Fuldaer Zeitung
Lin politischer Hund.
2. Blatt.
Drud bet gelbaet Mcficnörudctei, Jnlöa.
x zr.
Soantag, 14. Februar 1926.
unseres Hauses aufgehängt. Dieser dritte Raum lag neben unserm Schlafraum und war von außen, sowie vom Arbeitsraum aus zugänglich. Ursprünglich war er als Schreibstube vorgesehen, allein niemand zog in das kalte, düstere Loch. Und so wurde er vom Küchenpersonal des Stabes als Rumpelkammer für alte Kisten und dergleichen benutzt. Dort hing also Freund Pauls Schinken. Das war für den Schinken gefährlich und für Freund Paul nicht gut. Und wirklich, eines Tages war der Schinken verschwunden mitsamt dem Sack. Paul trug den Verlust mit Ruhe, wohl, weil er hoffte, daß ihm nur einer aus uns einen Streich gespielt. Und so war es auch. Als Paul einige Tage später sein Mittagsschläfchen halten wollte und auf seinem Strohsack lag, sah er droben im düstern Winkel des Dachgiebels seinen Schinkensack baumeln und er atmete erleichtert auf.
Dort oben hätte der Schinken lange baumeln können, ohne zu verderben; denn bei uns wars um diese Jahreszeit kühl genug. Allein Paul schleppte ihn heimlich fort, wohin, das wußten wir nicht.
Es vergingen Wochen. Da kain eines Tages Freund Paul hereingepoltert, hielt eine handgroße Schinkenschnitte empor und berichtete erregt: „Det is der Rest von meinem schönen Schinken; det übrige hat der Deu- wel jeholl."
„Ja, Menschenkind, wo hatten Sie ihn denn eigentlich hingeschleppt?"
„Ick hatte ihn bei Biedermeiern in det Kämmerchen unter die Treppe jehängt und janz druff versessen." —
„Und Biedermeier ist doch schon vor drei Tagen mit seiner Küche ausgezogen nach der neuen Küche? Und Sie lassen Ihren Schinken da gottverlassen hängen?"
„Ick hatte doch nich dran jedacht, daß eener da in det Treppenkämmerchen rinschielt!"
„Da hört doch alles auf! Die Maurer haben zwei Tage in der verlassenen Küche herumgearbeitet und wer- den nicht in das Kämmerchen reinsehen!. Für so dumm müssen Sie die Leute doch nicht halten. — Aber vielleicht hat sich nur einer einen „Scherz erlaubt und Sie kriegen Ihren Schinken wieder."
Ein schwerer Seufzer. — „Det stöbe ick nich. Der Spitzbube hat sicher jedacht, der Schinken jehört den Unteroffizieren und der Koch hat ihm nur verjesien. Det jrotze Stücke hat er mitjenommen un nur det kleene Stücksken als Kostprobe zurückjelasfen. — Ra, mag er dran verplatzen!" —
„Eigentlich, Filler, haben Sie noch obendrein Prü-
gel verdient. Wer einem kunarigeo Muskaten ZMMst
vor die Rase hängt, muß sich doch sagen, daß er ihn auch holt." ... . , _____.
Das aber will Paul nicht einsehen; wütend brummt er: „Verplatzen soll er!" —
Ich habe nichts davon erfahren, daß um jene Zeit jemand zerplatzt wäre. Der Schinken aber war und blieb verschwunden. — — —
9. Kapitel.
Dauls Familienbild; Fliegerbombe«; ein neuer Zeichner; die Politiker.
Allmählich versink der Winter; im Regen und Schlamm des März erstickt er. Auch die nasien Frühlings- und Herbstwochen find in der Mooshutte mcht angenehm. Ueberall tropft es durch und die Umgebung der Mooshütte wird zum Morastsee. Wir müssen drau- ßen Bohlen legen, damit man nur trockenen Fußes her- ein kann. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als zu Kreuzhacke und Schaufel zu greifen und draußen zu kanalisieren. Mit meinen Hausgenosien ist m dieser Hinsicht nichts anzufangen. Die beiden Zeichner Horen es nicht gern, wenn von Arbeit die Rede ist, und Pau leidet ja an chronischer Faulheit. Seme Tagesarbeit ließe sich ganz gut in drei bis vier Stunden erledigen; allein er wird nie fertig. Seine Gedanken sind stets so sehr mit dem Essen beschäftigt, daß er für sonst mcht, mehr Sinn hat. — .
Paul hat uns schon viel von ferner zwolsiahrigen Tochter! seiner „Lotte" erzählt, ebenso von Maxens, seines Sohnes, Kinderstreichen. Aber von seiner Ge- mahlin, die er einsach seine „Olle" nennt, spricht er selten. Ich habe ihn daher start im Verdacht, daß er em wenig viel unter dem Pantoffel steht.
Vor ein paar Tagen trifft als „Ueberraschung für Paul ein Familienbild ein: die „Olle" hat sich mit den Kindern photographieren lasten. Paule zeigt jedem von uns das Bild und wir bewundern es, wie es die Pflicht der Kameradschaft fordert. Dann aber liegt das Bild bald hier, bald da. Paule redet, wenn es ihm gerade im Wege liegt, etwas davon, daß er, w«nn er mal Zeit hat, einen Rahmen dafür machen will. Mn aber hat Paule nie Zeit. Das weiß ich ganz genau, weil ich schon so lange mit ihm Hause. Und die jmbem misten es auch. Zuweilen mutz Paule „arbeeten", dann sich „nen Ogenblick" verschnaufen, Karnickelfutter suchen, sich die Hände wärmen, in der Kantine einen „Priem (Sautabact) koofen, vor allem aber essen und schlafen. Rein, zum Bildeinrabmen wird Paul nie Zeit haben.
tFottjetzung fqlflt)
Nur heute schien diese Ruhe ein Ende finden zu sollen. „Dieser Mussolini! fuhr auf einmal das deutsche Herz des Herrn Pfarrers auf. Ader nein, wie kann man dergleichen sagen und schrew-n. Standen da nicht gegen dre antideutsche Boykott Propaganda geradezu ungeheuerliche Satze? Rachem das Pilgerjahr herum ist, sind nun einmal die Deutschen „Gesindel", sind sie „Handwerksburschen und Strolche, die mit Rucksack, nackten Knien und Knotenstock Italien heimsuchen, nie mit Wasser in Berührung gekommen zu sein scheinen... die Viehherde." ... Aber Max regte sich nicht- Bei politischen Dingen muß man immer ruhig bleiben Und so begann denn ein stilles Nachdenken. War es am Ende dem italienischen Diktator mehr um eine innenpolitische Aktion zu tun? Es ist doch bekannt, wie sich die Faschisten zu fpalten drohten. Da muß man den Heizspornen von Zeit zu Zeit einen Brocken hinwerfen, mag es auch nach außen hin ein wenig dumm aussehen. Schm mehrfach ist es Musiolini dann spater gingen, mit dem neu gewonnenen Ansehen die Gemüter
Mr aus dem Moospalast.
Eine Robinfonade aus der siriegszeil.
Von Fr. Donatus Pfannmüller.
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Schwere Tage standen bevor. Es fetzte grimmige Kälte ein und wir konnten uns ihrer nicht erwehren. Sei 10 Grad unter Rull hatten wir nachts auch 10 'Grad Kälte in der Baracke. Cs war zum Verzweifeln. Unser Brennholz war grün und naß; wie es im Walde geschlagen wurde, kam es hier zwei Tage später zmn Verbrennen. Und durch die offenen Spalten des Daches und der Wände ging die erzeugte Wärme nutzlos ms Freie. Je stärker wir heizten, desto starker war auch der Zug von unten. Und die großen Karten, womit wir die Wände behängt hatten, rauschten und flatterten wie Fahnen. Zähneklappernd und zusammengerollt, wie Igel, lagen wir nachts schlaflos auf unfern Stroh- fätfen. Wirklich, draußen im Schützengraben wars erträglicher als hier. So sehr hatte ich iin ersten Kriegswinter an der Russenfront nicht gefroren. Und wochenlang dauerte, dieser trostlose Zustand. Wäre unser „Paule" nicht gewesen, der uns zuweilen durch seine Streiche aufheiterte, wir wären schwer über diese Zeit hinweggekommen.
So aber gidts doch zuweilen eine kleine Abwechselung. — Heute hat es wieder die geliebte „Jraupen- suppe" gegeben und wir sitzen an unfern Arbeitstischen und speisen. Die beiden Zeichner drüben an der Westseite, Paule in der Mitte und ich an der Ostwand. Die Löffel klapperten am Blech unserer Feldkesseldeckel, die uns als Teller dienen, und Paul knurrt unzufrieden. Dann beginnt er zu schimpfen: „Ick weetz nich, det greifen is heute so jrisselig. — Wat die Küchenbullen da nur wieder jemacht haben?" —
Ich sehe mich um. Pauls Suppe ist ganz braun, während die meine grau ist, wie militärische Graupensuppe aussehen muh. Daneben steht Pauls Kochgeschirr, schwarzgebrannt vom Feuer. Ein Verdacht durchblitzt mein Hirn. Darin haben sie sich doch gestern abend Kaffee gekocht, und der Kaffeesatz wird es sein, was Paul so „grisselig" in der Suppe findet.
, „Paul, Sie essen Kaffeesatz mit der Suppe. Die Küchenbullen sind ganz unschuldig. Sehen Sie doch 2hr Kochgeschirr an und denken Sie an gestern abend!" Paul starrt mich einen Augenblick sprachlos an, während ihm die Suppe von den Schnurbartspitzen tropft.
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Wissenschaft und Forschung.
— Interessante finnbe ans 6er Soeihezeit. Professor Dr. E. v. Bamberg in Darmstadt hat soeben die ! bisher verschollen geglaubten Memoirender St ar o» Itne Jagemann, der bedeutendsten Weimarer Schauspielerin aus der Goethezeit und Geliebten des Herzogs Karl August, der sie später zur Freifrau von. ' Heygendorfs ernannte, im Besitze eines Urenkels der Künstlerin gefunden. Er wird sie demnächst durch den Shbillen-Verlag in Dresden veröffentlichen lassen. Die ■ kulturgeschichtlich interessanten Erinnerungen enthielten auch eine Reihe bisher unbekannter Briefe und sonstiger Aeutzerungen berühmter Zeitgenossen, darunter Goethe, Herzog Karl August, Herder, Wieland, E. T. A. Hoffmann, Devrient, Jffland u. a.
zu bändigen. ,,, . ., „ .....
Allerdings sind da Nachrichten, die auf em andere Spur führen. Macdonald erzählt von allerlei Abmachungen zwischen England und Italien. Als hätte man sich friedlich verständigt was im Falle eines gemeinsamen Raubzuges dem einen oder andern zufallen solle. Wir wissen um die Rüstungen m der italienischen Flotte. Wir Horen, wie man sich tatsächlich tragen soll mit Absichten auf den Brenner und gar Innsbruck. Es stwt sogar Leuts, die schon seit Langem mit einem faschistischen Vorstoß in die Tiroler Berge rechnen . . . Frage nur: Was können wir dagegen tun? . - . Appellieren an das moralische Gewißen der Welt . . . Freilich, dieses Gewissen gibt nicht nach allen Sei- ten hin das gleiche Echo. Das Gewissen hat oft genug geschwiegen, auch wenn es sich um grauenhafteste Skandale handelte. Dies Gewissen weiß, wie viele arme Mädchen Jahr für Jahr den teuflischen Mädchenhändlern in die Hände fallen, tmd es regt sich kaum. Aber immerhin, es sieht bester aus als Gewatt. Und dann Völkerbund. Auch den kennen wir. Er wird nichts andern von heute auf morgen. Und doch, wir werden dort eine neue Plattform haben, um für das Recht einzutre- ten und das Recht zu verlangen.
So sprach der Pfarrherr vor sich hin . - - Und Mar Wen ihn zu begreifen. Nun trat in seinem Auge auf einmal eine ganz dunkle Tiefe hervor. Als verstände er, was sein Herr vor sich hinmurmelte. Armes deutsches Volk. Einst hast du Europa gegen eine Welt von Heiden beschützt. Mit starker Hand hast du dein Reich gebaut. Und nun bist du zum Gespött der Völker geworden. Lerne nun, zu schweigen und stark zu werden im männlichen Dulden. Danke Gott, daß du wenigstens deine Provinzen der Hauptsache nach beisammen gehalten. Daß nicht alles ttn großen Kriege zer- ttünnnert worden. Jetzt baue auf in deinem Innern mit jenen Kräften, die dich einst so stark ge»
Dann wurde es still ht dem Zimmerchen. Hier und da ruckte es im warmen Ofen. Man horte den Schlag der Wanduhr. Max hustete auch von Zeit zu Zeit, denn er war schon alt. Der Pfarr- Herr aber sann und sann. Warum muß das alles sein? Warum kein Ende mit dem ewigen Krieg? Warum, warum? Dann kam Max heran gegangen. Sein Gang hatte etwas Tappendes, fo daß es gefpensterhaft klang. Er legte seinen Kopf auf das Knie seines Herrn und schaute auf wie das Leid der Welt ... Ja Mar, wir wollen schlafen gehen. Gewiß, es ist Zeit. Wären sie doch alle, wie du und ich. Hatten wir jemals Streit? War es nicht immer gemütlich? Gehen wir unfern Weg weiter, dein Herr auf feinen Zweien und du auf deinen Vieren .. . Und fo kam die Nacht, die unheimliche. Während aber die furchtbaren Geschicke des Weltgeschehens ihren lautlosen Schritt durch die Dunkelheit weitergingen, träumten die zwei vom lieben Gott und schliefen selig bis zum Morgen.
Der Mann im Monde.
Unglaublich!
Der rechtsstehende .Tag" eines der.9u0enberg> Blätter weiß, au8 welchem Grund Musiolini ferne Schimpfrede gehalten hat. Man höre und staune.
Dor zwei Jahren kühlten wir intibie Sternen, bw die Franzosen an der Ruhr uns geschlagen hatten ^rw schrim nach einer Atempause, die der Danvnrekwr Dawes uns dosieren sollte. Icker an Lew unb Serie senkrecht gebaute Mensch müßte sich sagen:, kann Deutschland einmal den Franzosen an die Gurgel, bann ist es um sie geschehen. In dieser Zeit pickte Mussolini seinen General Caprilo zu unserenDat«- ländischen und zu unfern Regierenden mit der Botschaft:
Wenn das gepeinigte deutsche Doll zum Freiheits- kampfe ausiteht, garantiert Italien für Was- fe n und Ausrüstung."
Wir aber schauten blöde darein. Wir begriffen nicht, daß der römische Cäsar, der sein Italien zm Weltmacht machen will, aus ben Gallischen Krieg zusteuerte. Spanien und England gehör« todsicher zu der kommenden Entente gegen Frankreich. Und auf der anderen Seite hatte man — badjte
SliussoUm - das nach Rache unb burftenb«
Deutschland. Er hatte sich getauf4t. Wir taten das Gegenteil des Erwartetenunsere Hochwohlwe, en warfen sich vor Frankreich weder und — verbürgten ihm seine Sicherheit. Ob dieser Dumm he11 entbrannte Mussolini lichterloh. Schwer sichr ferne Faust aus Südtirol nieder, und uns faucht et nun haßerfüllt an.
So, nun wissen wirs. Weil wir nicht folgsam Waren, weil wir uns nicht als Kanonenfutter ttt einen sinnlosen, noch dazu von Ausländern gewünschten Ärieg zerreiben lassen wollten, deshalb schimpft Herr Musiolini. DaS schreibt ein „nationales^ Blatt und findet eS scheinbar ganz in Ordnung.
Neuer aus ßrankfuri.
— Neue Kraniche im Frankfurter Zoo. Mtt zu den schönsten Zierden der Zoologischen Gatten gehören die Kranichoögel, die in 10 verschiedenen Arten die gemäßigten Gebiete der alten Welt bewohnen. Eme besondere reizvolle Form, die feit Jahren im Zoo fehlte, nämlich der afrikanische Paradieskranich, hat neuerdings seinen Einzug in den Gatten gehalten. Der gra= ziöse, gleichmäßig leuchtend grau gefärbte Bogel fallt be- ionbers durch die eigentümlich verbreiterte Nackenpartie und durch die schleppenartig veriängetten Armschwmg- federn auf. Don den ständig seltener werdenden und deshalb schon als „Naturdenkmal" geltenden europäischen Kranichen konnte em männliches Stuck beschafft werden, sodaß der Garten jetzt ein richtiges Paar besitzt. Zu den seit zwei Jahren hn Garten befindlichen vorder- indischen Sarus- oder Antigonekranichen, dm größten aller Kranichvögel, wurde em weiteres stattliches Paar beschajftt i @jn6re(^tt. Das Westmd ist in
diesen Tagen und Nächten beliebtes Ziel der Einbrecher. In' der Oberlindan versuchten Burschen in eine Villa einzudringen, wurden aber durch den rechtzeitig wach- gewordenen Besitzer verscheucht. —■ In der Ellenbach- ftrafa plünderte eine Bande nachts eine Villa aus und falten sämtliche Schmucksachen und Wettgegenstande mts den Zimmern heraus. — eurer Billa m der Falken- ffemer Straße stahlen Einbrecher die gesamten silbernen Bestecke und einen wertvollen großen Persetteppich. ~sn allen Fällen fehlt von den Einbrechern >ede Spur.
Max heißt er. In schweren Zeiten ein verstehender Freund! Ein Blick in feine tteftn Augen: und alles ist wieder gut . . . Max hat vier Deine, zwei ganz vorn und zwei ganz hinten Dazwischen dehnt sich die Schlummerrolle eines zottigen Körpers. In der Dämmerung sieht es aus, als gehöre dieses seltsame Tier zur Klasse der Tausendfüßler, kann man sich doch kaum vorstellen daß fo etwa Langes auf vier kurzen, krummen Beinchen daherschleicht. Max ist schon in seiner Sttuktur ein Sympol der Uebergangszert. Wenn er nämlich mit seinen zwei Vorderpfoten auch schon ganz im Neuen steht und mtt feiner gesunden feuchten Schnauze den Geist von Lo- arno liebkost, so kann es doch sein, daß seine beiden Hinterbeine noch ganz hn Alten verstrickt sind mit samt dem dazugehörenden Schwanz. Man könnte demgemäß sämtliche politsichen Parteien aus ihm sinngemäß anbringen, wenn auch nicht gerade von Links nach Rechts, so doch von Vorn nach Hinten. Max ist durch und durch ein politischer Hund worauf schon fein schlangen artiger Gang hm- deutet. Noch klarer wird das aus seiner ganzen Entwicklung. Sein Stammbaum ist zwar nicht berühmt, da'Max mutmaßlich in einem Zigeuner» wagen das Licht der Welt erblickt hat. Da aber über seiner Wiege das Wort halüe: Freie Bahn dem Tüchtigen, ttat er mutig seine Lebensreise an. Und siehe, es gelang ihm schon bald, in ein gutes Pfarrhaus überzusiedeln. Als noch die Militärzeit in Blüte stand, lief er heimlich jeder Uniform nach, was ihm übrigens manchen fetten Knochen ein» brachte. Als ihn aber einst ein Herr Major und Etappenkommandant fürchterlich durchs Monokel anschaute, mackste Max kehtt, gab am nächsten Baum feiner Verachtung Ausdruck und suchte sich eine neue Partei, hatte sich doch die öffentliche Futtergrippe inzwischen merklich verschoben. Max hielt sich eine ZeiÜang ständig nach links uftd bellte jeden Polizisten an. Besonders liebte er es, geaen die hohen Steuern zu prvtestteren, weshalb er jeden Morgen — und dies alles sind Tatsachen — sich mitten vor das Finanzamt setzte, und zwar auf die höchste Stufe, wo er denn Demonstrationen vornahm, für die zweifellos ein geeigneteres Gelände zu finden gewesen wäre. Darüber ist Max denn schon alt genug geworden und hat endlich beschlossen, dem Streite der in ihm selbst verkörperten Parteien ein Ende zu machen. So liegt er denn gewöhnlich neben dem warmen Ofen, verschlingt die Vorderläufe friedlich mit den Hinteren und läßt sein noch immer herrschaftliches Haupt auf den also geeinten Extremen ruhen, ein wundervolles Bild der einmal kommenden großen Koalition.
Man kann sich denken, daß der würdige Pfarrherr, der mehr als es feinem durchaus versöhnlichen Charakter eigenllich entspräche, sich mit politischen Dingen beschäftigen muß, den Rat dieses esahrenen Famulus in allen wichtigen Fragen gern einholt. Und da kann man denn Szenen beobach- ten, die denen ht Goethes Faust nicht das geringste nachgeben. Denn wenn auch der würdige Pfarrer weder dem Faust noch dem Wagner gleicht, so doch dieser Tausendfüßler nicht selten einem Pudel. Im Gegensatz zu dem ewig weiterhetzenden Mephisto sieht allerdings dieser Pudel seine Hauptaufgabe darin, in jedem Betracht beruhigend zu wirken. Wozu denn auch allen Neuigkeiten nochlaufen? Sie sind doch morgen schon nicht mehr wahr. Wozu immer gleich mit dem Schwerte drein schlagen? Es zeigt sich doch morgen schon, daß nur ein Mißverständnis vorgelegen hat. In diesem Punkt hat Max die Weisheit des alten Militärs geerbt, bei dem man sich erst beschweren konnte 24 Stunden, nachdem das Unrecht geschehen. Wie viel tut nicht für uns die Zeit, wenn wir sie ruhig wirken lasten. Das wußten die beiden. Und da sie so gemach ihren Weg weiter gingen, ohne von der dummen Leidenschaft bald hierhin bald dorthin gehetzt zu werden, kamen sie bedeutend schneller voran, als alle jene Fanatiker, die einer Hornisse gleich hin und her stoßen, aber doch immer am selben Fleck bleiben . . .
der heute die Suppe von der Küche geholl hat. — „Du bist mich schon ’ne Pflaume! — Du, sag' ja nich, hafte nich dämlich bist! — Kamtste nich rinkieken in die Kochjeschirre, ob sie ooch reene sind? — Aber nee, ein Mensch, wo vier Bräute hat, wovon dreie Trudel hee- ßen, der is zu nischt mehr zu jebrcmchen."
Bleich verteidigt sich: „Du olle Nudel, wasch Dir doch Dein Kochjeschirr alleene aus. Wenn ick Cffenholen jehe, dann müffen die Kübel einfach sauber find. Aber Du bstt 'n oller Schmierfinke." —
„Sei du man stille!" schreft Paul. „Ick weeß schon, Du bist Deiner Mutter sein Bester. Neulich haste mein Kochjeschirr mttfamt’s Karnickelfutter mitjenommen und mir bet Esten drussschippen lassen, heut wachste wieder foroat Ick kenne dir."
Eine Lachsalve durchhallt die Bretterbude, dann beruhigen sich die Geister wieder. Paul ißt sein Kochgeschirr mtt der grissriigen Suppe leer, dann steht er auf und holt sich an der Küche eine „zweete Wucht', diesmal ohne Kaffeesatz.
Ueberhaupt, Paul geht oft nach der Küche, um womöglich eine zweite Auslage zu erhalten, und die andern tun es auch. Oft wird der weite Weg vergebens gemacht, dann sieht man es ihm schon von weitem an, daß er nichts erreicht hat. Sein Gang ist dann noch schlammiger als gewöhnlich, ober er trommelt auf dem leeren Kochgeschirr. Oft aber kommt er verklärt und siegestrunken mit seiner Beute zurück. Sein gesegneter Appettt ist nicht nur den Kochen, sondern auch dem Hauptmann, dem Kommandanten des Korps-Hauptquar- tiers, bekannt. Wenn dieser die Küche revidiert und Paule erscheint um eine „zweete Wucht", bann verhilft ihm der Hauptmann dazu, wenn nur irgend ein Rest im Kessel ist. Kamerad Paul hat die Manieren eines gutmütigen, lappigen jungen Hundes, darum gibt ihm jeder gern einen Brocken, — wenn er hat.--
Als ich von meinem Urlaub zurückkehrte, bereitete sich gerade Freund Paul auf seinen Urlaub vor. Seine Vorbereitung bestand darin, daß er alles mögliche zusammenhamsterte. So hatte er, als sich dieser Tage Gelegenheit bot, in der Markedenlerei acht Pfund Schinken gekauft, den er mitnehmen wollte. Alle seine Ersparniffe hatte er dazu verwendet und sogar noch Schulden gemacht. Und nun setzte eine Urlaubssperre ein von unbestimmter Dauer. Paul war fünf Minuten lang wütend. Jetzt sorgte er sich um seinen Schinkenvorrat, der nur ungenügend geräuchert mar. Damit er nicht unter der Wärme unserer Baracke litte, hatte er ihn in eitlen Sack ßriajn unb iw britteja SftHme
3ur Frage der Arbeitsgemeinschaft ° mon maßgebender Seite wird uns in der der Arbeitsgemeinschaft Folgendes nnt-
ße d Spätsommer vergangenen Jahres zu- M«e getretene Wirtschaftskrise in Verbindung mit t 9 Hufoihung der innerpolttrschen Lage veranlaßte
- - Retbe von Wirtschaftsführern aus dem Kreise s Arbeitgeber und Arbeitnehmer, den Möglich- » * ^r kommenden Entwicklung vermehrte Auf- «Jrtfamteit zuzuwenden. Zwischen mehreren von Triftfichen Unternehmern und Führern der chnst- r£en Arbeiterschaft hatte schon seit Anfang 1925 « öfterer Gedankenaustausch eingesetzt. Auf diele ^xste ergaben sich eine Reihe von parallelen Er- 0^3n^er zweiten Hälfte des Monats Dezember , > auf Veranlastung mehrerer Abgeordneter der »-ickstagsfraktton des Zentrums unter Beteiligung tnhrenber Geistlicher in Esten eine Konferenz statt, der sich seitens der christlichen Gewerkschaften, .nfter anderen die Herren Stegerwald und Jmbusch, leitens der dem Zentrum nahestehenden Unternehmer unter anderen Geheimrat Klöckner beteilig» ten Gegenstand der Besprechung war einerseits die Lage des Ruhrberabaues und andererseits der Wunsch k'rchl'ckier und parlamentariscl)er Kreise, die wirtschaftliche Notlage zum Gegenstand eines regelmäßigen Gedankenaustausches zu machen. Letztere Anregung fand die Billigung der zuständiger« Persönlichkeiten der christlichen Gewerkschaften.
Auf Grund eines Berichtes über die Essener Besprechung erklärten sich maßgebende Vertreter des Ruhrbergbaues bereit, einen ähnlichen Met- nunasaustaufch in breiterem Rahmen stattfinden zu lasten. Diese Tatsache führte zu der Offener Dergbaukonferenz vom 2. Februar 1926, an welcher sich nunmehr auch die Vertreter der freien Gewerkschaften beteiligten. Gegenstand der Aussprache war wiederum in erster Linie die Lage des Ruhrbergbaues. Außerdem wurden gewisse grundsätzliche Fragen der Wirtschafts- und Handelspolitik berührt. Die in manchen Teilen der Presse verbreitete Nachricht, daß die Wiederauftich- tung der Arbeitsgemeinschaft im Bergbau oder der Zenttalarbettsgemeinfchaft zur Verhandlung gestanden habe, entspricht nicht den Tatsachen. Das Gleiche gilt von gelegentlichen Zusammenkünften zwischen Industtiellen und Gewerkschaftern, welche in letzter Zeit in Berlin stattfanden. Me beteiligten Stellen sind vielmehr der Auffassung, daß eine Behandlung organisatorischer Fragen den ungehinderten Meinungsaustausch der Zeit nur beeinträchtigen könnte. Nach der Erfahrung nötigt eine satzungsgemäß gebundene Zusammenarbeit großer Spitzenorganisationen zu einer gewissen formellen Behandlung der Dinge, welche sowohl zeit- kich wie sachlich den Bedürfnisten nicht immer gerecht zu werden vermag. Die schwere Krise, in der das Wirtschaftleben Deutschlands sich befindet, scheint vielmehr zu fordern, daß sich verantwortungsbewußte Führer zu freiem Gedankenaustausch zusammenfinden. In diesem Sinne bestand bisher und besteht Einigkett unter den De» frilttticn "■
Katholische well.
— Der neue Präsident der Päpstlichen Grientalischen JUftttHtS. An Stelle des erkrankten Kardinals Tacci wurde Kardinal Sineero zum Präfekten des Otten- talischen Instituts ernannt