerksamkeit:
Man sagt in unseren großen Berufsorganisationen: Wir sind patteipolllisch neutral. Ja, merkt man denn nicht, daß man sich damit selbst die Mög lichkeit verscherzt, auf die große Politik als bestimmender Faktor einzuwirken?"
Ms wir vor etwa 20 Jahren diesen Gedanken .auf einer Tagung des Rheinischen Handwerker- Bundes aussprachen, ging ein Sturm abwehrender Kritik durch die manchesterliche Presse, die von einer politischen Bedeutung des Handwerks nichts wiffen wollte. Etwa 10 Jahre später veranlaßte die Abneigung vor dem „garstigen politischen Liede", das in der öffentlichen Betätigung des Handwerks und Mittelstandes immer wieder er- llang, die Väter der heuttgen Wfttschaftspartei des deuffchen Mittelstandes zu ihrer Trennung von den politischen Patteien. Heute spricht ein geistiger Führer der Wirffchaftspartei, der Land- tagsabgeordnete Dr. Klamt (Köln), mit obigen Motten denselben Gedanken im Reichsausschuß seiner Pattei aus und erntet am Schlüsse stürmischen Beifall!
Die Rede des Abgeordneten Dr. Klamt, besonders aber auch das Geleitwott, das der Berichterstatter, ein Herr Gustav Adolf Eder, Berlin, ihrer Wiedergabe vorausschickt, sind für einen Beobachter der Entwicklung der Wittschaftspartei noch in manchen anderen Punkten äußerst interessant als Spiegelbild der tiefgehenden Wandlungen, die sich in dieser Pattei vorbereiten. Nach dem Be- ttchte war die Klanttsche Rede der Höhepunft der Verhandlungen. Dem Redner wird bescheinigt, daß er sich mit seinen Ausführungen weit über den Kreis seiner rheinischen Freunde hinaus die Sympathie der Tagungsteilnehmer erworben habe. „Dr. Klamt hatte sich cm großes Ziel gesteckt, ein Ziel, auf das er mit anerkennenswerter Offenheit und mft geradezu leidenschaftlichem Bekennermut lossteuerte." Und dieses Ziel war, der Pattei zu beweisen, daß es nicht ihre Aufgabe sein Fönne, lediglich unfruchtbare Kritik zu üben, sondern daß es ihre Pflicht sei, sich intensiv in die Dinge hineinzuarbeiten und aktiv an der Gestaltung der Geschicke des Staates zu beteiligen. Es sei nicht mehr damit getan, den Versuch zu machen, steuerliche und andere Erleichterungen zu erreichen, deren Wirkung zwar eine augenblickliche Annehmlichkeit bedeute, die aber für den Gang der Dinge ziemlich gleichgülttg fei. (!) Der Redner forderte, daß seine Pattei, daß der Mittefftand sich zum Parlamentarischen Gedanken bekenne und sich mit dem heutigen Staate abfinde, da mit der Wiederkehr der Monarchie nicht mehr zu rechnen sei und aus dieser Taffache die Konsequenzen gezogen werden müssen. Das Bürgertum sei demokratisch seit aller Zett. „Darum müssen wir mit heiliger Begeisterung versuchen, die Geschicke des Staates mit zu meistern," (Lebhafter Beifall.)
Haben wir recht gehört? Ist das ein Führer derselben Pattei, die in den letzten Wahlkämpfen manchmal das gerade Gegenteil proklamiett und damit die Wähler verwirtt hat? Sind diese Ausführungen des Herrn Dr. Klamt nicht eine glatte Desavoierung der Politik der Reichstagsfraktion der Wirtschaftlichen Vereinigung, deren Hauptgruppe die elf Abgeordneten der Wirtschafts- pattei des deutschen Mittelstandes stellen?
Der Vorsitzende der Pattei, Abgeordneter Drewitz, hat im Reichstag am 3. Februar das neue Kabinett Luther besonders scharf wegen des Preisabbau-Gesetzes angegriffen und letzteres als Attentat auf das Handwerk leidenschaftlich bekämpft. Wie paffen zu diesem Standpuntte des Pattei- vvrsitzenden die folgenden Ausführungen des Abge- otimeten Dr. Klamt zur gleichen Frage:
„Das Gesetz zur Förderung des Preisabbaus stelll für das Handwerk in erster Linie keine reine Freude dar." (Zartere Kritik kann wohl kaum geübt werden.) „Aber es muß doch einmal offen ausgesprochen werden, daß die Innungen in mancher Beziehung vielleicht vorsichtiger hätten zu Wette gehen können, und auch das Handwerk selbst hat nicht immer alles getan, um sich vor Dorwürfen zu bewahren." (Hier setzte der Widerspruch aus der Versammlung ein.) „Wenn nun die Pattei bei ' der Regierungsbildung wegen dieses Gesetzes in der Haupffache eine ablehnende Stellung eingenommen hat, so muß ich sagen, daß
mir dieser Grund doch nicht ganz zureichend erscheint."
Die Handwerker in der Wittschaftspattei werden diese zum mindesten sehr flaue Stellungnahme eines geistigen Führers der Pattei mit recht gemischten Gefühlen zur Kenntnis nehmen. Die Diskussionsredner haben sich daun auch alle Mühe gegeben, den üblen Eindruck der Ausführungen Dr. Klamts zogen die InfaMeristeu hinaus gegen Derdim zu in unergründliche Wälder, um Knüppeldämme zu bauen für di« Fahrzeuge. In der Abenddämmerung tarnen Menschen und Pferde ins Dorf zurück, von einer grauen Schlammafse bedeckt, von zähem Brei, von einer Ele- faMenhaM. Naß und müde gings in die Quartiere. Aber die Nervosität, die das Bevorstehende hervorries, lieh wenige zum Schlafen kommen. In der Nacht spielten die Landser 17 und 4 oder oben auf dem Dachboden langen sie unter Leitung eines kriegsfreiwilligen Lehrerseminaristen gefühlvoll das Lied: „Im Holder- strauch . .
In Rupt war auch ein Schlößchen mit einem großen Part. Dotthin war für die Zett der Vorbereitung des Angriffs der Großherzog von Hessen getommen. Als die Soldaten an einem Ruhetag zur Bewegung im Part „den Dritten abschlagen" spielen mußten, (viele von den Spielenden hatten zu Hause Frau und Kinder), half der Großherzog den Pionieren Balten tragen. Er trug dazu weiße Manschetten in der Generalsuniform. Auch er machte sich Bewegung. Eines Tages fand in einer großen Scheune ein Feldgottesdienst statt. So viele fromme Beter habe ich draußen niemals wieder gesehen, 80er, 81er, 87er. Die Kommunion wurde nach der Messe gereicht und auf den langen Lettern stiegen Feldgraue von den Heugerüsten, wo sie Platz gefunden, herab zur Bant vor dem Feldaltar. Todesweihe!
Schon roartete die Artillerie von Tag zu Tag auf den Beginn des Kampfes. Das Wetter zwang immer wieder zur Verschiebung. Am Morgen des 21. Fe- brugr war es zum erftenmale klar genug. Und schlagartig setzt« die Riesenkanonade ein. Die ersten Jnfan- terieroelten brachen vor, die Kampfstaffeln rückten auf. Teilweise in langen Märschen. Durch die dichten Wälder. Dann auf Straßen bergauf, bergab. Immer das Donnern der Geschütze in den Ohren. Immer in höchster Nervenspannung Mann und Roß. So ainas in die
Soziales.
= Reichsmittel für die Wochenhilfe. Der Haushaltsausschuß des Reichstages hat in dem Haushalt des Reichsarbeitsministeriums als neuen Titel den Betrag von 20 Millionen Goldmark für Wochenhllfe eingesetzt.
= Reichsmittel für den Arbeiterschutz. Es sind 500000 Mark bewilligt worden als Beihilfe für Zwecke der Ausbildung von Personen, die auf Grund gesetzlicher Bestimmungen zur Vertretung der Arbeitnehmer berufen werden. _______
Theater und Musik.
— Der Rundfunk mutz Tantiemen zahlen. Die „Vereinigung der Bühnen-Derleger" befaßte sich in ihrer letzten Sitzung mtt der Radio-Frage, die durch die Ausbreitung der Funffendespiele nachgerade brennend geworden ist. Die Verleger haben in dieser Sitzung ihren Standpunkt dahin präzisiert, daß sie sich in Zukunft bet ihren Verträgen mit den Autoren, soweit dies bisher nicht geschchen ist, gleichzeitig mtt dem Vertrieb bex dramatischen Werke für die Bühnen auch den Benne» für die Rundfunksender sichern. Die Honorarfrage soll tariflich geregelt werden, und es wurde ein Mmdest- und ein Höchstsatz festgelegt, der sich je nach der Hörer- zahl des Senders und nach dem einzelnen Werk selbst richtet. Die Autoren werden in diesem Falle ebenso wie bei Theateraufführungen Tantiemen erhalten.
Wissenschaft und Forschung.
= Das Zentrum und die Rot der deutschen Wissenschaft. Von der Zentrumsftattion ist unter Führung des Abgeordneten Dr. Schreiber gelegentlich der Beratungen des Etats mit allem Nachdruck für eine stärkere Kulturpflege und für die materielle Sicherung der deuffchen Kulturbestrebungen eingetreten worden. Nun- ist ent vom Abgeordneten Dr. Schreiber eingebrachter Anttag angenommen worden, der zur Linderung der Not der deutschen Wissenschaft einen Bettag von 5 Millionen Mark aus Reichsmitteln angesetzt wissen will. Es handelt sich um die Förderung der von der Not- aememschaft der deutschen Wissenschaft verfolgten Zwecke, für welche int Etat des Reiches 3 Millionen Mark vorgesehen waren. Der Zenttumsanttag hat die Zustimmung der vier Regierungsparteien und der Sozialdemokaten gefunden.
kauern sich unter die Zeltbahn und suchen sich durch den Hauch gegenseitig zu erwärmen. Bis dann bald nach der Mttternachtsstunde der Regimentsstab und sein M.- G.-Zug weiter wandern durch das Wirrsal der Gräben und Löcher, Mulden und Anhöhen, dahin und dotthin, in Stunden mtd Tage rasenden Feuers, zum Pfesfer- rücken, zur Chambrette-Ferme, zur Todes-Schlucht, zur Brule-Schlucht und zur Britenschlucht, zum Douaumont, zum Steinbruch von Vaux. Immer unter der Fuchtel des grausamen Granatentodes, der ringsum die Opfer mit Wilstür pflückt. Nachts in den Löchern, die sich mtt Wasser füllen, das in der frostigen Frühe gefriert. Oft erschöpft schlafend unter den unbegrabenen Leichen von Franzosen und Deutschen, die in Frost gleichfalls erstarrt sind. Schließlich gleichgültig gegen alles, was hier an Furchtbarem dem Leib droht und ruhig in der Seele, die wett weg ift, daheim . . . daheim!
Mtt kraftsttotzenden Kompanien, so stark an Zahl und Art wie einst, als die 80er in den Augusttagen 1914 aus Wiesbaden, ihrer Friedensgarnison, ausgezogen, waren wir in den Kampf gegangen. Als in der Woche nach Ostern das Regiment den Verduner Kampfplatz verließ, was war da noch? Wieviele waren es von der stolzen M -G.-K., die an einem sonnigen Aprilmorgen wankend wie Schemen nach einem nachtlangen Marsch jenseits des Waldes von Billy beim Feldwebel sich wieder trafen und das gerettete Gerät mit dem letzten Aufgebot von Energie auf die Fahrzeuge schoben? Als das Dutzend voll war, stiegen wir in einen Feldbahnzug und strichen uns über die Stirn, an der die Haare klebten, sahen an dem Mantel herab, der im trockenen Schlamm der Bruleschlucht starrt? und waren uns damals schon klar, daß dieser Augenblick ein Erlebnis ab- schloß, dessen Gewalt sich nicht verlieren könne auch wenn ein Dezennium und mehr darüber vergangen fein würde. Dr I. K.
Na ja, solcher gibt es doch noch mehr. War da vor kurzem ein Mann gestorben. Er und seine Frau waren wie ein treues Gespann, was einfach zusammengehört. Siehst du, wenn man tue Lies«! aus dem Stall führt und an die Deichsel stellt, dann schaut sie zur Seite, bis der Hans kommt. Das ist einmal so. Nun, und heute kam der Hans eben nicht. Und doch schaut Liesel zur Sette. Und immer schaut sie noch hin, obgleich er doch nickst mehr kommen wird. Sie ahnt das wohl. Steh nur, wie wehmütig dieser Blick des einen Pferdchens, das nun an der Deichsel steht, allem. -. Also jenes Mütterchen nimmt in der Frühe fern Gebetbuch. Es hat doch immer mft dem guten Mann zusammengebetet. Das hat er sogar von ihr gelernt, denn von alleine tun die Männer dergleichen selten Sie kamt nun nicht mehr beten ohne 'hn. Und irrt mit dem Buch durchs halbe Haus. Und ist schließlich neben ihm, der noch im Sarge vornitm Laden ruht. Und betet noch einmal mit shm. Dann ist sie allein. Mutterseelenallein. Sag nichts gegen den Rosenkranz. Was wären die einsamen Mütterchen ohne ihn? ...
Von Haus zu Haus wandere ich nun und suche einsame Menschen. Ja, da wohnt die Exzellenz. Siebenzig Jahre für Kaiser und Reich. Das mn sein Leben. Ich weiß von ihm, daß er im Felde wie ein gemeiner Mann seine Pflicht getan. So blieben auch die Orden nicht aus. Und dann kam also das Ende . . . Jetzt hat er enre seltsame Ge- wohnheit. Er läßt abends erst alle schlafen gehen Dann schließt er leise das große Zimmer ab. Ww auf Zehenspitzen schreitet er zu seinem Arbeitstisch und öffnet fast lautlos ein verborgnes Fach. Dem entnimmt er etwas Glänzendes. Orden. Da if das Eiserne Kreuz, da sind blaue bayerische Bänder, da sind kostbare Steine, märchenhaft blitzende türkische Auszeichnungen, es ist eine ganze Reche. Er breitet sie liebevoll vor sich hin. Und schaut sie an Dabei sitzt er ganz unbeweglich. Keme Wimper zuckt. Er sitzt wie Barbarossa im Kyff' Häuser. Um ihn weht und entschwebt die Zelt. Sie hat mit sich genommen Kadettenschule, Leut- nantsfteuden, Hamptmannsverantwortung Manöver Friede, Galatafeln, Krieg und Schlacht . . . Sie hat ein Grab gegraben und hineingelegt alles, wofür er geschafft, gekämpft und hunderttnal das Leben eingesetzt. Vorbei. Er sammelt lautlos dw alltzernde Pracht wieder zusammen. Er legt sie still an ihren Platz. Kaum hörst du den Schlussel der olles wieder verschließt. Alles, rmrs blrtb.Tie alte Exzellenz geht mit nachdenklichen Ritten ans Fenster. Sie schaut hinaus. Ueber Scherben hin und Gräber. Allein. Morgen wird man auf Jagd gehen. Sie werden fogar rufen: Vivat, d,e jugendliche Exzellenz!
Noch einer? Ja, der sitzt drüben am Stammtisch. Er kommt jeden Tag pünktlich. Dann mutz der Platz einfach frei sein. Der Kellner weiß schon. Nun fitzt er also vor feiner Flasche. Er trinkt nur eine. Eine jeden Tag. Er trinkt sie ruhig, wie einer, der weiß, daß er etwas Gutes ftmkt. Aber doch auch nicht mit irgendwelchen besonderen Gefühlen. Er liest keine Zeitung dabei. Er ichaut auch nicht um sick> im Lokal. Es ist auch nich.s zu fetten in feinen Mienen. Nur hier und da kommt einer,' der ihn kennt. Er fetzt fich nicht zu ihm. Aber er erzählt vielleicht feinem Nachbarn tuschelnd: Schau, da ist er wieder. Du weißt doch? Damals die' Geschichte vor zwanzig Iabren? Da war doch die Frau so und so, verstehst du? Er mußte halt oehen. Schade um den hochbeaabten Mann . . . Zwanzig Jahre. Wie sieht ein Stein aus, der zwanzig Jahre auf einem Grabe gestanden? Wie dieser' ‘ Mann. Einsam. Allein. Mutterseelenallein . . .
Gott sei Dank, da ist ja wieder der Brummbaß. Drei Töne. Lange Beine. Enge Hosen. Riesen- zylmder. Sie klettern zum Sims herauf. Bums, liegen sie wieder unten . . . Tanzen im Reigen der Musik . . . Am trüben Himmel aber leuchtet ein einsamer Stern im ungeheuren Raum . ..
Der Mann im Monde.
QMMMBKHSMMHMMÄaeBaeeaBOBMiHeSÄHeeEeHHKB zu dieser Frage zu verwischen. Aber Herr Gustav Adolf Eder stellt fest, daß „Dr. Klamt sich vorläufig mit dem ihm in reichstem Maße gespendeten Beifall über die Taffache hinwegtrösten möge, daß die Diskussion lange nicht auf der Höhe feines Referates stand, und daß von allen den tiefem« schneidenden Fragen, die er berührte, so gut wie Ferne von den Parteivertretern aufgegriffen wurde.
Zone der Trümmer von Flabas, dem Dorf in der bisher vordersten Linie der Deutschen, die jetzt schon vorgetragen war, einige Kllometer. In tiefen Stollen hocken hier bei schmaler Kost die Stürmer für ben nächsten Tag, an dem die Höhe 344 genommen werden soll, der Schlüssel zur Festung. Unvergeßlich die fto- stige Stunde des ersten Hahnenschreis am 24. Februar, als bie 80er sich sammelten zum Vorstoß in den Caures- Walb. Schwer bepackt, noch mtt Panzerplatten und Siahlschilben beschwert, schleppen fich Infanteristen, dazwischen Flammenwerferirupps und Maschinengewehrgruppen, vorwärts. Es geh! stunbenlang durch den Walb, in dem das Artilleriefeuer tagelang schon sein Zerstörungswerk getrieben. Ueber öie in Reihen zu einem Marschierenden heulen die Granaten zur Höhe 344. Kurz vor dem Rand des Waldes entfaltet sich das Regiment zum ©türm. Mitten unter uns der Regimentskommandeur, der treue väterliche Oberst Braun, so gehts Punkt 2 Uhr mittags heraus aus dem Wald. Zum ' Angriff! Vergangenheit, Gegenwart. Zukunft? Alles vergessen. Der Denkapparat stoppt. Granaten- einschlag in der Nähe. Vorwärts! Nur ein Gedanke: die Höhe hinan. Eine Höhe, die sich kahl und langsam erhebt, kttometsrlang, mit langgestrecktem Grad, auf dem die Franzosen sitzen, oder vor kurzem saßen und wo jetzt schon in haushohen Erdlöchern, die von 44= Zentimeter-Granaten geschaffen sind, die ersten 80er scheu. In der Ferne schimmert die Maas; Granaten, die ins Wasser einschlagen, rufen turmhohe Fontänen hervor. Verwundete und Gefangene lenken die Aufmerksamkeit ab. Im weiten Gelände verliert sich der Charakter des Angriffs. Der Feind veffchwindet. Wir bleiben auf der Höhe, suchen einen dürftigen Strauch und legen uns nieder. Die Dämmerung kommt. Eisig weht der Februarwind über die erkämpfte Höhe. Eine Nacht beginnt, in der man lernt, was es heißt, vor Srolt @tt den Hähnen Hajosern. Treue Kameraden